reflections

Mein Erster war der Beste

Ich hasse mein neues Auto.

 

Ehrlich.

 

Ich kann es gar nicht oft genug betonen. Es ist mir von Grund auf unsympathisch.

 

Geht das nur mir allein so, dass ich einem 08/15-Gebrauchsgegenstand wie - sagen wir einem Auto einen Charakter beimesse? Und ist es nicht so, dass man den Charakter eines jeden Individuums oft schon in der ersten Sekunde der Begegnung nach Sympathie bewertet?

Naja, zumindest ist das bei mir so.

Und aus vollem Herzen darf ich behaupten, mein Auto besitzt das Charisma eines minder bemittelten Techno-D.J.‘s – man will beim bloßen Anblick drauf einschlagen. Keine Ahnung. Ist so ein Bauchding.

Am liebsten würde ich es in einem alten verlassenen abrissreifen Parkhaus vergessen und nie mehr zurück kommen.

Ich mag den Anblick nicht. Ich mag die Fahrgeräusche nicht. Ich mag nicht mal den Geruch.

Im Vergleich zu meinem ersten Wagen, ist das nicht mal ein richtiges Auto. Es ist ein charakterloses Stück Blech mit abgewetzten Sitzen und abgegriffenen Kunststoffteilen. Da ist null Seele. Null Herz.

Und wenn dieses Ding nicht mit Liebe fährt, um des Lebens Willen und weil es noch was sehen will von der Welt, dann fahr ich das Ding auch nicht mit Liebe.

Ich fahre damit zur Arbeit, als würde ich in einem Bus sitzen.

Es ist so unpersönlich, wie die Computerstimme einer Telefon-Hotline. Da hilft auch nicht die weihnachtlich blinkende Wasserstandsanzeige!

 

Und ich weiß - so sicher wie das Amen in der Kirche, dass ich dieses Ding niemals NIEMALS  lieb haben werde.

 

 

Ein anständiges Auto macht nicht einfach nur Brumm oder Pöddel. Es muss sein Lied singen, als hätte es schon viel mit einem gemeinsam erlebt; als hätte es etwas zu erzählen. Man muss die Lebensfreude aus dem Schnurren der Gänge heraushören und das freundliche Nicken der Stoßdämpfer spüren können.

Und um die Züge der Front: der Schimmer eines seeligen Lächelns nach einer sportlichen Fahrt.

 

 

 

Ich will mein erstes Auto zurück. :‘-(

 

 

 

Meinen vorsichtigen Erkundigungen zufolge, ist der Passat allerdings der freiwilligen Feuerwehr gespendet worden, damit sie ihn bei der nächsten Übung zu Kleinholz zersägen dürfen.

 

 

 

Falls es im Himmel Parkplätze gibt, hoffe ich, dass ich meinen weißen Riesen dort wiederfinden werde

 

 

 

7.12.18 13:58

Letzte Einträge: Kopfschmerzen, Wie ein schlechter Film, Fährten, Mein neues Ding, Alles Chlor im Rohr

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


lifeminder / Website (7.12.18 19:52)
Hallo, Little-big-mom!

Ein sehr unterhaltsamer Blogeintrag. Hat mir echt gut gefallen, wie du den sogenannten Seelenlosen Gebrauchsgegenständen einen Charakter gibst. - Auch die Überlegung, das man im Himmel nicht nur seine Lieben wieder trifft, sondern auch solche Dinge wie sein Lieblingsauto - super!

Leider hab ich erst heute deinen Blog entdeckt, von nun an, haste sicherlich einen Leser mehr!


Liebe Grüße
Lifeminder


PP / Website (8.12.18 15:21)
Du hast eine gute Art, deinen "Missmut" zu verarbeiten. Satiren entstehen aus solchen Gedanken und dies oben ist eine Satire, humorig und aus der Realität, zum Nachdenken und Weiterdenken::

Wenn es im Himmel Parkplätze gibt, gibt es auch gebührenpflichtige Abschleppdienste. Hoffentlich steht dein Auto noch lange, denn ich wünsch dir ein langes Leben, auch wenn die Auslösung des Wagens dann etwas teurer wird LG PP

PS: Deine letzten Überschriften zeugen auch von einem Menschen mit Spaßfaktor .. bei all deinem Kummer .. Aber nur der Humor lässt uns das Leben ertragen.


marmotte (15.12.18 00:14)
wie kann ein altes ein neues sein
ein schrotthaufen geliebt sein
spende diesen neuen alten schnellstens der feuerwehr
stell dein licht nie mehr unter einen scheffel
hau rein, was gibt es zu verlieren

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