reflections

Solang du mich brauchst

 



-Und das Wunder es trat wahrhaftig ein-



Ich habe einige Tage nicht mehr geschrieben, weil sich die Ereignisse überstürzten und ich nicht wusste, wo ich beginnen sollte.

Brander hat sich von seiner Flamme getrennt.

Aber halt halt ...der Reihe nach:

Letztes Wochenende war wieder Umgang beim Kindesvater und ich habe Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt die Kinder zum Frühstück gebracht.
Ich blieb nicht allzu lange, weil ich noch ein Date hatte.
Zwar war ich ziemlich erkältet, aber Zadkiel bestand darauf, dass ich unbedingt nach Miltenberg kommen solle.
Ich konnte noch nie einer rufenden Seele widerstehen.
Und es lag auf der Hand, dass er mich nun dringend brauchte.
So fuhr ich also zu ihm und wir unternahmen eine Wanderung durch die angrenztenden Wälder bis hin zur Miltenburg. Von da machten wir einen Bummel durch die weihnachtlich geschmückte Altstadt.
Zwar fror ich gotterbärmlich und mir ging es ganz entsetzlich, aber dennoch war es eigentlich ein schöner Ausflug gewesen.
Rückzus flanierten wir am Mainufer entlang und uns gingen die Themen nie aus. Seine Gesellschaft war überaus angenehm. Keine Spur von Trauer um die Beziehung, die er hatte aufgeben müssen.
Er war fröhlich und voller Energie.
Und selbstverständlich war er fürsorglich und aufmerksam und sehr sehr anständig zu mir.
Er war so bemüht, wie alle Männer es sind, wenn sie sich noch auf der Jagd befinden.
Frei nach dem Motto: Wenn ein Mann einer Frau die Wagentür aufhält, ist entweder die Frau neu oder das Auto.
Darum nehme ich diese Freundlichkeiten nicht sehr ernst.
Da ich nicht in ihn verliebt bin habe ich eigentlich in Bezug auf Zadkiel nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich schieße ihn in den Wind, ooooder ich gehe den Weg, den ich bei Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt damals auch gegangen bin - Liebe durch Gewöhnung.
Es ist wahr. Man kann sich mit Gewalt in einen Mann verlieben, wenn man genug Zeit und guten Willen investiert, bis sich die Liebe irgendwann einstellt.
Das ist allerdings genau das wovor ich mich am meisten fürchte.
Denn sobald ich einen Menschen liebe, werde ich emotional abhängig. Und mein Geliebter zieht sich dann automatisch zurück.
Männer mögen nur unabhängige Frauen.
Starke Frauen.
Frauen, die nichts und niemand brauchen.
Ich weiß nicht, warum das so ist. Es widerspricht allen Gesetzen der Natur und vor allem meinen eigenen Gesetzen!
Ich könnte heulen vor Frustration.
Aber da die Dinge nunmal so sind wie sie sind und die Menschen mich einfach nicht akzeptieren wollen, wie ich bin, kann und darf ich nur spielen.
Für ernstgemeinte Authentizität ist in dieser künstlichen Welt beileibe kein Platz.


Und nun tritt Brander auf den Plan:
Brander ist stark, unabhängig und braucht nichts und niemanden.
Das ist seine Authentizität.
Doch seine größte Stärke ist auch sein größtes Verhängnis - welche Frau könnte es langfristig ertragen, nicht gebraucht zu werden???

Jetzt hatten wir doch tatsächlich mehrere Tage infolge positiven Kontakt und schon ist es wieder passiert: ohne eine Erklärung ist er aus der Unterhaltung wieder ausgestiegen und lässt mich hängen.
So war er schon immer.
Ich vermisse das Gefühl der Sicherheit.
Gleichzeitig klammere ich mich wie wild an meine Mission. Habe ich nicht so langen gelitten, gehofft und gekämpft, um wieder in sein Leben treten zu dürfen?
Und jetzt so knapp vor dem Ziel beschleichen mich leise Zweifel.
Was ist, wenn all die Frauen - inkl. mir - im Recht waren, als sie Brander das Herz brachen???
Unvorstellbar, ja. Aber rein hypothetisch gesehen: Welches Recht hat Brander, seine Gefährtinnen wie Puppen zu behandeln? Will sagen, er setzt sie in die Ecke, bis er sich dazu herablässt mit ihnen zu spielen.
Das ist unfair!
Auch jetzt sollte ich eigentlich wütend sein, dass er sich plötzlich an mich erinnert, wo er mich braucht.
Aber wo war er, als ich ihn gebraucht hätte????
...hm...
Das sollte ich wohl.
Doch leider bin ich ...wie immer... zu sehr ich.
Ich höre ihn rufen. Und ich folge.
Und auch wenn er oft nicht antwortet, dann weiß ich doch trotzdem, dass er meine freundlichen Gesten und meine Aufmerksamkeit genießt. Es ist ein schöner Gedanke für mich, jemandem Trost und Energie spenden zu dürfen, auch wenn derjenige zu männlich ist, zuzugeben, dass er genau das braucht.
Und diese meine Emotionen stehen über jeden Zweifel und jeden Stolz. Sie erwarten nicht mal Dankbarkeit.
Und darum überwiegt mein Verlangen Teil seines Lebens zu sein. Darum halte ich auch an meinen Gefühlen fest, statt sie als Illusion zu verwerfen.

