reflections

Galgenmännchen





Das Zerwürfnis liegt nun einen Monat zurück und mir kommt es schon vor wie eine Ewigkeit.

Wenn ich ihn mir nun vorstellen will, ist das Bild etwas blasser und nicht mehr so klar zu sehen.
Das Vergessen setzt ein.

Und dennoch...
...in besonders trostlosen Stunden bilde ich mir gerne ein, er würde wie ein Schutzengel an meiner Seite gehen und mich vor Schaden bewahren. Mich behüten. Auf mich aufpassen.
Und wenn ich Angst habe oder mutlos bin, flüstere ich noch oft seinen Namen und fühle mich dadurch ein klein wenig besser. ...und gleichzeitig schlechter...
Der Mensch ist fort, aber seine Aura ist noch halb präsent wie die Restwärme einer verloschenen Feuerstelle.
Oder wie das sanfte Glühen eines stillen Sterns, der einfach in kein Bild passen wollte.

Es ist keine Frustration.
Nicht mehr.
Es ist Melancholie.

Die Frustration hat mich gemeinsam mit Brander verlassen.

Doch ich weiß den schmerzlichen Verlust in altbewährter Manier hinter einer Maske der Euphorie und Fröhlichkeit zu verbergen.
Ich gehe tanzen, ich spiele mit den Kindern, ich lache und treibe Spott (ja, richtig: Spott! Nicht Sport. Nein, haha weiß Gott nicht....LOL), ich flirte und lerne und übe neue abendfüllende Handarbeiten.

Meinen ganzen Kummer, meine ganze Unsicherheit dränge ich ganz ganz gaaaaaaanz :-D weit zurück ans Ende meines Bewusstseins.

Und dennoch....
Es ist seither kein Tag vergangen, an dem nicht eine Sekunde der Unachtsamkeit mir eine Unglücksträne über die Wange laufen ließ.

Dann werd ich panisch, drehe laut Musik auf oder verfallen in einen geistesgestörten Fahrstil, oder ich singe laut vor mich hin oder betreibe sonstwelchen blinden Aktionismus.

Wenn es auf der Arbeit passiert, nehme ich ein Stück Papier, schreibe seinen Namen darauf und zerreiße es. Ich will ihn freilassen.
Ich will mir auch nicht länger einbilden, dass meine Gedanken ihn erreichen könnten, damit er auch an mich denkt.

Von seinen Exfreundinnen weiß ich nur soviel: dass er ihre Namen nicht ausspricht.
So werde wohl auch ich in die Geschichte eingehen, als eine von vielen, deren Namen nicht genannt werden.

Von der schönen Zeit, die wir hatten, ist in seinem Gedächtnis kein Platz. Er hat mich und all das Nette, was ich für ihn getan habe unwiederbringlich ausradiert und in kläglichem Männerstolz-Stil nur die Narbe übrig gelassen, die ich ihm zuletzt beigebracht hatte.

Ganz ehrlich, ich war versucht, es ihm ins Gesicht zu schreien. Ich wollte ihm sagen, dass er weder ein Opfer- noch ein Unschuldslamm ist! Und wie unfair es von ihm war, mir keine zweite Chance zu erteilen, nach allem was ich für ihn getan habe. Für ihn und alle Männer, die ich je auf Händen getragen und verehrt habe. All die Menschen, die immer nur mehr und mehr Chancen von mir verlangten und mich trotzdem enttäuschten.
Die Welt ist mir was schuldig geblieben und ich fühle mich betrogen.

Und gleichzeitig wollte ich mich zärtlich in sein Leben zurückschlängeln und mit Engelszungen auf ihn einreden, mich wieder unter seine wohlwollenden Fittiche zu nehmen.
Ich fasste sogar den Plan zu dem Herbstfest in das Wikingerdorf zu reisen, von dem ich wusste, dass er es besuchte. Ich träumte davon, mich heimlich nachts in sein Zelt zu schleichen und ihm wie ein Traum zu begegnen. Ihn zu küssen, ihn zu streicheln, ihn zu lieben, als hätte es nie etwas anderes gegeben als das Uns.

Aber es war illusorisch.

Ich fahre keine 500 km, um mich von ihm wie eine aufdringliche Hure aus dem Lager werfen zu lassen.
Er hätte mich angebrüllt und von sich gestoßen.
Und er hätte das ganze Dorf geweckt, um mich bloß zu stellen und zu erreichen, dass ich so etwas kein zweites Mal versuche.
Männer sind so.
Sie sind grausam.

Was kann ich also tun?

Ich tue was ich immer tue. Ich lenke mich ab. Ich weine ein bisschen. Ich teile Körbe aus, an arme selbstüberschätzte Trottel. Das Übliche.

Und ich schreibe.
Ich schreibe von meinen Gefühlen, meinen Gedanken und meiner Zerrissenheit, anstatt weitaus bedeutsamere Themen aufzuarbeiten, wie etwa, dass meine Mutter mal wieder ohne Fahrzeug dasteht, oder dass meine Tochter Sternchen ein Schulkind geworden ist. Dass ich mitten im Scheidungsprozess stecke und dass ich gerade mein letztes Hemd verkaufe, um mich aus den Schulden zu retten.

Tja, was soll ich sagen?

Die Schlinge zieht sich immer mehr zu.....
 






13.11.19 22:18, kommentieren

Liebeskummer

 

Eins vorweg: nachfolgendes Geseier mag auf den ersten Blick nervig und hohl erscheinen, aber es hilft mir, die Angelegenheit zu verarbeiten. Darum seid bitte nachsichtig mit mir.

_____

 

Unabhängig davon wie es zu dem Zerwürfnis kam und wieviel Schuld wer hatte....

...ich vermisse ihn.

Ich ertappe mich immer wieder dabei, auf Whatsapp Ausschau zu halten wie oft er wann online geht. Und jedes mal wenn wir zeitgleich on sind, ist es wie ein gehauchter Kuss. Eine Schwingung. Ein sanfter Kontakt.
Es tut gut.
Und gleichzeitig ist es schlimm, denn es wird zur Sucht.
Um es zu unterbinden, habe ich meine Einstellungen im Datenschutz verändert, dass ich seine Zeiten nicht mehr sehen kann. Allerdings kommt es vor, dass ich die Einstellung immer wieder hin und her ändere, weil ich nicht so recht davon los komme.

Auf Facebook habe ich ihn schon relativ zeitnah blockiert, nachdem ich pausenlos sein Profil besuchte.
Das muss aufhören.
Es ist nicht richtig.

Die anderen Männer haben ihre Bemühungen langsam zurück gefahren, nachdem ich kaum noch reagiert habe.
Mir ist einfach nicht mehr dannach.

Ich bade in Liebeskummer.

Mein Denken ist noch viel zu oft von ihm beherrscht.

Um mir das nicht anmerken zu lassen gebe ich mich betont fröhlich bis kratzbürstig, wenn er mir schreibt. (Er hatte wissen wollen, ob das Paket mit meinen Sachen angekommen ist. Mehr Kontakt hatten wir eigentlich nicht mehr) Es ist nicht nötig ihn spüren zu lassen, dass es mir immernoch scheiße geht. Ich will mich stark zeigen. Auch wenn ich viel für ihn empfinde, bleibt er ein Mann. Und ich mag Männern gegenüber nicht gern Schwäche zeigen, wenn es sich nicht gerade um ein Spiel handel. Was er bisher von mir zu hören bekommen hat - die ganze Heulerei und Zerknirschtheit - war genug.

Immer wenn ich einen starken Moment habe, nutze ich das, um ihn schrittweise aus meinem Leben zu radieren.
Neulich habe ich hunderte seiner Fotos und Videos von meinem Handy gelöscht und nur eine kleine handvoll behalten.
Ein paar normale und zwei, drei erotische.

...jaaaaa, ich .....hm.... habe neulich im Bett die VR-Brille angezogen und mir eines seiner Bilder angesehen, während ich...."beschäftigt" war....
Das klingt jetzt schräg, oder?
Ich bin sicher, er fände das nicht so lustig, wenn er das ahnen tät. ^^'
Aber es hat sich so gut angefühlt und ich bin ziemlich oft und sehr heftig gekommen.
Erlaubt ist, was Spaß macht, oder?
Ich meine, ich bin sicherlich nicht die erste, die sowas macht, nicht wahr?

Aber es ist unmoralisch. Ich weiß.
Ich meine, ich vergewaltige damit einen Teil von ihm und ich sollte das vielleicht besser lassen.
Zumindest kann es meiner Psyche nicht zuträglich sein.
Und es ist auch nicht der beste Weg, von ihm los zu kommen....
Darüber hinaus ist es erbärmlich. Und beschämend.
Au weia...

Aber mich reizt die Vorstellung, er könne plötzlich eines Tages unerwartet vor mir stehen, mich in seinen T4 ziehen und seine Wut in einem sexuellen Akt zum Ausdruck bringen, um mich zurück zu erobern.
Ich hatte noch nie wütenden Sex.
Aber es ist geil, es in Gedanken durchzuspielen. Dass er mir mit einer Hand den Mund verschließt, einen Finger zwischen meine Lippen schiebt, um mich zu knebeln und meine Streitsucht zu bändigen. Mich niederdrückt und von hinten nimmt, während er mit der anderen Hand meinen Hintereingang betastet und droht mir Schmerzen zuzufügen, wenn ich nicht aufhöre zu zicken.

Aber für solche Spielereien ist er zu alt.
Auf sowas hat er einfach kein Bock mehr.

Keinem Mann über 40 steht noch der Sinn nach einem Rodeo mit einem unbändigen Wildpferd. Zumal es ihn Überwindung kosten würde, mich gebührend zu unterwerfen, weil er nicht viel von Gewalt im Bett hält.

Brander ist ein Mann, der sich nach jahrelangem Feuer und Terror nach ein bisschen Ruhe und Frieden sehnt.
Und ich bin eine Frau, die sich nach jahrelanger Langeweile nach Feuer und Terror sehnt.

Es ist zum verzweifeln.

Trotzdem will ich keinen anderen, bzw. kann es mir zumindest nicht vorstellen. Bei niemandem sonst könnte ich mich so sicher fühlen, wie bei ihm. Ich weiß, dass er mir nie ernstlich etwas antun könnte.
Alles war er tut geschieht nur, um Lust zu schenken und Spaß zu haben.

Er ist so ein guter Liebhaber. Warum ist er kein guter Beziehungspartner? Ich weiß es nicht.

Aber meine Phantasie führt mich immer wieder unweigerlich zu ihm zurück und ich komme aus irgendeinem Grund nicht von ihm los.

Ich wünschte, ich hätte einen Vorwand ihm nochmal zu begegnen, oder mit ihm zu schreiben.
Aber ich muss eisern bleiben und dem Drang widerstehen.
Dieser Mann will nichts mehr von mir und ich habe nicht das Recht ihn weiter zu nerven.
Ich muss mir immer wieder vor Augen führen, dass er längst aufgehört hat mich zu lieben!

Auch wenn die Trennung sehr plötzlich geschah, bleibt mir nichts anderes als vorwärts zu schauen.

Was will ich noch von einem Menschen, der bald schon vergessen haben wird, dass es mich überhaupt gab?

Er hätte mich nie nie nie glücklich machen können!
Er wäre niemals zu mir nach Hessen gezogen und ich wäre nie und nimmer nach Berlin gegangen.

Es war nur ein Sommermärchen.
Eine flüchtige Romanze.


Und ich muss jetzt endlich klar kommen und meine Gedanken von ihm lösen!

...aber wie, wenn ich doch gar nicht aufhören will und kann?

Wie lange wird es dauern?
Was muss ich tun?

Und warum tut es eigentlich mehr weh, als nötig?

Das alles kann doch einfach nicht normal sein.


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p.s.
Der Schwangerschaftstest war negativ




4 Kommentare 1.11.19 20:52, kommentieren

Trennung



Manche behaupten, es sei leichter jemanden zu verlassen als selbst verlassen zu werden.
Ich kann das nicht bestätigen.
In den meisten Fällen habe ich den entscheidenden Schlussstrich ziehen müssen und es war jedes mal die Hölle für mich, jemandem weh zu tun.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass meine vergangenen Beziehungen nicht durch Verliebtheit zustande gekommen waren, sondern durch eine Art Gewöhnung. Dass heißt, man trifft sich mit einem Menschen, schläft ein paar mal mit ihm und verbringt Zeit mit ihm - solange bis sich die Liebe irgendwann einstellt.
Bei Brander war das anders gewesen. Ich habe mich zuerst in ihn verliebt, lange bevor wir uns das erste mal auch nur gegenüber standen.
Als ich mit ihm Sex hatte, war ich bereits bis über beide Ohren verknallt und habe es vor Sehnsucht nach ihm kaum ausgehalten. (Dabei war er ein völlig Fremder)
Das machte die Beziehung zu Brander zu etwas besonderem. Und vielleicht empfinde ich deshalb den harten Fall umso schmerzlicher.
Der Schmerz war ja schon schlimm, als sein Interesse an mir nachließ. Schlimmer wurde es bei jedem Zwist den wir hatten. Aber so schlimm wie diese Trennung ist mir keine Zweite in Erinnerung.
Es ist auch kein stetiger Fluss der Besserung, sondern ein aufwühlendes Auf und Ab von starken und schwachen Momenten, in denen ich abwechselnd um ihn kämpfen und ihn verfluchen möchte.

Mittlerweile bilde ich mir ein, dass ich das schlimmste überstanden habe. Ich habe ihn sogar auf Facebook blockiert, damit ich nicht länger in Versuchung gerate sein Profil zu bestalken.
Allerdings bringe ich es immernoch nicht über mich, seine Fotos und unseren whatsapp-Verlauf von meinem Handy zu löschen.

Zu viele süße Erinnerungen an einen Sommernachtstraum...

Und dann ist da noch etwas...

Es ist ein wenig unangenehm davon zu berichten, aber.....

Naja, also in der Packungsbeilage der Notfallverhütung stand, dass die Periode anschließend stärker ausfallen würde. Auch die Apothekerin hatte mich dahingehend gewarnt.
Nun verhält es sich aber gerade andersherum.
Meine Tage waren zum einen nicht mehr hellrot sondern schwarz. Und auch nicht flüssig, sondern sehr trocken. Auch dauerte es keine Woche, sondern gerademal zwei Tage und es war recht wenig.

Poor-Angel, meine Mutter, hat mir berichtet, dass die Pille danach nur dann wirkt, wenn man seinen Eisprung noch nicht hatte und dass es darum keine besonders sichere Verhütungsmethode darstellt.

Da ich nicht weiß, ob ich im Zweifelsfall eine Abtreibung - einen Mord - begehen könnte, wäre es mir fast lieber, ich könnte es jemandem schenken, der es haben will und der es versorgen kann.

Aber noch sind es ungelegte Eier und ich will mit dem Test noch warten.

Zuerst muss ich diesen dämlichen AIDS-Test bewilligt kriegen.
Der Hausarzt will es nicht kostenfrei anbieten und hat mich zum weißen Ring geschickt. Von dort würde ich Unterstützung bekommen, wenn ich den Kerl ans Messer liefere, der mich gegen meinen Willen ohne Gummi nahm.
Allerdings habe ich ihm mein Wort gegeben, dass ich Stillschweigen bewahre. Und ich kann doch mein Wort nicht brechen! Wer weiß, was dann geschieht? Die Story hat durch Branders überstürztes Handeln auch so schon genug hohe Wellen geschlagen.
Außerdem weiß ich immernoch nicht inwieweit es überhaupt ein Verbrechen war oder nicht. Wir waren beide betrunken und bekifft und in keiner Weise zurechnungsfähig. Ja, unser Stelldichein war von Gewalt geprägt - und nein, ich habe mich nicht genug gewehrt.
 Irgendwie bewegen wir uns da in einer Grauzone.

Aus jetziger Sicht - nüchtern und um ein paar Erfahrungen reicher - wünschte ich mir, ich hätte mich in jener Nacht mehr zusammengerissen und dem Arsch den Laufpass gegeben.

Tja, und dann?
Was wäre dann passiert?


Brander und ich hätten weiterhin unser verzweifeltes Spiel bis zu seinem bitteren Ende gespielt. Denn irgendwann wäre unweigerlich der Punkt gekommen, an dem wir beide hätten einsehen müssen, dass wir uns gegenseitig mehr schaden als nutzen.
Und wer weiß, wie hart dieser Schritt dann gewesen wäre?


So war es vielleicht das Beste.
Es stand nichts auf dem Spiel.
Die schönen Erinnerungen überwiegen noch.
Und niemand kann dem anderen vorwerfen, er habe zu viel in die Beziehung investiert.


Das einzige was ich ihm vorwerfen könnte ist, dass er am Ende doch nicht anders oder gar besser als all die anderen Männer war.

Er war eben nur ein Mann.


Und mein Herz hat sich einfach geirrt.




25.10.19 22:30, kommentieren

Seitensprung

 


Mein ganzes Leben lang war ich eine treudoofe Seele von Mensch. Habe immer brav und folgsam alles getan oder erduldet, was mir das Leben – oder die Männer – aufbürdeten. Meine Leidensfähigkeit war enorm. Wann immer mir jemand weh tat versuchte ich mit Verständnis und Freundlichkeit die Sache zu durchleuchten und zu klären – immer in der Gewissheit, wen ich selbst mal Scheiße baue, dann will ich sicher auch, dass man mir vergibt.

Und so war ich am Ende immer der Gelackmeierte mit der blutigen Nase. Denn nette Menschen, wie ich einer war, kommen im Leben nicht weit.

 

Als ich meinen Mann verließ wollte ich mein Leben von Grund auf ändern. Ich wollte reihenweise Männerherzen brechen und rücksichtslos meinen Weg bestreiten. Ich wollte aus der Opferrolle heraus und ein Arschloch werden. Ein durchgeknalltes egoistisches Arschloch.

Ich wollte wild sein und unnahbar. Hemmungslos und durchtrieben. Ein Schurke. Ein Gewinner.

 

Aber es sind eben zwei Paar Schuhe, ob man in eine Rollte geboren wird, oder ob man sie bloß spielt.

 

 

Vielleicht hätte ich die Rolle irgendwann formvollendet verkörpern können, wenn nicht Brander in mein Leben getreten wäre und mich in sich verliebt gemacht hätte.

In dem halben Jahr das wir uns kannten, habe ich mich tagtäglich mehr geöffnet, bis es wieder das alte Spiel war von dem einseitigen Geschäft. Seine Versprechungen, er würde eines Tages zu mir nach Hessen kommen und hier sogar einen Job annehmen, um die Liebe auch in meinen Alltag zu bringen….. …ich habe sie geglaubt.

Seine Ideen von einer gemeinsamen Zukunft und heiraten und Häusle bauen …. ….. auch das habe ich geglaubt.

Er wollte sogar gemeinsame Kinder mit mir.

 

Tatsächlich aber war seine Liebe kaum mehr als der Abglanz eines Schattens. Fadenscheinig und flüchtig.

Von Interesse und Romantik fehlte bald jede Spur.

Mag sein, dass ich an einem Punkt in sein Leben getreten war, wo er mich brauchte und ich ihm gut tat. Aber bald schon hatte er nur noch sein privates Vergnügen im Fokus und begann mich und unsere Ziele mehr und mehr zu vergessen.

Ich sah zu, wie er Spaß hatte und wartete.

Wartete, dass er sich wieder an mich erinnern und mich besuchen würde.

 

 

Letzten Endes scheiterte unsere Beziehung schon an den allerkleinsten Stolpersteinen. Von großen Problemen ganz zu schweigen!

Wann immer es Streit gab, war jedesmal von Trennung die Rede, anstatt an den Baustellen zu arbeiten und sich zu entwickeln.

 

 

Als ich irgendwann merkte, dass ich mich erneut in der Opferrolle befand, bekam ich Angst. Richtig Angst.

Ich spürte Schmerz. Ich spürte Missgunst. Die ganze Palette.

 

 

Nach langem Überlegen fand ich einen Weg, mich von meinen brennenden Gefühlen abzulenken (auch um Brander nicht unnötig mit meiner Liebe zu ersticken): Ich baute mir einen Verehrerkreis auf.

Männer, mit denen ich chatten und flirten konnte, wenn ich Aufmerksamkeit und Bestätigung brauchte. Eigentlich ein harmloser Einstieg in den Absturz, findet ihr nicht?

Mein eigentliches Interesse an diesen Leuten war jedoch eher gering. Bald fing mich sogar ihr nervtötendes Geschmachte an zu langweilen, so dass ich teilweise kaum noch eine Antwort übrig hatte.

Mein Fokus und mein Interesse und meine ganze kleine Welt drehten sich weiterhin um Brander und ich schaffte es einfach nicht, mich wieder wenigstens ein kleines Stück zurück zu ziehen.

Die Sehnsucht nach ihm beherrschte mein ganzes Dasein. Die permanente Sucht nach ihm bestimmte mein Leben.

 

 

Wahrscheinlich bin ich ein Fall für eine Therapie.

Jedoch sind die ganzen Spezialisten hier in der Gegend auf Monate und Jahre ausgebucht….

 

Ich weiß, dass ich ein verquertes Bild von Liebe und Sexualität in meinem Kopf habe. Ich gerate einfach immer wieder in diese gottverdammte Abhängigkeit und dann wird es bitter.

 

 

In einem letzten verzweifelten Versuch, mich vor dem endgültigen Wahnsinn zu retten, ehe ich mich rückhaltlos in die Beziehung mit Brander verrennen sollte, beging ich den Fehler meines Lebens und davon will ich heute erzählen:

 

 

Ich begab mich am 12.10. zu einem Mittelaltermarkt ungefähr zwei Stunden von hier, wo mich niemand kannte. Zwar ging ich allein und ohne Erwartungen dort hin, doch habe ich sicherheitshalber ein Kondom eingepackt, falls es tatsächlich auf einen Seitensprung hinauslaufen sollte.

Ich war mir nicht sicher, ob ich diesen Schritt fertig bringen würde und hoffte ehrlich gesagt auf ein Zeichen, das mir die Richtung weisen sollte.

Nicht umsonst hatte ich mir zuvor extra einen Schlafsack gekauft, damit ich im Normalfall im Auto übernachten konnte.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich auf Ärger aus war.

 

Als ich ankam sammelte ich erst mal zwanglose Eindrücke von der ganzen Kulisse. Ich unterhielt mich mit freundlichen Händlern und anderen Besuchern und schaute mir in Ruhe die Feldschlacht an.

 

Erst als es Abend wurde griff ich den Gedanken an die Jagd wieder auf.

 

 

Dazu muss ich sagen, dass mir der Gedanke ziemlich Magenschmerzen bereitete.

Ich konnte nicht mal meinen Exmann betrügen, obwohl Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt es sicher verdient gehabt hätte. Ich erinnere mich da an einen gescheiterten Seitensprung, als ich weinend von der Bettkante floh und mich aus dem Staub machte, ehe etwas passieren konnte.

 

 

Doch diesmal war ich ein anderer Mensch.

Ich war kein Opfer mehr.

 

Ich war ein Täter.

Ein Täter bei seiner ersten Tat.

 

 Nachdem also der letzte Programmpunkt des Tages beendet war, begab ich mich zur Trainingswiese und setzte mich an den Rand, um bei einigen lockeren Übungskämpfen zuzusehen. Ich saß sehr lange dort. Die meisten Schwertkämpfer waren junge Anwärter, die teilweise zu dritt oder zu viert gegen einen einzelnen erfahrenen Mann antraten.
Wie das bei kämpfenden Männern so ist, haben sie natürlich alle kein Auge für Zuschauer oder Zuschauerinnen. Ich bin ohnehin niemand, der den Männern gleich auffällt. Auch nicht, wenn ich ganz provokant in gelbem Kleid auftrete.
Irgendwann setzte ich mich zu einer anderen jungen Frau, welche ebenfalls in der Farbe der Hübschlerinnen am Feldrand saß und augenscheinlich voller Sehnsucht einen Blick ihres Gefährten zu erhaschen suchte.
Wir kamen ins Gespräch und verstanden uns auf Anhieb gut.
Ich will sie Helga nennen.
Helga war entgegen ihrer engelsgleichen Erscheinung ein wahres Früchtchen. Sie erwiderte meinen unmoralischen Humor mit mindestens ebenso derben Anzüglichkeiten und zusammen hatten wir eine Menge Freude daran, uns über die Männer lustig zu machen, die uns keines Blickes würdigten.
Irgendwann wollte sie wissen, zu welchem Lager ich gehörte und ich gab zu, dass ich ohne Übernachtungsmöglichkeit gekommen war.  Sofort lud sie mich ein, bei ihr zu nächtigen und ich nahm das Angebot unter der Prämisse an, dass ich ihrem Lager erst höflich die Aufwartung machen wollte.

Wir begaben uns auf den Weg, als die letzten Kämpfer ermüdeten und die tiefstehende Sonne lange Schatten warf.
Ihr Freund hatte sich zu diesem Zeitpunkt auch wieder an sie erinnert und begleitete uns, zusammen mit zwei weiteren Männern.
Helgas Lager entpuppte sich als ein zusammengewürfelter Haufen von drei oder mehr nicht ganz vollständigen Sippen.
Nachdem ich eine Flasche Met spendierte wurde ich ganz gut aufgenommen, allerdings fühlte ich mich in der Gesellschaft nicht ganz wohl.
Die Leute waren nicht unbedingt gastfreundlich und ich wurde die meiste Zeit nur mehr oder weniger geduldet. Irgendwann erbarmte sich einer der Männer und leistete mir ein wenig Gesellschaft. Er setzte sich in meine Nähe und begann eine Unterhaltung mit mir.
Sein Name war Leif.
Er brachte mir einen Becher Bier und ich drehte ihm dafür eine Zigarette.
Er war eigentlich ganz nett. Er bot mir auch an, die Nacht in seinem Zelt zu verbringen und ich nahm das Angebot gerne an.
Wir redeten und kifften zusammen und ich fühlte mich sehr entspannt.

Gegen 21 Uhr pilgerten dann alle Menschen zu einer Party in der großen Scheune. Auch ich folgte nach dort. Allerdings entpuppte sich die Festivität als dichtgedrängtes Massenbesäufnis bei Freibier und mir verging schnell die Lust daran.
Leif erklärte seine Absicht, dass er sich mit seinen Kumpels bis zur Besinnungslosigkeit volllaufen lassen wolle und ich lächelte und klopfte ihm die Schulter und wünschte ihm viel Spaß dabei. Dann ging ich.

Es ärgerte mich, dass ich mal wieder nicht in der Lage war, das Interesse eines Mannes länger als 5 Minuten aufrecht erhalten zu können. Wütend und enttäuscht führten mich meine Schritte ziellos durch die Gassen des Marktes. An einem Metstand brannte ein Feuer und auf Bänken drum herum saßen Leute und einer spielte Gitarre.
Als ich kurz inne hielt, wurde ich aufgefordert mich zu setzen.
Zunächst unterhielt ich mich mit einem knapp 15jährigen Mädchen, welches großen Wert darauf legte mit politischen Themen besonders erwachsen rüber zu kommen. Aber sie war freundlich und brachte mir einen Becher Zimt-Met auf Kosten des Hauses.
Auch der Wirt und dessen Schwager haben sich mit mir unterhalten. Rein freundschaftlich. Die Gesellschaft und das warme Feuer taten mir gut.
Ich begann meine Idee von der Übernachtung bei Leif zu überdenken und hoffte auf ein Zeichen der Götter. (ja, ich suche immer gerne nach Zeichen, wenn ich unsicher bin)
Ich holte mein Handy raus und rief Brander an. Er war zu dieser Zeit ebenfalls auf einem Mittelalterfest in Polen und ich hoffte, dass seine Stimme mir helfen würde, die richtige Entscheidung zu treffen.
Als er nicht ran ging war ich enttäuscht. Ich blieb noch sehr lange in dieser geselligen Runde am Metstand. Leute kamen und gingen und irgendwann setzte sich ein Fremder neben mich und meinte, ich sei ihm den ganzen Abend über schon aufgefallen. Wir kamen ins Gespräch und er versorgte mich erneut mit Bier und Met.
Weil er sehr aufdringlich war und ich nicht unhöflich sein wollte, erklärte ich ihm, dass ich schon für diese Nacht einen Schlafplatz hatte.
Dass ich in einer Fernbeziehung mit Berlin stand und eigentlich nur auf der Suche nach harmlosen Spaß bin, wollte ich nicht ansprechen. Gerade auch, weil ich unsicher war, wieviel Spaß ich eigentlich wirklich im Sinn hatte.
Kennt ihr das, wenn ihr selbst nicht mehr genau wisst was ihr wollt und euer Verstand Karussell fährt? Ja, so fühlte ich mich.
Einsam. Vernachlässigt. Überfordert mit der ganzen Situation.
Der Fremde schien zu spüren, dass ich mich in einem seelischen Konflikt befand und gab mir mehr zu trinken. Das Zeug war zum Teil echt widerlich, aber nachdem von irgendwoher plötzlich ein Joint die Runde machte, wurde mir alles mehr und mehr egal.
Ich stand auf und entschuldigte mich und die Männer rangen mir das Versprechen ab, wieder zu kommen.
Und ich kam auch wieder. Mit einem Rucksack voll Übernachtungszeug, nachdem ich Leif nirgendwo mehr auffinden konnte. (ich hätte gern nochmal mit ihm gesprochen)
Der Fremde aber war überglücklich mich wiederzusehen und führte mich mitsamt meinem Zeugs durch die dunkle Zeltstatt.
Ich bin nachtblind. Und alles schwankte. Er musste mich wirklich führen.
Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich fertig war und eigentlich nur noch schlafen wollte, überredete mich der Typ, noch einmal zum Metstand zurück zu kehren.
Dort wurde also weiter getrunken. Becher für Becher für Becher. Querbeet alle Sorten.
Und ich musste überhaupt nichts dafür bezahlen.
In dieser Zeit erzählte ich von meiner Karriere als Hobby-Fanfiktion-Autorin und gab den Männern die obszönsten Leseproben. Wahre Begeisterungsstürme der Leute wurden zum Aufwind meiner Höhenflüge und ich fühlte mich großartig und beliebt. Es war unvergleichlich.
Den dritten Joint an diesem Abend bekam ich jemanden, den ich vorher noch nicht wahrgenommen hatte. Ich kann mich an sein Gesicht nicht erinnern und auch nicht an seinen Namen. Aber seine Kräutermischung war eine Spur härter als alles andere davor. Wahrscheinlich ungestrecktes Gras.
Ich dachte, mir würde gleich alles hochkommen.
Endlich erlöste mich meine neue Bekanntschaft und sagte der Runde gute Nacht.
Es folgte ein unsagbar unsagbar langer und holpriger Weg durch die Dunkelheit, vorbei an einigen Feuerstellen und Zelten. Irgendwo am Rand der Welt durfte ich mich endlich endlich in sein Bett fallen lassen.
Alles drehte sich. Ich war total am Arsch.
Ich lauschte noch dem plätschernden Geräusch hinter dem Zelt, als ich beinahe in voller bekleidung eingeschlafen wäre.
Dann ging das Zelt auf und frischer Wind fuhr hinein.
Wach.
Scheiß Geschmack im Mund.
Muss noch Zähne putzen.
Raus.
Wasser.
Beautycase.
Joooaaaaa, krieg ich grad noch so hin.
Nur nicht stolpern.
Wo is dieser scheiß Eingang hin?
Ah da.
Etwas poltert.
Ich wars.
Kichern.
Zeug in die Ecke geschmissen.
Stiefel hinterher.
Gürtel.
Kleid.
Und alles weitere.
Ich hatte Hilfe dabei. Die meisten Hände waren nicht von mir.
Ich wurde geküsst und auf das Bett gedrückt und er wollte in mich eindringen.
"Nicht ohne Schutz!", war alles was ich sagte.
Er stutzte kurz und wollte einfach weitermachen, aber ich wurde ernst und verweigerte ihm den Zugang. Irgendwann gab er nach und ich reichte ihm das Kondom.
Er wollte, dass ich es ihm anziehe, aber ich konnte im Dunkeln nichts sehen und wusste auch nicht wie. Ich hab von sowas echt keinen Schimmer. Sorry.
Irgendwann wurde er ungeduldig und zog es selbst an, dann drückte er mich grob auf die Polster und begann mich aus heiterem Himmel zu peinigen.
Er biss mir heftig in Hals, Ohr und Unterkiefer. Auch in die Brust und in die Schulter. Quasi überall wo er mich erwischte.
Spätestens jetzt war der Groschen gefallen. Der Mann war ein Sadist.
Als ich immer wieder sagte, dass es weh tut und er nicht so fest machen soll, begann er mich so hart zu würgen, bis ich Sterne blitzen sah.
Obwohl keine Luft mehr in meine Lungen gelangte, wehrte ich mich nicht.
Ich lag wie betäubt und wartete, dass es vorüber gehen würde.
Als er sehr abrupt in mich eindrang tat es einfach nur weh.
Er trieb es so lange mit mir, bis ich vor lauter Angst trocken wurde. Dann wund.
Zum Schluss war der Schmerz so unerträglich, dass ich den Akt abbrechen musste. Ich blutete.
Die Brüste hatte er mir regelrecht zerquetscht. Sie sollten noch tagelang druckempfindlich bleiben.
Er ließ von mir ab, unter der Bedingunng, dass ich ihm einen runter hole.
Ich tat es.
In der ganzen Zeit habe ich überhaupt nicht an Brander gedacht.
Ich war den Sphären des Diesseits schon so weit entrückt, dass ich überhaupt keine klaren Gedanken mehr fassen konnte. Ich führte nur noch stumm Befehle aus und hoffte, dass ich bald endlich schlafen dürfte.

Und so kam es auch.

Unkontrolliert zitternd und mit Schmerzen am ganzen Körper schlief ich ein.

Und er mit dem offenbar seligen Gewissen, einer Frau die Lust der besonderen Art geschenkt zu haben.

Mitten in der Nacht wachte ich von neuen Schmerzen auf.
Er war ohne Kondom von hinten in mich eingedrungen während ich schlief.

"Nein, nicht!", rief ich entsetzt und versuchte ihn weg zu schieben, doch es war zu spät.
Er hielt mich fest in der Löffelchenstellung und machte einfach weiter.
"Ich weiß schon, wo meine Grenzen sind.", sagte er, als würde das irgendwas erklären.
Aber ich wollte wirklich nicht und er musste aufhören.

Das gleiche wiederholte sich ein paar Stunden später.
Wieder drang er in mich ein und wieder war ich in Notlage.

Zuletzt probierte er es am frühen Morgen.

Dannach war für mich Schluss mit lustig. Ich wollte meine Ruhe vor dem Kerl.
Doch bevor ich wütend werden konnte, gab er nach und zog sich an.
"Warte hier drin, bis ich mit den Männern vor gegangen bin.", erklärte er.
Gemeint war das gemeinsame Frühstück in der großen Scheune, welches nur für offizielle Teilnehmer zur Verfügung stand.

Als es draußen ruhiger wurde, nahm ich eine Wasserflasche und ein Handtuch und versuchte mich zwischen den Beinen zu waschen.
Ich fühlte mich total besudelt.

Dann holte ich frische Wäsche aus meinem Rucksack und zog mich an.
Das gelbe Kleid stopfte ich ganz nach unten.

Es hat nur Unglück gebracht.

Dann schlüpfe ich hinaus und verließ so unauffällig wie möglich die Zeltstatt.

Mein erster Gang führte mich zu den Toiletten.

Dann zum Parkplatz.

Mir ging es nicht gut. Fühlte mich elend. Seelisch wie körperlich.

Ich breitete eine Decke neben meinem Auto aus und holte etwas zu Essen und zu Trinken aus dem Kofferraum.

Ich ließ mir sehr viel Zeit mit dem Frühstück, bis es mir langsam ganz langsam besser ging.
Ich saß noch lange in der Sonne und rauchte Zigaretten und schaute zwischendurch immer wieder auf mein Handy.
Kein einziges Wort von Brander.
Kein Rückruf. Keine SMS. Keine Whatsapp.
Nichts.
Ach Mist!

So fuhr ich also heim und verbrachte den Rest des Tages mit Bereuhen.
An Brander schickte ich ein kurzes Video, dass ich früher wieder nach Hause gefahren bin und dass der vorangegangene Abend nicht so glücklich verlaufen war.

Seltsam oder?
Obwohl ich fremd gegangen war, sehnte ich mich dannach ihm Schuldgefühle zu machen, weil er nicht auf mich aufgepasst hat.

Wahrscheinlich ein letzter frustrierter Akt nach einer frustrierenden Tat.

Am Montag kaufte ich in der Apotheke die Pille danach und schluckte sie sofort.
Die Wirkung entfaltete sich im Laufe des späten Nachmittags. Mir war schwindelig und ich fühlte mich völlig daneben.
Die Kinder gingen früh zu Bett und ich lag auf der Couch und war am Sterben, als mir ein schrecklicher Gedanke kam. AIDS.
Ohne länger zu überlegen rief ich sofort Brander an.
Ich bat ihn, dringend zu verhüten, wenn er mich das kommende Wochenende besucht.
Er wurde stutzig.
Seit einem Unfall in früher Jugend konnte er nicht mehr scharf schießen.
Als ich erklärte, ich wollte nicht, dass er sich mit etwas ansteckt, kam mir die Idee, ihm weis machen zu wollen, ich hätte eine Infektion oder dergleichen.
Aber er stellte gleich die richtige Frage, die mich ins Stolpern brachte: "Hast du mit einem anderen Mann geschlafen?"
Völlig überfahren und noch immer unter der Wirkung dieser saudämlichen Notfallverhütung stehend stotterte ich nur rum. "Ich will nicht darüber reden."
Er ließ nicht locker.
Irgendwann formten sich Worte der grauenhaftesten Lüge auf meinen Lippen.... ich erzählte, ich sei gewaltsam genommen worden.
Und damit brachte ich die Lawine ins Rollen.
Er wollte die Polizei einschalten.
Er begann Veranstalter und Teilnehmer über Facebook anzuschreiben.
Völlig in Panik wollte ich die Sache wieder klar stellen, doch er glaubte mir nicht mehr.
Er dachte, ich sei bloß zu feige zur Polizei zu gehen und würde mich schämen.
Und ja, er machte auch Schluss mit mir.
Nachdem ihm wohl einige Teilnehmer antworteten, dass ich billig und für ein bisschen Met leicht zu haben gewesen wäre, wurde er stutzig.
Irgendjemand erzählte auch, ich hätte am Metstand mit einem rumgeknutscht.
Das entspricht zwar nicht der Wahrheit, aber was solls.

Brander wurde ziemlich wütend, aber am Ende konnte ich ihn dazu bewegen, von einer weiteren Verfolgung der Sache abzusehen.
Er will immernoch nicht verstehen, dass es keine Vergewaltigung war.
Das habe ich doch nur im Rahmen einer Kurzschlussreaktion von mir gegeben.

Mein Gott. Was hab ich nur getan?


Und jetzt weiß es die halbe Welt.


Auf Mittelaltermärkten kann ich mich erst mal nicht mehr blicken lassen.
Mein Ruf ist dahin.

Ich werde ein neues Hobby suchen müssen.

Oder ein loyale Sippe, die mir Schutz gibt.

Das weiß ich noch nicht.


Nur eines ist gewiss:

Brander ist fort.


 

Und es gibt keine Vergebung.


 

 

 

 

 

 

 

17.10.19 14:22, kommentieren

Hörner-Helm-Desaster



Ich verlasse an dieser Stelle den wilden Westen und tauche in die frühmittelalterliche Welt der Wikinger und Germanen ein.

Wie in meinem vorangegangenen und eigentlich abschließenden Eintrag geschildert, schreibe ich seit einem dreiviertel Jahr bei FanFiktion.de zu dem Fandom "Dragons" bzw. DZLG.
Im Zuge dessen habe ich mir auch ein wenig Basic-Wissen um das Leben im ersten Jahrtausend n. Chr. aneignen müssen und bin durch verschiedene Internetseiten, Foren und Facebook-Gruppen gestolpert.
Weil das nicht genug war, habe ich mittelalterliche Veranstaltungen und Märkte besucht und Feldschlachten beigewohnt.

So kam es, dass ich einen Mann kennen lernte.

Au weia, jetzt wirds peinlich.

Hatte ich doch eigentlich der Männerwelt glückselig und bis ans Ende aller Tage abgeschworen, um fortan selbst meinen Mann zu stehen und Eigenverantwortung zu beweisen, so musste ich schlussendlich feststellen, dass kein Versteck auf Erden sicher genug ist für diese verfluchten Biester.
Ich wurde also gefunden.

Es geschah in einer Facebook-Gruppe, die sich mit dem Handel von Mittelalterwaren beschäftigt.
Der gewisse Jemand - nennen wir ihn Brander - hat dort einen sogenannten Trollpost abgelassen (von wegen, wie man für eine authentische Darstellung Hörner an den Helm bekommt).
Ich - unbedarft, um nicht zu sagen dämlich - hatte bis dahin keine Ahnung, dass es Menschen gibt, die sich mit dieser Art Fake-Postings ein zweites Loch in den ...äh... Po freuen, wenn die kommentierenden Hater in regelrecht orgiastischer Verzückung ihren Shit-Storm ablassen.
Für mich war das ein gesichtsloser Fremder, der in Schwierigkeiten geraten war und der dringend Hilfe benötigte. Ich habe mir nicht mal sein Profil angesehen, als ich ihm auch schon zur Seite sprang und in kläglichster Manier meine Verteidigungshymne anstimmte. Natürlich ließ die Replik nicht lange auf sich warten und ich erntete eine ganze Salve von Hohn und Spott.
Wahrscheinlich zurecht.
A-Päpste mögen asoziale Besserwisser sein, aber in der Regel wissen sie es auch tatsächlich besser. Meinen Ideen von künstlerischer Freiheit begegnete man mit Daten, Fakten und glaubhaften Belegen.
Darüber hinaus wurde ich auch sehr rüde auf den scherzhaften Grundgedanken des Ursprungs-Postings hingewiesen, was mich noch weiter in die Schranken wies.
Als ich schon wie ein geprügelter Hund und Entschuldigung bat, trat Brander auf den Plan. Er ließ es sich nicht nehmen, den Gegnern noch ein wenig Feuer zu geben für ihr derbes Benehmen. Da erst erkannte ich, wie albern es von mir gewesen war, ausgerechnet einem Menschen beigestanden zu haben, der meine sogenannte Hilfe am allerwenigsten auf der Welt nötig hatte.
Er war der Typ Mann, der schnell, hart und zielsicher durchzugreifen weis. Der sich in wenigen Augenblicken Ellbogenfreiheit verschafft. Der selbst die vorlautesten Leute verstummen lässt.
Und das war nur sein anonymer Internet-Auftritt.
Dass er in Wahrheit die Statur eines Türstehers und den Mut und den Wahnwitz eines leibhaftigen Berserkers besitzt, konnte ich da noch nicht ahnen.

Der Zufall wollte es also, dass sich unsere Wege kreuzten.
Und ein noch größerer Zufall wollte es, dass wir uns auf Messenger und später auch bei Whatsapp schrieben.
Und der größte Zufall war es wohl, dass ich bei unserem ersten gemeinsamen Telefonat heimlich anfing zu masturbieren.

Bevor ihr jetzt falsch von mir denkt - sowas hab ich vorher noch nie gemacht. Aber mir war langweilig und mir stand der Sinn nach Nervenkitzel.
Wer schon mal Sex in der Öffentlichkeit hatte, weiß wovon ich spreche.
Es ist nichts weiter als der Reiz des Verbotenen. Die Angst erwischt zu werden.
Und was soll ich sagen?
Ich wurde erwischt...

Grrrrrr......

Er erzählte und erzählte über dieses und jenes und auf einmal wurde er stutzig.
Habe ich zu hastig geatmet?
Hat der Rhythmus meiner Hand ein Geräusch im Telefon verursacht?
Ich bin nicht sicher.

Nachdem ich merkte, dass er Bescheid wusste, legte ich schnell auf.

Völlig von Panik übermannt überlegte ich, ob ich schon wieder umziehen, mein Handy verbrennen und - was wohl am schlimmsten gewesen wäre - mein Facebookprofil löschen müsste...
Tatsächlich geschah überhaupt nichts dergleichen. Er nahm es mit Humor und erklärte bloß, dass es sehr unhöflich sei, so etwas allein für sich zu machen.

Nachdem in den folgenden Tagen und Wochen unsere Beziehung auf eine intimere, um nicht zu sagen erotischere Ebene gehoben wurde, fühlte ich zum ersten mal seit langem das Verlangen, einem Mann - diesem Mann - nahe sein zu wollen.
So kam es, dass er mich für ein verlängertes Wochenende hier in Hessen besuchte.

Ich will nicht lügen.
Es waren die schönsten Tage meines Lebens. Es war ... unbeschreiblich!

Die Kinder hatte ich derweil bei meiner Mutter abgeschoben.^^

Ich wusste natürlich, dass eine solche Verliebtheit bei Männern nie von langer Dauer ist- auf diesem Gebiet habe ich Erfahrung - aber er blieb auch den weiteren Monat über hartnäckig und liebestoll und sehr sehr entgegen kommend. So sehr, dass ich Ende Juli beschloss, zu einem gewagten Manöver in den Norden zu brettern. Ja, ohne Orientierungssinn, mit einer unzuverlässigen Schrottkarre und tatsächlich ohne genauem Plan, was mich dort erwarten würde. Ziel war die Halbinsel Rügen, wo ich Brander zum ersten mal in seiner Rolle als Anführer seiner germanischen Sippe kennen lernen sollte.
Was für ein Abenteuer!
Das Lagerleben erwies sich als mittelalterliche Version eines Camping-Urlaubes. Es wurde getrunken. Es wurde Musik gemacht. Es gab zahlreiche Händler und Darsteller und es wurde auch gekämpft. Mir taten die Männer in ihren schweren Rüstungen fast ein bisschen leid. Die Sonne heizte selbst mir in meiner langen Gewandung schon ganz gut ein.

Da Brander in seinem leidenschaftlichen Naturell dem meinen in nichts nachsteht, kam es sogar zu dem einen oder anderen Zwist. Aber die Versöhnung hinterher war jedesmal umso freudenvoller.
Endlich hatte ich mein Spiegelbild, meinen Seelenpartner gefunden. Ein Mann, dem Sex Spaß machte!
Er begegnete meiner Unersättlichkeit mit einer Hingabe, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte.

Es warf mich regelrecht in ein Loch, als ich ihm abermals adieu sagen musste.
Und als sei der Abschied nicht Strafe genug, knüppelte ich die 850 km mit nur eine Pause zurück, als wollte ich mich selbst kasteien, um den schmerzlichen Verlust nieder zu peitschen.
Als ich im Morgengrauen in meine Wohnung stolperte, hatte ich Tinitus auf beiden Ohren und Taubheitsgefühle in den Fingerspitzen. Nach zwei Stunden Schlaf, fuhr ich die Kinder holen.

In den Wochen dannach geschah das, was ich erwartet und befürchtet hatte.
Die Wichtigkeit meiner Rolle in seinem Leben nahm in der Geschwindigkeit ab, wie seine bei mir anschwoll.
Seine Botschaften wurden fahriger. Seine Sucht nach Erotik wich gesättigter Befriedigung und der sicheren Gewissheit mich erfolgreich für sich eingenommen zu haben.
Bei mir dagegen spielten die Gefühle Achterbahn und ich starrte mehr auf mein Handy auf der Suche nach einem Zeichen von ihm, als es gut für mich war. Mein Haushalt kam zum Erliegen, meine Kinder kamen zu kurz und auf der Arbeit hatte ich nur noch halbe Kraft. Ich lechzte regelrecht nach Aufmerksamkeit von ihm und war heilfroh und dankbar für jedes freundliche Wort das kam.

Ich bin krank.

Ich hab ein Problem und weiß es.

Meine Art zu lieben, war schon immer rein destruktiv.
Am liebsten hätte ich ihn rund um die Uhr mit Nachrichten und Bildern bombardiert, doch er fing bald zu maulen an, dass ich Rücksicht auf seinen begrenzten Speicher nehmen solle und dass er nicht die Zeit hat, sich ständig meine ewig langen Sprachnachrichten anzuhören.

Das hätte mir eigentlich Warnung sein sollen. Es hätte meinen Enthusiasmus dämpfen und mich zurück in die Wirklichkeit befördern sollen.

Aber ich bin zu unfähig mich aus eigener Kraft aus dem Wirrwarr zu befreien, in welches ich mich rettungslos hinein manövriert hatte.

Und es war auch verwirrend - und ist es eigentlich jetzt noch.

Mal spricht er von Liebe und Vertrauen und dass er mit mir ein gemeinsames Leben anstrebt, mal ist er genervt von mir und meinen Avancen und zieht sich über etliche Stunden zurück.

Der Mann hat Recht.
Er tut nichts falsches.

Ich bin diejenige, die endlich klar kommen muss.

Verdammte Liebe.

Sie ist eine Droge. Eine Droge. Eine Droge und sonst nichts!

Eine Illusion.

Ein einseitiges Geschäft.

Sie existiert nicht wirklich!


Warum kann ich nicht aufhören zu denken und zu nerven und zu nerven und zu denken?

Ich will, dass es bei mir auch nachlässt, damit ich wieder auf einer Ebene mit ihm sein kann.


Mich abzulenken gestaltet sich als Zerreißprobe.
Meine Nerven liegen blank.

Ich habe nur noch Angst, dass es jeden Augenblick wieder vorbei ist.
Weil ich ihm unaufhörlich auf den Sack gehe mit meiner drecks beschissenen verkackten Sehnsucht nach mehr und mehr und immer noch mehr!

Ich könnte mich Ohrfeigen.
Ich könnte nicht nur, ich habe es.
Mehrmals.
Einmal so heftig, dass ich auf den Boden knallte und kurz alles nur noch schwarzweiß sah.
Das war, als ich halbherzig über Selbstm#rd nachgedacht habe.


Das Leben hat mich stets überfordert.
Mal konnte ich es mit Humor nehmen. Mal nicht.


Ich bin für diese Welt einfach nicht geschaffen.

Ich bin zu kaputt.

Und meine Art macht andere kaputt.


Ich hasse mich dafür.



....


Nachtrag:

Bitte nehmt es mir nicht übel, dass ich ein wenig Frust kotzen musste. Ich habe in meinem Leben wohl einfach zu wenig Liebe erfahren und schaffe es einfach nicht, meine Defizite unter Kontrolle zu bringen. Ich bin manchmal ein Arsch. Verurteilt mich deswegen nicht. :-(

 

Mein nächster Eintrag wird bestimmt wieder besser.

 

1.9.19 23:28, kommentieren

Neue Ufer


 

Falls sich jemand fragen sollte, was aus Little-Big-Mom geworden ist, den darf ich beruhigen:

Ich bin nicht von einer Leiter in den Gully gefallen, wo ich einem weißen Kaninchen ins Wunderland folgte. Mir ist auch kein LKW ins Schlafzimmer gedonnert als ich unsüßen Alpträumen nach hing. Und nein – es ist auch keine Zombieapokalypse, die mich von meinem Blog fern hält.

 

Nichts dergleichen.

 

Es sind bloß Drachen.

 

Ja, richtig gehört.

Zur Abwechslung sind es keine Missgeschicke, die mein Leben beherrschen, sondern ein Fanfiction-Projekt, das mich in Atem hält.

 

Unter dem Pseudonym Rosa Rotfuchs habe ich begonnen eine umfangreiche Saga rund um die Rubrik „Dragons“/“Drachenzähmen leicht gemacht“ zu kreieren.

 

Da ich mich dort ein bisschen fest gebissen hab, komme ich sonst zu gar nichts mehr. Deshalb bitte nicht wundern.

 

Wer aber Interesse an meinen Fortschritten hat, ist herzlich eingeladen meinen Ergüssen an anderer Stelle zu folgen.

 

 

Auch für Nicht-Dragon-Fans ist die Abhandlung eine lesenswerte Gute-Nacht-Lektüre, vollgestopft mit Romantik, Intrigen und spannenden Verwicklungen im Reich der Wikinger um das Jahr 750 nach Christus….

 

https://www.fanfiktion.de/s/5c25411e000a504311d83036/1/Dagurs-Path-st

1 Kommentar 2.1.19 11:18, kommentieren

Mein Erster war der Beste

Ich hasse mein neues Auto.

 

Ehrlich.

 

Ich kann es gar nicht oft genug betonen. Es ist mir von Grund auf unsympathisch.

 

Geht das nur mir allein so, dass ich einem 08/15-Gebrauchsgegenstand wie - sagen wir einem Auto einen Charakter beimesse? Und ist es nicht so, dass man den Charakter eines jeden Individuums oft schon in der ersten Sekunde der Begegnung nach Sympathie bewertet?

Naja, zumindest ist das bei mir so.

Und aus vollem Herzen darf ich behaupten, mein Auto besitzt das Charisma eines minder bemittelten Techno-D.J.‘s – man will beim bloßen Anblick drauf einschlagen. Keine Ahnung. Ist so ein Bauchding.

Am liebsten würde ich es in einem alten verlassenen abrissreifen Parkhaus vergessen und nie mehr zurück kommen.

Ich mag den Anblick nicht. Ich mag die Fahrgeräusche nicht. Ich mag nicht mal den Geruch.

Im Vergleich zu meinem ersten Wagen, ist das nicht mal ein richtiges Auto. Es ist ein charakterloses Stück Blech mit abgewetzten Sitzen und abgegriffenen Kunststoffteilen. Da ist null Seele. Null Herz.

Und wenn dieses Ding nicht mit Liebe fährt, um des Lebens Willen und weil es noch was sehen will von der Welt, dann fahr ich das Ding auch nicht mit Liebe.

Ich fahre damit zur Arbeit, als würde ich in einem Bus sitzen.

Es ist so unpersönlich, wie die Computerstimme einer Telefon-Hotline. Da hilft auch nicht die weihnachtlich blinkende Wasserstandsanzeige!

 

Und ich weiß - so sicher wie das Amen in der Kirche, dass ich dieses Ding niemals NIEMALS  lieb haben werde.

 

 

Ein anständiges Auto macht nicht einfach nur Brumm oder Pöddel. Es muss sein Lied singen, als hätte es schon viel mit einem gemeinsam erlebt; als hätte es etwas zu erzählen. Man muss die Lebensfreude aus dem Schnurren der Gänge heraushören und das freundliche Nicken der Stoßdämpfer spüren können.

Und um die Züge der Front: der Schimmer eines seeligen Lächelns nach einer sportlichen Fahrt.

 

 

 

Ich will mein erstes Auto zurück. :‘-(

 

 

 

Meinen vorsichtigen Erkundigungen zufolge, ist der Passat allerdings der freiwilligen Feuerwehr gespendet worden, damit sie ihn bei der nächsten Übung zu Kleinholz zersägen dürfen.

 

 

 

Falls es im Himmel Parkplätze gibt, hoffe ich, dass ich meinen weißen Riesen dort wiederfinden werde

 

 

 

3 Kommentare 7.12.18 13:58, kommentieren

Alles Chlor im Rohr



Ich bin erkältet.
Eine nervige Angelegenheit.
Wer Kinder hat, wird es mir nachfühlen. Ja, die lieben Kleinen schleppen alles was sie kriegen können aus dem Kindergarten an und geben es großzügig an ihre Verwandten weiter. So auch in diesem Fall:
Ca. 3 Tage vor Sternchens Martinsumzug bekam sie eine typische Eintagsfliege mit Fieber,  Durchfall, Erbrechen, Bauchweh und Migräne - von null auf hundert in 5 Minuten.
Tags darauf war aber alles wieder vergessen.
Der Rest von uns blieb bis auf weiteres verschont, so dass wir weiter an den Laternen basteln konnten.
Ich hatte die Inkubationszeit nicht einkalkuliert.
Bereits im letzten Blogeintrag habe ich berichtet, wie der Laternenumzug verlaufen ist, aber ich wiederhole es gern: Auftritt Honigdachs, zweiter Akt der Seuche - Bühne frei und Vorhang auf für Erbrechen und Fieber! Tja, same procedure as last time... Nur diesmal mit einem quengeligen anhänglichen jüngeren Patienten. Und zu allem Überfluss hat es mich zeitgleich mit erwischt, so dass wir zu zweit flach lagen. Sternchen dagegen hüpfte fröhlich und laut und sehr sehr gesund  durch die Wohnung und nahm keinerlei Rücksicht. Nach einem Wochenende des Horrors fühlten wir uns alle soweit wieder besser, wenn auch etwas schwach auf den Beinen. Ich ging wieder arbeiten, holte den Treppenputzdienst nach und erledigte liegen gebliebene Tätigkeiten und aufgeschobene Termine. Bald ging es mir wieder schlechter. Naja, bischen Halsweh. Na und? Weiter gehts! Zu Geiger und Liebsch marschiert; neuen Ersatzschlüssel für das Auto bestellt. Zur Gemeinde gerannt; neue Windelsäcke geholt. Zu Sternchens künftigen Schule gedüst; Eltern-Infoabend ertragen. Und in der Küche drei gemusterte Bahnen an die Wand geklebt (eine davon leider verkehrt herum...oh Mann)
Auf der Arbeit gings im Akkord: Aktenberge, die einfach nicht weniger werden. Vielleicht fehlt es mir an Konzentration? Oder vielleicht kommen zu viele Anrufer dazwischen? Ich komme einfach beim besten Willen nicht schnell genug vorwärts! Ich fühle mich dumm und nutzlos.
Aus meinem Halsweh wurde sehr schnell ein Schnupfen. Aus dem Schnupfen ein hartnäckiger Husten. Und der sitzt fest! Seit 2 Wochen huste ich mich zu Tode.


Darüber hinaus fühle ich mich noch an anderen Stellen angeschlagen...
Ich habe es bisher noch nicht erwähnt, aber ich verliere seit September mein Haar.
Besonders beim Bürsten habe ich bemerkt, dass ich mehr verliere als üblich. Meine Mutter meint, das sei normal. Alle paar Jahre gerät man in gewissen Hormonschwankungen, wo es zu Haarausfall kommt. Aber dann plötzlich wächst es wieder und wird sehr dicht.
Mittlerweile beginnt man es aber deutlich zu sehen. Zumindest sehe ich es. Meine Haare sind dünn und platt und lassen sich auch nicht mehr mit Schaumfestiger oder Haarspray aufbauschen. Ich bin froh, dass es kalt draußen ist und ich mich unter einer Kapuze verstecken kann. Auf der Arbeit stecke ich sie nun ganz weg. Ich habe einen Zauberdutt-Ring und damit frisiere ich einen dicken gepolsterten Knoten.


Es sind aber nicht nur Haare die ich verliere. Ich habe einige Kilos abgenommen, ohne irgend etwas dafür getan zu haben. Von 73 auf 67 KG in wenigen Wochen. (Wobei ich glaube, dass meine neue digitale Waage sowieso ein paar Kilos zu viel anzeigt) Ich will mich nicht beschweren. Ich find das toll. Aber es macht mir auch ein bischen Angst. Wie oft habe ich in der Vergangenheit mit viel Sport und Diäten versucht abzunehmen und bin gescheitert? Im Gegenteil: Ich habe seinerzeit im Fitnessstudio sogar noch zugelegt!
Das ist nur der Stress!, sagt Poor Angel, nicht wissend, dass ich bei Stress noch mehr auf Schokolade setze...^^


Heute hatte ich das Gefühl, dass ein Backenzahn sich lockert. Zu spät für eine Zusatzversicherung?^^'


Hinzu kommt mein Hautbild. Ich hatte nicht mal in der Pubertät so mit Pickeln zu kämpfen. Und dabei nehme ich Körperhygiene sehr ernst. Gerade als Sektretärin im Empfangsbereich legt man viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres.


Tja  und dann habe ich neuerdings wieder dann und wann leichte Zwischenblutungen. Manchmal kaum mehr als ein paar Tropfen. Das kenne ich von früher. Nach meiner ersten Entbindung hatte ich immer 7 Tage von der Menstruation einen Tag mit leichter Zeichnung. Es wundert mich nur, dass das jetzt aus heiterem Himmel wiede anfängt.


Jetzt mal ehrlich: Was soll das alles??? Sind diese Symptome eine Art Mangelerscheinung? Ich mag net schon wieder zum Arzt rennen, weil ich Flöhe husten höre! "Herr Doktor, Herr Doktor! Bitte sagen Sie es mir! Habe ich Krebs und muss sterben???" Ja, klaaaaar. Nein, lieber nicht. Und falls doch, will ich es gar nicht wissen.

Jetzt sitze ich hier und schreibe von meiner unrühmlichen Gesundheit. Und dabei wollte ich doch erzählen, wie mein neuer Fernseher kaputt ging!
Ach, ich mal wieder.
Dann eben im nächsten Blog. Es geht auf 1 Uhr in der Nacht zu und Honigdachs wird bald zum ersten mal wach werden.

 

Nur soviel noch: Chlor ham wa nüscht im Rohr.

 


In diesem Sinne...

Gute Nacht







25.11.18 00:18, kommentieren

Mein neues Ding

 

 

Ich hab ein neues Ding, das nennt sich ASMR.

Dabei handelt es sich um Videos mit sogenannten Wohlfühlgeräuschen, Flüstern und Reiki-Gestikulation. Es sieht auf den ersten Klick lächerlich aus, aber es hilft. Ich entspanne mich. Und ich kann schneller einschlafen.

 

Vor langen Jahren hat mir mein kleiner Bruder auf der Gitarre eine sanfte Ballade vorgetragen und ich empfand ähnliche Gänsehaut am Hinterkopf.

Ich hab auch schon von Menschen gehört, die sich Waalgesang oder Vogelgezwitscher auf Schallplatte anhören, um zur Ruhe zu kommen.

 

Und Ruhe ist genau das, was ich momentan dringend bräuchte.

 

In der Kita meiner Tochter war eine Zahnärztin zu Besuch und hat mir einen Brief mitgegeben, der mir eine Nachprüfung beim eigentlichen Zahnarzt auferlegte und zwar binnen 14 Tagen. Und es war ein Rückschein beigefügt. Das war wieder ein neuer dringender Punkt auf meiner Todo-Liste.

Die Stadtverwaltung hatte mir vor einem halben Jahr gesagt, dass ich im November (also jetzt) nochmal wegen Windelsäcken vorstellig werden müsse. –Punkt Nr. 2-

In drei Wochen ist Nikolaustag und ich muss da noch einiges vorbereiten, einkaufen und planen. -Punkt 3-

In Vier Wochen hat Sternchen Geburtstag und ich hab noch überhaupt keinen Plan.

Dann ist planlose Weihnachten. Der Geburtstag von Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt. Silvester.

Evtl. mache ich eine Urlaubsvertretung, weil die Chefs sicher weg fahren möchten und die Azubi ihre Ferien genießen will. Die betriebliche Weihnachtsfeier wollte ich auch noch planen. Und bis Dezember wollte ich noch den diesjährigen Weihnachtsflyer für die Kanzlei gestalten. (Wird traditionell der Geschäftspost beigefügt)

Falls die Zeit und das Budget es erlauben wollte ich unbedingt zum Baumarkt und Regalböden für das Kinderzimmer sägen lassen, damit ich endlich ein paar Kartons mit Büchern und Spielen auspacken kann. Irgendwann muss ich doch mal wieder vorwärts kommen.

Gestern habe ich mir ein Herz gefasst und endlich den Stapel Papiere und Dokumente sortiert. Das hat fast 2 Stunden gedauert. Ich hab seit 4 Tagen nicht mehr nach der Post gesehen, weil ich es einfach nicht schaffe, oder weil ich es immer vergesse oder weil mir der Antrieb fehlt.

Nebenbei muss ich fleißig den Alltag am Laufen halten, den Haushalt, die Arbeit und die Kinder managen ohne die Beherrschung zu verlieren.

Übermorgen - am Samstag - soll ich die Kinder 40 km zum Kindesvater fahren. Am Sonntag will Sternchen mit mir dann zur Rollschuh-Disko. Poor Angel soll solang Honigdachs hüten.

Jetzt flattert noch eine Vorladung bei Sternchens neuer Schule in Haus. Es ist am nächsten Donnerstag ein Infoabend für alle Eltern geplant. Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hat an dem Termin keine Zeit und ich muss alleine dahin und ihm hinterher Bericht erstatten.

Ich war bereits zwecks Anmeldung vorige Woche dort und hab mit zwei lauten ungebärdigen Kindern Formulare ausgefüllt.

Letzte Woche war auch der Laternenumzug an der Kita. Ich hab bis kurz vor Beginn noch an der zweiten Laterne gebastelt, so dass nicht mal der Kleber trocken war. Dann kam ich auch noch 10 Minuten zu spät, weil ich es auch nicht eher aus der Firma geschafft hatte. Sternchen war böse mit mir, weil wir dadurch keine Liedtexte hatten. Und ich sah abgehetzt und gerupft aus und hatte in der Kälte noch die Büroschuhe an. Ich traute mich gar nicht aufzusehen: Die ganze Truppe der freiwilligen Feuerwehr war anwesend. Mit einigen von Ihnen treibe ich seit Wochen meine Chats. Plötzlich fing Honigdachs, meine jüngste Tochter, an zu kotzen. Nachdem sie sich zwei mal übergeben hatte und nur noch weinte, verließen wir unter Protest meiner Großen das Laternenfest. Dann hatte ich zwei weinende Kinder und eine handfeste Migräne im Auto.

Zu Hause fühlte ich mich dann auch schlecht. Mir war bitterkalt, ich bekam schlagartig Fieber und hatte anschließend eine Woche lang Kopfschmerzen. Heute bin ich das erste mal schmerzfrei aufgewacht, nachdem ich mir gestern im Bett eine halbe Stunde lang ASMR angesehen habe.

 

Ich denke, das werde ich nun öfter versuchen.

 

 

15.11.18 09:48, kommentieren

Fährten



Die Liebe ist wie eine Droge. Und dein Partner ist der Dealer.
Sobald er mehr dafür verlangt, als er zu geben bereit ist, ist es an der Zeit clean zu werden.

Ich habe mich nach Jahren der Sucht und Abhängigkeit für ein Leben ohne Liebe entschieden. Ja, ich war süchtig nach Liebe. Ich brauchte viel und das rund um die Uhr und konnte nie genug davon bekommen. Und je mehr Abweisung ich zu spüren bekam, desto heftiger wurde mein Verlangen.
Nachdem ich nun fort bin, empfindet er nun den Schmerz des Verlangens und des Verlustes. Ich bin nicht an Rache interessiert - auch wenn ich über viele Jahre oft vor Sehnsucht geweint habe. Trotzdem ist es sicher eine wertvolle Erfahrung für ihn. Umso ärgerlicher ist die Tatsache, dass er sich neuerdings wieder Chancen bei mir einräumt. Ich will ihm nicht unnötig weh tun und ich will ganz sicher keinen Krieg mehr. Aber muss ich es hinnehmen, dass er ganz selbstverständlich an meinen Hintern oder an meine Brüste fasst, nur weil ich einmal während der Trennung mit ihm geschlafen habe?
Wenn ich diese Neuanbahnung jetzt im Keim ersticke, bin ich wieder allein und hilflos. Es klingt jetzt egoistisch, aber ich brauche ihn im Moment noch für zahlreiche Hilfeleistungen. Ich kann es mir einfach nicht leisten jetzt auf ihn zu verzichten.
Wenn ich aber zu lange warte, werde ich am Ende einen weitaus höheren Preis für mein Spielchen zahlen müssen.
Meine Intuition rät mir fürs Erste auf Sparflamme zu kochen und ihn an der langen Leine zu lassen. Was ist schon dabei, wenn er mich dann und wann wie zufällig berührt?

Neue Dealer gibts im Dutzend billiger. Ich habe wirklich kein Interesse daran, alten Fährten zu folgen. Das führt zu nichts. Und an neue Beziehungen ist für mich auch nicht mehr zu denken. Damit bin ich endgültig durch.
Ich fühle mich wie eine Jungfrau, die ihm Leben noch nie wahre Liebe kennen gelernt hat. Ich wurde gebraucht, ich wurde benutzt, ich wurde gef#ckt und manchmal hat sich das alles auch ganz gut angefühlt. Aber wo ist dieses berühmte Gänsehautfeeling und die Schmetterlinge von denen alle Rosarote-Brillen-Träger so schwärmen? Was sind prickelnde Küsse? Was sind wärmende Blicke? Was sind funkenübergreifende Berührungen?
Ich habe stets geglaubt, dass derlei romantische Vorstellungen von Hollywood geprägt und nicht wirklich existent seien. Liebe war für mich ein Arrangement aus Geben und Nehmen und Bedürfnisbefriedigung. Alles sehr ordentlich und zweckdienlich ohne größere Leidenschaft oder Romantik. Hauptsache Sicherheit und Schutz und ein anständiger Status Quo.
Dabei habe ich mich jahrelang aufgerieben und kaputt geschafft, um täglich einen Fitzel Aufmerksamkeit zu erhaschen. Mein Körper und meine Seele hungerten nach Liebe, aber mein Verstand war außer Stande die Probleme zu lokalisieren. Ich dachte, es liegt an mir. Ich bin doch ein erwachsener Mensch und weiß, dass das Leben kein Hollywoodstreifen ist. Warum bin ich dann trotzden so unglücklich? Warum kann ich nicht einfach zufrieden mit einem sicheren sorglosen Leben sein? Es war doch alles perfekt: Mutter, Vater, Kinder, Haus, Autos, Jobs - es war alles vorhanden.
Nur die Liebe nicht.
Und ich war ein tönendes Erz. Eine klingende Schelle. Aber mehr auch nicht.

Ich war unvollkommen.

Ich war lebensmüde.

Lieber würde ich sterben, als zurück in eine Sackgasse zu weichen, die mich depressiv gemacht hat.

Lieber verzichte ich bis ans Ende aller Tage auf die wahre Liebe, als nochmal einem Dealer in die Arme zu laufen, der Macht über mich ausüben will und mich in den Abgrund blicken lässt.

Oja. Ich bin clean.







7.11.18 23:42, kommentieren

Trap trap der Trapper - stampf polter klirr kreisch ....die Kinder

Manchmal wenn der Tag lang war und die Kinder endlich ruhig in ihren Betten liegen, setze ich mich mit meiner VR-Brille auf die Couch und gönne mir etwas Zeit für mich. Gelegentlich ist ein langer Tag sogar eine kleine Piccolo-Flasche Erdbeer-Sekt wert. Um mich aber wirklich in ferne Realitäten vorzuwagen bedarf es meines Handys und eines Erwachsenen-Chat's mit einem echten Mann aus Fleisch und Schmutz.

Nicht dass ich ernste Absichten hätte, aber von Zeit zu Zeit darf man sich neben seinen zahlreichen Rollen als Mutter, Sekretärin und Co. auch mal als Frau fühlen.

Ich hatte neulich einen interessanten Chat mit einem Kerl, der etwas jünger ist als ich und der absolut kein Talent für CyberSex hat. Es gipfelte darin, dass er Fotos von mir wollte. Die hab ich auch gemacht. Allerdings musste er sich die Bilder erst durch zahlreiche "Quests" verdienen. Da er sich rechte Mühe gab mir gefällig zu sein, hab ich ihm ein Bild von mir aus der Dusche geschickt (Gesicht und erogene Zonen mit Sticker und Blumen verdeckt), obwohl er wirklich mieserabel geschrieben hat.

Nachdem ich das Spiel dann beenden wollte, musste ich leider feststellen, dass der Typ Blut geleckt hatte und nicht mehr so leicht abzuschütteln war. Die Geister, die ich rief.... herrje

Wir hatten dann von Zeit zu Zeit noch losen Kontakt, den ich immer wieder abbrach, wenn er mir zu aufdringlich wurde. Eigentlich hätte ich ihn gänzlich abschießen und auf whatsapp blockieren sollen, aber ich brings nicht über mich. Auch wenn er noch so dämlich ist, er ist ein Mann und er hat Interesse an mir und das hat auch etwas schmeichelhaftes an sich.

Außerdem ist es nett, sich dann und wann mit einem Erwachsenen zu unterhalten. Nicht unbedingt von Angesicht zu Angesicht, aber in der Sicherheit meiner Wohlfühlzone, wo ich Zeit habe über eine passende Antwort zu grübeln, macht mir das echt Spaß.

 

Warum das in RL einfach nicht funktioniert liegt wahrscheinlich an meiner ganzen menschenverachtenden Art. Wann immer man eine Gruppe Leute beobachten kann, werde ich stets abseits zu finden sein. Kann sein, das liegt daran, dass ich als Kind immer von den Grüppchen ausgeschlossen wurde, so dass ich nie so recht ein adäquates Sozialverhalten lernen konnte; kann aber genausogut sein, dass das einfach von Grund auf nicht mein Ding ist, mich zu irgendwelchen Fremden zu gesellen und so zu tun, als würde ich mir ihren Tratsch anhören.

Ich kann ja kaum auf der Zeil spazieren gehen, weil ich die Menschenmassen so gruselig finde. Warum sollte ich also Vergnügen daran empfinden, mich ungefragt an eine ganze Gruppe anzupirschen  und einem Thema zu folgen, dass  ich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht kapiere oder mich im günstigsten Fall nicht interessiert.

So ist es auch im Kindergarten oder im Kinderturnen. Die Eltern scheinen sich irgendwie alle untereinander zu kennen und - zu meinem großen Entsetzen - die ganze fremde Brut auch. Ich für meinen Teil kann gar nicht sagen, was ich schlimmer finde: fremder Leute Kinder oder deren Eltern. Jetzt mal im Ernst: Was sind das bitte für Eltern, die sämtliche Konstruktionspläne aller Kinderturn-Stationen auswendig und in freiwilliger Gruppenarbeit und vorbildlicher Geschwindigkeit aufzubauen vermögen???

Ich fühlte mich heute befleißigt einen der Zettel zu nehmen und mitzuhelfen. Allerdings wusste ich nicht mal was für ein Gerät mit dem Wort "Barren" überhaupt gemeint war. Der Kasten, den ich fand, war es jedenfalls nicht. 

 Aber ich halte mir tapfer vor Augen, wofür ich das alles mache: Mein Honigdachs. Honigdachs ist 2 Jahre alt und hatte vorher noch keinen einzigen Kurs. Natürlich habe ich da ein schlechtes Gewissen.... Sternchen war in dem Alter bereits in gefühlten tausend Kursen und Vereinen gewesen. Meine Kinder sollen schließlich keine solchen emotionalen Krüppel werden wie ich! So habe ich also darum gekämpft montags nur noch vormittags zu arbeiten, damit ich zu diesem Hottentottenverein gehen kann. Leider ist Honigdachs wenig begeistert. Sie mag weder andere Kinder in ihrer Nähe haben, noch zeigt sie sonderliche Begabung für die gepolsterte Gummizellen-Hiba. Tatsächlich gibt es jede Woche einen anderen Unfall. Letzte Woche eine aufgeschlagene Lippe. Heute ein Rückwärts-Salto von einem Ding, das wie die größere Version von dem Teil das ich für einen Barren hielt aussah. Sie hatte dann auch keinerlei Ambition mehr weiter zu turnen und saß nur unglücklich herum.

 Schließlich hatte ich genug und bin mit Honigdachs noch vor Ende der Trip-Trap-Stampede abgehauen.

 Mit Sternchens Kindergarten ist es das gleiche in grün. Lauter gute Menschen... Oh sie sind ja alle so gut! So gut, dass ich der Whatsapp-Gruppe beigetreten bin und keine einzige gestellte Frage beantwortet bekomme, während alle anderen sich wunderbar austauschen können.

Jaja, die freundlichen Eltern anderer Kinder. Es ist mir immer wieder eine Freude, ihre Bekanntschaft nicht zu machen.

 

 

Entgegen allen jetzt sicherlich vorherrschenden Vorstellungen über mich, muss ich jedoch gestehen, dass mich von Zeit zu Zeit die Verrücktheit übermannt und ich mich dann in einer kuschelig dicht gedrängten Disco wieder finde. Wenn ich von Musik getragen in ferne Sphären schwebe, bin ich ein anderer Mensch. Wenn ich dann noch an Alkohol rieche, ist es ganz aus. Dann fallen alle Hemmungen von mir ab und ich kann mich stundenlang zwischen irrlichtenden Lasern und fremden Schatten dem Rhythmus hämmernder Beats hingeben, ohne überhaupt an irgendwas um mich herum zu denken. Es gibt nur das Dröhnen und Vibrieren der Musik, den Dampf, der mir die Sicht nimmt und das sich im Takt Wiegen und Kreisen meiner Glieder und all der Leiber um mich herum. Am schönsten war es, wenn ich meine Freundin vor mir sah, wie sie sich ebenfalls in den Rausch fallen ließ. Sie war ein zierliches elfenartiges Wesen zwischen all den dunklen Gestalten und sie bewegte sich mit einer Geschmeidigkeit, dass es Spaß machte zuzusehen. Ich genoss diese offene und ehrliche Freizügigkeit gepaart mit dem Wissen, dass wir uns dieses Level teilten. Insbesondere, da diese seltenen Momente leider viel zu spärlich gesät waren. Wir beide waren immer zu beschäftigt. Wir beide berufstätige Mütter. Und natürlich zeitlich wie finanziell eingeschränkt. Lustigerweise tickt sie so ähnlich wie ich und kann gewissen Gruppen von Menschen auch nicht allzuviel abgewinnen. Wir beide haben so gut zu einander gepasst, uns verstanden und konnten so wunderbar mit einander reden und scherzen. Jetzt bin ich in die Pampa gezogen, wo es so etwas wie eine anständige Disco überhaupt nicht gibt. Und sie ist in die Schweiz ausgewandert und für mich damit so sehr außer Reichweite, als befände sie sich auf einem anderen Stern.

 

"Mein Herz, wir sind so weit von einander getrennt. Aber wenn man's bedenkt: Eine Meile zwischen uns ist so schlimm wie tausend."

 

 

Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder...

 

Auf einem Broke Back Mountain oder im nächsten Leben.

 

Ich vermisse dich

 

 

 

 

 

5.11.18 17:13, kommentieren

Wie ein schlechter Film



In letzter Zeit erlebe ich mehr und mehr unglückliche Zufälle, dass es mir langsam so vorkommt, als spiele ich die Hauptrolle in einem schlechten Film.

Da habe ich doch mein Autochen im letzten Blogeintrag verloren. Jetzt hat sich die günstige Gelegenheit erboten ein ähnliches Fahrzeug - nur zwei Jahre jünger - privat zu erstehen. Natürlich habe ich nicht lange überlegt und sofort meine Chefin um ein weiteres Darlehen gebeten (mittlerweile sind es drei). Mein getrennt lebender Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt war von all meinen Bekannten der Einzige der bereit war mich nach Karben zu fahren, um mit mir den Passat BJ 95 zu inspizieren. 750,- Scheinchen sollte ich dafür locker machen. Mein Mann meinte sogar, die Substanz sei ganz gut - besser als bei meinem letzten Wagen. So zahlte ich. Mit den Schildern meines ehemaligen Autos fuhr ich die Neuerwerbung Richtung Heimat.
Auf halber Strecke fing es schon an: Eine rote Lampe begann zu blinken.
Wahrscheinlich hätte ich während der Fahrt nicht singen dürfen, ober aber es lag tatsächlich am Wasserstand. Jedenfalls fuhr ich mit Warnlicht von der Autobahn ab und parkte auf einer Ampel-Insel. Mein Mann hinterher. "Bist du verrückt?", rief er, "Mit falschen Schildern auf einer Verkehrsinsel zu parken??! Wenn uns hier die Bullen erwischen!!!"
Oja, mein Mann der Gutmensch, der als frommer Mönch eines Tages zu Grabe getragen wird, ohne je im Leben eine Dummheit begangen zu haben.
"Ja, sorry, aber da ging ein rotes Licht an und ich weiß nicht ob es am Kühler liegt. Die Temperatur ist aber normal."
Noch während ich redete, riss er meine Motorhaube auf und guckte nach dem Wasserstand. Alles normal. Muss wohl ein Sensor kaputt sein.
Auf der weiteren Heimreise wurde es dunkel und ich schaltete mein Licht an - oder versuchte es wenigstens. Tachobeleuchtung defekt. Hurra.
Naja, immerhin hatte ich die rote Kontrollleuchte, die mir Licht spendete...
Zu Hause haben wir nochmal alles durchgecheckt, aber es gab keinen Kühlwasserverlust oder ähnliches. Damit war ich fürs erste zufrieden.
Anderntags meldete ich das Auto ordentlich bei der Zulassungsstelle an.
Beim KFZ-Meister ließ ich mir das Radio von meinem Alten in den Neuen friemeln und klaute noch schnell die gute Varta und meinen ganzen Trödel, den ich zu kutschieren pflege. Da waren u.a. Verpflegungspakete der Bundeswehr, Feuerlöscher, Wasserkanister, Eiskratzer, Gummipflegestifte, Schwimmflügel, Hammer und Industriemeißel und eine komische Lampe mit Kabel für den Zigarettenanzünder. Naja, was man halt so braucht, falls man in einen Krieg gerät oder so. Ich nenne es: meine Notfall-Klappbox. Und obendrauf eine Picknickdecke. Muss ja nicht gleich jeder sehen, was für Schätze ich horte.
Leider ist irgendwas mit dem Einbau schief gelaufen, oder neue Autos sind vielleicht einfach so: Das Radio geht immer aus, wenn ich den Schlüssel ziehe. Und dann beim Neustart geht es einfach ungefragt automatisch an und dudelt bei Lied 1 los, egal wo ich vorher war. Und beim Radio sind alle Sender weg. Das kotzt mich an! Was soll diese Bevormundung?
Aber es sollte noch viel viel viiieeel schlimmer kommen. Denn was ich nicht wusste: das Auto verfügt über eine Zetralverriegelung. In dem Inserat stand eindeutig, dass sie defekt sei und deshalb habe ich nicht weiter gefragt. Defekt heißt für mich: geht nicht. Tatsächlich aber ist sie defekt im Sinne von: Macht was sie will!!!!
Ich wollte tanken fahren. Ich stand an der Zapfsäule. Doch leider leider ging die Tankklappe nicht auf. Vielleicht hat mir ja jemand einen Streich gespielt und das Ding zugeklebt? Ich nahm den Autoschlüssel und versuchte die kleine Tür aufzuhebeln. Dabei habe ich zwar den Schlüssel verbogen, aber die Klappe blieb zu.
Ich öffnete den Kofferraum und tastete im rechten Staufach nach den Kabeln. Eines führte Richtung Beifahrerseite und ich zog kräftig daran. Tatsächlich ging nun der Tankdeckel auf. (Hab auch gleich die dusselige Öse umgebogen, damit der Stahlbolzen nicht mehr zuriegeln kann)
Leider gehen seitdem die elektrischen Fenster auf, wenn ich fahrerseitig die Tür aufschließe. Sie lassen sich mit keiner Macht der Welt mehr schließen, wenn ich drin sitze. Sie gehen nur noch dann zu, wenn ich mein Auto von außen abschließe. Im Ernst! Schlüssel im Fahrerschloss: links - Fenster auf, rechts - Fenster zu! Ich hab das ein duzend mal versucht und dann aufgegeben.
Was hab ich gemacht? Ich hab die Beifahrertür geöffnet und von innen den Kopf zur Fahrertür gezogen, damit ich einsteigen konnte. Ich finde nach meinen bisherigen Erfahrungen neue Autos sehr kompliziert.
Nach diesem Tankstellen-Szenario kam ich zur spät in die Kanzlei, blieb auf der Treppe am Geländer hängen und riss mir die Umhängetasche kaputt, dass meine ganzen peinlichen Sachen raus fielen.

Das war der Punkt, an dem ich merkte was los war.
Ich bin in einen schlechten Film geraten.
Wahrscheinlich muss ich so lange mitspielen, bis es nicht mehr lustig ist, keine Ahnung.


Aber ich bin nicht die Einzige, die ein "neues" Auto ertragen muss. Meine Mama hat letzte Woche auch ihren Wagen verkauft. Der Agila hatte diverse Mängel und lief nur noch mehr schlecht als recht auf zwei Zylinder. Mein neureicher weil von seinem verstorbenen Vater beerbter Mann war bereit für 500 Euro einen anderen Agila zu kaufen. Ich musste ihm dafür nur ein wenig gefällig sein. Es hat mich zwar gewundert, dass er plötzlich Interesse an mir hegt, aber da ich mir den Deal nicht entgehen lassen wollte, tat ich ihm den Gefallen. Es war nichts besonderes. Langweiliger Hausfrauensex in Duldungsstarre. Es war nicht schlimm und auch nicht schön. Es war der Preis für einen guten Zweck und der heiligt bekanntermaßen die Mittel.
Und ja, auf meinem Grabstein wird mal stehen: Am Buffet der Dummheiten hat sie nichts ausgelassen.

Irgendwann wird alles besser.





2.11.18 22:17, kommentieren

Kopfschmerzen

 

Manchmal gibt es Tage, da spürt man die Last des ganzen Erdenrunds auf den Schultern.

Da bringt es auch nichts, sich an seiner Gesundheit oder dem Dach überm Kopf zu erfreuen.

In so einer Phase stecke ich gerade.

Zwar bin ich durchaus bemüht, die trüben Gedanken abzuschütteln, aber sie kommen trotzdem immer wieder in mir auf und geben mir keine Ruhe.

Darum schreibe ich mir heute die deprimierenden Worte von der Seele, damit sie vielleicht endlich Ruhe finden.

 

Angefangen hat es vor einigen Tagen – an meinem 32. Geburtstag – als eine gut bekannte Mandantin unserer Kanzlei verstorben ist. Sie war etwa in meinem Alter und hatte drei Tage zuvor ihr drittes Kind zur Welt gebracht. Die beiden älteren Kinder waren so alt wie meine zwei Süßen. Unter den Geburtswehen scheint der Frau jedoch unbemerkt ein Aneurysma geplatzt zu sein, so dass sie nach ihrer Entlassung zu Hause an Hirnblutungen verstarb. Sie war genau wie ich alleinerziehend. Und wir hatten uns noch vor nicht allzu langer Zeit unterhalten, dass sie einen Schwimmkurs für die älteste Tochter plant und dass sie das erst umgangsrechtlich mit dem Exmann klären muss, weil der Kurs immer samstags stattfindet. Und ich hab noch den Gerichtstermin verschieben lassen, weil er sich mit dem Entbindungstermin geschnitten hätte.

Jetzt hab ich ihre drei Akten hier liegen und meine Aktennotiz obendrauf, die ich tränenblind geschrieben habe.

 

Die ganze Geschichte hat mich echt nachdenklich gemacht.

Wenn mir mal was passiert, sind meine Kinder ganz allein und nicht mal fähig Hilfe zu rufen. Sie würden wahrscheinlich einfach nur weinen.

 

Ich schätze, das war der Tropfen, der das Fass bei mir zum Überlaufen gebracht hatte. Jetzt sitz ich in einem Loch und umgebe mich mit Schwermut und blase Trübsal.

Auch lassen mir die banalsten Probleme keine Ruhe. Sie ragen wie die steile scharfkantige Wand eines Bergmassivs vor mir auf und meine Ausrüstung ist ein verheddertes Knäuel ohne Anfang und Ende.

 

Aber gut.

Fangen wir also an, die Dinge beim Namen zu nennen:

 

Seit zwei Wochen bin ich ohne Auto.

Das ist eigentlich nichts tragisches, denn so geht es vielen auf der Welt, aber es macht mich emotional total fertig. Der Mensch ist natürlich ein Gewohnheitstier und so werde ich mich eben über kurz oder lang mit dem Schicksal arrangieren müssen.

Von der Frage: Wie hole ich einen Kasten Wasser? bis: Wie komme ich zum Kinderarzt? stellen sich mir nun viele viele Hürden, die es noch zu meistern gilt.

Dazu muss ich erwähnen, dass es im Umkreis von 30 Kilometern keinen Kinderarzt gab, der meine Kinder behandeln wollte. Ich habe wochenlang hin- und hertelefoniert und mich regelrecht beworben, aber es half alles nichts. Im gesamten Main-Kinzig-Kreis herrscht der Aufnahmestopp. Das ist so etwas ähnliches wie ein Ärztestreik im weitesten Sinne.

Selbst meine Chefin, die eine einflussreiche und bedeutende Frau mit vielen guten Beziehungen ist, konnte mir erst nach Monaten zu einem Arzt verhelfen, der seine Praxis in Bad Orb hat.

Mit dem Auto wären das ca. 20-30 Minuten von hier.

Jetzt ohne Auto ist es für mich eine schier unlösbare Aufgabe.

Und das ist nur eine der Hürden, um mal ein Beispiel zu nennen.

 

Zum anderen ist es eben auch die Gewissheit, dass mein erstes Auto von mir gegangen ist und ich nicht weiß, ob ich mich an ein Neues überhaupt gewöhnen werde. Mein Passat BJ93 ist mit mir über die Jahre zu einer Einheit zusammen geschmolzen, dass ich ihn blind hätte fahren können. Ich kenne das Ding in- und auswendig wie meine Westentasche.

Selbst wenn ich einen Gebrauchten so um die Jahrtausendwende anschaffe muss ich mich umgewöhnen… Nix Bremszug mehr, sondern flying by wire! Keine Fensterkurbel, sondern Elektroquatsch. Von Zentralverriegelung und sonstigem Teufelszeug ganz zu schweigen!

Ich brauch das alles einfach nicht! Ich will keine Assistenten, Bordcomputer, Klimaanlagen oder elektrisch verstellbare Außenspiegel. Ich will keine Wegfahrsperre, keinen Regensensor und keinen Safemodus im Radio, wenn ich mal schnell die Batterie abklemme. Ich will ein funktionales praktisches mechanisches Auto für Erwachsene und keine entgangene Lebensfreude auf 4 Rädern!!!

 

Tja und dann darf der Spaß nicht mehr als 2.000,- € kosten.

 

 

Der Herr möge mir bei meiner Suche beistehen.

 

…Oder wenigstens irgendein Herr. Ich hab doch keine Ahnung…

:-(

 

 

5.10.18 10:09, kommentieren

Poor Devil


Ein viertel Jahr ist vergangen seit ich mich Gott befohlen und in neue Gefilde gewagt habe.
Meine Fortschritte sowie meine Renovierungskünste mit zwei Kindern im Schlepp lassen sehr zu wünschen übrig und so langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich eine alte Frau sein werde, bis die letzte Kiste ausgepackt ist.
Hinzu kommt, dass ich bis vor kurzem noch Vollzeit arbeiten und Überstunden machen musste, um u. a. meine sämtlichen Darlehen zu finanzieren.
Jetzt hat sich meine Lage eigentlich etwas entspannen sollen. Ich arbeite nur noch einen Tag voll und an zwei weiteren Tagen nur halb. Des weiteren gebe ich neuerdings Nachhilfe in Rechnungswesen gem. VV RVG.
Kaum dass sich aber die dunklen Wolken um mein Sichtfeld zurück gezogen hatten, geschah das nächste Unglück: Es war Sonntag, der 23. September, als ich meine älteste Tochter von einem Umgangswochenende beim Papa abholen sollte. Es hatte an diesem Tag stark geregnet - nach dem langen trockenen Sommer eigentlich eine willkommene Abwechslung - und ich war mit dem Baby an Bord in Richtung Autobahnauffahrt unterwegs, als ich plötzlich unmittelbar vor einer Unterführung in die Eisen steigen musste. Die ganze Unterführung war geflutet. Nun war es für mich als ahnungslose Neubürgerin schwerlich abzuschätzen, wie tief nun Wasser tatsächlich war. Ich wusste aus Erfahrung, dass mich mein Auto schon des öfteren problemlos durch Überflutungen gebracht hatte. Um ganz sicher zu gehen setzte ich noch einmal ein Stück zurück und fuhr so schnell ich konnte in die Geschichte hinein. Ich war überzeugt genug Schwung zu haben, dass mein Auto, sobald es den Kontakt zur Straße verlor, den Rest des Hochwassers schwimmend überqueren konnte.
Leider geschah etwas ganz anderes. Nach hälftiger Strecke machte mein Motor befremdliche Geräusche und versagte den Dienst.
Ich will mich jetzt nicht länger damit aufhalten zu beschreiben, wie mir zumute war, als ich in der dunklen Unterführung stand und durch mein Seitenfenster das schwarze Wasser an der Oberkante meines Schwellers vorbei treiben sah, dass es Anschein erweckte ich würde in einer Nussschale dahin dümpeln.
Es ist sowieso unbeschreiblich.
Tatsache ist, dass ich die Feuerwehr rufen musste, da der ADAC mir am Telefon etwas von einer 3-Stunden-Wartefirst erzählt hatte und ich befürchten musste, dass das Wasser noch weiter ansteigen und den Innenraum fluten würde. Honigdachs ging es übrigens prächtig. Sie saß in ihrer VIP-Lounge, zog sich die Gummistiefel aus und plapperte unverdrossen vor sich hin, während ich vergeblich versuchte den Motor oder wenigstens die Warnblinklichtanlage in Gang zu kriegen.
Bis die Feuerwehr eintraf vergingen vielleicht 30 Sekunden. Gerade genug Zeit, um meine Mama anzurufen und sie in Angst und Schrecken zu versetzen.
Es hatten sich unterdessen auch ein paar andere Verkehrsteilnehmer bis an den Rand des neuen Angelweihers vorgewagt, sind dann jedoch (nachdem sie mit Gaffen fertig waren) wieder weg gefahren. So kam es, dass ich dem Treiben auf der Straße keine Beachtung mehr schenkte - auch nicht, als ein schwarzer Golf angejagt kam und sich quer auf die Straße stellte, um die Durchfahrt zu blockieren. Erst als ein Mann in schwarz-gelber Schutzkleidung ausstieg und mir ein Stück entgegen trat, blickte ich auf. Er hob eine Hand, um mich zu beruhigen und bediente mit der anderen ein Funkgerät. Kurz darauf waren zwei große Löschfahrzeuge da. Eines hinter mir, eines vor mir. Ich kurbelte rechts und links die Scheiben vorne runter. Dann schoben mich ein halbes dutzend Männer der freiwilligen Feuerwehr aus der Misere.
Als mein Auto an die Seite geschafft war, wurden meine Personalien aufgenommen.
Mittlerweile langweilte sich Honigdachs und tat ihren Unwillen kund. Einer der Männer schenkte ihr ein Kuscheltier, welches sie ihm jedoch gleich wieder an den Kopf warf, was alle sehr erheiterte. Bei mir setzten in diesem Moment jedoch die Auswirkungen des Schocks ein. Meine Beine zitterten unkontrolliert und mir war unendlich kalt.
Die Männer behandelten mich sehr zuvorkommend. Obwohl ich auf meiner Reise nicht weit gekommen war und ich den Heimweg bequem zu Fuß zurück legen hätte können, ließen sie es sich nicht nehmen, mich und das Baby im LKW nach Hause zu fahren.
Mein Mann war natürlich nicht sehr begeistert, aber er brachte Sternchen ohne murren und knurren zu mir. Er ließ es sich auch nicht nehmen, seine Meinung über meine Waghalsigkeit kund zu tun. Ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen...

Als es abends ruhiger wurde, sprach ich in Facebook öffentlich meinen Dank an die Feuerwehrleute aus. Auf diese Weise lernte ich drei meiner Retter näher kennen und unterhalte mich mit ihnen seither sehr angenehm per Messenger und whattsapp. Einer von ihnen ist etwas gesetzteren Alters und erwies sich als besonders hartnäckig. Er hat mich in ein Telefonat verwickelt und sich 3 Stunden lang mit mir unterhalten. Das war eigentlich ganz ok. Hab sogar gelacht und konnte ein bischen reden. Sowas tut auch manchmal gut. Leider bombadiert er mich seither rund um die Uhr mit Nachrichten, dass ich praktisch nur noch am Handy hänge und sonst für nichts mehr Zeit finde. Damit hab ich gestern Schluss gemacht. Ich kann einfach nicht mehr. Der Typ fordert mein ganzes Pensum an Aufmerksamkeit, so dass mein Tagewerk und mein täglicher Wettlauf gegen die Zeit ins Stocken gerät. Wer alleinerziehend ist, hat in der Regel einen straff organisierten Plan. Jede Unregelmäßigkeit darin gilt es zu vermeiden.
Solang ich nicht mal weiß, wie ich mein Kind in den Kindergarten (40 Minuten zu Fuß schaffe, oder wie ich Einkäufe und Arbeitswege geregelt kriegen soll, bin ich ohnehin nicht allzu empfänglich für irgendwelche Ablenkungen.  Und schon gar nicht auf Menschen, die sofort beleidigt sind, wenn man nicht gleich antworten kann...
Ich habe mein Auto in eine Werkstatt hier im Ort schleppen lassen und bin mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren (ich war steifgefroren als ich nach 35 Minuten ankam).
Der KFZ-Meister gefällt mir. Er ist jung, gutaussehend und lässt mich in Ruhe.
Seine Diagnose war einleuchtend: Verbogene Pleuelstangen nach Wasserschlag.
Er wird sich nach einem entsprechenden Motor umsehen. Mein Nachbar tut mir den gleichen Gefallen. Sogar Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt fährt heute auf einen Schrottplatz. Ich selbst war auch nicht faul und habe einen Facebook-Aufruf in allen Flohmarktgruppen geschaltet.

Abgesehen von diesem kleinen Abteuer, haben mich noch ganz andere Dinge aus der Bahn geworfen: Für einige Tage war die Heizung ausgefallen und ich hatte kein warmes Wasser mehr. Eine Heizungsfirma ist zwar dagewesen, aber die Anlage ist dennoch sehr störanfällig geworden und fällt nun öfter mal aus. Mein Nachbar hilft mir auch hier und rennt immer wieder für mich in den Keller. Das tut mir so leid.

Hinzu kommt, dass ich mich mit Poor-Angel seit einigen Wochen nicht mehr so gut verstehe. Es braucht nur eine Kleinigkeit, dass ich explodiere. Seltsamerweise war das nicht der Fall, als ich zwei Monate mit den Kindern bei ihr zugebracht hatte. Aber seit sie zum Babysitten in meine Wohnung kommt, ist der Wurm drin. Ich fühle mich durch all ihre Äußerungen auf den Schlips getreten. Das mag wohl daran liegen, dass wir beide den typischen Kommandoton einer Mutter inne haben. Vielleicht liegt es auch an meinem neuentdeckten Territorialverhalten. Schließlich ist das hier meine Wohnung und hier hab nur ich allein zu entscheiden.
Ich schätze aber, es liegt daran, dass es meiner Mutter in vielen Dingen nie schnell genug gehen kann, während ich für jede Aktivität erst eine handfeste Strategie ausarbeiten muss.
Wenn sie sagt: "Auf, pack dich. Nimm mein Auto und fahr doch mal schnell bei der Werkstatt vorbei. Dann kannst du schon mal ein paar Sachen aus deinem Wagen holen."
Denke ich: "Ich muss erst die Öffnungszeiten googeln und vorher anrufen ehe ich aufkreuze. Ich muss mir etwas anziehen, womit ich den Preis drücken kann und eigentlich müsste ich heute Haare waschen, denn so will ich nicht vor dir Tür. Außerdem muss ich mich erst mit dem Gedanken anfreunden und mir überlegen, was ich sage, wenn ich da bin. Was ist, wenn er fragt, warum ich mein Auto ausräume? Am Ende denkt er, ich hätte kein Vertrauen in seine Fähigkeiten. Und was sage ich wegen einem Ersatzmotor? Ich hab ja noch keine Rückmeldung von meinen Leuten. "usw usw
Und noch während ich meine Gedanken ordne, wird sie ungeduldig.
Es sind immer wieder Kleinigkeiten, in denen sie es eilig hat während ich mir das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen will. Sie wartet auch nicht ab, dass ich mich mal entscheide wie ich was erledige. Oft versucht sie dann irgendwas alleine und wird dann sauer, wenn es nicht so klappt, wie sie will. Dann schiebt sie die Schuld auch gerne von sich.
Ja, in meiner Wohnung ist alles ganz furchtbar. Das W-LAN reicht nicht bis ins Wohnzimmer. Die Zahlen der Wanduhr sind zu unleserlich. Der Handtuchhalter fällt immer runter. Der Berg Wäsche ist ein echtes Problem! Hier gibts ja nicht einmal einen Salzstreuer. Und natürlich stehen die Schüsseln nicht da, wo sie sie sucht. Außerdem gibt es nicht genug Bettdecken, weshalb sie nun selber welche kaufen will, obwohl ich mir das gerne selber aussuchen möchte, sobald ich wieder Geld hab. Und Bienen, die still halten, wollen sowieso sterben. Besser man zerreibt sie auf der Tischdecke, bevor sie einen stechen und behauptet dann, man habe sie nur runter kehren wollen.... Die besten Sätze von ihr beginnen mit: "Ich will ja nix sagen, aber...."
Und wenn man drei mal antworten und erklären muss, während einem die geweichte Tapete einreißt, ist es schnell vorbei mit meiner Geduld.
In solchen Momenten muss ich daran denken, dass mir ich weiß gar nicht mehr wer mal gesagt hat, dass alle Töchter wie ihre Mütter werden. Meine Oma mütterlicherseits hat ihrem Sternzeichen immer alle Ehre gemacht. Als typischer Krebs galoppierte sie stets drei Schritte vor und zwei wieder zurück und nervte auf diese Art zeitlebens alle ihre Mitmenschen. Es wundert mich kein Stück, dass mein Opa schon mit 68 Jahren das zeitliche segnete...
Poor-Angel ist ein Stier.
Stur wie ein Panzer und arbeitswütig ohne Ende.

Und da komme ich mit meiner romantischen, freiheitsliebenden, inkonsequenten und leicht verrückten Art ihr ins Gehege.

Trotzdem bin und bleibe ich nun hier die Herrin des Hauses. Mein Wort ist Gesetz und zwar in allen Dingen. Ich richte mich ein, wie ich will und erziehe die Kinder wie ich will. Es ist vermessen hier als Gastspieler mir in die Parade zu fahren.
Wahrscheinlich sollte ich das lockerer sehen oder mit Humor nehmen.
Nun, das könnte ich wohl auch, wenn diese Situationen nicht so oft vorkommen würden und ich nicht nebenbei schon genug unter Strom stünde.

Kann sein, dass meine Mutter wieder verstärkt in die Mutterrolle zurück fällt, weil ich seit geraumer Zeit verstärkt auf ihre Mitwirkung und Hilfe angewiesen bin. Womöglich sieht sie nun in mir ein Objekt der Hilflosigkeit, welches es zu führen gilt. Ich wiederum sehe mich im Zugzwang zu beweisen, dass ich mein Leben im Griff habe. Umso schlimmer nun der eigenverschuldete Verlust meines fahrbaren Untersatzes. Von meinen sonstigen tollpatschigen Eskapaden ganz zu schweigen.

Wie gern würde ich sagen: Ich brauche keinen Mann. Ich brauche keine Bevormundung. Ich brauche keinen Anführer.

Aber immer wenn ich das denke, schieße ich den nächsten Bock.

Kein Wunder, dass Poor-Angel ihre Fittiche um mich legen will, obwohl sie selbst genug eigene Baustellen im Leben hat.

Wenn Töchter wirklich wie ihre Mütter geraten, dann bin ich echt ein armer Teufel












28.9.18 16:10, kommentieren

Ich Depp



Bei der letzten Unterhaltszahlung hatte Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt bereits großzügig Abzüge vorgenommen ohne mir bis heute einen Beleg vorlegen zu können.
Ich, als der Depp, muss das so hinnehmen.
Jetzt war wieder ein Umgangswochenende und ich fuhr die Kinder zu ihm. Da er noch zu einem Motorradtreffen in St. Goar wollte, sollte ich die Kinder nur für eine Nacht abgeben und anderntags wieder abholen.
Ich, der Depp, muss Mamataxi spielen.
Nun war mein Mann nicht zu Hause als wir kamen und ich nutzte die Zeit, ein paar von meinen Kartons einzuladen. Als ich zufällig an die Mülltonne ging, musste ich gleich zwei mal hinsehen, um es zu glauben: Da lagen mein kleines Anzuchtbeet, Blumentöpfe und jede Menge Kleinteile und Spielsachen der Kinder in der gelben Tonne. Noch während ich eifrig hineinlangte und wenigstens die Cupcake-Puppen der Kinder und mein altes Babypuzzle von 1986 stückweise hervorangelte, wurden die Kinder auf mein Tun aufmerksam. Tja, und wie soll man nun einer 5-Jährigen erklären, was der Papa sich dabei gedacht hat, ohne gegen ihn zu hetzen? Ich will keinen Stress. Ich will, dass der Umgang klappt und dass sdie Kinder nicht unter seinen Launen zu leiden haben. Das stellt mich gleich vor die nächste Problematik: Wie lese ich ihm die Leviten, ohne ihn zu sehr aufzuregen und zu riskiern, dass er seinen Gram an den Nächstschwächeren auslässt?
Ich, immernoch der Depp, habe also auf eine Szene verzichtet und mich einfach beeilt, meine Sachen in Sicherheit zu bringen.
Als er dann kam und erwartungsfroh an mir vorbei ins Haus zu den Kindern eilen wollte, ließ ich es mir nicht nehmen, ihm kurz die Tür zu versperren. "Hi, du, sag mal, kann es sein, dass Du ein paar meiner Sachen weg geschmissen hast?"
Er:"HÄ? Was meinst du?"
Und ich begann ihm ein paar Beispiele ins Gedächtnis zu rufen...
Er druckste verlegen herum, er habe nur aufgeräumt und einiges unter der Couch hervor gekehrt. Er dachte außerdem, das Puzzle sei sicher nicht mehr komplett und damit schob er sich achselzuckend an mir vorbei. (wie seltsam, dass ich alle Puzzle-Teile im Müll gefunden habe....oh Mann!)
Als ich mich von Honigdachs und Sternchen verabschiedete, drückte Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt mit einen Zettel in die Hand. "Hier! Das ist die neue Unterhaltsberechnung meiner Anwältin. Meine private Altersvorsorge und die Lebensversicherung hast Du beim ersten mal vergessen!" Ich nahm den Wisch entgegen und murmelte ohne ihn anzusehen: "Habs nicht vergessen. Ist nur nicht anrechenbar. Dein Privatvergnügen kannst Du mir nicht in Rechnung stellen. Allerdings bin ich bereit Dir entgegen zu kommen." (mit einem Depp wir mir, wird man sich immer einig)
"Ja", nickte er eifrig,"Ich muss ja schließlich sehen wo ich bleibe. Es reicht mir ja kaum für das tägliche Brot! Sogar die Anwältin konnte ich nicht bezahlen. Stell Dir vor, ich musste meine Rechtsschutzversicherung bemühen!" Rechtsschutzversicherung?? Echt jetzt? In einer Familiensache? Und die Berechnung meines Mannes sah aus wie eine exakte Kopie der Berechnung meiner Anwältin - nur mit gehörigen Abzügen.
Tatsächlich hege ich Zweifel daran, ob der Wisch überhaupt echt ist. Tatsächlich glaube ich vielmehr, er hat es fertig gebracht eine Tabelle in Word nachzubasteln und auszudrucken. Aber ok! Wer soviel Aufwand betreibt, um den Unterhalt um 100 € zu drücken, der soll sein Fleißsternchen erhalten.
...
Anderntags holte ich Sternchen und Honigdachs wieder ab. Voller Stolz brüstete er sich, wie er Honigdachs gewickelt hat. Offenbar hatte sie ein großes Geschäft gemacht und der Vater des Tages hat sie in die Dusche gestellt, um jedweden Unrat abzubrausen. Ohne ein Wort darüber zu verlieren, heftete ich ein weiteres Fleißsternchen an die ihm gewidtmete gedankliche Pinnwand und hiefte eine weitere Kofferraumladung in den Passat.
 Es wäre ja mal ein feiner Zug gewesen, wenn er mir beim Verladen helfen, oder mir bei einem Umgangsbesuch einen Karton mitbringen würde. Eine derartige Bitte quittiert mein Mann jedoch mit einem spöttischen Lächeln und dem Spruch:"Tut mir leid, aber einen Karton kriege ich nicht in den Manta."


Super. Dein Manta ist also schuld. Komm, geh, kauf ein Stück Rotfuchs, dann hat wenigstens einer von Euch einen Schwanz!
Nein, das war wieder böse. XD

Aber wenn ich an die übrigen Fleißsternchen denke, geht mir der Hut hoch. Da war er neulich bei meiner Mutter zu Besuch, um mit den Kindern auf den nahegelegenen Spielplatz zu gehen, während ich auf Abreit war. Vom Balkon aus konnte Poor-Angel beobachten, wie Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt die Kinder an einer dichtbefahrenen Straße alleine laufen ließ: unser großes Sternchen vorneweg, der kleine tapsige Honigdachs 5 Meter hintenach. Ja, der Papa des Jahrhunderts brauchte beide Hände, um sich eine Zigarette zu drehen. Honigdachs stolperte und fiel aufs Gesicht.

Ein anderes mal ging er nur mit Honigdachs alleine - es sollte ein Ausgleich dafür sein, dass er das Wochenende zuvor mit Sternchen auf dem Campingplatz verbracht hatte - und er nahm die 2-Jährige auch diesmal nicht an die Hand. Ein paar Stunden später brachte er sie mit offenen Ellebogen zurück. Was ist passiert? Angeblich sei die einen Abhang hinunter gestürzt. Es gibt einen steilen Hügel auf dem Spielplatz, den die Kleine eigentlich nicht alleine hochgehen darf.  Vielleicht hätte ich ihm das sagen sollen?

Bei jedem Umgang, den ich nicht begleite, schicke ich ein Stoßgebet nach dem anderen gen Himmel. Natürlich habe ich bereits versucht, ihm Tips und Anleitung zu geben. Aber er winkt ab und nennt mich Helikoptermutter, also lasse ich es. Soll er seine Erfahrungen selber machen. Ich hoffe einfach nur, dass die Kinder es überleben und Spaß haben.
Spaß.
Soviel Spaß und Aufmerksamkeit von Papa kennen die Kinder auch erst seit der Trennung. Vielleicht lässt sich darauf etwas aufbauen? Zumindest habe ich nun alldieweil mal die Ellebogen frei für eigene Unternehmungen. So auch neulich, als meine Mutter und ich zum ersten mal nachts "sturmfrei" hatten und dies mit einer Flasche Hugo feierten. Mein erster freier Abend seit fünfeinhalb Jahren. ;-)

Ja, ich, doch kein Depp, setze alles daran, dass der Umgang auch weiterhin funktioniert.










1 Kommentar 29.7.18 13:09, kommentieren

Bühne frei zum Rosenkrieg


Zu früh gefreut! Das dachte ich mir schon…

Nachdem Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt im Juni brav den vollen Unterhalt ( „unter Vorbehalt" ) für mich und die Kinder in Höhe von € 785,00 bezahlt hat, dachte ich es sei alles geregelt.

Falsch gedacht.

Der Juli ist noch keine Woche alt, da überweist er nur noch knapp fünfhundert und ein paar Zerquetschte. Im Überweisungszweck steht was von einer Handyrechnung und die KFZ-Haftpflicht meines Wagens im Voraus.

Aha, der Herr geruhte ungefragt ein paar Rechnungen in Abzug zu bringen.

 

Nur damit eines klar ist: Ich zahle meine Zeche. Ich würde nicht im Traum daran denken, meinen Exmann mehr zu kosten als nötig. Aber zum einen handelt es sich um Verträge, die er selbst abgeschlossen hat und zum andern liegen mir über seine wilden Abzüge nicht einmal Belege vor.

Meine Planung sah vor, mich um einen neuen Haftpflichtversicherungsvertrag zu kümmern, sobald ich die Renovierung und die Urlaubsvertretung hinter mir habe. Das dürfte so ungefähr im August der Fall sein. Auch ein neues Handy samt Vertrag sollte dann her. Es ist mir im höchsten Maße unangenehm, dass Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt monatlich meine Handyrechnung samt allen Verbindungsnachweisen erhält. Aber im Moment bin ich so gut ausgelastet, dass mir für solche Kleinigkeiten schlicht die Zeit fehlt.

Da ich es leid bin, sein zahlungsunwilliges Gehabe dem Amt, dem Anwalt und weiß Gott wem noch alles zu erklären, hätte ich ihm derartige Kosten lieber separat überwiesen oder bar gezahlt. Es ist mir einfach nur noch peinlich. Ich schäme mich für diesen Mann.

Reicht es nicht schon, dass er aus Kleinlichkeit in jeder Überweisung an mich „unter Vorbehalt“ schreibt? Und dann tippt er als Zahlungsempfänger auch noch meinen Mädchennamen hinein… Ganz ehrlich: Was soll das??

 

Ich schrieb ihm gestern abend eine ziemlich angepisste SMS. Weil er Frühschicht hat, wird er sie heute morgen erst gelesen haben. Er hat es auch nicht versäumt genauso angepisst zu antworten. Er drohte sofort mit der Kündigung der Haftpflicht und dass er kommt und mir die Nummernschilder abreißt. Er wolle nun auch die private Haftpflicht unserer Kinder kündigen und ebenso meinen Handyvertrag. Ich dagegen drohte ihm, er könne dann ab sofort seinen Umgang mit den Kindern alleine hinkriegen (und selber Windeln wechseln).

Der Wortwechsel ging ein paar mal hin und her und ein böses Wort gab das andere.

Schließlich rief er sogar an, weckte damit alle Kinder, nur um mir zu erklären, dass er nur noch 30,00 € zum Leben hätte und dass ich ihm einst sogar angeboten hatte freiwillig auf Trennungsunterhalt zu verzichten und so weiter.

„Moment mal“, antwortete ich ihm, „du hast immerhin das Erbe deines Vater ausgezahlt bekommen. Also kann es dir auch nicht so schlecht gehen!“

Den Trennungsunterhalt wollte ich ihm ursprünglich tatsächlich wieder zurück erstatten, sofern ich es ohne diese € 285,00 schaffe mich über Wasser zu halten. Da aber mein Wohngeldantrag noch nicht beschieden ist, muss dieses Thema aber noch warten. Das habe ich ihm schon einmal versucht zu erklären, aber er will es nicht verstehen oder er ist zu dumm dazu – keine Ahnung, ich bin sauer.

Aber er ließ mich kaum zu Wort kommen und fuhr mich an, dass er Gehaltsnachweise über meine Überstunden haben wolle.

„Meine Überstunden bekomme ich nicht ausbezahlt. Sie verschwinden in den beiden Darlehen, die ich aufnehmen musste, um mich neu einzurichten.“

Diese Kosten hätten eigentlich zur Hälfte meinem Ehemann zufallen müssen, wenn wir einen gerechten Ausgleich vorgenommen hätten. Er hat nämlich unsere gesamte Einrichtung behalten, während ich für knapp viertausend Euro einen kompletten Hausstand mit allem Zubehör aus dem Boden stampfen durfte. Aber diese meine Gutmütigkeit konterte er lediglich mit den Worten: „Du hast doch die Trennung gewollt!“

„Ja. Und ich kümmere mich ja auch um alles. Aber von dir höre ich nur noch mi-mi-mi-mi und auf dieses Gejammer kann ich getrost verzichten!“  - Da legte er auf  -

 

Er schickte zwar noch eine giftige SMS hinterher, aber ich war es müde darauf einzugehen und beruhigte lieber die Kinder.

Momentan schlafe ich zusammen mit Sternchen und Honigdachs im Gästezimmer meiner Mutter.

Poor-Angel betreut ihre Lieblings-Enkel während ich Überstunden schiebe und renoviere.

 

Noch vor dem ersten Kaffee erzählte ich ihr, was zwischen Tau und Tag schon alles los war.

Sie ist auch voller Mitgefühl für mich und meine Lage. (Ihre eigene Scheidung liegt noch nicht lange zurück)  Zwischen uns herrscht offenkundiges Einvernehmen darüber, dass alle Männer doof sind und wir Frauen arme Schweine.

Trotzdem sind wir bemüht, die Kinder außen vor zu halten und reden darum nur sehr verhalten über die ganze Misere.

 

Falls Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt seine Drohung wahr macht und die Scheidung einreicht, um mir damit die Kosten der Krankenversicherung für mich und die Kinder aufzubürden (die für ihn übrigens kostenlos ist), werde ich ein Ass aus dem Ärmel zaubern, welches ich Poor-Angel zu verdanken habe. Sie war es nämlich, die mir vor der Eheschließung den Kontostand kräftig angehoben hat, damit ich als wohlhabende Frau in die Ehe eingehe. Natürlich bin ich alles Geld wieder rechtzeitig los geworden und als verarmte Frau am 31.05.2018 aus seiner Wohnung ausgezogen.

Wenn er mir also ans Leder will, geht’s an seine eigene Haut!

 

Der arme Mann ist übrigens heute morgen abgereist. Nachdem er mir erklärt hat, dass er für Honigdachs‘ zweiten Geburtstag keinen Urlaubstag bekommt, ist er für ein verlängertes Wochenende Richtung München zu irgendeinem Treffen gefahren, um sich zu besaufen.

 

Mir geht immernoch nicht aus dem Sinn, dass er mir meine Überstunden vorwirft.

Ich hätte ihm genauso gut seine ganzen Nebenjobs vorwerfen können, die ich in der Unterhaltsberechnung untern Tisch hab fallen lassen, um ihn zu entlasten.

 

Ach, Männer sind so doof doof doof!!!

 

 

 

 

 

 

6.7.18 16:36, kommentieren

Frau steht Mann - Mann bleibt sitzen



Seit Beginn diesen Monats versuche ich also auf die Füße zu kommen.
Ich habe eine renovierungsbedürftige Wohnung zu günstigen Konditionen ergattert und arbeite wieder Vollzeit. Das wirft gleich zwei Probleme auf: Wer hütet meine Kinder und wann renoviere ich meine Wohnung?
Die Lösung liegt nahe: Hotel Mama

Poor-Angel bietet mir und den Kindern Obdach und betreut Honigdachs und Sternchen, während ich arbeite. In den Mittagspausen fahre ich in die Wohnung um zu renovieren. Seit mittlerweile 28 Tagen führe ich eine Art Tagebuch, bzw. Dokumentation über meine Fortschritte. Das heißt, ich schieße täglich ein Foto von meinem Projekt und schreibe in Facebook einen Beitrag dazu.
Es sind nur kleine Fortschritte. Aber wie heißt es so schön: Jeder Handgriff ist ein Sieg über das Chaos.
An einem Tag schaffe ich es eine Tapetenbahn abzureißen. Manchmal baue ich auch einen Schrank zusammen oder schleppe Kartons in meine Baustelle.
Mein Vermieter muss mich langsam für verrückt halten. Da bezahle ich für eine Wohnung, die ich nicht mal bewohne. Ich komme nur zum Krachmachen vorbei und verschwinde dann wieder.
Aber immerhin: Ich habe jetzt eine Waschmaschine, einen Kühlschrank, einen Gasherd, eine Spüle, eine Spülmaschine, eine Gefriertruhe und ein Doppelstockbett für die Kinder.
Eine ansehnliche Reihe Schränke und Kommoden sind auch schon zusammengeschraubt. Von dem Muskelkater in meinen Unterarmen brauche ich gar nicht zu sprechen! Mann, ich brauche endlich einen Akkuschrauber!
Am meisten bin ich jedoch von mir selbst überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass mir solche Dinge gelingen würden. Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hat immer so ein großes Bohei um Männerarbeiten gemacht, dass ich wirklich Berührungsängste hatte. Ich hätte fast meine Bohrmaschine fallen gelassen, als sie das erste mal "Summm" gemacht hat. Ich bedaure es so sehr, dass ich mir nie das nötige technische Verständnis und das handwerkliche Geschick angeeignet habe, welches ich jetzt so schmerzlich misse.
Aber gut. Es geht auch ohne. Es dauert nur alles sehr sehr lange und ich bin so ungeduldig mit mir selbst und der ganzen Situation.

Abends nach der Arbeit habe ich noch weniger Zeit. Da düse ich dann zu meiner Mutter, um ihr die Kinder abzunehmen. Poor-Angel hat schlimm mit ihrer Arthrose zu kämpfen und quält sich darüber hinaus seit Monaten mit einem chronischen Husten. Die Kinder fliegen nahezu in meine Arme, kaum dass ich zur Tür herein komme. Es ist auch für sie eine ungewohnte Situation, mich den ganzen Tag nicht zu sehen.
Es tut mir so leid, ihr Süßen.

Jetzt wäre eigentlich der Vater gefragt, aber Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hat es nicht versäumt, bei seinem einmaligen Besuch den Kindern lauthals einzutrichtern, dass er jetzt noch viel mehr arbeiten müsse, weil er wegen dem Unterhalt kein Geld mehr hat.
Oh, der arme Mann! Der arme Mann mit den 3 Autos und den 3 Motorrädern und dem großen Haus. Der arme Mann, der im Februar das Erbe seines verstorbenen Vaters ausgezahlt bekommen hat. Der arme Mann, der selbst beim Mindestunterhalt in die Überweisung schreiben musste: "unter Vorbehalt"!
Nächste Woche fährt er auf eines seiner Treffen. Keine Ahnung welches. Er lässt keine Party aus - egal ob Opel-Treff, Oldtimer-Treff, Manta-Club, Militaria-Stammtisch, H2-Party, Beschleunigungsrennen, Falken-Motorradclub-Party oder was auch immer. Eben erst war er eine Woche zur Kawasaki-Ausfahrt in Norwegen gewesen. Bald ist er auch wieder eine Woche in Österreich.
Der arme Mann, der noch nie seiner Familie einen Urlaub spendiert hat.
Der arme Mann, der jede Woche mehr und mehr Uhren bestellt.

Warum muss er nur immer wieder die Kinder da mit rein ziehen??
Ich habe schon gar keine Lust mehr mich zu rechtfertigen. Dieses Geplänkel kann er sich ebensogut sparen.

Trotzdem ist es schon ulkig: Während ich versuche zu lernen wie ich selbst meinen Mann stehe, lässt er sich hängen und redet sich selber und allen anderen den größten Quatsch ein, statt dass er mal lernt "seine Frau zu stehen". Soll er doch mal liebevollen Umgang pflegen oder lernen etwas zu Essen zu kochen, das nicht nach Fertigpizza schmeckt. Er könnte meiner Mutter auch mal außerhalb der gesetzlichen Umgangszeiten die Kids abnehmen. Aber nein - er jammert lieber.
Er stürzt sich in seine Arbeit und seine Hobbys, weil ihm das vertraut ist und es keiner größeren Anstrengung bedarf. Ich würde es besser finden, er würde mal ein paar Augenblicke zur Ruhe kommen und in sich gehen. Vielleicht würde er zu der Erkenntnis gelangen, dass er an seiner Lage selbst schuld ist?

Aber genug davon.

Ich will mich nicht unnötig kasteien.
Den Kindern geht es gut. Sie sind lebendig und gesund und in liebevoller Obhut. Die Zeiten werden sich auch wieder ändern und dann werde ich wieder öfter da sein.
Und die Schulden? Naja, gut ich habe zwei Darlehensverträge laufen und muss nun ein paar Jahre Überstunden sammeln, um die zweitausend Euro wieder zurück zahlen zu können. Aber früher oder später wird auch das keine Sorge mehr sein.
Und meine Never-Ending-Baustelle? Ja, mein Gott, das schaffe ich auch noch. Es darf ruhig dauern so lange es will - Hauptsache es wird perfekt. Das ist mir das wichtigste: mein eigener Stil. Alles wird so schön. In meinem Kopf habe ich schon sehr genaue Vorstellungen.

Ich bin schon so weit gekommen.
Alles andere wird sich weisen.

Ich bin sicher, andere Leute haben ähnliches schon überstanden.

 Was mache ich mir Sorgen!





3 Kommentare 28.6.18 21:13, kommentieren

Zu viel Medizin, Mann!

 In einer Welt voller Reizüberflutungen und Medienkonsum-Völlerei muss auch ich dann und wann mein Handy weg legen und blicklos meine Gedanken ordnen. Ich fühle mich zu oft verwirrt und desorientiert und es dauert, bis ich abschalten und wieder zu mir kommen kann. Vielleicht ist das auch einer der Gründe warum ich nur W-LAN-gebundenes Internet auf meinem Handy habe und unterwegs anderen Tätigkeiten nachgehen muss, wie etwa Sudokus oder eben Meditation.Nun trug es sich zu, dass ich vergangene Woche mit einer Autopanne auf der A66 liegen geblieben war.Nachdem sich die erste Panikattacke gelegt hatte und sich mein Tunnelblick wieder klärte, hatte ich massenhaft Zeit zum Grübeln. Ich dachte über mich nach und über meine gescheiterte Ehe mit Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt.Ich dachte daran, dass er noch immer nicht verstehen will, warum ich ihn verlasse und dass er mich mit dieser Masche  immer wieder in Selbstzweifel und Rechtfertigungen stößt. Ich bin es leid, meinen Wortlaut permanent zu wiederholen, wenn er mir vorwürft, ich wäre selbstsüchtig und es ginge mir nur um eine kunterbunte Wohnung. Doch als ich auf der Leitplanke saß und mir das Seitenstreifen-Gemüse so anschaute, überkamen mich die poetischsten Versinnbildlichungen:  Eine Ehe ist……wie ein junges Pflänzchen. Aber keiner weiß so recht was mal draus wird. Man kann sich gegenseitig vorwerfen, wer es mehr pflegt als der andere oder wie oft man es gießt und umsorgt. Der Ehe-Pflanze selbst ist es egal, wer sich kümmert. Solange einer es tut, wird sie schon nicht eingehen. Man kann sich jedoch nicht vorwerfen, was für eine Pflanze es dann tatsächlich wird. Ist sie ungenießbar oder gar giftig, dann hat keiner Schuld daran. Dann hat es einfach nicht sein sollen.In unserem Fall funktionierte die Ehe. Aber sie schmeckte bitter.Mein Mann ist da schmerzunempfindlicher als ich. Solange sie ihren Zweck tut, ist es ok. Und für jemanden der ständig viel und oft Bier und Schnaps in sich rein kippt, ist ein bitterer Beigeschmack durchaus ganz annehmbar. Mir kommt es vor, als müsste ich täglich Medizin runterwürgen, wo andere glücklich Beeren vom Strauch picken und sich gegenseitig zwischen die Lippen schieben. Ich bin nicht neidisch auf das was andere haben. Aber ich sehne mich nach eine Neuordnung in meinem Leben. Nun ergreife ich diese besondere Chance, ein neues Pflänzchen zu setzen. Es erfordert mehr Mut als Leichtsinn, denn auch hier weiß ich wieder nicht, was draus wird – nur mit dem Zusatz, dass ich meine zwei kleinen Kinder mit in die Ungewissheit reiße.  Lieber Gott, lass mich nicht scheitern.

11.6.18 06:10, kommentieren

Der wahren Liebe Schluss

Nachdem ich meine vergangenen Einträge noch einmal gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ich immer wieder auf das Drama mit der Heizung zu sprechen kam. Nicht dass meine Wiederholungen jetzt den Eindruck erwecken, dass unsere Ehekrise allein auf dem Heizverbot fußt.

Es gab auch genug andere Verbote und Regeln.

Um ein paar Beispiele zu nennen:

Ich durfte kein unnötiges Licht brennen lassen.

Ich durfte weder Räucherstäbchen noch Duftkerzen anzünden.

Ich durfte an seiner Garderobe nichts verändern (er hat einen furchtbaren Mode-Geschmack. Er trägt im Schwimmbad noch heute stolz seinen winzigen Bade-Slip. Als Abendgarderobe dienen ein langweiliger Pulli und eine Jeans aus den 80ern. Das T-Shirt wird prinzipiell immer tief in die Hose gestopft und ein mächtiger Gürtel mit riesenhafter Koppel MUSS das auch noch betonen. Ohne eine nicht weniger gewaltige mechanische Armbanduhr fühlt der Herr sich ebenfalls nackig. Und die Flat-Top-Frisur wird noch am Tag seiner Beerdigung so schnurgerade getrimmt sein, dass man getrost die Uhr danach stellen kann...) An unserer Hochzeit trug er den Anzug den er mit seiner Ex-Verlobten gekauft hatte (für eine Hochzeit, die nie statt fand. Sie hat ihn wenige Tage vor der Trauung verlassen) Nicht einmal eine andere Krawatte konnte ich ihm abverlangen!

Aber weiter im Text...

Ich durfte keine Scheuerschwämmchen oder Scheuermilch benutzen, weil es Oberflächen angreift. Putzen sollte ich aber trotzdem...

Ich durfte nicht auf der Lehne der Couch sitzen. (Oh Gott, die gute Couch!! Selbst die Sitzfläche darf ich nicht direkt berühren - es liegt immer eine Decke darauf, damit die gute Couch ja keinen Schaden nimmt)

Ich durfte in seiner Wohnung kaum etwas anfassen. Wenn ich bei der Suche nach einem Locher zufällig über seine privaten Ordner mit irgendwelchen Unterlagen gestolpert bin, war das ein Gefühl, als hätte ich versehentlich die Schmuddelhefte meines Vaters entdeckt. Voller Panik schnell alle Spuren verwischen und das Geheimnis mit ins Grab nehmen!

Ich durfte nicht mit Metall-Löffeln im Topf rühren, weil die Töpfe sonst Kratzer kriegen. Andersherum hat er meine scharfen Küchenmesser alle in der Spülmaschine geschrottet...

Ich musste auf unseren Esstisch aufpassen. Die Speisen darauf durften nicht zu heiß sein. Eine Pizza hat einmal durch den Lieferkarton hindurch kreisrund den Lack des Tisches versengt. Seither liegen schichtweise eine abwaschbare Wachstuchtischdecke und Platzsets auf dem guten Tisch. Töpfe bleiben gleich auf dem Herd. Teller aus der Mikrowelle bekommen noch zusätzliche Untersetzer und eine Lage Zeitung untergeschoben. Alles nur, damit dem guten Tisch nichts mehr zustößt!!!

Ebenso verhält es sich mit dem guten Laminat: da wird auf Händen und Knien jeder Zenitmeter nach neuen Kratzern abgesucht. Alte Filzgleiter unter den Stuhlbeinen werden erneuert. Oh Gott, der gute Boden...

Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt kontrolliert auch penibel die Müllbehälter, dass ja kein Fitzel falsch entsorgt wurde. Auch hier war der Terror alldieweil vorprogrammiert.

Ich hatte kein Mitspracherecht hinsichtlich der Einrichtung oder Raumaufteilung.

Selbst die Küche hat er allein ausgesucht. Kochen musste jedoch ich allein.

Ich musste seine Musik ertragen. Meine CDs kann ich ja hören, wenn er nicht da ist.

Ebenso verhielt es sich jahrelang mit seinen Serien. Er schaute leidenschaftlich "Verbotene Liebe" und "Marienhof". Gott sei Dank, wurde der Schmarrn mittlerweile abgesetzt.^^ Auf die Frage hin, wie ein Kerl wie er zu solchen Serien gefunden hatte, teilte er mir mit, dass seine Exfreundin das immer geschaut hätte und er nun neugierig geworden sei, wie die Storys weiter gehen. Toll.

Ich wurde dafür gemobbt, wenn ich Zucker konsumierte. Er kniff mir in die Nieren und ermahnte mich ständig, mit dem Zucker langsam zu machen.

Ich durfte meine Haare weder färben noch kurz schneiden. (Einmal habe ich es doch getan, da ist er ausgerastet. Ich fand die rote Tönung ganz süß. Er nannte mich eine widerliche Zecke (=Punk) und ließ mich nicht mehr in sein Bett. Das Theater dauerte so lange, bis er mich zum Frisör schleifte, wo mir dann ein Farbauszug verpasst wurde)

Ich musste es hinnehmen, dass er ständig mit seinem Handy telefonierte. Selbst wenn wir ein Rendevouz hatten. Ich sollte mich dann immer still verhalten.

Alle zu erledigenden Aufgaben, die nichts mit ihm direkt zu tun hatten, musste ich erledigen. Auch die unliebsamsten. Ganz gleich, ob ich Zeit hatte oder nicht. Da ging der Mann fünf mal am Wäschekorb vorbei die Treppe rauf, ohne ihn mit zu nehmen. Da stieg er im Hof über die Spielsachen der Kinder weg. Regte sich über gebrauchte Taschentücher auf dem Fußboden auf, ohne einen Handschlag zu tun. Wenn es ihn nichts anging, dann rührte er keinen Finger. "Ist nicht meine schmutzige Tasse"..."Ist nicht meine Socke in der Ecke"... ...Aha. Anscheinend ist das alles mir? Dann sind das also meine Fenster, die ich putze und meine Treppe. Meine Einkäufe im Auto und mein Essen auf dem Herd und mein Geschirr auf der Spüle und meine Windeln, die voll sind! Der würde sich vielleicht umgucken wenn ich seine Philosophie teilte! Frei nach dem Motto: "Geht mich nichts an - rühr ich nicht an" ...Er würde im Chaos ersticken.

 

Ich durfte mein Auto nicht im Hof parken. Angeblich, weil der Hof nicht Gegenstand des Mietvertrages sei und wir keinen Ärger mit dem Vermieter riskieren durften. Aber mein Mann hat seine Oldtimer ständig im Hof geparkt, weil er viel zu viel Angst vor Vandalismus hatte. Ich dagegen musste in den umliegenden Straßen um einen Parkplatz kämpfen und hatte die Einkäufe und die Kinder noch an der Backe.

 

 Ich durfte ihn morgens vor dem ersten Kaffee nicht ansprechen. Auch nichts fragen.

Ich musste es hinnehmen, dass er mich im Rahmen seiner Launen übelst titulierte. 

 

Einmal waren wir bei einem Oldtimertreffen. Da lief eine besoffene Schlampe nachts über den Platz und heulte rum, dass sie schwanger sei und ihr Freund sie raus geworfen habe und sie nun nicht wüsste, wo sie hin solle. Die Tussi war vielleicht 18 oder 19 Jahre alt. Einige Männer liefen von Lagerfeuer zu Lagerfeuer und sammelten Spenden für die Frau. Mein Mann hatte nichts besseres zu tun als ohne mich zu fragen meine eigene Decke aus dem Kofferraum zu holen und zu verkünden, dass die Frau sich damit warm halten dürfe. Ich war total verdattert. Ich sagte den Männern, dass man vielleicht lieber die Polizei rufen solle. Die finden schon raus, wie die Eltern der jungen Frau sind oder kümmern sich irgendwie um sie. Oliver schubste mich beiseite  "Nein", sagte er, "so machen wir das hier nicht. Wir sind noch Kavaliere der alten Schule und kümmern uns selbst um einander!" Und schon war meine Decke weg.

Als ich ihm erklärte, dass ich meine Decke wieder haben wollte, schrie er mich an, ich sei eine Drecksfotze und solle endlich die Fresse halten. Alle unsere Freunde saßen drum rum und starrten uns an. Ich sah zu, wie Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt sich ein Bier aufmachte, eine Bratwurst vom Grill holte und sich zum Schmausen in einen Klappstuhl fallen ließ.

Ich nahm meine Handtasche, ließ mein ganzes Gepäck (bei solchen Treffen wird immer gezeltet) in seinem Wagen und lief davon. Ich suchte einen Bahnhof oder eine Bushaltestelle oder irgendwas, um von dort weg zu kommen. Beinahe hätte ich sogar meine Eltern angerufen. Aber ich war weit weg, in einer mir völlig fremden Stadt und ich bekam meinen Kopf nicht klar. Schließlich setzte ich mich auf eine kleine Mauer und weinte ein paar Stunden leise vor mich hin. Obwohl es eine laue Sommernacht war, war ich irgendwann in meiner leichten Kleidung so steif gefroren, dass ich wieder zurück zu dem Treffen ging und mich zu meinem Mann ans Feuer setzte. Schon von weitem hatte ich ihn lautstark lachen und scherzen hören. Er amüsierte sich königlich und hatte sich augenscheinlich auf ein fröhliches Level gesoffen. Meine Abwesenheit hatte er gar nicht bemerkt. Die Ehefrau eines unserer Freunde kam auf mich zu, nahm mich beiseite und redete mit mir. Sie vertraute sich mir an, dass es ihr oft genug schon ähnlich mit ihrem Mann ergangen sei und dass Männer manchmal echt Schweine sein können.

In den weiteren Tagen redete ich kaum ein Wort mit ihm, während er so tat, als sei alles in Ordnung.

 

...

 

Ach, es gibt so vieles, was mich nervt oder was ich in schlechter Erinnerung behalten habe.

Und wie oft habe ich mir den Mund fusselig geredet und ihm versucht zu vermitteln, dass ich etwas mehr Würde und Anstand erwarten darf ... Vergeblich.

 

Egal welchen seiner Freunde ich mal angesprochen habe - einjeder zuckt bloß hilflos lächelnd die Schultern und gibt mir zu Antwort: "Ja, der is, wie er is!"

Und das war er schon immer und wird er auch immer bleiben.

 

Ein Mann, der damit prahlt, dass er als Halbstarker mit seinen Kumpels regelmäßig zum Vergnügen Marokkaner verprügelt hat.

 Ein Mann, der damit prahlt, dass er in der vierten Klasse mit einer Mitschülerin seine erste Nummer geschoben hat.

Ein Mann, der damit prahlt, dass er besoffen mit dem Motorrad durch die Botanik gebrettert ist, oder beim Pissen in die Brennnesseln gefallen ist um erst anderntags wieder zu erwachen.

 

Oh, er prahlt vor allem mit seinen Bettgeschichten und dass es mehr Frauen gewesen sind, als er hätte zählen können.

 

Ganz ehrlich, seine Vergangenheit ist nicht die rühmlichste.

Was hat mich an ihm so fasziniert, dass ich bereit war ihm 10 meiner besten Jahre und zwei Kinder zu schenken?

 

Na klar. Er war der Bösewicht nach dem ich mich immer verzehrte.

Und ich war die Masochistin, die das Elend suchte.

 

 

Nur leider weichen Phantasie und Realität bitter von einander ab.

 

 

 

 Ich bin im Grunde eigentlich kein großer Überflieger. Ich bin aber auch - wie man meinem Schreibstil hoffentlich entnehmen kann - kein Prolet.

Trotzdem habe ich in meiner Sucht nach Liebe alles getan, was seine Aufmerksamkeit erregte. 

Dazu gehörte auch, mich ohne Scham auf sein Niveau zu begeben und an seiner Seite Stellung zu beziehen.

Und dies nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern auch draußen und vor allen Leuten.

 

Vor ungefähr acht Jahren sind wir nach Rodgau gezogen. In eine Ruine, die wir erst aufwändig renovieren/restaurieren mussten...

Aus dieser Epoche rühren nachfolgende Verse:

 

Es war nie leicht mit dir zusammen ohne Blamage zu leiben.
denn warst du dir nie für einen Rülpser oder gar Furz zu bescheiden.
Oft wollte ich Blumen von dir, aber bekam dann nur Dornen,
oft warst du auch grundlos genervt und das schon am frühen Morgen.

Unser Haus der Liebe, das sich zwar noch als Ruine geniert
wird in Anbetracht seines Verfalls mit aller Kraft auf Glück frisiert!
Und selbst wenn uns die Farbe aus´geht und wir unsere Jobs verlieren
wird uns das Glück nicht verlassen, weil wir finden wonach wir gieren.

Als mein Göttergatte und Glücksgenießer bist du weder reich noch arm.
Ich dagegen bin deiner nicht würdig. Ich bin wie mein eigener Darm:
es kommt nur Scheiße heraus, aber ohne zu kacken wäre ich bald tot.
Mein Innerstes droht zu explodiern, ich würde platzen durch meinen Kot.

Ich ersticke an meinen Gefühlen, lasse ich sie nicht heraus.
Darum sag ich es gleich: Ich liebe nur dich! Nicht das Glück, das Geld und das Haus!
Und wenn es nur eine Möglichkeit gäb, dir zu zeigen, was ich empfinde.
Würde ich dich beschenken und dichten für dich, damit uns Liebe verbinde


 

 Ich hab wirklich ernsthaft versucht mich ihm anzupassen. Ich bin so weit auf ihn zu gegangen bis fast nichts mehr von mir übrig war.

 

Ich hab seine Gebote geachtet.

Ich habe seine Sprache angenommen.

Ich habe ihn verteidigt - gegen Gott und die Welt (selbst wenn er im Unrecht war)

 

 

Und er?

 

Er wirft mir vor, dass ich nicht genug auf seine Bedürfnisse eingegangen wäre.

Ja, ich hätte ihm nicht mal einen geblasen!

 

 

19.5.18 23:21, kommentieren

Es riecht nach einer neuen Frau

 

Am 06. Dezember 2009 schrieb ich meinem Ehemann folgende Zeilen:

 


Ein guter Rat

Ich liebe es, wie du mich verwöhnst
wie du mich freundlich behandelst
Ich hasse es, wenn du mich verhöhnst,
wenn du mich quälst und misshandelst.

Ich liebe es, wenn du mich berührst
du schenkst mir Geborgenheit.
Ich hasse es, wenn du mich entführst
in eine Welt aus Grausamkeit.

Ich liebe es, wie du mich begehrst,
wie du mich restlos befriedigst.
Ich hasse es, wenn du mich entehrst,
wenn du mich beschimpfst und erniedrigst.

Ich liebe es, wenn du mich anschaust,
was meine Seele in Brand versetzt,
doch ich hasse es, wie du immer aufbraust
und du mich völlig grundlos verletzt.

Darum sage ich dir jetzt einen guten Rat:
Lass ab von Schimpf und Schand!
Und du wirst sehen, jede freundliche Tat
knüpft ein viel festeres Band.

 

___

 

 

Als ich es beim Aufräumen fand, waren auch gleich die Erinnerungen an unsere Anfangszeit wieder da. Wir hatten gewaltige Startschwierigkeiten und durchlebten im ersten Jahr gewaltige Höhen und Tiefen. Ich weiß nicht einmal mehr, wie oft wir uns getrennt und wieder versöhnt haben.

Tatsache ist, dass ich - ähnlich wie bei meiner Umstellung auf Mutterschaft - mich damals ein ganzes Stück verlieren musste. Ich musste aufgeben, was mir wichtig war: Ideale, Prinzipien, Leidenschaften, Träume und Wünsche.

Ich musste mich seinen Regeln unterwerfen und durfte ohne seine Erlaubnis kaum noch eigene Entscheidungen treffen. Mein damaliger Blog wurde nach einem gewaltigen Ausbruch meines Freundes (heute mein Mann) von mir gelöscht, was mir sehr leid tat. Es war mein Ventil gewesen. Mein Druckablass. Mein Hobby. Und so durfte ich fast 10 Jahre nicht mehr schreiben.

Seine Herrschsucht wurde zur Diktatur. Ich durfte zum Schluss nicht einmal mehr die Heizung hochdrehen (er hat die Thermostate fest gestellt, als erzieherische Maßnahme). Seine Methoden erinnern mich lebhaft an die meines Vaters. Colonel Zaster hat damals auch den Stecker vom Telefon aus der Wand gerissen, wenn ich länger als 2 Minuten telefoniert habe. Er hat meiner Mutter - als sie noch jung zusammen waren - die Wählscheibe abgeschlossen und nur die Notrufnummern frei gelassen.

Ja.

In meiner überhasteten Flucht vor meinem Vater, bin ich seinem Doppelgänger in die Arme gelaufen.

Nein.

Es gibt schon Unterschiede. Ich will Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hier nicht unnötig nieder machen. Wir hatten auch schöne Zeiten. Anders als mein Vater, ist mein Mann unternehmungsfreudiger veranlagt. Wo mein Vater das ganze Jahr spart und lieber zu Hause im Feinripp-Hemd die Couch durchschwitzt, um dann 3 Wochen nach Thailand fliegen zu können,  ist Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt lieber das ganze Jahr hier in heimatlichen Gefilden aktiv unterwegs und achtet auch nicht so sehr aufs liebe Geld.

So war mir das ganz lieb.

Aber es gibt eben auch Parallelen. Und die sind schauderhaft.

Es ist bitternötig, dass ich hier weg komme und endlich selbst meinen Mann stehe. Prinzessinen lassen sich vielleicht von Prinzen retten, aber ich bin anscheinend keine Prinzessin. Es kam auch kein Prinz.

Alles was ich vorzuweisen habe sind ein paar One-Night-Stands, ein Stalker, ein Geistesgestörter und Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt.

Das kann doch nicht alles gewesen sein?

Dann lieber gar keinen!

 

Ich habe im Rahmen meiner Aufräum-Aktion noch einige andere alte Gedichte von mir gefunden.

Eigentlich räume ich nicht wirklich auf.  Ich packe. Die Kartons stapeln sich schon bis unter die Decke. In knapp zwei Wochen ziehe ich in meine erste eigene Wohnung.

Und ich hab furchtbare Angst.

Ich plage mich mit Selbstzweifeln und Sorgen aus allem Himmelsrichtungen. Keine Ahnung, wie das wird. Ob ich das alles alleine schaffe. Die Renovierung, der Auf- und Abbau von Möbeln, der Transport, die Einrichtung, die Ummeldung, die tausend Verträge und Versicherungen und Kosten. Dann die Kinder, die neue Kita, die Eingewöhnung und deren Heimweh nach Papa und der Vertrautheit. Dazu noch mein Job und die Urlaubsvertretung, die ich übernommen habe. Ich soll Juni und Juli durcharbeiten.

Vor mir sehe ich ein abenteuerliches Puzzle aus Aufgaben ohne Anleitung. Hab weder handwerkliches Geschick noch eine gescheite Ausrüstung. Mit einem Karton voll Tapeten werde ich am 1.6. hinfahren und wahrscheinlich Rotz und Wasser heulen, wenn ich versage.

Bis dahin werde ich fleißig Youtube-Videos übers Renovieren schauen.

Vielleicht lässt sich die Katastrophe noch abwenden.

Schlimmer stelle ich mir die Justierung der Lampen vor.

Ich sehe mich vor geistigen Augen mit 230 Volt im Körper rückwärts von der Leiter fallen.

Ein Häufchen Asche bleibt allein

und beide Schuh so hübsch und fein.

 

 

WAAAHHHH

 

 

Auf meine vorsichtige Frage, ob er mir vielleicht ein wenig helfen möchte, antwortete mein Mann sehr nachdrücklich mit "Nein".

Für jemanden, der nicht mal Trennungsunterhalt zahlen will, stellt er sich ganz schön bockig an!

Aber wahrscheinlich hat er von seinen Freunden wieder irgendeinen Floh ins Ohr gesetzt bekommen.

Von seinen Freunden oder von einer anderen Frau.

 

Vor ein paar Wochen waren wir mit den Kindern auf dem Campingplatz und übernachteten im Wohnwagen. Das Ding ist ein Erbstück seines Vaters und er will auf Biegen und Brechen die alte Tradition fortführen. Wahrscheinlich liegt das auch an seinen glücklichen Kindheitserinnerungen von dort. Naja, unseren Kindern gefällt es ja auch gut dort. Die neuen Camping-Nachbarn haben ein Riesen-Trampolin auf ihrer Pazelle aufgebaut und seitdem sind wir die besten Freunde....^^

Als Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt den Grill anzündete, ging ich in den Wohnwagen und fand sein Handy dort liegen.

Ich wollte eigentlich nur die Uhrzeit ablesen, da überkam es mich. Ich öffnete leise seine Nachrichten und fand etwas, das ich kaum glauben konnte.

Seine Exfreundin hatte ihm geschrieben. Die SMS war erst zwei Stunden alt und er hatte sie noch nicht gelöscht. Sie hat gefragt, ob sie sich wieder an der Werkstatt zu gewohnter Uhrzeit treffen wollen. Und die Uhrzeit stand auch dabei.

Ich legte das Handy zurück und musste mich setzen.

Warum wartete er nicht wenigstens, bis ich aus dem Haus draußen bin??

Seit wann hat er es so nötig, nachdem er mich jahrelang kaum angerührt hat?

Fragen über Fragen...

 

Am nächsten Tag saß ich allein zu Hause. Die Kinder spielten friedlich im Hof und veranstalteten eine feuchtfröhliche Wasserschlacht.  Kurzentschlossen rief ich meine Mutter an und erzählte ihr alles. Sie hörte sich den ganzen Sermon an und gab mir den Rat, mal unauffällig an ihm zu schnuppern wenn er von seinem Treffen mit der Ex zurück käme. Ich könnte dann ja einfach einen Schuss ins Blaue wagen und fragen, warum er so befremdlich rieche?

Die Uhrzeit seines Treffens irrlichtete durch mein gemartertes Hirn. Ich würde ihn so gern überführen!

So packte ich die Kinder und machte einen Ausflug in Papas Werkstatt.

Leider mussten wir einen Umweg gehen, weil eine Straße wegen Bauarbeiten gesperrt gewesen ist. So haben wir den Papa leider um wenige Minuten verpasst. Seine Freunde von der Werkstatt waren alle betreten und nur kurz angebunden. Keiner konnte mir in die Augen sehen. Aber freundlich waren sie. Zu mir und zu den Kindern. Nach kurzem Wortwechsel gingen wir wieder. Angeblich sei er zu einem Kunden nach Offenbach gefahren.

 

Als er sehr spät Heim kam, ging er sofort duschen.

Er erklärte, der Reifenwechsel eines Motorrades hätte ihm Schwierigkeiten bereitet, weil der Händler zu spät erschienen sei und die Teile auch verspätet geliefert worden seien. Und er erzählte eine sehr lange detaillierte Geschichte, die ich einem sonst so wortkargen Mann nie zugetraut hätte.

 

Ich bin nicht eifersüchtig.

Aber ich lass mich halt nicht gern verarschen.

 

Wieder so eine nette Gemeinsamkeit zwischen Der-Mit-Zwei-jobs-Tanzt und

Colonel Zaster: Lügerei!

 

Ich brauche dich nicht und ich pfeife auf deine Hilfe oder dein Geld!

Ich habe mir jetzt eine verdammte Bohrmaschine und Werkzeug bestellt und ich werde die ganze Scheiße alleine hinkriegen!

 

Mein neuentdeckter Mut macht meine Angst fast vergessen.

 

Meine Mutter hat Recht.

Es riecht nach einer neuen Frau...

 

Und das bin ich!

 

 

18.5.18 13:49, kommentieren



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