reflections

Flucht nach vorn

 

 

Ich bewundere Menschen, die zu einem konsequenten Stil fähig sind.

Menschen, die wissen was sie wollen und selbstbewusst und zielstrebig ihren Weg schnurgerade zum gewünschten Erfolg durchschreiten.

 

Ich…bin das nicht.

Ich bin die Königin der Umwege.

Ich denke immer: „Hey, da drüben ist der Weg zwar scheiße, aber was solls!, Los, Baby, rocken wir das Abenteuer!“ und dann wundere ich mich, wenn ich gefühlte hundert Jahre durch die Pampa stolpern, über Hindernisse klettern und durch Sumpf staksen muss.

 

Wenn ich zuletzt sagte, ich werde mich von Brander distanzieren und warten, ob er sich meldet und ihm die Freundschaft kündigen, wenn nicht – dann war das wieder so eine meiner Launen.

Die Psyche einer Frau ist wie ein undurchdringlicher Wald. Und meine ist der reinste Dschungel.  

Darum habe ich beschlossen Brander die Ehre zu erweisen, Einblick in meine Gedankenwelt zu gewähren.

Obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass ihn mein Geschreibsel interessiert…oder meine Gedanken…oder Gefühle…. Er ist nicht unbedingt dafür bekannt, dass er gerne liest. Außer es ist von Cornwell.^^

Wenn mir einer meiner Exfreunde sein Tagebuch zu lesen geben würde, hätte ich auch kein Interesse daran. Von daher kann ich es verstehen.

Ich für meinen Teil kann endlich voller Stolz behaupten, dass ich vollumfänglich den Schmerz und die Verzweiflung überwunden habe. Es ist geschafft. Mir geht es wieder gut und ich bin bereit auf neuer Ebene mit Brander zu kommunizieren. Allerdings muss ich jetzt Rücksicht nehmen und warten, bis er es auch verwunden hat. Das kann dauern, denn er hat lange seine Gefühle auf Eis gelegt und fängt wohl jetzt erst an, den Schmerz zu verarbeiten. Darüber hinaus durchlebt er andere Phasen als ich. Er hatte zuerst die Wut und dann erst die Trauer.

Aber auch für mich waren immerhin 3 Monate nötig, um ausreichend zu leiden, bis Körper und Geist den Selbstschutz aktivierten und mein Denken neu programmierten.

Ich vermisse ihn schon noch und denke oft an ihn. Aber es ist nun anders.

 

Der Schalter ist umgelegt.

 

Würden wir jetzt nochmal von vorne anfangen, wäre es wirklich ein Neuanfang und nicht etwa ein Aufwärmen von bereits Dagewesenem.

 

Allerdings kann ich auch akzeptieren, wenn er es nicht will.

 

Ich kenne leider niemanden, der schon mal eine Beziehungspause eingelegt und dann die Liebe neu wiederbelebt hat. Ich habe also keine Ahnung, ob sowas funktioniert.

 

 

Das Alleinsein ist für mich momentan nicht tragisch. Ich habe viel zu tun und unzählige Projekte am Start. Winterzeit ist Bastelzeit. Ein Mann würde mich da nur behindern.

 

Bei Facebook habe ich wieder ein paar Leute kennen gelernt, die mir den Hof machen.

Sie sind allesamt nett bis verrückt und wohnen querbeet in Deutschland verteilt. Aber wer bin ich, mich zu beschweren?

Ich habe keine Freunde und ich will auch keine. Hab ich eh keine Zeit für.

Aber Internetbekanntschaften sind anspruchslos und einfach zu händeln.

 

Den Kontakt zu Leif habe ich erst mal eingestellt.

Nach langem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass seine Ideologie einfach nicht mein Weg ist. Nichtmal mein Umweg. Sorry.

Er wird es verstehen.

 

Ansonsten war ich bemüht die Ferien meiner Kinder Sternchen und Honigdachs so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir waren im Kino, im Schwimmbad, im Indoorspielplatz und wir haben Fahrrad fahren und lesen geübt.

 

Ab nächsten Monat wird mein Arbeitsvertrag umgestellt und ich werde 8 Stunden wöchentlich mehr arbeiten. Ich bekomme eine neue Kollegin, die ich einarbeiten muss. Das wird ein Spaß.

Und ich bekomme € 1.100,00 brutto. (Sacht nix…ich weiß, da bleibt nüscht viel übrig bei Steuerklasse 5 )

 

 

Nächstes Wochenende bin ich beim Shire of Meadowmarsh. Bin gespannt. Es soll wieder mittelalterlich getanzt werden.

 

:-)

 

13.1.20 10:41, kommentieren

The last Stand



Jerry Lewis hat einmal gesagt:
Wenn du sie nicht durch Geschicklichkeit beeinducken kannst, dann verblüffe sie mit Blödsinn.

Man kann mich freilich nicht als besonders geschickt bezeichnen. Eigentlich bin ich sogar eher tollpatschig. Zumindest wird mir das nachgesagt.
Nachdem ich nun also alles Menschenmögliche versucht hatte, um Branders Aufmerksamkeit zu erhaschen und er auf alle meine Avancen nicht ansprang, habe ich zuletzt eine Reihe dummer Spaßfotos an ihn gesendet, in welchen ich grimassiernd einen kleinen Regenbogen, der sich im Schliff eines Spiegels brach, mit dem Gesicht auffing.
Seine einzige Reaktion fiel jedoch mehr als verhalten aus:
"Ähm jaaa"

Danach war ich mit meinem Latein am Ende.

Ich habe für ihn gedichtet.
Ich habe für ihn gemalt.
Ich habe für ihn gebacken, ihm eine nadelgebundene Handarbeit gefertigt und ihm allerlei Kleinigkeiten per Post geschickt.
Bei allem was ich für ihn tat, habe ich mir schwer Gedanken gemacht, um ihm eine Freude zu bereiten.

Seine Replik war stets höflich, aber einsilbig.

Selbst meine erotischen Offerten verliefen fruchtlos.

Meine letzte Nachricht an ihn war ein Neujahrsgruß, der nie erwidert wurde.

Und damit habe ich nun endlich einen Entschluss gefasst - bzw. einen Vorsatz fürs neue Jahr: Ich stelle meine Bemühungen ein.

Ich werde absofort alle Zeichen  ignorieren, die mich an ihn erinnern sollen. Ich werde keine Unternehmungen mehr anstellen, die mich weiterhin lächerlich machen.

Am 14.01.2020 wird es ein ganzes Quartal sein, welches wir getrennt sind.
Sollte er bis dahin keinerlei Anstalten unternommen haben, von sich aus Kontakt zu suchen, werde ich das Kapitel endgültig abschließen und nicht mal mehr an eine Freundschaft mit ihm glauben.

Ja, ich weiß was das heißt.

Ich gebe auf.


Und nicht nur das.
Ich habe beschlossen auch von dem Gedanken an eine neue Liebe gänzlich wieder abzurücken.
Mein neuer Plan sieht vor, lediglich ein bisschen Spaß zu genießen.
Brander würde mich "Fickschlitten" nennen. Ich sage dazu: junge moderne Frau, welche die Erfüllung sexueller Befriedigung anstrebt. Das ist normal und völlig in Ordnung!
Ich bin 33 Jahre alt. Mein Leben ist noch nicht vorbei. Liebe tut weh und ist enttäuschend.
Ich möchte mit gleichgesinnten jungen Leuten abhängen, lachen und Spaß haben und nachts mit dem Mann meiner Wahl die Wonnen teilen. Ich will Abenteuer. Ich will Erotik. Partys. Ich will die Zeit zurück, in der ich besoffen mit einer Gruppe Leuten in ein Schwimmbad eingebrochen bin. Ich will Scheiße machen. Die Langeweile vertreiben. Aus dem Alltag ausbrechen.

Ich werde damit anfangen, die Pille wieder zu nehmen.


Scheiß drauf, was andere darüber denken.

Ich will leben.




3.1.20 01:47, kommentieren

Leif is Leif

 

Einer der Männer, die ich in Adventon kennen gelernt habe steht noch mit mir über Facebook in Kontakt. 

Die Rede ist von Leif, der lieber mit seinen Freunden saufen gehen wollte und damit die einmalige Gelegenheit versäumte mich auf sein Lager zu führen ...

Er ist eigentlich sehr nett und macht mir oft Komplimente.

Er sieht gut aus, wohnt in der Schweiz, umgibt sich gern mit schönen Frauen und führt ein sorgloses Leben.

Obwohl ich mich sehr zurückhaltend gebe, ist er total verrückt nach mir und hat auch keine Angst vor meinem übersteigerten Sexualtrieb.

Im Gegenteil. Er begrüßt das und es ist ihm wahrhaftig ein Bedürfnis, mir zu extatischen Höhenflügen zu verhelfen.

Mittlerweile setzt er alles daran, mich in die Schweiz zu kriegen und er verspricht mir allerhand süße Dinge: dass er mich tagsüber wie eine Königin behandeln wird und nachts wie eine Sklavin.

 

Er ist auch der Auffassung, dass ich gar nicht krank bin, bloß weil ich mit meiner unerschöpflichen Lust nicht fertig werde. Er findet, es sei die Gesellschaft, die krank sei und dass in der Monogamie der Ursprung allen Übels stecke.

 

Er glaubt zu wissen was ich brauche und ich bin im Zweifel, ob ich der Sache eine Chance geben soll.

Ich kann mich schlecht ablehnend zeigen, da ich eigentlich gar keine Ahnung von seiner Ideologie habe. Ich müsste es erst ausprobieren, um mir wirklich ein Urteil erlauben zu dürfen. Aber ich hab auch ein bisschen Angst davor...

 

Vielleicht ist das wovor wir uns am meisten fürchten, am Ende unser Schicksal?

 

Aber was wenn nicht? Dann habe ich eine schreckliche Erfahrung mehr auf der Liste.

 

Manchmal komme ich mir so vor, als rannten alle anderen an mir vorbei und ab hinein ins Glück. Und ich bin die, die noch halb auf der Treppe stehen bleiben musste, weil plötzlich das Licht ausging. 

 

Wenn da einer - nur irgendeiner - um meintenwegen Willen mit ner Kerze zu mir kommt, ist es mir egal, ob es ein Dämon ist. 

Vielleicht bin ich ja selbst einer!

Vielleicht bin ich sogar der schlimmste von allen.

Vielleicht...

 

 :/

Oh, Brander, wenn ich nur ein Zeichen von dir bekäme...

Aber du schweigst dich aus.

 Und wenn ich dich nicht ab und zu anschreiben tät, würde ich überhaupt nichts von dir hören!

Würdest du wollen, dass ich mich neu orientiere und mutig neue Wege ausprobiere? Oder würdest du mich für naiv halten?

 

 

...............

 

Ich habe gestern seinen roten USB-Stick mit der Mittelaltermusik aktiviert und dabei furchtbar angefangen zu weinen.

Er hat mir die Musik beim Abschied von unserem ersten Treffen geschenkt.

 

Damals, als ich noch wirklich das Gefühl hatte, dass er mich liebt und dass er mich braucht.

 

Wenn das alles Lüge war, was darf ich dann eigentlich noch glauben?

Hat er mich nur benutzt, um seine Exfreundin zu vergessen?

 Oder haben meine Dämonen ihn am Ende dazu gebracht sich zurückzuziehen?

 

...So wie alle Männer...

 

 

Ihr Götter, helft mir, ich weiß nicht was ich tun soll, um Liebe zu finden.

 

 

 

 

 

27.12.19 20:25, kommentieren

Wintersonnenwende

 

 

Anlässlich der Wintersonnenwende habe ich beschlossen mein eigenes privates Julfest zu zelebrieren.

 

Für jemanden wie mich, der sich nachts im Dunkeln nicht einmal aufs Klo traut und prinzipiell von irrationalen Ängsten geplagt ist, wollte ich den nordischen Göttern mit dem mutigsten Manöver aufwarten, welches für meine Verhältnisse in Betracht kam: Ein Selbsterfahrungsweg mit Konfrontationstherapie im Alleingang.

Warum das für mich persönlich so wichtig war hat viele Gründe.

Ich habe kürzlich darüber nachgedacht, wie ich Branders Zuneigung für mich gewonnen habe. Dazu musste ich nicht lang grübeln, denn er hat es mir damals gesagt. Ich habe ihn mit meinem mutige entschlossenen Handeln beeindruckt.

Wenn ich nun also die Götter von mir überzeugen wollte, dass sie den Liebeskummerfluch von mir nehmen, musste ich mit etwas aufwarten, das mächtigen Eindruck schindet, soviel stand fest. Denn mit einem hübschen Gesicht und zentnerweise Schminke kann man weder Herzen noch Freundschaft gewinnen. Und erst recht nicht göttlichen Beistand. 

Für mein Ritual wählte ich einen Gegenstand aus, der schon lange auf meiner Abschussliste stand: das verfluchte gelbe Kleid mit dem der ganze Ärger seinen Anfang nahm. Es war das Kleid, welches ich bei meinem Abschied in Rabenstein trug. Das gleiche Kleid in welchem ich später auf der Suche nach Ärger meinem Peiniger in die Hände gefallen war. Das Kleid, welches ich geschworen habe nie wieder anzurühren.

Natürlich hätte ich es verkaufen können. Es hat 65 Euro gekostet und war erst drei mal getragen worden. Aber das Geld hätte ich genausowenig anrühren mögen. Und das Wissen darum, dass ein anderes Mädchen in dem verfluchten Kleid in Schwierigkeiten gerät bereitete mir ebenfalls Magenschmerzen.

Das Gewand war gelb. Ein Zeichen für leichte Mädchen im Mittelalter.

Mit einem Edding schrieb ich meine Sehnsüchte und Wünsche darauf: Licht, Kraft, Liebe, Gesundheit, Frieden und Erkenntnis. Ganz allgemeine Wünsche also. Nicht spezifisches. Nein, das sollen die Götter selbst entscheiden.

Ich bat Brander höflich um Informationen, wie es bisher bei ihm abgelaufen war, aber er hatte keine Lust mir von seinen Erfahrungen zu berichten. Darum habe ich im Internet recherchiert und bin auf eine Reihe Gebete gestoßen, die ich für meine Zwecke umschreiben konnte. Auch den genauen Ablauf habe ich mir notiert, damit ich alles möglichst richtig mache.

Dann brachte ich die Kinder zu Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt und fuhr in den Supermarkt um Sicherheits-Brennpaste zu kaufen. Mein Ex-Mann hat mir Tips zum Feuermachen gegeben und noch dazu einen Rucksack voll mit geeignetem Holz. Er ist der einzige, der momentan wirklich nett zu mir ist, aber ich genieße diese Fürsorge mit Vorsicht. Man weiß nie, welche "Nettigkeiten" dieser Mann noch für mich geplant hat....

Zu Hause bereitete ich ein Säcklein mit Feuerkräutern vor: Lorbeer, Lavendel, Minze und Duft-Geranie. Ich füllte ein bisschen Met ab, kochte eine Thermoskanne Tee, holte Schaffell, Messer und angemessene Kleidung und bereitete mich vor so gut ich konnte.

 

 Der Weg sollte mich an einen besonderen Ort führen. Dort wo Brander und ich am glücklichsten waren und wo ich besondere Erinnerungen verknüpfe. Die Rede ist von einem Waldsee weit draußen in einer tiefen Schlucht, die früher mal ein Basaltsteinbruch gewesen war. Der nächstgelegene Ort liegt eine halbe Stunde Fußweg entfernt und ist ein 500-Seelendorf, in welchem ich meine Kindheit verbracht hatte.

Obwohl der See sehr schön ist, kommen nur wenig Menschen dort hin. Der Weg führt quer feldein über Wiesen und durch ein Waldstück ohne erkennbare Straße. Es ist schon bei Tageslicht und mit wenig Gepäck ein ordentlicher Orientierungslauf. Nur ein schmaler steiler Wildwechsel führt runter in die Schlucht und man muss einen Bach überqueren.

Ich fuhr schon um 21:30 Uhr los, weil meine Nerven drohten schlapp zu machen. Mein Gepäck hatte ich in einer großen Umhängetasche und einem schweren Rucksack untergebracht.

 Die Reise dorthin war ziemlich schlimm. Ich habe vor dem Gatter geparkt und bin nachtblind und voller Angst los gelaufen

Der Weg ging stur bergauf. Erst durch ein kurzes Waldgebiet, dann eine Weide entlang. Dann über eine Bergwiese hoch bis an den nächsten Waldrand. Von oben konnte ich dank guter Fernsicht bis zur Skyline von Frankfurt sehen.

Auf halber Strecke hatte meine Taschenlampe plötzlich lauter reflektierende Augenpaare am Waldrand kenntlich gemacht.Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Der Lichtkegel reichte nicht aus, um zu sehen, ob es Wildschweine oder Rehe seien. Ich fasste mir ein Herz und schleppte mich keuchend und von nackter Panik erfüllt näher.

Wie sich herausstellte waren es nur ein Rudel Rehe. Seltsamerweise liefen sie gar nicht weg. Sie standen stockstarr und glotzten nur in mein Licht.

Ich bat höflich darum den Wald betreten zu dürfen und schob mich an ihnen vorbei.

Mittlerweile war ich ziemlich außer Atem. Die Sachen waren verdammt schwer. Aber ich spürte wundersamerweise enorme Kraft und Ausdauer und setzte meinen Weg durch das Unterholz tapfer fort.

Meine Gedanken wanderten kurz zu all den Horrorfilmen, die ich im Leben geguckt hatte. Auch zu MythenMetzgers Aussagen betreffend die Shadow-People. Meine Angst war riesengroß und ich versuchte leise ein Lied zu singen.

Nach einer Weile hatte ich mich verirrt und musste ein Stück weit umkehren. Ich hatte den Abstieg im Dunkeln nicht mehr finden können. Es gab keine Orientierungspunkte bei Nacht. Einmal im Kreis gedreht wusste ich nicht einmal mehr aus welcher Richtung ich gekommen war. Der Wald sah überall gleich aus. Ein zweites Rudel Rehe kreuzte meinen Weg. Ich hab mich furchtbar erschrocken.

Als ich den Pfad endlich fand hatte ich mich weiteren Problemen zu kämpfen. Es war kalt geworden und ein Atem machte Wölkchen, die in meinem zusätzlichen Stirnlampenlicht grellweiß vor meiner Nase tanzten. Der Weg war rutschig und uneben und ziemlich steil an einigen Stellen. Außerdem sah er nicht mehr so aus, wie in meiner Erinnerung. Umso mehr war ich erleichtert, als ich den kleinen Bach fand, den ich wieder erkannte.

Von dort war es nicht mehr weit, da lichtete sich der Wald ein wenig und gab den Blick auf die Stelle frei, an der ich mit Brander und den Kindern einst gewesen war. Der Boden war ziemlich aufgeweicht und schmatzte beim Laufen. Aber ich trug Wanderschuhe und störte mich nicht daran. Nur mit dem Feuer würde es problematisch werden.

 In der Schlucht selbst war es ansonsten sehr friedlich. Entgegen der Wettervorhersage sogar sternenklar und windstill.

Ich nahm Branders Halskette mit dem Thorshammer in die Hand und bat Donar den Platz zu weihen und vor Unheil zu schützen.

Dann habe ich mein Zeug abgeladen, ein paar Kerzen angezündet und sie im Halbkreis hinter mir aufgestellt. Als nächstes wurde ein Becher Met mit Odin geteilt (zur Hälfte in den See gegossen) und um Beistand gebeten.

Nun lag es an mir das ganze Holz auszupacken und an halbwegs trockener Stelle aufzuschichten. Meine Hände haben furchtbar gezittert. Obwohl meine größte Befürchtung gewesen war, dass es überall knackt, raschelt und knistert, war die tatsächlich vorherrschende Stille nicht weniger nervenraubend.

 

Als das Feuer endlich brannte begann ich meine Gebete:

 

"Baldur, lichtgleicher, heller Gott. In der dunkelsten Nacht opfere ich dir und bitte um neues Licht. Ich stehe in dunkler Kälte und vertraue auf neue Wärme."

 

"Freya, Göttin der Liebe, des Frühlings, der Fruchtbarkeit und des Zaubers. Schenke meinem Herzen neue Hoffnung und erlöse mich von trostlosen Stunden und quälenden Gedanken."

 

"Eir, Göttin der Heilung, dich bitte ich um Gesundheit im kommenden Jahr."

 

Darauf nahm ich meine erste Opfergabe von dem ausgebreiteten Schaffell: das gelbe Kleid.

Ich verteilte Brennpaste darauf und legte es auf die Flammen. Im ersten Moment hatte ich Angst, das Feuer würde ersticken und hob schnell eine Ecke hoch, da kam auch schon eine Stichflamme entgegen und ich ließ es wieder fallen. Ich hab echt kein Talent in Sachen Feuer....

Unbeirrt fuhr ich fort.

 

"Donar, starker Kämpfer, mein Blut für deine Kraft. Damit ich mein Schicksal erfüllen kann."

 

 Ich langte erneut zum Fell und hob ein Messer auf. Leider war es nicht scharf genug und ich musste drei mal ansetzen, bis der Schnitt an meinem Arm endlich tief genug war. Dennoch wollte es nicht richtig bluten. Scheinbar hat Angst Einfluss auf den Blutfluss. Ich weiß es nicht. Ich hielt den Arm solang übers Feuer, bis endlich ein paar Tropfen fielen. Ich dachte schon, ich müsste lebendig rösten. Ja, Feuer ist heiß....

 

Ich schloss mit dem Erkenntnisgebet:

 

 

"Ich erkenne die Asen und Vanen als hochheilige Götter, die ich im Opfer verehre. Mein Leben richte ich gemäß der Sitte der Ahnen, im Vertrauen auf die heilspendenden Götter. In Verantwortung für mich und meine Sippe. Mögen meine Nachkommen ruhmreiches Urteil über mich richten. Entstammend den Göttern. Erhalten von den Göttern. Getragen von den Göttern. Vertraue ich darauf, dereinst mit den Ahnen, Vasen und Vanen in Gemeinschaft vereint zu sein."

 

 

Ich will ehrlich sein, der Tenor mit der Sippe hat mich ein wenig traurig gestimmt. Ich wurde tatsächlich noch von keiner Sippe aufgenommen und es war irgendwie nicht recht so daher zu reden. Aber ich wollte den Text auch nicht eigenmächtig umdichten.

 

 

Dann habe ich das kleine Leinensäckchen mit den Feuer-Kräutern über die Flammen ausgeschüttet und noch einige Zeit auf meinem Widderfell gesessen. Tee getrunken. Kippen geraucht. Bisschen nachgedacht. Die Sterne betrachtet. Ruhe und Kraft getankt. Leise Zwisprache mit den Göttern gehalten. Von meinem Kummer erzählt. Ein wenig Mittelaltermusik auf meinem Handy abgespielt.

 

Ich saß die ganze Zeit nur in Branders Leinenhemd und Jeans auf dem Fell am Feuer und habe überhaupt keine Kälte gespürt. Den Parker hatte ich gleich zu Anfangs ausgezogen, um mich besser bewegen zu können.

Als ich meine Reden führte, hatte ich das Gefühl alle sitzen um mich versammelt und hören mir zu. Ganz besonders habe ich die Präsenz von Baldur gespürt. Ich glaube ganz fest daran, dass ich bald wieder Licht in mir tragen werde.

 

Als das Feuer runter gebrannt war, hab ich mit der leeren Thermosflasche mehrmals Wasser geschöpft und die Glut komplett gelöscht.

 

Der Rückweg ging ganz gut. Ich hab mein Handy leise Musik spielen lassen. Das hat geholfen. Auf der Wiese traf ich wieder meine Freunde, die Rehe. Vielleicht waren es auch Hirsche. Ich glaub, Rehe sind kleiner und etwas scheuer.

Beim Auto frischte dann der Wind auf und der Himmel zog sich augenblicklich zu. In dem Moment kam mir das schon ein bisschen so vor, als hätten die Götter tatsächlich für die Zeremonie ihre schützenden Hände über mich gehalten.

 

 

 

Das war also die Erfahrung meiner ersten Opfernacht anlässlich Jul.

 

Und bevor ihr fragt: natürlich habe ich den Platz sauber und ordentlich zurückgelassen!

 

 

Noch im Auto checkte ich meinen Handyempfang und konnte Brander ein Video schickten, welches ich von meinem Feuerchen gemacht hatte. Er antwortete auch prompt, dass er stockbesoffen sei.

 

Tja, nicht jeder kann das Fest mit der nötigen Ernsthaftigkeit eines wahren Germanen begehen. Ich muss einfach noch üben...^^

 

Zu Hause angekommen versuchte ich ihm noch begreiflich zu machen, was für ein Wunder ich erlebt hatte, aber es interessierte ihn nicht. Er hat nicht mal meine Sprachnachricht abgehört. Das war so gegen halb eins in der früh.

 

Ich blieb noch drei weitere Stunden wach und staunte über mich selbst.

 

Anderntags (also heute morgen) war ich schon früh wach. Ich legte wikingermäßige Schminke auf (kennt ihr Floki von Vikings^^) und zündete auf der Terrasse drei Räucherstäbchen an, die ich damals mit Brander zusammen gekauft hatte.

Damals bei unserem ersten gemeinsamen Markt.

 

 

Und dann geschah das Wunder.

 

 

Ich musste nicht weinen.

22.12.19 18:12, kommentieren

Objektivität

 


Nachdem Poor-Angel meinte, ich würde Brander genau wie meine übrigen Exfreunde zu sehr verglorifizieren und seine Missetaten schön reden, will ich mir heute mal die Mühe machen und vom Leder ziehen.
Nein, nicht alles ist Gold was glänzt.
Und ja, er hatte seine Schwächen und Fehler.
Vielleicht hilft es mir meine Sehnsucht zu überwinden, wenn ich mir mal vor Augen führe, welche Schmerzen er mir zugefügt hat, ehe es zur Trennung kam.
Ich will es nicht schön reden: ich habe sein Herz in den Abgrund geworfen. Aber was hat mich an diesen Abgrund getrieben?

Wenn ich bereits von seinem emotionalen Rückzug berichtet habe, so ist das eigentlich nur die halbe Miete.
Es gab Augenblicke, da war er grausam.

 

 

Garz:
Ich fuhr also 9 Stunden durch das Land, um einen Mann zu treffen, mit dem ich mein Leben verbringen wollte.
Und was fand ich? Ablehnung.
Brander und Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt könnten Zwillinge sein. Beide haben die Angewohnheit mit ihren Kumpels offener und herzliche umzugehen, als mit ihren eigenen Frauen. Freunde, die man nur einmal im Jahr sieht haben Vorrang. Ok. Mit denen wird dann gelacht und gescherzt und man führt Gespräche. Mit mir kann man das anscheinend nicht.
Also habe ich mich zurück gezogen. Zuerst lag ich ein paar Stunden einsam an einem See, bis ein paar Männer nach mir sahen, ob ich noch lebte. Brander kam nicht auf die Idee nach mir zu suchen. Er genoss es, Ruhe vor mir zu haben.
Auch am späten Abend, als es schon dunkel war, musste ich mich zurück ziehen, weil die Einsamkeit in seiner Gesellschaft mich sonst öffentlich zum weinen gebracht hätte.
Ich bin ein ganzes Stück vom Lager fort gelaufen. An einem Feld entlang und um den halben See, um dort am Ufer leise Mittelaltermusik von meinem Handy zu hören und Frust zu schieben. Ich hing meinen Gedanken nach und konnte nicht verstehen, dass ich ihm so egal war.
Einen Moment lang habe ich mir gewünscht, dass jemand käme um mir Gewalt anzutun, nur damit Brander sich schuldig fühlte mich vernachlässigt zu haben. Aber das waren nur die kindischen verbitterten Gedanken einer frustrierten und zurückgewiesenen Frau.

Zurück im Lager habe ich schnell betrunken, um einen wattigen Nebel in mein Hirn zu legen, der alles dunkle darin einlullt.

Eine andere Begebenheit dort fand tagsüber während der Kämpfe statt.
Er verlangte von mir, dass ich ihm einen schweren Krug Wasser hinterher trage, damit er zwischen den Kämpfen trinken konnte. Das war auch ok.
Allerdings rannte er grußlos mit seinem Schwertbruder fort und ich wusste überhaupt nicht dass es schon los geht. Er hat mich einfach stehen gelassen und ich fragte eine Freundin, ob sie mich begleiten wolle. Ich mag nicht gern allein durch Menschenmassen laufen.
Ich fühlte mich verraten und übergangen und kaschierte mein Unglück mit fröhlichem Lästern.
Der Weg zurück war dann genauso schlimm.
Brander hatte einen ernsten Treffer ins Gesicht einkassiert und war wütend. Noch in voller Montur wollte er ins Lager des Gegners stürmen "um das zu klären". Mir blieb das Herz fast stehen. Schnell rannte ich hinter ihm her, rief seinen Namen und wollte, dass er stehen bleibt. Er war noch so angefüllt von Wut und Hass, dass er mich anbrüllte, ich solle ins Lager zurück kehren. Ich dachte gar nicht daran. Ich wollte ihn nicht mit dieser Wut allein lassen. Ich wollte ihn von weiterem Schaden abhalten und klammerte mich an ihn, er solle mir zuhören.
Da packte er mich an beiden Schultern, hob mich ein Stück von den Füßen um mich zu schütteln und warf mich von sich. Ich solle im Lager auf ihn warten. Alle Augen waren auf mich gerichtet.
Was hätte ich tun sollen? Folgsam gehorchen????
Er benahm sich wie ein Arsch. Schlimmer noch als jeder andere meiner bisherigen Männer.
In diesem Moment konnte ich kein Verständnis mehr für ihn aufbringen.
Ich brüllte ihm nach, dass ich nicht mehr im Lager sei, wenn er zurück käme und ging um zu packen.
Ihm war das erst mal egal. Er zog sein Ding durch und ließ sich erst später blicken.
Klares Zeichen.
Das sind seine Prioritäten.
Die Frau kommt an letzter Stelle und alles andere ist wichtiger.
Da wusste ich, dass wir nicht zusammen alt werden würden.

