reflections

I get knocked down…

 

…but I get up again. You're never gonna keep me down!

 

 

Ja, es gibt mich noch.

 

 

Mein Geburtstag am Mittwoch lief ruhig und beschaulich ab.

Mein Exmann kam zum begleiteten Umgang und trank mit mir Kaffee.

Zu meiner großen Überraschung hat er mir ein Geschenk überreicht.

Nicht mal als wir noch verheiratet waren, habe ich Geschenke von ihm bekommen. Ich glaube, er hat mir damals zu meinem 30. die Windschutzscheibe wegen Steinschlag austauschen lassen.

An meinem 29. hatten wir sogar Sex.

Mehr weiß ich nicht mehr.

 

Als ich den Karton öffnete waren da hellrosa Rollschuhe mit weißen Schnürsenkeln drin.

Die Rollen waren aus weichem Gummi. Auch die Platte sah gut aus.

Ich hab mich bedankt.

 

Den späten Nachmittag verbrachten wir mit den Kindern im Wildgehege von Geislitz.

Ich hatte meine Nadelbinde-Arbeit dabei und genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen, während die Mädels Hirsche streichelten und Eicheln sammelten.

 

Abends holte ich halbe Hähnchen für alle.

 

Zum Abschied hat Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt mich sehr lange und fest umarmt.

Auch das hat mich gewundert.

 

 

-Das war mein 34. Geburtstag-

 

 

 

Beruflich läuft momentan einiges ziemlich schräg.

Es liegt nicht an meinen Vorgesetzten oder Kollegen, sondern an den Mandanten.

Es gibt leider immer wieder Fälle, die einen ziemlich aufwühlen können.

Da hatte ich doch einen Telefontermin mit einer Zigeunerin. Ich sollte mit ihr Punkt für Punkt ein Formular durchgehen, damit sie Verfahrenskostenhilfe bewilligt kriegt.

Irgendwann kamen wir zu dem Abschnitt eigenes Kraftfahrzeug und da wurde sie stutzig.

Sie fragte, ob sie das wirklich angeben muss.

Ich lachte und meinte, das dürfte sicher kein Problem sein. Einfach den Restwert übers Internet grob ermitteln und samt der Bezeichnung des Fahrzeug-Typs in die vorgesehene Spalte eintragen.

Sie weigerte sich immernoch.

Ich versuchte sie zu beruhigen und meinte, solange sie keinen Wagen im Wert von zwanzigtausend besäße, wäre das ganz sicher kein Problem.

Bei ihren wirtschaftlichen Verhältnissen (kein Job, kein Arbeitslosengeld, keinerlei Einkünfte, kein Unterhalt und nur naturale Verköstigung durch ihren komischen Stecher) würde sie vielleicht einen alten Fussel-Golf oder Polo fahren.

Tatsächlich aber räumte sie ein, dass sie einen Mercedes im Wert von € 70.000,00 fahre. Sie sei Halterin und Versicherungsnehmerin und alles laufe auf sie, weil ihr Freund sonst kein HARTZ IV bekäme.

 

… Mit all der Selbstbeherrschung die mir Mutter Natur in die Wiege gelegt hatte, fragte ich, ob das ein Scherz sei…? Ich warf ihr vor, dass sie im Begriff war deutsche Steuerzahler für ihre Prozesskosten zu betrügen und weigerte mich, die Scheiße weiter mit ihr auszufüllen.

 

Mein Chef fand das gar nicht komisch. Er meinte, es stünde uns nicht an, uns bezüglich der Sitten und Mentalitäten anderer Volksstämme ein Urteil zu erlauben. Das Auto sei bei Zigeunern Statussymbol und wichtiger als alles andere.

 

In diesem Moment wäre ich am liebsten mit erhobenem Mittelfinger zur Tür hinaus spaziert.

 

Was ist das nur für eine Welt…

 

 

 

Ein anderer Fall ist noch bizarrer:

Wir vertreten die Tochter eines ermordeten Kolumbianers, der mit einem Küchenmesser in der Brust tot (und nackt) im Badezimmer aufgefunden worden war.

Seine Ehefrau war zu der Zeit alleine mit ihm zu Hause und habe ihn angeblich nicht schreien gehört.

Weil sie alleinige Tatverdächtige ist, wurde sie über mehrere Monate von der Polizei und der deutschen Telekom überwacht. Ich habe einen ganzen Leitz-Ordner mit Gesprächsprotokollen der Telekom hier stehen (der Telekom-Mitarbeiter hat echt alles was gesprochen wurde notiert! Auch das spanische und italienische Zeug).

Dazu drei Polizei-Akten inkl. Farbfotos von der Leiche und der Tatwaffe. Außerdem die Bildreihe der Obduktion. Da sieht man alles! Wie der Skalp runter geschnitten und auf links übers Gesicht gelegt wurde, um die Schädeldecke zu untersuchen.

Man sieht die geöffnete Brust und alle Organe, die heraus genommen wurden.

(Der Typ war übrigens ziemlich durchwachsen, was den Fettanteil angeht.)

Heute kommt seine Tochter und will die Akten einsehen.

Ich hab alle Fotos raus genommen und im Nebenzimmer versteckt.

 

Interessant ist auch das Zeugenprotokoll. Anscheinend hatte die Ehefrau eine Affäre mit einem italienischen Eisverkäufer. Der wiederum wollte nicht zugeben, dass die Frau nebenbei heimlich eine Prostituierte war. Ach, und Schafe waren in den Fall auch irgendwie involviert!

Besser als jeder Krimi, sag ich euch.

Würde mich nicht wundern, wenn der Italiener zur Mafia gehört und den Typen selber kalt gemacht hat.

Es bleibt spannend.

 

 

 

 

 

Was gibt es sonst zu erzählen?

 

Ach ja, ich war bei einem Elternabend von Honigdachs‘ Kindergarten.

Wegen Corona durften wir die Besprechung nicht in der Kita abhalten (geschlossene Räume und so). Darum wurde extra ein Konferenzraum in Gelnhausen für den Abend gemietet (welcher übrigens auch ein geschlossener Raum war, aber wen interessiert schon, was ich darüber denke... ) .

 Wie alle anderen Elternabende auch, war dieser ebenso überflüssig und gehaltlos und langweilig.

Wie immer will niemand Elternbeirat sein. Wie immer wurde streng dazu ermahnt auf Süßigkeiten in der Brotdose zu verzichten. Etc.

 

 

 

 

Zu guter Letzt: Brander

 

 

Ich habe allen Widerständen zum Trotz meinen Entschluss durchgezogen und seine Nummer von meinem Handy gelöscht.

Es bleibt auch dabei! Egal wie viele Zeichen mir die Götter auch schicken wollen. Egal wie viele Berliner Nummernschilder mir auch plötzlich begegnen. Nichts wird mich jemals wieder umstimmen können!

 

 

Was man wirklich liebt, kann man nicht ersetzen.

Denn was man ersetzt, hat man nie geliebt.

 

 

Und ich wurde ersetzt.

Das sagt eigentlich alles.

2.10.20 09:50

Letzte Einträge: Gespräch mit einem Engel, Zwischen guten und schändlichen Taten, Alles ist zu viel, Winterschlaf, Gefallener Engel

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


little-big-mom (2.10.20 16:37)
Ich krieg grad nen Föhn…

Die Mandantin ist zur Akteneinsicht hier und hat zur Verstärkung ihre dicke fette Freundin mitgebracht.
Ich hab den Mädels die Akten samt Notizblöcken und Kugelschreiber ausgehändigt, damit sie sich Notizen zu dem Mordfall machen können, falls ihnen irgend etwas auffällt.
Statt die Sache ernsthaft anzugehen, geilen sich die Puppen nur an der Detektiv-Arbeit auf und diskutieren mit schrillen Stimmen die obskursten Gedankengänge.
So ereifert sich just die Pummel-Blondine, warum die Tatverdächtige das angebrannte Essen nicht wenigstens vom Herd genommen hat. Das wäre ja noch zu retten gewesen!
Das sei alles sehr verdächtig…

Ich sitz kopfschüttelnd ein Zimmer weiter und möchte weinen.

Au weia…

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen


Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung