reflections

Frau Gräfin


Meine Götter, hab ich Kopfschmerzen.
Das geht schon seit Tagen.
Das ist oft so, wenn das Wetter umschwingt und neue Hitze mit sich bringt.

Dennoch hab ich mir keine Pause gegönnt und war sehr ehrgeizig.
Am Samstag habe ich Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt die Kinder zum Umgang überantwortet und bin nach Lischeid zum Schwertkampftraining gefahren. Das liegt so zwischen Marburg und Kassel.
Ich war bereits im August dort gewesen. Jarl Kanaille hatte mir Stunden in Codex Belli versprochen.
Das Training lief eigentlich ganz gut.
Ich weiß nur nicht, ob er absichtlich seine Lenden gegen meinen Hintern gedrückt hat, als er einmal hinter mich trat, um meine Schwerthand zu führen.
Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet.

Mein Schwertbruder war übrigens auch mit dabei.
Ich habe abwechselt mal mit ihm und mal mit Jarl Kanaille geübt.

Hinterher gingen wir rüber zu Guismo und seiner Frau.
Ich hatte Handarbeitszeug dabei und saß bis abends mit ihnen draußen und habe die Borte an mein Kleid genäht.
Es war sehr lustig und wir haben viel gescherzt und gelacht und dummes Zeug gelabert.
Guismo wollte mein Schwert mal inspizieren und nahm es probehalber in die Hand.
Dann schüttelte er den Kopf. Sagte nichts. Ging aber in seine Scheune und holte seine diversen Schwerter heraus.
Ich durfte eines nach dem anderen in der Hand wiegen.
Keines war so schwer wie meines. Sogar der Anderthalbhänder und das schottische Breitschwert fühlten sich leichter an.
Es lachte und meinte, die wären kaum leichter. Das Gewicht wäre nur besser verteilt.
Der Schwerpunkt darf nicht so weit vom Parier entfernt sein.
Ich habe ausgemessen. Der Schwerpunkt bei meinem Schwert liegt 17 cm hinter dem Parier. Damit ist meine Waffe zu kopflastig und für den Kampf ungeeignet.
Es wunderte ihn kein Stück, dass mir nach jeder Übung der Nacken und die Schulter weh taten.

Ich war deprimiert.

Den Rest des Abends verbrachten wir mit ein paar sehr lustigen Filmen.
Guismo war so nett, mir ein Gästebett zu stellen. Mein Schwertbruder und ich sollten uns ein Zimmer teilen.
Ich hatte Sorge, ob das gut geht. Aber da jeder sein eigenes Bettchen hatte und der Hausherr nicht weit war, hatte ich nichts zu befürchten.

Ich fand es ein bisschen schade, dass wir nicht zusammen gegessen haben.
Ich hatte nur ein halbes Brötchen zum Frühstück und war seitdem nur noch unterwegs gewesen.
Aber auch Sonntag früh gab es nichts. Nur eine Tasse Kaffee.
Ich bin dann nicht mehr allzulange geblieben.
Doch bevor ich ging gab mir mein Schwertbruder einen Karton und sagte, dass es ein Geschenk für mich sei.
In dem Karton waren Adelsbriefe für mich und meine Töchter.
Ich darf mich ab sofort Gräfin von Falkenstein nennen. Sternchen und Honigdachs sind Prinzessinnen.
Ich dachte, es sei ein Fake.
Aber da war auch ein Echtheitszertifikat und die Unterschriften des Markgrafen auf den Urkunden waren Originale nebst Siegelprägung.
Darüber hinaus fand sich eine umfassende Broschüre und meine höchsteigene Noble Society-Card aus Metall.

Ich war fassungslos.
Ich fragte ihn, womit ich das verdient hätte und ob das nicht voll teuer gewesen war.
Aber er wollte mir darüber keine Auskunt geben. Er sagte nur, dass es ihn kein Geld gekostet und dass ich mir den Titel ehrlich verdient hätte.
Egal wie sehr ich auch drängte, er wollte mir nichts weiter dazu sagen.
Im Gegenteilt. Er bat mich, niemandem zu erzählen, dass er mir die Adelsbriefe vom Markgrafen beschafft hatte.

Jetzt im Nachhinein machen ein paar andere Dinge auch Sinn.
Vor einiger Zeit hatte er mich nämlich auf ein paar Burgen angesprochen und ich hatte ihm erklärt, dass ich keine von ihnen je gesehen, aber von Burg Falkenstein wenigstens schon gehört hatte. Außerdem gibt es ein paar nette Lieder in Bezug auf Falkenstein und auch eine Band die so heißt.
Dass Brander mir von Falkenstein erzählt hatte, hab ich verschwiegen.

So, jetzt muss ich mir die Burg wirklich irgendwann mal angucken.^^

...

Den Sonntag Nachmittag habe ich dann am Rondo von Hanau-Steinheim verbracht.
Dort habe ich Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt und unsere Kinder wieder getroffen. Ich habe diesmal extra meine Skates mit gebracht, damit ich mich der Szene anschließen konnte.
Beim Speed-Skating ist natürlich keiner besser als mein Exmann.
Aber immerhin konnte auch ich an meiner Technik feilen und ein bisschen punkten. Ich bin sehr schnell und wendig.
Die übrigen Teilnehmer kenne ich alle aus der Rollschuhdisco.
Es sind ausnahmslos Freunde von Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt.
Aber ich komm ganz gut mit ihnen klar, auch wenn sie mich dafür verhöhnen, dass ich Inliner bevorzuge.
Jedem Narr gefällt sei Kapp!
Und was dem einen sei Uhl is dem annern sei Nachtigall....

Auch mein Ex hat ein bisschen gefeixt, aber das darf er.
Ich bin froh, dass unser Verhältnis soweit in Ordnung ist.
Nächste Woche am 21.09. haben wir unsere Scheidung vor Gericht.
Bin gespannt, ob der Termin auch so relaxed abläuft.

...

Brander muss mitbekommen haben, dass meine Scheidung kurz bevor steht.
Er hat mir ein Jobangebot beim hiesigen Ritterladen geschickt.
Süß.
Wenn er wüsste, dass ich bereits seit einem halben Jahr doppelt so viel arbeite, wie bisher und damit freiwillig auf Trennungsunterhalt verzichte... Für mich macht es keinen Unterschied mehr, ob ich verheiratet bin oder nicht.

Außerdem liebe ich meine Arbeit und will dort nicht weg.

Auch wenn ich manchmal für sehr befremdliche Zwecke ausgenutzt werde...
So wie heute:
Da hat irgend so ein Arsch letzte Nacht ein Ei an die Hauswand geworfen und ich musste es heute morgen weg scheuern.

Das muss ja vielleicht ein dämlicher Anblick gewesen sein.
Top gestylte Frau in kurzem rosa Wickelkleid auf 12 cm-Pumps schrubbt mit einer Bürste den Dotter-Glodder von der Fassade....
*Augenroll*

Dabei lief mir das scheiß Putzwasser die Arme runter und ich sah aus wie eine Sau!

Mein Chef guckte einmal kurz mitleidig zur Tür heraus und meinte nur, ich solle aufpassen, ich würde ganz schmutzig.
Ich sprach kein Wort - warf ihm nur einen bösen Blick zu und zack war er wieder weg.


Ja, Frau Gräfin putzt Eier-Pampe immer in Highheels von de Wand!

Grrrrrr...

15.9.20 16:48

Letzte Einträge: Es schläft ein Lied in all den Dingen…, Was klagt was lobt man doch?, ...und mit Geistesstärke tu ich Wunder auch, Besser Brettchen im Rahmen, als vorm Köpfchen, I will go down with this ship

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