Ich war beinahe fertig, als er zu mir ins Zelt kam und reden wollte.
Er hatte sich sichtlich abgeregt und war bereit mir zu erklären was los war.
Aber nun war ich voller Zorn und geizte auch nicht mit Stimmgewalt.
Sollten die anderen ruhig hören, dass ich sauer war.
Mit viel gutem Zureden - immernoch in voller Rüstung und verwundet - gelang es ihm schließlich mich umzustimmen.

Beim Abschied von Garz ging vieles drunter und drüber.
Ich hatte einen Anruf bekommen, dass Honigdachs von einem Hund gebissen worden war und ich dringend gebraucht würde.
Obwohl ich voller Sorge war, wartete ich, bis Brander sein Lager abgebaut und verstaut hatte. Dann versprachen wir uns, dass wir noch ein weiteres Treffen in Rabenstein abhalten würden und dann gemeinsam entscheiden, ob unsere Beziehung eine Zukunft hat.


Rabenstein:

Diesmal war ich nicht allein. Sternchen begleitete mich und sollte verhindern, dass Brander mir öffentlich weh tat.
Und es war ein Glück dass sie dabei war, sonst wäre ich vor Einsamkeit gestorben.
Als ich nach fast 5 Stunden im Auto dort ankam, rief ich ihn an, er solle mir beim Tragen helfen. Er tat es zwar, aber man merkte, dass er es ungern tat.
Offensichtlich wollte er, dass ich mit Kind und Koffer das Lager nach ihm absuche....
Sein Willkommen war mehr als unterkühlt. Er lief vorneweg, warf mein Zeug ab und setzte sich auf eine Bank, um Ruhe zu haben.
Kein Kuss. Kein Knuddeln. Kein freundliches Wort. Nichtmal ein Becher Wasser.
Er setzte sich so weit von mir weg wie möglich, zog eine Fresse und bedauerte es, dass ich schon da war.

An den folgenden zwei Tagen verbrachte er seine Zeit unentwegt in einer Schmiede am anderen Ende des Marktes und missbrauchte mich alldieweil als Kurier, wenn ich etwas holen oder bringen sollte.
Viel unternommen haben wir nicht. Gekauft hat er mich auch nichts. Und gefeiert hat er ausschließlich mit seinen Freunden.

Was habe ich gemacht?
Ich habe meine Mutter-Tochter-Beziehung gestärkt und bin mit Sternchen wandern gewesen. Wir waren in den Wäldern. Wir waren im nächsten Dorf und wir waren auf einem Spielplatz. Wir haben uns auch den Markt mehrmals angesehen.
Abends habe ich mir heftigst die Kante gegeben, dass sogar Branders Köchin lautstark rief, er solle mich einfach von der Bank fallen lassen.

Brander war nicht sehr glücklich über meinen Ausfall.
Und ich war es auch nicht.

Beim Abschied wollte ich ihn endgültig verlassen, aber ich konnte es nicht.

Er war ein Schwein, aber ich konnte nicht aufhören an das Gute in ihm zu glauben.
Wenn er bei mir zu Gast war, benahm er sich anders. Da war er meistens ganz nett.
Ich verstehe das nicht.
Ich wollte doch einfach nur geliebt werden.
Ich bin sogar sehr genügsam. Ich brauch gar nicht viel. Ein Mann kann mich mit einfachsten Mitteln glücklich machen, wenn er nur will.

Aber anscheinend musste ich furchtbar viel falsch gemacht haben, damit er mich so rüde abwies.

Bis heute weiß ich nicht, warum er mir das alles angetan hatte.

Ich hoffe, dass er es mir eines Tages erzählt.

Kritik ist zwar eine schmerzhafte Sache, aber vielleicht erfahre ich dadurch, wie ich meinem zukünftigen Mann eine bessere Frau werden kann.











14.12.19 12:31, kommentieren

Down

Es ist Nikolaustag und mein Exmann war den ganzen Nachmittag da.Irgendwie konnte ich heute nicht die rechte Stimmung aufbringen und das tut mir leid.Liegt vielleicht daran, dass ich morgen zu einem Date muss auf welches ich wenig Bock habe. Aber ich habe nunmal zugesagt und jetzt zieh ich das halt durch.Ich wünschte, ich hätte es schon hinter mir.Unfair von mir, ich weiß.Aber von Brander kommt einfach kein Zeichen und ich muss mich zwingen meinen Fokus zu befreien.Meine Liebe wird zur Besessenheit.Das ist nicht länger in Ordnung. Das wird wahrscheinlich keiner verstehen, aber ich wünschte ich wäre ein Gerät, dem man - wenigstens vorübergehend - den Stecker ziehen könnte.Ich möchte ins Koma fallen, ein paar Monate überspringen und mit gelöscjtem Gedächtnis wieder aufwachen.Ich will den Reset.Ich will mich betäuben.Ich kann nicht mehr.

1 Kommentar 6.12.19 20:18, kommentieren

Sachstand



Es ist an der Zeit Bilanz zu ziehen.
Wie geht es mir?



1.)
Gesundheitlich:
Schlecht. Ich bin seit einigen Wochen krank und es wird von allein nicht besser. Aber es könnte schlimmer sein. Laut Laborbericht habe ich kein AIDS. Dafür eine nette kleine Rechnung zu begleichen, was mich zu Punkt 2 bringt.
2.)
Finanziell:
Es geht aufwärts.
Ich habe sage und schreibe 30 Überstunden diesen Monat geleistet und mir damit zusätzliche 300,- verdient.
Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hatte mir für den Autokauf meiner Mutter 200 Euro geliehen und damit hätte ich bequem meine Schulden tilgen können, aber er will das Geld nicht zurück.
Kann sein, dass er ein schlechtes Gewissen hat - aus welchen Gründen auch immer - oder dass er einfach nur dankbar ist, dass ich ohne Streit in seinen Scheidungsantrag eingewilligt habe. Vielleicht spiel aber auch meine plötzliche Trennung von Brander eine Rolle, so dass sich mein Ex-Mann einschmeicheln will. Ich weiß es nicht.
Ich habe das Geld hälftig geteilt und mit dem Verwendungszweck "Weihnachtsgeschenk von Papa" auf die Konten unserer Kinder überwiesen. Er weiß Bescheid und findet das in Ordnung.

3.)
Scheidung
Ich habe Angst. Große sogar.
Mit Brander an meiner Seite wäre es wahrscheinlich weniger schlimm gewesen, obwohl es immernoch mein eigener Kampf und mein alleiniges Risiko geblieben wäre.
Auch habe ich es nicht nötig meine Probleme zu denen eines anderen zu machen, indem ich jammere oder mich beklage. Ich hab meine Päckchen immer alleine getragen! Ich war vielleicht nicht immer erfolgreich, aber ich war auch für niemanden eine Belastung.
Vielleicht bin ich gerade deshalb so dankbar, hier meinen Unmut zum Ausdruck bringen zu können. Hier kennt mich niemand.

Ich gehe davon aus, dass ich Anfang 2020 geschieden sein werde.
Wie es dann für mich weitergehen wird, liegt in Gottes Hand.
Wenn ich mich und die Kinder auf meine Kosten krankenversichern muss, werde ich entweder mehr arbeiten oder einen Posten von meiner Ausgabenliste streichen müssen. Will sagen, ich müsste mein Auto aufgeben oder in eine billigere Wohnung umziehen.
Ich bin sehr verunsichert.
Anhand der Überstunden habe ich bereits zu spüren bekommen, wie sehr mein Honigdachs unter der Trennung leidet. Die Verabschiedungen morgens in der Kita haben uns beide oft gleichermaßen zum weinen gebracht. Es ist schlimm geworden. Richtig schlimm.
Sie klammert wie verrückt und ich kann sie verstehen.
Ihr Liebesbedürfnis ist so groß wie meines.
Gott hilf mir, was soll ich nur machen?

4.)
Ein Handwerk
Ich habe in den letzten Wochen nadelbinden gelernt. Ich stelle allen voran Handstulpen und Handschuhe aus Filzwolle her und habe auch schon ein paar Abnehmer gefunden.
Ein Mann schrieb mich sogar an, er würde mich gern für fortlaufende Lieferungen anheuern, aber er hat sehr extravagante Wünsche und dafür muss ich noch viel lernen und üben.
Ein anderer Mann bestellte maßangefertigte Handstulpen - ähnlich wie die von Brander - und ich habe 15 Euro von ihm erhalten.
Jemand anderes hat sogar Armstulpen für 25,- bei mir gekauft.
Eine Frau steht noch mit mir in Verhandlungen für einen weiteren Auftrag.
Ich darf nur die Zeit nicht berechnen. Wenn man bedenkt, dass ich teilweise 6 bis 8 Stunden an den Dingern sitze, blutet mir schon ein wenig das Herz.

Aber ich verkaufe auch andere Dinge.
Zum Beispiel bin ich zwei Kinder-Autositze für insg. € 35,- losgeworden.

Ansonsten bin ich einfach sparsam. Ich kaufe nur noch die notwendigsten Lebensmittel und fahre so wenig wie möglich mit dem Auto.
Und es hat sich bezahlt gemacht.
Ich konnte mir sogar einen mittelalterlichen Dolch für hundert Euro leisten, weil ich am Ende des Monats noch Geld übrig hatte.

Ja, ich weiß, es war nicht nötig. Aber einmal im Monat will ich mir auch was leisten.

5.)
Sorgen

Nächsten Monat hat meine Tochter Sternchen Geburtstag. Sie wird 7 Jahre alt und will ihre beiden Freundinnen einladen.
Ok. Ich lass mir was einfallen.
Tags darauf feiern wir nochmal mit der Familie. Der Bruder und die Schwägerin von Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt werden mich zum ersten mal besuchen. Sie sind ausgesprochen pingelig was Ordnung und Sauberkeit angeht. Ich werde wochenlang vorher putzen müssen...
Große Freude.

Sternchen ist momentan mein Sorgenkind.
Sie kommt oft nicht von der Schule heim, weil sie sich überall herum treibt.
Morgens kommt sie oft zu spät zum Unterricht, obwohl ich sie frühzeitig losschicke.
Einmal habe ich mich an meinem freien Tag hinter ihr her geschlichen, um zu sehen, woran es liegt. Ich habe kein Bock, dass die Schule die Polizei ruft, weil Sternchen irgendwo trödelt oder spielt.
Tatsächlich blieb sie unvermittelt auf einer Brücke stehen, als würde sie auf jemanden warten. Sie schaute nicht ins Wasser und hat auch sonst nichts gemacht. So stand sie einfach nur da, bis sie mich bemerkte und war dann sehr erstaunt.
Ich war wütend und wollte wissen was das solle, aber sie hat mir ums verplatzen nichts sagen wollen.
Ich hab die Lehrerin gebeten mir zu sagen, zu welchen Tagen Sternchen zu spät kommt.
Ich habe Mütter gebeten mir zu sagen, ob Sternchen in Begleitung eines Fremden gesehen wird.
Die meisten Kinder werden von ihren Eltern oder Großeltern zu Schule gefahren und abgeholt. Ich kann ihr diesen Luxus leider nicht bieten. Ich arbeite zu anderen Zeiten und muss außerdem noch Honigdachs morgens betreuen und für die Kita fertig machen.
Ich muss ihr einfach vertrauen können.

6.)
Sonstiges:
Als ich letztes Jahr aus Rodgau fortzog brachte ich knapp 75 Kilo auf die Waage. Ich sah nie besonders pummelig aus. Bei meiner Körpergröße von 1.72m hat sich das immer gut verteilt. Ich hatte große Brüste und breite Hüften und eine runde Kehrseite. Ich mochte mich so wie ich war und trug Kleidergröße 44.
Als ich Brander kennern lernte wog ich nur noch 67 KG. Ich war sehr stolz auf mich und trug Größe 40/42. Meine Brüste waren immernoch groß, aber nicht mehr so prall und straff.
Trotzdem sah ich immernoch ok aus.

Heute morgen waren es 61 KG.
Meine Chefin hat mir eine Tüte Klamotten Gr. 36/38 gespendet, weil meine Sachen alle nicht mehr passen und an mir flattern.

Ich gefalle mir nicht mehr.
Ich sehe scheiße aus. Bräuchte eine Bruststraffung und noch ein paar andere Straffungen.
Falls ich mal ein paar tausender im Lotto gewinnen sollte, lasse ich mich unters Messer legen.
Ich mag mich nicht mal im Spiegel ansehen.

Natürlich könnte ich auch einfach mehr essen und wieder zunehmen, aber ich krieg einfach nichts runter. Ab und zu habe ich durchaus Heißhunger und dann esse ich auch, aber ich bin immer sofort satt.
Manchmal schaffe ich kaum ein halbes Brötchen.

Ich beobachte das ganze mal weiter und wenn ich unter die 55 kg rutsche werde ich einen Arzt zu Rate ziehen.
Ich weiß nicht. Das kann irgendwie nicht normal sein.

7.)
Brander
Ich bin verwirrt.
Einfach nur verwirrt.

Er war zuletzt wieder freundlich.

Am besten wird sein, ich warte ab, bis (ob) er sich von allein bei mir meldet.

Mehr kann ich wohl nicht tun.

Das, und träumen.

...

So. Das war es erst mal von mir und meinen wirren Gedankengängen.

Ich lass von mir hören.







1.12.19 23:16, kommentieren

Sag mir endlich was du willst



Vielleicht war ich etwas vorschnell, zu glauben, dass Brander meine ausgestreckte Hand zur Freundschaft greifen würde.
...Vielleicht wollte ich es einfach glauben, weil tief in mir kein Raum für einen alternativen Ausgang der Geschichte ist.
Meine Überzeugung fußte auf all den Zeichen, die mich die vergangenen Wochen begleitet haben und natürlich auch auf mein unerschütterliches Vertrauen darauf, dass jeder - einfach jeder - nur nicht Brander dazu imstande wäre, mein Friedensangebot von sich zu schmettern.

Ich bin selbst schuld.
Ich habe mich dazu hinreißen lassen zu viel Hoffnung in die Waagschale zu legen! Gleichsam habe ich nicht abwarten können, wie er über mein Freundschaftsgesuch entscheidet und ihm die Entscheidung quasi abnehmen wollen, indem ich mit ihm umsprang, als wäre nichts geschehen.
Das war ein Fehler.
Ich wollte mal wieder zuviel auf einmal.

Jetzt hab ich den zarten Keim der Entwicklung erdrückt, statt zu beschleunigen.
Und es drängen sich mir Fragen auf....
Brander, was willst du bloß eigentlich wirklich?
Willst du Freundschaft?
Willst du Liebe?
Willst du mich wieder in deinem Leben?
Willst du, dass ich endlich verschwinde?
Sehnst du dich manchmal nach mir, so wie ich mich nach dir?
Denkst du manchmal zärtlich an mich oder ist dein Herz vollständig erkaltet?
Nerven dich meine Gefühle und wünschst du dir, ich würde endlich akzeptieren, dass es für immer aus und vorbei ist?
Oder gibt es noch Hoffnung, dass ich wieder deine Frau werde?
Du sagst, du willst keine Rache, aber die Antworten bleibst du mir schuldig, damit die Fragen mich weiter quälen.
Hast du denn immernoch nicht verstanden, warum ich getan habe, was ich glaubte tun zu müssen?
Mag ja sein, dass es  aus heutiger Sicht ein sinnloses und dummes Unterfangen von mir gewesen ist, dich betrügen zu wollen, um unsere Beziehung zu retten. Aber es war das einzige was ich nicht versucht hatte, um diesen magischen "Schalter" zu finden, der meine zu starken Gefühle herunter fährt, um endlich auf ein gesundes Level mit dir zu kommen.
Wenn es das ist, kann ich dich beruhigen.
Ich mache keine Fehler zwei mal.
Die Auswahl ist schließlich groß genug.

Nur sag mir bitte endlich woran ich bin, damit ich mich darauf einstellen kann. Solange du das nicht tust, werde ich ewig Hoffnung in mir tragen.
Ist es denn so schwer?
Sag: "Litte-big-mom, ich liebe dich nicht und ich will dich nie wieder sehen!"
und alles ist gut. Ich kann damit leben! Aber sag es! Sags!

Ich warne dich, du spielst mit einem Hexen-Herzen und mit allen Mächten der Hölle, wenn es sein muss!
Alles kann ich ertragen! Alles! Aber nicht die Ungewissheit.

Du bist nicht dumm.
Du weißt ganz genau, was ich will und wie es um mich steht.
Ich liebe dich. Ich brauche dich. Und ich begehre dich.
Ich weiß nicht, wie ich ohne dich leben soll.
Daran hat sich nie etwas geändert, aber das kann ich dir schlecht auf die Nase binden.
Du würdest sofort Zweifel am meiner dargebotenen Freundschaft hegen - vielleicht zu recht. Vielleicht nicht. Ich kann sehr professionell sein...
...WENN ICH ENDLICH WÜSSTE, WORAN ICH BIN!!!!

Für dahin weigere ich mich los zu lassen.
Ich halte durch.
Schwebend.
Ruhelos.

Du bist mein Leben. So einfach ist das. Wie könnte ich das aufgeben?

Bitte gib mir nur ein Wort....



29.11.19 20:52, kommentieren

Vade retro Satana

Ich ruhe in mir selbst und bin Herr meiner Sinne!

Ich bin die Reinheit in persona und nichts kann mich erschüttern!

Alles Lasterhafte, aller Frevel und jeder sündhafte Gedanke sind vergessen – sind geschmolzen wie Butter in der Sonne im Angesicht meiner neugewonnen Tugendhaftigkeit. Die Vernunft hat mich beseelt. Ich bin erlöst. Halleluja!

 

Brüder und Schwestern dieser Erde, nehmt Teil am Wunder meiner neuen Menschwerdung und bestaunt gemeinsam mit mir die Schöpfungskraft des heiligen Geistes, der meine arme Seele vor der Verdammnis rettete.

 

 

Ich bin nicht länger den Dämonen ausgeliefert, die meinen Körper mit begehrlichen Empfindungen und meine Gedanken mit wollüstigen Phantasien marterten! Oh nein!

Ich bin ein braves Schäfchen in der Herde des Herrn und wandere treu auf dem Pfad des schicklichen Benehmens.

 

 

In diesem Sinne führe ich auch lediglich rein platonische Konversationen mit meinem halb wiedergewonnenen lieben Freund Brander.

 

 

Was wir reden?

Oh, es sind rein freundschaftliche Gespräche. Eigentlich sogar nur whats-app-Nachrichten. Absolut absolut unverfänglich!

 

Er hat sich über die Handstulpen gefreut und ich habe mir vorgestellt, wie er sie trägt (nur das und sonst nichts)…äh…

 

Machen wir das mal anders, bevor es komisch klingt:

 

 

 

Ich: „Wie läuft dein neuer Job?“ (ich bin gut. das ist ein super unverfängliches Thema und ich kann überhaupt nichts falsch machen!)

 

Er: „Is ne Weiterbildung“

 

Ich: „Oh. Als was?“ (ich wünschte du wärest nackt)

 

Er: „Ausbilder Berechtigung.“

 

Ich: (Scheiße, er antwortet nur einsilbig. Sicher bereut er das mit der Freundschaft. Vielleicht hat er auch meine Gedanken gehört. Scheiße, ich will immernoch dass du nackt bist. ….Vater unser, der du bist im….) „Cool. In Sachen Zimmerei?“

 

Er: (fängt an von seiner Weiterbildung zu erzählen)

 

Ich: „Hauptsache es macht Spaß“ (Oh Baby, ich weiß, was wirklich Spaß machen würde… setz mich gleich und sofort auf dein Gesicht und schlürf mir den Saft aus der…. … …und führe mich nicht in Versuchung, sondern erlöse mich von dem Bösen…..)

 

 

…Oja, ich hab mich sowas von unter Kontrolle.

 

 

Herr, gib mir die Kraft

28.11.19 14:04, kommentieren

Danke

Sieht so aus, als würde er mich als Freund akzeptieren. Scheinbar habe ich irgendetwas richtig gemacht.

Ich freue mich.

Jetzt muss ich nur noch beweisen, dass ich seine Freundschaft und sein Wohlwollen nicht als Sprungbrett benutze, um ihn wieder in mich verliebt zu machen.

Lieber bleibe ich seine heimliche Verehrerin, als dass ich riskiere, ihm wieder weh zu tun. Ich weiß, ich kann ihm als Freund nicht viel bieten, darum möchte ich, dass er sich bei mir zumindest sicher fühlt.

Kein Feuer.

Kein Streit.

Kein Ärger.

Kurz: nichts was mit meiner Art Liebe verbunden ist.

 

"Brander, ich nehme deine Freundschaft und zahle sie voraus.... Mit Frieden und Respekt und allem was du verdienst."

 

Mein Dank gilt den höheren Mächten, die mir den Weg aus dem dunklen Labyrinth gewiesen haben.

 

Wenn ich etwas dafür opfern sollte, wüsste ich schon genau was das wäre.

Aber das bleibt vorerst mein kleines Geheimnis.

27.11.19 21:33, kommentieren

Eine neue Hoffnung

Brander war mehr als mein Geliebter.
Er war mein bester Freund.

Vielleicht kann ich wenigstens das retten.

Freundschaft.




Für dich, kleiner Zimmermann.
Ein Zeichen meines guten Willen.


Und ehe du motzt:
Deine Götter schicken mir unmissverständliche Zeichen.
Und ich folge ihnen. So gut ich kann.
Meine Rolle ist noch nicht zu Ende gespielt.

23.11.19 19:52, kommentieren

Galgenmännchen





Das Zerwürfnis liegt nun einen Monat zurück und mir kommt es schon vor wie eine Ewigkeit.

Wenn ich ihn mir nun vorstellen will, ist das Bild etwas blasser und nicht mehr so klar zu sehen.
Das Vergessen setzt ein.

Und dennoch...
...in besonders trostlosen Stunden bilde ich mir gerne ein, er würde wie ein Schutzengel an meiner Seite gehen und mich vor Schaden bewahren. Mich behüten. Auf mich aufpassen.
Und wenn ich Angst habe oder mutlos bin, flüstere ich noch oft seinen Namen und fühle mich dadurch ein klein wenig besser. ...und gleichzeitig schlechter...
Der Mensch ist fort, aber seine Aura ist noch halb präsent wie die Restwärme einer verloschenen Feuerstelle.
Oder wie das sanfte Glühen eines stillen Sterns, der einfach in kein Bild passen wollte.

Es ist keine Frustration.
Nicht mehr.
Es ist Melancholie.

Die Frustration hat mich gemeinsam mit Brander verlassen.

Doch ich weiß den schmerzlichen Verlust in altbewährter Manier hinter einer Maske der Euphorie und Fröhlichkeit zu verbergen.
Ich gehe tanzen, ich spiele mit den Kindern, ich lache und treibe Spott (ja, richtig: Spott! Nicht Sport. Nein, haha weiß Gott nicht....LOL), ich flirte und lerne und übe neue abendfüllende Handarbeiten.

Meinen ganzen Kummer, meine ganze Unsicherheit dränge ich ganz ganz gaaaaaaanz :-D weit zurück ans Ende meines Bewusstseins.

Und dennoch....
Es ist seither kein Tag vergangen, an dem nicht eine Sekunde der Unachtsamkeit mir eine Unglücksträne über die Wange laufen ließ.

Dann werd ich panisch, drehe laut Musik auf oder verfallen in einen geistesgestörten Fahrstil, oder ich singe laut vor mich hin oder betreibe sonstwelchen blinden Aktionismus.

Wenn es auf der Arbeit passiert, nehme ich ein Stück Papier, schreibe seinen Namen darauf und zerreiße es. Ich will ihn freilassen.
Ich will mir auch nicht länger einbilden, dass meine Gedanken ihn erreichen könnten, damit er auch an mich denkt.

Von seinen Exfreundinnen weiß ich nur soviel: dass er ihre Namen nicht ausspricht.
So werde wohl auch ich in die Geschichte eingehen, als eine von vielen, deren Namen nicht genannt werden.

Von der schönen Zeit, die wir hatten, ist in seinem Gedächtnis kein Platz. Er hat mich und all das Nette, was ich für ihn getan habe unwiederbringlich ausradiert und in kläglichem Männerstolz-Stil nur die Narbe übrig gelassen, die ich ihm zuletzt beigebracht hatte.

Ganz ehrlich, ich war versucht, es ihm ins Gesicht zu schreien. Ich wollte ihm sagen, dass er weder ein Opfer- noch ein Unschuldslamm ist! Und wie unfair es von ihm war, mir keine zweite Chance zu erteilen, nach allem was ich für ihn getan habe. Für ihn und alle Männer, die ich je auf Händen getragen und verehrt habe. All die Menschen, die immer nur mehr und mehr Chancen von mir verlangten und mich trotzdem enttäuschten.
Die Welt ist mir was schuldig geblieben und ich fühle mich betrogen.

Und gleichzeitig wollte ich mich zärtlich in sein Leben zurückschlängeln und mit Engelszungen auf ihn einreden, mich wieder unter seine wohlwollenden Fittiche zu nehmen.
Ich fasste sogar den Plan zu dem Herbstfest in das Wikingerdorf zu reisen, von dem ich wusste, dass er es besuchte. Ich träumte davon, mich heimlich nachts in sein Zelt zu schleichen und ihm wie ein Traum zu begegnen. Ihn zu küssen, ihn zu streicheln, ihn zu lieben, als hätte es nie etwas anderes gegeben als das Uns.

Aber es war illusorisch.

Ich fahre keine 500 km, um mich von ihm wie eine aufdringliche Hure aus dem Lager werfen zu lassen.
Er hätte mich angebrüllt und von sich gestoßen.
Und er hätte das ganze Dorf geweckt, um mich bloß zu stellen und zu erreichen, dass ich so etwas kein zweites Mal versuche.
Männer sind so.
Sie sind grausam.

Was kann ich also tun?

Ich tue was ich immer tue. Ich lenke mich ab. Ich weine ein bisschen. Ich teile Körbe aus, an arme selbstüberschätzte Trottel. Das Übliche.

Und ich schreibe.
Ich schreibe von meinen Gefühlen, meinen Gedanken und meiner Zerrissenheit, anstatt weitaus bedeutsamere Themen aufzuarbeiten, wie etwa, dass meine Mutter mal wieder ohne Fahrzeug dasteht, oder dass meine Tochter Sternchen ein Schulkind geworden ist. Dass ich mitten im Scheidungsprozess stecke und dass ich gerade mein letztes Hemd verkaufe, um mich aus den Schulden zu retten.

Tja, was soll ich sagen?

Die Schlinge zieht sich immer mehr zu.....
 






13.11.19 22:18, kommentieren

Liebeskummer

 

Eins vorweg: nachfolgendes Geseier mag auf den ersten Blick nervig und hohl erscheinen, aber es hilft mir, die Angelegenheit zu verarbeiten. Darum seid bitte nachsichtig mit mir.

_____

 

Unabhängig davon wie es zu dem Zerwürfnis kam und wieviel Schuld wer hatte....

...ich vermisse ihn.

Ich ertappe mich immer wieder dabei, auf Whatsapp Ausschau zu halten wie oft er wann online geht. Und jedes mal wenn wir zeitgleich on sind, ist es wie ein gehauchter Kuss. Eine Schwingung. Ein sanfter Kontakt.
Es tut gut.
Und gleichzeitig ist es schlimm, denn es wird zur Sucht.
Um es zu unterbinden, habe ich meine Einstellungen im Datenschutz verändert, dass ich seine Zeiten nicht mehr sehen kann. Allerdings kommt es vor, dass ich die Einstellung immer wieder hin und her ändere, weil ich nicht so recht davon los komme.

Auf Facebook habe ich ihn schon relativ zeitnah blockiert, nachdem ich pausenlos sein Profil besuchte.
Das muss aufhören.
Es ist nicht richtig.

Die anderen Männer haben ihre Bemühungen langsam zurück gefahren, nachdem ich kaum noch reagiert habe.
Mir ist einfach nicht mehr dannach.

Ich bade in Liebeskummer.

Mein Denken ist noch viel zu oft von ihm beherrscht.

Um mir das nicht anmerken zu lassen gebe ich mich betont fröhlich bis kratzbürstig, wenn er mir schreibt. (Er hatte wissen wollen, ob das Paket mit meinen Sachen angekommen ist. Mehr Kontakt hatten wir eigentlich nicht mehr) Es ist nicht nötig ihn spüren zu lassen, dass es mir immernoch scheiße geht. Ich will mich stark zeigen. Auch wenn ich viel für ihn empfinde, bleibt er ein Mann. Und ich mag Männern gegenüber nicht gern Schwäche zeigen, wenn es sich nicht gerade um ein Spiel handel. Was er bisher von mir zu hören bekommen hat - die ganze Heulerei und Zerknirschtheit - war genug.

Immer wenn ich einen starken Moment habe, nutze ich das, um ihn schrittweise aus meinem Leben zu radieren.
Neulich habe ich hunderte seiner Fotos und Videos von meinem Handy gelöscht und nur eine kleine handvoll behalten.
Ein paar normale und zwei, drei erotische.

...jaaaaa, ich .....hm.... habe neulich im Bett die VR-Brille angezogen und mir eines seiner Bilder angesehen, während ich...."beschäftigt" war....
Das klingt jetzt schräg, oder?
Ich bin sicher, er fände das nicht so lustig, wenn er das ahnen tät. ^^'
Aber es hat sich so gut angefühlt und ich bin ziemlich oft und sehr heftig gekommen.
Erlaubt ist, was Spaß macht, oder?
Ich meine, ich bin sicherlich nicht die erste, die sowas macht, nicht wahr?

Aber es ist unmoralisch. Ich weiß.
Ich meine, ich vergewaltige damit einen Teil von ihm und ich sollte das vielleicht besser lassen.
Zumindest kann es meiner Psyche nicht zuträglich sein.
Und es ist auch nicht der beste Weg, von ihm los zu kommen....
Darüber hinaus ist es erbärmlich. Und beschämend.
Au weia...

Aber mich reizt die Vorstellung, er könne plötzlich eines Tages unerwartet vor mir stehen, mich in seinen T4 ziehen und seine Wut in einem sexuellen Akt zum Ausdruck bringen, um mich zurück zu erobern.
Ich hatte noch nie wütenden Sex.
Aber es ist geil, es in Gedanken durchzuspielen. Dass er mir mit einer Hand den Mund verschließt, einen Finger zwischen meine Lippen schiebt, um mich zu knebeln und meine Streitsucht zu bändigen. Mich niederdrückt und von hinten nimmt, während er mit der anderen Hand meinen Hintereingang betastet und droht mir Schmerzen zuzufügen, wenn ich nicht aufhöre zu zicken.

Aber für solche Spielereien ist er zu alt.
Auf sowas hat er einfach kein Bock mehr.

Keinem Mann über 40 steht noch der Sinn nach einem Rodeo mit einem unbändigen Wildpferd. Zumal es ihn Überwindung kosten würde, mich gebührend zu unterwerfen, weil er nicht viel von Gewalt im Bett hält.

Brander ist ein Mann, der sich nach jahrelangem Feuer und Terror nach ein bisschen Ruhe und Frieden sehnt.
Und ich bin eine Frau, die sich nach jahrelanger Langeweile nach Feuer und Terror sehnt.

Es ist zum verzweifeln.

Trotzdem will ich keinen anderen, bzw. kann es mir zumindest nicht vorstellen. Bei niemandem sonst könnte ich mich so sicher fühlen, wie bei ihm. Ich weiß, dass er mir nie ernstlich etwas antun könnte.
Alles war er tut geschieht nur, um Lust zu schenken und Spaß zu haben.

Er ist so ein guter Liebhaber. Warum ist er kein guter Beziehungspartner? Ich weiß es nicht.

Aber meine Phantasie führt mich immer wieder unweigerlich zu ihm zurück und ich komme aus irgendeinem Grund nicht von ihm los.

Ich wünschte, ich hätte einen Vorwand ihm nochmal zu begegnen, oder mit ihm zu schreiben.
Aber ich muss eisern bleiben und dem Drang widerstehen.
Dieser Mann will nichts mehr von mir und ich habe nicht das Recht ihn weiter zu nerven.
Ich muss mir immer wieder vor Augen führen, dass er längst aufgehört hat mich zu lieben!

Auch wenn die Trennung sehr plötzlich geschah, bleibt mir nichts anderes als vorwärts zu schauen.

Was will ich noch von einem Menschen, der bald schon vergessen haben wird, dass es mich überhaupt gab?

Er hätte mich nie nie nie glücklich machen können!
Er wäre niemals zu mir nach Hessen gezogen und ich wäre nie und nimmer nach Berlin gegangen.

Es war nur ein Sommermärchen.
Eine flüchtige Romanze.


Und ich muss jetzt endlich klar kommen und meine Gedanken von ihm lösen!

...aber wie, wenn ich doch gar nicht aufhören will und kann?

Wie lange wird es dauern?
Was muss ich tun?

Und warum tut es eigentlich mehr weh, als nötig?

Das alles kann doch einfach nicht normal sein.


----------
p.s.
Der Schwangerschaftstest war negativ




4 Kommentare 1.11.19 20:52, kommentieren

Trennung



Manche behaupten, es sei leichter jemanden zu verlassen als selbst verlassen zu werden.
Ich kann das nicht bestätigen.
In den meisten Fällen habe ich den entscheidenden Schlussstrich ziehen müssen und es war jedes mal die Hölle für mich, jemandem weh zu tun.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass meine vergangenen Beziehungen nicht durch Verliebtheit zustande gekommen waren, sondern durch eine Art Gewöhnung. Dass heißt, man trifft sich mit einem Menschen, schläft ein paar mal mit ihm und verbringt Zeit mit ihm - solange bis sich die Liebe irgendwann einstellt.
Bei Brander war das anders gewesen. Ich habe mich zuerst in ihn verliebt, lange bevor wir uns das erste mal auch nur gegenüber standen.
Als ich mit ihm Sex hatte, war ich bereits bis über beide Ohren verknallt und habe es vor Sehnsucht nach ihm kaum ausgehalten. (Dabei war er ein völlig Fremder)
Das machte die Beziehung zu Brander zu etwas besonderem. Und vielleicht empfinde ich deshalb den harten Fall umso schmerzlicher.
Der Schmerz war ja schon schlimm, als sein Interesse an mir nachließ. Schlimmer wurde es bei jedem Zwist den wir hatten. Aber so schlimm wie diese Trennung ist mir keine Zweite in Erinnerung.
Es ist auch kein stetiger Fluss der Besserung, sondern ein aufwühlendes Auf und Ab von starken und schwachen Momenten, in denen ich abwechselnd um ihn kämpfen und ihn verfluchen möchte.

Mittlerweile bilde ich mir ein, dass ich das schlimmste überstanden habe. Ich habe ihn sogar auf Facebook blockiert, damit ich nicht länger in Versuchung gerate sein Profil zu bestalken.
Allerdings bringe ich es immernoch nicht über mich, seine Fotos und unseren whatsapp-Verlauf von meinem Handy zu löschen.

Zu viele süße Erinnerungen an einen Sommernachtstraum...

Und dann ist da noch etwas...

Es ist ein wenig unangenehm davon zu berichten, aber.....

Naja, also in der Packungsbeilage der Notfallverhütung stand, dass die Periode anschließend stärker ausfallen würde. Auch die Apothekerin hatte mich dahingehend gewarnt.
Nun verhält es sich aber gerade andersherum.
Meine Tage waren zum einen nicht mehr hellrot sondern schwarz. Und auch nicht flüssig, sondern sehr trocken. Auch dauerte es keine Woche, sondern gerademal zwei Tage und es war recht wenig.

Poor-Angel, meine Mutter, hat mir berichtet, dass die Pille danach nur dann wirkt, wenn man seinen Eisprung noch nicht hatte und dass es darum keine besonders sichere Verhütungsmethode darstellt.

Da ich nicht weiß, ob ich im Zweifelsfall eine Abtreibung - einen Mord - begehen könnte, wäre es mir fast lieber, ich könnte es jemandem schenken, der es haben will und der es versorgen kann.

Aber noch sind es ungelegte Eier und ich will mit dem Test noch warten.

Zuerst muss ich diesen dämlichen AIDS-Test bewilligt kriegen.
Der Hausarzt will es nicht kostenfrei anbieten und hat mich zum weißen Ring geschickt. Von dort würde ich Unterstützung bekommen, wenn ich den Kerl ans Messer liefere, der mich gegen meinen Willen ohne Gummi nahm.
Allerdings habe ich ihm mein Wort gegeben, dass ich Stillschweigen bewahre. Und ich kann doch mein Wort nicht brechen! Wer weiß, was dann geschieht? Die Story hat durch Branders überstürztes Handeln auch so schon genug hohe Wellen geschlagen.
Außerdem weiß ich immernoch nicht inwieweit es überhaupt ein Verbrechen war oder nicht. Wir waren beide betrunken und bekifft und in keiner Weise zurechnungsfähig. Ja, unser Stelldichein war von Gewalt geprägt - und nein, ich habe mich nicht genug gewehrt.
 Irgendwie bewegen wir uns da in einer Grauzone.

Aus jetziger Sicht - nüchtern und um ein paar Erfahrungen reicher - wünschte ich mir, ich hätte mich in jener Nacht mehr zusammengerissen und dem Arsch den Laufpass gegeben.

Tja, und dann?
Was wäre dann passiert?


Brander und ich hätten weiterhin unser verzweifeltes Spiel bis zu seinem bitteren Ende gespielt. Denn irgendwann wäre unweigerlich der Punkt gekommen, an dem wir beide hätten einsehen müssen, dass wir uns gegenseitig mehr schaden als nutzen.
Und wer weiß, wie hart dieser Schritt dann gewesen wäre?


So war es vielleicht das Beste.
Es stand nichts auf dem Spiel.
Die schönen Erinnerungen überwiegen noch.
Und niemand kann dem anderen vorwerfen, er habe zu viel in die Beziehung investiert.


Das einzige was ich ihm vorwerfen könnte ist, dass er am Ende doch nicht anders oder gar besser als all die anderen Männer war.

Er war eben nur ein Mann.


Und mein Herz hat sich einfach geirrt.




25.10.19 22:30, kommentieren

Seitensprung

 


Mein ganzes Leben lang war ich eine treudoofe Seele von Mensch. Habe immer brav und folgsam alles getan oder erduldet, was mir das Leben – oder die Männer – aufbürdeten. Meine Leidensfähigkeit war enorm. Wann immer mir jemand weh tat versuchte ich mit Verständnis und Freundlichkeit die Sache zu durchleuchten und zu klären – immer in der Gewissheit, wen ich selbst mal Scheiße baue, dann will ich sicher auch, dass man mir vergibt.

Und so war ich am Ende immer der Gelackmeierte mit der blutigen Nase. Denn nette Menschen, wie ich einer war, kommen im Leben nicht weit.

 

Als ich meinen Mann verließ wollte ich mein Leben von Grund auf ändern. Ich wollte reihenweise Männerherzen brechen und rücksichtslos meinen Weg bestreiten. Ich wollte aus der Opferrolle heraus und ein Arschloch werden. Ein durchgeknalltes egoistisches Arschloch.

Ich wollte wild sein und unnahbar. Hemmungslos und durchtrieben. Ein Schurke. Ein Gewinner.

 

Aber es sind eben zwei Paar Schuhe, ob man in eine Rollte geboren wird, oder ob man sie bloß spielt.

 

 

Vielleicht hätte ich die Rolle irgendwann formvollendet verkörpern können, wenn nicht Brander in mein Leben getreten wäre und mich in sich verliebt gemacht hätte.

In dem halben Jahr das wir uns kannten, habe ich mich tagtäglich mehr geöffnet, bis es wieder das alte Spiel war von dem einseitigen Geschäft. Seine Versprechungen, er würde eines Tages zu mir nach Hessen kommen und hier sogar einen Job annehmen, um die Liebe auch in meinen Alltag zu bringen….. …ich habe sie geglaubt.

Seine Ideen von einer gemeinsamen Zukunft und heiraten und Häusle bauen …. ….. auch das habe ich geglaubt.

Er wollte sogar gemeinsame Kinder mit mir.

 

Tatsächlich aber war seine Liebe kaum mehr als der Abglanz eines Schattens. Fadenscheinig und flüchtig.

Von Interesse und Romantik fehlte bald jede Spur.

Mag sein, dass ich an einem Punkt in sein Leben getreten war, wo er mich brauchte und ich ihm gut tat. Aber bald schon hatte er nur noch sein privates Vergnügen im Fokus und begann mich und unsere Ziele mehr und mehr zu vergessen.

Ich sah zu, wie er Spaß hatte und wartete.

Wartete, dass er sich wieder an mich erinnern und mich besuchen würde.

 

 

Letzten Endes scheiterte unsere Beziehung schon an den allerkleinsten Stolpersteinen. Von großen Problemen ganz zu schweigen!

Wann immer es Streit gab, war jedesmal von Trennung die Rede, anstatt an den Baustellen zu arbeiten und sich zu entwickeln.

 

 

Als ich irgendwann merkte, dass ich mich erneut in der Opferrolle befand, bekam ich Angst. Richtig Angst.

Ich spürte Schmerz. Ich spürte Missgunst. Die ganze Palette.

 

 

Nach langem Überlegen fand ich einen Weg, mich von meinen brennenden Gefühlen abzulenken (auch um Brander nicht unnötig mit meiner Liebe zu ersticken): Ich baute mir einen Verehrerkreis auf.

Männer, mit denen ich chatten und flirten konnte, wenn ich Aufmerksamkeit und Bestätigung brauchte. Eigentlich ein harmloser Einstieg in den Absturz, findet ihr nicht?

Mein eigentliches Interesse an diesen Leuten war jedoch eher gering. Bald fing mich sogar ihr nervtötendes Geschmachte an zu langweilen, so dass ich teilweise kaum noch eine Antwort übrig hatte.

Mein Fokus und mein Interesse und meine ganze kleine Welt drehten sich weiterhin um Brander und ich schaffte es einfach nicht, mich wieder wenigstens ein kleines Stück zurück zu ziehen.

Die Sehnsucht nach ihm beherrschte mein ganzes Dasein. Die permanente Sucht nach ihm bestimmte mein Leben.

 

 

Wahrscheinlich bin ich ein Fall für eine Therapie.

Jedoch sind die ganzen Spezialisten hier in der Gegend auf Monate und Jahre ausgebucht….

 

Ich weiß, dass ich ein verquertes Bild von Liebe und Sexualität in meinem Kopf habe. Ich gerate einfach immer wieder in diese gottverdammte Abhängigkeit und dann wird es bitter.

 

 

In einem letzten verzweifelten Versuch, mich vor dem endgültigen Wahnsinn zu retten, ehe ich mich rückhaltlos in die Beziehung mit Brander verrennen sollte, beging ich den Fehler meines Lebens und davon will ich heute erzählen:

 

 

Ich begab mich am 12.10. zu einem Mittelaltermarkt ungefähr zwei Stunden von hier, wo mich niemand kannte. Zwar ging ich allein und ohne Erwartungen dort hin, doch habe ich sicherheitshalber ein Kondom eingepackt, falls es tatsächlich auf einen Seitensprung hinauslaufen sollte.

Ich war mir nicht sicher, ob ich diesen Schritt fertig bringen würde und hoffte ehrlich gesagt auf ein Zeichen, das mir die Richtung weisen sollte.

Nicht umsonst hatte ich mir zuvor extra einen Schlafsack gekauft, damit ich im Normalfall im Auto übernachten konnte.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich auf Ärger aus war.

 

Als ich ankam sammelte ich erst mal zwanglose Eindrücke von der ganzen Kulisse. Ich unterhielt mich mit freundlichen Händlern und anderen Besuchern und schaute mir in Ruhe die Feldschlacht an.

 

Erst als es Abend wurde griff ich den Gedanken an die Jagd wieder auf.

 

 

Dazu muss ich sagen, dass mir der Gedanke ziemlich Magenschmerzen bereitete.

Ich konnte nicht mal meinen Exmann betrügen, obwohl Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt es sicher verdient gehabt hätte. Ich erinnere mich da an einen gescheiterten Seitensprung, als ich weinend von der Bettkante floh und mich aus dem Staub machte, ehe etwas passieren konnte.

 

 

Doch diesmal war ich ein anderer Mensch.

Ich war kein Opfer mehr.

 

Ich war ein Täter.

Ein Täter bei seiner ersten Tat.

 

 Nachdem also der letzte Programmpunkt des Tages beendet war, begab ich mich zur Trainingswiese und setzte mich an den Rand, um bei einigen lockeren Übungskämpfen zuzusehen. Ich saß sehr lange dort. Die meisten Schwertkämpfer waren junge Anwärter, die teilweise zu dritt oder zu viert gegen einen einzelnen erfahrenen Mann antraten.
Wie das bei kämpfenden Männern so ist, haben sie natürlich alle kein Auge für Zuschauer oder Zuschauerinnen. Ich bin ohnehin niemand, der den Männern gleich auffällt. Auch nicht, wenn ich ganz provokant in gelbem Kleid auftrete.
Irgendwann setzte ich mich zu einer anderen jungen Frau, welche ebenfalls in der Farbe der Hübschlerinnen am Feldrand saß und augenscheinlich voller Sehnsucht einen Blick ihres Gefährten zu erhaschen suchte.
Wir kamen ins Gespräch und verstanden uns auf Anhieb gut.
Ich will sie Helga nennen.
Helga war entgegen ihrer engelsgleichen Erscheinung ein wahres Früchtchen. Sie erwiderte meinen unmoralischen Humor mit mindestens ebenso derben Anzüglichkeiten und zusammen hatten wir eine Menge Freude daran, uns über die Männer lustig zu machen, die uns keines Blickes würdigten.
Irgendwann wollte sie wissen, zu welchem Lager ich gehörte und ich gab zu, dass ich ohne Übernachtungsmöglichkeit gekommen war.  Sofort lud sie mich ein, bei ihr zu nächtigen und ich nahm das Angebot unter der Prämisse an, dass ich ihrem Lager erst höflich die Aufwartung machen wollte.

Wir begaben uns auf den Weg, als die letzten Kämpfer ermüdeten und die tiefstehende Sonne lange Schatten warf.
Ihr Freund hatte sich zu diesem Zeitpunkt auch wieder an sie erinnert und begleitete uns, zusammen mit zwei weiteren Männern.
Helgas Lager entpuppte sich als ein zusammengewürfelter Haufen von drei oder mehr nicht ganz vollständigen Sippen.
Nachdem ich eine Flasche Met spendierte wurde ich ganz gut aufgenommen, allerdings fühlte ich mich in der Gesellschaft nicht ganz wohl.
Die Leute waren nicht unbedingt gastfreundlich und ich wurde die meiste Zeit nur mehr oder weniger geduldet. Irgendwann erbarmte sich einer der Männer und leistete mir ein wenig Gesellschaft. Er setzte sich in meine Nähe und begann eine Unterhaltung mit mir.
Sein Name war Leif.
Er brachte mir einen Becher Bier und ich drehte ihm dafür eine Zigarette.
Er war eigentlich ganz nett. Er bot mir auch an, die Nacht in seinem Zelt zu verbringen und ich nahm das Angebot gerne an.
Wir redeten und kifften zusammen und ich fühlte mich sehr entspannt.

Gegen 21 Uhr pilgerten dann alle Menschen zu einer Party in der großen Scheune. Auch ich folgte nach dort. Allerdings entpuppte sich die Festivität als dichtgedrängtes Massenbesäufnis bei Freibier und mir verging schnell die Lust daran.
Leif erklärte seine Absicht, dass er sich mit seinen Kumpels bis zur Besinnungslosigkeit volllaufen lassen wolle und ich lächelte und klopfte ihm die Schulter und wünschte ihm viel Spaß dabei. Dann ging ich.

Es ärgerte mich, dass ich mal wieder nicht in der Lage war, das Interesse eines Mannes länger als 5 Minuten aufrecht erhalten zu können. Wütend und enttäuscht führten mich meine Schritte ziellos durch die Gassen des Marktes. An einem Metstand brannte ein Feuer und auf Bänken drum herum saßen Leute und einer spielte Gitarre.
Als ich kurz inne hielt, wurde ich aufgefordert mich zu setzen.
Zunächst unterhielt ich mich mit einem knapp 15jährigen Mädchen, welches großen Wert darauf legte mit politischen Themen besonders erwachsen rüber zu kommen. Aber sie war freundlich und brachte mir einen Becher Zimt-Met auf Kosten des Hauses.
Auch der Wirt und dessen Schwager haben sich mit mir unterhalten. Rein freundschaftlich. Die Gesellschaft und das warme Feuer taten mir gut.
Ich begann meine Idee von der Übernachtung bei Leif zu überdenken und hoffte auf ein Zeichen der Götter. (ja, ich suche immer gerne nach Zeichen, wenn ich unsicher bin)
Ich holte mein Handy raus und rief Brander an. Er war zu dieser Zeit ebenfalls auf einem Mittelalterfest in Polen und ich hoffte, dass seine Stimme mir helfen würde, die richtige Entscheidung zu treffen.
Als er nicht ran ging war ich enttäuscht. Ich blieb noch sehr lange in dieser geselligen Runde am Metstand. Leute kamen und gingen und irgendwann setzte sich ein Fremder neben mich und meinte, ich sei ihm den ganzen Abend über schon aufgefallen. Wir kamen ins Gespräch und er versorgte mich erneut mit Bier und Met.
Weil er sehr aufdringlich war und ich nicht unhöflich sein wollte, erklärte ich ihm, dass ich schon für diese Nacht einen Schlafplatz hatte.
Dass ich in einer Fernbeziehung mit Berlin stand und eigentlich nur auf der Suche nach harmlosen Spaß bin, wollte ich nicht ansprechen. Gerade auch, weil ich unsicher war, wieviel Spaß ich eigentlich wirklich im Sinn hatte.
Kennt ihr das, wenn ihr selbst nicht mehr genau wisst was ihr wollt und euer Verstand Karussell fährt? Ja, so fühlte ich mich.
Einsam. Vernachlässigt. Überfordert mit der ganzen Situation.
Der Fremde schien zu spüren, dass ich mich in einem seelischen Konflikt befand und gab mir mehr zu trinken. Das Zeug war zum Teil echt widerlich, aber nachdem von irgendwoher plötzlich ein Joint die Runde machte, wurde mir alles mehr und mehr egal.
Ich stand auf und entschuldigte mich und die Männer rangen mir das Versprechen ab, wieder zu kommen.
Und ich kam auch wieder. Mit einem Rucksack voll Übernachtungszeug, nachdem ich Leif nirgendwo mehr auffinden konnte. (ich hätte gern nochmal mit ihm gesprochen)
Der Fremde aber war überglücklich mich wiederzusehen und führte mich mitsamt meinem Zeugs durch die dunkle Zeltstatt.
Ich bin nachtblind. Und alles schwankte. Er musste mich wirklich führen.
Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich fertig war und eigentlich nur noch schlafen wollte, überredete mich der Typ, noch einmal zum Metstand zurück zu kehren.
Dort wurde also weiter getrunken. Becher für Becher für Becher. Querbeet alle Sorten.
Und ich musste überhaupt nichts dafür bezahlen.
In dieser Zeit erzählte ich von meiner Karriere als Hobby-Fanfiktion-Autorin und gab den Männern die obszönsten Leseproben. Wahre Begeisterungsstürme der Leute wurden zum Aufwind meiner Höhenflüge und ich fühlte mich großartig und beliebt. Es war unvergleichlich.
Den dritten Joint an diesem Abend bekam ich jemanden, den ich vorher noch nicht wahrgenommen hatte. Ich kann mich an sein Gesicht nicht erinnern und auch nicht an seinen Namen. Aber seine Kräutermischung war eine Spur härter als alles andere davor. Wahrscheinlich ungestrecktes Gras.
Ich dachte, mir würde gleich alles hochkommen.
Endlich erlöste mich meine neue Bekanntschaft und sagte der Runde gute Nacht.
Es folgte ein unsagbar unsagbar langer und holpriger Weg durch die Dunkelheit, vorbei an einigen Feuerstellen und Zelten. Irgendwo am Rand der Welt durfte ich mich endlich endlich in sein Bett fallen lassen.
Alles drehte sich. Ich war total am Arsch.
Ich lauschte noch dem plätschernden Geräusch hinter dem Zelt, als ich beinahe in voller bekleidung eingeschlafen wäre.
Dann ging das Zelt auf und frischer Wind fuhr hinein.
Wach.
Scheiß Geschmack im Mund.
Muss noch Zähne putzen.
Raus.
Wasser.
Beautycase.
Joooaaaaa, krieg ich grad noch so hin.
Nur nicht stolpern.
Wo is dieser scheiß Eingang hin?
Ah da.
Etwas poltert.
Ich wars.
Kichern.
Zeug in die Ecke geschmissen.
Stiefel hinterher.
Gürtel.
Kleid.
Und alles weitere.
Ich hatte Hilfe dabei. Die meisten Hände waren nicht von mir.
Ich wurde geküsst und auf das Bett gedrückt und er wollte in mich eindringen.
"Nicht ohne Schutz!", war alles was ich sagte.
Er stutzte kurz und wollte einfach weitermachen, aber ich wurde ernst und verweigerte ihm den Zugang. Irgendwann gab er nach und ich reichte ihm das Kondom.
Er wollte, dass ich es ihm anziehe, aber ich konnte im Dunkeln nichts sehen und wusste auch nicht wie. Ich hab von sowas echt keinen Schimmer. Sorry.
Irgendwann wurde er ungeduldig und zog es selbst an, dann drückte er mich grob auf die Polster und begann mich aus heiterem Himmel zu peinigen.
Er biss mir heftig in Hals, Ohr und Unterkiefer. Auch in die Brust und in die Schulter. Quasi überall wo er mich erwischte.
Spätestens jetzt war der Groschen gefallen. Der Mann war ein Sadist.
Als ich immer wieder sagte, dass es weh tut und er nicht so fest machen soll, begann er mich so hart zu würgen, bis ich Sterne blitzen sah.
Obwohl keine Luft mehr in meine Lungen gelangte, wehrte ich mich nicht.
Ich lag wie betäubt und wartete, dass es vorüber gehen würde.
Als er sehr abrupt in mich eindrang tat es einfach nur weh.
Er trieb es so lange mit mir, bis ich vor lauter Angst trocken wurde. Dann wund.
Zum Schluss war der Schmerz so unerträglich, dass ich den Akt abbrechen musste. Ich blutete.
Die Brüste hatte er mir regelrecht zerquetscht. Sie sollten noch tagelang druckempfindlich bleiben.
Er ließ von mir ab, unter der Bedingunng, dass ich ihm einen runter hole.
Ich tat es.
In der ganzen Zeit habe ich überhaupt nicht an Brander gedacht.
Ich war den Sphären des Diesseits schon so weit entrückt, dass ich überhaupt keine klaren Gedanken mehr fassen konnte. Ich führte nur noch stumm Befehle aus und hoffte, dass ich bald endlich schlafen dürfte.

Und so kam es auch.

Unkontrolliert zitternd und mit Schmerzen am ganzen Körper schlief ich ein.

Und er mit dem offenbar seligen Gewissen, einer Frau die Lust der besonderen Art geschenkt zu haben.

Mitten in der Nacht wachte ich von neuen Schmerzen auf.
Er war ohne Kondom von hinten in mich eingedrungen während ich schlief.

"Nein, nicht!", rief ich entsetzt und versuchte ihn weg zu schieben, doch es war zu spät.
Er hielt mich fest in der Löffelchenstellung und machte einfach weiter.
"Ich weiß schon, wo meine Grenzen sind.", sagte er, als würde das irgendwas erklären.
Aber ich wollte wirklich nicht und er musste aufhören.

Das gleiche wiederholte sich ein paar Stunden später.
Wieder drang er in mich ein und wieder war ich in Notlage.

Zuletzt probierte er es am frühen Morgen.

Dannach war für mich Schluss mit lustig. Ich wollte meine Ruhe vor dem Kerl.
Doch bevor ich wütend werden konnte, gab er nach und zog sich an.
"Warte hier drin, bis ich mit den Männern vor gegangen bin.", erklärte er.
Gemeint war das gemeinsame Frühstück in der großen Scheune, welches nur für offizielle Teilnehmer zur Verfügung stand.

Als es draußen ruhiger wurde, nahm ich eine Wasserflasche und ein Handtuch und versuchte mich zwischen den Beinen zu waschen.
Ich fühlte mich total besudelt.

Dann holte ich frische Wäsche aus meinem Rucksack und zog mich an.
Das gelbe Kleid stopfte ich ganz nach unten.

Es hat nur Unglück gebracht.

Dann schlüpfe ich hinaus und verließ so unauffällig wie möglich die Zeltstatt.

Mein erster Gang führte mich zu den Toiletten.

Dann zum Parkplatz.

Mir ging es nicht gut. Fühlte mich elend. Seelisch wie körperlich.

Ich breitete eine Decke neben meinem Auto aus und holte etwas zu Essen und zu Trinken aus dem Kofferraum.

Ich ließ mir sehr viel Zeit mit dem Frühstück, bis es mir langsam ganz langsam besser ging.
Ich saß noch lange in der Sonne und rauchte Zigaretten und schaute zwischendurch immer wieder auf mein Handy.
Kein einziges Wort von Brander.
Kein Rückruf. Keine SMS. Keine Whatsapp.
Nichts.
Ach Mist!

So fuhr ich also heim und verbrachte den Rest des Tages mit Bereuhen.
An Brander schickte ich ein kurzes Video, dass ich früher wieder nach Hause gefahren bin und dass der vorangegangene Abend nicht so glücklich verlaufen war.

Seltsam oder?
Obwohl ich fremd gegangen war, sehnte ich mich dannach ihm Schuldgefühle zu machen, weil er nicht auf mich aufgepasst hat.

Wahrscheinlich ein letzter frustrierter Akt nach einer frustrierenden Tat.

Am Montag kaufte ich in der Apotheke die Pille danach und schluckte sie sofort.
Die Wirkung entfaltete sich im Laufe des späten Nachmittags. Mir war schwindelig und ich fühlte mich völlig daneben.
Die Kinder gingen früh zu Bett und ich lag auf der Couch und war am Sterben, als mir ein schrecklicher Gedanke kam. AIDS.
Ohne länger zu überlegen rief ich sofort Brander an.
Ich bat ihn, dringend zu verhüten, wenn er mich das kommende Wochenende besucht.
Er wurde stutzig.
Seit einem Unfall in früher Jugend konnte er nicht mehr scharf schießen.
Als ich erklärte, ich wollte nicht, dass er sich mit etwas ansteckt, kam mir die Idee, ihm weis machen zu wollen, ich hätte eine Infektion oder dergleichen.
Aber er stellte gleich die richtige Frage, die mich ins Stolpern brachte: "Hast du mit einem anderen Mann geschlafen?"
Völlig überfahren und noch immer unter der Wirkung dieser saudämlichen Notfallverhütung stehend stotterte ich nur rum. "Ich will nicht darüber reden."
Er ließ nicht locker.
Irgendwann formten sich Worte der grauenhaftesten Lüge auf meinen Lippen.... ich erzählte, ich sei gewaltsam genommen worden.
Und damit brachte ich die Lawine ins Rollen.
Er wollte die Polizei einschalten.
Er begann Veranstalter und Teilnehmer über Facebook anzuschreiben.
Völlig in Panik wollte ich die Sache wieder klar stellen, doch er glaubte mir nicht mehr.
Er dachte, ich sei bloß zu feige zur Polizei zu gehen und würde mich schämen.
Und ja, er machte auch Schluss mit mir.
Nachdem ihm wohl einige Teilnehmer antworteten, dass ich billig und für ein bisschen Met leicht zu haben gewesen wäre, wurde er stutzig.
Irgendjemand erzählte auch, ich hätte am Metstand mit einem rumgeknutscht.
Das entspricht zwar nicht der Wahrheit, aber was solls.

Brander wurde ziemlich wütend, aber am Ende konnte ich ihn dazu bewegen, von einer weiteren Verfolgung der Sache abzusehen.
Er will immernoch nicht verstehen, dass es keine Vergewaltigung war.
Das habe ich doch nur im Rahmen einer Kurzschlussreaktion von mir gegeben.

Mein Gott. Was hab ich nur getan?


Und jetzt weiß es die halbe Welt.


Auf Mittelaltermärkten kann ich mich erst mal nicht mehr blicken lassen.
Mein Ruf ist dahin.

Ich werde ein neues Hobby suchen müssen.

Oder ein loyale Sippe, die mir Schutz gibt.

Das weiß ich noch nicht.


Nur eines ist gewiss:

Brander ist fort.


 

Und es gibt keine Vergebung.


 

 

 

 

 

 

 

17.10.19 14:22, kommentieren

Hörner-Helm-Desaster



Ich verlasse an dieser Stelle den wilden Westen und tauche in die frühmittelalterliche Welt der Wikinger und Germanen ein.

Wie in meinem vorangegangenen und eigentlich abschließenden Eintrag geschildert, schreibe ich seit einem dreiviertel Jahr bei FanFiktion.de zu dem Fandom "Dragons" bzw. DZLG.
Im Zuge dessen habe ich mir auch ein wenig Basic-Wissen um das Leben im ersten Jahrtausend n. Chr. aneignen müssen und bin durch verschiedene Internetseiten, Foren und Facebook-Gruppen gestolpert.
Weil das nicht genug war, habe ich mittelalterliche Veranstaltungen und Märkte besucht und Feldschlachten beigewohnt.

So kam es, dass ich einen Mann kennen lernte.

Au weia, jetzt wirds peinlich.

Hatte ich doch eigentlich der Männerwelt glückselig und bis ans Ende aller Tage abgeschworen, um fortan selbst meinen Mann zu stehen und Eigenverantwortung zu beweisen, so musste ich schlussendlich feststellen, dass kein Versteck auf Erden sicher genug ist für diese verfluchten Biester.
Ich wurde also gefunden.

Es geschah in einer Facebook-Gruppe, die sich mit dem Handel von Mittelalterwaren beschäftigt.
Der gewisse Jemand - nennen wir ihn Brander - hat dort einen sogenannten Trollpost abgelassen (von wegen, wie man für eine authentische Darstellung Hörner an den Helm bekommt).
Ich - unbedarft, um nicht zu sagen dämlich - hatte bis dahin keine Ahnung, dass es Menschen gibt, die sich mit dieser Art Fake-Postings ein zweites Loch in den ...äh... Po freuen, wenn die kommentierenden Hater in regelrecht orgiastischer Verzückung ihren Shit-Storm ablassen.
Für mich war das ein gesichtsloser Fremder, der in Schwierigkeiten geraten war und der dringend Hilfe benötigte. Ich habe mir nicht mal sein Profil angesehen, als ich ihm auch schon zur Seite sprang und in kläglichster Manier meine Verteidigungshymne anstimmte. Natürlich ließ die Replik nicht lange auf sich warten und ich erntete eine ganze Salve von Hohn und Spott.
Wahrscheinlich zurecht.
A-Päpste mögen asoziale Besserwisser sein, aber in der Regel wissen sie es auch tatsächlich besser. Meinen Ideen von künstlerischer Freiheit begegnete man mit Daten, Fakten und glaubhaften Belegen.
Darüber hinaus wurde ich auch sehr rüde auf den scherzhaften Grundgedanken des Ursprungs-Postings hingewiesen, was mich noch weiter in die Schranken wies.
Als ich schon wie ein geprügelter Hund und Entschuldigung bat, trat Brander auf den Plan. Er ließ es sich nicht nehmen, den Gegnern noch ein wenig Feuer zu geben für ihr derbes Benehmen. Da erst erkannte ich, wie albern es von mir gewesen war, ausgerechnet einem Menschen beigestanden zu haben, der meine sogenannte Hilfe am allerwenigsten auf der Welt nötig hatte.
Er war der Typ Mann, der schnell, hart und zielsicher durchzugreifen weis. Der sich in wenigen Augenblicken Ellbogenfreiheit verschafft. Der selbst die vorlautesten Leute verstummen lässt.
Und das war nur sein anonymer Internet-Auftritt.
Dass er in Wahrheit die Statur eines Türstehers und den Mut und den Wahnwitz eines leibhaftigen Berserkers besitzt, konnte ich da noch nicht ahnen.

Der Zufall wollte es also, dass sich unsere Wege kreuzten.
Und ein noch größerer Zufall wollte es, dass wir uns auf Messenger und später auch bei Whatsapp schrieben.
Und der größte Zufall war es wohl, dass ich bei unserem ersten gemeinsamen Telefonat heimlich anfing zu masturbieren.

Bevor ihr jetzt falsch von mir denkt - sowas hab ich vorher noch nie gemacht. Aber mir war langweilig und mir stand der Sinn nach Nervenkitzel.
Wer schon mal Sex in der Öffentlichkeit hatte, weiß wovon ich spreche.
Es ist nichts weiter als der Reiz des Verbotenen. Die Angst erwischt zu werden.
Und was soll ich sagen?
Ich wurde erwischt...

Grrrrrr......

Er erzählte und erzählte über dieses und jenes und auf einmal wurde er stutzig.
Habe ich zu hastig geatmet?
Hat der Rhythmus meiner Hand ein Geräusch im Telefon verursacht?
Ich bin nicht sicher.

Nachdem ich merkte, dass er Bescheid wusste, legte ich schnell auf.

Völlig von Panik übermannt überlegte ich, ob ich schon wieder umziehen, mein Handy verbrennen und - was wohl am schlimmsten gewesen wäre - mein Facebookprofil löschen müsste...
Tatsächlich geschah überhaupt nichts dergleichen. Er nahm es mit Humor und erklärte bloß, dass es sehr unhöflich sei, so etwas allein für sich zu machen.

Nachdem in den folgenden Tagen und Wochen unsere Beziehung auf eine intimere, um nicht zu sagen erotischere Ebene gehoben wurde, fühlte ich zum ersten mal seit langem das Verlangen, einem Mann - diesem Mann - nahe sein zu wollen.
So kam es, dass er mich für ein verlängertes Wochenende hier in Hessen besuchte.

Ich will nicht lügen.
Es waren die schönsten Tage meines Lebens. Es war ... unbeschreiblich!

Die Kinder hatte ich derweil bei meiner Mutter abgeschoben.^^

Ich wusste natürlich, dass eine solche Verliebtheit bei Männern nie von langer Dauer ist- auf diesem Gebiet habe ich Erfahrung - aber er blieb auch den weiteren Monat über hartnäckig und liebestoll und sehr sehr entgegen kommend. So sehr, dass ich Ende Juli beschloss, zu einem gewagten Manöver in den Norden zu brettern. Ja, ohne Orientierungssinn, mit einer unzuverlässigen Schrottkarre und tatsächlich ohne genauem Plan, was mich dort erwarten würde. Ziel war die Halbinsel Rügen, wo ich Brander zum ersten mal in seiner Rolle als Anführer seiner germanischen Sippe kennen lernen sollte.
Was für ein Abenteuer!
Das Lagerleben erwies sich als mittelalterliche Version eines Camping-Urlaubes. Es wurde getrunken. Es wurde Musik gemacht. Es gab zahlreiche Händler und Darsteller und es wurde auch gekämpft. Mir taten die Männer in ihren schweren Rüstungen fast ein bisschen leid. Die Sonne heizte selbst mir in meiner langen Gewandung schon ganz gut ein.

Da Brander in seinem leidenschaftlichen Naturell dem meinen in nichts nachsteht, kam es sogar zu dem einen oder anderen Zwist. Aber die Versöhnung hinterher war jedesmal umso freudenvoller.
Endlich hatte ich mein Spiegelbild, meinen Seelenpartner gefunden. Ein Mann, dem Sex Spaß machte!
Er begegnete meiner Unersättlichkeit mit einer Hingabe, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte.

Es warf mich regelrecht in ein Loch, als ich ihm abermals adieu sagen musste.
Und als sei der Abschied nicht Strafe genug, knüppelte ich die 850 km mit nur eine Pause zurück, als wollte ich mich selbst kasteien, um den schmerzlichen Verlust nieder zu peitschen.
Als ich im Morgengrauen in meine Wohnung stolperte, hatte ich Tinitus auf beiden Ohren und Taubheitsgefühle in den Fingerspitzen. Nach zwei Stunden Schlaf, fuhr ich die Kinder holen.

In den Wochen dannach geschah das, was ich erwartet und befürchtet hatte.
Die Wichtigkeit meiner Rolle in seinem Leben nahm in der Geschwindigkeit ab, wie seine bei mir anschwoll.
Seine Botschaften wurden fahriger. Seine Sucht nach Erotik wich gesättigter Befriedigung und der sicheren Gewissheit mich erfolgreich für sich eingenommen zu haben.
Bei mir dagegen spielten die Gefühle Achterbahn und ich starrte mehr auf mein Handy auf der Suche nach einem Zeichen von ihm, als es gut für mich war. Mein Haushalt kam zum Erliegen, meine Kinder kamen zu kurz und auf der Arbeit hatte ich nur noch halbe Kraft. Ich lechzte regelrecht nach Aufmerksamkeit von ihm und war heilfroh und dankbar für jedes freundliche Wort das kam.

Ich bin krank.

Ich hab ein Problem und weiß es.

Meine Art zu lieben, war schon immer rein destruktiv.
Am liebsten hätte ich ihn rund um die Uhr mit Nachrichten und Bildern bombardiert, doch er fing bald zu maulen an, dass ich Rücksicht auf seinen begrenzten Speicher nehmen solle und dass er nicht die Zeit hat, sich ständig meine ewig langen Sprachnachrichten anzuhören.

Das hätte mir eigentlich Warnung sein sollen. Es hätte meinen Enthusiasmus dämpfen und mich zurück in die Wirklichkeit befördern sollen.

Aber ich bin zu unfähig mich aus eigener Kraft aus dem Wirrwarr zu befreien, in welches ich mich rettungslos hinein manövriert hatte.

Und es war auch verwirrend - und ist es eigentlich jetzt noch.

Mal spricht er von Liebe und Vertrauen und dass er mit mir ein gemeinsames Leben anstrebt, mal ist er genervt von mir und meinen Avancen und zieht sich über etliche Stunden zurück.

Der Mann hat Recht.
Er tut nichts falsches.

Ich bin diejenige, die endlich klar kommen muss.

Verdammte Liebe.

Sie ist eine Droge. Eine Droge. Eine Droge und sonst nichts!

Eine Illusion.

Ein einseitiges Geschäft.

Sie existiert nicht wirklich!


Warum kann ich nicht aufhören zu denken und zu nerven und zu nerven und zu denken?

Ich will, dass es bei mir auch nachlässt, damit ich wieder auf einer Ebene mit ihm sein kann.


Mich abzulenken gestaltet sich als Zerreißprobe.
Meine Nerven liegen blank.

Ich habe nur noch Angst, dass es jeden Augenblick wieder vorbei ist.
Weil ich ihm unaufhörlich auf den Sack gehe mit meiner drecks beschissenen verkackten Sehnsucht nach mehr und mehr und immer noch mehr!

Ich könnte mich Ohrfeigen.
Ich könnte nicht nur, ich habe es.
Mehrmals.
Einmal so heftig, dass ich auf den Boden knallte und kurz alles nur noch schwarzweiß sah.
Das war, als ich halbherzig über Selbstm#rd nachgedacht habe.


Das Leben hat mich stets überfordert.
Mal konnte ich es mit Humor nehmen. Mal nicht.


Ich bin für diese Welt einfach nicht geschaffen.

Ich bin zu kaputt.

Und meine Art macht andere kaputt.


Ich hasse mich dafür.



....


Nachtrag:

Bitte nehmt es mir nicht übel, dass ich ein wenig Frust kotzen musste. Ich habe in meinem Leben wohl einfach zu wenig Liebe erfahren und schaffe es einfach nicht, meine Defizite unter Kontrolle zu bringen. Ich bin manchmal ein Arsch. Verurteilt mich deswegen nicht. :-(

 

Mein nächster Eintrag wird bestimmt wieder besser.

 

1.9.19 23:28, kommentieren

Neue Ufer


 

Falls sich jemand fragen sollte, was aus Little-Big-Mom geworden ist, den darf ich beruhigen:

Ich bin nicht von einer Leiter in den Gully gefallen, wo ich einem weißen Kaninchen ins Wunderland folgte. Mir ist auch kein LKW ins Schlafzimmer gedonnert als ich unsüßen Alpträumen nach hing. Und nein – es ist auch keine Zombieapokalypse, die mich von meinem Blog fern hält.

 

Nichts dergleichen.

 

Es sind bloß Drachen.

 

Ja, richtig gehört.

