reflections

Die lieben Kinderchen

 

Gestern war viel los.

Meine Mutter Poor-Angel war als Babysitter und mein Exmann Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt zum Umgang nachmittags da, weil ich aus diversen Gründen meine Schicht tauschen musste.

Das hatte zur Folge dass Sternchen am Ende so hibbelig und aufgekratzt war, dass ich abends noch einen Spaziergang mit ihr unternehmen musste, damit sie sich wieder beruhigte.

Ich lenkte unsere Schritte Richtung Aldi, weil ich nochmal diesen Weihnachtstee mit Kirsche-Marzipan haben wollte.

Als wir kurz vor dem Geschäft die Straße überquerten war da ein Gulli über einem offenen Kanal aus dem ein schrecklicher Geruch empor stieg.

Sternchen, dieses überdrehte Karnickel, schlug theatralisch die Ellbeuge vor ihre Nase und gab ein prinzesshaftes Gekreisch von sich: „Iiieeehhh! Was stinkt denn hier so?!?“ und begann in überspitzter Affektiertheit in meine Richtung zu wedeln. „Was für ein widerlicher Gestank!!!“, schrillte ihre hoffärtige Stimme quer über den Aldi-Parkplatz. Mehrere Männer drehten ihre Köpfe in meine Richtung.

Ich versuchte Sternchens Gehabe zu beenden, aber sie war nicht zu bremsen.

Ich beschloss die Flucht nach vorn. Im Laden nahm ich sie dann beiseite und zischte ihr zu, wie dumm sie sich gerade benommen hatte. Im Alter von fast 8 Jahren könne man doch etwas mehr Anstand erwarten.

 

Aber es ging ja noch weiter.

 

 

Auf dem Rückweg kamen wir an der Unterführung des Grauens vorbei.

So nenne ich jenen unseligen Ort, an welchem ich seinerzeit mein erstes Auto verloren habe.

(Ich war damals mit Vollgas in die Überflutung gefahren, was mir einen Wasserschlag im Motor sowie einen lustigen Feuerwehreinsatz beschert hatte….)

Jedenfalls umarmte ich Sternchen, weil sie gerade etwas nettes zu mir gesagt hatte, als ein Sportwagen mit getönten Scheiben direkt neben uns am Eingang der Unterführung eine Vollbremsung machte.

Neugierig hob ich den Kopf und guckte mir das an.

Der Fahrer spielte ein bisschen mit dem Gas, lies dann die Kupplung kommen und fuhr mit einem lauten „Rööööhr“ und allerlei lustigen Fehlzündungs-Puff-Geräuschen mit Vollgas durch die schallernde Unterführung davon.

Welch ein Gehabe!

Ich stupste Sternchen mit dem Ellbogen und fragte nach ihrer Meinung, was das wohl zu bedeuten hatte.

Sie zog die Nase kraus und musste nicht lange überlegen: „Bestimmt wollte er gucken, ob da Wasser in der Unterführung steht.“

Ich ging nach Luft schnappend lautlos in die Knie und konnte gerade noch rechtzeitig meine Blase kontrollieren.

Lachend kam ich wieder auf die Beine. „Oh, Sternchen! Glaubst du wirklich der hat aus diesem Grund da so lange gestanden?“

Sie zuckte die Schultern. „Der wollte halt ganz sicher gehen!“

Hysterisch lachend klammerte ich mich an die Betonmauer. Mir liefen schon die Tränen über die Wangen. Es war so schrecklich.

„Au weia, Sternchen, jetzt hab ich mir fast in die Hose gemacht!“

Wir liefen weiter. Mein Gesicht glühte hochrot von meinem Lachanfall.

Da kam gerade ein Mann um die Ecke und nickte mir freundlich zu.

Da schnappte Sternchen begeistert meine Hand und rief: „Mama, hast du dir wirklich in die Hose gepinkelt???“

Der Blick des Mannes war unbezahlbar.

Meiner wohl auch.

 

 

Ich geh mit dem Kind nie wieder vor die Tür.

 

 

 

 

3.12.20 14:42

Letzte Einträge: Gotta find my way, Frohes neues Bla, Ich liebe dich, Existence is pain, Gefallener Engel

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen


Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung