reflections

Hörner-Helm-Desaster



Ich verlasse an dieser Stelle den wilden Westen und tauche in die frühmittelalterliche Welt der Wikinger und Germanen ein.

Wie in meinem vorangegangenen und eigentlich abschließenden Eintrag geschildert, schreibe ich seit einem dreiviertel Jahr bei FanFiktion.de zu dem Fandom "Dragons" bzw. DZLG.
Im Zuge dessen habe ich mir auch ein wenig Basic-Wissen um das Leben im ersten Jahrtausend n. Chr. aneignen müssen und bin durch verschiedene Internetseiten, Foren und Facebook-Gruppen gestolpert.
Weil das nicht genug war, habe ich mittelalterliche Veranstaltungen und Märkte besucht und Feldschlachten beigewohnt.

So kam es, dass ich einen Mann kennen lernte.

Au weia, jetzt wirds peinlich.

Hatte ich doch eigentlich der Männerwelt glückselig und bis ans Ende aller Tage abgeschworen, um fortan selbst meinen Mann zu stehen und Eigenverantwortung zu beweisen, so musste ich schlussendlich feststellen, dass kein Versteck auf Erden sicher genug ist für diese verfluchten Biester.
Ich wurde also gefunden.

Es geschah in einer Facebook-Gruppe, die sich mit dem Handel von Mittelalterwaren beschäftigt.
Der gewisse Jemand - nennen wir ihn Brander - hat dort einen sogenannten Trollpost abgelassen (von wegen, wie man für eine authentische Darstellung Hörner an den Helm bekommt).
Ich - unbedarft, um nicht zu sagen dämlich - hatte bis dahin keine Ahnung, dass es Menschen gibt, die sich mit dieser Art Fake-Postings ein zweites Loch in den ...äh... Po freuen, wenn die kommentierenden Hater in regelrecht orgiastischer Verzückung ihren Shit-Storm ablassen.
Für mich war das ein gesichtsloser Fremder, der in Schwierigkeiten geraten war und der dringend Hilfe benötigte. Ich habe mir nicht mal sein Profil angesehen, als ich ihm auch schon zur Seite sprang und in kläglichster Manier meine Verteidigungshymne anstimmte. Natürlich ließ die Replik nicht lange auf sich warten und ich erntete eine ganze Salve von Hohn und Spott.
Wahrscheinlich zurecht.
A-Päpste mögen asoziale Besserwisser sein, aber in der Regel wissen sie es auch tatsächlich besser. Meinen Ideen von künstlerischer Freiheit begegnete man mit Daten, Fakten und glaubhaften Belegen.
Darüber hinaus wurde ich auch sehr rüde auf den scherzhaften Grundgedanken des Ursprungs-Postings hingewiesen, was mich noch weiter in die Schranken wies.
Als ich schon wie ein geprügelter Hund und Entschuldigung bat, trat Brander auf den Plan. Er ließ es sich nicht nehmen, den Gegnern noch ein wenig Feuer zu geben für ihr derbes Benehmen. Da erst erkannte ich, wie albern es von mir gewesen war, ausgerechnet einem Menschen beigestanden zu haben, der meine sogenannte Hilfe am allerwenigsten auf der Welt nötig hatte.
Er war der Typ Mann, der schnell, hart und zielsicher durchzugreifen weis. Der sich in wenigen Augenblicken Ellbogenfreiheit verschafft. Der selbst die vorlautesten Leute verstummen lässt.
Und das war nur sein anonymer Internet-Auftritt.
Dass er in Wahrheit die Statur eines Türstehers und den Mut und den Wahnwitz eines leibhaftigen Berserkers besitzt, konnte ich da noch nicht ahnen.

Der Zufall wollte es also, dass sich unsere Wege kreuzten.
Und ein noch größerer Zufall wollte es, dass wir uns auf Messenger und später auch bei Whatsapp schrieben.
Und der größte Zufall war es wohl, dass ich bei unserem ersten gemeinsamen Telefonat heimlich anfing zu masturbieren.

Bevor ihr jetzt falsch von mir denkt - sowas hab ich vorher noch nie gemacht. Aber mir war langweilig und mir stand der Sinn nach Nervenkitzel.
Wer schon mal Sex in der Öffentlichkeit hatte, weiß wovon ich spreche.
Es ist nichts weiter als der Reiz des Verbotenen. Die Angst erwischt zu werden.
Und was soll ich sagen?
Ich wurde erwischt...

Grrrrrr......

Er erzählte und erzählte über dieses und jenes und auf einmal wurde er stutzig.
Habe ich zu hastig geatmet?
Hat der Rhythmus meiner Hand ein Geräusch im Telefon verursacht?
Ich bin nicht sicher.

Nachdem ich merkte, dass er Bescheid wusste, legte ich schnell auf.

Völlig von Panik übermannt überlegte ich, ob ich schon wieder umziehen, mein Handy verbrennen und - was wohl am schlimmsten gewesen wäre - mein Facebookprofil löschen müsste...
Tatsächlich geschah überhaupt nichts dergleichen. Er nahm es mit Humor und erklärte bloß, dass es sehr unhöflich sei, so etwas allein für sich zu machen.

Nachdem in den folgenden Tagen und Wochen unsere Beziehung auf eine intimere, um nicht zu sagen erotischere Ebene gehoben wurde, fühlte ich zum ersten mal seit langem das Verlangen, einem Mann - diesem Mann - nahe sein zu wollen.
So kam es, dass er mich für ein verlängertes Wochenende hier in Hessen besuchte.

Ich will nicht lügen.
Es waren die schönsten Tage meines Lebens. Es war ... unbeschreiblich!

Die Kinder hatte ich derweil bei meiner Mutter abgeschoben.^^

Ich wusste natürlich, dass eine solche Verliebtheit bei Männern nie von langer Dauer ist- auf diesem Gebiet habe ich Erfahrung - aber er blieb auch den weiteren Monat über hartnäckig und liebestoll und sehr sehr entgegen kommend. So sehr, dass ich Ende Juli beschloss, zu einem gewagten Manöver in den Norden zu brettern. Ja, ohne Orientierungssinn, mit einer unzuverlässigen Schrottkarre und tatsächlich ohne genauem Plan, was mich dort erwarten würde. Ziel war die Halbinsel Rügen, wo ich Brander zum ersten mal in seiner Rolle als Anführer seiner germanischen Sippe kennen lernen sollte.
Was für ein Abenteuer!
Das Lagerleben erwies sich als mittelalterliche Version eines Camping-Urlaubes. Es wurde getrunken. Es wurde Musik gemacht. Es gab zahlreiche Händler und Darsteller und es wurde auch gekämpft. Mir taten die Männer in ihren schweren Rüstungen fast ein bisschen leid. Die Sonne heizte selbst mir in meiner langen Gewandung schon ganz gut ein.

Da Brander in seinem leidenschaftlichen Naturell dem meinen in nichts nachsteht, kam es sogar zu dem einen oder anderen Zwist. Aber die Versöhnung hinterher war jedesmal umso freudenvoller.
Endlich hatte ich mein Spiegelbild, meinen Seelenpartner gefunden. Ein Mann, dem Sex Spaß machte!
Er begegnete meiner Unersättlichkeit mit einer Hingabe, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte.

Es warf mich regelrecht in ein Loch, als ich ihm abermals adieu sagen musste.
Und als sei der Abschied nicht Strafe genug, knüppelte ich die 850 km mit nur eine Pause zurück, als wollte ich mich selbst kasteien, um den schmerzlichen Verlust nieder zu peitschen.
Als ich im Morgengrauen in meine Wohnung stolperte, hatte ich Tinitus auf beiden Ohren und Taubheitsgefühle in den Fingerspitzen. Nach zwei Stunden Schlaf, fuhr ich die Kinder holen.

In den Wochen dannach geschah das, was ich erwartet und befürchtet hatte.
Die Wichtigkeit meiner Rolle in seinem Leben nahm in der Geschwindigkeit ab, wie seine bei mir anschwoll.
Seine Botschaften wurden fahriger. Seine Sucht nach Erotik wich gesättigter Befriedigung und der sicheren Gewissheit mich erfolgreich für sich eingenommen zu haben.
Bei mir dagegen spielten die Gefühle Achterbahn und ich starrte mehr auf mein Handy auf der Suche nach einem Zeichen von ihm, als es gut für mich war. Mein Haushalt kam zum Erliegen, meine Kinder kamen zu kurz und auf der Arbeit hatte ich nur noch halbe Kraft. Ich lechzte regelrecht nach Aufmerksamkeit von ihm und war heilfroh und dankbar für jedes freundliche Wort das kam.

Ich bin krank.

Ich hab ein Problem und weiß es.

Meine Art zu lieben, war schon immer rein destruktiv.
Am liebsten hätte ich ihn rund um die Uhr mit Nachrichten und Bildern bombardiert, doch er fing bald zu maulen an, dass ich Rücksicht auf seinen begrenzten Speicher nehmen solle und dass er nicht die Zeit hat, sich ständig meine ewig langen Sprachnachrichten anzuhören.

Das hätte mir eigentlich Warnung sein sollen. Es hätte meinen Enthusiasmus dämpfen und mich zurück in die Wirklichkeit befördern sollen.

Aber ich bin zu unfähig mich aus eigener Kraft aus dem Wirrwarr zu befreien, in welches ich mich rettungslos hinein manövriert hatte.

Und es war auch verwirrend - und ist es eigentlich jetzt noch.

Mal spricht er von Liebe und Vertrauen und dass er mit mir ein gemeinsames Leben anstrebt, mal ist er genervt von mir und meinen Avancen und zieht sich über etliche Stunden zurück.

Der Mann hat Recht.
Er tut nichts falsches.

Ich bin diejenige, die endlich klar kommen muss.

Verdammte Liebe.

Sie ist eine Droge. Eine Droge. Eine Droge und sonst nichts!

Eine Illusion.

Ein einseitiges Geschäft.

Sie existiert nicht wirklich!


Warum kann ich nicht aufhören zu denken und zu nerven und zu nerven und zu denken?

Ich will, dass es bei mir auch nachlässt, damit ich wieder auf einer Ebene mit ihm sein kann.


Mich abzulenken gestaltet sich als Zerreißprobe.
Meine Nerven liegen blank.

Ich habe nur noch Angst, dass es jeden Augenblick wieder vorbei ist.
Weil ich ihm unaufhörlich auf den Sack gehe mit meiner drecks beschissenen verkackten Sehnsucht nach mehr und mehr und immer noch mehr!

Ich könnte mich Ohrfeigen.
Ich könnte nicht nur, ich habe es.
Mehrmals.
Einmal so heftig, dass ich auf den Boden knallte und kurz alles nur noch schwarzweiß sah.
Das war, als ich halbherzig über Selbstm#rd nachgedacht habe.


Das Leben hat mich stets überfordert.
Mal konnte ich es mit Humor nehmen. Mal nicht.


Ich bin für diese Welt einfach nicht geschaffen.

Ich bin zu kaputt.

Und meine Art macht andere kaputt.


Ich hasse mich dafür.



....


Nachtrag:

Bitte nehmt es mir nicht übel, dass ich ein wenig Frust kotzen musste. Ich habe in meinem Leben wohl einfach zu wenig Liebe erfahren und schaffe es einfach nicht, meine Defizite unter Kontrolle zu bringen. Ich bin manchmal ein Arsch. Verurteilt mich deswegen nicht. :-(

 

Mein nächster Eintrag wird bestimmt wieder besser.

 

1.9.19 23:28

Letzte Einträge: Kopfschmerzen, Wie ein schlechter Film, Fährten, Mein neues Ding, Alles Chlor im Rohr

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