reflections

Trap trap der Trapper - stampf polter klirr kreisch ....die Kinder

Manchmal wenn der Tag lang war und die Kinder endlich ruhig in ihren Betten liegen, setze ich mich mit meiner VR-Brille auf die Couch und gönne mir etwas Zeit für mich. Gelegentlich ist ein langer Tag sogar eine kleine Piccolo-Flasche Erdbeer-Sekt wert. Um mich aber wirklich in ferne Realitäten vorzuwagen bedarf es meines Handys und eines Erwachsenen-Chat's mit einem echten Mann aus Fleisch und Schmutz.

Nicht dass ich ernste Absichten hätte, aber von Zeit zu Zeit darf man sich neben seinen zahlreichen Rollen als Mutter, Sekretärin und Co. auch mal als Frau fühlen.

Ich hatte neulich einen interessanten Chat mit einem Kerl, der etwas jünger ist als ich und der absolut kein Talent für CyberSex hat. Es gipfelte darin, dass er Fotos von mir wollte. Die hab ich auch gemacht. Allerdings musste er sich die Bilder erst durch zahlreiche "Quests" verdienen. Da er sich rechte Mühe gab mir gefällig zu sein, hab ich ihm ein Bild von mir aus der Dusche geschickt (Gesicht und erogene Zonen mit Sticker und Blumen verdeckt), obwohl er wirklich mieserabel geschrieben hat.

Nachdem ich das Spiel dann beenden wollte, musste ich leider feststellen, dass der Typ Blut geleckt hatte und nicht mehr so leicht abzuschütteln war. Die Geister, die ich rief.... herrje

Wir hatten dann von Zeit zu Zeit noch losen Kontakt, den ich immer wieder abbrach, wenn er mir zu aufdringlich wurde. Eigentlich hätte ich ihn gänzlich abschießen und auf whatsapp blockieren sollen, aber ich brings nicht über mich. Auch wenn er noch so dämlich ist, er ist ein Mann und er hat Interesse an mir und das hat auch etwas schmeichelhaftes an sich.

Außerdem ist es nett, sich dann und wann mit einem Erwachsenen zu unterhalten. Nicht unbedingt von Angesicht zu Angesicht, aber in der Sicherheit meiner Wohlfühlzone, wo ich Zeit habe über eine passende Antwort zu grübeln, macht mir das echt Spaß.

 

Warum das in RL einfach nicht funktioniert liegt wahrscheinlich an meiner ganzen menschenverachtenden Art. Wann immer man eine Gruppe Leute beobachten kann, werde ich stets abseits zu finden sein. Kann sein, das liegt daran, dass ich als Kind immer von den Grüppchen ausgeschlossen wurde, so dass ich nie so recht ein adäquates Sozialverhalten lernen konnte; kann aber genausogut sein, dass das einfach von Grund auf nicht mein Ding ist, mich zu irgendwelchen Fremden zu gesellen und so zu tun, als würde ich mir ihren Tratsch anhören.

Ich kann ja kaum auf der Zeil spazieren gehen, weil ich die Menschenmassen so gruselig finde. Warum sollte ich also Vergnügen daran empfinden, mich ungefragt an eine ganze Gruppe anzupirschen  und einem Thema zu folgen, dass  ich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht kapiere oder mich im günstigsten Fall nicht interessiert.

So ist es auch im Kindergarten oder im Kinderturnen. Die Eltern scheinen sich irgendwie alle untereinander zu kennen und - zu meinem großen Entsetzen - die ganze fremde Brut auch. Ich für meinen Teil kann gar nicht sagen, was ich schlimmer finde: fremder Leute Kinder oder deren Eltern. Jetzt mal im Ernst: Was sind das bitte für Eltern, die sämtliche Konstruktionspläne aller Kinderturn-Stationen auswendig und in freiwilliger Gruppenarbeit und vorbildlicher Geschwindigkeit aufzubauen vermögen???

Ich fühlte mich heute befleißigt einen der Zettel zu nehmen und mitzuhelfen. Allerdings wusste ich nicht mal was für ein Gerät mit dem Wort "Barren" überhaupt gemeint war. Der Kasten, den ich fand, war es jedenfalls nicht. 

 Aber ich halte mir tapfer vor Augen, wofür ich das alles mache: Mein Honigdachs. Honigdachs ist 2 Jahre alt und hatte vorher noch keinen einzigen Kurs. Natürlich habe ich da ein schlechtes Gewissen.... Sternchen war in dem Alter bereits in gefühlten tausend Kursen und Vereinen gewesen. Meine Kinder sollen schließlich keine solchen emotionalen Krüppel werden wie ich! So habe ich also darum gekämpft montags nur noch vormittags zu arbeiten, damit ich zu diesem Hottentottenverein gehen kann. Leider ist Honigdachs wenig begeistert. Sie mag weder andere Kinder in ihrer Nähe haben, noch zeigt sie sonderliche Begabung für die gepolsterte Gummizellen-Hiba. Tatsächlich gibt es jede Woche einen anderen Unfall. Letzte Woche eine aufgeschlagene Lippe. Heute ein Rückwärts-Salto von einem Ding, das wie die größere Version von dem Teil das ich für einen Barren hielt aussah. Sie hatte dann auch keinerlei Ambition mehr weiter zu turnen und saß nur unglücklich herum.

 Schließlich hatte ich genug und bin mit Honigdachs noch vor Ende der Trip-Trap-Stampede abgehauen.

 Mit Sternchens Kindergarten ist es das gleiche in grün. Lauter gute Menschen... Oh sie sind ja alle so gut! So gut, dass ich der Whatsapp-Gruppe beigetreten bin und keine einzige gestellte Frage beantwortet bekomme, während alle anderen sich wunderbar austauschen können.

Jaja, die freundlichen Eltern anderer Kinder. Es ist mir immer wieder eine Freude, ihre Bekanntschaft nicht zu machen.

 

 

Entgegen allen jetzt sicherlich vorherrschenden Vorstellungen über mich, muss ich jedoch gestehen, dass mich von Zeit zu Zeit die Verrücktheit übermannt und ich mich dann in einer kuschelig dicht gedrängten Disco wieder finde. Wenn ich von Musik getragen in ferne Sphären schwebe, bin ich ein anderer Mensch. Wenn ich dann noch an Alkohol rieche, ist es ganz aus. Dann fallen alle Hemmungen von mir ab und ich kann mich stundenlang zwischen irrlichtenden Lasern und fremden Schatten dem Rhythmus hämmernder Beats hingeben, ohne überhaupt an irgendwas um mich herum zu denken. Es gibt nur das Dröhnen und Vibrieren der Musik, den Dampf, der mir die Sicht nimmt und das sich im Takt Wiegen und Kreisen meiner Glieder und all der Leiber um mich herum. Am schönsten war es, wenn ich meine Freundin vor mir sah, wie sie sich ebenfalls in den Rausch fallen ließ. Sie war ein zierliches elfenartiges Wesen zwischen all den dunklen Gestalten und sie bewegte sich mit einer Geschmeidigkeit, dass es Spaß machte zuzusehen. Ich genoss diese offene und ehrliche Freizügigkeit gepaart mit dem Wissen, dass wir uns dieses Level teilten. Insbesondere, da diese seltenen Momente leider viel zu spärlich gesät waren. Wir beide waren immer zu beschäftigt. Wir beide berufstätige Mütter. Und natürlich zeitlich wie finanziell eingeschränkt. Lustigerweise tickt sie so ähnlich wie ich und kann gewissen Gruppen von Menschen auch nicht allzuviel abgewinnen. Wir beide haben so gut zu einander gepasst, uns verstanden und konnten so wunderbar mit einander reden und scherzen. Jetzt bin ich in die Pampa gezogen, wo es so etwas wie eine anständige Disco überhaupt nicht gibt. Und sie ist in die Schweiz ausgewandert und für mich damit so sehr außer Reichweite, als befände sie sich auf einem anderen Stern.

 

"Mein Herz, wir sind so weit von einander getrennt. Aber wenn man's bedenkt: Eine Meile zwischen uns ist so schlimm wie tausend."

 

 

Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder...

 

Auf einem Broke Back Mountain oder im nächsten Leben.

 

Ich vermisse dich

 

 

 

 

 

5.11.18 17:13

Letzte Einträge: Kopfschmerzen, Wie ein schlechter Film, Fährten, Mein neues Ding, Alles Chlor im Rohr

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen


Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung