reflections

Kopfschmerzen

 

Manchmal gibt es Tage, da spürt man die Last des ganzen Erdenrunds auf den Schultern.

Da bringt es auch nichts, sich an seiner Gesundheit oder dem Dach überm Kopf zu erfreuen.

In so einer Phase stecke ich gerade.

Zwar bin ich durchaus bemüht, die trüben Gedanken abzuschütteln, aber sie kommen trotzdem immer wieder in mir auf und geben mir keine Ruhe.

Darum schreibe ich mir heute die deprimierenden Worte von der Seele, damit sie vielleicht endlich Ruhe finden.

 

Angefangen hat es vor einigen Tagen – an meinem 32. Geburtstag – als eine gut bekannte Mandantin unserer Kanzlei verstorben ist. Sie war etwa in meinem Alter und hatte drei Tage zuvor ihr drittes Kind zur Welt gebracht. Die beiden älteren Kinder waren so alt wie meine zwei Süßen. Unter den Geburtswehen scheint der Frau jedoch unbemerkt ein Aneurysma geplatzt zu sein, so dass sie nach ihrer Entlassung zu Hause an Hirnblutungen verstarb. Sie war genau wie ich alleinerziehend. Und wir hatten uns noch vor nicht allzu langer Zeit unterhalten, dass sie einen Schwimmkurs für die älteste Tochter plant und dass sie das erst umgangsrechtlich mit dem Exmann klären muss, weil der Kurs immer samstags stattfindet. Und ich hab noch den Gerichtstermin verschieben lassen, weil er sich mit dem Entbindungstermin geschnitten hätte.

Jetzt hab ich ihre drei Akten hier liegen und meine Aktennotiz obendrauf, die ich tränenblind geschrieben habe.

 

Die ganze Geschichte hat mich echt nachdenklich gemacht.

Wenn mir mal was passiert, sind meine Kinder ganz allein und nicht mal fähig Hilfe zu rufen. Sie würden wahrscheinlich einfach nur weinen.

 

Ich schätze, das war der Tropfen, der das Fass bei mir zum Überlaufen gebracht hatte. Jetzt sitz ich in einem Loch und umgebe mich mit Schwermut und blase Trübsal.

Auch lassen mir die banalsten Probleme keine Ruhe. Sie ragen wie die steile scharfkantige Wand eines Bergmassivs vor mir auf und meine Ausrüstung ist ein verheddertes Knäuel ohne Anfang und Ende.

 

Aber gut.

Fangen wir also an, die Dinge beim Namen zu nennen:

 

Seit zwei Wochen bin ich ohne Auto.

Das ist eigentlich nichts tragisches, denn so geht es vielen auf der Welt, aber es macht mich emotional total fertig. Der Mensch ist natürlich ein Gewohnheitstier und so werde ich mich eben über kurz oder lang mit dem Schicksal arrangieren müssen.

Von der Frage: Wie hole ich einen Kasten Wasser? bis: Wie komme ich zum Kinderarzt? stellen sich mir nun viele viele Hürden, die es noch zu meistern gilt.

Dazu muss ich erwähnen, dass es im Umkreis von 30 Kilometern keinen Kinderarzt gab, der meine Kinder behandeln wollte. Ich habe wochenlang hin- und hertelefoniert und mich regelrecht beworben, aber es half alles nichts. Im gesamten Main-Kinzig-Kreis herrscht der Aufnahmestopp. Das ist so etwas ähnliches wie ein Ärztestreik im weitesten Sinne.

Selbst meine Chefin, die eine einflussreiche und bedeutende Frau mit vielen guten Beziehungen ist, konnte mir erst nach Monaten zu einem Arzt verhelfen, der seine Praxis in Bad Orb hat.

Mit dem Auto wären das ca. 20-30 Minuten von hier.

Jetzt ohne Auto ist es für mich eine schier unlösbare Aufgabe.

Und das ist nur eine der Hürden, um mal ein Beispiel zu nennen.

 

Zum anderen ist es eben auch die Gewissheit, dass mein erstes Auto von mir gegangen ist und ich nicht weiß, ob ich mich an ein Neues überhaupt gewöhnen werde. Mein Passat BJ93 ist mit mir über die Jahre zu einer Einheit zusammen geschmolzen, dass ich ihn blind hätte fahren können. Ich kenne das Ding in- und auswendig wie meine Westentasche.

Selbst wenn ich einen Gebrauchten so um die Jahrtausendwende anschaffe muss ich mich umgewöhnen… Nix Bremszug mehr, sondern flying by wire! Keine Fensterkurbel, sondern Elektroquatsch. Von Zentralverriegelung und sonstigem Teufelszeug ganz zu schweigen!

Ich brauch das alles einfach nicht! Ich will keine Assistenten, Bordcomputer, Klimaanlagen oder elektrisch verstellbare Außenspiegel. Ich will keine Wegfahrsperre, keinen Regensensor und keinen Safemodus im Radio, wenn ich mal schnell die Batterie abklemme. Ich will ein funktionales praktisches mechanisches Auto für Erwachsene und keine entgangene Lebensfreude auf 4 Rädern!!!

 

Tja und dann darf der Spaß nicht mehr als 2.000,- € kosten.

 

 

Der Herr möge mir bei meiner Suche beistehen.

 

…Oder wenigstens irgendein Herr. Ich hab doch keine Ahnung…

:-(

 

 

5.10.18 10:09

Letzte Einträge: Fährten, Mein neues Ding, Alles Chlor im Rohr, Trennung, Liebeskummer, Galgenmännchen

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