reflections

Beschissenes Liebesleben

 

Gestern saß ich da und habe mir ernsthaft Gedanken gemacht, woran es liegt, dass Halfdan so wenig Begeisterung für Sex mit mir hegt.

Eigentlich zieht sich das wie ein roter Faden durch mein Leben.

Keiner meiner Beziehungspartner wollte mit mir schlafen.

Die einzige Ausnahme ist vielleicht Brander. Er war der einzige, der es mochte. Auch hat er mit mir oft anzügliche Nachrichten getauscht.

Das war so der Lichtstrahl in meinem Leben, der mich hoffen ließ, dass es vielleicht doch nicht an mir liegt.

Jetzt bin ich wieder in Zweifel geraten und könnte mir die Augen auskratzen vor Unglück.

 

Was habe ich gemacht?

Ich habe die Orion-Homepage durchstöbert und diverse Reizwäsche gekauft.

Vielleicht kann ich damit die Gedanken des Mannes auf die richtige Spur bringen?

Ich weiß es nicht.

 

 

Leute, ich will kein falsches Bild von mir abgeben. Ich bin eine ganz normale Frau.

Ich sehe nicht schlecht aus, bin 33 Jahre alt, 1,72 m groß und wiege 61,5 kg (Stand heute morgen). Meine Augen sind groß und blau-grün und meine langen Haare sind rotbraun gefärbt.

An mir ist überhaupt nichts abstoßendes!

Ich wasche/dusche mich täglich, kreme mich von Kopf bis Fuß ein und rieche meistens nach Maiglöckchen- oder Erdbeerparfum. Meine Haut ist hell und weich und hat vielleicht ein paar Sommersprossen.

 

Ich tendiere nur leider zu einem nymphomanischen Hunger, den keiner so recht verstehen will.

 

Aber nachdem ich meine besten Jahre an Männer verschwendet habe, die mich nicht anfassen wollten, bin ich langsam echt verzweifelt.

 

Was mache ich falsch?

Suche ich mir die falschen Typen aus?

 

Ich bin bei meiner Wahl nicht oberflächlich. Mein Exmann war z. B. 20 Jahre älter als ich und hatte Falten.

Aber sein Motto war immer: Porsche fährt man nicht, man besitzt ihn nur zum vorzeigen.

 

Es ist zum heulen.

 

 

 

 

Als ich Halfdan die Bilder von den Dessous zeigte, fand er das sogar ganz nett.

Er erklärte, er sei gern dominant im Bett.

Daraufhin habe ich versucht ihn auf devote Weise in Stimmung zu bringen. Hab ihm beschrieben, was er alles mit mir machen dürfe. Dass er mich schlagen dürfe und gewaltsam nehmen… Von Weinen bis Flehen war alles dabei.

Und das fand er dann geil.

 

Mich macht das ganze sehr sehr nachdenklich.

 

 

Die Grenze zwischen Dominanz und Sadismus ist manchmal nur ein schmaler Grat.

Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vor sich geht.

 

Aber dass er auf solche Phantasien abfährt ist eigentlich kein so gutes Zeichen.

 

 

Ich wünsche mir Brander so sehr zurück.

 

Gleichzeitig hab ich aber auch Angst davor.

Brander war einfach zu stark für mich.

Ich wäre an seiner Seite irgendwann verkümmert.

 

 

Das was ich bräuchte, wären ein paar Liebhaber, die mich gelegentlich glücklich machen und die mich zu meinen mittelalterlichen Abenteuern begleiten.

 

 

Ich hab so sehr die Schnauze voll von Männern, die immer gleich an heiraten und Kinderwunsch denken, aber ansonsten unbefriedigende oder gar keine Liebesdienste vollbringen.

 

 

Es ist zum KOTZEN!!!

10.7.20 10:59, kommentieren

500 Euro für die Götter



An dem Tag vor meiner Abreise habe ich nochmal großzügig eingkauft und meine Wohnung aufgeräumt, in der Hoffnung, dass Halfdan mich vielleicht hier her begleiten würde.
Er hatte es nicht direkt versprochen, aber die Idee war seine gewesen.

Nach rund zweieinhalb Stunden war ich in Erfurt und fand auch ziemlich schnell den vereinbarten Treffpunkt.
Ich war überglücklich ihn wiederzusehen.
Ehrlich gesagt war ich nicht ganz sicher, ob mich nicht etwa ein Hexenprozess erwarten würde. Wir hatten uns nämlich zuletzt über whatsapp gestritten. Irgendwie habe ich ihn wohl irgendwann mal aus Versehen blockiert, so dass seine Anrufe automatisch abgelehnt wurden. Naja, aus Versehen nicht ganz. Aber aus Versehen vergessen wieder frei zu geben. Oder so...
Mir war das auch ein bisschen peinlich.
Ich konnte ihm nicht einmal mehr genau sagen, warum ich das mal tun musste. Ich glaube, das war schon ein paar Wochen her. Da war mein Exmann zu Besuch und ich hatte Angst, dass Halfdan anruft und mich in Erklärungsnot bringt.

Na jedenfalls schien er mich noch lieb zu haben.

Dann kam sein Kumpel und dessen Gefährtin zu uns auf den Parkplatz und wir begrüßten einander.
Ich war ein wenig wütend auf Halfdan, dass er mich bis zuletzt nicht aufgeklärt hat, wie der ganze Ablauf aussehen würde.
Alle sind einfach so wie selbstverständlich samt massenhaft Gepäck in meinen Wagen gestiegen und wollten von mir mitgenommen werden.
Die junge Frau lotste mich kreuz und quer durch die Innenstadt - hatte dabei allerdings eine solche Rechts-/Linksschwäche, dass ich sie am liebsten aus dem fahrenden Auto geworfen hätte.
Dann kamen von hinten die typisch männlichen klugen Bemerkungen betreffend meines Fahrstils....

Es war SO schön! -.-

Ich parkte in einer Tiefgarage beim Bahnhof und wir liefen zu Fuß weiter.
Da ich immernoch nicht wusste, was mich erwartete und welchem Event wir entgegen gingen, ließ ich einen Großteil meiner Ausrüstung im Kofferraum zurück.
Später habe ich das ein wenig bereuht. Ich hätte gerne mein Handarbeitszeug dabei gehabt.

Aber zuerst kamen wir am Hotel vorbei und checkten ein, damit wir schon mal eine Schlüsselkarte hatten. Es würde spät werden, bis wir zurück kämen.

Und dann ging es los.
Auf einem großen Platz trafen wir weitere Bandmitglieder.
Alle hatten mittelalterliche Instrumente bei sich und eine große Truhe voll CD's, die sie verkaufen wollten.

Im 20-Minuten-Takt hielten sie ihre Auftritte an mehreren verschiedenen Orten.
Die Leute waren begeistert.
Halfdan und ich machten Werbung für das Mittelalter. Wir machten Fotos, Videos und stellten uns in mittelalterlicher Gewandung zur Schau. Ich habe auch ein bisschen getanzt.
Halfdan allerdings hat Angst vorm tanzen und hat sich stoisch davor gedrückt.
Ansonsten habe ich nicht viel getan.
Ich habe der Musik gelauscht, Halfdans Haare geflochten, mit ihm geknuddelt und Händchen gehalten.
Zwischendurch haben wir auch mal Pausen gemacht und was gegessen und getrunken.
Mich hat es sehr gestört, dass alle - Halfdan nicht ausgeschlossen - permanent Bier saufen mussten! Das ging schon morgens um halb elf los.
Und ständig diese verständnislosen Mienen, wenn ich dankend abgelehnt habe.

Halfdan kam immer wieder zu mir und wollte vorsichtig gekrault werden. Sein Rücken ist frisch tätowiert und die Haut löst sich in Fetzen. Das juckt ihn.
Ich finde, das geschieht ihm Recht.
Menschen, die mehrere tausend Euro für schlecht gestochene Tattoos ausgeben, haben es nicht besser verdient.

Dann hat er mich allein gelassen und ist mit ein paar seiner Kumpels los gezogen, um Bier und Grillzeug zu organisieren.
Ich blieb mit einigen anderen Spielleuten zurück. Nach einer Weile nahmen sie mich mit zu einer Zitadelle, wo sich später alle wieder treffen wollten.
Es war bereits später Nachmittag und ich war komplett von der Sonne verbrannt. Meine Arme taten schrecklich weh.
Endlich konnte ich in den Schatten.

Ich war so müde, dass ich auf der Wiese schnell eingeschlafen bin.

Das Geräusch von raschelnden Chipstüten weckte mich schließlich.
Ich war hungrig und bediente mich. Die Spielleute unterhielten sich und ich hörte zu.

Ich war bereits sehr ungeduldig geworden, als Halfdan endlich mit dem Auto seines Kumpels ankam.
Gemeinsam bauten wir den Grill auf und er machte dann Feuer.
In dem Park bei der Zitadelle schien das wohl nicht verboten zu sein.

Nach dem Essen gingen Halfdan und ich ein Stück spazieren und sahen uns alles an. Besonders interessant fand er die alten verfallenen Gemäuer aus der Stasi-Zeit.

Ich dagegen fand ein paar Heilkräuter und einen Hasen, der sich wohl verirrt haben musste. Für mich in der Anblick eines Kaninchens in der Stadt nichts besonderes. Aber einen richtigen Hasen sieht man nicht alle Tage.
Halfdan war sehr nett zu mir. Er suchte immer wieder meine Nähe und genoss jeden zärtlichen Kontakt.
Und ich fühlte mich gut bei ihm aufgehoben.

Und dann ging mein Handy-Alarm los...
21 Uhr. Zeit für die Pille.
Voller Panik merkte ich, dass die Packung im Rucksack in meinem Kofferraum war. Jetzt hatte ich es sehr eilig.

Bis wir uns dann aber endlich von den anderen verabschiedeten war es aber schon 22 Uhr.

Zu Fuß führte ich uns das Stück des Weges zurück, welches ich mir noch hatte merken können. Den Rest fanden wir über sein Handy.

Am Auto holten wir erstmal unser Zeug und ich nahm die Pille.
Dann half er mir die Sachen zu tragen, bis wir am Hotel waren.

Im Zimmer angekommen überreichte ich Halfdan ein Geschenk: Eine grüne Mittelalter-Tasche und eine selbstgenadelte Mütze.
Er hat sich sehr darüber gefreut.

Halfdan baute einen Joint und wir gingen nach draußen, um in der Dunkelheit einen geeigneten Ort zu finden.
Leider war es rund um das Hotel wenig anheimelnd, so dass wir im Lichtkegel des Eingangsbereichts blieben um dort zu kiffen.
Auf einmal kam ein Typ in unsere Richtung.
Ich hab ihn mir nicht genau angesehn und kann ihn daher nicht mehr beschreiben. Ich glaube es war irgendwas Südländisches.
Halfdan schob mich schnell beiseite, als der Fremde schimpfend an uns vorbei stürmte und durch die Schiebetür in den Eingang des Hotels trat. Dort hatte er offensichtlich keine Chipkarte und konnte nicht weiter.
Da zückte er ein dickes Bündel Geldscheine und warf es gegen die Wand, dass die Scheine im ganzen Eingang verstreut lagen.
Es waren 50er, 20er, 10er und 5er. Insgesamt vielleicht 500 € oder mehr.

Halfdan und ich waren sehr erschrocken. Ich bekam sogar richtig Angst.
Zuerst glaubte ich an einen Versteckte-Kamera-Scherz. Dann kam uns der Gedanke, dass das Geld vielleicht gefälscht oder gar verflucht sein könnte.
Wir sahen uns an und waren uns einig, dass wir es nicht anrühren würden.
Ich sagte zu Halfdan, dass ich mir von den Göttern lieber eine glückliche Verbindung mit ihm wünsche.
Und auch er war der Ansicht, dass wir dieses Geld überhaupt nicht brauchten.
Er kehrte es beim eintreten mit dem Fuß zur Seite und wir ließen es leichten Herzens hinter uns.

Oben angekommen kam uns die Dusche wieder in den Sinn.
Als ich mich aber im Bad ausgezogen hatte, drückte er mich unvermittelt nach vorn über den Waschtisch und nahm mich von hinten.
Das kam ein wenig überraschend.
Und es tat ob seiner Länge auch wieder ein bisschen weh.
Irgendwann versagten meine Beine. Ich fühlte mich schwach und kaputt. Mein Kreislauf ließ mich im Stich.
Halfdan hob mich auf seine Arme und trug mich zum Bett.
Dort nahm er eine neue Stellung ein, die ich noch gar nicht kannte und die ich auch nicht so recht beschreiben kann, und machte weiter.
Es tat zwar immernoch weh, aber ich fühlte mich deutlich besser im Bett.
Es dauerte auch wirklich nicht lange, da war er fertig.
Ich fragte, ob es sich ohne Gummi jetzt anders anfühlt und er nickte ohne zu zögern und meinte dass es einen großen Unterschied mache. Er könne jetzt sehr viel mehr spüren: wenn ich enger werde, wenn ich feucht werde, etc.

Endlich endlich folgte das langersehnte gemeinsame Duschen, worauf er ganz besonders viel Wert legt.
Ich weiß nicht. Bin ich jetzt doof, wenn ich sage, dass ich lieber alleine dusche?
Naja, es macht mir nichts aus, das Wasser mit ihm zu teilen, aber es bringt meine ganze heilige Reihenfolge durcheinander...

Nach dem Abtrocknen streifte ich nur ein leichtes Nachthemd über und ging noch einmal mit ihm nach unten, um im Hinterhof diesmal mit ihm zu rauchen.

Dann gingen wir ins Bett und machten den Fernseher kurz an.
Ich aß ein paar Kekse, krümelte alles voll, wurde dann müde und ging Zähne putzen.
Als ich zurück ins Bett stieg, schlief Halfdan schon.

...

Am nächsten morgen hatten wir Ärger mit dem Frühstück.
Halfdan hatte vergessen das bei seiner Reservierung mit zu buchen und ich war ein bisschen verstimmt deswegen.
Es bedeutete nämlich, dass wir etwas früher als gedacht auschecken mussten.
Nix mit ausschlafen oder nochmal kuscheln oder Sex....
Der Herr brauchte nämlich seinen Kaffee!

Ich beeilte mich. Packte mein Zeug, zog mir zivile Sachen an und machte mich im Bad ein wenig zurecht.
Ich hätte mir gern eine schönere Frisur gemacht, aber ich konnte nicht, weil ich ja gehetzt wurde.
Dieser Mann ist UNMÖGLICH!
Ständig sind wir auf der Flucht! Der kann aber keine ruhige Minute genießen...
Vielleicht sollte er mal weniger Drogen nehmen?

Wir checkten also aus, brachten das Gepäck in mein Auto und suchten uns ein Straßencafé wo wir frühstücken konnten.
Ja, das wieder schön!
Das Frühstück war sehr aufwändig und liebevoll zubereitet.
Mit Rührei, Brötchen, Marmeladen, Wurst, Käse, Obst und Rohkost.
Ich war sehr sehr seeeeehhhhhhr glücklich!!! Auch der Kaffee und der frische Orangensaft waren toll.
Ich glaube dieses Frühstück war das beste an meinem ganzen Trip in den komischen Osten. Es war sogar besser als der Sex gewesen.

Dannach brachte ich ihn zu seinem Auto und wir fuhren Konvoi nach Eisenach.
Ziel war die Wartburg.

Auf dem Parkgelände haben wir uns rasch wieder die Kostüme angelegt und haben der Burg die Show gestohlen.
Alle waren begeistert von uns.

Den Eintrit in die Burg habe ich bezahlt. Es war mir ein Bedürfnis ihn auch mal einzuladen.
In der Burg gab es einen Saal wo alles golden geglitzter hat! Das fand ich sehr eindrucksvoll!
Auch der Rest war zum Staunen.
Ich habe viele Fotos gemacht.

Nach dem Rundgang wollte ich sehr gerne mit ihm zur Sängerwiese pilgern, um mit ihm noch ein paar letzte Stunden zu chillen. Auch hatte ich diesmal Wolle dabei und wollte unbedingt Maß nehmen, um ihm anständige Socken zu binden.
Allerdings ist dieser unmögliche Mann EINFACH NICHT IN DER LAGE zu chillen!
Ich weiß nicht warum, aber er fand es vergnüglicher mich KILOMETERWEIT durch den ganzen VERDAMMTEN WALD die BESCHISSENEN BERGE RAUF UND RUNTER zu jagen!
Meine Oberschenkel waren unter dem Kleid am Ende so wund, dass ich sie mit meinen Armwickeln bandagieren musste.
Vielleicht hatte der arme Mann ja Angst, ich könnte ihn noch einmal Verführen????
Ich weiß ja auch nicht....
Schließlich hat ER doch darauf bestanden, dass ich ohne Unterwäsche rum renne, dass mir die Feuchtigkeit die Schenkel runter läuft!
Und ich blöde Kuh, nehme auch noch ihm zuliebe die beschissene Pille!
Ich frage mich nur langsam, wofür überhaupt???
Tja, konnte ja keiner Ahnen, dass manche Männer ihre Muskete erst mal wieder wochenlang nachladen müssen.... Oh Mann, Fuck!
Zumindest hatte ich Schmerzen beim laufen. Und er war Schuld daran.
Es war NIE  geplant gewesen, eine solche Gewalttour von 6 VERFLUCHTEN STUNDEN in mittlalterlicher Gewandung zu machen!
Auch das war seine Schuld!
Außerdem hätten wir uns bestimmt nicht verlaufen, wenn er vorher mal eine Karte besorgt oder wenigstens gespeichert hätte.
Im Wald hatten wir jedoch keinen Empfang mehr.
Meine armen Schuhe! Die sind vom Schotter jetzt ziemlich in Mitleidenschaft gezogen...
VIELEN DANK!!! VIELEN SCHMERZLICHEN DANK!!!!!!

Wen wundert es da, wenn ich vielleicht irgendwann auch mal etwas zickig wurde?
Aber das hat ihm dann gar nicht gefallen und er wurde sehr ernst und wies mich mit aller Strenge zurecht.
Daraufhin sagte ich eine Weile gar nichts mehr. Ich schmollte und beschäftigte mich mit meinen eigenen Gedanken.
Außerdem war ich voll wütend.

Als er merkte, dass ich ihm nicht mehr antwortete, schnappte er mich am Gürtel, drehte mich zu sich um und zwang mich ihn anzusehen. Er wollte, dass ich mich erwachsen benehme. Er fragte auch, ob wir umkehren sollten.
Das war nicht fair.
So kurz vor dem Ziel war ich zu neugierig um umzukehren!

Nur wenige Minuten später fanden wir den Eingang in die Drachenschlucht.
Es war wunderschön!
Steil aufragende und mit dickem Moos gepolsterte Felshänge an denen unablässig Wassertropfen herunter rannen. Da und dort ein paar kleinere Wasserfälle und interessante Felsformationen.
Und überall in der Schlucht ein feuchtkühles herrliches Klima.
Sogar eine fluoreszierende Algenart habe ich entdeckt!
Auch hier konnten wir wieder viele tolle Fotos machen.

...

Als wir zu unseren Autos an der Wartburg zurück fanden, war es bereits Abend und wir mussten uns rasch verabschieden, weil er es eilig hatte.

Ich stand da mit sehr gemischten Gefühlen.
Sicher, es war nicht alles so gelaufen, wie ich es mir erträumt hatte.
Aber er hatte die ganze Zeit gut auf mich aufgepasst und mich mehrfach festgehalten, wenn es unterwegs steil und rutschig geworden war.
Ohne Wanderschuhe und auf flachen Mittelaltersohlen bin ich einfach nicht so trittsicher unterwegs wie bei meinen sonstigen Wanderungen.
Ich war traurig, dass wir uns wieder für zwei Wochen trennen mussten.

Er gab mir zum Trost ein T-Shirt von sich mit.
Damit konnte ich knuddeln wenn ich einsam war, denn es roch noch ein bisschen nach ihm und das war gut.

Eine Zeitlang fuhr ich hinter ihm her, bis unsere Navis uns in verschiedene Richtungen lotsten.
Am Ortsende sah ich plötzlich seine Lichthupe im Rückspiegel und er war hinter mir.
Ich schöpfte Hoffnung.
Vielleicht hatte er es sich überlegt und würde mir folgen?

Doch als ich auf die Autobahn Richtung Frankfurt abbog, trennten sich unsere Wege wieder und ich musste damit leben.

Später hat er mich noch angerufen und mir gesagt, dass er einen Augenblick lang mit dem Gedanken gespielt hatte, mir zu folgen. Und er schalt sich einen Esel, dass er es nicht getan hatte, denn er vermisste mich.
Das fand ich voll süß.

Daraufhin habe ich meinen Facebookstatus auf Beziehung umgestellt.


Meine Götter, wo soll das alles nur hinführen?


6.7.20 21:38, kommentieren

Nur ganz kurz



Es ist schon spät und ich muss morgen wieder früh raus.
Darum nur ein paar kurze Worte zum Stand der Dinge...


Also erstens: Ich weiß nicht was Brander mit Jarl Sowieso hat. Zwar hat er mich vor dieser Person auf Facebook gewarnt, aber ich kann seine Aussage nicht bestätigen.
Ihr wisst, ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht eine eigene Meinung bilden würde.

Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Kontakt zu Jarl Sowieso aufzunehmen - schon gar nicht jetzt, wo ich Halfdan habe. Aber Branders Gerücht hat mich neugierig gemacht.
Tatsächlich ist aber nichts weiter dran an der Sache.
Dieser Jarl Sowieso ist ein Typ wie jeder andere. Es hat keine zwei Stunden gedauert, da hat er mir seine Nummer aufgedrängt und ich hab den Kontakt wieder eingestellt.
Ansonsten gibt es nicht viel über ihn zu sagen. Jarl Sowieso ist ein mittelschlechter Künstler mit fragwürdigem Geschmack. Das einzig interessante an ihm sind seine Kenntnisse in Sachen Botanik und Heilkunde. Ansonsten ist er ein harmloser Schürzenjäger mit dem ich spielend fertig werde.
Um Brander zu ärgern habe ich ihn auf meine Freundesliste geholt.
Jarl Sowieso ist nett und freundlich und ehrlich und ...naja...ziemlich langweilig.

Allein die Tatsache, dass er mir nicht sagen wollte, warum er aus allen Mittelalter-Facebook-Gruppen ausgetreten ist, hat mich stutzig gemacht.
Trotzdem erkläre ich das Kapitel des "bösen" "schlechten" "gefährlichen" Jarl Sowieso für abgeschlossen. *Augenroll*


Zweitens:
Ich nähe mir aktuell die Finger wund für ein neues Kleid, welches bis kommenden Freitag fertig werden muss.
Halfdan und ich wollen uns wieder treffen.
Nächsten Samstag sind wir zu einer kleinen mittelalterlichen Veranstaltung in Erfurt eingeladen. Seine Band macht dort Musik und irgendjemand feiert auch Geburtstag. Es wird also feuchtfröhlich.
Abends gehen wir noch in eine Mittelalterkneipe, die er mir unbedingt zeigen will. Bin ja mal gespannt.
Den Sonntag wollen wir zu zweit auf der Wartburg verbringen.

Da Halfdan sich irgendwie unwillig zeigte, mit mir die Wonnen zu teilen, habe ich eine Kleinigkeit vorbereitet.
Ich nehme wieder die Pille. Das heißt, er kann mich ohne Gummi und jederzeit überall besteigen wann immer er Lust hat.
Vielleicht macht ihn das ja etwas ... kontaktfreudiger...

Das war auch ein hartes Stück Arbeit, denn wegen des anhaltenden Ärztestreiks konnte ich seit zwei Jahren - also seit meinem Umzug - bei keinem Frauenarzt unterkommen.
Ohne Rezept kriegt man die Pille jedoch nicht.
Also rief ich zwei Tage lang wieder alle Ärzte im Umkreis an. Jedoch ohne Erfolg.
Zuletzt sogar im Krankenhaus auf der gynokologischen Station.Die gaben mir die Nummer vom ärztlichen Bereitschaftsdienst der Stadt.
Der wiederum gab mir die Nummer von der Terminservicestelle des kassenärztlichen Notdienstes.
Und dort bekam ich einen Vermittlungscode für einen Termin bei einem Frauenarzt im zuständigen Kreisgebiet.
Ich musste den Termin zuerst bestätigen ehe mir die Praxis bekannt gegeben wurde.
Mit diesem 12stelligen Code musste ich die Praxis anrufen und bekam eine Bestätigung für den Termin.
Ich werde den Termin zwar wahrnehmen, weil eine Untersuchung sowieso mal wieder fällig wäre, allerdings wollte ich den angefangenen Zyklus nicht verschwenden.
Also wandte ich mich an eine Art "Vermittler", der mir die Pille für knapp dreißig Euro innerhalb von 24 Stunden beschaffen konnte.
Keine Sorge, die Packung sieht ok aus.
Hab auch schon die typischen Nebenwirkungen.
Es ist definitiv die Pille.

Am ersten Tag nach der Einnahme gingen die Kopfschmerzen los.
Am zweiten Tag hatte ich auch schon ein verschlechtertes Hautbild.
Bald kommt noch Schlaflosigkeit, leichte Übelkeit und sexuelle Unlust hinzu.
Letzteres kann ich verschmerzen. Ich bin sowieso immer zu ...äh... kontaktfreudig.
Ich will ja nicht, dass Halfdan an abgenutzten Beckenknochen stirbt....

Im August habe ich zwei Wochen Urlaub.
Da wollen wir mit allen Kindern zusammen mittelalterlich lagern.

Ich freue mich.

 

 

P.s. So wie es aussieht bin ich von "Hexe" zur "guten Fee" aufgestiegen, was? Ich weiß schon, was ich sagen wollt. Lasst es einfach...

Ich bin eben zu sehr ich!


28.6.20 23:51, kommentieren

Nachricht vom Ex

 

 

Haltet euch fest: Brander hat sich gemeldet!



Dinge mit denen eher zu rechnen war: Sonnenaufgang im Westen, zugefrorene Hölle, eine Woche mit zwei Montagen, Flüsse die bergauf fließen, Geld in meinem Portemonnaie...

 

Ich kann es immernoch nicht glauben.

 

 

Heute während der Mittagspause erhielt ich also zwei Sprachnachrichten von meinem Exfreund Brander.
Ich weiß nicht, warum er sich gemeldet hat. Angeblich nur, um mich vor einer gewissen Person auf Facebook zu warnen, mit der ich mal irgendwann Kontakt hatte.
Ein vorgeschobener Grund wie mir scheint.
Ich glaube, dass er mich auf irgendeine mir nicht einleuchtende Weise testen wollte.

Seltsam auch, dass er sich meldete, nachdem ich wenige Tage zuvor Bilder von mir und meiner neuen Bekanntschaft veröffentlicht habe.

Vielleicht ein Lokistreich?



Ich bin seither in mich gegangen.

Fest steht für mich: ich bin auf Brander geprägt und kann das nie gänzlich überwinden.
Aber was heißt das?

Es heißt etwas schlimmes.

Nichts auf der Welt kann mich jemals wieder glücklich machen.

Nicht Halfdan. Nicht die Kinder. Nicht einmal ich selbst.

Das einzige worauf ich hoffen darf, ist weniger unglücklich zu sein.

Und diese Chance werde ich nutzen.
Mit Halfdan.


Er ist der einzige der alles weiß. Die ganze Geschichte. Und mich trotzdem liebt. Er weiß auch, dass ich noch immer um Brander trauere und will mir helfen - und das obwohl er Untreue scharf verurteilt.

Halfdan braucht mich. Er braucht mich, um sich sicher zu fühlen und geliebt. Kommt mir bekannt vor... Wir sind wie zwei Kinder, die sich hilflos aneinander klammern, aus Angst in der Dunkelheit allein gelassen zu werden.

Ich kann mich zwar nicht öffnen, aber ich kann für ihn da sein und ihm alles geben, wozu ich fähig bin.

Im Gegenzug gibt er mir Sicherheit und lässt nichts unversucht, um mich zu erobern und mich zu beschützen und für immer gut zu mir zu sein.
Und das nicht nur wenn wir allein sind.

Das hat er mir versprochen.

 

Es ist mehr als ich hoffen durfte.

 

 

 

19.6.20 21:16, kommentieren

Halfdan in RL



Selten hat der erste Eindruck mehr getäuscht.

Nachdem ich Halfdan persönlich kennen lernen durfte, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es vielleicht doch Männer gibt, die anders sind als alle anderen.
Aber ich will nicht vorgreifen. Ich erzähle mal der Reihe nach, was passiert ist:

Ich kam also Freitagabend nach dreieinhalb Stunden nervenzerfetzender Autofahrt in Braunschweig an und war von den vielen Autobahn-Baustellen und Staus schon ziemlich fertig mit der Welt.
Es war schwülheiß und ich wollte eigentlich nur noch so schnell wie möglich unter die nächstbeste Dusche.
Halfdan kam zu mir ans Auto und half mir die Sachen hochtragen.
Oben angekommen erwartete mich der erste Schock. Sein 9jähriger Sohn war übers Wochenende da.
Ich begrüßte den Jungen freundlich und nahm dann Halfdan beiseite, um so leise wie möglich zu explodieren.
Im Flüsterton fragte ich, ob er noch alle am Sträußchen hätte und was er sich dabei gedacht habe.
Er dagegen beteuerte, dass er mir irgendwann mal erzählt habe, dass er jedes Wochenende Umgang hätte.
Ich war so wütend. Ich holte mit der Faust aus und alles in mir verlangte dannach, ihm die verlogene Fresse zu pollieren.
Giftig zischte ich ihn an, dass er mit keiner Silbe erwähnt hatte, dass wir ausgerechnet an diesem Wochenende zu dritt sein würden. Ich sagte auch, dass es für mich auch nicht immer leicht ist, die Kinder irgendwo unterzubringen, es aber trotzdem gemanaged kriege. Ich fragte ihn, ob er mich verarschen wolle und nannte ihn ein Arschloch.
Er war total geknickt und irgendwie verständnislos und stand bloß traurig vor mir. Er meinte, es sei doch kein Problem. Schließlich wäre das ja nur ein erstes einfaches Kennenlernen.
Das machte mich noch wütender.
"Warum nimmst du eigentlich keine Rücksicht auf das was ICH will?!", fragte ich ihn vorwurfsvoll, "Von einem Liebhaber erwarte ich etwas anderes! Ich habe mich so sehr auf eine kinderfreie Auszeit gefreut." Ich wollte ihn hart treffen. Ich wollte dass er genauso enttäuscht war wie ich und fuhr fort: "Ich komme her, um mir die Seele aus dem Leib zu schreien, während du mir das Hirn rausvögelst! Aber mit DER Aktion hast du alles versaut!"
Er war geschockt. Und ich muss gestehen, dass ich diesen Moment ein bisschen genossen habe, ihn fertig zu machen.
"Was soll diese Scheiße?! Und selbst bei einem ersten Kennenlernen muss man ja nicht gleich die halbe Verwandschaft involvieren! Hast du noch mehr so Überraschungen geplant? Muss ich vielleicht damit rechnen, dass du mir gleich noch meinen künftigen Schwiegervater vorstellst, oder so?"
Ich hatte mich in Rage geredet und es tat so gut, Dampf abzulassen.
Er versuchte mich zu beruhigen und bot mir an, erst mal eine Zigarette zu rauchen und in Ruhe mit ihm zu reden. Er beteuerte, dass sein Sohn wahrscheinlich die meiste Zeit in seinem Zimmer an der Playstation2 hängen würde und wir genügend Zeit zum Reden fänden.
Ich war so entmutigt und begann meinen Übereifer aus vollstem Herzen zu bereuhen. Einen Moment dachte ich daran, meine Sachen zu schnappen und aus dieser fragtwürdigen Nummer wieder auszusteigen.
Es ist überhaupt nicht mein Stil einem erwachsenen Mann die Spielregeln zu erklären, oder gar seine Hausaufgaben zu machen.
Und ich bebte immernoch vor Zorn.

Das Kind konnte am allerwenigsten etwas dafür und es tat mir leid, falls der Junge von meiner Aufgebrachtheit Notiz genommen hatte.
Nach der Zigarette war ich tatsächlich etwas ruhiger und ich versuchte klar zu denken.
Ganz gleich, was ich geplant hatte, die Götter hatten anders entschieden.
Ich nickte schließlich und meinte, dass ich der Sache eine Chance geben wolle.
Halfdan war sehr erleichtert das zu hören. Für sein seeliges Lächeln hätte ich ihm jedoch am liebsten das Gesicht zerkratzt.

Ich ging ins Bad und wusch mir Gesicht und Hände.
Als ich raus kam, machte Halfdan für seinen Sohn Abendbrot und lud mich ein, mich dazu zu setzen und mich zu bedienen.
Ich hatte keinen Hunger, aß aber trotzdem eine Kleinigkeit und trank zwei Gläser Leitungswasser. Ich war total dehydriert.
Obwohl ich kaum zwei Worte mehr rausbrachte, zwitscherte der Junge fröhlich vor sich hin und erzählte mir alles mögliche.

Auf einmal stand Halfdans Sohn auf, reichte mir die Hand und wünschte mir eine gute Nacht.
Ich war wie vom Donner gerührt.
Das Kind besaß Anstand.
Es war 21 Uhr, als der Junge fröhlich und freiwillig in sein Bett marschierte.
Ich ging zu ihm und entschuldigte mich bei dem Jungen, falls ich irgendwie unhöflich gewesen sein sollte und erklärte, dass ich von der langen Fahrt und meinem Arbeitstag einfach nur sehr müde sei.
Aber der Junge war ein wahrer Sonnenschein und schüttelte nur sein blondes Wuschelköpfchen. Für ihn war alles okay.

Ich ging zurück ins Wohnzimmer und setzte mich äußerst betreten auf die Couch.
Bald kam Halfdan auch dazu und setzte sich neben mich.
Ich war immernoch wortkarg und konnte ihn nicht ansehen. Aber diesmal nicht aus Wut, sondern weil meine Wut verraucht war und ich nicht wusste, was ich sagen sollte.
Halfdan seufzte und fragte, ob ich einen Becher Met probieren wolle.
Ich seufzte genauso und stellte die Gegenfrage, ob er nicht kuscheln möchte.
Da wurde er hellhörig und wollte wissen, ob ich nicht mehr böse sei.
"Nein", meinte ich, "Ich gebe zu, ich rege mich schnell auf, aber ich krieg mich auch schnell wieder ein."
Und ich drückte ihn auf das Sofa und legte mich an seine Seite.
Wir hielten Händchen. Wir streichelten einander. Wir redeten.
Alle seine Träume gingen in Erfüllung und er war glücklich.
Und ich begann mich zu entspannen und den Druck von meiner armen Seele zu schieben.
Vielleicht sollte es einfach so sein, dachte ich.
Vielleicht ist es wirklich mein Verhängnis, immer gleich alles überstürzen zu wollen.
Aber Geduld war nie meine Stärke gewesen.
So nahm ich also, was er mir gab und musste fürs erste damit zufrieden sein.
Innerlich schwor ich mir ihn nach diesem Wochenende nie nie nie wieder sehen zu wollen und  ihn überall zu blockieren.

Im Rahmen unserer Gespräche stellte sich heraus, dass er nicht einmal Kondome im Haus hatte.
Zwar hatte ich welche eingepackt, wollte ihm das jedoch nicht verraten.
Mir war vielmehr daran gelegen, ihn bereuhen zu lassen, keine Vorsorge getroffen zu haben.
Ich weiß nicht, was meine Verbitterung verraten hat, zumindest brachte er mir schnell Schokolade und machte auch eine Flasche Wikinger Met auf.
Verdammt, wie ich das hasse, wenn solche dämlichen Tricks funktionieren....
Nach dem Zuckerrausch und dem Alkohol hat er mir auch noch einen Joint gebaut, was meine Laune deutlich hob.
Dannach war die Stimmung sehr ausgelassen und wir machten Quatsch und redeten Mist und schütteten uns aus vor Lachen.
Und ich war ganz hingerissen von seinen Erzählungen darüber, wie viele Arschlöcher er schon zusammen geschlagen hatte. An seiner rechten Faust ist an einem der Knöchel der Gelenkknorpel geplatzt - so heftig hat er mal zugeschlagen. Echt beeindruckend.
Ich mag Männer, die sich behaupten können.
Das hat irgendwas mit meiner rückständigen Biologie zu tun, schätze ich. Ihr wisst schon. Höhlenmenschen und so. Was weiß ich...

Auch gingen wir ein bisschen auf Tuchfühlung und knutschten rum und hatten schließlich Petting.
Während ich ihm einen runter holte, hat er mich zum Höhepunkt gefingert. (ich hatte extra ein paar Tage keine Hand angelegt, damit er leichtes Spiel hat) Der Orgasmus war wirklich der Hammer. Es war einer von diesen seltenen Höhepunkten, die den ganzen Körper irgendwie mitnehmen. Ich kann es gar nicht beschreiben.
Solche intensiven Momente hat man normalerweise nicht bei einem Fremden. Für sowas braucht es in der Regel viel Vertrauen.
Deshalb hat es mich aufrichtig überrascht.

Später hab ich mich noch flüchtig abgeduscht und bin dann mit nichts weiter am Leib als einem weißen Unterhemd zu ihm ins Bett gestiegen.
Sein Bett ist ziemlich groß und ziemlich hässlich.
Aber es liegt ein riesenhaftes Schafffell darauf, welches aus 6 großen Fellen zusammen genäht worden war, und das hat sich gut auf der Haut angefühlt.

Ich schlief an seiner Seite überraschend gut und wachte morgens auch sehr erholt wieder auf.

Der Samstag verlief deutlich besser.
Das Eis war gebrochen und er gab sich erdenklichste Mühe, den ersten Eindruck wieder wett zu machen.
Er packte alle Frühstückssachen ein, um gemeinsam auf Burg Regenstein zu frühstücken.
Wir tranken nur kurz Kaffee und zogen uns unsere Gewandungen an.
Sein Sohn hatte auch entsprechendes Equipment und nahm sogar einen Kinderschild und einen Speer und ein Holzschwert mit.
Und das war gut, denn ich habe mich später ganz wundervoll mit Halfdan gekloppt. Aber dazu später mehr.

Wir fuhren also zu Regenstein und durften ohne Eintritt zu zahlen hinein, weil unsere Outfits den Leuten so gut gefielen.
Einige Touristen wollten unbedingt Fotos mit uns machen.
Das einzige was mich geärgert hat war, dass wir als "Ritter" bezeichnet wurden. Mehrfach!
Halloooooooo????? Ritter????? Eurer Ernst?!?!?!!!11
Wir sind best renommierte Wikinger! Ich muss doch sehr bitten!

So besichtigten wir also die Burg, respektive das was von ihr übrig war.^^
Unterwegs ließen wir immer ein paar Sprüche fallen, um die Leute zu unterhalten. Wir besprachen unsere Pläne nach erfolgreicher Eroberung und was wir mit den ganzen Christen anfangen würden, etc.
Es war sehr lustig.

Später legten wir uns noch auf eine Wiese in den Schatten und knuddelten aneinander rum.

An anderer Stelle fanden wir einen Ort etwas abseits vom Geschehen und machten dort auch noch mal tolle Fotos.
Dann fing Halfdans Sohn an sich zu brüsten und anzugeben und zu provozieren, bis Halfdan sich zu einem kleinen Duell genötigt sah.
Mir wurde es heiß und kalt, als der Mann mit der Axt auf den Schild seines Sohnes schlug. Ich war nicht ganz sicher, wie viel das kleine Ding aushalten würde.

Schnell sprang ich dazu und spielte die Ablöse. Ich ließ mir das Holzschwert und den Kinderschild geben und nahm Aufstellung, wie Brander es mir einst gezeigt hatte.
Mein einziger Vorteil war, dass Halfdan kein echter Schwertkämpfer ist. Er ist in dieser Hinsicht nur ein Poser.
So konnte ich zuerst ein paar kleinere Treffer landen - natürlich ohne ihm weh zu tun.
Er jedoch machte nicht langes Federlesen mit mir. Nachdem ich ihn mit meinem "Können" überrascht hatte, holte er mit der Axt aus und hätte mir wohl den Schädel gespalten, weil ich für den korrekten Umgang mit dem Schild noch null Erfahrung habe. Aber da hat er nur angedeutet.
Bei der nächsten Attacke hat er mich jedoch am rechten Handgelenk verletzt und es ist immernoch blau und tut weh.
Schönen Dank auch, du Held.  -.-
Danach beendete ich den Kampf und erklärte mich zum Sieger, was ihn sehr erheiterte.

Auf dem Heimweg begann das angekündigte Hitzegewitter.
Wir holten uns an einem Fastfood-Stand türkisches Essen und gingen damit in seine Wohnung.
Dort hörten wir ein bisschen Musik und aßen gemütlich.
Eigentlich haben wir bis zum Abend nichts anderes getan, als zu kuscheln und aneinander zu kleben.
Wir beide brauchten das ganz dringend.
Dann holte ich das Mohnöl aus der Tasche und habe ihm Rücken und Schultern ausgibig massiert.
Auf diese Weise konnte er lernen, was sich gut anfühlt und wie man es anstellen muss.
Später in der Nacht hat er es dann für mich getan, nachdem wir gemeinsam geduscht hatten.
Nach dieser Sonderbehandlung rückte ich dann endlich mit den Gummis raus und wir hatten Sex.
Obwohl ich Sex sehr mag, war es diesmal ein kleines bisschen schmerzhaft.
Man möchte es ihm auf den ersten Blick nicht zutrauen, aber er erreicht eine stattliche Größe, die ich einfach nicht gewöhnt bin.
Glücklichweise verlief unsere erste gemeinsame Übung jedoch recht schnell.
Ich brauche einfach Zeit, um mich wieder daran zu gewöhnen.

Für die zweite Nacht entschied ich mich für ein schwarzes halb durchsichtiges Negligée. Hat ihm gefallen.

Der Sonntag verlief ziemlich ruhig.
Während Halfdan Frühstück machte, hab ich mit seinem Sohn ein Autorennspiel auf der PS2 gezockt. Und ich war sogar nichtig gut.

Ansonsten ist nicht mehr viel passiert.
Wir haben geredet, geknutscht und uns befummelt und geknuddelt.
Es fühlte sich einen Augenblick so an, wie die Beziehung die ich immer mit einem Mann haben wollte. Viel Aufmerksamkeit und sehr viel liebevolle Zuwendung.
Ich spürte regelrecht, wie meine Seele mit glühendem Gold betankt wurde.
Und so lag ich schmusend an seiner Brust und flüsterte ein leises "ich liebe dich", ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben. Ich sagte es, aus einer Laune heraus. Weil mir in dem Moment dannach war.
Das muss nicht unbedingt etwas bedeutet haben. Hey, ich liebe auch den Strand und Nutella-Crossains und unzählige weitere Dinge.
Und dieser Mann - Halfdan - hat ja nun wirklich alles dafür getan, um liebenswert zu sein.
Ich merkte aber, dass es ein Fehler gewesen war, als er stocksteif wurde und die Augen aufriss. "Was hast du gesagt!", waren seine einzigen Worte. Es war keine Frage. Er hätte ebensogut sagen können "Was hast du getan!"
Es klang vorwurfsvoll.
Ich antwortete: "Nichts"





16.6.20 02:55, kommentieren

Die Flucht nach vorn

 

Tja, in ein paar Stunden ist es dann wohl soweit.

Heute fahre ich nach Dienstschluss nach Braunschweig, um Halfdan kennen zu lernen.

Ich weiß noch nicht genau, wie ich mich fühlen soll.

Vor meinem ersten Treffen mit Brander war ich damals sehr aufgeregt und voll freudiger Erwartung gewesen. Ich hab mich glücklich und federleicht ums Herz gefühlt. Ich habe ihn geliebt.

Diesmal ist es anders.

Ich bin nicht die Bohne nervös. Nur ein wenig nachdenklich.

Egal wie die Sache ausgehen wird – ob er sich als Liebhaber tauglich erweist oder nicht – ich nehme mir fest vor, den Trip so gut es geht zu genießen. Auch falls die Chemie nicht stimmen sollte.

Ich meine, der Mann sieht jetzt nicht schlecht aus und er ist unternehmungsfreudig. Okay. Er schreibt auch immer wieder so nette Koseworte wie „Schatz“ oder „Honey“ und das fühlt sich schön an.

Allerdings sind wir irgendwie so gar nicht auf einer Wellenlänge.

Mich reizt der Wahnsinn. Das Verrückte. Das Abenteuer.

Und er springt auf meine Avancen so überhaupt nicht an.

Er ist ein Langweiler. Ein Spießer.

 

Da hab ich ihm doch gestern abend ein Bild von mir im halb offenen Bademantel geschickt und er fing an von seiner Arbeit zu erzählen, dass er einen neuen Kollegen einarbeitet usw.

Boah ist das öde.

Und die Lawine an Smileys und Emojis und Herzchen und Küsschen reißen es auch nicht wirklich wieder raus.

 

Hinzu kommt seine ungeheure Unsicherheit, die er hinter permanentem Gekicher versteckt. Ehrlich – das nervt.

 

Unsere Gespräche sind eintönig. Er immer so: „Boah, ich find dich so toll. Du bist ja so süß. Ich will mit dir kuscheln!“

Und ich so: „Danke. Wie nett von dir. Ja.“

Hm.

 

Vielleicht irre ich mich ja und wir werden eine total tolle Zeit zusammen haben und viel lachen und interessante Gespräche führen und wilden Sex haben.

 

Aber mein Gefühl sagt mir, dass es ein Reinfall wird und ich stell mich schon mal seelisch moralisch auf eine deprimierende Katastrophe ein.

Trotzdem: Eine Chance soll er haben.

 

 

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten.

Ein bekannter Ritter aus Facebook hat mich angeschrieben und gefragt, ob ich nicht bei der nächsten Buhurt-Meisterschaft in Belepsch als Supporter helfen möchte und ich habe sofort ja gesagt.

Da darf ich Männer an- und ausziehen, ihnen zu trinken geben und in vorderster Reihe den Kämpfern zusehen. Einen gratis Schlafplatz und Verpflegung bekomme ich auch.

Die Sache findet irgendwann im Oktober statt.

Ich bin schon so sehr gespannt.

 

 

 

5 Kommentare 12.6.20 10:38, kommentieren

Good Vibrations…

 

Seitdem die Mieterin über unserer Kanzlei arbeitslos ist, hört man beinahe täglich von oben summende Geräusche, die längere Zeit anhalten.

 

Meine Chefin – glücklich verheiratet und blond – fragt sich seitdem, warum die Frau immer so viel staubsaugen muss.

 

 

Ich weiß nicht, ob ich es ihr sagen soll. XD

 

*kicher

10.6.20 10:04, kommentieren

Halfdan

 

 

Seit jüngster Zeit chatte ich mit einem gutaussehenden Verehrer, den ich Halfdan nennen möchte.

Er gehört - genau wie ich - zum Frühmittelalter und sieht aus wie Halfdan aus Vikings.

 

Anfangs hat er mich mit seinen Vorstellungen ein bisschen erschreckt. Er ist seit zwei Jahren Single und hat beschlossen das zu ändern und zu diesem Zweck hat er mich ausgesucht (als wäre ich ein Gebrauchtwagen ...) .

Er würde gerne mit mir ein Langhaus bauen und hat mich gefragt, ob ich nicht zu ihm nach Braunschweig ziehen möchte.

 

Alter Schwede, da kannten wir uns gerade mal 2 Tage!

 

Mittlerweile hat er sich aber zu einem angenehmen Kontakt entwickelt und wir schreiben mehrmals täglich miteinander.

 

Zwar hab ich ihm erklärt, dass Beziehungen für mich nicht mehr in Frage kommen und dass es mir nur um ein bisschen Spaß geht, aber er ist verdammt hartnäckig.

 

Jetzt am Freitag will ich nach der Arbeit zu ihm fahren und das Wochenende mit ihm verbringen. Meine Ambitionen sind absolut klar und unmissverständlich.

 

Da fragt mich dieses Schäfchen doch allen Ernstes, ob es ok wäre, wenn er mich küssen möchte.

 

 

Meine Götter…. Das kann ja heiter werden.

8.6.20 10:59, kommentieren

Gewalt gegen Frauen ist scheiße

 

 

Ich muss es los werden.

 

 

Heute saß ich im Büro an einer Akte, die ich abrechnen sollte.

Beim Durchblättern wurde es mir heiß und kalt.

 

Die Frau lebt in einer sehr gewaltbetonten Ehe und hat auch noch zwei Kinder mit dem Mistkerl.

Ihr Mann behandelt sie durchweg ziemlich übel – sowohl in körperlicher Hinsicht, wie auch verbal.

 

Zuletzt hat er sie aus niederen Beweggründen so oft in den Bauch geboxt, bis ihm der Arm müde wurde.

 

Sie hatte starke Schmerzen, wollte aber nicht zum Arzt gehen und hat sich auf die Arbeit geschleppt.

Dort ist sie dann zusammen gebrochen und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Die Diagnose lautete u. a. auf doppelten Milzriss.

 

Der Arztbrief liegt in unserer Akte… Sie hat dem Arzt berichtet, sie sei beim Schneiden eines Astes vom Baum gestürzt.

 

Ihre Adresse steht auch drauf. Sie wohnt bei mir im Ort.

 

Ich bin so wütend auf dieses Arschloch! Am liebsten würde ich….oh, ihr Götter, ich würde so gerne….

 

Aber alles was ich darf, ist die Sache mittels Erstberatung abrechnen, nachdem die Geschädigte das Mandat vorzeitig nieder gelegt hat. Aus Angst und wohl auch aus Liebe.

Sie kam nur zum Reden zu uns.

 

 

Was ist das nur für eine beschissene Welt?

 

 

:‘-(

28.5.20 09:56, kommentieren

Die Quelle der Kraft

 

Im Zuge meiner Beobachtungen ist mir eine Sache mit der Zeit bewusst geworden: Dass einjeder eine Quelle der Kraft besitzt.

 

Man findet Kraft auf vielerlei Weise. In der Liebe vor allem. Aber auch in Wissen oder Kunst oder Musik. Sogar in unseren Hobbys, bzw. in allem was uns Spaß macht und worin wir gut sind und uns entfalten können.

Auch in körperlicher Stärke oder Schönheit oder besonderen Talenten entfachen wir Kräfte, wenn sie uns gegeben sind.

Nicht zuletzt findet sich auch in Lob und Anerkennung und der Bestätigung durch Dritte Kraft und Antrieb.

Eine andere Quelle ist Energie durch die Natur: Sonnenlicht tut gut. Frische Seeluft. Das Murmeln eines Baches. Vogelgezwitscher. Blütenduft. Warmes Holz. Raschelndes Laub. Knisterndes Feuer. Rauschende Wasserfälle. Moosgepolsterter Waldboden, der die Schritte dämpft. Knirschender Schnee unter den Stiefeln.

Wenn wir besondere Dinge - besondere Orte -  finden, fühlen wir uns selbst ein bisschen mehr besonders.

Wir tanken die Energie und nehmen sie mit und strahlen sie aus. Man wirkt attraktiver und interessanter und bekommt eine gesunde zufriedene Aura.

Und wer genug Kraft gesammelt hat, der ist stark genug, um über den Tellerrand seiner eigenen Probleme hinaus, sich auch für andere stark zu machen.

 

Man kann also Kraft geben und man kann sie nehmen.

 

Und dann gibt es noch die Menschen, welche wie Vampire die Energie von anderen Menschen absaugen. Diese Energievampire haben etwas magisches an sich, was einen regelrecht anzieht und nicht mehr los lässt. Sie nehmen ohne dafür zu geben und laugen einen förmlich aus, bis man sich schwach und abhängig und gefangen vorkommt.

Man degradiert zum seelenlosen unmündigen Masochisten, bis man nicht mehr genug Kraft hat, um den Schmarotzer zu sättigen.

