reflections

Frau steht Mann - Mann bleibt sitzen



Seit Beginn diesen Monats versuche ich also auf die Füße zu kommen.
Ich habe eine renovierungsbedürftige Wohnung zu günstigen Konditionen ergattert und arbeite wieder Vollzeit. Das wirft gleich zwei Probleme auf: Wer hütet meine Kinder und wann renoviere ich meine Wohnung?
Die Lösung liegt nahe: Hotel Mama

Poor-Angel bietet mir und den Kindern Obdach und betreut Honigdachs und Sternchen, während ich arbeite. In den Mittagspausen fahre ich in die Wohnung um zu renovieren. Seit mittlerweile 28 Tagen führe ich eine Art Tagebuch, bzw. Dokumentation über meine Fortschritte. Das heißt, ich schieße täglich ein Foto von meinem Projekt und schreibe in Facebook einen Beitrag dazu.
Es sind nur kleine Fortschritte. Aber wie heißt es so schön: Jeder Handgriff ist ein Sieg über das Chaos.
An einem Tag schaffe ich es eine Tapetenbahn abzureißen. Manchmal baue ich auch einen Schrank zusammen oder schleppe Kartons in meine Baustelle.
Mein Vermieter muss mich langsam für verrückt halten. Da bezahle ich für eine Wohnung, die ich nicht mal bewohne. Ich komme nur zum Krachmachen vorbei und verschwinde dann wieder.
Aber immerhin: Ich habe jetzt eine Waschmaschine, einen Kühlschrank, einen Gasherd, eine Spüle, eine Spülmaschine, eine Gefriertruhe und ein Doppelstockbett für die Kinder.
Eine ansehnliche Reihe Schränke und Kommoden sind auch schon zusammengeschraubt. Von dem Muskelkater in meinen Unterarmen brauche ich gar nicht zu sprechen! Mann, ich brauche endlich einen Akkuschrauber!
Am meisten bin ich jedoch von mir selbst überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass mir solche Dinge gelingen würden. Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hat immer so ein großes Bohei um Männerarbeiten gemacht, dass ich wirklich Berührungsängste hatte. Ich hätte fast meine Bohrmaschine fallen gelassen, als sie das erste mal "Summm" gemacht hat. Ich bedaure es so sehr, dass ich mir nie das nötige technische Verständnis und das handwerkliche Geschick angeeignet habe, welches ich jetzt so schmerzlich misse.
Aber gut. Es geht auch ohne. Es dauert nur alles sehr sehr lange und ich bin so ungeduldig mit mir selbst und der ganzen Situation.

Abends nach der Arbeit habe ich noch weniger Zeit. Da düse ich dann zu meiner Mutter, um ihr die Kinder abzunehmen. Poor-Angel hat schlimm mit ihrer Arthrose zu kämpfen und quält sich darüber hinaus seit Monaten mit einem chronischen Husten. Die Kinder fliegen nahezu in meine Arme, kaum dass ich zur Tür herein komme. Es ist auch für sie eine ungewohnte Situation, mich den ganzen Tag nicht zu sehen.
Es tut mir so leid, ihr Süßen.

Jetzt wäre eigentlich der Vater gefragt, aber Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hat es nicht versäumt, bei seinem einmaligen Besuch den Kindern lauthals einzutrichtern, dass er jetzt noch viel mehr arbeiten müsse, weil er wegen dem Unterhalt kein Geld mehr hat.
Oh, der arme Mann! Der arme Mann mit den 3 Autos und den 3 Motorrädern und dem großen Haus. Der arme Mann, der im Februar das Erbe seines verstorbenen Vaters ausgezahlt bekommen hat. Der arme Mann, der selbst beim Mindestunterhalt in die Überweisung schreiben musste: "unter Vorbehalt"!
Nächste Woche fährt er auf eines seiner Treffen. Keine Ahnung welches. Er lässt keine Party aus - egal ob Opel-Treff, Oldtimer-Treff, Manta-Club, Militaria-Stammtisch, H2-Party, Beschleunigungsrennen, Falken-Motorradclub-Party oder was auch immer. Eben erst war er eine Woche zur Kawasaki-Ausfahrt in Norwegen gewesen. Bald ist er auch wieder eine Woche in Österreich.
Der arme Mann, der noch nie seiner Familie einen Urlaub spendiert hat.
Der arme Mann, der jede Woche mehr und mehr Uhren bestellt.

Warum muss er nur immer wieder die Kinder da mit rein ziehen??
Ich habe schon gar keine Lust mehr mich zu rechtfertigen. Dieses Geplänkel kann er sich ebensogut sparen.

Trotzdem ist es schon ulkig: Während ich versuche zu lernen wie ich selbst meinen Mann stehe, lässt er sich hängen und redet sich selber und allen anderen den größten Quatsch ein, statt dass er mal lernt "seine Frau zu stehen". Soll er doch mal liebevollen Umgang pflegen oder lernen etwas zu Essen zu kochen, das nicht nach Fertigpizza schmeckt. Er könnte meiner Mutter auch mal außerhalb der gesetzlichen Umgangszeiten die Kids abnehmen. Aber nein - er jammert lieber.
Er stürzt sich in seine Arbeit und seine Hobbys, weil ihm das vertraut ist und es keiner größeren Anstrengung bedarf. Ich würde es besser finden, er würde mal ein paar Augenblicke zur Ruhe kommen und in sich gehen. Vielleicht würde er zu der Erkenntnis gelangen, dass er an seiner Lage selbst schuld ist?

Aber genug davon.

Ich will mich nicht unnötig kasteien.
Den Kindern geht es gut. Sie sind lebendig und gesund und in liebevoller Obhut. Die Zeiten werden sich auch wieder ändern und dann werde ich wieder öfter da sein.
Und die Schulden? Naja, gut ich habe zwei Darlehensverträge laufen und muss nun ein paar Jahre Überstunden sammeln, um die zweitausend Euro wieder zurück zahlen zu können. Aber früher oder später wird auch das keine Sorge mehr sein.
Und meine Never-Ending-Baustelle? Ja, mein Gott, das schaffe ich auch noch. Es darf ruhig dauern so lange es will - Hauptsache es wird perfekt. Das ist mir das wichtigste: mein eigener Stil. Alles wird so schön. In meinem Kopf habe ich schon sehr genaue Vorstellungen.

Ich bin schon so weit gekommen.
Alles andere wird sich weisen.

Ich bin sicher, andere Leute haben ähnliches schon überstanden.

 Was mache ich mir Sorgen!





28.6.18 21:13

Letzte Einträge: Kopfschmerzen, Wie ein schlechter Film, Fährten, Mein neues Ding, Alles Chlor im Rohr

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Smart-Fahrerin (29.6.18 13:15)
Du hast bis jetzt so viel geschafft!
Du schaffst noch viel mehr!
Mittlerweile wirst auch du gemerkt haben, dass in dir eine sehr starke Frau steckt
Und lass den Mann reden was er will. Er wird sich in der Hinsicht nie ändern. Wenn die Mädels alt genug sind um die Lage zu verstehen wird er es sich selbst mit ihnen vermiesen...
Traurig, aber so wird's wohl kommen.

Fühl dich gedrückt


Mann (29.6.18 16:45)
Tja, ich bin ein Mann und muss sagen dass der Vater da ein Riesen-Arschloch sein muss. Gibt's leider viel zu oft unter uns Männern.

Aber lieber ein Praxis-Tipp ... ich weiß nicht ob es in deiner Stadt Tauschkreise gibt, bei denen man Tätigkeiten untereinander tauschen kann. Also das dir jemand beim renovieren hilft, damit du deine Wohnung möglichst schnell bezugsfertig hast und du dann später im Gegenzug anderen hilfst wenn du deine Zeit besser planen kannst.

Ich drück dir die Daumen. Coole Frauen braucht das Land!


little-big-mom (6.7.18 16:49)
Wow, ich habe gerade die Kommentare von euch gefunden.
Es ist wunderbar zu wissen, dass meine kleine Flaschenpost von einigen Menschen gefunden und gelesen wurde. Noch mehr freut mich natürlich das positive Feedback. Ich danke euch so sehr

@Mann: tut mir leid, dass Männer in meinem Blog so schlecht bei weg kommen. Es macht mich sehr verlegen, wenn ich auf "normale" Männer stoße. Da fehlt mir irgendwie die Erfahrnung ;-)
Aber danke, für deinen Tip. :-)

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