reflections

Feel like Buddy Holly



Nachdem ich Pepé Le Pew, wie ich meinen ehemaligen Schwertbruder zärtlich nenne, sowohl im Messenger als auch auf Whatsapp blockiert habe, hab ich auch Abstand zu den Sippen eingenommen, in denen er verkehrt. Ich will ihm einfach erst mal ne Weile aus dem Weg gehen.
Ich hab einfach zu sehr das Gefühl, dass er mich um jeden Preis versucht hat zu kaufen. Und um weiteren solcher Bemühungen zu entgehen, habe ich mich feige zurück gezogen.
Ich weiß, dass das unehrenhaft von mir war, aber was soll's!? So ist das Leben nunmal. Als ob irgendjemand jemals Rücksicht auf meine Gefühle genommen hätte???

Also bin ich nicht mit Alvin und seinen Chatten nach Reichelsheim gefahren.

Ich bin dem Wink eines Barden gefolgt und habe ein Ticket für das Fantasy-Mittelalter-Spektakel an der Loreley gebucht, in der Hoffnung, ihn dort wieder zu sehen.
Leider hat er mich bloß verarscht und ich war erst mal sehr gefrustet darüber.

Trotzdem fand ich den Markt sehr schön.
Ich hab mir alles in Ruhe angesehen und auch nach Leuten von Facebook Ausschau gehalten. Dann hab ich mich in die Sonne gesetzt und ein bisschen meine Handarbeit weiter gemacht, während nebenan eine Mittelalterband spielte.
Plötzlich unterbrach eine Ausrufung das Treiben und ich raffte mich auf, um nachzusehen, was dort vor sich ginge.
Drei sächsische Ritter aus dem 12. Jahrhundert hatten sich für einen Schaukampf eingefunden. Sie spielten eine Geschichte und es ging letztlich darum, wer von ihnen aus dem heiligen Gral trinken und ewig leben dürfe.
Nach langwierigen Duellen warf der letzte Überlebende versehentlich im Schwächeanfall den Gral um und verschüttete das Wasser. Damit war die Geschichte aus und die Zuschauer verließen nach geschuldetem Beifall den Kampfplatz.
Ich dagegen fasste mir ein Herz und ging auf die Männer zu.
Ich fragte, ob sie nicht lieber einen Schluck aus meiner Flasche haben wollten.
Zwei von ihnen nahmen mein Angebot glücklich an.
Einer kniete sogar vor mir nieder und ich durfte es ihm in den Mund gießen.
Dann unterhielten wir uns über die verschiedenen Waffen, die sie im Kampf verwendet hatten und ich durfte alles anfassen was ich wollte.
Zum Dank bot ich an, beim Tragen zu helfen und folgte den Männern in ihr Lager.
Ich erzählte, dass ich selbst kein eigenes Zelt besäße und deshalb im Auto schlafen würde. Darauf bekam ich die Einladung bei ihnen zu übernachten.

Nach sehr sehr langer Zeit ohne Beischlaf und ohne Zärtlichkeit war ich nur allzu bereit alles zu wagen.
Dazu muss ich sagen, dass ich trotz Einnahme der Pille unter starkem bis nymphonanischen Sexualtrieb leide und dass es wahre Folter für mich bedeutet Monate oder manchmal auch Jahre auf Geschlechtsverkehr warten zu müssen.
Schuld bin nicht ich! Ich bin ziemlich toll.
Schuld sind gesellschaftliche Konventionen gepaart mit einem deutlichen Mangel williger und tauglicher Männer...

Der Rest des Tages war wunderschön. Einer der Ritter hat später noch in anderem Kostüm eine Feuerschow aufgeführt.
Mein eigentliches Interesse galt jedoch seinem schwarzhaarigen Kollegen. Er zählte 31 Jahre und machte einen interssierten Eindruck.
Ich will ihn Lucky Praecox nennen. Der Mann der schneller schießt als sein.... ach, vergesst es einfach. Dazu kommen wir später...
Wir kauften uns eine Flasche Beerenwein und kletterten ein Stück die Weinberge runter, um ein bisschen allein zu sein.
Es war wirklich angenehm mit ihm.
Wir haben uns viel zu sagen gehabt und dabei eine tolle Aussicht auf den Rhein und die Berge genossen. Und auch der Wein war süffig genug, dass ich bald die enthemmende Wirkung spürte.
Obwohl - oder gerade weil - er mir gestand, dass er unglücklich verheiratet und sogar Vater von zwei Töchtern sei, habe ich mich an ihn gekuschelt und ihn geküsst.
Es hat mir das Herz gebrochen, zu hören, dass seine kaltherzige frigide Frau ihn seit anderthalb Jahren nicht mehr in ihre Nähe ließ und dass er nur noch wegen der Kinder bei ihr blieb.
Auch war er ihr in all der Zeit immer treu geblieben und hatte die Abstinenz tapfer ertragen.
Ich war wie von Sinnen als ich das hörte.
Nie hätte ich gedacht, dass es Frauen gibt, die zu solchen Greueltaten imstande sind! Ich dachte immer, es seien ausschließlich die Männer, die immer "zu müde" seien.
Ich ließ mich von ihm rücklings ins Gras drücken und gestatte ihm bereitwillig mit der Hand meine Intimzone zu erkunden.
Ich küsste und streichelte ihn und bog mich ihm entgegen.
Als ich flüsterte, dass ich für ihn bereit bin, machte er sich frei und drang in mich ein.
Im ersten Moment war ich ein wenig irritiert. Er ist .... nein, also er ist nicht klein, aber... tja, wie sag ich das am besten.... schmal?
Aber bevor ich Zeit hatte mich zu fragen, ob es vielleicht eher an mir und meinem Reifegrad liegt, war er sowieso schon fertig.
Er entschuldigte sich.
Ich tröstete ihn, dass das ein großes Kompliment für jede Frau sei, wenn ein Mann vor lauter Lust nicht an sich halten könne.
(falls Frauen das hier lesen: bitte vergebt mir)
Er wollte, dass wir rasch wieder zurück gehen. Ihm war, als ob wir beobachtet worden wären.
Mittlerweile war es stockfinster und ich ziemlich angenüchtert...
Aber ich bin sicher, ich schwebte elegant wie eine Elfe die Hänge hinauf.... eine rotzbesoffene durchgebumste Elfe...
Auf dem Marktplatz waren alle Lichter bereits aus und alle Stände geschlossen.
Nur seine beiden Kumpels saßen noch auf einer Bierzeltgarnitur und soffen querbeet lauter lustiges Zeug.
Sie luden mich ein, alles mal zu probieren.
Dazu muss ich sagen, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr zu mir genommen hatte und sowie nicht viel vertrage.
Ich trinke zu Hause kein Alkohol und ich gehe auch nicht in irgendwelche Kneipen.
Ich trinke an Silvester mein Glas Sekt und opfere gelegentlich ein bisschen angekosteten Met an die Götter.
Mehr is nüsch!
Und als ich also tapfer alles in mich hineinlaufen hatte lassen, befand Lucky, dass ich reif für einen kleinen Spaziergang sei.
Und wir gingen ein kleines Stück und kamen an einen Baum, an den er mich dann drückte und erneut beglücken wollte.
Ich freute mich, dass ihm sein kleines Kunststück ein zweites mal an einem Abend gelingen sollte und bot ihm meine Kehrseite an.
Diesmal brachte er es locker auf mindestens 30 Sekunden!
Und jetzt muss man mir mal lobend die Schulter tätscheln, dass ich in meinem heiteren Zustand nicht brüllend vor lachen in die Brombeeren gefallen bin.

Nein, Spaß beiseite, ich war in diesem Moment einfach nur unendlich dankbar, dass mir ein Mann die heilige Ehre erweist, mir sein besonderes Geschenk in den Schoß zu spritzen.

Selbstbefriedigung schön und gut... Aber es bleibt ansich nur eins: ein Teller Soße ohne Fleisch. Schmeckt vielleicht gut, aber satt wird man nicht davon.
Und was nützen mir meine multiplen Orgasmen, wenn ich mich dabei nicht ausgefüllt sondern leer fühle?

Ich würde all meine Höhepunkte dafür geben, wenn ich nur einmal die Woche Sex haben dürfte.

Aber die Götter haben anders über mich entschieden.

Ich darf immer nur dort willkommen sein, wo ich gebraucht werde.

Mittlerweile hab ich ein ganz gutes Gespür dafür, wann ich nicht mehr erwünscht bin.
Dazu komme ich auch gleich.

Vorab will ich nur erwähnen, dass die Nacht mit drei Männern im Zelt wirklich einmalig war.
Seine Freunde haben ihm streng verboten mit mir im Zelt Sex zu haben. Aber sie haben mir nicht verboten nur in Unterwäsche bei ihm zu liegen.
Ich weiß nicht, ob ich meinen leichtfertigen Entschluss im Nachhinein bedauern soll.
Tja, auf der einen Seite hab ich viele zärtliche Berührungen und Aufmerksamkeit genossen. Andererseits hab ich mich halbtot gefroren unter seiner dünnen Decke.
Aber er hat sich Mühe gegeben, mich warm zu halten und das war sehr angenehm.
Natürlich hatten wir trotzdem heimlich Sex.
Und weil er ja meines Wissens nach weitgehendst dem Zölibat unterworfen ist, brauchte ich mir auch keine großen Gedanken wegen Aids oder sonstigem machen.

Anderntags war die Stimmung gekippt, aber mir war nicht ganz klar wieso.

Als ich von der Morgentoilette wiederkam, bauten die Männer bereits ihr Zelt ab und packten ihr Zeug zusammen.
Ich war bemüht ein bisschen zu helfen, aber das lehnten sie ab, weil sie ein eigenes System verfolgten und ich davon keine Ahnung hätte.
Also setzte ich mich abseits, rauchte eine Zigarette und nahm meine Handarbeit wieder auf.

Schließlich wollte Lucky einen Kaffee trinken gehen und ich lief ihm schnell nach, weil ich dringend frühstücken wollte.
Er bezahlte mir den Kaffee und setzte sich mit mir an einen Tisch.
Einer seiner Kumpel kam auch dazu und die beiden unterhielten sich fröhlich, wie Männer das so tun, wenn sie sich eigentlich mögen aber schreckliche Dinge zu einander sagen und dabei lachen. Ich kann das nicht gut beschreiben.... Gibt es dafür einen Fachausdruck?
Egal, ich teilte mein Essen mit den anderen und versuchte angesichts der verbalen Entgleisungen kein allzu verstörtes Gesicht zu machen.
Schließlich stand Lucky auf und ging einfach weg. Er hatte noch viel zu tun.
Sein Kumpel blieb bei mir und sollte das Becherpfand wieder auslösen, wenn ich fertig war.
Ich versuchte mich mit ihm zu unterhalten, aber mir fehlten ein bisschen die Worte. Auch weil Lucky sich mir gegenüber so distanziert benahm.
Eigentlich hätte ich zu diesem Zeitpunkt verschwinden sollen, aber ich war doof und bin Lucky weiter nachgelaufen.
Er wollte sich einen Waffenstand anschauen gehen und ich ging mit ihm. Doch nach einer Weile an besagtem Stand drehte ich mich um und er war einfach verschwunden.
Ich trat aus dem Stand und blickte mich um und sah, wo er hinging.
Da war ich aber bereits endlich schlau genug, ihn in Ruhe zu lassen und bin woanders hingegangen, um meinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

So fühlt sich das an, meine Damen und Herren.

Wenn man jemanden blockiert und derjenige gar nicht weiß, was er falsch gemacht hat.
Bzw. wenn man jemanden eiskalt stehen lässt und sich einfach aus dem Staub macht.

So sind wir Menschen nunmal.
Und darum war ich auch nicht gekränkt.

Ich nahm meine Wolle und setzte mich an die schöne Aussicht, um ein bisschen weiter zu arbeiten.
Es ist gut, die Hände beschäftigt zu halten, während die Gedanken flattern.
Es beruhigt und entspannt und schafft Ausgleich.

Als ich lange genug dort gesessen und die Landschaft verschönert hatte, erhob ich mich und ging ohne mich auf dem Markt noch einmal umzusehen zum Lagerplatz, um meine restlichen Sachen zu holen und abzuhauen.

Dort saß Lucky. Verzweifelt das Gesicht in den Händen vergraben und machte einen jämmerlichen Eindruck.
Da wusste ich endlich was los war.
Er bereuhte nicht die Schäferstündchen mit mir.
Ganz im Gegenteil!
Ihm war klar geworden, was ihm im Leben fehlte und das muss wohl ein Schock für ihn gewesen sein.
Mit der Distanz hatte er lediglich beabsichtigt, die aufgepeitschten Empfindungen wieder abkühlen.
Das brauchte er nicht mal aussprechen. Seine ganze Aura verkündete es mir.
Als er hörte, wie ich meine Sachen aufhob, blickte er auf und kam zu mir.
Er nahm mich in den Arm und flüsterte, dass es ihm Leid täte und dass er irgendwas falsches gegessen hätte.
Ich seufzte und riet ihm, seiner Frau nichts von alledem zu erzählen. Es würde nur Ärger geben und überall gegen ihn verwendet werden. Und nicht zuletzt auch wegen der Kinder.
Lucky knuddelte ich und küsste meine Wange. Dann sagte er "ich hab dich lieb. Pass auf dich auf."
Und damit war ich entlassen.
Meine Aufgabe war erfüllt.

Den Rest erledigen die Götter.


Ich für meinen Teil, weiß nicht so recht wie ich mich fühlen soll.
Einerseits war es schön, mal wieder so zu tun, als ob man geliebt wird (und das ganz ohne alle Nachteile).
Andererseits wurde auch ich daran erinnert, was mir nun wieder für lange Zeit fehlen wird...

So I sit here playing Solitaire
it's a game I know so well....


Wie ist das überhaupt nmit den gebrochenen Herzen?
Sind sie denn noch zur Liebe fähig?

Hm.

Kann man aus zerbrochenen Gläsern trinken?

Nein.

Aber hört man deswegen gleich auf zu trinken, nur weil ein Glas zerbrochen ist?


Ihr Götter, was soll ich nur tun?





4.10.20 23:25

Letzte Einträge: Kurz vorm aufgeben, Chancenlos in die Niederlage, Es blühen Herbstzeitlosen…, Masochist müsste man sein...

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