 

 

Es gibt leider so viele gebrochene Herzen und ausgepumpte Seelen, die sich in eine Depression oder sogar in den Tod flüchten, weil sie dem Leben nichts positives mehr abgewinnen können.

Warum ist das so?

 

Es ist wegen der Blockade.

 

 

Man geht einen Weg und ist glücklich.

Auf einmal tut es einen Knall und der Weg ist zu Ende.

 

Zuerst gilt es das Unfassbare zu erfassen.

 

Man bleibt also stehen.

 

Man bleibt lange stehen.

 

Gedanken über Gedanken, die sich im Kreis drehen.

 

Wenn man dann irgendwann darüber nachdenkt, weiter zu gehen, weiß man keine Richtung. Man sieht keinen klaren Weg, kein festes Ziel und man ist allein.

 

Jetzt kommt es auf die Persönlichkeit an:

Die Furchtlosen kennen keine Angst – sie klettern über die Barriere und marschieren stoisch in irgendeine Richtung.

Die Mutigen überwinden ihre Angst – sie steigen auf die Barriere, halten Ausschau und überlegen und probieren zögerlich den einen oder anderen Weg – halten dabei immer Sichtkontakt zu ihrem unglücklichen Ausgangspunkt und ziehen langsam ihre Kreise immer größer, bis die Vergangenheit an Bedeutung verliert und neue Ziele in Sicht geraten.

Die Tapferen dagegen bleiben am längsten stehen und ertragen Angst, Leid und Schmerz ohne zu klagen aber auch ohne etwas zu wagen. Sie bitten nicht um Hilfe und helfen sich auch selbst nicht. Sie halten nur stur an dem fest, was sie verloren haben und treten auf der Stelle – unfähig die Blockade zu überwinden. Sie sitzen die Sache aus, bis sie keine andere Wahl mehr haben und der Überlebenstrieb die Führung übernimmt.

 

Keiner von ihnen ist besser oder schlechter als der andere.

 

Nur hat jeder eben seine eigene Art mit Schicksalsschlägen umzugehen.

 

 

Ich für meinen Teil sehe mich irgendwo zwischen tapfer und mutig.

 

 

Ich habe viel zu lange an der Blockade festgehalten und mich nur im allerkleinsten Rahmen vorgetastet.

 

 

Die ersten zaghaften Versuche neue Quellen der Kraft zu finden hatten mich November 2019 zum Nadelbinden geführt.

Als ich diese Kunst beherrschte fühlte ich mich tatsächlich ziemlich stolz.

 

Dann hatte ich im Zuge der Depression viel Gewicht verloren und hatte plötzlich Kleidergröße 36/38. Auch das war ein toller Nebeneffekt. Die Leute auf Facebook fanden mein Aussehen toll und ich fühlte mich wieder stolz.

 

Dann hab ich eine alte Leidenschaft wieder ausgegraben: Meine geliebte Kräuterheilkunde. Ich wanderte durch die Natur, beobachtete das Frühlingserwachen und sammelte Pflanzen.

Wenn ich eine Art nicht spezifizieren konnte, recherchierte ich so lange, bis ich Antworten fand. Ich bildete mich weiter und lernte neues dazu. Gleichsam teilte ich mein Wissen in Gruppen, die sich dafür interessierten. Ich erntete Beifall und Anerkennung. Mein Ego wuchs.

 

Endlich konnte ich mich aufraffen und ein weiteres Kapitel in meiner Geschichte schreiben. Auch erntete ich prompt eine positive Review und neue zahlreiche Leser. Das war toll!

 

Ich begann meinen Wissensdurst auch in anderen Richtungen zu befriedigen: Ich las in der Edda, recherchierte nordische Götter und übte mich in der Kunst des Runenlegens. Zwar weiß ich bei weitem noch nicht alles, aber ich fühle mich schon ein ganzes Stück schlauer und aufgeklärter.

 

Für meine Tochter hab ich eine komplette Gewandung genäht und aufwendig bestickt.

 

Für mich selbst habe ich eine Brettchenborte gewebt.

 

Ich habe mir eine Handspindel gekauft und damit Wolle verzwirnt. Das ist herrlich entspannend. Besonders wenn man nebenbei einen Film laufen lässt oder die Wolle mit raus in die Natur nimmt und draußen arbeitet.

 

Alles was ich lerne und ausprobiere fruchtet gut und macht mich stärker.

 

Mittlerweile ist meine Seele soweit geheilt und mit Energie betankt, dass ich sogar wieder Leute in meine Nähe lasse.

Ich habe in den letzten Wochen so gut wie gar nicht geweint. Dafür aber oft und herzlich gelacht.

 

Ein Typ namens Fichte unternimmt sporadisch Motorradfahrten mit mir. Er ist nett und wir haben viel Spaß, aber mehr will ich auch gar nicht. Weder sein Wesen noch seine Erscheinung reizen mich besonders. Aber die lockere Freundschaft tut mir gut.

Leider scheint er etwas mehr zu wollen, weshalb ich den Kontakt jetzt erst mal einschränke.

Bei dem letzten Ausflug zum Keltengrab hatten wir ein Picknick und er hat angefangen mich zu streicheln.

Erst am Arm, dann meinen Rücken.

Weil ich Berührung schmerzlich vermisst habe und weil es sich schön anfühlte, habe ich nichts gesagt und ihn machen lassen.

Ich hab einfach die Augen geschlossen und nur die harmlosen Gefühle genossen. Mich hätte ebensogut eins meiner Kinder streicheln können.

Allerdings weiß ich nicht, ob das ein Fehler war.

Ich will nicht, dass er „mutiger“ wird…

 

Auf Facebook gibt es noch eine Reihe anderer Männer, die mich umwerben.

Das macht Spaß und schmeichelt mir sehr.

Einer ist aus Dresden. Wir tauschen Fotos und Nachrichten.

Es ist einfach nur schön, wenn man morgens schon ein „guten Morgen“ hört.

Auch ein paar andere Männer halten losen Kontakt zu mir.

Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass ich nicht die Einzige bin, mit denen diese Vögel herum turteln.

Aber das ist mir im Moment auch gar nicht so wichtig.

Es ist schön da und dort in allen Ecken Midgards ein paar Leute zu kennen, die einen mögen.

So steigt die Wahrscheinlichkeit mal auf Märkten ein bekanntes Gesicht zu treffen.

 

Da ich an festen Beziehungen kein Interesse mehr habe, würde ich wirklich gerne mal wieder mit Männern schlafen.

 

Ich habe wieder jede Menge wilder Träume gehabt und Unmengen romantischer Fantasien.

 

Wird Zeit, dass mir mal ein Halbgott über den Weg läuft.

;-)

 

22.5.20 10:38, kommentieren

Walpurgisnacht



Eins vorweg: es gibt viele geteilte Meinungen über die Walpurgisnacht/Beltane sowie die Sonnenwendfeiern etc.
Es ist sogar umstritten, ob derartige Festivitäten wirklich mittelalterlichen Ursprungs sind.
Tatsache bleibt allerdings, dass alles was sich "Hexe" schimpft dieses Fest bedenkenlos begehen kann, so dass ich mich gleich doppelt dazu berufen sah.

Es war letzte Woche Donnerstag, die Nacht zum ersten Mai.
Ich wollte eigentlich direkt nach der Arbeit zu einem besonderen Ort in die Natur pilgern, doch das schlechte Wetter hatte mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Es war stürmisch und regnerisch und der Himmel arg finster.
Ich wartete bis halb acht abends und entschied dann mich wetterfest zu kleiden und dem Unwetter zu trotzen.
In den Rucksack tat ich eine Decke, ein Handtuch und meine Axt, denn ich wollte sie irgendwo testen, wo es keinen stört.
Ich füllte ein bisschen Met in eine kleine Zaubertrank-Flasche und nahm auch meine Stirnlampe und zwei Kerzen mit.

Auf der Autofahrt bereute ich mein Unterfangen ein wenig.
Es gossen sinntflutartige Schauer vom Himmel und mein Scheibenwischer kam auf höchster Stufe kaum hinterher.

Als ich den Ort erreichte fuhr ich bis an das Gatter vor und ließ dort den Wagen stehen.
Als ich ausstieg geschah mal wieder ein kleines Wunder:
Es war als hätte man einen Wasserhahn abgedreht.
Von einer Sekunde zur nächsten hörten die Regenfälle auf.

Irgendwie kommt mir das sehr sehr bekannt vor.
In der Julnacht war es ähnlich gewesen...nur umgekehrt. Damals hatte es angefangen zu regnen, als ich mein Ritual beendet und wieder zum Auto gefunden hatte.

Sei's drum!

Ich lief also los um Punkt 20 Uhr. Die Sonne stand schon tief, als ich die großen Auen hinaufstieg, um zum Waldrand zu gelangen.
14 große Hirsche begrüßten mich wachsam.
Ich ging dicht an ihnen vorbei und nichts weiter geschah.

Als ich ein Weilchen durch den Wald gegangen war und an den Rand der Steilhänge gelangte, sah ich plötzlich etwas sehr hell leuchtendes auf der anderen Seite der Steinbrüche.
Es erinnerte an ein dreiköpfiges Flutlicht und es wirkte sehr sehr deplatziert.
Da die Sonne in entgegen gesetzter Richtung stand, war es auszuschließen, dass es bloß ihre Strahlen waren, die durch die Baumkronen brachen.
Auch war es unwahrscheinlich, dass Waldarbeiter im Naturschutzgebiet eine regnerische Nachtschicht zum ersten Mai einlegten.
DIe aktiven Steinbrüche liegen ein gutes Stück weiter östlich in einem tiefergelegenen Kessel. Wenn dort ein Flutlicht die Bergkuppe überragt hätte, hätte es zumindest in die falsche Richtung geleuchtet.
Ich fand keine Erklärung dafür.
Aber ich habe es versucht mit meinem Handy zu filmen.

Sodann kletterte ich in die Schlucht und umrundete den See.
Die Lichter hatten mich neugierig gemacht.
Als ich aber näher kam, waren sie verschwunden.

Der See lag einsam im Dämmerlicht und es nieselte ein bisschen.
In der Ferne stieg gewaltig Dampf aus den Wäldern empor. Die Kulisse war hammermäßig.
Aber totenstill.

Ich wählte den Platz an dem ich mit Brander bei unserem ersten Treffen gewesen war. Dort legte ich meine Sachen ab und betrachtete unglücklich die Stelle, an der er einst gesessen hatte.
Dann holte ich meine Axt und nutzte das letzte Licht für ein paar einfache Versuche.
Tatsächlich funktioniert sie soweit ganz gut, allerdings merkte ich bald, dass der Schaft zu locker saß und beendete meine Übungen.
Als ich das Kleinholz betrachtete ist mir etwas aufgefallen. Holz ist auch bei Regen innen trocken!
Ich klaubte das Kleinzeug auf und machte direkt am Ufer ein kleines Feuer damit.
Zuerst klappte es, aber dann frischte der Wind auf und ich hatte keine Chance. Auch nieselte es immernoch.
So gab ich denn auf.
Mittlerweile war die Sonne untergegangen und auch das letzte Zwilicht war verschwunden.
Ich zündete zwei Kerzen an (die auch immer wieder ausgeblasen wurden) und begann mich komplett zu entkleiden.
Das Haar steckte ich unter ein braunes Kopftuch und band es ordentlich fest.
Dann ging ich so schnell ich konnte und ohne lang zu zögern in das sehr kalte Wasser.
Der See ist recht groß und tief. Es war ehemals ein Basaltbergwerk, bis bei einer Sprengung versehentlich eine Wasserader freigelegt und der gesamte Bruch geflutet worden war.
So kommt es, dass man beim schwimmen immer wieder auf kalte Strömungen trifft.

Warum habe ich das getan?

Recherchen zufolge war es in der Zeit vor der Christianisierung üblich, dass sich zum ersten Vollmond im Mai alle unverheirateten Frauen mit entblößtem Geschlecht auf dem Brautstein setzen sollten. Dadurch brachten sie ihre Weiblichkeit in Einklang mit der Fruchtbarkeit der Natur und durften auf baldige Vermählung hoffen.
Alleinstehende Männer dagegen sollten ihren Samen auf die Erde spritzen.

Auch wird gesagt, dass es seinerzeit auf den Feldern zu wilden sexuellen Orgien gekommen war, um die Götter zu ehren und die Felder fruchtbar zu machen. Diese sehr freizügigen Rituale waren ein Eingedenk an Thor (Donar) der es angeblich auf einem Hügel mit den Menschenfrauen getrieben haben will.

Das Fest war aber auch Frigg (Frigga) geweiht, da sie sowohl für die Flachsernte als auch für die ehelichen Verbindungen zwischen Mann und Frau zuständig war.

Nun war das für mich eine ziemliche Zwickmühle, denn erstens ist Thor ein sehr jähzorniger Gott, der auf Hexen nicht gut zu sprechen ist und der obendrein auch noch dafür sorgt, dass alles gerecht zugeht in der Welt und dass jeder bekommt, was er verdient
und zweitens ist Frigg, die vornehmste aller Göttinnen, sehr darauf erpicht, dass Liebende ihre Versprechen halten und einander treu sind.

...und dennoch...
Ich habe getan war ich konnte, um meine Ängste neuerlich zu überwinden und mich der Natur nahe zu bringen.
So war es für mich gleich auf zweierlei Weise ein Sprung ins kalte Wasser.
Denn ich wusste, wenn ich die Gunst der Götter nicht gewinnen konnte, würde mein kleines Abenteuer böse enden.

Als ich ans Ufer kam, trocknete ich mich so schnell wie möglich ab und schlüpfte zurück in meine warmen Sachen.
Ich bedauerte ein bisschen kein zweites Paar Socken eingepackt zu haben. Meine Schuhe und Strümpfe waren von meiner Wanderung durch das nasse Gras der Auen komplett durchtränkt.
Und noch mehr bedauerte ich es, kein anständiges Feuer zustande gebracht zu haben.
Unglücklich zündete ich die Kerzen wieder an und holte auch die Stirnlampe aus dem Rucksack.

Dann ließ ich mein Handy mittelalterliche Musik spielen und rauchte eine selbstgedrehte Zigarette.

Ich war froh, dass der Regen aufgehört hatte.
Was da noch runter tröpselte kam nur noch von den Blättern der Bäume.

Während ich da saß kam ich mir aufs höchste unangenehm beobachtet vor und mir war auch ein paar mal, als säße mir was im Nacken.
Die Geräusche der fallenden Tropfen, die der Wind gelegentlich aus den Zweigen fegte, ließen mich immer wieder zusammenfahren.

Weil es immer schlimmer wurde mit meiner Angst fing ich an zu singen. Erst ganz leise, dann etwas lauter.
Das hat geholfen.
Bevor ich ging nahm ich die kleine Glasflasche, öffnete den Bügelverschluss und goss einen großen Teil von dem Met in den See. "Für die Götter"
Ein Schluck blieb übrig und den brauchte ich auch.
Mittlweile fühlte ich mich so mutlos, dass meine Knie beinahe zu weich für den Rückweg gewesen wären.

Als ich aufbrach ärgerte ich mich, dass die Batterien der Stirnlampe zu schwächeln begannen.
So schlecht wie in dieser Nacht war ich noch nie ausgerüstet gewesen.
Ich fühlte mich von allen Göttern verlassen.
Noch während ich den See umrundete tauchte plötzlich ein strahlend roter Ring aus dem nichts auf und hielt in einer Entfernung von rund 20 Metern inne.
Ich konnte die Silouette einer Frau erkennen und rief laut "Hallo".
Die Frau entwortete nicht, aber sie beugte sich runter und hielt den rot leuchtenden Ring umklammert.
Sie stand auf einem grasbewachsenen Plateau und schaute zu mir runter, während ich weiter unten an ihr vorrüber lief. Ich winkte ihr freundlich zu, doch sie winkte nicht zurück und sie grüßte auch nicht.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal wie sie dort hingekommen war. Der rote Ring entpuppte sich als das Halsband eines großen schwarzen Hundes.
Als ich die Stelle hinter mir gelassen hatte hörte ich sie leise murmeln "heute nicht".

Und dann wurde es sehr gruselig.
Ich überquerte den kleinen Bach und begann zu klettern. Oben angekommen fand ich im Schein meines kleinen Lichtes sehr schnell zu dem Trampelpfad, den ich gekommen war, aber ich kam nicht weit, da schloss sich seine dicke weiße Nebelwand um mich.
Und da sind mir dann die Nerven durch gegangen.
In diesem Nebel spürte ich die Anwesenheit von allem was mir Angst machte und mit jedem Schritt steigerte ich mich mehr und mehr da hinein.
Und ich lief und lief und traute mich nicht mal anzuhalten, obwohl ich in der Suppe weder meine eigenen Füße geschweige denn den Weg oder irgendwelche Orientierungspunkte sehen konnte.
Ich befand mich in einem pechschwarzen Wald in einer grellweißen Wolke und obwohl es nie richtig still um mich herum war, hörte ich vor allem eines: mein eigenes panisches Atmen.
Und egal wie weit ich meine Augen aufriss, ich sah immer weniger.

So stolperte ich durch meine eigene Angst und fühlte mich regelrecht auf der Flucht.

Als ich die Wiese hinter dem Wald fand, hatte ich das Gefühl eine fünfmal längere Strecke gelaufen zu sein, als es den Tatsachen entsprach. Einen Augenblick war ich nicht sicher, ob ich vielleicht durch ein Zeitloch gewandert war.
Als ich an einem Jäger-Hochstand vorbei kam war ich sehr erleichtert.
Richtige Zeit, richtiger Ort.

Und welche Schatten mich auch immer verfolgt haben mochten, ich hatte sie mitsamt dem Nebel hinter mir gelassen.

Wenn ich mich an die Julnacht erinnere, weiß ich noch genau, dass der Nebel damals an der gleichen Stelle war. Aber nicht so dick und auch nicht so schrecklich.
Und ich glaube, ein drittes mal komm ich nicht mehr da heil raus.

Auf der Wiese waren wieder die Hirsche.

Ich ließ mein Handy wieder Musik machen und steckte es in die Tasche meines Parkas.

Bald erreichte ich den geschotterten Weg, der zurück zum Gatter führte.
Plötzlich reflektierten zwei Punkte eines Augenpaares im Unterholz zu meiner rechten. Und wie ein geölter Blitz schoss ein Fuchs quer über den Weg vor mir und verschwand zu meiner linken.

Der Schreck saß tief, aber er war nur von kurzer Dauer und ich erholte ich rasch.

Als ich endlich das Gatter passierte war es nur noch ein kleiner Katzensprung bis zum Auto.
Erleichtert setzte ich mich rein und wartete bis ich in rechter Verfassung war.
Ich prüfte mein Handy.
Meine Whatsappnachrichten, die ich vergeblich versucht hatte an meine Mama zu schicken gingen plötzlich nacheinander an sie raus.
Ich schickte gleich hinterher, dass ich schon wiede rauf dem Heimweg war und startete den Wagen.

Die Reifen drehten kurz im Schlamm durch und ich merkte, wie ich dem Graben entgegen rutschte.
Dann fing sich das Ding aber wieder und ich konnte wenden und zurück zum Dorf fahren.
Von dort waren es vielleicht 15 Minuten über Land und ein kurzes Stück Autobahn bis ich zu Hause war.

Ich trank noch zwei Becher Met und einen Kaffee und holte dann mein Handy, um auf Facebook mit meiner Heldentat zu prahlen.

In Wirklichkeit war es aber nur wieder eine von meinen Zerreißproben gewesen, an denen ich versuche zu wachsen.

Warum kann ich nicht mutiger sein?
Warum kann man Tapferkeit nicht lernen?

Ich weiß es nicht.



3 Kommentare 6.5.20 20:46, kommentieren

Unterhaltskrise

 

 

Vor andershalb Jahren ist Sternchen 6 Jahre alt geworden.

Eigentlich hätte ich da einen höheren Kindesunterhaltsanspruch gehabt, den ich aber nie durchgesetzt habe.

 

Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hat immer 500 Euro für die Kinder und 200 für mich gezahlt.

 

Jetzt habe ich aber zum 01.04. einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben und verdiene nicht mehr 450,00 Euro sondern knapp 800,00 netto.

Wohngeld bekomme ich zwar weiterhin, allerdings 150,00 € weniger als bisher.

Und auf meinen nachehelichen Unterhalt verzichte ich komplett, weil ich das meinem Ex versprochen habe.

Unter Berücksichtigung seiner diversen Jobs usw. hätte ich einen tatsächlichen Anspruch auf knapp 900,00 Unterhalt inkl. dem der Kinder.

Da ich das aber nicht will, habe ich meine Anwältin gebeten seine Nebeneinkünfte bei der Berechnung weg zu lassen.

Da Sternchen ja mittlerweile sogar schon 7 Jahre zählt, müsste ich den vollen Mindestunterhalt für sie fordern, da ich sonst wieder Ärger von der Wohngeldbehörde kriege.

(Ich darf nicht auf Mindest-Ansprüche verzichten)

 

Das Ende vom Lied war folgendes:

 

Er ist nicht bereit mehr als 500,00 mtl. zu zahlen, obwohl meine Kinder Anspruch auf 589,00 Euro haben.

 

Es geht nur um 89,00 Euro in diesem Streit.

 

Und jaaaa, Streit gab es.

Nicht zu knapp.

 

Er machte mir Vorwürfe, dass er meinetwegen in Steuerklasse 1 geraten sei und er erklärte, dass er im Rahmen seiner derzeitigen Kurzarbeit auch Anspruch auf einen Selbstbehalt hätte usw usw.

 

 

Ich….. ich kann einfach nicht mehr.

 

 

Es ist zu viel verlangt.

 

 

Die Situation ist aktuell ohnehin schwer für mich.

Ich sehe meine Kinder kaum noch.

Mangels Schule/Kita/Betreuung  sind sie die ganze Woche über bei Poor-Angel. Und durch meine längeren Arbeitszeiten kann ich sie auch nicht immer besuchen.

 

 

Und neben der Arbeit habe ich ja auch noch meinen Haushalt zu schaffen.

 

 

Meiner Mutter geht es übrigens auch nicht so gut. Ihre Venen machen Probleme, ihr Bein ist geschwollen und sie hat Schmerzen.

Dazu noch die Arthrose und die Dauer-Belastung durch meine Kinder.

 

Immerhin kann ich für sie die Wocheneinkäufe erledigen. So bin ich wenigstens auch eine kleine Hilfe.

 

Am kommenden Sonntag hat sie Geburtstag.

Ich bin gespannt, wie das wird.

Weg gehen können wir ja nicht.

 

 

Zum Schluss will ich noch etwas positives über meinen Exmann sagen: Im Zuge der Pandemie hat er mir ab und zu bei der Betreuung geholfen. Einmal hat er sich extra eine Woche lang krank geschrieben und die Kinder zu sich geholt, damit ich arbeiten gehen konnte.

 

Das war das netteste, was er je für mich getan hatte.

 

 

Tja, ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen.

Ich mach meine Kräuterwanderungen, ich flechte Wikingerborten, ich nähe meine Kleidung enger und hab auch ansonsten keine Langeweile.

Ich habe die Runen des alten Futhark auswendig gelernt, ich habe die Edda gelesen und mich in diversen Mittelalter-Foren aktiv beteiligt.

Meine Fanfiktion müsste ich dringend mal fortsetzen.

Irgendwie bin ich nicht mehr dazu gekommen, bzw. hatte ich noch nicht den Kopf dafür frei.

 

Ich weine immernoch fast jeden Abend.

 

Vermutlich ist mein Gehirn mittlerweile so sehr auf Unglücklichsein trainiert, dass ich die Depression nie mehr ganz los werde.

Aber ich bin weiterhin um Besserung bemüht.

 

 

Bald starte ich ein neues Projekt:

Holzschnitzerei

 

Ich habe mir eine Reihe Messer bei Ebay auf die Beobachtenliste gesetzt und schaue Youtube-Tutorials.

Ich möchte mittelalterliche Teller und Schüsseln herstellen.

 

Das wird sicher spannend.

 

24.4.20 15:35, kommentieren

ZUM ZEITPUNKT DEINES TODES SOLL ODIN VOR DICH TRETEN UND DIR DAS GESCHENK DER ERKENNTNIS BRINGEN.

 

DOCH AUS DEM SEGEN SOLL EIN FLUCH ERWACHSEN, DER DICH DIE EWIGKEIT MIT DEINER SCHULD VERBRINGEN LÄSST!

 

UND JEDES MISSVERSTÄNDNIS UND JEDER FEHLER, DEN DU ZU VERANTWORTEN HAST, SOLL ALS UNENDLICHES ECHO DURCH DEINE HIRNWINDUNGEN KLINGEN UND DIR EWIGE QUALEN BEREITEN.

 

ERST WENN DIE LETZTE SEELE, DER DU UNRECHT TATEST, VON DER WELT GESCHIEDEN IST UND DIR IHRE VERGEBUNG AUSGESPROCHEN HAT, SOLL DIR DIE LAST GENOMMEN WERDEN.

 

 

SO LAUTET MEIN FLUCH

 

6.4.20 11:15, kommentieren

Plan B: Raido


 

Vor einigen Tagen war ich mit den Kindern zu Fuß unterwegs.

Die Spielplätze sind alle gesperrt und darum wollte ich mit den beiden zum Festplatz der Feuerwehr laufen. Sternchen und Honigdachs hatten ihre Rollerchen dabei.

Als wir ankamen blieb Sternchen stehen und rief: „Guck mal Mama, das sieht ja aus wie das Auto von Brander!“

Ich merkte wie mir das ganze Blut absackte bei dem Namen.

Da parkte ein hellolivfarbener VW Transporter.

Ich streichelte Sternchen übers Haar und fragte, wie sie sich denn daran erinnern kann. Sie hat Brander doch nur ein oder zwei mal gesehen. Von seinem Auto ganz zu schweigen.

Aber sie konnte sich sehr gut an ihn erinnern.

Sie erzählte weiter: „Du hast ihm doch einen Brief geschrieben! Mag er denn uns nicht bald mal wieder besuchen?“

Das war heftig.

„Was du alles weißt!“, staunte ich, „Aber ich hab dir doch erklärt, dass er mich nicht mehr mag und dass er mich nie mehr wieder sehen will. Daran hat auch mein Brief nichts geändert. Das ist nun mal so.“

Sie hörte nicht auf. „Weißt du was schade ist? Dass Branders Messer weg ist. Aber ich werde für dich weiter danach suchen! Und wenn wir es finden, hast du wenigstens etwas von ihm!“ Sie war so fröhlich bei der Sache.

Für mich wirft das Ganze eine Menge Fragen auf… Wie kommt sie plötzlich auf dieses Thema? Warum redet sie mit mir auf diese verständnisvolle Art - fast wie eine Freundin statt wie eine Tochter?!

Das Kind ist 7! Warum erinnert sie sich überhaupt an solche Details, die sie gar nicht hätten berühren dürfen???

 

Ich war den Rest des Tages sehr nachdenklich.

 

Eigentlich wollte ich kein Wort mehr über meinen Exfreund hier verlieren, weil es nach fast einem halben Jahr der Trennung eigentlich zu peinlich ist.

An Ostern ist es genau 6 Monate her.

Damit waren wir länger getrennt als zusammen.

 

Und ja, es stimmt. Ich hab es nie geschafft, die Blockade zu überwinden.

 

Vor allem jetzt nicht.

 

Ich sehe mich voller Angst und Zweifel ganz allein einer Apokalypse entgegen gehen und weiß, dass kein Mensch mit mir die Last teilen wird und dass keiner in irgendeiner Weise sich für mich verantwortlich fühlt.

 

 

Das ist schlimm für mich.

 

 

Ich war daraufhin noch einmal im Wald und habe 17 Blätter Digitalis gesammelt.

(2 sind bereits eine tödliche Dosis.)

Ich habe eine Tinktur angesetzt, die in 4 Wochen fertig sein wird.

 

 

Für den Fall, dass meine Kinder die Corona-Seuche nicht überleben, weiß ich einen schönen Platz, wo ich dann Frieden finden kann.

 

 

Ich will es mir nicht wünschen, aber „die Reise“ steht als Plan B bereits für mich fest.

 

 

3.4.20 13:51, kommentieren

Kekse gegen Kummer


Vor einiger Zeit habe ich mir von einer Bekanntschaft Kekse schicken lassen.
Ich denke, ich muss nicht erklären, welche "Vitamine" enthalten waren.

Nachdem die eine Zeitlang bei mir luftdicht verschlossen lagerten, habe ich gestern einen ausgepackt.
Ich hatte wieder ein kleines Down und wollte dem sozusagen entgegen steuern.

Meine Erfahrungen hierzu fallen jedoch eher verhalten aus.

Ich habe folgendes gelernt:
1. Die Wirkung setzt erst einige Stunden später ein.
2.  weniger ist manchmal mehr

Um 21 Uhr habe ich einen der Kekse klein gebrochen und langsam gegessen.
Nachdem jede Wirkung ausblieb, habe ich ein kleines Schnapsgläschen mit 80er Strohrum dazu genommen.

Eine halbe Stunde später war immer noch nichts.

Ich ging heiß duschen und legte mich im Bademantel auf mein Bett.
Ich dachte, ich könnte mit ein paar "Entspannungsübungen" die Wirkung beschleunigen.
Nach mehr als ein Dutzend Übungen (ja, das war irre) fühlte ich mich ein wenig müde.
Ich zog mich an und ging ins Wohnzimmer.
Während ich auf den Rausch wartete, begann ich ein paar überflüssige Fotos von meinem Handy zu löschen.
Mein Speicher war schon ziemlich arg belegt mit allmöglichem Quark.
Das nächste was ich weiß, ist ,dass es nach 23 Uhr war und ich hunderte von Fotos gelöscht haben musste.

Mein Sichtfeld war eingeschränkt.
So ähnlich wie bei sehr starker Müdigkeit.
Unten war eine Art weißer Balken, der nach oben hin durchsichtig und weich wurde. Ich sah alles wie durch einen Schleier. Alles war weich und unscharf und unten sehr hell.
Ich stand auf, um etwas zu trinken. Mein Mund war ganz trocken.
Während ich ein paar Schritte ging, stellte sich heftiges Herzrasen ein.
Mein Herz hämmerte wie verrückt und sehr hart und schmerzhaft gegen die Rippen.
Panisch meldete ich mich bei meiner Mutter.
Sie rief meinen Bruder an, der sich damit auskannte und er versicherte ihr, dass ich an einer Überdosis nicht sterben würde, auch wenn es sich so anfühlt.
Ich wollte mich ablenken und mit meiner jüngsten Facebook-Bekanntschaft Sprachnachrichten tauschen. Aber nachdem ich mich ihm anvertraute, wurde er sauer und wollte, dass ich ihn in Ruhe lasse.
Ich hatte aber zu viel Schiss das alleine durchzustehen und hab in meiner Not jemand anderen belämmert. Einen Bogenschützen aus der Schweiz. Er hat mich eine Weile unterhalten und moralisch aufgebaut. Das hat geholfen.
In den nachfolgenden Stunden bis ca. 1 Uhr morgens hatte ich Störungen, die mich mehr und mehr entsetzten.
Es fing mit Kopfzittern an, dann steigerte es sich zu einem heftigen Schütteln, welches meine Schultern und meinen halben Oberkörper mitnahm.
Ich konnte mich nicht dagegen wehren. Es ging nicht.
Adrenalin wurde schübeweise ausgeschüttet und ließ mein Herz sich regelrecht überschlagen.
In der Zeit von 1 bis 2 Uhr morgens wurden meine Handflächen heiß und auch die Innenseiten meiner Oberschenkel. Es brannte richtig. Rechtsseitig bekam ich punktuell stark brennende Schmerzen.
Und die ganze Zeit schrecklicher Durst.
Eine ganze Wasserflasche ging drauf.

 

 

Als ich heute früh Brötchen holen und zu meinem Ex und den Kindern fahren sollte, war mir ein bisschen mulmig zumute.
Aber ich hab die dreiviertel Stunde auf der Autobahn ganz gut gemeistert.


Fazit:
Dr#gen helfen ganz gut gegen Kummer.
Man kriegt so dermaßen Angstzustände, dass alle anderen Dinge plötzlich sehr belanglos werden.


Oh Mann

 

 

28.3.20 14:29, kommentieren

Büro-Prinzessin


Bis jetzt sieht es nicht danach aus, dass ich bald vom Home-Office aus arbeiten darf.

Habe heute noch einmal das Gespräch mit meiner Chefin gesucht und nach Plan B gefragt.

Sie allerdings geht davon aus, dass wir auch trotz drohender Ausgangssperre weiterhin den Arbeitsweg bewältigen dürfen. Für einen alternativen Plan sieht sie noch keine Veranlassung.

 

 

Heute vormittag habe ich rücklings unterm Schreibtisch von meinem Chef gelegen und die neue Telefonanlage installiert. Das war vielleicht ein Kabelsalat. Hinterher war ich übelst mit Staubflöckchen besudelt. Meine Chefin kam kurz vorbei und fragte aus sicherem Abstand, ob sie was helfen könne.

XD

Sie ist so süß.

 

 

Nein, ich mach gern dann und wann Dinge, für die ich eigentlich nicht ausgebildet wurde. Das ist immer eine nette Abwechslung und die Chefs sind dankbar.

 

Wer also bis dato geglaubt hat, eine Refa koche bloß Kaffee und gießt die Blümchen, der hat weit gefehlt. Ich schmeiß den Laden quasi ganz allein. Ich bearbeite selbständig und ohne Anwalts-Software alle Akten aus allen Rechtsgebieten ganz allein. Ich schreibe Rechnungen, erledige die Korrespondenz, betreibe Zwangsvollstreckungen, kümmere mich um den Empfang, bearbeite die Post, tätige Botengänge, prüfe Bestände, telefoniere, archiviere, stelle Anträge, kümmere mich um allerlei Computer-Problemchen und was am allertollsten ist: ich designe die alljährlichen Weihnachtsflyer.

 

 

Ich liebe meinen Job.

Wirklich.

Es ist verdammt geil, hier zu sein und so unendlich viele Tätigkeiten und Verantwortung zu übernehmen.

 

Ich will überhaupt nicht ins Home-Office.

 

 

Auch wenn ich – wie heute – abgeleckte Dokumente von Mandanten kopieren muss, und ähnliche gesundheitliche Risiken eingehen muss, die mein Job mit sich bringt.

 

 

Warum erzähl ich das?

 

Weil da draußen irgend so ein beschissener Sozialversager sitzt, der meint, er wär der größte Held, nur weil er alle paar Monate sporadisch ein paar Wochen Scheiße schippen geht und sich damit das Recht heraus nimmt auf die geistig fordernden Berufsbilder herab sehen zu müssen.

 

Ey, sowas ärgert mich…

 

Und dann noch dieses Mimimi weil solches Arbeitervolk kein Home-Office kriegt!

 

Leute, ihr seid doch bekloppt!

 

Unsereins wäre froh und dankbar, wenn dieser freiheitsraubende Kelch an uns vorüber geht und was macht ihr???

Ja: MIMIMI!!!!

 

 

Da sieht man den Unterschied in der Gesellschaft.

20.3.20 16:57, kommentieren

B#ndeswehr


 

Ich habe mich in letzter Zeit mehr und mehr zurück gehalten mit brisanten Infos.

 

Zum Teil auch deswegen, weil ich die Infos nur verschlüsselt und „durch die Blume“ zugetragen bekomme.

 

Nach wie vor gilt strikte Anordnung zur Verschwiegenheit und alle Soldaten sind entsprechend eingeschworen worden.

 

Nicht zuletzt darum werde ich mich in der Öffentlichkeit bedeckt halten.

Ich will niemanden belasten.

Nicht einmal mich.

 

 

Was ich sagen kann:

 

In den vergangenen Wochen haben die Soldaten diverse Lehrgänge machen müssen, die auf den anstehenden Notstand entsprechend vorbereiten sollen.

 

Der Befehl, mit dem die Soldaten nun in ihre angestammte Heimat entlassen wurden, lautete „Für Volk und Vaterland“.

Dieser Befehl wurde seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr ausgesprochen.

 

 

Von meinem Bruder weiß nur soviel: er ist nun ausgebildet und berechtigt einen Luftröhrenschnitt durchzuführen und einen Luftröhren-Stent zu setzen.

 

 

Sie sollen nun alle in Bereitschaft bleiben.

 

Die Tochter meines Vermieters übrigens auch. (Ich weiß aber nicht welcher Truppengattung sie angehört.)

 

 

Ich für meinen Teil bewege mich nun so oft es geht in Freiheit und genieße die Natur weitab jeglicher Publikationen.

 

Bald wird auch das vorüber sein.

 

 

Gestern habe ich eine ganze Tüte voll Aronstab-Blätter geholt.

Ich habe sie grob zerkleinert und mit Alkohol abgesetzt.

In 4 Wochen ist das G#ft fertig.

Ich werde jedes alkoholische Getränk in meinem Haus verg#ften.

 

Es haben sich bereits 18 verschiedene Gruppen für Plünderungsaktionen zusammengerottet.

 

Eine sehr große davon ist linksradikal.

17 kleinere Gruppen sind rechts. Die Rechten haben sich aber nur eine gewisse Sparte von Untermenschen zum Ziel gemacht, was mich wieder hoffen lässt.

 

Wer bei mir plündert, soll noch eine Weile Spaß daran haben und schließlich eines äußerst grausamen T#des st#rben.

 

Für alle Fälle besorge ich mir noch Aktivkohle, falls ich gezwungen werde, meine eigene Medizin zu kosten.

 

Ich scheue noch davor zurück Digitalis aus dem Wald zu holen. Gegen dieses G#ft habe ich nämlich kein Gegenmittel.

19.3.20 11:56, kommentieren

Flash, der geölte Blitz




Wir haben seit Montag eine neue Mitarbeiterin.

Sie ist supernett und total motiviert und sehr engagiert.
Aber sie ist langsam.

Ehrlich, ich habe nichts gegen Frischlinge, die sich erst einarbeiten müssen, aber der Anblick ihrer Arbeitsweise kann nerven wie nichts anderes.
Die Frau ist so langsam, dass man ihr beim Laufen die Schuhe besohlen könnte!
Ich habe beobachtet, wie sie Briefe frankiert: vom Anlecken bis zum Umschlag ist die Briefmarke schon getrocknet...
Ich wette, wenn die Frau Blümchen pflückt, kann man zusehen, wie der Strauß noch im Entstehungsprozess verwelkt.

Sie sollte Akten wegsortieren. Eine Sache von 5 Minuten.
Unter ihrer phlegmatischen Handhabung hat sie diese Aufgabe auf eine satte Stunde ausgedehnt.

Leute, ich hab Angst der Frau einen Witz zu erzählen - sie könnte auf der Heimfahrt anfangen zu lachen und einen Unfall bauen...

Ich will sie Flash nennen.

Flash ist Anfang 40 und hat erwachsene Kinder.
Sie war als Sekretärin in verschiedenen Unternehmen tätig, ist aber nie lange an einem Ort geblieben. Zuletzt war sie bei den städtischen Kreiswerken gewesen.

Ich bin gespannt wie das wird.

In meinem Job muss man verdammt schnell sein.
Das Telefon darf nicht länger als 2 mal klingeln. Unser Begrüßungstext muss flink runter gerattert werden. Telefonnotizen werden in Echtzeit parallel zum Gespräch geschrieben.
Wenn die Tür klingelt, müssen in Windeseile alle Bürotüren zu den Chefs geschlossen werden, ehe man an die Tür rennt, um den Mandanten herein zu lassen.
Wenn der Anwalt nach einer Akte ruft, muss alles fallen gelassen werden und rasch rasch die Akte gesucht und rüber gebracht werden. Das darf keine Minute dauern.

Und dann seh ich Flash, wie sie in unendlicher Geduld am Kopierer steht, weil sie eine Seite scannen soll und ich sehe zu, wie sie den Dateiname 5 mal eingibt, weil das System immer wieder nach 30 Sekunden die Eingabe löscht, ehe sie fertig ist mit tippen.

Ich krieg Läuse, wenn ich das sehe.
ICH ERTRAG DAS NICHT!!!!!!

AAARRRGGGGHHHH


Den Göttern sei Dank, ist sie jedoch künftig nur an den drei Nachmittagen beschäftigt, an denen ich freigestellt bin.
Ich musste sie nur eine kurze Zeit lang einarbeiten.

Aber ich reib mir schon dreckig grinsend die Hände, wenn ich daran denke, wie meine Chefin früher oder später die Nerven verliert, während Flash von Schlafkrämpfen geschüttelt über dem Faxgerät schnarcht.

harr harr harr


2 Kommentare 7.3.20 11:44, kommentieren

Traumdeutung




Vergangene Nacht habe ich etwas seltsames geträumt.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich meinen Träumen sehr viel Bedeutung beigemessen.
In der Zeit nachdem mein Vater mich sexuell missbraucht hatte bis zu meiner Flucht aus dem Elternhaus lagen ein paar Jahre in denen ich von Albträumen übelster Art heimgesucht wurde.
Meistens handelten diese Träume vom Weltuntergang. Häufige Traumsymbole waren Kometen, die alles Leben auslöschten - einschließlich mich.
Einmal hatte ich von einem schwarzen Loch geträumt, welches mit dunkler Kälte meine Welt in sich aufsog und verschlang.
Meine letzten Gefühle zum Zeitpunkt meiner vielen geträumten Tode waren Verzweiflung und Angst. Schreckliche Angst.
Auch der Schmerz war oft ziemlich real.
Ich konnte ebenso die Feuerwalze spüren, die mich im Sturm zerriss, wie auch den Frost der saugenden Finsternis, die meine Haut wie Glas splittern ließ.

Und als ich einmal träumte, dass ich ein zum Tode verurteilter Alchemist war, konnte ich auch das Messer spüren, welches mich öffnete und ich konnte das Blut in meiner Luftröhre gurgeln hören, als ich daran erstickte.

Auch wenn ich von Krieg träumte, erfuhr ich den Tod so lebhaft, dass ich noch beim Aufwachen Phantomschmerzen litt.

Ein anderes mal zersprang der Mond im Strahl eines grünen Dreieckes und zerbrach in viele Stücke. Einige davon regneten auf unsere Erde nieder und malten flammende Tränen in den Nachthimmel. Die Panik in den dunklen Straßen angesichts des tobenden Chaos' war unbeschreiblich.

Ja, ich hatte lange Jahre schreckliche Träume.
So schrecklich, dass ich sie größtenteils nie vergessen konnte.

Um mich zu beruhigen hat meine Mutter mit mir Traumdeutung betrieben. Poor-Angel hatte einen Computer mit Internetanbindung und so konnten wir einige erschreckende Symbole genauer durchleuchten.

Damals hat mir das geholfen.

Später verliefen sich die Albträume.
Ich träumte lange Zeit gar nichts mehr oder nur bedeutungslosen Unsinn.
Und dann folgte eine Zeit, in der ich von Albdruck heimgesucht wurde.

Albdruck ist ein Zustand zwischen den Welten.
Der Körper liegt noch im Schlaf und ist bewegungsunfähig, aber der Geist ist bereits halb erwacht. Man spürt sein Umfeld, als würde man es sehen. Aber das was man sieht, ist bedrohlich und erschreckend.
Schwarze große Schattenwesen, die nah am Bett stehen und einen anstarren.
Shadow-People.
Man will schreien, aber es geht nicht. Kein Muskel regt sich. Selbst das Atmen geht schwer.
Manchmal gelingt es einen Finger zu rühren. Man fühlt das Kissen auf dem man liegt. Mehr geht nicht.
Je länger es dauert, desto schlimmer.
Der Geist strampelt wie wild, die Beine aber versagen weiter stoisch den Dienst.

Einmal erlebte ich einen Albdruck im Schlafzimmer meines Exmannes. Ich fühlte ein schwarzes Kaninchen neben meinem Kopf sitzen. Ich fühlte, wie schnell es atmete, wie sein Herzchen raste. Als ich endlich meinen Zeigefinger in sein Fell bohren konnte, erschrak es ganz gewaltig, dass es sich fast überschlug und rannte wie der Blitz hinaus.
Wir hatten nie Haustiere.
Es war eine Einbildung meines halbwachen Gehirns.
Und dennoch war es so real, dass ich nicht anders kann, als zu glauben, was da geschehen war.
Mein Exmann wollte mir nicht einmal zuhören.
Er fand meine Erlebnisse lächerlich und kindisch.

Seit ich ihn und sein komisches Geisterhaus verlassen habe, ist Ruhe eingekehrt.

Kein Spuk, keine Albträume, kein Albdruck.

Ich hatte weitgehendst traumlosen Schlaf.

Umso mehr verwundert es mich, dass ich letzte Nacht überhaupt etwas geträumt habe, an das ich mich auch jetzt noch erinnern kann.
Ich habe gelernt auf meine Träume zu achten. Sie sind in gewisser Weise auch nichts anderes als Zeichen.
Besonders wenn sie sich einprägen.


Ich träumte von einem Gebäude in Form des Eifelturms. Es war vollständig dunkelgrau verkleidet. Die Verkleidung erinnerte an Panzerplatten.
Das Gebäude war ein Indikator für den Zustand der Welt und darum stand es fast gänzlich auf dem Kopf.
Es schwebte mit der Spitze halb nach unten gerichtet über einem großen Fluss.
Der Fluss war der Main, der Frankfurt teilt und ich befand mich in einem Raum innerhalb dieses Gebäudes nahe der Spitze.
Der Raum war sehr klein, aber gleichzeitig unendlich. Er besaß weder Boden noch Wände, sondern nur schwarze Leere. Ich stand quasi auf dem Nichts und konnte auch nichts berühren.
Das Einzige was es gab, war ein großes kreisrundes offenes Fenster.
Auf einmal fingen alle Menschen an zu schreien.
Die Spitze des Turms bewegte sich. Es ging weiter abwärts.
Ich wollte rennen, wie in einem Hamsterrad, um nicht zu fallen. Gleichzeitig neigte sich mein Raum immer tiefer dem Wasser entgegen und da war sie wieder - die nackte Panik - die Todesangst - und ich schrie: "Ich will nicht ertrinken!"
Und plötzlich war ich fort.

Ich war diesmal nicht gestorben.

Es ging mir gut.

Ich stand in einem Hotelflur vor einer Tür und mein Exfreund öffnete die Tür, um mich herein zu lassen.
Ich war verwirrt. Ich hatte vergessen, dass wir getrennt waren und folgte ihm geradeaus durch die Wohnung zu einem wunderschönen Balkon, der voller grüner Pflanzen stand.
Von dem Geländer aus konnte ich auf die darunter liegenden Balkone blicken, die sich wie weiße Terrassen bis zum Mainufer fortsetzten. Der schwarze Turm war nirgends zu sehen. Es war friedlich.
Der Balkon hatte einen offenen Nebenraum, der voll war mit gestapelten Konservendosen und anderen haltbaren Lebensmitteln für die Corona-Krise.
Wir standen beisammen und er hatte einen Arm um meine Schultern gelegt. Als ich zu ihm aufsah, war sein Gesicht mir so nah, dass ich ihn küssen wollte.
Im letzten Moment jedoch dämmerte mir verschwommen, dass ich es aus irgendeinem Grund nicht durfte. Ich hielt inne. Mein Wunsch nach diesem Kuss war so stark, aber ich war verunsichert.
Er blickte mich ernst an, als würde er etwas wissen, das mir abging.
Dann aber kam er mir entgegen und legte seine Lippen auf meine.

Und es fühlte sich real an.

Als es an seiner Tür klingelte, wandte er sich von mir ab und ließ mich allein.
Ich blieb wo ich war und stellte voll Entsetzen fest, dass mein Oberkörper plötzlich nackt war.
Während es weiter klingelte, suchte ich verzweifelt etwas, um mich zu bedecken, aber ich fand nichts. Dafür hatte ich plötzlich eine Banane in der Hand. (lach)
Das Klingeln wurde mehr und mehr der Weckton meines Handys.
Und so wachte ich auf.


Aber nur keine Sorge!
Ich habe bereits die Symbolik recherchiert!!
Aufgepasst:
Die Konserve stellt überholte Gedanken, Gefühle Gewohnheiten und Pläne dar, die das Leben unnötig behindern und darum überwunden werden müssen.

So, das dürfte also geklärt sein.
XD



1 Kommentar 7.3.20 00:09, kommentieren

Meine gute Tat für heute

 

 

Wir leben heutzutage in einer Welt aus Hetze, Stress und Hektik.

 

Ich merk es ja selbst: wie oft gerate ich unter Zeitdruck, wenn Termine und Alltag und Unvorhersehbarkeiten aufeinanderprallen?

 

Manchmal muss man aber auch mal auf die Bremse treten und sich einfach zu Zeit nehmen, wenn es nötig ist.

 So kommt es vor, dass Arbeit sich manchmal tagelang stapelt, ehe man sich wieder erbarmt

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten sehr auf Sparflamme existiert.

Ich war unkonzentriert auf der Arbeit, hab wenig an meiner FanFiktion geschrieben und von meinem Haushalt wollen wir gar nicht erst anfangen.

Statt dessen hab ich mich oft auf Facebook rumgetrieben oder hab ein paar ruhige Handarbeiten gemacht.

Seit jüngster Zeit schaue ich wieder Vikings auf Netflix und trage fast Tag und Nacht meine Oculus VR-Brille.

Ich liebe die Virtuelle Realität. Sie ist momentan meine ganze Welt und ich verbringe viele Stunden am Stück dort.

 Und da ich Kopfhörer trage höre ich auch nicht das Geschrei der Kids.

Es ist himmlisch.

 

:-)

 

Allerdings trete ich auch anderweitig auf die Bremse, um mein Zeitrafferleben zu entschleunigen:

Ich halte mein Auto an und sperre die Straße, wenn jemand versucht aus seiner Hofeinfahrt auszuparken.

Ein anderes Mal stand eine alte Frau an der Kasse und ihr fehlte ein kleiner Betrag für den Einkauf. Da hab ich ihr Geld gegeben.

Vor nicht allzu langer Zeit war ein Rentner im Park, der Flaschen sammelte. Ihm habe ich 10 Euro in die Hand gedrückt.

Ich hebe Sachen auf, die anderen runter fallen.

Ich räume umgeworfene Artikel in Supermarkt-Regalen wieder auf.

Ich hebe Müll auf.

Ich mache Komplimente, damit andere sich freuen.

Neulich habe ich sogar einen vollgemüllten Parkplatz aufgeräumt.

 

Solches und ähnliches also.

 

Und heute habe ich etwas ganz besonderes getan:

Ich habe zum ersten mal einen Anhalter mitgenommen.

Es war eine Frau Mitte zwanzig mit schmuddeligen viel zu weiten Klamotten und einer Dose Redbull in der Hand. Ihre Haare bestanden aus ungewaschenen Dreadlocks und sie sprach nur gebrochen deutsch. Statt einer Handtasche hatte sie einen zerschlissenen Rucksack bei sich.

Insgesamt sah sie wie eine typisch linke Zecke aus.

 

 Mir war das egal. Ich warf den Kindersitz auf die Rückbank und ließ sie einsteigen, obwohl ich eigentlich schon spät dran war und dringend zur Arbeit musste.

Sie wollte nach Gelnhausen und ich habe sie bis zum Colman-Park mitgenommen.

Dann bin ich wieder zurück und in die entgegen gesetzte Richtung zur Arbeit gezischt.

 

Ich habe dabei an meinen kleinen Bruder gedacht, der früher oft per Anhalter gefahren ist.

 Ich weiß nicht, ob ich mich sowas trauen würde.

 

 

Jetzt sitz ich hier und schüttele den Kopf über mich.

Wie kann es nur sein, dass ich immer die ganze Welt retten will, bevor ich auch nur mein eigenes kleines Kack-Leben auf die Reihe kriege?

 

 

 Ich glaube, ich bin seltsam.

 

 

9 Kommentare 5.3.20 14:41, kommentieren



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