reflections

Es blühen Herbstzeitlosen…


 

…sagen tröstend zu mir: was macht das schon, wenn ich einmal verlier‘?

 

 

Ich habe Halfdan angeschrieben.

 

 Aus Neugier habe ich mal nachgeschaut, was aus ihm geworden ist und was er in der Zeit seit unserer Trennung so getrieben hat. Und ich war überrascht.

Der Mann hat sich gemacht.

Nicht nur dass er in einer äußerst starken Sippe aufgenommen worden ist und seinen Armreif verliehen bekommen hat, er war auch fleißig und hat tatkräftig beim Bau des weltweit einzigen (nicht-museums-) Wikingerdorfes mitgeholfen.

Auch sein Kleidungsstil ist dem Frühmittelalter nun deutlich besser angepasst.

Es hat mir gefallen zu sehen, dass er die Sache ernst nimmt und sich weiterentwickelt.

Ich finde, dass ein solcher Werdegang auch eine angemessene Würdigung verdient und habe ihm meine Hochachtung dafür ausgesprochen.

Ich weiß nicht, ob ihm das großartig was bedeutet, aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich dazu ausgeschwiegen hätte.

Nach ein paar Tagen hat er gestern tatsächlich geantwortet.

Er war freundlich und erzählte bereitwillig alles was ich hören wollte. Er wird von den Jomsburg Eaststorm Kriegern trainiert. Das machte mich hellhörig. Ich erwähnte einen gewissen spanischen Schmied und erfuhr von Halfdan, dass dieser zu Ulflagg Eaststorm gehöre und damit auch Teil der Jomsburg sei.

Die beiden hatten sich im Wikingerdorf kennen gelernt.

Die Welt ist klein.

Halfdan erzählte mir, was ich bereits geahnt hatte: Der Spanier ist aufgrund seines Neidingswerks im Holmgang für ein halbes Jahr gesperrt worden und darf nicht mal mehr den Ulflagg-Schild heben, geschweige denn zu irgendwelchen Treffen gehen.

Das ist hart für einen der begabtesten Schwertkämpfer der Jomsburg.

Andererseits hat er auf diese Weise genügend Zeit und Muße meinen Auftrag zu erledigen.

 

Ich habe Halfdan gesagt, dass ich sein Dorf gern eines Tages mal besichtigen würde, wenn es möglich ist.

Und er teilte mir mit, dass er die Erlaubnis erhalten hat, seine eigene Hütte dort zu bauen, damit er dort eines Tages fest leben kann.

(ohne Kühlschrank, elektrisches Licht, Heizung, etc&hellip oO

 

Es hat mich überrascht, dass Halfdan in so kurzer Zeit einen so weiten Weg zurück gelegt hat, so dass er mich mit großem Vorsprung überholen konnte. Aber ich gönne ihm diesen wahnsinns Erfolg von ganzem Herzen und finde, dass er zurecht stolz auf sich sein kann.

 

Meine Anstrengungen haben mich zwar noch nicht ganz so weit gebracht, aber ich gebe mir trotzdem Mühe.

 

Es ist halt etwas anderes, wenn man ziemlich allein auf weiter Flur und von allen Göttern verlassen ist.

 

 

Meine Schutzrunen sind alle gebrochen.

 

Algiz von Branders Halskette ist mit der Zeit spröde geworden, so dass das Eibenholz zersprungen ist.

Und auch das Algiz von meinem Lederarmband, welches ich Tag und Nacht trage, ist mitten durch die Rune durchgespalten.

 

Die Götter entziehen mir ihren Schutz und ihren Beistand.

 

Vielleicht, weil es vergebene Liebesmüh‘ ist?

Vielleicht aber auch, weil es Teil der Prüfungen ist, dass ich einen Teil meines Wegs alleine gehen soll?

 

Ich weiß es nicht.

 

 

 

Heute Abend habe ich meine erste Trainingsstunde bei einem Verein, der Huscarl kämpft.

 

Vielleicht hab ich ja Glück und jemand bricht mir endlich das Genick….

 

 

-.-

 

 

Ach, ich mal wieder…

Mein Problem ist, dass ich einen Großteil meines Lebens im stetigen Wettbewerb verbracht habe und dass mein Denken immernoch davon geprägt ist.

Ich muss lernen, dass es keine Schande ist, zu verlieren.

Nicht solange man dabei Spaß hat.

 

Ich bin kein schlechterer Mensch, nur weil ich weniger erfolgreich bin, als alle anderen.

 

 

Auch ich darf stolz auf mich sein.

 

 

Ich kann zwar nichts besonders gut, aber ich kann von allem ein bisschen. Und das ist viel, wenn man es zusammenfasst.

 

 

Eines Tages werde ich bestimmt eine Sippe kennenlernen, die mich nimmt, genau so wie ich bin.

Und wir werden lachen und Spaß zusammen haben und singen und Rituale abhalten und Unsinn treiben und uns lieb haben, wie eine Familie. Dort würde ich dann endlich alles lernen, was mir noch fehlt. Und ich würde sehr glücklich sein.

 

 

Vielleicht

 

 

 

13.10.20 10:08, kommentieren

Alles hat seinen Preis



Lucky hat sich gemeldet.

Ich hätte gar nicht mehr damit gerechnet, da kam eines Abends plötzlich ein Lebenszeichen von Lucky, dem sächsischen Ritter.

Er wollte Kontakt und meine Freundschaft auf Facebook.
Ich schrieb ein bisschen mit ihm und er beteuerte immer wieder, dass es ihm nur um eine platonische Freundschaft ginge, weil ich so einen interessanten Charakter hätte.

Ernsthaft jetzt?

Alter Schwede, ich kenne meinen Charakter und der ist alles andere als interessant.

Aber ok, ich hab ihm eine Kostprobe meiner platonischsten Ergüsse geliefert und ihm davon berichtet, wie ich den Schimmel aus der Dusche entfernt habe und wie mir beim Runtertragen des Biomülls scheffelweise Maden über die Hände gequollen kamen.
Seine Reaktion war wenig überraschend: ganz so platonisch musste es dann doch nicht sein.

Nach laaaangem Hin und Her hab ich ihm schließlich geholfen und ihm Angeboten seine heimliche Geliebte zu sein und bei Facebook die platonische Freundin zu mimen.

Er hat wahnsinnig Schiss vor seiner Frau.

Ich hab sie mir angeguckt. Und ihren Zweitaccount hab ich auch schnell ausfindig gemacht.
Anschließend hab ich ihre beiden Accounts blockiert.
Ich hab einfach kein Bock auf Ärger. Ich will nur den Spaß. Sonst nichts.

Und so fing ich also an ihm die tägliche Dosis Instant-Liebe zu verpassen.
Ich weckte ihn mit zärtlichen Morgengrüßen, verwöhnte ihn tagsüber mit honigsüßem Flirt und küsste ihn auch zur Gute-Nacht.
Er fährt total darauf ab. Seine Frau hat ihn noch nie so verwöhnt oder behuddelt.
Auch liebt er die Illusionen, die ich in ihm wecke. Wenn ich beispielsweise beschreibe, wie gern ich jetzt mit einer Tasse Kakao und einer Pralinenschachtel auf seinen Schoss gekuschelt mit ihm fernsehen würde, während er mich im Arm hält. (ganz einfache Dinge also) Das ist für einen Mann, der sich verzweifelt nach Nähe sehnt tausend mal mehr wert, als schnödes Dirty-Talk.

Er hatte die Tage Geburtstag und wollte sich morgens im Bett an seine Frau kuscheln. Da hat sie ihm ihren Ellbogen in die Rippen gerammt.

Das ist seine Realität.

Es war auch mal meine Realität.

Nun wollte ich ihm aber auch das volle Verwöhnprogramm einer waschechten Comare nicht vorenthalten. Nur leider ist das über mehrere Bundesländer hinweg schwer möglich. Also habe ich ihm erotische Fotos und Videos per Whatsapp geschickt, ohne zu ahnen, dass er eine Umleitung direkt an die Cloud eingestellt hat, welche seiner Ehefrau ebenfalls einsehen kann....

Wir sind nun alle beide ziemlich verunsichert.
Seine Frau jedoch tut zumindest so, als sei sie ahnungslos und dabei wollen wir es erstmal belassen.

Ich schickte jetzt erstmal keine allzu heftigen Dateien mehr und beschränkte mich lieber auf mein Liebesgeflüster.
Das kann ich sowieso am besten.

Was ich davon habe?

Nicht viel, um ehrlich zu sein.

Ich tue jemandem gut, der es bitter nötig hat.
Und ich bilde mir ein, irgendwo einen Geliebten zu haben, der Tag und Nacht nur noch an mich denkt. Das ist irgendwie süß.

Rein vom Äußerlichen ist er überhaupt nicht mein Typ.
Er ist von zarter Statur und sein Gesicht wirkt um einiges älter als er eigentlich ist.  Es spiegelt zu viele unglückliche Jahre. Und sehr wahrscheinlich auch eine Menge Drogen.
Was ich an ihm mag, ist seine Begeisterung für viel Sex immer und überall. Ansonsten weiß ich noch nicht viel über ihn.
Muss ich auch nicht. Wayne interessiert's...

...

Heute war ich bei Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt zu Besuch.
Ich habe ihm die Kinder übers Wochenende bringen und außerdem meine unfertigen Rüstungsteile mitbringen sollen.
In seiner Garage hat er mir dann endlich die Kupfernieten eingeschlagen.
Ich hatte durchaus auch Angebote von anderen Männern, mir bei dieser Arbeit zu helfen, aber denen war kein Stück zu trauen.
Und sorry, wenn ich das jetzt sage, aber ich such mir die Männer schon selber aus, mit denen ich intim werden möchte.
Ich hab einfach kein Bock mehr auf schmierige Typen Ü50 und Ü60, die im Rahmen ihrer genzenlosen Selbstüberschätzung und Midlifecrises an mir kleben und mich betatschen und sich auch noch einbilden, es habe mir zur Ehre zu gereichen!
*schüttel*

Nein, nein... Meinem Exmann kann ich blind vertrauen.
Er weiß was er tut, ist handwerklich begabt und hat noch nie freiwillig Sex mit mir gewollt.

So dachte ich zumindest....

Ich stand also mit ihm in der Garage.
Die Kinder saßen im Haus und guckten einen Film.
Er nahm die Materialien, um die Diechlinge zu basteln und setzte Markierungen und stanzte Löcher und vernietete das Leder mit den Kniekacheln.
Ich hab dabei assistiert und geholfen so gut ich konnte.
Dann passte er mir die Rüstung an. Dabei kniete er nieder und befingerte mich gezwungenermaßen am Oberschenkel. Da hab ich mir auch nichts weiter bei gedacht. Er zurrte die Riemen fest und drückte und rüttelte, ob alles gut saß.
Mit seinem Gesicht rückte er immer näher an meine Weiblichkeit.
Und dann ging es los.
Er schwafelte los, wie triebig er aktuell sei und dass er nicht mehr wisse, wohin mit seiner ständigen Lust. Er fuhr mit seinen Fingern den obersten Rand der Diechlinge entlang und streifte meine Schamgegend.
Dann umklammerte er jäh meinen Schenkel und biss mir seitlich weiter hinten in eine Stelle zwischen Oberschenkel und Po.

Ich versuchte sein Gehabe mit Humor zu nehmen und brachte ein kurzen Lachen hervor und bemühte mich Abstand zu gewinnen.

Er aber spürte die Ablehnung und begann mir Vorwürfe zu machen, warum ich in der Ehe nicht so schlank gewesen wäre wie jetzt.

Das traf mich tief.

Als wir uns kennenlernten war ich noch in der Berufsschule und mindestens genauso schlank wie heute.
Das hat er wohl vergessen.
Ich hab erst viel später mit der ersten Schwangerschaft zugenommen.
Und dann nochmal bei der zweiten.
Außerdem hat er nie viel mit mir unternommen, so dass ich immer nur mit den Kindern eingesperrt gewesen war.
Und ins Fitnesscenter hat er mich auch nie gelassen, weil er nie auf die Kinder aufpassen wollte und sich bis zuletzt geweigert hatte, Windeln zu wechseln.
Ich habe drei Jahre eine Mitgliedschaft bezahlt, die ich nie nutzen konnte.
Mit meiner Freundin war ich vielleicht ein halbes Dutzend male in dem Laden gewesen, und auch nur dann, wenn meine Mutter angereist kam, um die Kinder zu hüten.

Und so stand ich also da und hörte mir seine Vorwürfe an und merkte, dass er sich eine ganz andere Welt in seinem Kopf zusammengebastelt hatte.

Armer Kerl.

Wer es nötig hat eine Welt zu erfinden, muss furchtbar viel Angst vor der Wirklichkeit besitzen.

Ich zwang mich zu einem freundlichen Gesicht und bedankte mich für seine großartige Arbeit. Dann zog ich die Diechlinge aus und holte meine Handtasche. Ich sagte ihm, er solle schon mal Kaffee kochen und dass ich einen kurzen Spaziergang zum Bäcker mache um Kaffeestückchen zu holen, damit wir seine besondere Leistung feiern konnten.

Ich musste da raus.

Ich hätte sonst geweint.

...

Als ich wieder kam, tranken wir Kaffee und gingen anschließend auf den Balkon um eine zu rauchen.

Dort sprach er nochmal Tacheless mit mir.

Er war sehr ernst und betonte, dass er bisher sehr großzügig mit mir gewesen sei. Er hätte beispielsweise keinen Anspruch erhoben, als mir die Corona-Zulage in Höhe von € 500,00 von der Familienkasse überwiesen worden war.
(keine Ahnung woher er das weiß )
Ich fragte, warum er Anspruch darauf haben sollte. Schließlich musste ich ganz allein die Betreuungs-Umstände mit beiden Kindern managen und gleichzeitig arbeiten gehen.
Er hob den Zeigefinger. "Ich hätte dir das unterhaltsrechtlich als Einkommen berechnen und dir hälftig vom Unterhalt abziehen können!"
Ich schluckte. Ich wollte ihm nicht beichten, was ich mit dem Geld getan hatte.
Doch er zuckte gönnerhaft die Schultern und meinte, dass er auf seinen Anspruch verzichten wolle, wenn ich die volle Summe auf die Konten der Kinder aufteilen würde.
Jetzt war ich in der Verlegenheit es doch zu beichten.
"Das würde ich ja gerne tun.... ", rückte ich heraus, "...aaaaber.... ich hab das Geld nicht mehr."
Einen Moment herrschte Schweigen zwischen uns.
Dann beichtete ich die Kurzfassung: "Ich habe einen Schmied beauftragt mir einen ordentlichen Wikinger-Helm und ein gutes Schwert zu machen."

Die Langfassung ist etwas komplizierter...

Vor ziemlich genau einem Jahr um die Zeit habe ich meinen damaligen Gefährten Brander mit einem gewissen Spanier betrogen.
Dieser Spanier hat einen besten Freund, der ebenfalls Spanier ist und mich auf Facebook angeschrieben hat, als ich in einer Mittelaltergruppe von meinem viel zu schweren Schwert geschrieben hatte.
Die beiden Spanier gehören einer Sippe an, die sich neulich im Holmgang ganz fürchterlich mit einer anderen Sippe bekämft hat. Der Kampf war via Live-Übertragung in einer Mittelalter-Facebook-Gruppe zu sehen gewesen und ich habe auch live gesehen, wie die Sache ausgegangen war.... Aus einem Holmgang wurde ein sogenanntes Neidingswerk, als die Spanier mit Fäusten einen Typen ohne Rüstung zusammengeschlagen haben.
Dann wurde das Video abgebrochen.
Aber ich habe es gesehen.
Und ich habe auch gesehen, wie viele Sippen in ganz Europa von diesem Verhalten öffentlich Abstand genommen haben. Und ich kann mir auch denken, dass besagte Spanier und deren Sippe nun bei vielen Marktbetreibern keine Teilnahmeerlaubnis mehr kriegen.
Und ich bin auch ziemlich sicher, dass dies kräftige Einbußen weit über Corona hinaus in das mittlalerlich betriebene Geschäft des spanischen Schmiedes gerissen haben dürfte.

Zu dem Zeitpunkt als mich der Schmied vor einigen Wochen angeschrieben hatte, war ich noch Feuer und Flamme kämpfen zu lernen, um Brander damit zu beeindrucken.
Aber ich hatte kein Geld, um ihn zu bezahlen.
So vertröstete ich ihn und versprach ihm bis zum Ende des Monats September das Geld aufzutreiben.
Er wollte 510,00 Euro von mir.
Dafür würde alles für mich maßgeschneidert werden und er versprach mir gute Arbeit. Er sei schließlich Künstler und alle seine Werke würden mit Herzblut gemacht.
Mir war das Geld völlig egal. Ich wollte nur noch schnell meine alte Haut hinter mir lassen und in eine neue schlüpfen, damit ich wie ein schöner bunter Schmetterling....wie ein Phönix aus der Asche auferstehen konnte!
Als die Corona-Zulage kam, hab ich ihn sofort angeschrieben und nach seiner PayPal-Adresse gefragt.
Und dann ist was komischen geschehen.
Ich sendete ihm wie vereinbart 510,00 € und sie wurden auch von meinem Konto abgebucht.
Er aber sagte, ich müsse den Betrag nocheinmal senden, weil sein PayPal-Konto schon voll sei. Und er gab mir eine zweite Adresse und versprach mir die umgehende Rückerstattung, des bereits gezahlten Betrages.
Ich sendete also noch einmal 510,00 € auf sein zweites PayPal-Konto.
Das war zwei Tage bevor die Miete normalerweise von meinem Konto abgeht.
Mein Konto war aber nun nicht mehr ausreichend gedeckt und ich bat ihn inständig sich mit der Rückerstattung zu beeilen.
Zuerst hörte ich erst mal nichts mehr.
Am nächsten Tag fragte er nach meiner Handynummer.
Ich gab sie ihm.
Ich war verzweifelt.
Dann sendete ich ihm eine sehr lange Sprachnachricht, in der ich betonte, wie ehrenvoll es für mich sei, einen Künstler in Notzeiten zu unterstützen und dass ich am liebsten noch viel mehr zahlen würde, wenn ich nicht eine alleinerziehende Mutter mit nur sehr geringem Einkommen sei. Und ich bat sehr flehentlich um die Rückerstattung der Überzahlung. Und ich schmierte ihm noch allerlei anderen Honig um den Bart.
Schließlich erhielt ich pünktlich zum Stichtag der Mietfälligkeit die Rückerstattung von dem Schmied.
Ich hätte vor Erleichterung fast Pipi in die Hose gemacht.
Ich hatte so Angst, dass sein Kumpel ihm davon erzählt haben könnte, wie ich ihn einst in die Scheiße geritten hatte, als ich Brander was von "Vergewaltigung" erzählt hatte....

Meine Mutter Poor-Angel ist übrigens immernoch der Auffassung, dass es tatsächlich eine Vergewaltigung gewesen war. Schließlich sei der Spanier damals gegen meinen Willen ohne Verhütung mehrmals in der Nacht in mich eingedrungen und hatte mir allerhand Schmerzen beigebracht, obwohl ich ihm sagte, dass ich das nicht wollte.
Meine Gegenagumente lauten jedoch beharrlich darauf, dass ich mich 1. freiwillig in sein Zelt gelegt und mich 2. auch nicht gewehrt hatte und 3. bin ich auch nicht weg gelaufen oder habe geschrien.
Was ist das bitte für eine Vergewaltigung???
Ende des Themas!

....


Das alles konnte ich Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt natürlich nicht erzählen.

Aber Tatsache bleibt: die Welt ist klein.


Und so begegnet man sich immer zweimal im Leben....






4 Kommentare 10.10.20 20:09, kommentieren

Feel like Buddy Holly



Nachdem ich Pepé Le Pew, wie ich meinen ehemaligen Schwertbruder zärtlich nenne, sowohl im Messenger als auch auf Whatsapp blockiert habe, hab ich auch Abstand zu den Sippen eingenommen, in denen er verkehrt. Ich will ihm einfach erst mal ne Weile aus dem Weg gehen.
Ich hab einfach zu sehr das Gefühl, dass er mich um jeden Preis versucht hat zu kaufen. Und um weiteren solcher Bemühungen zu entgehen, habe ich mich feige zurück gezogen.
Ich weiß, dass das unehrenhaft von mir war, aber was soll's!? So ist das Leben nunmal. Als ob irgendjemand jemals Rücksicht auf meine Gefühle genommen hätte???

Also bin ich nicht mit Alvin und seinen Chatten nach Reichelsheim gefahren.

Ich bin dem Wink eines Barden gefolgt und habe ein Ticket für das Fantasy-Mittelalter-Spektakel an der Loreley gebucht, in der Hoffnung, ihn dort wieder zu sehen.
Leider hat er mich bloß verarscht und ich war erst mal sehr gefrustet darüber.

Trotzdem fand ich den Markt sehr schön.
Ich hab mir alles in Ruhe angesehen und auch nach Leuten von Facebook Ausschau gehalten. Dann hab ich mich in die Sonne gesetzt und ein bisschen meine Handarbeit weiter gemacht, während nebenan eine Mittelalterband spielte.
Plötzlich unterbrach eine Ausrufung das Treiben und ich raffte mich auf, um nachzusehen, was dort vor sich ginge.
Drei sächsische Ritter aus dem 12. Jahrhundert hatten sich für einen Schaukampf eingefunden. Sie spielten eine Geschichte und es ging letztlich darum, wer von ihnen aus dem heiligen Gral trinken und ewig leben dürfe.
Nach langwierigen Duellen warf der letzte Überlebende versehentlich im Schwächeanfall den Gral um und verschüttete das Wasser. Damit war die Geschichte aus und die Zuschauer verließen nach geschuldetem Beifall den Kampfplatz.
Ich dagegen fasste mir ein Herz und ging auf die Männer zu.
Ich fragte, ob sie nicht lieber einen Schluck aus meiner Flasche haben wollten.
Zwei von ihnen nahmen mein Angebot glücklich an.
Einer kniete sogar vor mir nieder und ich durfte es ihm in den Mund gießen.
Dann unterhielten wir uns über die verschiedenen Waffen, die sie im Kampf verwendet hatten und ich durfte alles anfassen was ich wollte.
Zum Dank bot ich an, beim Tragen zu helfen und folgte den Männern in ihr Lager.
Ich erzählte, dass ich selbst kein eigenes Zelt besäße und deshalb im Auto schlafen würde. Darauf bekam ich die Einladung bei ihnen zu übernachten.

Nach sehr sehr langer Zeit ohne Beischlaf und ohne Zärtlichkeit war ich nur allzu bereit alles zu wagen.
Dazu muss ich sagen, dass ich trotz Einnahme der Pille unter starkem bis nymphonanischen Sexualtrieb leide und dass es wahre Folter für mich bedeutet Monate oder manchmal auch Jahre auf Geschlechtsverkehr warten zu müssen.
Schuld bin nicht ich! Ich bin ziemlich toll.
Schuld sind gesellschaftliche Konventionen gepaart mit einem deutlichen Mangel williger und tauglicher Männer...

Der Rest des Tages war wunderschön. Einer der Ritter hat später noch in anderem Kostüm eine Feuerschow aufgeführt.
Mein eigentliches Interesse galt jedoch seinem schwarzhaarigen Kollegen. Er zählte 31 Jahre und machte einen interssierten Eindruck.
Ich will ihn Lucky Praecox nennen. Der Mann der schneller schießt als sein.... ach, vergesst es einfach. Dazu kommen wir später...
Wir kauften uns eine Flasche Beerenwein und kletterten ein Stück die Weinberge runter, um ein bisschen allein zu sein.
Es war wirklich angenehm mit ihm.
Wir haben uns viel zu sagen gehabt und dabei eine tolle Aussicht auf den Rhein und die Berge genossen. Und auch der Wein war süffig genug, dass ich bald die enthemmende Wirkung spürte.
Obwohl - oder gerade weil - er mir gestand, dass er unglücklich verheiratet und sogar Vater von zwei Töchtern sei, habe ich mich an ihn gekuschelt und ihn geküsst.
Es hat mir das Herz gebrochen, zu hören, dass seine kaltherzige frigide Frau ihn seit anderthalb Jahren nicht mehr in ihre Nähe ließ und dass er nur noch wegen der Kinder bei ihr blieb.
Auch war er ihr in all der Zeit immer treu geblieben und hatte die Abstinenz tapfer ertragen.
Ich war wie von Sinnen als ich das hörte.
Nie hätte ich gedacht, dass es Frauen gibt, die zu solchen Greueltaten imstande sind! Ich dachte immer, es seien ausschließlich die Männer, die immer "zu müde" seien.
Ich ließ mich von ihm rücklings ins Gras drücken und gestatte ihm bereitwillig mit der Hand meine Intimzone zu erkunden.
Ich küsste und streichelte ihn und bog mich ihm entgegen.
Als ich flüsterte, dass ich für ihn bereit bin, machte er sich frei und drang in mich ein.
Im ersten Moment war ich ein wenig irritiert. Er ist .... nein, also er ist nicht klein, aber... tja, wie sag ich das am besten.... schmal?
Aber bevor ich Zeit hatte mich zu fragen, ob es vielleicht eher an mir und meinem Reifegrad liegt, war er sowieso schon fertig.
Er entschuldigte sich.
Ich tröstete ihn, dass das ein großes Kompliment für jede Frau sei, wenn ein Mann vor lauter Lust nicht an sich halten könne.
(falls Frauen das hier lesen: bitte vergebt mir)
Er wollte, dass wir rasch wieder zurück gehen. Ihm war, als ob wir beobachtet worden wären.
Mittlerweile war es stockfinster und ich ziemlich angenüchtert...
Aber ich bin sicher, ich schwebte elegant wie eine Elfe die Hänge hinauf.... eine rotzbesoffene durchgebumste Elfe...
Auf dem Marktplatz waren alle Lichter bereits aus und alle Stände geschlossen.
Nur seine beiden Kumpels saßen noch auf einer Bierzeltgarnitur und soffen querbeet lauter lustiges Zeug.
Sie luden mich ein, alles mal zu probieren.
Dazu muss ich sagen, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr zu mir genommen hatte und sowie nicht viel vertrage.
Ich trinke zu Hause kein Alkohol und ich gehe auch nicht in irgendwelche Kneipen.
Ich trinke an Silvester mein Glas Sekt und opfere gelegentlich ein bisschen angekosteten Met an die Götter.
Mehr is nüsch!
Und als ich also tapfer alles in mich hineinlaufen hatte lassen, befand Lucky, dass ich reif für einen kleinen Spaziergang sei.
Und wir gingen ein kleines Stück und kamen an einen Baum, an den er mich dann drückte und erneut beglücken wollte.
Ich freute mich, dass ihm sein kleines Kunststück ein zweites mal an einem Abend gelingen sollte und bot ihm meine Kehrseite an.
Diesmal brachte er es locker auf mindestens 30 Sekunden!
Und jetzt muss man mir mal lobend die Schulter tätscheln, dass ich in meinem heiteren Zustand nicht brüllend vor lachen in die Brombeeren gefallen bin.

Nein, Spaß beiseite, ich war in diesem Moment einfach nur unendlich dankbar, dass mir ein Mann die heilige Ehre erweist, mir sein besonderes Geschenk in den Schoß zu spritzen.

Selbstbefriedigung schön und gut... Aber es bleibt ansich nur eins: ein Teller Soße ohne Fleisch. Schmeckt vielleicht gut, aber satt wird man nicht davon.
Und was nützen mir meine multiplen Orgasmen, wenn ich mich dabei nicht ausgefüllt sondern leer fühle?

Ich würde all meine Höhepunkte dafür geben, wenn ich nur einmal die Woche Sex haben dürfte.

Aber die Götter haben anders über mich entschieden.

Ich darf immer nur dort willkommen sein, wo ich gebraucht werde.

Mittlerweile hab ich ein ganz gutes Gespür dafür, wann ich nicht mehr erwünscht bin.
Dazu komme ich auch gleich.

Vorab will ich nur erwähnen, dass die Nacht mit drei Männern im Zelt wirklich einmalig war.
Seine Freunde haben ihm streng verboten mit mir im Zelt Sex zu haben. Aber sie haben mir nicht verboten nur in Unterwäsche bei ihm zu liegen.
Ich weiß nicht, ob ich meinen leichtfertigen Entschluss im Nachhinein bedauern soll.
Tja, auf der einen Seite hab ich viele zärtliche Berührungen und Aufmerksamkeit genossen. Andererseits hab ich mich halbtot gefroren unter seiner dünnen Decke.
Aber er hat sich Mühe gegeben, mich warm zu halten und das war sehr angenehm.
Natürlich hatten wir trotzdem heimlich Sex.
Und weil er ja meines Wissens nach weitgehendst dem Zölibat unterworfen ist, brauchte ich mir auch keine großen Gedanken wegen Aids oder sonstigem machen.

Anderntags war die Stimmung gekippt, aber mir war nicht ganz klar wieso.

Als ich von der Morgentoilette wiederkam, bauten die Männer bereits ihr Zelt ab und packten ihr Zeug zusammen.
Ich war bemüht ein bisschen zu helfen, aber das lehnten sie ab, weil sie ein eigenes System verfolgten und ich davon keine Ahnung hätte.
Also setzte ich mich abseits, rauchte eine Zigarette und nahm meine Handarbeit wieder auf.

Schließlich wollte Lucky einen Kaffee trinken gehen und ich lief ihm schnell nach, weil ich dringend frühstücken wollte.
Er bezahlte mir den Kaffee und setzte sich mit mir an einen Tisch.
Einer seiner Kumpel kam auch dazu und die beiden unterhielten sich fröhlich, wie Männer das so tun, wenn sie sich eigentlich mögen aber schreckliche Dinge zu einander sagen und dabei lachen. Ich kann das nicht gut beschreiben.... Gibt es dafür einen Fachausdruck?
Egal, ich teilte mein Essen mit den anderen und versuchte angesichts der verbalen Entgleisungen kein allzu verstörtes Gesicht zu machen.
Schließlich stand Lucky auf und ging einfach weg. Er hatte noch viel zu tun.
Sein Kumpel blieb bei mir und sollte das Becherpfand wieder auslösen, wenn ich fertig war.
Ich versuchte mich mit ihm zu unterhalten, aber mir fehlten ein bisschen die Worte. Auch weil Lucky sich mir gegenüber so distanziert benahm.
Eigentlich hätte ich zu diesem Zeitpunkt verschwinden sollen, aber ich war doof und bin Lucky weiter nachgelaufen.
Er wollte sich einen Waffenstand anschauen gehen und ich ging mit ihm. Doch nach einer Weile an besagtem Stand drehte ich mich um und er war einfach verschwunden.
Ich trat aus dem Stand und blickte mich um und sah, wo er hinging.
Da war ich aber bereits endlich schlau genug, ihn in Ruhe zu lassen und bin woanders hingegangen, um meinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

So fühlt sich das an, meine Damen und Herren.

Wenn man jemanden blockiert und derjenige gar nicht weiß, was er falsch gemacht hat.
Bzw. wenn man jemanden eiskalt stehen lässt und sich einfach aus dem Staub macht.

So sind wir Menschen nunmal.
Und darum war ich auch nicht gekränkt.

Ich nahm meine Wolle und setzte mich an die schöne Aussicht, um ein bisschen weiter zu arbeiten.
Es ist gut, die Hände beschäftigt zu halten, während die Gedanken flattern.
Es beruhigt und entspannt und schafft Ausgleich.

Als ich lange genug dort gesessen und die Landschaft verschönert hatte, erhob ich mich und ging ohne mich auf dem Markt noch einmal umzusehen zum Lagerplatz, um meine restlichen Sachen zu holen und abzuhauen.

Dort saß Lucky. Verzweifelt das Gesicht in den Händen vergraben und machte einen jämmerlichen Eindruck.
Da wusste ich endlich was los war.
Er bereuhte nicht die Schäferstündchen mit mir.
Ganz im Gegenteil!
Ihm war klar geworden, was ihm im Leben fehlte und das muss wohl ein Schock für ihn gewesen sein.
Mit der Distanz hatte er lediglich beabsichtigt, die aufgepeitschten Empfindungen wieder abkühlen.
Das brauchte er nicht mal aussprechen. Seine ganze Aura verkündete es mir.
Als er hörte, wie ich meine Sachen aufhob, blickte er auf und kam zu mir.
Er nahm mich in den Arm und flüsterte, dass es ihm Leid täte und dass er irgendwas falsches gegessen hätte.
Ich seufzte und riet ihm, seiner Frau nichts von alledem zu erzählen. Es würde nur Ärger geben und überall gegen ihn verwendet werden. Und nicht zuletzt auch wegen der Kinder.
Lucky knuddelte ich und küsste meine Wange. Dann sagte er "ich hab dich lieb. Pass auf dich auf."
Und damit war ich entlassen.
Meine Aufgabe war erfüllt.

Den Rest erledigen die Götter.


Ich für meinen Teil, weiß nicht so recht wie ich mich fühlen soll.
Einerseits war es schön, mal wieder so zu tun, als ob man geliebt wird (und das ganz ohne alle Nachteile).
Andererseits wurde auch ich daran erinnert, was mir nun wieder für lange Zeit fehlen wird...

So I sit here playing Solitaire
it's a game I know so well....


Wie ist das überhaupt nmit den gebrochenen Herzen?
Sind sie denn noch zur Liebe fähig?

Hm.

Kann man aus zerbrochenen Gläsern trinken?

Nein.

Aber hört man deswegen gleich auf zu trinken, nur weil ein Glas zerbrochen ist?


Ihr Götter, was soll ich nur tun?





4.10.20 23:25, kommentieren

I get knocked down…

 

…but I get up again. You're never gonna keep me down!

 

 

Ja, es gibt mich noch.

 

 

Mein Geburtstag am Mittwoch lief ruhig und beschaulich ab.

Mein Exmann kam zum begleiteten Umgang und trank mit mir Kaffee.

Zu meiner großen Überraschung hat er mir ein Geschenk überreicht.

Nicht mal als wir noch verheiratet waren, habe ich Geschenke von ihm bekommen. Ich glaube, er hat mir damals zu meinem 30. die Windschutzscheibe wegen Steinschlag austauschen lassen.

An meinem 29. hatten wir sogar Sex.

Mehr weiß ich nicht mehr.

 

Als ich den Karton öffnete waren da hellrosa Rollschuhe mit weißen Schnürsenkeln drin.

Die Rollen waren aus weichem Gummi. Auch die Platte sah gut aus.

Ich hab mich bedankt.

 

Den späten Nachmittag verbrachten wir mit den Kindern im Wildgehege von Geislitz.

Ich hatte meine Nadelbinde-Arbeit dabei und genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen, während die Mädels Hirsche streichelten und Eicheln sammelten.

 

Abends holte ich halbe Hähnchen für alle.

 

Zum Abschied hat Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt mich sehr lange und fest umarmt.

Auch das hat mich gewundert.

 

 

-Das war mein 34. Geburtstag-

 

 

 

Beruflich läuft momentan einiges ziemlich schräg.

Es liegt nicht an meinen Vorgesetzten oder Kollegen, sondern an den Mandanten.

Es gibt leider immer wieder Fälle, die einen ziemlich aufwühlen können.

Da hatte ich doch einen Telefontermin mit einer Zigeunerin. Ich sollte mit ihr Punkt für Punkt ein Formular durchgehen, damit sie Verfahrenskostenhilfe bewilligt kriegt.

Irgendwann kamen wir zu dem Abschnitt eigenes Kraftfahrzeug und da wurde sie stutzig.

Sie fragte, ob sie das wirklich angeben muss.

Ich lachte und meinte, das dürfte sicher kein Problem sein. Einfach den Restwert übers Internet grob ermitteln und samt der Bezeichnung des Fahrzeug-Typs in die vorgesehene Spalte eintragen.

Sie weigerte sich immernoch.

Ich versuchte sie zu beruhigen und meinte, solange sie keinen Wagen im Wert von zwanzigtausend besäße, wäre das ganz sicher kein Problem.

Bei ihren wirtschaftlichen Verhältnissen (kein Job, kein Arbeitslosengeld, keinerlei Einkünfte, kein Unterhalt und nur naturale Verköstigung durch ihren komischen Stecher) würde sie vielleicht einen alten Fussel-Golf oder Polo fahren.

Tatsächlich aber räumte sie ein, dass sie einen Mercedes im Wert von € 70.000,00 fahre. Sie sei Halterin und Versicherungsnehmerin und alles laufe auf sie, weil ihr Freund sonst kein HARTZ IV bekäme.

 

… Mit all der Selbstbeherrschung die mir Mutter Natur in die Wiege gelegt hatte, fragte ich, ob das ein Scherz sei…? Ich warf ihr vor, dass sie im Begriff war deutsche Steuerzahler für ihre Prozesskosten zu betrügen und weigerte mich, die Scheiße weiter mit ihr auszufüllen.

 

Mein Chef fand das gar nicht komisch. Er meinte, es stünde uns nicht an, uns bezüglich der Sitten und Mentalitäten anderer Volksstämme ein Urteil zu erlauben. Das Auto sei bei Zigeunern Statussymbol und wichtiger als alles andere.

 

In diesem Moment wäre ich am liebsten mit erhobenem Mittelfinger zur Tür hinaus spaziert.

 

Was ist das nur für eine Welt…

 

 

 

Ein anderer Fall ist noch bizarrer:

Wir vertreten die Tochter eines ermordeten Kolumbianers, der mit einem Küchenmesser in der Brust tot (und nackt) im Badezimmer aufgefunden worden war.

Seine Ehefrau war zu der Zeit alleine mit ihm zu Hause und habe ihn angeblich nicht schreien gehört.

Weil sie alleinige Tatverdächtige ist, wurde sie über mehrere Monate von der Polizei und der deutschen Telekom überwacht. Ich habe einen ganzen Leitz-Ordner mit Gesprächsprotokollen der Telekom hier stehen (der Telekom-Mitarbeiter hat echt alles was gesprochen wurde notiert! Auch das spanische und italienische Zeug).

Dazu drei Polizei-Akten inkl. Farbfotos von der Leiche und der Tatwaffe. Außerdem die Bildreihe der Obduktion. Da sieht man alles! Wie der Skalp runter geschnitten und auf links übers Gesicht gelegt wurde, um die Schädeldecke zu untersuchen.

Man sieht die geöffnete Brust und alle Organe, die heraus genommen wurden.

(Der Typ war übrigens ziemlich durchwachsen, was den Fettanteil angeht.)

Heute kommt seine Tochter und will die Akten einsehen.

Ich hab alle Fotos raus genommen und im Nebenzimmer versteckt.

 

Interessant ist auch das Zeugenprotokoll. Anscheinend hatte die Ehefrau eine Affäre mit einem italienischen Eisverkäufer. Der wiederum wollte nicht zugeben, dass die Frau nebenbei heimlich eine Prostituierte war. Ach, und Schafe waren in den Fall auch irgendwie involviert!

Besser als jeder Krimi, sag ich euch.

Würde mich nicht wundern, wenn der Italiener zur Mafia gehört und den Typen selber kalt gemacht hat.

Es bleibt spannend.

 

 

 

 

 

Was gibt es sonst zu erzählen?

 

Ach ja, ich war bei einem Elternabend von Honigdachs‘ Kindergarten.

Wegen Corona durften wir die Besprechung nicht in der Kita abhalten (geschlossene Räume und so). Darum wurde extra ein Konferenzraum in Gelnhausen für den Abend gemietet (welcher übrigens auch ein geschlossener Raum war, aber wen interessiert schon, was ich darüber denke... ) .

 Wie alle anderen Elternabende auch, war dieser ebenso überflüssig und gehaltlos und langweilig.

Wie immer will niemand Elternbeirat sein. Wie immer wurde streng dazu ermahnt auf Süßigkeiten in der Brotdose zu verzichten. Etc.

 

 

 

 

Zu guter Letzt: Brander

 

 

Ich habe allen Widerständen zum Trotz meinen Entschluss durchgezogen und seine Nummer von meinem Handy gelöscht.

Es bleibt auch dabei! Egal wie viele Zeichen mir die Götter auch schicken wollen. Egal wie viele Berliner Nummernschilder mir auch plötzlich begegnen. Nichts wird mich jemals wieder umstimmen können!

 

 

Was man wirklich liebt, kann man nicht ersetzen.

Denn was man ersetzt, hat man nie geliebt.

 

 

Und ich wurde ersetzt.

Das sagt eigentlich alles.

1 Kommentar 2.10.20 09:50, kommentieren

Chancenlos in die Niederlage

 

 

Welche Chance hätte ich auch haben sollen?

 

Mir standen die Fehler meiner Vergangenheit, eine überlegene Konkurrentin und 500 Kilometer entgegen.

 

Nein, es ist mir natürlich nicht gelungen Brander zurück zu erobern. Nicht mit schönen Worten noch mit Taten.

 

Ich kann es ihm nicht verübeln.

Wenn ich die Wahl zwischen einer liebevollen treusorgenden Frau und einer abtrünnigen Hexe gehabt hätte, wäre ich auch meinem Herzen gefolgt.

 

 

Wir hatten gestern ein Gespräch. Darin hat er mir gesagt, dass er sie liebt und dass er bald mit ihr zusammenziehen wird.

Er sagte auch, dass er melancholisch wird, wenn er an mich denkt. Aber manchmal denkt er auch mit einem Lächeln an mich.

 

Naja, ich bin sicher, er hätte sich ein schöneres Leben für mich gewünscht.

Aber allein, dass er noch manchmal an mich denkt ist nett.

 

Ich glaube nicht einmal, dass er mir meine Fehler noch nachträgt.

 

Wie auch immer – es steht mir nicht länger zu, meinen Feldzug fortzusetzen.

Seine Freundin hat zwei kleine Kinder. Eins ist noch ein Baby.

Es steht außer Frage, dass sie ihn dringender braucht.

Und er hat es verdient seinen Weg ungehindert fortzusetzen.

 

Mein Plan, ihm nächsten Mittwoch an meinem Geburtstag eine Freundschaftsanfrage zu schicken werd ich besser unterlassen.

 

Was wird nun aus mir, so ganz ohne Ziel?

 

Naja, fürs erste hab ich das kommende Schwert-Training am Samstag abgesagt.

Auch das Lager mit dem Chattenland vom 03. bis 04.10. hab ich gecancelt.

Ich bau jetzt nach und nach alles wieder ab und ziehe mich zurück.

 

Vielleicht werde ich meine Schreibereien wieder aufnehmen.

 

Alles andere war wohl schlicht zuviel verlangt. Ich war einfach nie gut genug.

 

 

And'ren ist in ihrem Dienste

so viel mehr gelungen,

Die um ihre Anerkennung

voller Fleiß gerungen,

Ich nur habe ihr umsonst

gedienet und gesungen

 

 ---

Fühl dich geliebt, Baby. Ich küsse dich zärtlich in Gedanken. Wir werden uns nie wieder sehen. Ich verlasse deine Welt.

---

1 Kommentar 24.9.20 09:36, kommentieren

Kurz vorm aufgeben

 

 

 

Ich bin mal wieder an einem dieser berühmten Punkte im Leben angelangt, wo ich alles in Frage stelle.

 

Von Brander kommt kein Zeichen. Kein Interesse. Nichts.

 

Was mache ich mir eigentlich vor?

 

Am liebsten würde ich alles hinschmeißen und das Mittelalter gleich mit!

 

Ich hab einfach das Gefühl, ich komme nicht richtig vorwärts. Außerdem verstricke ich mich mehr und mehr in lauter kleine Schwierigkeiten, die schnell ausarten können.

Zum Beispiel habe ich Kontakt zu diversen Mittelaltergruppen, die sich untereinander nicht leiden können. Außerdem fühle ich mich in keiner Gruppe richtig geliebt oder wertgeschätzt.

Immer bin ich Außenseiter und keiner nimmt Notiz von mir.

Außer natürlich die Leute, die ich absolut abstoßend finde. Die kleben an mir, wie Fliegen an der Scheiße!

 

Wenn ich nicht bald in irgendeiner Weise ein Erfolgserlebnis kriege, werde ich mich aus der ganzen Geschichte wieder zurück ziehen.

 

Kann sein, dass das heute nur wieder so eine Stimmung von mir ist.

Aber wer will mir das übel nehmen?

 

Am Montag war meine Scheidung.

 

Keine Sau hat es interessiert.

 

Das ganze Procedere hat keine 7 Minuten gedauert.

Und das obwohl mittendrin das Diktiergerät der Richterin kaputt gegangen ist.

Es war eine hübsche junge blonde Frau mit künstlichen Fingernägeln und mein Exmann hat es sichtlich bedauert ausnahmsweise keinen Blaumann samt Schraubenzieher angehabt zu haben.

 

Hinterher war er noch bei mir und ich hab den restlichen Tag tapfer und mit vorbildlicher Mine hinter mich gebracht.

 

Erst abends als die Kinder im Bettchen waren, konnte ich meinem Unglück freien Lauf lassen und ein allerletztes mal um einen gescheiterten Traum weinen.

Ich habe Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt lange Jahre sehr geliebt und alles dafür getan, dass er immer glücklich und zufrieden war.

Ich habe 10 Jahre meines Lebens an ihn geopfert und rein überhaupt nichts dafür bekommen.

 

Und das gleiche würde mir mit Brander auch passieren.

 

Wie mit jedem anderen Mann.

 

Ich scheine nicht für die Liebe geschaffen zu sein.

 

 

Immer wenn ich für die Liebe kämpfe, reißen meine Bemühungen nur noch tiefere Klüfte zwischen mich und meinen Partner.

 

 

Darum ist alles so sinnlos.

 

23.9.20 10:20, kommentieren

Love is a shield to hide behind

…love is a field to grow inside

 

 

Am Samstag hab ich die Kids in aller Früh zum Kindesvater gekarrt und bin von dort gleich weiter gezischt zur Burg Lißberg, wo der diesjährige Court – der Gerichtstag – der SCA statt fand.

Es war sehr feierlich.

Der Court dauerte knapp drei Stunden und wurde sowohl auf deutsch als auch auf englisch abgehalten.

Es waren in der Tat sehr viele Amerikaner anwesend.

Die ganze Noble-Society hatte sich mit Prunk und Putz eingefunden, um unter anderem der Krönung der neuen Baronie zu KnightsCrossing beizuwohnen.

In Vertretung des Königspaares von Drachenwald war ein Herold geschickt worden, die Zeremonie durchzuführen.

Außerdem wurden einige SCA-Mitglieder für ihr Engagement und ihre treuen Dienste belobigt und erhielten Auszeichnungen.

 

Im Anschluss fanden zu Ehren der neuen Baronie die Wettkämpfe statt.

Auch ich durfte drei mal antreten und mein bestes zeigen.

Natürlich bin ich lange nicht so gut wie die anderen, aber ich konnte dennoch ein paar saubere und gut ausgeführte Treffer landen.

Nur einmal ist mir was peinliches passiert… Ich hab nicht gut gezielt und meinen Gegner zwischen den Beinen getroffen. Eigentlich kein Problem, weil alle Tiefschutz tragen. Aber mein erster Reflex war deutliche Betroffenheit und ich hab mich sofort entschuldigt.

Alle mussten schrecklich darüber lachen.

 

Alles in allem bin ich aber stolz auf meine Fortschritte.

Langsam begreife ich auch, dass die Power mehr aus der Hüfte kommen muss. Wie bei einem Peitschenschlag.

Ich bin sicher, die Freude und der Spaß werden noch umso größer, wenn ich erst mal die nötige Technik besser beherrsche.

Bis dahin tue ich es der Liebe wegen. Der Liebe für mich selbst, für  mein innerliches sowie mittelalterliches Wachstum, für die Götter und natürlich auch in Eingedenk für Brander, dem der Kampf stets mehr bedeutet hat, als ich es bislang begreifen konnte.

 

 

Einen Wermutstropfen hatte der ganze Spaß:

Ich hatte bereits lange im Vorfeld meinen Schwertbruder eingeladen, sich das alles mal anzusehen und er war auch erschienen. Das habe ich aus vollstem Herzen bereut. Der Typ klebte nonstop wie eine Klette an mir und ich musste mehr als einmal die Luft anhalten ob seines Odeurs.

Das schlimmste war allerdings sein ewiges Schweigen. Dieser Mensch ist zu keinerlei Unterhaltung fähig. Mit einem Wort: langweilig.

 Wann immer ich konnte, habe ich mich verdrückt.

Das ist gemein von mir, aber was soll ich denn machen?

 

 

Am späten Nachmittag tauchten zwei Barden auf. Man findet sie bei Facebook unter dem Stichwort PapperlaBarden. Sie haben für uns bis in die Nacht hinein am Lagerfeuer Musik gemacht und waren echt super talentiert. Die Stimmung war bombig!

Hinterher wollten einige Leute ihre Karten, um sie für Hochzeiten und ähnliches zu buchen.

Ich hab über die Texte so viel und so herzlich gelacht, dass ich Muskelkater in den Wangen bekam.

Es war wirklich köstlich!

 

 

Ich bin nicht übernacht geblieben.

Ich hatte Hunger und wollte nach Hause. Eine von Lord Aelrics Liebchen hat mir zwar eine Scheibe Brot aus seinem Vorrat gegeben, aber ich fühlte mich körperlich dennoch in schlechter Verfassung.

Seit der Trennung von Brander habe ich 7 Kilo verloren und bin jetzt bei 60,2 kg.

Ich will auf keinen Fall unter die 60 kg-Grenze rutschen und geb mir Mühe von Zeit zu Zeit genügend zu essen. Leider verwertet mein Körper nichts mehr so richtig und ich krieg auch nicht sehr viel runter.

Wenn ich mich zwinge mehr zu essen, bekomme ich sofort Krämpfe und scheide alles wieder aus.

Ich weiß, dass es Stress ist.

Aber ich hab es eilig meine Sterne neu zu ordnen, mein Leben zu ändern und mein Ziel zu erreichen.

Und diese Unruhe will mir keine Pause gönnen.

 

Immerhin ein kleines Erfolgserlebnis hatten meine Bemühungen schon: Brander hat zugegeben, dass es nicht wenig Beeindruckendes an mir gäbe.

 

Allerdings reicht das noch nicht aus.

Ich muss auch sein Herz zurück erobern können und dazu muss ich irgendwie mehr leisten, als meine Konkurrentin.

 

 

Um die Beweglichkeit meines Beckens zu trainieren, gehe ich sonntags wieder inlineskaten.

Eigentlich sollte ich auch Boxkampf machen, damit meine Schläge härter werden. Das werde ich allerdings dann erst im Winter in Angriff nehmen, wenn das Wetter zum Skaten zu schlecht wird.

 

Bis dahin heißt es erst mal für mich:

 

Freestyle's here in the house tonight
Move your body from left to right
To all you freaks, don't stop the rock
'cause Freestyle's here & you know we're hot!

 

21.9.20 10:47, kommentieren

Frau Gräfin


Meine Götter, hab ich Kopfschmerzen.
Das geht schon seit Tagen.
Das ist oft so, wenn das Wetter umschwingt und neue Hitze mit sich bringt.

Dennoch hab ich mir keine Pause gegönnt und war sehr ehrgeizig.
Am Samstag habe ich Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt die Kinder zum Umgang überantwortet und bin nach Lischeid zum Schwertkampftraining gefahren. Das liegt so zwischen Marburg und Kassel.
Ich war bereits im August dort gewesen. Jarl Kanaille hatte mir Stunden in Codex Belli versprochen.
Das Training lief eigentlich ganz gut.
Ich weiß nur nicht, ob er absichtlich seine Lenden gegen meinen Hintern gedrückt hat, als er einmal hinter mich trat, um meine Schwerthand zu führen.
Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet.

Mein Schwertbruder war übrigens auch mit dabei.
Ich habe abwechselt mal mit ihm und mal mit Jarl Kanaille geübt.

Hinterher gingen wir rüber zu Guismo und seiner Frau.
Ich hatte Handarbeitszeug dabei und saß bis abends mit ihnen draußen und habe die Borte an mein Kleid genäht.
Es war sehr lustig und wir haben viel gescherzt und gelacht und dummes Zeug gelabert.
Guismo wollte mein Schwert mal inspizieren und nahm es probehalber in die Hand.
Dann schüttelte er den Kopf. Sagte nichts. Ging aber in seine Scheune und holte seine diversen Schwerter heraus.
Ich durfte eines nach dem anderen in der Hand wiegen.
Keines war so schwer wie meines. Sogar der Anderthalbhänder und das schottische Breitschwert fühlten sich leichter an.
Es lachte und meinte, die wären kaum leichter. Das Gewicht wäre nur besser verteilt.
Der Schwerpunkt darf nicht so weit vom Parier entfernt sein.
Ich habe ausgemessen. Der Schwerpunkt bei meinem Schwert liegt 17 cm hinter dem Parier. Damit ist meine Waffe zu kopflastig und für den Kampf ungeeignet.
Es wunderte ihn kein Stück, dass mir nach jeder Übung der Nacken und die Schulter weh taten.

Ich war deprimiert.

Den Rest des Abends verbrachten wir mit ein paar sehr lustigen Filmen.
Guismo war so nett, mir ein Gästebett zu stellen. Mein Schwertbruder und ich sollten uns ein Zimmer teilen.
Ich hatte Sorge, ob das gut geht. Aber da jeder sein eigenes Bettchen hatte und der Hausherr nicht weit war, hatte ich nichts zu befürchten.

Ich fand es ein bisschen schade, dass wir nicht zusammen gegessen haben.
Ich hatte nur ein halbes Brötchen zum Frühstück und war seitdem nur noch unterwegs gewesen.
Aber auch Sonntag früh gab es nichts. Nur eine Tasse Kaffee.
Ich bin dann nicht mehr allzulange geblieben.
Doch bevor ich ging gab mir mein Schwertbruder einen Karton und sagte, dass es ein Geschenk für mich sei.
In dem Karton waren Adelsbriefe für mich und meine Töchter.
Ich darf mich ab sofort Gräfin von Falkenstein nennen. Sternchen und Honigdachs sind Prinzessinnen.
Ich dachte, es sei ein Fake.
Aber da war auch ein Echtheitszertifikat und die Unterschriften des Markgrafen auf den Urkunden waren Originale nebst Siegelprägung.
Darüber hinaus fand sich eine umfassende Broschüre und meine höchsteigene Noble Society-Card aus Metall.

Ich war fassungslos.
Ich fragte ihn, womit ich das verdient hätte und ob das nicht voll teuer gewesen war.
Aber er wollte mir darüber keine Auskunt geben. Er sagte nur, dass es ihn kein Geld gekostet und dass ich mir den Titel ehrlich verdient hätte.
Egal wie sehr ich auch drängte, er wollte mir nichts weiter dazu sagen.
Im Gegenteilt. Er bat mich, niemandem zu erzählen, dass er mir die Adelsbriefe vom Markgrafen beschafft hatte.

Jetzt im Nachhinein machen ein paar andere Dinge auch Sinn.
Vor einiger Zeit hatte er mich nämlich auf ein paar Burgen angesprochen und ich hatte ihm erklärt, dass ich keine von ihnen je gesehen, aber von Burg Falkenstein wenigstens schon gehört hatte. Außerdem gibt es ein paar nette Lieder in Bezug auf Falkenstein und auch eine Band die so heißt.
Dass Brander mir von Falkenstein erzählt hatte, hab ich verschwiegen.

So, jetzt muss ich mir die Burg wirklich irgendwann mal angucken.^^

...

Den Sonntag Nachmittag habe ich dann am Rondo von Hanau-Steinheim verbracht.
Dort habe ich Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt und unsere Kinder wieder getroffen. Ich habe diesmal extra meine Skates mit gebracht, damit ich mich der Szene anschließen konnte.
Beim Speed-Skating ist natürlich keiner besser als mein Exmann.
Aber immerhin konnte auch ich an meiner Technik feilen und ein bisschen punkten. Ich bin sehr schnell und wendig.
Die übrigen Teilnehmer kenne ich alle aus der Rollschuhdisco.
Es sind ausnahmslos Freunde von Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt.
Aber ich komm ganz gut mit ihnen klar, auch wenn sie mich dafür verhöhnen, dass ich Inliner bevorzuge.
Jedem Narr gefällt sei Kapp!
Und was dem einen sei Uhl is dem annern sei Nachtigall....

Auch mein Ex hat ein bisschen gefeixt, aber das darf er.
Ich bin froh, dass unser Verhältnis soweit in Ordnung ist.
Nächste Woche am 21.09. haben wir unsere Scheidung vor Gericht.
Bin gespannt, ob der Termin auch so relaxed abläuft.

...

Brander muss mitbekommen haben, dass meine Scheidung kurz bevor steht.
Er hat mir ein Jobangebot beim hiesigen Ritterladen geschickt.
Süß.
Wenn er wüsste, dass ich bereits seit einem halben Jahr doppelt so viel arbeite, wie bisher und damit freiwillig auf Trennungsunterhalt verzichte... Für mich macht es keinen Unterschied mehr, ob ich verheiratet bin oder nicht.

Außerdem liebe ich meine Arbeit und will dort nicht weg.

Auch wenn ich manchmal für sehr befremdliche Zwecke ausgenutzt werde...
So wie heute:
Da hat irgend so ein Arsch letzte Nacht ein Ei an die Hauswand geworfen und ich musste es heute morgen weg scheuern.

Das muss ja vielleicht ein dämlicher Anblick gewesen sein.
Top gestylte Frau in kurzem rosa Wickelkleid auf 12 cm-Pumps schrubbt mit einer Bürste den Dotter-Glodder von der Fassade....
*Augenroll*

Dabei lief mir das scheiß Putzwasser die Arme runter und ich sah aus wie eine Sau!

Mein Chef guckte einmal kurz mitleidig zur Tür heraus und meinte nur, ich solle aufpassen, ich würde ganz schmutzig.
Ich sprach kein Wort - warf ihm nur einen bösen Blick zu und zack war er wieder weg.


Ja, Frau Gräfin putzt Eier-Pampe immer in Highheels von de Wand!

Grrrrrr...

15.9.20 16:48, kommentieren

I will go down with this ship

 

Ich hab etwas auf dem Herzen, was ich heute los werden will.

 

Die ganze Zeit arbeite ich so sehr daran, härter, stärker und besser zu werden, dass ich die meisten meiner Schwächen sehr sehr verdrängt habe.

Ich meine solche Schwächen wie Ängste, Sehnsüchte und negative Gefühle.

 

Nun war es so, dass ich vor ein paar Nächten völlig erregt aufgewacht bin, weil ich das Gefühl hatte, dass mich jemand gestreichelt hat.

Das Gefühl war so intensiv und so echt, als hätte wirklich jemand seine Hände auf meinen Brüsten und in meinem Schritt gehabt.

Diese Erfahrung hat in mir wieder viele Gedanken wach gerufen und damit auch eine ganze Menge Kummer.

 

Ich habe sogar kurz an Halfdan denken müssen und an die Tatsache, dass er zwar ein unerträglicher Mensch ist, aber dass es zumindest schön gewesen war, mal nicht allein schlafen zu müssen.

Das ist etwas, an das ich mich nie so recht gewöhnen will.

Nachts allein sein.

Keine Wärme, keine Nähe, niemand, den man im Arm halten kann.

 

Letzte Nacht war es besonders schlimm.

Ich lag lange Zeit wach und hab mir nichts sehnlicher gewünscht, als in vertrauensvoller Umarmung neben Brander zu liegen.

Es ist immer hart, sich grausamen Wahrheiten zu stellen. Und die Wahrheit ist, dass ich schon immer ein scheiße einsames Leben hatte.

 

Zwar nehme ich weiterhin fleißig die Pille, um mit Hilfe der Chemie meine Sexualtriebe zu dämmen, aber das nützt nichts gegen diesen tief sitzenden Kummer in Bezug auf all die unzähligen einsamen Jahre, die mein Leben geprägt haben.

Wenn ich wenigstens hässlich wäre, dass wüsste ich zumindest, warum mich keiner lieben kann.

 

Ich weiß schon, wonach das wieder klingt.

Selbstmitleid.

 

Ich wollte es mir abgewöhnen, aber manchmal bricht es wieder zutage und dann will ich es auch nicht leugnen.

 

Ich habe mein Leben unter das Motto „face your fear“ gestellt.

 

Das praktiziere ich so oft es geht – auch bei dummen kleinen bedeutungslosen Angelegenheiten.

So wie neulich, als ich statt eine riesige Winkelspinne zu töten, sie ganz mutig mit einem Glas gefangen und nach draußen gebracht hatte.

Das hab ich vorher noch nie geschafft.

 

Auch wechsele ich nicht mehr die Straßenseite, wenn ein großer Hund kommt. Oder ich unternehme einen Spaziergang im Dunkeln und lasse mich auch von Geräuschen nicht schrecken.

 

Und so versuche ich mit vielen kleinen Schritten meinem Leben eine Wendung zu geben.

 

Es reicht nicht aus, seine Talente und Fähigkeiten auszubauen, um an Wert zu gewinnen.

Man muss auch Mängel abstellen.

 

 

Es gibt Momente, da würde ich mich so gerne meiner Mutter anvertrauen.

Würde so gerne irgendeinem Menschen von meinem Kummer und von meinem Kampf erzählen.

Aber es gibt absolut niemanden auf dieser Welt, der in Bezug auf meine Liebe zu Brander hinter mir stehen und meine Ambitionen auch nur ansatzweise verstehen würde.

Und selbst wenn – helfen kann mir da auch keiner.

 

 

Ich habe das Schiff offenen Auges in den Eisberg gelenkt.

 

Und wenn es mir nicht gelingt, das Ding zu kitten, dann bleibe ich an Bord und geh mit ihm unter!

 

 

 

….And I won't put my hands up and surrender

There will be no white flag above my door

I'm in love and always will be

11.9.20 09:59, kommentieren

Besser Brettchen im Rahmen, als vorm Köpfchen

 

 

Nachdem ich 10 Tage mit Schmerzen in Nacken und Schulter sowie grippalem Infekt ausgeknockt war, habe ich die Ruhephase für ein neues Handarbeitsprojekt genutzt.

 

Ehrlich gesagt, habe ich mich eine ganze Weile davor gedrückt, weil ich ziemlich Schiss hatte, dass ich mich damit übernehmen würde, aber glücklicherweise habe ich mich geirrt.

 

Bereits im Mai habe ich begonnen pflanzengefärbtes Garn zu dickeren stärkeren Fäden zu verspinnen. Das hat mehrere Wochen gedauert und hatte ein paar Knäuel Wolle in verschiedenen Grüntönen zum Ergebnis.

Auch weiße und lichtgraue Wolle habe ich mit mercerisiertem Garn und Metalleffekt-Fäden versponnen und damit zu leuchtendem Glanz gebracht.

Weil diese Arbeit bereits sehr aufwendig war, scheute ich mich die gute Wolle sinnlos zu vergeuden.

Der Plan war, eine Borte damit zu weben, die einer Göttin würdig wäre.

Leider habe ich vom Brettchenweben kaum Ahnung.

Mein erster Versuch mit normaler Filzwolle war zwar sehr hübsch, aber leider völlig ohne Plan entstanden. Ich hatte mich von dem entstehenden Muster quasi selbst überraschen lassen.

Bei meiner besonderen Wolle wollte ich das anders händeln.

So las ich mich in die Thematik ein und verfolgte auf Youtube sämtliche Videos, bis ich wenigstens wusste, was es mit der Scher-Richtung auf sich hat. Es gibt S- und Z-gescherte Brettchen und entsprechend variiert der Musterverlauf beim Vor- und Rückwärtsdrehen.

Aber bevor ich einfach loslegte, wollte ich mir erst über der Muster klar werden.

Zwar gibt es auf diversen Internetseiten bereits Anleitungen (Widderhorn, Diamant, etc.), aber es kratzte an meinem Ego eine fremde Arbeit einfach stump zu kopieren.

Ich wollte mein eigenes Ding!

Und so nahm ich Karopapier und begann zu rechnen und zu malen.

Mein erster Entwurf ließ sich leider nicht verwirklichen, da mein Webrahmen nicht für 20 Brettchen ausgelegt ist.

So musste ich mein Muster ändern und kam schließlich auf 16 Brettchen.

Mehr hätte auch nie auf den  Rahmen gepasst.

Das Aufziehen war der nervenraubendste Part an der Sache.

Ich habe fünf einhalb Stunden gebraucht und war morgens um halb zwei in der Nacht erst damit fertig.

Am Ende haben meine Augen geflimmert und ich fühlte mich wie sturzbesoffen.

Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, die ersten Anfänge zu weben.

Ich hätte niemals ruhig schlafen können, ohne die Gewissheit, dass die ganze Mühsal fruchten würde!

Nach einer halben Stunde konnte ich schon beobachten, wie das Muster die gewünschte Gestalt annahm.

Es war wie ein Wunder!

Ich konnte nicht aufhören zu staunen.

 

Von da an habe ich jeden Tag gewebt.

Ich habe den Webrahmen überall mit hingeschleppt. Sogar auf den Spielplatz.

Und während die Kinder spielten, habe ich an meiner Borte gearbeitet.

Die ersten 20 cm sind ein bisschen zu eng gezogen, aber dann hat es geflutscht und die Borte ist fehlerfrei und bis zum Schluss perfekt geworden.

Letzte Nacht habe ich die Endfäden verknotet und mein Kunstwerk liebevoll betrachtet.

Ich bin überzeugt, dass Frigg meine Finger geführt haben musste.

Kein Mensch kann auf Anhieb so viel Talent beweisen.

 

Das Muster, welches ich erschaffen habe, symbolisiert den magischen Fluss.

Es sind sanft geschwungene weißgoldene Wellenlinien, die auf das pflanzengefärbte Grün meiner Heilkräuter treffen.

Und die Mitte zeigt eine Kette aus Kristallen, welche die Kern-Seelen allen Lebens symbolisieren. (weiße leicht ovale Rauten mit je einem grüngoldenen Punkt in der Mitte. Wie das allsehende Auge oder ein befruchtetes Ei.)

Jede Seele hat einen Kern. Und manchmal sieht man sie losgelöst als kleine Orbs vorbei fliegen.

 

Ich bin so stolz.

Und so glücklich.

 

Ich habe Brander ein Foto davon geschickt.

 

Er meinte: „Sieht gut aus.“

 

 

 

Ich bin nicht böse deswegen.

 

Wie will man einem Blinden die Farbe blau erklären?

 

 

Vielleicht habe ich mich aber auch in ihm getäuscht?

Ich dachte, er wäre mit Leistungen mehr zu beeindrucken, als mit hübschen Selfies und Nacktfotos.

 

Tatsächlich aber hat er alles in allem meine erotische Seite stets mehr bewundert, als sämtliche meine vollbrachten Wunder.

 

 

Warum also ist der Drang so stark, um ihn zu kämpfen?

Welche Aufgabe habe ich in seinem Leben noch zu erfüllen oder er in meinem?

Ich kann es nicht erklären.

Ich weiß nur, dass es wichtig ist.

 

 

Was bleibt abschließend zu sagen?

Tja, wenn sonst niemand beeindruckt ist – also ich bin es.

Sehr sogar.

 

 

Ich danke den Göttern für die positive Entwicklung.

Ich werde euch nicht enttäuschen.

 

 

 

3 Kommentare 9.9.20 10:17, kommentieren

...und mit Geistesstärke tu ich Wunder auch



Soviel Kummer um mein erstes Schwert ... au weia!

 

Wenn ich daran denke, wie ehrfürchtig ich es aus dem Karton gepackt und wie sorgsam ich es von der Schutzfolie befreit habe, um es zum ersten mal liebevoll zu betrachten, nur um kurze Zeit später mit der gnadenlosen Wucht von 1,488 KG Enttäuschung niedergeschmettert zu werden, muss ich fast lachen.

Es war nicht das Gewicht, was mich erschreckt hatte.
Auch nicht die Schmerzen, die es mir in der Schuler beigebracht hatte.

Es war etwas anderes und das will ich gleich erklären.

Vorher muss ich erwähnen, dass Brander mir einen Hinweis gegeben hat, der mich auf die richtige Spur gebracht hatte.
Er hat mir dazu geraten mit dem Schwert die Nacht zu verbringen, um dann in einer ruhigen Minute zu horchen, was es flüstert.

Genau das habe ich getan.

Ich habe sogar zwei Nächte mein Bett damit geteilt, um ganz sicher zu sein.

Heute hat mein Exmann die Kinder übers Wochenende abgeholt, so dass ich aktuell völlige Ruhe in der Wohnung genießen darf.
Eine gute Gelegenheit, um auf ein Flüstern zu horchen.

Ich krabbelte also ins Bett zu meinem Schwert und hielt die blanke Schneide nah an mein Ohr.

Nichts.

Ich kam mir ein bisschen so vor wie Thulsa Doom auf der Suche nach dem Geheimnis des Stahls.
Aber ich lauschte weiter.

Nichts.

Ich nahm es in beide Hände und schaute es lange an.
Es war ein kaltes Stück schweigsamen Eisens.

Und dann schaute und horchte ich mit geschlossenen Augen tief in das Schwert hinein, um dort weiter zu suchen.
Aber ich fand nichts.
Keine Farbe. Keine Schwingung. Keine Seele.

Es war so tot wie alle Dinge, die nie geliebt worden waren.

Ich legte es beiseite und begann zu überlegen, was ich tun könnte.
Mir kam gleich der Gedanke einer Energetisierung mit Hilfe der Elemente.
Allerdings kann man ein Schwert keine 2 Stunden in fließendes Gewässer legen oder 24 Stunden am Körper tragen oder eine Nacht lang unbewacht in Vollmondlicht baden.
Insbesondere in meinem geschwächten Zustand, wäre es keine kluge Idee nicht vorhandene Kräfte zu mobilisieren.

Wäre ich wenigstens ein erfahrener Schwertkämpfer, könnte ich dem Schwert durch sinngemäße Arbeit meine Fähigkeiten einverleiben.
Oder wäre ich ein Schmied, hätte ich es mit der nötigen Kunstfertigkeit aufwerten können, um den Grundstein einer Seele zu legen.
Jede Art von Arbeit, die mit Herzblut geschieht, lässt unsichtbare Funken sprühen, die dem Objekt der Konzentration Seele einverleiben, oder diese - wenn bereits vorhanden - wachsen lassen können.
Manchmal reicht es bereits mit den Gedanken am rechten Fleck sein, um kleine Fünkchen zu senden.
Aber manchmal ist gerade das ein Ding der Unmöglichkeit.
Gerade heutzutage im Zeitalter der Reizüberflutung, ist es wirklich schwer geworden, seinen Geist von allem Überfluss zu reinigen, um sich einem ernstgemeinten Zauber zu widmen.

Tja und ich?
Ich will ehrlich sein. Es gibt bessere Hexen als mich.
Eine probate Hexe weiß, wie sie channelt oder den magischen Fluss lenkt.
Ich dagegen bin in Wahrheit nie mehr als ein Medium gewesen, welches ohne viel Ahnung mehr oder weniger dann und wann vom magischen Fluss überrascht wurde.
Es ist nicht direkt so, dass ich das steuern könnte. Aber ich kann spüren, wenn die Kraft kommt. Und ich kann sehen, was sie bewirkt.
Seit ich die Ansuz-Rune trage hat sich das sogar verstärkt.

Um also ein Ritual für mein Schwert abzuhalten, musste ich erst in der richtigen Verfassung sein.

Ich wusch mir Gesicht und Hände, machte es mir bequem und schaltete alle Geräuschquellen aus.
Dann hab ich mich über mein Handy mit einer sehr erfahrenen Hexe online verbunden und hab mit ihrer Hilfe eine Reinigung durchgeführt, um mich bereit zu machen und mein inneres Licht zum Glühen zu bringen.
Die Reinigung hat sehr lange gedauert. Fast eine halbe Stunde.
Aber das war nötig.
Zuerst musste ich zur Ruhe kommen und alle Gedanken abschalten.
Dann wurde meditiert.
Ich tauchte tief in mich und formte meine Seele zu einer Sonne. Und mit Hilfe der anderen Hexe habe ich meine Sonne ausgedehnt und jeden Winkel meiner Hülle mit Wärme, Licht und Liebe gefüllt. Es wurden die Naturgeister und meine persönlichen Schutzengel dazu gerufen, um mich auf allenen Ebenen zu reinigen und zu erden.
Es war ein sehr langer Vorgang.
Mein Licht wurde zu einem Kristall gebündelt. Und ich spürte, wie ich mehr und mehr zur ruhigen Mitte wurde, während meine Umwelt wie ein schmutziger Wirbelsturm um mich tobte. Ich hielt mich an meinem leuchtenden Kristall fest und hielt dem Drehschwindel stand. Der schmutziggraue Sturm konnte in meinen magischen Lichtkreis nicht eindringen. Ich sah ihn zwar, aber er war wie auf Tonstop und verlor dadurch alle Schrecken und jede Bedeutung.
Ich fühlte, wie sich der dunkle Sturm  langsam nach oben hob und wie goldenes Licht darunter zum Vorschein kam. Der Schwindel ließ nach.
Meine Haut wärmte sich, als würde ich wirklich gerade draußen in der Sonne sitzen.
Ich öffnete all meine Kanäle und erlaubte der geistigen Welt durch mich zu wirken und meine Hülle zu reinigen von all dem Chaos und all den Dämonen, die meine Gedanken und meine Gesundheit lange genug beeinträchtigt hatten.
Ich spürte, wie die Energien in mehreren Stufen übertragen wurden. Und jede Stufe brachte meinem Körper an anderer Stelle eine Gänsehaut.
Zum Schluss wurden die hinzugewonnenen Energien in mir verankert. Auch das brauchte seine Zeit. Aber es geschah wie von selbst und ich musste nicht viel dazu beitragen, außer meine Aura des Friedens und der Stärke und des inneren Gleichgewichts aufrecht zu erhalten.
Während der Reinigung fühlte ich mich sehr leicht und ein bisschen schläfrig.
Die Versenkung war gelungen. Ich hatte in dieser Phase keine Schmerzen mehr in den Gelenken und sogar die doofe Erkältung war eine Zeitlang gedämmt worden.
Ich konnte tief und frei atmen und ich fühlte überall wohlige Gänsehaut, die mir angenehme Gefühle spendete.

Ich weiß, dass diese Form der Reinigung nicht allzu lange anhält.
Aber es ist gut, solche Übungen vor jedem Ritual zu machen.
Sie helfen, die Magie fließen zu lassen.
Es gibt viele Tricks für Anfänger-Hexen, um Magie in die eigene Hülle strömen zu lassen. Ein wirksames Mittel ist eben diese Reinigung und Energetisierung.
Eine andere Methode ist Nacktheit. Je weniger Kleidung den Kontakt zur Natur hemmt, desto müheloser kann man die benötigte Energie aufnehmen. (Nackt im Mondschein baden. Barfuß auf Erde laufen. Sich mit bloßen Geschlecht auf einen Stein setzen. Nackt ums Feuer tanzen. etc.)
Sinnvoll ist auch eine entsprechende Räucherung, um schlechte Einflüsse und ungute Kräfte abzuwehren.

Nachdem ich also gereinigt war brachte ich schnell alles raus in den Garten, was ich für meine Zwecke benötigte.
Ich zog die Socken aus und stellte mich in die Wiese.
Ich hatte Glück.
Während meiner Mediation war die Wolkendecke aufgebrochen und so schien die Sonne gerade lang genug, um mein Ritual zu vollführen.
Ich weihte mit dem Thorshammer den Ort, bat um Schutz und zündete ein Räucherstäbchen an. Dann zog ich mein Schwert aus der Scheide und legte es vor mich ins Gras.
Ich schloss noch einmal die Augen, um Kontakt aufzunehmen.
Als ich sicher war, dass die Voraussetzungen für das Ritual stimmten nahm ich ein langes Streichholz und zündete es an.
Ich fuhr mit der Flamme einmal die Klinge hinauf und wieder hinunter.
Dann spritzte ich drei Tropfen warmes Wasser auf den Stahl.
Zum Dritten nahm ich feuchte Erde, zerrieb sie zwischen den Fingern und malte eine Tiwaz auf die Spitze und auf meine Stirn.
So sollten wir im Kampf mit unseren Gedanken vereint sein.
Als ich das Schwert nun in beide Hände nahm und anhob, war der Stahl sehr warm.
So warm wie jedes Ding, das von der Sonne geküsst wurde.
So saß ich eine Weile und hielt mein Schwert in den duftenden Rauch.

Und ich sprach.
"Verzeih mir, dass ich enttäuscht von dir war. Dazu hatte ich kein Recht. Du bist genauso neu geboren wie ich. Keiner kann dem anderen etwas beibringen. Aber wenn du bei mir bleibst, dann verspreche ich dir, dass wir alles gemeinsam lernen."
Ich wischte die Klinge mit einem Tuch sauber und rieb auch die Erde von meiner Stirn.
Dann presste ich meine Stirn gegen das Metall und sendete Gedanken und Bilder und Farben und Lichter und was mir sonst noch einfiel.
Dann opferte ich einen Schluck Met für die Götter und räumte auf.
Spaßeshalber ließ ich das Schwert noch ein paar Achten tanzen, ehe ich es zurück die Scheide schob.
Und meine Schulter hat diesmal nicht weh getan, obwohl sie sich hin und wieder ein kleines Stück ausrenkt und knirschend wieder zurück springt.
Selber schuld.
Ich hätte schon viel früher mit dem Training beginnen sollen.
Die Idee war mir nur nie in den Sinn gekommen.

Dabei ist es so schlüssig!
Wer um jemanden kämpfen will, sollte vielleicht erst mal kämpfen lernen...

Und wer weiß? Vielleicht schaffe ich es ja noch in diesem Leben, Brander zu einem Duell herauszufordern? Und dem Sieger soll ein Wunsch gewährt werden.

Tja, das klingt ja alles so schön kitschig romantisch, aber leider auch verflixt schwierig.
Selbst mit dem Beistand aller Götter bräuchte es schon ein Wunder, wenn ich gegen jahrzentelange Kampferfahrung bestehen will.

Erfreulicherweise habe ich neue Lehrer ausfindig gemacht, die mich ebenfalls unterrichten würden.
Einer ist bei Gießen und wurde mir gestern von einem Bekannten auf Facebook empfohlen.
Er gibt jeden Montag Unterricht in einer Wiki-Gruppe und ich dürfte gerne mitmachen, wenn ich wollte.

Klingt gut.

Jetzt hab ich so viele Lehrer, dass es egal ist, wenn einer oder mehrere mal keine Zeit haben.

Ich muss jetzt nur noch gesund werden.

*hust* *hust*


5.9.20 18:47, kommentieren

Alles ist so mäh

 

 

Seit Montag hatte ich mäßige Nacken- und Schulterschmerzen. Schuld war das gedehnte Schwert-Training und die damit einhergehende Überbeanspruchung.

Gerade als es besser wurde, kam ein großes DHL-Paket mit meinem neuen Schwert.

Es ist ein bisschen schwerer als erwartet, aber ich wollte es trotzdem sofort ausprobieren.

Nun bin ich vollends Matsch und mäh.

Heute morgen konnte ich den Kopf nicht drehen oder den rechten Arm bewegen.

Die Schmerzpunkte sind sowohl tief im Schultergelenk als auch zwischen den Halswirbeln.

Hinzu kommt eine derbe Verspannung dazwischen und ein bisschen Muskelkater.

Nach einer IBU400 konnte ich wenigstens Auto fahren.

 

Ich hoffe, das wird mit der Zeit.

 

 

Und da ist noch etwas:

 

Sternchens Schulfreundin war 14 Tage „krank“ und ich musste ihr täglich die Arbeitsblätter bringen.

Die Mutter hat mit keinem Wort erwähnt, dass das Kind wegen Verdacht auf Corona in Quarantäne ist.

Und so hatte ich 14 Tage lang Kontakt…

 

Gestern fing bei mir die Erkältung an.

In der Nacht hatte ich dann meinen Spaß mit ich weiß nicht wie vielen Taschentüchern!

Heute morgen dann Halsweh und das ganze Programm.

Honigdachs genauso. Sie muss wegen Fieber daheim bleiben.

 

Ich werde das Teammeeting morgen bei der SCA absagen.

Wir wollten die Lagerveranstaltung auf Burg Lisberg am 19.09. besprechen.

 

Ich werde auch gleich die Party am Samstag bei Guismo canceln.

Ich wollte sowieso nicht dort hin. Nicht wegen Guismo oder seiner Frau, sondern wegen meinem Schwertbruder, der mit mir dort übernachten will.

Ich hab jetzt nicht die Nervenstärke für ein verletzendes Gespräch.

Mir geht’s einfach zu mäh.

 

 

Aber es gibt auch erfreuliche Nachrichten:

Ich hatte gestern wieder sehr schöne Sprachmitteilungen von Brander. Mit Gänsehautfeeling.

Seine Stimme ist einfach der Wahnsinn.

 

Ich könnte sie mir Tag und Nacht anhören, wenn ich nicht so viel anderes zu tun hätte.

 

 

Jaaaaa, ich hab mir mein Leben gut vollgestopft.

 

3.9.20 11:16, kommentieren

Was klagt was lobt man doch?

 


…sein Unglück und sein Glück…..ist sich ein jeder selbst….

 

 

 

Ich habe Brander Unrecht getan.

Seine Zurückhaltung gründete weder in Verachtung noch erzieherischen Maßnahmen.

Er war schlicht und ergreifend indisponiert.

Tatsächlich waren er und seine Sippe übers Wochenende in einem Mittelalterlager und das hat seine Zeit in Anspruch genommen.

Ich kenne das mittlerweile auch.

Wenn sich schon mal die Gelegenheit bietet sein Leben auf angenehme Weise zu entschleunigen, lässt man das Handy in der Tasche. Das gilt ganz besonders, wenn man gute Freunde um sich hat und nebenbei auch Handarbeiten fertig kriegen oder Fightpractice machen will.

 

Gestern hat er sich aber extra Zeit für ein relativ ausführliches Gespräch genommen.

Ich hab jetzt so eine ungefähre Ahnung wonach ich suchen muss, was Rüstzeug angeht.

Die Schwierigkeit besteht für mich leider darin, dass 99 % aller Helme viel zu groß für mich sind.

Ich muss ja schon froh sein, wenn ich einen unter 60 cm Umfang finde….

 

Aber ich will nicht mit Details langweilen.

 

Ich bin froh, dass Brander sein Fenster für mich und meine Fragen offen hält. Er ist der Einzige, dem ich blind vertraue.

Außerdem ist da immernoch das starke Band, das mich mit ihm verbindet und gegen das ich machtlos bin.

Das einzige was ich für ihn tun kann, ist ihn so gut ich es vermag in Frieden zu lassen und seine Hilfe nur in dringenden Fällen in Anspruch zu nehmen.

Andernfalls wird er sich bald ausgenutzt fühlen und das will ich nicht. Eigentlich will ich noch viel mehr für ihn tun. Ich würde ihn gerne auch irgendwie unterstützen und ihm Ratschläge geben. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass ich ihm mit Handarbeiten und Kräuterkunde nützlich sein könnte.

 

So oder so gilt es nichts zu überstürzen.

Meine Transformation ist noch nicht ganz abgeschlossen und ich bin unmöglich schon stark genug, um einen neuen Anlauf gegen die schwarze Festung zu starten.

 

Allerdings haben die Runen mir einen günstigen Ausgang meiner Bemühungen vorhergesagt.

In nicht allzu ferner Zukunft tritt „Jera“ ein. Der Jahreskreislauf, bzw. die Ernte eines solchen. Die Früchte harter Arbeit.

 

Wie auch immer das gemeint ist, es kann nur etwas gutes heißen.

 

 

Bis dahin will ich weiter tapfer sein und mir Mühe geben, um meinen Wert zu steigern.

 

 

Anmut, die dem Geiste eigen

soll in Werk und Wort sich zeigen.

Nicht von außen, nur von innen,

ist die Anmut zu gewinnen.

1.9.20 10:23, kommentieren

Es schläft ein Lied in all den Dingen…

 

 

…die da träumen fort und fort.

Und die Welt hebt an zu singen

triffst du nur das Zauberwort.

 

 

 

Wie beeindruckt man Götter, wenn man nicht einmal Menschen beeindrucken kann?

 

 

Man probiert sich so lange in allen Dingen - und vor allem in schwierigen Dingen – bis man den richtigen Schlüssel … das Zauberwort … gefunden hat.

 

 

Ich habe Brander angeschrieben und ihn etwas sehr wichtiges gefragt.

Ich hatte in den Tagen zuvor bereits freundlichen Kontakt zu ihm versucht und war sicher, dass ich mich auf ihn verlassen könnte.

Tatsächlich aber hat er erst nach 6 Stunden nur eine ziemlich verwaschene und unbefriedigende Antwort gegeben.

Es ging um einen Wikinger-Brillenhelm, 10. Jhd. mit Gesichtsbrünne und 300,- €, die ich dafür hinlegen müsste.

Das ist für mich viel Geld und das will gut überlegt sein.

Der Einzige, der mir hierbei eine hilfreiche und nützliche Unterstützung hätte sein können, ist leider zu sehr darauf erpicht mir zu beweisen, wie egal ich ihm bin.

Ich kann ein solches Verhalten beim besten Willen nicht verstehen.

Wenn ich bedenke, wie oft ich diversen Ex-Partnern geholfen habe, komme ich zu dem Schluss, dass ich entweder zu nett bin, oder Typen wie Brander zu egoistisch.

Ein anderer Gedanke wäre, dass Brander immernoch Gefühle für mich hegt und deshalb übertrieben unfreundlich ist, um jedem Risiko auszuweichen.

 

Ja, ich gebe zu, ich habe versucht ihn zu beeindrucken.

 

Ich habe versucht, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen.

 

Seit der Trennung habe ich für ihn drei Dinge vollbracht, die nur die wenigsten schaffen: ich habe meine Schuld verbüßt, ich habe aus meinen Fehlern gelernt und ich habe mich verändert.

 

Aber was hat er in der ganzen Zeit getan?

Nur sich selbst bemitleidet und seinen Hass gepflegt.

 

Und zum ersten mal wünsche ich mir, ich könnte die Prägung ungeschehen machen und mich von ihm gänzlich loseisen.

 

Für dahin bleibt mir nur, mich den Göttern gut zu stellen, damit sie mich zu glücklichen Gefilden lotsen.

 

Ich denke, ich bin schon auf dem richtigen Weg.

 

Gestern war Training bei den Chatten.

Ich hatte meine erste Lehrstunde in Codex Belli und ich war gar nicht mal schlecht.

Tatsächlich war ich sogar die beste, obwohl alle anderen Teilnehmer Männer waren.

Ich habe am längsten durchgehalten und die Bewegungen am besten ausgeführt. Obwohl mich jetzt sicherlich einige dafür hassen, bin ich total stolz auf mich.

Alwin, der Anführer, zuckte nur die Schultern und meinte, er hätte seit Jahren kein Larp mehr gemacht und er sei den Schwertkampf einfach nicht mehr gewöhnt.

Obwohl ich meine komplette Rüstung dabei hatte habe ich tatsächlich nur den Gambeson und die Handschuhe gebraucht.

Wir haben ohne Helm und Schild geübt und es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Auf jedenfall war es schöner und lehrreicher als bei der SCA.

 

 

 

Hinterher war ich mit meinem Trainingspartner und seinem Kumpel noch beim Keltengrab.

Die Kinder waren auch dabei und durften sich nach Herzenslust austoben.

Es wurden viele Fotos gemacht und ich fühlte mich pudelwohl.

 

Ich mag meinen Schwertbruder sehr.

 

Natürlich weiß ich, dass er sich mehr von mir erhofft, aber daraus wird nichts.

 

Auf der einen Seite missbrauche ich Männer bestenfalls nur noch als Wegwerfartikel und dafür ist er mir zu schade (ernsthaft, er ist ein guter Mann und verdient was besseres), auf der anderen Seite stößt mich sein Geruch ab.

In der Biologie ist das meist ein ernstes Zeichen, dass etwas nicht passen sollte.

 

 

Ich bin gespannt, ob ich es schaffe mit ihm befreundet zu sein, ohne ihm weh tun zu müssen.

 

 

 

 

 

 

 

31.8.20 10:59, kommentieren

Brief an die Schule meiner Tochter

Zur Vermeidung von Wiederholungen verweise ich auf nachfolgenden Wortlaut meines heutigen Schreibens...

Ich bin so sauer, das kann sich keiner vorstellen!!! 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

als Mutter der vorgenannten Schülerin bin ich in der Pflicht einen Vorfall zu melden, der sich heute auf dem Nachhauseweg meiner Tochter auf Höhe des Kindergartens „#######“ ereignet hat.

 

Ein Mitschüler meiner Tochter namens ##### verfolgt mein Kind des öfteren auf dem Heimweg und drangsaliert sie schwer.

In den letzten Tagen haben sich die Vorfälle immer weiter zugespitzt.

Heute ist es dahingehend eskaliert, dass der Junge einen Stock genommen hat, diesen in Hundekot tunkte und damit mein Kind von oben bis unten beschmierte. Kleidung und Schulranzen sind betroffen. Als sie versuchte weg zu laufen, hat er ihre Jacke aus ihren Armen gerissen und diese in den Bach geworfen.

Als Zeugin kann hier eine Angestellte aus der besagten Kita genannt werden, die den Vorfall beobachtete und meiner Tochter zur Hilfe kam.

 

Es ist nicht der erste Zwischenfall, bei dem Sternchen weinend nach Hause kommt.

Erst gestern hat ##### sie auf dem Heimweg auf Höhe der Feuerwehr in Altenhaßlau belästigt. Er öffnete ihr den Schulranzen und entwendete ihr zwei Päckchen Taschentücher. Statt sie zurück zu geben, hat er ein Tuch nach dem anderen aus den Packungen gerissen und in die Luft geworfen.

Das ist obendrein Umweltverschmutzung.

 

Auch höre ich des öfteren von gewaltsamen Handgreiflichkeiten zwischen den Kindern.

Ich rate meiner Tochter immer wieder dazu, sich zu wehren.

Leider hat das bisweilen nichts genützt.

 

Heute habe ich fernmündlich das Gespräch mit der Mutter von ###### gesucht und sie über die Vorkommnisse aufgeklärt. Ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht länger toleriere.

Leider spricht die Frau nur gebrochen deutsch und ist auch sonst sehr verständnislos.

Ihr Sohn würde alles abstreiten und sie weiß nicht, was sie glauben soll, weil sie nicht dabei war.

Damit war das Thema für die Mutter des Jungen erledigt.

 

Da die Mutter nicht gewillt ist etwas zu unternehmen, wende ich mich an Sie.

Vielleicht wäre ein aufklärendes pädagogisches Gespräch durch die Klassenlehrerin Frau ###### möglich?

 

Da ich den Jungen schon seit seinem 5 Lebensjahr immer allein und ohne Begleitung durch den Ort streifen sowie unbeaufsichtigt auf Spielplätzen sehe, würde ich darüber hinaus eine Meldung beim Jugendamt wegen Kindeswohlgefährdung und Vernachlässigung in Erwägung ziehen.

Es ist ganz offensichtlich, dass den Eltern das Wohl und die Erziehung des Kindes ##### sehr egal sind!

 

 

Für eine Rückmeldung – gerne auch per E-Mail oder Telefon – wäre ich in jedemfall sehr dankbar.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Little-Big-Mom

 

 

---

Und wenn das auch nicht fruchtet, werd ich mir den kleinen Pisser persönlich schnappen und zur Brust nehmen!

27.8.20 14:48, kommentieren

Ich bin so scheiße im kämpfen

 

Allmählich beschleicht mich das Gefühl, dass ich mit jeder Trainingseinheit immer schlechter werde statt besser.

 

Gestern war Fightpractice bei der SCA und ich habs total verkackt.

 

Wir trafen uns heimlich in einem nahegelegenen Waldgebiet, damit uns keiner wegen Corona-Regeln belästigt. Wir waren 5 Personen und haben bloß gemeinsam Sport gemacht. Ich denke, das ist ok.

 

Leider scheint meine Schonfrist abgelaufen zu sein, denn ich wurde ziemlich übel fertig gemacht.

Lustigerweise hat mein Gegner dafür nur mit der linken Hand gekämpft und nicht mal einen Schild getragen.

Es war unerheblich. Der Mann ist einfach zu schnell und zu wendig und weiß leider zu gut, was er tun muss.

Ich dagegen bin schon überfordert mit den 4 Attacken, die mir mittlerweile beigebracht wurden und besitze noch kein Auge für die Lücken in der Verteidigung.

 

Es gab einen Moment der tiefsten Frustration, als ich zwei mal kurz hintereinander besonders hart am Helm getroffen wurde und eine ganze Weile Tinnitus davon hatte.

 

Die Männer sagen, ich würde zu lange überlegen.

Außerdem müsste ich den Schild schneller und näher am Körper bewegen.

 

 

Als ich um Mitternacht endlich ins Bett kam, merkte ich noch nicht viel von meinem Glück. Aber heute morgen spürte ich überall Druckschmerz. Mein rechtes Handgelenk tut weh und mein linkes Ellbogengelenk auf der Innenseite.

Ich habe keine Ahnung wie das passiert ist.

 

Die nassen Männerkleider habe ich gestern nur zum trocknen aufgehängt und werde sie heute waschen müssen. Am Sonntag brauche ich sie bereits wieder für die Stunde in Codex Belli.

Ich weiß immernoch nicht genau, welchen Kampfstil ich dann verfolgen möchte.

 

Aber so wie es jetzt läuft geht’s nicht weiter.

 

Lord Aelric von der SCA will mir eine Partnerin beschaffen, die auch als Neu-Einsteiger dazu stoßen will. Vielleicht wird das dann ja besser?

 

 

Es haben sich noch einige andere Abgründe aufgetan…

So wie es aussieht, ist Aelric polyamourös und unterhält neben seiner Ehefrau noch eine feste Freundin und diverse andere Frauen.

 

Das wirft tatsächlich eine ganze Reihe Fragen bei mir auf.

Allen voran, wie ein Mann über 50 dazu imstande sein will, gleich mehrere Frauen zu …äh…unterhalten?

 

 

 

 

26.8.20 09:38, kommentieren

Drei Sippenchefs und ich

Nachdem ich dem germanischen Stammesführer Alvin meinen Wunsch kämpfen lernen zu wollen offenbart habe und meine Aufnahme bei den Chatten beinahe daran scheiterte, dass keiner dort kämpfen kann, hat er einen Lehrer engagiert, der die Truppe turnusmäßig – und damit auch mich – privat unterweist. Kommenden Sonntag ist die erste Trainingseinheit in Codex Belli und ich bin eingeladen mitzukommen.

 

Vergangenen Samstag habe ich bereits meine Fühler in zwei weitere Richtungen ausgestreckt.

Ich war zum grillen bei einer Wikinger-Sippe nördlich von Gießen verabredet.

Das ist ca. eine Stunde von hier.

Doch als ich ankam, war noch keiner da.

Dafür war die Überraschung umso größer, als ich seinen Nachbarn am Zaun traf und gleich wiedererkannte. Es waren Guismo und seine Gefährtin. Die Anführer der Freyen Lagergruppe Schlagmichtot, welche Brander und ich vergangenes Jahr in Himbach kennen gelernt hatten.

Und weil ich so allein herum stand, haben sie mich in eingeladen, mit ihnen im Garten im Schatten zu sitzen.

Ich erzählte Guismo von meinen Plänen und dass ich so gerne einen hohlgebogenen Rundschild hätte. Da führte er mich in seine Scheune und ich durfte seine fertigen Arbeiten bewundern. Er baut Rüstungen, Waffen und Schilde.

Er meinte, er könne mir gerne behilflich sein und er wollte darüber hinaus, dass ich bei seinem nächsten Lager als Heilerin mitmache. Seine Frau bewundere auf Facebook meine Hexenwerke und ich hätte ohnehin bereits in der Mittelalterszene einen guten Leumund.

Das hat mich echt mit Stolz erfüllt.

Meine größte Angst war es eigentlich, dass mein Ruf seit der Sache damals im gelben Kleid gelitten haben könnte.

Weil mein Tabak leer war, und er zur Tankstelle musste, nahm er mich im Auto mit und wir unterhielten uns während der Fahrt. Er warnte mich vor seinem Nachbarn, bei dem ich eingeladen war, und er erzählte auch, dass dieser Jarl bereits bei diversen Märkten Hausverbot hatte und gar nicht mehr lagern dürfe.

 

Später erzählte mir besagter Nachbar die Geschichten genau andersherum.^^‘

Der böse Jarl Kanaille, wie ich Mr. Hausverbot nennen will, war früher Mitglied in Guismos Truppe. Aber beide stritten sich um die Führerschaft und dann brach die Gruppe entzwei.

Jarl Kanaille zählt 45 Jahre und kämpft nur noch Vollkontakt, weil er arthrosebedingt keine längeren Kämpfe mehr austragen kann. Er hat eine 10 Jahre jüngere Frau mit roten Haaren und beide können keine Kinder bekommen.

Die Frau hat eine schlimme Leidensgeschichte hinter sich, die darin gipfelte, dass man ihr die komplette Gallenblase entfernen hatte müssen. Seitdem verträgt sie keine Weizenprodukte und tierischen Fette mehr.

Ihr Mann dagegen hatte einen Absturz mit harten chemischen Drogen gehabt und besitzt seither zu langsame Spermien.

Sie hatten ihren fruchtlosen Kinderwunsch mit der Anschaffung eines Hundes kompensieren wollen, doch dieser musste wegen Epilepsie eingeschläfert werden.

Trotzdem hatten die beiden ihre Lebensfreude beibehalten und waren aus den Schicksalsschlägen härter und stärker wieder hervor gegangen.

 

Nach ein paar Gesprächen rückte Jarl Kanaille mit einem großartigen Angebot heraus. Er möchte mich gern als seinen Knappen haben und würde mir im Gegenzug alle gemeinen Tricks in Sachen Kodex Belli beibringen, die er sich über die Jahre angeeignet hat. Training wäre zwei mal im Monat. Einmal kommt er gefahren und einmal ich. Die Kinder seien willkommen und würden darüber hinaus an seinen Kinderbögen im Bogenschießen unterwiesen werden.

Er würde mich gern in seiner Lagergruppe aufnehmen, weil er bereits viel Gutes von mir gehört hatte. Ich wäre so herrlich durchgeknallt und würde so witzige Scheiße im virtuellen Mittelaltermarkt posten. Auch gefallen ihm meine Handarbeiten. Von meiner Heilkunde brauchte ich gar nichts erwähnen.

Irgendwie erreichte mich durch die Blume auch das Angebot mit ihm und seiner Frau mal zu dritt zu „zubern“. Und seine Frau schien über den Vorschlag glücklich zu sein.

Beide sehen wirklich gut aus. Ich steh sowieso total auf rothaarige Mädels. Und er sieht auch ziemlich gut aus, obwohl er schon graue Schläfen bekommen hat.

Trotzdem habe ich mich noch nicht festgelegt.

 

 

Mir schwirrt noch der Kopf von den vielen Angeboten.

 

 

24.8.20 09:55, kommentieren

Immer wieder Kontra



In der Whats-App-Gruppe der Eltern von Sternchens Klasse geht es wieder hoch her...

Seit Tagen eschauffieren sich zwei Mütter über die Tatsache, dass die Klassenlehrerin eines der Hauptfächer - nämlich Mathematik - an eine andere Lehrerin abgegeben hat.
Dies stelle einen herben Vertrauensbruch dar und führe zu seelischem Ungleichgewicht der Kinder, blabla.
-Ich sach nix dazu-
Es sei ja extrem wichtig auf den geistigen Lernfluss der Kinder Rücksicht zu nehmen und die Bezugsperson in elementar wichtigen Fächern aufrecht zu erhalten, blabla.
-Ich bin immernoch ruhig-
Es kursiert das Gerücht, die neue Mathelehrerin sei bloß eine Quereinsteigerin und keine ausgebildete Fachkraft. Ein Ding der Unmöglichkeit! Setzt ein Schreiben an die Schulleitung auf! Sammelt Unterschriften! Petition ans Schulamt! An den Pranger mit ihr, blabla
-Ich .... nicht mehr länger stilles Mitglied:
"Leute, gebt der Dame doch bitte erst mal eine Chance! Sie wäre wohl kaum dort, wo sie jetzt ist, wenn sie für den Job nicht geeignet wäre. Wenn in den kommenden Monaten irgendwelche Defizite oder Probleme auftauchen, könnt ihr euch immernoch Sorgen machen! Bis es soweit ist, erlaube ich mir jedoch kein Urteil!"

Daraufhin war ein paar Minuten Ruhe.

Dann ging es etwas kleinlaut weiter, von wegen es solle trotzdem geklärt werden, warum eine dahergelaufene Quereinsteigerin Mathe unterrichten darf, blabla.

-Ich, kein Bock mehr-

Anderntags in der Firma wollte ich meine Chefin mit dem Sermon erbauen und erzählte ihr grob von den neuerlichen Abgründen.
Sie und ihr Mann werden hellhörig und wollen den Namen der neuen Lehrerin wissen.
Ich musste erst im Verlauf nachlesen.
Beim Aussprechen brüllten beide los vor Lachen.

Wie sich heraus stellte, ist die Quereinsteigerin keine geringere als die Cousine vom Chef. Sie hat Mathematik lange Jahre intensiv studiert und ist qualifizierter als so manche Lehrkraft. Meistens unterrichtet sie die gymnasiale Oberstufe in Gelnhausen.
Sie hätte auch eine tolle Art den Stoff gut rüber zu bringen und alle ihrer Schüler konnten stets zufrieden sein.
Auch der Sohn meiner Chefs war bei ihr und hatte schnell eine hohe Begabung in Mathematik entwickelt.

Mit diesen neuen Kenntnissen gab ich in der Whats-App-Gruppe umfassend Entwarnung und bat den Elternbeirat von weiteren Klärungsgesuchen Abstand zu nehmen.

Das Feedback allerdings war weiterhin voreingenommen und zickig. Von wegen, die Dame könne dann ja eine andere Klasse unterrichten. Es sei nicht zumutbar, wenn ein Kind in der 2. Klasse von mehr als einem Lehrer unterrichtet wird, blabla...

-Ich ... will am liebsten die Gruppe verlassen und hab nur noch Hass für die Menschheit übrig. Mache mein Handy aus und rede sehr wahrscheinlich nie wieder ein Wort mit denen-

 

Ganz ehrlich?

Nach monatelangem Homeschooling ist die Qualifikation einer Mathelehrerin euer einziges Problem???? Euer Ernst?

 

 

Neeeiiiin, ......ich bin gerne zu sehr ich.
Wenn es nur bedeutet nicht so wie IHR zu sein!!!



2 Kommentare 20.8.20 22:02, kommentieren

Endlich eine Freundin



Nachdem ich ein für allemal gelernt habe, dass Freundschaften mit Männern einfach schier unmöglich sind, habe ich mir nun ein Herz gefasst und meine Fühler wieder Richtung Damenwelt ausgestreckt.
Seit meinem Umzug habe ich hier vergeblich nach gleichgesinnten Kontakten Ausschau gehalten. Die anderen Mütter, die ich hier kennen lernen durfte, waren irgendwie nie ganz auf meiner Wellenlänge.
Nicht, dass sie unhöflich zu mir gewesen wären, aber ich passte einfach nicht wirklich in den hiesigen alteingesessenen Gutmensch-Countryclub.
Darum habe ich mich auf meine Facebook-Kontakte beschränkt, wenn ich mich mit jemandem austauschen wollte.
Nun verhält es sich so, dass ich mein Leben auf Facebook ziemlich öffentlich führe und oft und gerne Bilder und Berichte von meinen Exkursionen in die Botanik poste. Ich bin sogar in einer Heilpflanzen-Gruppe und teile auch dort meine Beiträge betreffend Wildkräuter und Hexenwerk.
Im Zuge dessen ist eine ehemalige Bekannte auf mich aufmerksam geworden, die ich noch aus früher Schulzeit kannte.
Tatsächlich bin ich als Kind ziemlich mit Scheuklappen durchs Leben gelaufen, den Blick immer gesenkt und zu schüchtern den Mund aufzumachen. Deshalb hab ich nur eine vage Erinnerung an diese Frau, die wohl in meiner Parallelklasse gewesen war.
Aber sie konnte sich überraschend gut an mich erinnern und hat mir Sachen erzählt, die mich ganz schon ins Staunen versetzt haben. Sie wusste noch ganz genau, was für einen schweren Stand ich damals als Jugendliche hatte und dass ich immer ein Außenseiter gewesen war. Auch dass sich mein Kleidungsstil von dem aller anderen erheblich unterschied.
Ich war sprachlos.
Ja, ich war anders gewesen. Aber von 15 € Taschengeld konnte ich mir nicht unbedingt die angesagtesten Klamotten oder Rucksäcke kaufen.
Ich habe einfach getragen, was mir gefiel und habe gar nicht erst versucht, mich den anderen anzupassen.
Anscheinend hat sie das schwer beeindruckt, wie egal mir die Meinung der anderen gewesen war.
Sie erzählte, dass sie selbst in ihrer Klasse auch nicht viel zu Lachen gehabt hatte, weil sie seit jeher unter einer schweren Hormonstörung leidet, wodurch sie immer ein wenig stämmig bis übergewichtig und darüber hinaus stark körperbehaart ist. Außerdem hatte sie nie ihre Periode kriegen können und ist dadurch auch kinderlos geblieben.
Sie wohnt bei ihren Eltern und bekommt von ihrer Mutter alldieweil Hilfe bei der Rasur - insb. am Rücken und überall wo sie nicht dran kommt.
Ich hörte mir ihre Leidensgeschichte an. Von den vielen Ärzten, Homöopathen, Laserbehandlungen, Akupunkturen usw usw.
Mittlerweile ist sie bei alternativen Heilpraktiken und chinesischen Kräutern angelangt.
Immernoch alles ohne Erfolg.
Und sei das nicht schon tragisch genug, mutet das Schicksal ihr obendrein auch noch sich ständig wiederholende unglückliche Liebesbeziehungen zu, in denen sie immer wieder das Opfer von Gewalt wird.
Ihr letzter Freund hatte sie vergangene Woche wieder geschlagen. Da hat sie zum ersten mal zurück geschlagen.
Sie sagt, das habe sich sehr befreiend angefühlt und sie würde sich ab jetzt nie wieder prügeln lassen!
Allerdings fürchtet sie sich nun auch vor dem nächsten Idioten, der ihre Liebe mit Gewalt beantwortet und will von Männern erst mal nichts mehr wissen.

Da sie sehr an meinen Kräuterwanderungen interessiert war, habe ich sie kurzentschlossen vergangenen Sonntag eingeladen mitzukommen.

Als wir uns trafen verstanden wir uns auf Anhieb richtig gut und wir schlenderten gutgelaunt durch die Natur.
Ich kann kaum in Worte fassen, wie glücklich ich an diesem Tag war. Es war wundervoll mal wieder mit einer angenehmen Begleitung unterwegs zu sein und unbeschwert labern und lachen zu können.
Ich habe ihr alles gezeigt und erklärt was wir an Pflanzen fanden und sie war ehrlich begeistert. Sie wünschte sich ein Diktiergerät, weil sie sich die Fülle an Informationen nicht merken konnte und ich tröstete sie, dass sie mit der Zeit die wichtigsten Dinge bald verinnerlicht hätte.
Wir redeten auch über meine kaputte Ehe und was da so alles schief gelaufen war und sie war baff erstaunt, dass ich das so lange Jahre ausgehalten hatte.
Als wir ein Stück querfeldein gegangen waren kamen wir an ein kleines Wäldchen, in das kein richtiger Weg hineinführen wollte. Ringsrum standen hoch die Dornen. Aber an einer Stelle konnten wir eine Böschung hinab klettern und fanden uns auf einem schmalen Wildwechsel wieder, der durch das Wäldchen führte.
Interessante Pflanzen haben wir dort zwar nicht gefunden, dafür aber zahlreiche Knochen und Tierschädel von Wildschweinen.
Sie war geschockt und ich musste sie ein wenig beruhigen. Wir gingen weiter und kamen an einen besonderen Ort.
Der Platz war kreisrund und von sturmgebeugten Bäumen überdacht, so dass es wie eine große belaubte Höhle aussah. Da blieben wir stehen und staunten eine Weile.
Dann traten wir hinein und fanden im rückwärtigen Teil einen versteckten Hinterausgang, wo ein gewundener Pfad wieder nach oben aus dem Wald heraus ins Feld  führte. Anhand der Losung auf dem Weg, konnte ich erahnen, dass Wildschweine diesen Pfad ausgetreten hatten. Von außen war der Weg nicht mehr durch die tiefhängenden Zweige zu erkennen.
Als wir wieder in der Sonne standen, merkten wir erst, wie angenehm klimatisiert es in dem Wäldchen gewesen war.
Wir wanderten an dessen Rand entlang, bis wir zu einer Obstwiese kamen. Dort standen ganz alte Sorten heimischer Obstbäume. Die Birnen beispielsweise waren winzig klein, aber unglaublich aromatisch und zuckersüß, obwohl sie noch sehr fest waren.
Am besten war einer der großen Pflaumbäume, der die leckersten Pflaumen trug, die ich je probiert hatte.
Wir pflückten uns zwei Hände voll und setzten uns in den Schatten, um Pause zu machen.
Dort saßen wir sehr lange und gingen spannenden Themen nach.
Zum Schluss erzählte ich von Brander und dass ich eigentlich seinetwegen meinen Weg zu den Göttern gefunden habe.
Ich berichtete, wie ich die schlimmste Sünde meines Lebens auf mein Gewissen geladen hatte und wie ich verzweifelt den Kampf aufgenommen habe, um wieder positive Energien zu erlangen. Dass ich willens war meinen Selbstwert wieder herzustellen und mich um 180 Grad zu ändern.
Sie hörte aufmerksam zu und nahm mein Gesagtes sehr ernst. Auch sie glaubte an den energetischen Fluss.
Ich berichtete ihr von meinen Opfern an die Götter und wie ich meine Ängste überwand und ganz allein im Selbsterfahrungsweg die Dunkelheit durchquerte. Nachtblind. Und ohne Orientierungssinn.
Sie verstand nicht, warum ich das getan habe.
Ich erklärte, dass ich mir die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der Götter erarbeiten wollte. Und dass ich alles daran setzen wollte meinen Fehler wieder gut zu machen.
Sie wollte wissen, ob es mir etwas gebracht hatte.
Ja, hat es. Die Götter haben mir neue Wege zum Geschenk gemacht. Nur gehen musste ich sie selber. Ich habe seit Branders Trennung sehr hart an mir gearbeitet und viel dazu gelernt und mich in allen Punkten verbessert.
Außerdem haben mich die Götter bei all meinen Abenteuern beschützt, sonst wäre ich jetzt sehr wahrscheinlich tot. Ich bin sogar überzeugt, dass meine Fortschritte ihnen gefallen, sonst würden mir die Talente sicher nicht so zufliegen.
Allein in Liebesdingen erhalten sie die Strafe aufrecht, bis ich meine Transformation abgeschlossen habe.
Aber ich mache gute Fortschritte und bleibe optimistisch.
Ich muss jetzt nur noch stärker werden.

Ich fragte sie, wie sie als Friseuse im Zuge von Corona über die Runden kommt.
Sie antwortete: schlecht. Nicht nur wegen Corona. Sie verträgt die giftigen Dämpfe der Farben nicht mehr und will jetzt ein Seminar machen, um auf Naturfarben umzusteigen.
Da sie noch bei ihren Eltern wohnt, hat sie keine größeren finanziellen Schwierigkeiten. Aber natürlich ist Geldmangel auch in diesem Fall nicht unbedingt schön.
Ich versprach ihr, dass ich ihre Stammkundin werden würde, wenn sie das mit den Naturfarben hinbekommt.

Wir standen auf und trotteten den Weg zurück, den wir gekommen waren.
Auf meiner Lieblingswiese wuchs Schafgarbe und Dost.
Den sammelten wir in Gefrierbeuteln, die ich immer dabei habe.
Ich gab ihr eine Schere für die zähen Stengel.
Ich nahm eines meiner Messer zu Hilfe.
Die Kräuter nebst entsprechender Anweisung gab ich ihr mit.
Für ihre Hormone empfahl ich außerdem Rotklee und Johanniskraut.

Als wir zurück zu den Autos gingen, meinte sie, dass der Trip durch den gruseligen Wald mit den Tierschädeln ihr bislang größtes Abenteuer darstellte. Wir lachten und ich versprach ihr gern mehr Abenteuer dieser Art.

Unsere nächste Route soll zu den Steinbrüchen gehen.

Meinen Steinbrüchen.

Zwar ist es neuerdings verboten und es gibt ein rotweißes Flatterband, seitdem ein Mann in die Schlucht gestürzt und sich den Arm gebrochen hatte, aber wenn wir uns im Zwilicht hinschleichen, wird uns sicher niemand erwischen.

hihihi

Da ich diese Frau nun als meine Freundin betrachte, will ich ihr auch einen Namen geben: Ginger.
Wie die Farbe ihrer Locken.


...


Bevor ich das Kapitel abschließe, muss ich noch einen Wermutstropfen los werden.
Gestern ging für meine Tochter Sternchen die Schule wieder los.
Auch für mich war es wieder seit zwei Wochen Urlaub mein erster Arbeitstag.
Und Honigdachs hatte um 8 Uhr einen Termin zur U8 beim Kinderarzt.
Weil das alles kollidierte, musste Poor-Angel kommten und Sternchen bei Zeiten zur Schule fahren.
Fahren deshalb, weil beim ersten Tag immer viel Material transportiert werden muss. Ein Karton voll mit Bastel- und Malsachen und vieles weitere mehr.
Da es obendrein auch stark regnete und gewitterte, war es durchaus angebracht, das Kind mit dem Auto zu fahren.
Mit Regenschirm, Schultasche und schwerem Karton 40 Minuten den Berg hinauf zu steigen ist für eine firsch gebackene Zweitklässlerin nicht zumutbar.
Lief auch alles ganz gut.
Nach der U8 brachte ich Honigdachs in die Kita und hetzte gleich weiter zur Arbeit.
Ich kam 2 Minuten zu spät... :-(
Und dann hatte ich permanent Sekundenschlaf auf der Arbeit.
Es ist zum kotzen. Da stapeln sich Akten bergeweise auf meinem Tisch und ich müsste eigentlich total unter Strom stehen, aber nach der dritten Verfahrenskostenhilfe-Rechnung war ich plötzlich so unsagbar müde.
Auch ist das Gift meiner 60 Stiche noch sehr aktiv.
Darüber hinaus habe ich meine Periode bekommen.
Ein klassischer Montag eben.

Nach der Arbeit musste ich noch allerhand einkaufen und kam ziemlich erschöpft nach Hause.
Was erwartete mich da?
Der Material-Karton meiner Tochter - mitten im Flur.
Ich bin sofort explodiert.
"Sternchen!!!", rief ich, "Warum hast du das Zeug wieder mit heim gebracht?!?!?!!"
Sie kam weinend um die Ecke und war selbst ganz fix und alle. "Die Lehrerin hat mich gezwunden alles wieder heim zu tragen und das war ganz schwer und ich musste ganz viele Pausen machen, bis ein großer Junge kam und der hat mir dann geholfen!"
Mir fiel alles aus dem Gesicht.
In diesem Moment war mir alles egal: Die Tiefkühlsachen im Einkaufskorb, die drückenden Büro-Pumps in denen ich bereits Blasen gelaufen hatte und vor allen Dingen meine gute Erziehung. Ich ließ alles fallen, schnappte mein Handy und rief in der Schule an.
Dummerweise hatte ich die Rektorin höchstselbst am Hörer, als ich los brüllte....
Ich weiß gar nicht mehr, was ich alles vom Stapel ließ.
Aber unter anderem schrie ich, dass die Lehrerin meiner Tochter an die Wand gestellt gehöre.
Und dann war der Ofen aus.
Die Rektorin unterbrach mich und meinte, dass ich so etwas über eine Lehrerin an ihrer Schule nicht sagen dürfe, weil das einem Todeskommando gleich käme und damit verstünde sie keinen Spaß!

Ich atmete tief durch aber ich konnte mich beim besten Willen nicht beruhigen.
Ich war nur noch Hass und Zorn und Blutdurst.
Wer Schikane und Schindluder an meinem Baby verübt, der entbehrt jeder Daseinsberechtigung!
Ich erklärte, dass Frau Lehrerin sich die Scheiße bei mir zu Hause selbst abholen könne und legte auf.

Dann umarmte ich mein Kind, räumte den Kühlschrank ein und ging eine Zigarette rauchen.


Jetzt bin ich am überlegen, was ich in dieser verfahrenen Situation anfangen soll.


Wahrscheinlich das gleiche wie immer...

...zu Kreuze kriechen...


-.-  Kacke

18.8.20 23:15, kommentieren

Mein Teile-Dealer hats verkackt

 


In den letzten Tagen ging es mir sehr schlecht.

Ich hatte über 60 Stiche von einem scheiße giftigen Insekt und jeder Stich bekam eine rote Wanderröte in Form einer Wolke.
Zuerst war ich in der Apotheke und habe mir ein Antiallergikum geholt.
Davon wurde ich ziemlich müde.
Irgendwann wurde mein Zustand so schlecht, dass ich freiwillig zum Arzt geschlichen bin.
Dort wurde mir eine spezielle Salbe verschrieben, die mich 39,- € gekostet hat.
Das hat mich zumindest mal eine Nacht ruhig schlafen lassen.
Anderntags war der Juckreiz aber wieder katastrophal.

Heute ist der erste Tag, wo es mir ein kleines bisschen besser geht.
Die roten Wolken sind nun blass-rosa und das starke Schwindelgefühl hat ein bisschen nachgelassen.
Den Juckreiz hab ich unter Kontrolle gekriegt.

Kein Tag zu früh, denn mein Teile-Dealer schreibt mir beinahe täglich, dass er mich treffen möchte.
Ich versteh das selbst nicht.
Er hat seit 6 Jahren eine feste Freundin und sein Zölibat ist freiwillig.
Aaaaaaber was geht mich das an...

Na, jedenfalls habe ich mich heute zu einem zwanglosen Date breitschlagen lassen. Ich hab sogar die Kinder mitgenommen.
Zuerst waren wir Kaffee trinken in einer Eisdeale in Erlensee. Die Kinder bekamen natürlich ihr Eis und sie haben es fleißig zu Matsch verrührt.
Das Gespräch mit Teile-Dealer lief leider mehr als schräg.
Einer seiner ersten Sätze war, dass ihm meine Augen als erstes aufgefallen seien. Sie würden Selbstzweifel und Unsicherheit ausdrücken und er wollte analysieren, woran das läge.
Ich richtete mich in meinem Stuhl kerzengerade auf und musterte ihn sehr lange, ehe ich ihn fragte, wie er auf diese Scheiße käme.
Der Herr Professor aber ließ sich nicht beirren. Er fuhr fort, dass meine aggressive Reaktion auch nur ein Ausdruck von Unsicherheit sei. Sogar meine Art zu gestikulieren.
Und so ging das ewig weiter...

Ich unterbrach ihn irgendwann und bat ihn, schleunigst das Thema zu wechseln, wenn ihm sein Leben lieb wäre.

Ganz ehrlich. Ich bin enttäuscht.
Ich hatte mich auf Spaß und Freude am Kennenlernen neuer Freunde gefreut. Ich dachte, es würde ein lustiger Nachmittag.
Statt dessen musste ich mich 3 Stunden lang rechtfertigen, dass ich gerne so bin, wie ich bin und dass ich auf feste Beziehungen scheiße.

Wir waren unterdessen auf einen Spielplatz gegangen und saßen nebeneinander auf ner Bank, während meine Mädels sich austobten.
Neben der Analyse meiner "labilen Psyche" war jeder dritte von ihm gepsrochene Satz, dass er nicht sexuell an mir interessiert sei und seiner Freundin treu bleiben wolle.
Nach dem gefühlten hundertsten mal wäre mir beinahe die Faust ausgerutscht.
Statt dessen fasste ich mir ein Herz und erklärte ihm, dass ich mir die Männer selber aussuche und kein Interesse an ihm habe. Er solle das nicht persönlich nehmen, aber er ist mir selbst als Kumpel schon zu kompliziert und zu anstrengend und das kann ich im Augenblick kaum gebrauchen.
Zum Thema Beziehungen erklärte ich, dass ich früher als junges Mädchen durchaus davon geträumt habe, einen Mann, ein Haus und einen Garten zu haben und zu Hause zu bleiben, Kuchen zu backen und hübsche Kleider und Rüschen-Schürzen zu tragen, während mein Mann alleinverdient. In meinem Traum war mein Mann glücklich und kam gerne nach Hause zu mir und er liebte mich und ich vergötterte ihn und war glücklich.
Aber dieser Traum war wie eine Seifenblase geplatzt.
Mein Ehemann hat mich arbeiten geschickt und mir alle Hausarbeiten allein übertragen und ich musste Geld für Miete abgeben und er ist ohne mich in Urlaub gefahren und er war nie für mich da und Sex hatten wir auch keinen. Die Kinder musste ich alleine versorgen und meine einzigen freien Minuten hatte ich abends, wenn ich mich im Bad eingeschlossen und geweint habe.

10 Jahre lang.

Danke.

Das hat gereicht.

Und sei das nicht schon schlimm genug, musste ich mich (vielleicht zum ersten und einzigen mal in meinem Leben) richtig verlieben und daran fast zerbrechen, weil Brander zwar ein guter Mann aber ein beschissener Gefährte gewesen war und mich eigentlich nie gebraucht hatte.
Und wenn die Götter nicht andere Pläne für mich gehabt hätten, dann wäre mein Wunsch nach Ruhe in Frieden auch in Erfüllung gegangen!

Tatsache bleibt:
Ich will nie wieder einen Mann.

Ich konnte Teiler-Dealer nicht anblicken. Aber ich sagte ihm, dass ich nun selbst der Mann im Haus sei und dass ich mir meine hart umkämpfte Freiheit nie wieder nehmen lassen würde.

Ich wechsel meine Reifen selber, ich reinige die Abflüsse selber und ich baue und schraube alles was es sonst zu tun gibt.
Ich lerne jetzt sogar kämpfen.

Und wenn ich dann und wann f#cken will, dann tu ich das und schicke den Lappen anschließend wieder in die Wüste.
Ich sagte ihm, dass ich aktuell mit diversen Männern und sogar mit einer Frau in Kontakt stehe und es GENIEßE!!!!!!

Ich sagte ihm auch, dass ich als Jugendliche von meinem Vater über lange Zeit hinweg immer wieder missbraucht worden und daraufhin eine Ewigkeit in Therapie gewesen war und dass meine Sexualität vielleicht deshalb ein bisschen absonderlich geraten, dafür aber einzigartig ist.
Das bin nun mal ich.
Und ich muss durch keine beschissene Schablone passen, um den gesellschaftlichen Konventionen gerecht zu werden.

Und der einzige Ort, an dem ich vielleicht noch "unsicher" oder "schwach" oder einfach nur "Frau" sein will, ist im Bett.
Im Bett und sonst nirgends.


...

Ganz ehrlich, Leute?
So selten, wie ich einen Mann finde, dem ich vertrauen will und der bereit ist mit mir ungehemmt die Wonnen zu teilen, muss ich echt verdammt lange Haltung wahren und meine Maske aufrecht erhalten.
Seit Halfdan war es mir nicht möglich, diese Hüllen abzustreifen.

Letzte Nacht war ich so frustriert, dass ich wieder Heulkrämpfe hatte und schließlich eine hohe Dosis Waldmeister rauchen musste, um mich zu beruhigen.

Meine Götter.
So hart kann ich gar nicht werden, dass ich dieses Leben ein ganzes Leben lang ertrage.


Warum wird mir nur dieses letzte bisschen Glück, dass ich mir noch erhoffe, so vehement versagt?

Ich weiß es nicht.

 

 

Nur ein einziges Echo hallt immer wieder wie die Antwort auf alle Fragen durch meine geschundenen Hirnwindungen:

Ich bin zu sehr ich.

 

 

 

 

13.8.20 22:05, kommentieren



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