Aber was wird aus Zadkiel?

Ich kann nicht leugnen, dass ich etwas für ihn empfinde. Ich weiß nur nicht was.
Ich fühle mich durch ihn wichtig. Gebraucht. Verantwortlich.
Es tut so gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die mein Wohlwollen im Fokus haben ohne zu große Ansprüche an mich zu stellen.

Aber Empfindungen sind keine Emotionen.

Und ich kann nicht zwei Wegen folgen.

Will ich nun mit einem Mann gehen, den ich überhaupt nicht liebe, nur weil er mich braucht? Ein Mann der als Berufssoldat jederzeit sein verfrühtes Ende finden kann. Ein Mann dessen Mutter mich nicht leiden kann, weil ich 10 Jahre älter bin und bereits Kinder habe. Ein Mann, der selbst von sich behauptet, dass er sich nicht vorstellen kann, an meiner Seite alt zu werden und der mir ganz ehrlich ins Gesicht sagt, dass er nur die schöne Zeit mit mir mitnehmen will?
Oder folge ich einem ungewissen Pfad Richtung Berlin und laufe einer verflossenen Liebe hinterher - immer in dem treuen Glauben, dass WIR BEIDE uns in all der Zeit entwickelt haben könnten und er nun die Frauen anständiger behandelt???

Tja, bisher ist davon nicht viel zu spüren.
Aber noch sind wir auch bloß am schnuppern und alles ist so ungewiss!

Mein Gefühl sagt mir, ich müsste Brander einfach nur gegenüberstehen und auf mein Herz hören, um ganz sicher zu sein.

Und gleichzeitig wünschte ich mir, es wäre nicht ganz so einfach... Irgendwie hat sich Brander die Liebe nie verdient gemacht. Er hat sie immer geschenkt bekommen.
Und wenn ich eins über Leute gelernt habe, die im Leben immer alles geschenkt bekamen, dann dass sie ihr Glück überhaupt nicht wertschätzen können!!

Ihr seht also, ich schwanke zwischen einem Haufen Gedanken und Gefühlen.

Was ist richtig und was ist falsch?


Und wäre das Dilemma Kopf/Herz nicht schon genug, habe ich noch einen Haufen anderer Sorgen und Probleme.
Meine Winterreifen sind im Arsch. Sie rutschen bereits auf trockener Fahrbahn und rechts hinten verliert pro Woche 0,6 bar.
Dann sind da diese vielen Termine, die mich durch den Tag hetzen lassen: Gestern war ich erst beim Hausarzt, dann wegen Honigdachs noch beim HNO und morgen ist Augenarzt angesagt.
Straßendienst hab ich dieses WE auch nicht geschafft und jetzt liegt überall Schnee.
Meine Projekte liegen alle brach. Arbeit, Kinder und Haushalt zerren an all meinen Rockzipfeln. Von vorweihnachtlicher Stimmung keine Spur.
Sternchens Geburtstag rückt auch immer näher.

Ich pack das alles nich.

Bin nur noch müde.

Wie will ich da anderen Menschen helfen? Energie und Freude spenden?

Ich will niemandem weh tun.

Ich will aber auch nicht lügen müssen.

Was soll ich nur machen?


Fakt ist, dass ich nur einmal im Leben wirklich glücklich war.

Und ich möchte Gewissheit haben, ob dieses Glück mir wieder gehören soll.
Ob ich es mir nun ausreichend verdient habe.

Oder soll ich wirklich nur dazu bestimmt sein, andere glücklich zu machen und zu bedienen?


Wer bin ich?


1.12.20 21:43

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