reflections

Von Gefährten und Fellmäuschen und verkanntem Zauber




Nachdem ich mich also langsam an den Gedanken gewöhne, Halfdan als meinen neuen Gefährten zu betrachten, wollte ich ihn auch ein Stück weit in meinen allerheiligsten Dunstkreis involvieren.
Und die Gelegenheit war günstig, denn er war das Wochenende über bei mir.

So führte ich ihn also Freitag nach der Arbeit erst mal ein bisschen durch die Gelnhäuser Altstadt.
Es war beinahe der gleiche Weg, den ich einst mit Brander gegangen war.
Durch eine verbotene Unterführung rüber am Gewächshaus der Gedanken vorbei zum Wasserfall. Von dort durch die Gasse mit den Fachwerkhäusern und über eine kleine überdachte Brücke hin zu einem Rosengarten.
Da er dort keine Zeit verbringen wollte, ging ich mit ihm weiter und führte ihn Richtung Kinzigbrücke und den Berg hinauf zum Untermarkt und zum Obermarkt. Dann durch das innere Holztor hinauf in den Stadtgarten und von dort die alte Stadtmauer entlang bis zum Halbmond-Turm.
Der war jedoch leider gesperrt und man konnte nicht hinauf.
Also gingen wir weiter und wanderten durch kleine verwinkelte Hintergassen aus groben Pflastersteinen.
Schließlich brachte ich uns auch wieder zurück nach Hause.
Ihm hat die kleine Tour sehr gut gefallen.

Nachdem er mich nachmittags auf der Arbeit bereits zwei mal beglückt hatte (meine Chefs sind verreist) hatten wir abends noch einmal Sex und ich war sehr glücklich.
Vor allem hat er auf meine dringende Bitte Rücksicht genommen und nicht mehr ganz so tief gestoßen. So war es endlich nicht mehr ganz so schmerzhaft.

Eigentlich möchte man doch meinen, dass eine zweifache Mutter nie wieder Schmerzen beim Sex haben dürfte, nicht wahr? Aber irgendwie bin ich wohl kaputt da unten. Ich weiß auch nicht. Oder zu empfindlich. Oder mit fehlt es einfach an regelmäßiger Übung.
Keine Ahnung.
Es ist einfach so.

Und trotzdem: Es ist für mich ein Gefühl des absoluten Glücks, wenn mir ein Mann die Ehre erweist und sich auf diese heilige Weise mit mir vereint.
Ich kann es gar nicht anders beschreiben.
Nie fühle ich mich mehr als Frau wie in jenen besonderen Momenten.
Wenn ich das Begehren eines Mannes wecke und er mir etwas gibt, das bei mir zurück bleibt - das ist, als hätte ich einen Teil seiner Kraft, seiner Seele empfangen. Es bringt mein Inneres zum leuchten. Es wärmt mich. Es füllt mich aus.
Es ist Bestätigung. Glück. Schönheit.
Es ist wie Musik.
Wie Poesie.
Und es trübt den Blick für die Realität. Es ist wie eine Droge. Es reduziert mich auf den Augenblick und lässt mich alles andere vergessen.
Selbst die Zeit.

Halfdan hat mittlerweile auch verstanden, warum mir der körperliche Kontakt so wichtig ist.
Trotzdem ist er der Auffassung, dass er mich von diesem Verlangen gerne abbringen möchte, weil es nicht das Wichtigste für mich sein sollte.
Er fühlt sich zwar nicht ausgenutzt, aber er weiß durch meine Vorgeschichte, dass meine arme Psyche vor dem Abgrund steht.
Er weiß, dass mein Vater Colonel-Zaster keine Kinder gewollt hatte und die einzige Zuneigung von ihm rein sexueller Natur gewesen war.
Halfdan weiß auch, dass ich in der Schule gehasst und gemobbt wurde und dass ich mir die einzige Lebensfreude mit Onenightstands verdingt habe.
Und obwohl ihn das alles sehr nachdenklich gemacht haben dürfte, fühlt er sich trotzdem zu mir hingezogen.
Meine Macken, meine Vorbelastungen und mein Schatten haben ihn nicht schrecken können.
Er will mich retten.
Und ich bin gerührt von seinem Bestreben...
...aber gleichzeitig auch bekümmert.

Die Hälfte meines Herzens wird kaum ausreichen seiner ausgestreckten Hand langfristig zu folgen.

Ich habe hier mein Leben.
Meine hart umkämpfte Freiheit.
Meine bunte Wohnung.
Meinen Job und meine Familie.

Weder werde ich das alles hinter mir lassen, noch will ich ihn um selbiges bitten.

Zumal es genug Dinge gibt, die mich an ihm nerven.
Zum Beispiel seine ständige Erreichbarkeit für ich weiß nicht wie viel Freunde...
Ständig ist er mit seinem Handy beschäftigt und hört fast ununterbrochen Sprachnachrichten ab oder quatscht selber welche.
Das nervt.
Und mich nervt auch, dass er meine Sprachnachrichten im Beisein seiner Kumpels abspielt oder mich am Telefon ungefragt auf Lautsprecher stellt.
Das ist so scheiße von ihm, dass ich schreien möchte!

Und dann ist da noch etwas, was mir derbe zu denken gegeben hat und das erzähle ich nun:

Am Samstag nach dem Frühstück haben wir Schwimmsachen und Proviant gepackt und sind zu zu meinem allerheiligsten Ort gereist.
Die gefluteten Steinbrüche wo ich gelegentlich meine Götteropfer darbringe.
An diesen Ort habe ich noch nicht viele Menschen geführt, weil er mir irgendwie allein gehört.
Meinen Ex-Mann habe ich hingebracht und auch Brander und meine Kinder.
Sonst keinen.
Jetzt wanderte ich also mit Halfdan die steilen Bergwiesen hinauf und durch den Wald bis zu dem ausgetretenen Pfad, der die Hänge hinunter führt.
Um das Stadtkind zu schonen, habe ich das Gepäck getragen...
Halfdan war schnell außer Puste. An der alten Eiche oben am Waldrand machten wir Raucherpause und ich zeigte ihm die entfernte Skyline von Frankfurt, die sich blassblau am Horizont abzeichnete.
Sogar die Türme des staudinger Kraftwerks konnten wir dank guter Fernsicht erkennen.

Als wir den Wald dann betraten versuchte ich ihm verständlich zu machen, wie grausenhaft die Athmosphäre hier in der mondlosen Julnacht und auch am nebligen Ostara gewesen war.
Er konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Zu friedlich lag das von Sonnenlicht gesprenkelte Idyll in der malerischen Kulisse. Zu lieblich sangen die Vögel.
So ließ ich von weiteren Erklärungen ab.
Es wird mein eigenes Päckchen bleiben.

Als wir endlich am See waren, zeigte ich ihm die besten Plätze und wir entschieden uns für das helle grasbewachsene Fleckchen wo ich bereits mit meinen Kindern gewesen war. Von dort hat man gute Sicht auf eine kleine Insel im Wasser.
Da er nicht nackt hinein wollte, zogen wir uns Badesachen an.
Und dann passierte etwas, womit ich NIEMALS gerechnet hätte.
Während ich schon die ersten Schwimmzüge tat, stand der Herr Graf gerade mal bis zu den Knien im Wasser und verkündete, dass es ihm zu kalt sei und er deshalb wieder raus wollte.
Ich dachte, er machte Witze! Aber dann ging er wirklich und ließ mich allein im Wasser zurück.
Es war nicht kalt.
Es hatte bestimmt 17 Grad.
An Ostara war es viel kälter gewesen!
Unglücklich schwamm ich eine kleine Runde und ging dann auch hinaus.
Wir saßen beisammen. Kuschelten. Redeten. Rauchten.
Und es dauerte nicht lange, da wurde es in der Sonne richtig warm. Schließlich meinte Halfdan, dass er nun doch noch einen Versuch wagen wollte.
Freudig begleitete ich ihn in den See.
Er ging wieder bis zu den Knien hinein und wusch sich die Arme.
Ich ließ mich ins kühle Nass gleiten und legte mich spaßeshalber auf den Rücken, um dahin zu treiben.
Halfdan jammerte, dass die kleinen Fische ihn zwickten und wollte wieder raus.
Ich beteuerte, dass die kleinen Fische nur am Ufer wären und bat ihn flehentlich sich ein Herz zu fassen und zu mir zu kommen.
Doch er kehrte mir wiederum den Rücken.
Und da war ich endgültig am Boden zerstört und enttäuscht.

Da ließ ich diesem Mann eine schier ungeheure Ehre zu Teil werden und führte ihn an meinen allerheiligsten Ort und er entweihte ihn mit seinem mimosenhaften Gejammer!

Ich rief noch ein paar mal nach ihm, aber er schüttelte den Kopf.

Ich kam raus, zog mich an und unterließ es ihn meine Enttäuschung spüren zu lassen. Ich verlor kein einziges Wort über die ganze Angelegenheit.
Es hätte ohnehin nichts geändert.

Anstatt wenigstens die Energien und den Frieden der Umgebung auf uns wirken zu lassen, wurde Halfdann bald ungeduldig. Er langweilte sich.
Er bat mich, ihn herum zu führen. Er wollte den See umrunden und die Westbrüche erkunden.
Ich hatte ihm dummerweise von den Westbrüchen erzählt, hätte allerdings nie damit gerechnet, dass er von mir dort hin geführt werden wolle.
Es ist kein guter Ort. Es ist Wildschweingebiet und sehr gefährlich.
Außerdem haben Menschen dort nichts verloren. Das Wasser dort ist stehend und der Boden rundherum teilweise sumpfig. Außerdem ist der Abstieg dort sehr viel riskanter, weil die Hänge dort steil und bröselig sind.
Wenn man es dann hinunter geschafft hat, sitzt man erst mal in der Falle und kann nicht so schnell wieder heraus.
Trotzdem wollte er dort hin.
Die zahlreichen Knochen die wir dort und auch auf dem Weg dort hin fanden, kümmerten ihn nicht.
Ich war sehr in Sorge, dass er die Gefahr unterschätzt. Ein Mann aus Braunschweig hat doch überhaupt keine Ahnung vom Klettern an Felshängen oder vom Verhalten wilder Tiere in unberührten Waldgebieten.
Vorsichtig führte ich ihn durch das hüfthohe Ginster-Dickicht und zeigte ihm die Fährten und die Wildscheinexkremente, die ich fand.
Wir hatten Glück, dass es heißer Mittag war.
Die Luft war rein.
Im wahrsten Sinne.

Trotzdem war ich heilfroh, als wir diesen Teil unserer Route endlich hinter uns gelassen hatten.

Dieser unmögliche Mann!
Wir hätten nie dort hin gehen dürfen...
Auf einem versteckten Plateau haben wir das verwaiste Lager eines Aussteigers gefunden.
Wer auch immer dort draußen gehaust hatte, er hatte eine Menge Müll hinterlassen und zahlreiche Bäume mit der Axt massakriert.

Abends habe ich ihm Schweinemedaillons gebraten und Kartoffelsalat gemacht.
Er hat kaum etwas davon angerührt, obwohl es sehr lecker war. Er mag Schweinefleisch nicht so sehr und isst wohl generell nicht viel. Er bevorzugt türkische und russische Küche.
brrrrr...

Nach dem Essen haben wir die Kinder abgeholt.
Meine Mutter wollte ihn nicht sehen. Er musste draußen warten und er war ziemlich angepisst geswegen.
Poor Angel war das egal. Sie will von meinen Männergeschichten nichts mehr wissen.
Sie findet es auch nicht in Ordnung, dass ich die Kinder da mit einbeziehe.

Sie sagt, ich soll ficken wen ich will, aber sie damit in Ruhe lassen.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie sich das für mich anfühlt.
Seit ich Brander betrogen habe, sieht sie in mir nur eine Hure.

...

Die Kinder haben schnell Gefallen an Halfdan gefunden.
Sie plapperten unermüdlich auf ihn ein und erzählten ohne Luftzuholen alles was ihnen einfiel. Sie zeigten sämtliche ihre Kunststücke und waren alles in allem sehr aufgeschlossen.

Nach einem gemeinsamen Filmeabend gingen sie auch sehr anständig ins Bettchen.
Wir dagegen schlossen uns im Wohnzimmer ein und ich probierte für ihn meine neuen Dessous an.
Er war begeistert und machte lauter Fotos von mir.
Dann hatten wir nochmal Sex, obwohl er eigentlich schon empfindlich geworden war und eine Pause gebraucht hätte.
Dennoch schwor er, dass seine Orgasmen von mal zu mal intensiver zu werden schienen.
Ich fasste das als Kompliment.

...

Am Sonntag machte ich Pfannkuchen für alle.

Anschließend zog ich mir und den Mädchen die Mittelalterkleider an, machte allen hübsche Frisuren und packte ein bisschen Zeug ein für einen kleinen Ausflug.
Ziel war die Kaiserpfalz.

Der Ort ist friedlich und ruhig und nicht allzu weitläufig.
Ideal um Halfdan mal ein bisschen zu entschleunigen.
In der Tat war er mit so viel Ruhe überfordert.
Er wusste nichts mit sich anzufangen und konnte nur schwerlich seinen Bewegungsdrang zurück schrauben, um einfach nur neben mir im Gras zu sitzen.
Wir schauten den Mädchen beim kämpfen zu.
Honigdachs hatte ein Holzschwert und Sternchen eine Schaumstoff-Axt und einen Schild.
Nachdem den Kindern klar wurde, wie lustig das "Sterben" war, wollte auch keiner mehr gewinnen.
Am Ende purzelten die Kinder wie kleine Schwalben im Gras umher, kaum dass auch nur ein einziger Treffer gelandet hätte.
Ich habe so gelacht!

Auf dem Heimweg durfte Halfdan dann erleben, was es heißt kleine Kinder zu haben.
"Ich hab müde Beinchen!"
"Ich will in den Schatten!"
"Ich hab Durst!"
"Sind wir bald da?"
"Ich will getragen werden!"
[...]
Irgendwann hat Halfdan Honigdachs auf seine Schultern gesetzt, was die kleine Maus sehr entzückt hat. Fröhlich hat sie seine ganze Frisur durcheinander gebracht.^^

Als wir zu Hause waren machte ich Mittagessen und packte die Reisetasche der Kinder.
Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hatte Urlaub genommen und wollte nachmittags gegen 16 Uhr die Kinder für eine Woche mitnehmen.
Da Halfdan keine Lust auf Konfrontationen hatte, hat er sich sehr schnell und lange vor der Zeit aus dem Staub gemacht.
Ich trags mit Fassung.
Der Mann ist ein Feigling.

Die Mädchen dagegen rannten die Treppe hinunter, kaum dass mein Ex-Mann klingelte und riefen noch vor der Begrüßung, dass "Mamas neuer Freund" bei uns übernachtet hatte.
Ich stand oben im Flur und schlug leise die Hände überm Kopf zusammen.
Aber es gab keine Szene und kein Geschrei.
Und selbst wenn, dann hätte ich das auch mit Fassung getragen...

Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt ist nicht lange geblieben.
Er hat gierig den restlichen Kartoffelsalat gegessen und mir noch eine Zigarette gedreht. Er war sehr freundlich.

Jetzt sind alle weg und ich bin allein in der Wohnung.

Es ist ziemlich still hier.
Beinahe unheimlich.

Habe spaßeshalber eine alte Schulfreundin angeschrieben, die mit mir in der Oberstufe gewesen war. Sie heißt Fellmaus. (So hab ich sie früher immer genannt.)
Sie hat mittlerweile auch zwei Kinder und eine zerrüttete Ehe und freut sich herzlich über meine Kontaktaufnahme.

So wie es aussieht ist sie immernoch ein bisschen in mich verliebt.
Sie erzählt, dass sie noch alte Aufnahmen von uns hat, wo wir damals Bodypainting und so gemacht hatten.
Hey, ich war 18 und experimentierfreudig!

Jetzt möchte sie mich gerne treffen und ich weiß gar nicht so genau was ich sagen soll.
Eigentlich möchte ich sie auch gerne treffen.
Sie ist immernoch bildschön und hat lange engelsblonde Locken.
Andererseits weiß ich ganz genau was passieren wird, wenn ich Fellmaus wieder sehe....
Ich werd meine Finger kaum bei mir behalten können.
Sie ist so puppenhaft süß und hat ein bisschen Liebe verdient.
Fellmaus ist einer jener seltenen Menschen, die dieses gewisse unschuldige innere Leuchten in sich tragen. Wenn sie lächelt ist das wie Geigenspiel und Weichzeichner in einem kitschig-romantischen Schwarzweiß-Film.
Und ihre saphierblauen Augen funkeln wie das Glitzern von Wellen auf denen Sonnenstrahlen tanzen.
Ihre samtigen Lippen fühlen sich an wie reife Himbeeren über die man drüber streicheln möchte. Dann kommt ein kleines spitzes Kinn, gefolgt von einem schlanken Hals mit einer kleinen süßen Kerbe darunter und dann diese traumhaft milchweiße Haut ihrer schmalen feingemeißelten Schultern bis hin zum Ansatz ihrer wohlgeformen üppigen.... AAHHH was mach ich hier eigentlich??!?!?!!

Alter Schwede...

Es ist spät.
Ich gehöre dringend ins Bett!

*Kopf mehrfach auf Tischplatte knall*








20.7.20 00:39

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