Zur Abwechslung sind es keine Missgeschicke, die mein Leben beherrschen, sondern ein Fanfiction-Projekt, das mich in Atem hält.

 

Unter dem Pseudonym Rosa Rotfuchs habe ich begonnen eine umfangreiche Saga rund um die Rubrik „Dragons“/“Drachenzähmen leicht gemacht“ zu kreieren.

 

Da ich mich dort ein bisschen fest gebissen hab, komme ich sonst zu gar nichts mehr. Deshalb bitte nicht wundern.

 

Wer aber Interesse an meinen Fortschritten hat, ist herzlich eingeladen meinen Ergüssen an anderer Stelle zu folgen.

 

 

Auch für Nicht-Dragon-Fans ist die Abhandlung eine lesenswerte Gute-Nacht-Lektüre, vollgestopft mit Romantik, Intrigen und spannenden Verwicklungen im Reich der Wikinger um das Jahr 750 nach Christus….

 

https://www.fanfiktion.de/s/5c25411e000a504311d83036/1/Dagurs-Path-st

1 Kommentar 2.1.19 11:18, kommentieren

Mein Erster war der Beste

Ich hasse mein neues Auto.

 

Ehrlich.

 

Ich kann es gar nicht oft genug betonen. Es ist mir von Grund auf unsympathisch.

 

Geht das nur mir allein so, dass ich einem 08/15-Gebrauchsgegenstand wie - sagen wir einem Auto einen Charakter beimesse? Und ist es nicht so, dass man den Charakter eines jeden Individuums oft schon in der ersten Sekunde der Begegnung nach Sympathie bewertet?

Naja, zumindest ist das bei mir so.

Und aus vollem Herzen darf ich behaupten, mein Auto besitzt das Charisma eines minder bemittelten Techno-D.J.‘s – man will beim bloßen Anblick drauf einschlagen. Keine Ahnung. Ist so ein Bauchding.

Am liebsten würde ich es in einem alten verlassenen abrissreifen Parkhaus vergessen und nie mehr zurück kommen.

Ich mag den Anblick nicht. Ich mag die Fahrgeräusche nicht. Ich mag nicht mal den Geruch.

Im Vergleich zu meinem ersten Wagen, ist das nicht mal ein richtiges Auto. Es ist ein charakterloses Stück Blech mit abgewetzten Sitzen und abgegriffenen Kunststoffteilen. Da ist null Seele. Null Herz.

Und wenn dieses Ding nicht mit Liebe fährt, um des Lebens Willen und weil es noch was sehen will von der Welt, dann fahr ich das Ding auch nicht mit Liebe.

Ich fahre damit zur Arbeit, als würde ich in einem Bus sitzen.

Es ist so unpersönlich, wie die Computerstimme einer Telefon-Hotline. Da hilft auch nicht die weihnachtlich blinkende Wasserstandsanzeige!

 

Und ich weiß - so sicher wie das Amen in der Kirche, dass ich dieses Ding niemals NIEMALS  lieb haben werde.

 

 

Ein anständiges Auto macht nicht einfach nur Brumm oder Pöddel. Es muss sein Lied singen, als hätte es schon viel mit einem gemeinsam erlebt; als hätte es etwas zu erzählen. Man muss die Lebensfreude aus dem Schnurren der Gänge heraushören und das freundliche Nicken der Stoßdämpfer spüren können.

Und um die Züge der Front: der Schimmer eines seeligen Lächelns nach einer sportlichen Fahrt.

 

 

 

Ich will mein erstes Auto zurück. :‘-(

 

 

 

Meinen vorsichtigen Erkundigungen zufolge, ist der Passat allerdings der freiwilligen Feuerwehr gespendet worden, damit sie ihn bei der nächsten Übung zu Kleinholz zersägen dürfen.

 

 

 

Falls es im Himmel Parkplätze gibt, hoffe ich, dass ich meinen weißen Riesen dort wiederfinden werde

 

 

 

3 Kommentare 7.12.18 13:58, kommentieren

Alles Chlor im Rohr



Ich bin erkältet.
Eine nervige Angelegenheit.
Wer Kinder hat, wird es mir nachfühlen. Ja, die lieben Kleinen schleppen alles was sie kriegen können aus dem Kindergarten an und geben es großzügig an ihre Verwandten weiter. So auch in diesem Fall:
Ca. 3 Tage vor Sternchens Martinsumzug bekam sie eine typische Eintagsfliege mit Fieber,  Durchfall, Erbrechen, Bauchweh und Migräne - von null auf hundert in 5 Minuten.
Tags darauf war aber alles wieder vergessen.
Der Rest von uns blieb bis auf weiteres verschont, so dass wir weiter an den Laternen basteln konnten.
Ich hatte die Inkubationszeit nicht einkalkuliert.
Bereits im letzten Blogeintrag habe ich berichtet, wie der Laternenumzug verlaufen ist, aber ich wiederhole es gern: Auftritt Honigdachs, zweiter Akt der Seuche - Bühne frei und Vorhang auf für Erbrechen und Fieber! Tja, same procedure as last time... Nur diesmal mit einem quengeligen anhänglichen jüngeren Patienten. Und zu allem Überfluss hat es mich zeitgleich mit erwischt, so dass wir zu zweit flach lagen. Sternchen dagegen hüpfte fröhlich und laut und sehr sehr gesund  durch die Wohnung und nahm keinerlei Rücksicht. Nach einem Wochenende des Horrors fühlten wir uns alle soweit wieder besser, wenn auch etwas schwach auf den Beinen. Ich ging wieder arbeiten, holte den Treppenputzdienst nach und erledigte liegen gebliebene Tätigkeiten und aufgeschobene Termine. Bald ging es mir wieder schlechter. Naja, bischen Halsweh. Na und? Weiter gehts! Zu Geiger und Liebsch marschiert; neuen Ersatzschlüssel für das Auto bestellt. Zur Gemeinde gerannt; neue Windelsäcke geholt. Zu Sternchens künftigen Schule gedüst; Eltern-Infoabend ertragen. Und in der Küche drei gemusterte Bahnen an die Wand geklebt (eine davon leider verkehrt herum...oh Mann)
Auf der Arbeit gings im Akkord: Aktenberge, die einfach nicht weniger werden. Vielleicht fehlt es mir an Konzentration? Oder vielleicht kommen zu viele Anrufer dazwischen? Ich komme einfach beim besten Willen nicht schnell genug vorwärts! Ich fühle mich dumm und nutzlos.
Aus meinem Halsweh wurde sehr schnell ein Schnupfen. Aus dem Schnupfen ein hartnäckiger Husten. Und der sitzt fest! Seit 2 Wochen huste ich mich zu Tode.


Darüber hinaus fühle ich mich noch an anderen Stellen angeschlagen...
Ich habe es bisher noch nicht erwähnt, aber ich verliere seit September mein Haar.
Besonders beim Bürsten habe ich bemerkt, dass ich mehr verliere als üblich. Meine Mutter meint, das sei normal. Alle paar Jahre gerät man in gewissen Hormonschwankungen, wo es zu Haarausfall kommt. Aber dann plötzlich wächst es wieder und wird sehr dicht.
Mittlerweile beginnt man es aber deutlich zu sehen. Zumindest sehe ich es. Meine Haare sind dünn und platt und lassen sich auch nicht mehr mit Schaumfestiger oder Haarspray aufbauschen. Ich bin froh, dass es kalt draußen ist und ich mich unter einer Kapuze verstecken kann. Auf der Arbeit stecke ich sie nun ganz weg. Ich habe einen Zauberdutt-Ring und damit frisiere ich einen dicken gepolsterten Knoten.


Es sind aber nicht nur Haare die ich verliere. Ich habe einige Kilos abgenommen, ohne irgend etwas dafür getan zu haben. Von 73 auf 67 KG in wenigen Wochen. (Wobei ich glaube, dass meine neue digitale Waage sowieso ein paar Kilos zu viel anzeigt) Ich will mich nicht beschweren. Ich find das toll. Aber es macht mir auch ein bischen Angst. Wie oft habe ich in der Vergangenheit mit viel Sport und Diäten versucht abzunehmen und bin gescheitert? Im Gegenteil: Ich habe seinerzeit im Fitnessstudio sogar noch zugelegt!
Das ist nur der Stress!, sagt Poor Angel, nicht wissend, dass ich bei Stress noch mehr auf Schokolade setze...^^


Heute hatte ich das Gefühl, dass ein Backenzahn sich lockert. Zu spät für eine Zusatzversicherung?^^'


Hinzu kommt mein Hautbild. Ich hatte nicht mal in der Pubertät so mit Pickeln zu kämpfen. Und dabei nehme ich Körperhygiene sehr ernst. Gerade als Sektretärin im Empfangsbereich legt man viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres.


Tja  und dann habe ich neuerdings wieder dann und wann leichte Zwischenblutungen. Manchmal kaum mehr als ein paar Tropfen. Das kenne ich von früher. Nach meiner ersten Entbindung hatte ich immer 7 Tage von der Menstruation einen Tag mit leichter Zeichnung. Es wundert mich nur, dass das jetzt aus heiterem Himmel wiede anfängt.


Jetzt mal ehrlich: Was soll das alles??? Sind diese Symptome eine Art Mangelerscheinung? Ich mag net schon wieder zum Arzt rennen, weil ich Flöhe husten höre! "Herr Doktor, Herr Doktor! Bitte sagen Sie es mir! Habe ich Krebs und muss sterben???" Ja, klaaaaar. Nein, lieber nicht. Und falls doch, will ich es gar nicht wissen.

Jetzt sitze ich hier und schreibe von meiner unrühmlichen Gesundheit. Und dabei wollte ich doch erzählen, wie mein neuer Fernseher kaputt ging!
Ach, ich mal wieder.
Dann eben im nächsten Blog. Es geht auf 1 Uhr in der Nacht zu und Honigdachs wird bald zum ersten mal wach werden.

 

Nur soviel noch: Chlor ham wa nüscht im Rohr.

 


In diesem Sinne...

Gute Nacht







25.11.18 00:18, kommentieren

Mein neues Ding

 

 

Ich hab ein neues Ding, das nennt sich ASMR.

Dabei handelt es sich um Videos mit sogenannten Wohlfühlgeräuschen, Flüstern und Reiki-Gestikulation. Es sieht auf den ersten Klick lächerlich aus, aber es hilft. Ich entspanne mich. Und ich kann schneller einschlafen.

 

Vor langen Jahren hat mir mein kleiner Bruder auf der Gitarre eine sanfte Ballade vorgetragen und ich empfand ähnliche Gänsehaut am Hinterkopf.

Ich hab auch schon von Menschen gehört, die sich Waalgesang oder Vogelgezwitscher auf Schallplatte anhören, um zur Ruhe zu kommen.

 

Und Ruhe ist genau das, was ich momentan dringend bräuchte.

 

In der Kita meiner Tochter war eine Zahnärztin zu Besuch und hat mir einen Brief mitgegeben, der mir eine Nachprüfung beim eigentlichen Zahnarzt auferlegte und zwar binnen 14 Tagen. Und es war ein Rückschein beigefügt. Das war wieder ein neuer dringender Punkt auf meiner Todo-Liste.

Die Stadtverwaltung hatte mir vor einem halben Jahr gesagt, dass ich im November (also jetzt) nochmal wegen Windelsäcken vorstellig werden müsse. –Punkt Nr. 2-

In drei Wochen ist Nikolaustag und ich muss da noch einiges vorbereiten, einkaufen und planen. -Punkt 3-

In Vier Wochen hat Sternchen Geburtstag und ich hab noch überhaupt keinen Plan.

Dann ist planlose Weihnachten. Der Geburtstag von Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt. Silvester.

Evtl. mache ich eine Urlaubsvertretung, weil die Chefs sicher weg fahren möchten und die Azubi ihre Ferien genießen will. Die betriebliche Weihnachtsfeier wollte ich auch noch planen. Und bis Dezember wollte ich noch den diesjährigen Weihnachtsflyer für die Kanzlei gestalten. (Wird traditionell der Geschäftspost beigefügt)

Falls die Zeit und das Budget es erlauben wollte ich unbedingt zum Baumarkt und Regalböden für das Kinderzimmer sägen lassen, damit ich endlich ein paar Kartons mit Büchern und Spielen auspacken kann. Irgendwann muss ich doch mal wieder vorwärts kommen.

Gestern habe ich mir ein Herz gefasst und endlich den Stapel Papiere und Dokumente sortiert. Das hat fast 2 Stunden gedauert. Ich hab seit 4 Tagen nicht mehr nach der Post gesehen, weil ich es einfach nicht schaffe, oder weil ich es immer vergesse oder weil mir der Antrieb fehlt.

Nebenbei muss ich fleißig den Alltag am Laufen halten, den Haushalt, die Arbeit und die Kinder managen ohne die Beherrschung zu verlieren.

Übermorgen - am Samstag - soll ich die Kinder 40 km zum Kindesvater fahren. Am Sonntag will Sternchen mit mir dann zur Rollschuh-Disko. Poor Angel soll solang Honigdachs hüten.

Jetzt flattert noch eine Vorladung bei Sternchens neuer Schule in Haus. Es ist am nächsten Donnerstag ein Infoabend für alle Eltern geplant. Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hat an dem Termin keine Zeit und ich muss alleine dahin und ihm hinterher Bericht erstatten.

Ich war bereits zwecks Anmeldung vorige Woche dort und hab mit zwei lauten ungebärdigen Kindern Formulare ausgefüllt.

Letzte Woche war auch der Laternenumzug an der Kita. Ich hab bis kurz vor Beginn noch an der zweiten Laterne gebastelt, so dass nicht mal der Kleber trocken war. Dann kam ich auch noch 10 Minuten zu spät, weil ich es auch nicht eher aus der Firma geschafft hatte. Sternchen war böse mit mir, weil wir dadurch keine Liedtexte hatten. Und ich sah abgehetzt und gerupft aus und hatte in der Kälte noch die Büroschuhe an. Ich traute mich gar nicht aufzusehen: Die ganze Truppe der freiwilligen Feuerwehr war anwesend. Mit einigen von Ihnen treibe ich seit Wochen meine Chats. Plötzlich fing Honigdachs, meine jüngste Tochter, an zu kotzen. Nachdem sie sich zwei mal übergeben hatte und nur noch weinte, verließen wir unter Protest meiner Großen das Laternenfest. Dann hatte ich zwei weinende Kinder und eine handfeste Migräne im Auto.

Zu Hause fühlte ich mich dann auch schlecht. Mir war bitterkalt, ich bekam schlagartig Fieber und hatte anschließend eine Woche lang Kopfschmerzen. Heute bin ich das erste mal schmerzfrei aufgewacht, nachdem ich mir gestern im Bett eine halbe Stunde lang ASMR angesehen habe.

 

Ich denke, das werde ich nun öfter versuchen.

 

 

15.11.18 09:48, kommentieren



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung