reflections

Die Chatten


kurz vorweg:
Nachdem Halfdan sein T-Shirt zurück bekommen hatte, hat er die Tasche vom Ritterladen und die von mir nadelgebundene Mütze weg geworfen.
Das war das letzte mal, dass ich für einen Mann eine Handarbeit gefertigt habe.


...

Die vergangenen drei Tage, Freitag, Samstag, Sonntag, habe ich als Lager-Gast beim Stamm der Chatten (es wird "Katten" ausgesprochen) verbracht.
Es ist keine Sipppe, sondern ein Stamm und es gibt keinen Jarl sondern eine faire Demokratie, bei der alle gemeinsam betimmen.
Wenn es einen Anführer gäbe, so wäre es wohl Alvin, dem das Equipment und das Grundstück gehören und der die ganze Planung und Organisation übernimmt.
Er und seine Gefährtin sind sehr nett und auch die übrigen Mitglieder gefallen mir. Die Athmosphäre ist ziemlich locker und es wird viel Spaß gemacht.
Trotzdem ist die ganze Angelegenheit dort vom nötigen Ernst geprägt, wenn es um die Götter geht.
Anders als bei Branders Sippe wurde ich dort in alles mit einbezogen und mir wurde viel erklärt und erzählt. Ich war kein Außenseiter.
Mir wurde sogar die hohe Ehre zuteil, bei einer der heiligsten Zeremonien, einem sogenannten Blót mitzumachen.
Dafür gingen wir zu einem eigens für solche Begebenheiten auserwählten besonderen Ort, wo ein Feuer entzündet und der Platz geweiht wurde.
Für die Weihung wurden die Götter angerufen und eingeladen und Alvins Gefährtin hat den Kreis mit Räucherkräutern gereinigt.
Es folgte eine Reihe "Gebete" die sich sowohl auf die Edda als auch auf die aktuelle Situation in Midgard beziehen.
Sodann wurde ein Horn voller Met reihum gegeben und jeder trank einen Schluck und durfte einen Wunsch oder einen Dank aussprechen, ehe er den Asen und den Vanen Heil aussprach und das Horn weiterreichte.
Ich habe den Göttern gedankt für all die positiven Veränderungen, die sie bewirken und für alles was ich lernen durfte.
Zuletzt wurde das Horn gen Norden gewandt und über den immergrünen Zweig einer Eibe geleert, als Opfer für die Götter.
Es heißt, dass der Weltenbaum Yggdrasil in Wahrheit eine Eibe und keine Esche sei. Ein Übersetzungsfehler in den Überlieferungen sei Schuld an dem Missverständnis.
Es wurden auch meine Haferkekse geopfert, um den Kleinsten zu danken, dass wir den Platz nutzen durften, den sie beschützen.
Damit werden wohl Erdgeister, Disen, Alben, Zwerge oder Naturgeister gemeint gewesen sein.
Zuletzt wurden auch alle Götter wieder bedankt und verabschiedet.

Ich will hier keine weiteren Zitate oder nähere Beschreibungen einfügen, weil sich das irgendwie nicht gehört.

Was bei einem Blót genau passiert soll nicht weitere Dokumentiert werden.

Allerdings könnt ihr mir glauben, dass sich nicht nur die Stimmung nach Anrufung der Götter änderte.
Er änderte einfach alles.
Vor allem den Blick. Mir kam es plötzlich sehr viel dunkler vor. Als würde der Schein des Feuers von Schatten gedämpft.

Ich bin in mich gegangen.

Lange Zeit habe ich Thor nicht unbedingt als einen meiner Lieblings-Götter angesehen. Er ist mir den Männern zu ähnlich, die immer zu stark für mich waren.
Tatsächlich aber suche ich mir immer wieder starke Männer aus, weil sie mich magisch anziehen.
Es ist eine Stärke - eine Kraft - welche die  oberflächliche Wahrnehmung ausschließt. Es ist das gewisse "Etwas", für das viele Menschen keine Erklärung finden. Lange glaubte ich, es sei eine durch Lebenserfahrung gewonnene Souveränität gepaart mit einem in die Wiege gelegtem Charisma.
Heute denke ich, dass jene besonderen Männer mit dem gewissen "Etwas" sich durch ihre Taten die Gunst der Götter verdient gemacht haben.
Und die Männer, auf die ich immer wieder anspringe, sind ausnahmslos Lieblinge Thors.
Es sind die Männer unter den Männern.

Brander war so ein Mann.

Und als ich Alvin erblickte, konnte ich auch bei ihm diese besondere Form der Attraktivität sehen, welche seine 49 Jahre und jede andere Äußerlichkeit vergessen machten.

Halfdan war nie ein solches Medium gewesen.
Er war eine schöne Hülle mit einem schwachen Geist. Ein goldener Kelch mit einem sauren Wein.

Und mir wurde klar, dass meine Bewunderung, mein Respekt und meine Ehrerbietung - ja, sogar meine Liebe - in Wahrheit einem Gott gebührten, den ich in meinem Gebeten immer beflissentlich ausschloss, weil ich seinen Jähzorn und seinen Hass gegen Hexen nicht verstand.
Und dennoch...
Seine Kraft ist es, die mein Herz höher schlagen lässt.
Seine Kraft, die einen Mann mit der Faust auf den Tisch schlagen lässt; die ihm Durchsetzungsvermögen und oft auch körperliche Stärke angedeihen lässt. Ihn für alle sichtbar zum Anführer macht.
Der Inbegriff seines Egos.

Solche Männer wissen zu überzeugen.
Es sind keine Machos. Keine Poser.

Sie sind authentisch.

Und Alvins Gefährtin darf sich glücklich schätzen einen solchen Mann an ihrer Seite zu wissen.
Da sie selbst kein schwacher Charakter ist, harmonisieren die beiden ganz gut und zeigen ihre Zuneigung für einander gern und ungehemmt.
Ich würde ein solches Bündnis niemals gefährden, das ist klar.
Aber ich stelle mir gern vor, dass es ein Segen für jede Frau sein muss, wenn er sich hart in ihr Becken drängt und ihr in einem beinahe heiligen Akt etwas von sich gibt, um ihren Schoß zu weihen.

So ähnlich hat es sich bei Brander angefühlt.
Es war göttlich.

...

Über meinen Ausflug bei den Chatten gäbe es noch eine Reihe mehr zu berichten.
Meine Kinder hatten wohl ihren größten Spaß im Swimmingpool und bei Nägel ins Holz klopfen.
Wir Erwachsenen haben das Nagelspiel ohne Hammer gepsielt. Dafür mit der scharfen Seite einer Axt.
Das war lustig.

Am letzten Tag hat einer der Männer sich seine Rüstung angelegt, damit die Kinder ihm mit Holzschwertern, Äxten und Pfeil und Bogen nach Herzenslust maltretieren konnten.
Armer Kerl. Da stand er in schwarzem Gambeson, dem 15 Kilo Kettenhemd, Polsterhaube, Brillenhelm, wollener Thorsberghose, Wadenwickeln und Stiefeln bei 35 Grad in der Sonne und wurde von der johlenden Meute gehackstückt.
Sogar Alvin schoss ein paar Larp-Pfeile auf ihn.
Ich musste unweigerlich an Balder denken und hielt besorgt nach einer Mistel Ausschau.^^
Dieser Mann mochte zwar rein äußerlich nicht unbedingt mein Typ sein, aber ich steh wahnsinnig, auf Männer, die mit Ihren Taten zu beeindrucken wissen.
Früher oder später fallen solche Männer auch den Göttern ins Auge.
Ganz ähnlich ist auch meine Ambition: Ich hoffe, dass meine Leistungen und meine Bemühungen eines Tages dazu führen, dass die Götter mich lieben.

Als das Spielchen auf der Wiese vorbei war und die Kinder mit Siegesgeschrei und Durst zurück ins Lager stürmten, half ich dem Mann aus seiner Rüstung.
Bei der Gelegenheit habe ich ihm auch gesagt, was für eine tolle Aktion das gewesen war. Wir kamen ins Gespräch und im Zuge dessen wollte ich wissen, ob er mich tags zuvor beim Nagel-Spiel mit der Axt gewinnen hatte lassen. Er wollte es nicht gern zugeben, aber er hatte absichtlich ein paar mal daneben geschlagen.

Wir haben Nummern getauscht und bleiben seither freundlich in Kontakt.
Er will mir evtl. helfen in eine bessere Schwertkampfausbildung einzusteigen. Er kennt zufällig einen guten Lehrmeister von der Ronneburg. Dort könnte ich die gängigen Kampfstile erlernen.

...

Am Tag der Abreise ging es mir nicht gut.
Die Hitze und der stressige Abbau haben mich ziemlich fertig gemacht.
Außerdem war ich in der Nacht übel zerstochen worden von irgendwelchem üblen Ungeziefer. Ich musste deswegen sogar in die Apotheke, weil die Stiche oder Bisse ziemlich heftig sind.
Fünzig Stück habe ich gezählt. Sie jucken sehr viel schlimmer als Mückenstiche und haben allesamt eine rote Wolke um den Einstich herum.
Vielleicht sind es Kriebelmückenstiche, vielleicht aber auch Windpocken.
Die Kinder haben nichts abgekriegt.

...

Nachdem das ganze Spektakel überstanden war, habe ich meinen gewöhnlichen Facebookpost dazu verfasst.
Einmal auf meinem Profil und einmal im Virtuellen Mittelaltermarkt.
Kaum eine Viertelstunde später hatte ich mehrere Sprachnachrichten von Alvin, dass ich das bitte sofort wieder löschen soll.
Er will nicht, dass sein Grundstück mit der Halle veröffentlicht wird, weil bereits zwei mal versucht wurde, bei ihm einzubrechen.
Ich weiß zwar nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat, aber ich hab den Post aus der Gruppe entfernt.
Die Posts auf meinem Profil allerdings habe ich lediglich dahingehend verändert, dass er sie nicht mehr sehen kann. Die Fotos sind nun nur noch für Freunde sichtbar, außer eben jenen, die diesem Stamm angehören.
Was keiner weiß, macht keinen heiß.
Ätschi.

Wie ich das liebe, wenn Leute meine Freiheiten beschneiden müssen....

Will ich wirklich darum bitten, Mitglied eines Stammes zu werden, wo ich nicht mal mein soziales Umfeld an meinem Leben teilhaben lassen darf?

Ich weiß es nicht.

Das kommt dann wohl auf meine Prioritäten an.

Außerdem habe ich das nicht zu entscheiden.




11.8.20 00:47, kommentieren

Der Gang nach Canossa



Mein grottenschlechter Sinn für Humor ist legendär.

Wenn alle betreten schweigen, während ich lachend vom Stuhl falle ist das kein Einzelfall.
Nicht selten führen meine dummen Sprüche zu regelrechten Aufständen unter sogenannten Gutmenschen.

Da hatte ich doch vor einigen Wochen einen dämlichen Witz auf Facebook abgelassen.
Von wegen: Zelten macht Spaß, außer es kommt Anders! (Mit einem Bild von Anders Breivik, der in Schweden ein Zeltlager zusammengeschossen hatte...)
Schwärzester Humor, hihihi

Allerdings mit bösen Folgen für mich.

Um es kurz zu machen: Die Baronie von Meadowmarsh ist empört, dass ich es gewagt habe auf meinem eigenen Profil einen derart derben Spaß mit einem so ernsten Thema zu treiben. Und auch die anderen Edelleute sind aufs schärfste brüskiert von meinem schändlichen Benehmen.
Lord Aelric wurde vorgeschickt, mich darauf hinzuweisen, dass ich mir einen Fehler erlaubt hätte, der kaum wieder gut zu machen sei.
Ich wurde gehalten mich offiziell bei der Baronie zu entschuldigen.
Wie es der Zufall will, war der Sohn der Baronesse nämlich exakt eine Woche vor dem Vorfall in eben jenem Zeltlager gewesen. Darin gründet sich der Aufschrei des Entsetzens und die ganze Misskredit, der ich nun ausgesetzt war.
Es war klar, dass ich zu Kreuze kriechen musste, wenn ich auf meine gratis Ausbildung und die kostenfreie Ausstaffierung von Rüstzeug nicht verzichten wollte.
Mir drohte Acht und Bann.

Bei Baron Wolf ging es recht schnell.
Da hatte ich bei der letzten Lehrstunde Gelegenheit meinen Kniefall zu machen.
Ich versprach ihm sogar, dass er beim nächsten Training einen Schlag frei hätte und er blitzte mit den Augen und fragte "Schwert, Stock oder Peitsche?"
"Oh, die Qual der Wahl...", lachte ich verlegen und er konterte: "Du meinst wohl, die Wahl der Qual!"
Und damit war der Drops gelutscht.

Gestern war es etwas unangenehmer.
Beim großen Meeting waren viele Leute versammelt und ich konnte nicht eher mit der Baronesse reden, bis sich endlich nach Abschluss eine günstige Gelegenheit bot.
Es war der Gang nach Canossa.
Ich musste durch ein Spalier aus riesenhaften Hunden staksen und um Audienz bitten.
Meine Entschuldigungen und Erklärungen kamen mir furchtbar lächerlich vor, aber ich brachte die nötige Überzeugung auf, um meinen Kopf aus der Schlinge zu bekommen.
Mir wurde offiziell vergeben, aber die Baronesse behält mich von nun an im Auge.
Auch ihr Mann, Wolf, hat sich sowohl von meiner Freundesliste als auch von meiner Freundschaft distanziert.
Mir wurde klar, dass die SCA gewisse Standarts zu erfüllen hat. Und es würde ein schlechtes Licht auf alle werfen, wenn jemand wie ich öffentlich mit taktlosen Frechheiten und schlechtem Gedankengut heraussticht.

Ich hab auf der ganzen Heimfahrt nur kopfschüttelnd gelacht.

Was ein bornierter Gutmenschen-Club!

In meinem Kopf formt sich ein beinahe intrigant zu nennender Gedankengang.
Ich werde die SCA als Sprungbrett missbrauchen.
Ich werde mir alles nehmen, was ich brauche, um in die Stahlklingen-Liga aufzusteigen.
Sollen sie mir ruhig all ihre Tricks beibringen und mich ein gutes Jahr lang ausbilden.
Dannach heißt es für mich adieu und auf nimmer wiedersehen, Freunde!

In eurem albernen Country-Club will ich nicht alt werden!

...

Heute war ich in Langenselbold bei dem Autoteile-Dealer meines Vertrauens.^^
Ich kenn den Typen schon ewig.
Letztes Jahr um die Zeit war ich wegen meinem Auspuff bei ihm. Diesmal ging es um meinen anstehenden Ölwechsel. Ich brauchte noch einen Ölfilter und einen Luftfilter.
Für 16 Euro schob er mir die Sachen übern Thresen und sprach seine Bewunderung für mein altes Vehikel aus.
Er selbst hat auch einen, der sogar noch 5 Jahre älter ist.
Ich dagegen klagte ihm mein Unglück mit den Fensterhebern. Mein scheiß Neuwagen BJ 1995 hat nämlich elektrische.... Absolut neumodischer Scheißdreck!
Wenn ich Abblendlicht an habe und auf den Fensterknopf drücke, geht das Fernlicht an.
Will ich das Beifahrerfenster öffnen, geht es nicht mehr zu und es regnet rein.
Etc.
Er hörte sich mein Unglück an und meinte dann, dass er mir vielleicht helfen kann, wenn ich ihm meine Handynummer gebe.
Boah!
So viel Freundlichkeit in dieser sonst so grauen Welt fühlte sich wie ein warmer Regen an.
Ich gab ihm meine Nummer und bedankte mich (und hätte fast die Filter auf dem Thresen liegen lassen....oh Mann. Ich mal wieder...)

Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt war wegen Umgang zu Besuch und hatte derweil unsere Kinder gehütet.
Als ich heim kam, half er mir meine "neuen" Rüstungsteile anzupassen, die mir der Baron gestern abend mit gegeben hatte.
Das Metall der Knieschützer war derart hart und dick, dass ich die Lochzange leider nicht selbst bedienen konnte.
Solche Unzulänglichkeiten verbittern mich sehr. Aber das zählt nunmal zu den Dingen, die ich hinnehmen muss.
Auch die Schulterstücke aus Kunststoff ließen sich nicht so in Form bringen, wie ich mir das vorgestellt habe.
Ich dachte, ich bräuchte die Dinger nur mal eine Stunde in die Sonne zu legen und dann passend zu drücken.
Fehlanzeige.
Ich brauche einen Hochleistungsföhn oder so...
Backofen kann ich vergessen - das würde den Kunststoff komplett deformieren, wenn ich Pech habe.

Mein Exmann hat morgen die Werkstatt für mich und meinen Ölwechsel reserviert und ich soll die Schulterstücke auch gleich mitbringen. Er will da was machen.
Bin schon gespannt.
Er ist Kautschuk-/ Verbundswerkstoff-Formgeber von Beruf und kennt sich mich Plastikzeugs gut aus.

Kaum dass das alles geklärt war, ging das Theater auf meinem Handy los.
Der Teile-Dealer hat sich gemeldet.
Und nein, er ist nicht sexuell an mir interessiert.
Er lebt freiwillig seit 6 Monaten im Zölibat und führt darüber hinaus eine fragwürdige Beziehung mit einer Frau, die ihm wohl zu übergewichtig ist.
Plötzlich erhielt ich eine Freundschaftsanfrage von seinem Inkognito-Account bei Facebook und mir wurde klar, dass wir dort schon einmal mehr oder weniger unwissentlich Kontakt hatten.
Er ist mir damals schon mit seinen altklugen Sprüchen auf den Keks gegangen, dass ich den Kontakt damals habe einschlafen lassen.
Und auch diesmal fängt er an zu nerven.

Ja, er will mich kennen lernen - aber bloß nicht sexuell.
Er möchte mich als Freund haben und mit mir was unternehmen.
Alles schön und gut.
Aber sein gleichbleibender Tenor, von wegen er sei psychologisch so gut versiert, dass er in mir große Unsicherheit zu erkennen glaubt, kotzt mich an.
Ich hasse es, wenn Männer, die jünger sind als ich, mit dieser väterlichen Fürsorglichkeit ankommen und mich belehren müssen.
Von wegen, man könne in meinen großen Augen die Verletzlichkeit und die Schutzlosigkeit und eine arme geschundene Seele erblicken.
Ich sei augenscheinlich ein typisches Opfer übler Machenschaften spielender Wüstlinge (schön wärs) und müsste dringend mal geknuddelt werden ( * würg *, bitte nicht).

Jungs, Jungs! Ich mag zwar von puppenhafter Erscheinung sein, aber ich bin nicht die Porzellan-Variante.... eher die staunende....

Verschont mich gefälligst mit eurer Schonung!

Kloppt auf meinen Schild!
Stoßt in meinen Leib!
ABER LASST DIESE KACK GEFÜHLSDUSELEI!!!!   ...Das hab ich hinter mir!


Große Götter, was ist das nur wieder für eine Scheiße in die ich ständig trete?
Des därf doch alles net wahr sein... * Hände überm Kopf zusammen schlag *







5.8.20 23:49, kommentieren

Mein Schildbauer




Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht.
Da ich ausschließlich nur von seinen schlechten Eigenschaften geschrieben habe, geht es mir jetzt mit der Trennung nicht sonderlich schlecht.
Natürlich hatte Halfdan auch viele gute Eigenschaften, sonst hätte ich die Zeit mit ihm nicht so genossen. Hätte ich aber davon geschwärmt, wie schön es ist, so viel geschmust und geknuddelt zu werden, dann hätte ich mich nur wieder in zu viel Gefühl hineingesteigert und das wäre mein Ende gewesen.
So überwiegt die Erinnerung an die nervtötende Art eines typischen Schützen. (Ich bin übrigens Waage. Das wäre ohnehin nicht gut gegangen...)
Ich denke, ich werde diese Strategie für die Zukunft beibehalten.
Keine Schmerzen.
Keine Sorgen.
Es ist herrlich.

Gestern habe ich sogar einen Ausflug mit den Kindern in eine Fasanerie unternommen und richtig Spaß gehabt.

Und abends war ich sogar noch produktiv genug, um das letzte Knäuel Wolle zu verzwirnen.
Damit kann ich heute evtl. schon den Brettchenwebrahmen bespannen.
Das ist echt aufregend.

Ansonsten trainiere und übe ich täglich die Schwertkampflektionen, die es bis zur nächsten Stunde zu verinnerlichen gilt.
Morgen habe ich eine Vorladung bei Baron Wolf von Shire of Meadowmarsh. Es gibt vieles zu besprechen und außerdem soll ich mir neue Rüstungsteile aus seinem Keller aussuchen.
Lord AElric und Sir Lief werden auch da sein. Außerdem noch die anderen SCA-Mitglieder.
Es wird dann auch das nächste Thing für den Herbst abgeklärt. Angedacht ist die Burg Lißburg, wo ich im Frühjahr mit einem Kumpel eine Motorrad-Tour hin gemacht hatte.

Ich freue mich schon.


Und es gibt weitere erfreuliche Neuigkeiten:
Einer "junger" Mann Anfang 40 und ich stehen seit einiger Zeit in freundlichem Kontakt. Irgendwann hatte ich mal ein Tanzvideo in einer Facebook-Mittelalter-Gruppe gepostet und er hatte mich zum Tanz auffordern wollen und dafür sein "Schwert, Schild und Axt in die Ecke geworfen".
Das fand ich so süß, dass ich ihn seither scherzhaft meinen Verlobten nenne. (woraufhin er Schwert, Schild und Axt wieder aus der Ecke gekramt hatte) Aber gelacht hat er trotzdem.
Und der Kontakt ist seither geblieben - worüber ich sehr froh bin.
Keiner sonst kann über meinen schlechten Humor so lachen wie er.
Und auch jetzt tut er mir gut.
Einziger Nachteil ist mal wieder das alte Leid...äh Lied... von der Entfernung. Er wohnt irgendwo an der holländischen Grenze.

Heute hab ich das Gespräch mit ihm gesucht und hab mit Zettel und Stift bewaffnet mir alle Anleitung zum Schildbau durchgeben lassen.
Dazu muss ich erwähnen, dass er auf Facebook eine Reihe wahnsinns Bilder seiner Dokumentation über den Schildbau gepostet hatte.
Das Besondere an seinen Schilden - und der Grund warum er sich von allen anderen Schildbauern abhebt - liegt in der einzigartigen Wölbung seiner Schilde.
Zugegeben sie entsprechen nicht ganz meinem frühmittelalterlichem Anspruch, aber sie sind ungemein praktischer und sehen obendrein auch besser aus.
Ich sagte ihm, dass ich keinen anderen Schild als diesen haben wolle und dass meine Seele anders keinen Frieden finden würde.
Daraufhin hat er mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte.
Er will mir eines bauen und wünscht nicht einmal Bezahlung dafür.
Ich soll ihm nur die Materialkosten ersetzen.
Sobald er seinen aktuellen Auftrag erledigt hat, will er mir zu Diensten sein.
Ich bin gerne bereit, hoch zu fahren und mitzuhelfen.
Außerdem werde ich mit Freuden seine Talente finanziell fördern und einen Hunderter an Gage drauflegen.

Was wäre die Welt ohne ihre Künstler?

Und was wären Künstler ohne wohlverdiente Anerkennung?


Ich freue mich darauf, dich kennen zu lernen, Schildbauer!

:-)

3.8.20 18:20, kommentieren

Wenn Motoren und Herzen brechen



Ich hatte Halfdan so sehr gebeten mich wenigstens während der Arbeitszeit in Ruhe zu lassen....
...er hat es nicht fertig gebracht.


Eine meiner letzten Nachrichten an ihn war ein verzweifeltes Mittelfinger-Emoji.

...

Als ich dann mittags heim kam, habe ich noch bevor ich die Kinder begrüßte oder was aß oder rauchte, Halfdan angerufen, um ihn nicht unnötig warten zu lassen.
Ich fragte ihn, ob er beginnen wolle oder ich.
Er wollte, dass ich beginne.
Ich sprach ziemlich genau einen Satz und dann legte er auf und löschte meine Nummer und blockierte mich auf Facebook.
Per Whatsapp kann ich ihn also nicht mehr erreichen.

Was ich gesagt habe?

Ich sprach sehr sanft und langsam und ruhig.
Ich erklärte, dass es mir leid tut, aber es einfach nicht schaffe, mit seiner Art fertig zu werden und dass ich mich - auch wenn es egoistisch klingt - damit nicht länger belasten kann.
"...Ich kann es einfach nicht. Dafür bin ich nicht stark genug. Ich hoffe, dass du das verstehst."
Dann war die Leitung tot.

Ich ging in Facebook und beobachtete, wie er erst den Beziehungsstatus änderte, dann von meiner Freundesliste sprang und mich schließlich blockierte.
Ich nickte dazu und löschte ein paar seiner Bilder und Kommentare, bis es halbwegs vertretbar war und schrieb ihm, dass ich sein T-Shirt morgen zur Post bringen würde.
Die Nachricht kam nie an.
Er schickte eine SMS, dass er sein T-Shirt zurück haben wolle und dass er mir all die Sachen zurück schicken würde, die ich ihm mal geschenkt habe.
Das war dumm von ihm.
Ich schrieb, er solle die Sachen behalten.
Er antwortete, er wolle aber nicht.

Dumm.
Einfach nur dumm.

Ohne die grüne Umhängetasche wird er wieder sein Zeug in Alditüten durchs Mittelalter tragen.

Dumm!
Dummer dummer Junge.

Die genadelte Mütze wollte er auch nicht mehr haben und die maßgefertigten Socken sollte ich behalten.

Ich sprach, er solle sich das gut überlegen.

Er wollte nicht überlegen.

Ich habe die Socken noch mal ausgibig vermessen und Brander gefragt, ob er Interesse hätte.
Irgendwie dachte ich, er hätte mal vor langer Zeit davon gesprochen, dass er sich sowas wünschen würde.
Naja, falsch gedacht. Er lehnte dankend ab. Die Größe hätte wahrscheinlich eh nicht gestimmt.
Aber immerhin war er höflich.

Hab die Dinger dann binnen einer Stunde für 20 Euro an einen Fremden verkauft.
Das entspricht einem Stundenlohn von etwa, 1 €, wenn man die Materialkosten berücksichtigt.
War mir egal.
Ich wollte, dass jemand sich freut und glücklich wird.
In meinen Handarbeiten steckt immer viel Liebe und Sorgfalt.
Andererseits ist es aber immer auch ein Risiko, Kleidung für Fremde zu machen.... Die Edda drückt es sehr schön aus:

"Schuhe nicht sollst du noch Schäfte machen für andere als für dich: Sitzt der Schuh nicht, ist krumm der Schaft, wünscht man dir alles Übel."

Egal, was solls!

Als das erledigt war, schrieb ich den Clans-Chef vom Chattenland an und beichtete, dass ich nun keine Belgeitung und auch kein Zelt mitbringen könne.
Er und seine Gefährtin trösteten mich und versprachen mir ein Rundzelt für mich und meine Kinder. Ich sollte nur für einen Schlaf-Untergrund sorgen.
Da muss ich mir was einfallen lassen, denn ich habe nichts... :-(

Auf Facebook postete ich einen lockeren Witz über Gespräche, die sich wie zwei Tage Kreisverkehr anfühlen und das war dann das Ende von Kapitel Halfdan.

...

Pünktlich um 15 Uhr kam Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt zwecks Umgang mit den Kindern.
Ich habe Kaffeestückchen geholt und Kaffee für ihn gekocht.
Dann traf mich die Hiobs-Botschaft. Sein Manta ist verreckt. Der steht jetzt hier irgendwo ein Stück weit entfernt mit massivem Motorschaden.
Ich war geschockt und sprach ihm mein ehrliches Mitgefühl aus. Sofort suchte ich in meinem Zauberhandy nach einem 1,9 Liter Motor für A-Manta GT/E.
Die kosten leider mehrere tausend Euro.
Mein Ex-Mann war am Boden zerstört.
Ich bot ihm finanzielle Unterstützung an, doch er winkte ab.

Der Nachmittag war entspannt.
Nach dem Kaffee holte ich das Zigaretten-Päckchen, welches ich für Halfdan gekauft hatte und ließ meinen Ex-Mann erst mal eine rauchen.
Wir redeten über sein Auto und ich hörte ihm zu. Hörte mir die Geschichten an, wo er mit dem Ding schon überall war und welche besondere Beziehung zu jedem einzelnen verbauten Teil bestand. Der Motor war noch Original. Und irgendwas von seinem Opa war auch verbastelt. Ich weiß nicht mehr. Er hat so viel erzählt.
Ich war um Trost bemüht.
Ich versprach ihn, ihn gemeinsam mit den Kindern abends heim zu fahren. Und ich schenkte ihm den Kasten Bier (den ich auch für Halfdan gekauft hatte...).

Gegen Abend hatte er so starke Kreuzschmerzen, dass die Tabletten, die er ununterbrochen nahm, nichts mehr nützten.
Ich holte mein Mohnblüten-Öl-Mazerat und massierte 20 Minuten lang sämtliche schmerzenden Verspannungen und auch die entzündeten Bandscheiben im Lendenbereich. Letztere ganz ganz vorsichtig.
Ich empfahl ihm in Rückenlage zu schlafen und einen Wasserkasten unter die Beine zu klemmen, damit die Wirbel sich wieder richten können.
Das wollte er tun.

Es war bereits nach 20 Uhr als ich ihn heim brachte und ihm den Bierkasten ins Haus trug.
Ich umarmte ihn und sagte ihm nochmal, wie leid mir das mit dem Manta tat.

Er tätschelte mir den Rücken und bedankte sich für alles. Dass ich ihn gefahren hatte und für das Essen und das Bier usw.
Ich lächelte und meinte, das sei keine große Sache. Das würde er doch alles für mich auch tun.
Und er nickte. "Ja, du kennst mich doch."

...
Ja, ich kenne dich.
Ich kenne dich aber auch anders.
Ich kenne dich als jemanden, der mich 10 Jahre hat weinen lassen. Leiden. Und verzweifeln.

Und dennoch:

Ich bin zwar selbst keine Heilige, doch ich werde immer da sein, wo ich gebraucht werde.

 


"Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet aber sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder...."


- Jules (Samuel L. Jackson), Pulp Fiction - bzw. Hesekiel 25,17, Schriftprophet 6. Jahrhundert vor Christus, Altes Testament

29.7.20 23:04, kommentieren

Aus Spaß wird Ernst

Nachdem Pussy-Halfdan nicht aufhört, mir auf den Keks zu gehen, werde ich heute die Beziehung beenden.

 

Ich kann verstehen, dass er mit der Situation unzufrieden ist.

Ich kann verstehen, dass er mich vermisst und deswegen seine Hormone verrückt spielen.

Ich kann verstehen, dass er sich übergangen fühlt, weil ich die Urlaubsplanung weisungsgemäß in die eigene Hand genommen habe.

 

Aber ich werde mir nicht das Leben schwer machen mit einem Mann, der mich von morgens bis abends nur noch mental fertig macht mit seinem Gefühls-Scheiß und Geheule.

Das ist nicht seine Aufgabe.

Sein Job war lediglich, mich auf bescheidene Weise weniger unglücklich zu machen.

 

Das hat er geschafft, in dem ich jetzt mehr wütend bin.

Bravo!

 

Sorry, aber damit kann ich mich aktuell nicht auch noch belasten.

 

Ich rufe ihn heute an und werde ihm mehr oder weniger höflich den Laufpass geben.

 

Die Buchung habe ich heute morgen bereits storniert..

 

  ...

 

 Was auch überhaupt nicht geht, sind seine permanenten Vorwürfe.

Während er täglich mit seinen Kumpels saufen geht, darf ich kein eigenes Privatleben haben.

Da hat er mir gestern tatsächlich vorgeworden, dass ich mit den SCA-Kämpfern trainieren war.

Und als sei das nicht schon dreißt genug, hat er auch noch mein "Outfit" kritisiert.

Großer Odin, das nennt sich Rüstung, du Dödel! Und die trägt man nicht auf'm Laufsteg. Die soll nur dazu dienen, dass ich die Attacken heile überstehe!!!

Außerdem werde ich mir nach und nach eigenes Zeug zusammenbauen.

 

Statt sich für mich zu freuen oder mich zu unterstützen kam von ihm nur ein

 "Das gefällt mir überhaupt nicht" mimimi

 

Dass ich für jeden Ausflug aus meiner alleinerziehenden berufstätigen Mutterrolle in ein eigenes Privatleben dankbar bin, rafft er nicht.

 

 Ich war so glücklich und er hat alles kaputt gemacht.

 

Und so geht das andauernd.

 

Er betreibt massiv Psychoterror und ich muss mich ständig verteidigen.

 

 

Nee....

Brauch ich nicht.

 

Pussy-Halfdan, du bist der Schwächste, du fliegst und tschüss!

 

 

 

 ----

P.s. Ich danke den Göttern für diese Dosis meiner eigenen Medizin.

Endlich weiß ich, was ich letztes Jahr für ein nerviges Arschloch gewesen war.

 

 

 

 

 

2 Kommentare 29.7.20 09:25, kommentieren

Sauer

 

 

Halfdan, dieses dämliche Arschloch, regt mich grad so auf!!!

 

Seit drei Wochen versuche ich mit ihm unseren gemeinsamen August-Urlaub zu planen.

Das Ende vom Lied war folgendes: Da ich die erste Woche in meinen heimatlichen Gefilden bleiben will, da ich vom 07. bis 09. August zum Thing des Chattenlandes geladen bin, hat er mir die ganze Planung und Organisation überantwortet.

Ich hab sogar extra GEFRAGT, ob es für ihn ok wäre, wenn ich vom 03.08. bis 06.08. eine Pazelle auf einem hiesigen Campingplatz miete und wir von da aus Sightseeing und Burgentouren unternehmen.

"JA", hat der Großmeister gesagt.

 

Heute teile ich ihm mit, wo es die ersten 4 Tage hingeht und dass ich bereits kostenplflichtig die letzte freie Pazelle reserviert habe, und was macht er???

Er jammert jetzt seit einer Stunde per Whatsapp herum, dass er lieber irgendwo wild und ohne andere Leute zelten will.

 

Ich möchte ihn gerade treten und hauen.

Ehrlich.

 

Ich hab so einen Hass auf diesen Menschen, das glaubt ihr nicht!

 

 

Ich hasse sein mimosenhaftes Geseier!

Ich hasse sein wenig mannhaftes Gezicke!

Ich hasse sein chaotisches Hakuna Matata!

 

 

 

Und ich werd beim besten Willen nicht fertig mit ihm.

Das ist mir einfach zu viel und zu anstrengend.

 

Dieser Mann macht mehr Arbeit, als die Mühe wert ist.

 

Ich mach drei Kreuze, wenn der Urlaub vorbei ist und ich endlich Bilanz ziehen kann, ob die ganze Scheiße wirklich eine Fortsetzung verdient.

 

 

 

 

1 Kommentar 28.7.20 11:47, kommentieren

Mein Fehler

 

Nach Durchsicht meiner vorangegangenen Einträge musste ich mir tatsächlich ein paar Dinge eingestehen…

 

Es ist vermessen von mir zu glauben, dass ein Jahr im Mittelalter und eine Stunde Schwertkampftraining mich zum Experten machen würden.

Vielleicht hat Halfdan Recht und ich sollte ihn mehr unterstützen, statt ihn mit bösen Ahnungen zu verfolgen.

Das ganze soll ja schließlich auch Spaß machen.

 

Andererseits heißt es in der Edda:

 

„Das ist Seelentausch, sagt Einer getreulich

Dem Andern Alles was er denkt.

Nichts ist übler als unstet sein:

Der ist kein Freund, der zu Gefallen spricht.“

 

Warum sollte ich sein Vorhaben bejubeln und beklatschen, wenn ich doch ganz anders darüber denke?

Am besten wird sein, ich sage gar nichts mehr.

 

Und überhaupt: gibt es denn wirklich gute oder schlechte Anführer? Kann nicht jeder zum Jarl geboren sein, wenn der Wunsch danach so groß ist?

 

Die Edda sagt:

„Laster und Tugenden liegen den Menschen

In der Brust beieinander.

Kein Mensch ist so gut, daß nichts ihm mangle,

Noch so böse, daß er zu nichts nützt.“

 

Andererseits weiß ich, dass Halfdan in seinen bisherigen Führungspositionen bereits massiv Ärger hat.

Er sollte ein Gruppen-Projekt bezüglich einer Spendenkampagne leiten. Das Ende vom Lied war, dass kein Mensch auf ihn gehört hat und er nicht fähig war, dafür zu sorgen, dass die übrigen Team-Mitglieder ihr Soll auch erfüllten. Er hat schließlich alles alleine getan und wollte dafür auch die alleinige Anerkennung, was den anderen Leuten nicht sehr gefallen hat. Er kam zu Streitgesprächen, die beinahe das Scheitern des ganzen Projektes bedeutet hätten. Er wurde sogar zu einem Gespräch bei seinem Vorgesetzten geladen und bekam ob seines Übereifers einen Rüffel.

 

Ich sehe in Halfdan einen Mann mit großen Visionen und Ideen.

Aber ich sehe genauso, wie keiner ihm folgen will, weil er es nicht schafft zu überzeugen.

 

Das muss nichts schlimmes bedeuten.

 

Ich bin doch selbst nicht besser.

 

Auch ich besitze Talente und Phantasie und Ideen. Trotzdem bin ich weder Anführer noch Mitläufer. Ich bin genau wie Halfdan – ein Einzelgänger.

 

Ich sammel meine Kräuter, ich bearbeite meine Wolle, ich nähe meine Kleider, ich schreibe meine Geschichten und Gedichte.

Allein der Schwertkampf wird mich zur Interaktion zwingen.

 

Ich denke, das ist auch gut so.

 

 

…Das Herz frißt dir Sorge, magst du keinem mehr sagen

Deine Gedanken all…

24.7.20 09:50, kommentieren

Jarl Halfdan

 

 

Halfdan und ich hatten gestern abend ein übles Zerwürfnis.

 

Grund der Auseinandersetzung war, dass ein paar Saufkumpanen von Halfdan vor haben, eine Sippe zu gründen und ihn zum Jarl haben wollen.

Er war so euphorisch und glücklich, dass mir unweigerlich klar wurde, dass er keine Ahnung hat, was einen Jarl überhaupt ausmacht.

Ganz ehrlich? Ich wollte den Job nicht mal geschenkt haben!

Es birgt große Verantwortung und Organisationstalent. Darüber hinaus muss man repräsentative Zwecke erfüllen und gewisse Talente mitbringen. Man muss gut informiert sein oder wenigstens ein Handwerk beherrschen. Man sollte die Seinen beschützen können und immer zum Wohle aller agieren.

Und tut mir leid – dafür ist Halfdan ein zu großer Egoist. Auch fehlt es ihm an Ernsthaftigkeit. Das Mittelalter ist kein Spiel.

So wie ich ihn bisher erlebt habe, hat er immer nur nach seinem eigenen Kopf gehandelt und wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer genommen.

Mag sein, dass er ein tolles Ehrenamt bekleidet und sich für Minderheiten und Spendenaktionen engagiert. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er dem Druck einer Führungsposition langfristig gewachsen wäre.

Das alles habe ich ihm natürlich nicht offen ins Gesicht gesagt.

Ich habe ihm nur aufgezählt, was für eine Arbeit hinter dem Amt steckt.

Das hat wohl schon gereicht.

Er ist explodiert und war dann so beleidigt, dass er bis morgens um 4 Uhr gesoffen hat.

Er ist auch jetzt noch eingeschnappt.

Er glaubt, ich würde nicht hinter ihm stehen; würde ihn zum Deppen degradieren und ihm nichts zutrauen.

Er hat so ein Theater gemacht, dass ich schließlich entschieden hab, dass es reicht und er mal ein Snickers essen soll.

Jetzt ist er etwas einsilbig geworden und beobachtet alles was ich jetzt bei Facebook schreibe mit kritischem Blick.

 

Trotz allem hab ich Verständnis für ihn.

 

Er ist genau das, was ich mal gewesen bin.

 

Zickig, temperamentvoll und kompliziert.

 

 

Das wird sich ändern, sobald er den Karren endgültig an die Wand gefahren hat.

-So wie ich das bei Brander getan habe-

 

Es ist kaum zu glauben, wie klar man erst mal sieht, nachdem man tief gefallen ist und eine mehrmonatige Selbstreflexion hinter sich hat.

 

 

Im Ergebnis will man ein besserer Mensch werden und an sich arbeiten. – Seinen Wert steigern –

Das tue ich.

 

 

Und niemand wird je mein Gejammer hören, solange ich mich hier anonym auf meinem Blog austoben kann.

 

 

23.7.20 10:28, kommentieren

Ich lerne Vollkontakt




Lord AElric of Battle von Shire of Meadowmarsh, Mitglied des Ordens des Roten Hahns und getreuer SCA-Ritter, hatte mich bereits beim Thing-Meeting auf Burg Feuerberg im Januar gefragt, ob ich neben dem mittelalterlichen Tanzkurs auch Schwertkampf lernen möchte.
Hm.
Natürlich bin ich nicht doof.
Ich weiß, dass Lord AElric unbedingt neue Mitglieder in den Verein der SCA stecken möchte. Und ganz ehrlich? Die SCA ist so schlecht nicht... Aber leider hat sie mit Frühmittelalter herzlich wenig zu tun.
Zwar sind die Kampftechniken aufgrund des Regelwerks wesentlich realistischer (es zählen nur Schläge, die, mit einer echten Waffe ausgeführt, eine Rüstung durchdringen würden), allerdings wird ausschließlich mit Rattan gekämpft und das finde ich irgendwie nicht ganz so passend für meine Zwecke.
Auf einer mittelalterlichen Feldschlacht wird weder Vollkontakt noch mit Holz gekämpft. Sorry. Und als Schildmaid müsste ich auch erst mal ordentliche Fechtregeln, wie zum Beispiel Codex Belli, beherrschen, bevor ich an Vollkontakt denken will.

Als nun aber unverhofft und kurzfristig die Einladung kam, mich mit den SCA-Kämpfern unter einer Brücke zu treffen, war ich hin- und hergerissen.
Ich bin schließlich hingefahren, um mir das mal anzusehen.
Man sagt im Leben viel zu oft "nein" und verpasst damit einen Haufen Gelegenheiten. So war ich immer gewesen.
Seit meinem Auszug aus meinem alten Leben vor zwei Jahren, habe ich allerdings angefangen damit aufzuräumen.
Nennt es ruhig middle-age-crisis. XD Ich fasse das als Kompliment.

So fand ich mich also gestern Abend am vereinbarten Treffpunkt ein.
Ein englischsprachiger Kanadier war bereits anwesend. Auch Lord AElric und Wolf, mein Tanzlehrer, kamen hernach.

Ich brauche nicht zu erwähnen, wie wenig amüsiert mein Gefährte über meinen plötzlichen Eifer, mich verprügeln zu lassen, gewesen ist. Um zu verhindern, dass er mich von meinem Vorhaben abbringt, habe ich Halfdan erst sehr spät von meinem Entschluss berichtet.

Ich weiß nicht, was mehr an ihm kratzt: die Tatsache, dass ich mich in Gefahr bringe, oder dass ich an seiner Statt kämpfen lerne. XD
Meine Götter, das ist so urkomisch! LOL
Halfdan ist in jeder Hinsicht so ein gewaltiger Poser, dass ich mir das Lachen kaum verkneifen kann.
Klar, er verdient seine sechstausend im Monat und kann sich so fein bemalte Schilde, hübsch verzierte Schwerter und "made in Taiwan-Äxte" ins Wohnzimmer hängen, aber weder taugen diese Showkampf-Wandbehänge auch nur einen Schuss Pulver, noch kann er vernünftig damit umgehen.
*lach*
Wir sprechen hier von einem Mann, der ohne seine ganzen PS, seine tausend Assistenten und Komfortschnickschnack nicht mal gescheit Auto fahren könnte.
Ein Mann, der nicht mal einen Ständer kriegen kann, wenn ich ihn nicht von Hand anlasse....
Ein Mann, der erzählt, wie toll er sich als Jugendlicher gekloppt hat, der aber jetzt über ein schief hängendes Handtuch meckert....
Ehrlich jetzt? Ihr Götter, soll das ein Witz sein???
Aber hey, ich will nicht über ihn herziehen.
Schließlich hat er doch immerhin so herrliches güldenes Haar und einen Duftöl-gepflegten Bart, in den er sich so kleine Zöpfchen mit Perlen flechten lassen kann.... (richtig gehört, der Mann kann nicht mal selber flechten.) Aber wen wundert das? Er rasiert sich noch nicht mal selbst. Er trägt lieber wöchentlich sein Geld zu seinem Barbier und lässt sich von ihm fein machen.
Und wenn er auf Reisen geht, hat er in seinem Handgepäck immer ein wahres Arsenal an Schönheitspflege- und Hygieneartikel. Darunter Sachen, die ich im Leben noch nie gehört oder gesehen habe!! Als er mir sein Etui mit dem Edelstahl-Komedonenquetscher-Set ausgerollt hat, bin ich fast vom Glauben abgefallen.

Mit einem einzigen Blick auf seine perfekt manikürten blitzsauberen schmuseweichen Hände wusste ich bereits, dass dieser Mann noch nie im Leben ein Schwert geführt oder auch nur mit einer Axt ein Stück Holz gespalten hatte. Diese Hände haben noch keinen Krümel Erde umgegraben, noch nie eine Tapetenbahn an eine Wand gebracht, noch nie einen Nagel eingeschlagen oder wenigsten ein Billi-Regal aufgebaut!
Dieser Typ ist der Jesus unter allen Wikingern!!!
ABER HAUPTSACHE, ER TRÄGT EIN 50 cm LANGES TRINKHORN AN SEINEM KUNSTLEDERGÜRTEL!!!!!!!!!

Von meiner ganzen vergebenen Liebesmühe ganz zu schweigen!!!
Da sitze ich Stunden über Stunden - TAGE! - mit Holznadeln und Schurwoll-Filzwolle bei einer Nadelbindearbeit, um ihm wenigstens anständige authentische Socken zu fertigen, damit der Herr Graf sich in seinen neuen Wiki-Schuhen keine Blasen läuft und er motzt und pienst herum, warum er die nicht in der Waschmaschine waschen darf.
ALTER! DAT IS SCHAFWOLLE!!! Die sollte man ÜBERHAUPT nicht waschen. Da ist Lanolin drin und das fettet sich selbst. Und wenn man das mit Seife wäscht, dann kann man das inne Tonne kloppen! Und Waschmaschine schon mal gar nicht! Der Materialverlust von echter Wolle nach einem Ausflug in die Waschmaschine liegt bei 20 bis 30 Prozent! Dann kann er das anschließend seiner Puppe anziehen!
Grrrr....

Wenn man das alles jetzt zu einem Gesamtbild addiert, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass Gromi-Halfdan am besten bei seinem Trinkhorn mit ein bisschen Abstand zum Feuer am besten aufgehoben ist. -Quod erat demonstrandum-
Handarbeiten und Schwertkampf sollten besser meine Angelegenheiten bleiben.
Ich hab wenigstens keine Angst davor schmutzig zu werden oder was neues zu lernen.

Tja und so beging ich meinen ersten Kampf.

Es war herrlich!

Da ich noch keine Rüstung habe, mussten die Männer sich ziemlich zurück halten.
Ich bekam ein Rattan-Schwert und einen Schild und mir wurde viel erklärt, ehe ich loslegen durfte.
Viel ist nicht passiert.
Einmal bekam ich einen mehr scherzhaft gemeinten Schlag auf den Hintern, okay, ja. Ein anderes Mal war ich selbst schuld, als ich hinter Lord AElrics Schild stechen wollte, hab ich mir die Finger gequetscht.
An meinem Linken Arm wurde ich ein wenig wund, weil die Halterung des Schildes nicht gut passt.
Am schlimmsten aber war es wohl, die Überwindung aufzubringen, selbst hart zuzuschlagen.
Ich wollte Aelric nicht verletzen.
Aber seine Rüstung erwies sich dann doch als tauglich genug.
Nach einer Weile wurde ich automatisch mutiger und wagte Ausfälle, bei denen ich ihm sehr nahe kommen und gute Treffer landen konnte.
Der Kanadier beobachtete uns und gab mir anschließend immer sein Feedback.
Er hat 30 Jahre Kampferfahrung und weiß, worauf es zu achten gilt.
Beispielsweise hab ich meine Faust nicht richtig um den Griff gelegt. Die Knöchel müssen eine gerade Linie bilden und dürfen nicht schräg stehen. Sogar mein Handgelenk musste korrigiert werden. Die Art und Weise, wie ich zuschlagen muss, wie meine Füße stehen müssen, wie der Oberkörper, die Schultern und die Ellebogen gehalten werden müssen. Gewichtsverlagerung, Übersetzung und Körperspannung sind sehr wichtig.
Beim ersten Schlag schon an den zweiten denken. Den Schild des Gegners lenken. Nicht stehen bleiben.

Es war sehr aufregend.

Die Männer waren höchst zufrieden mit mir und haben mich sehr gelobt. Sie meinten, ich besäße viel Potential und man könne gut mit mir arbeiten. Sie wollen mir Rüstungsteile beschaffen, damit ich mich kostenlos ausstaffieren kann. Und sie würden sich freuen, wenn ich der SCA beitrete und die Frauenquote unterstütze.
Ich fragte, ob Frauen denn beim Kämpfen überhaupt gerne gesehen werden oder ob Männer nicht lieber männliche Gegner bevorzugen.
AElric und die anderen waren empört, wie man so etwas nur denken kann und behaupteten, dass es überhaupt keinen Unterschied macht und das Schildmaiden immer gerne gesehen werden.

Ich sagte nichts dazu, aber ich dachte mir meinen Teil.
Oft genug habe ich Männer auch schon anders reden hören.
Aber egal.

Um mich an das Gewicht von Schwert und Schild zu gewöhnen, durfte ich die Leihwaffen vorläufig mitnehmen.

Tatsächlich hab ich von dieser einen Stunde bereits richtig übel Muskelkater an ziemlich komischen Stellen.
Vor allem auf dem rechten Unterarm und im linken Schulterbereich. Ganz komisch.

Halfdan hat vor lauter Sorge und Eifersucht im Minutentakt Nachrichten geschickt und gefragt, ob es mir gut ginge.
Ahhhh.... süß ist er ja schon irgendwie....
Weil er mich für attraktiv hält, glaubt er, ich würde bei männlichen Kontakten nur das Schlechte wecken.
Und vielleicht hat er auch gar nicht so Unrecht.
Meine drei Schwertmeister sind zwar alle verheiratet, aber ich hab trotzdem so den einen oder anderen seltsamen Blick von den Männern aufgefangen. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass sie sich sehr gedehnt und affektiert umgezogen haben.
Vielleicht hab ich mir das aber auch nur eingebildet.

Um Halfdans Nervenkostüm zu schonen, habe ich mich nach den Abschlussgesprächen gleich verabschiedet und bin nach Hause gefahren.

Es war nach 22 Uhr als ich in meine Wohnung kam.

Halfdan war bereits am Rande eines nervlichen Zusammenbruchs und ich habe mich sehr darüber gefreut.

Ich weiß.

Ich bin doof. XD



24.7.20 13:26, kommentieren

Von Gefährten und Fellmäuschen und verkanntem Zauber




Nachdem ich mich also langsam an den Gedanken gewöhne, Halfdan als meinen neuen Gefährten zu betrachten, wollte ich ihn auch ein Stück weit in meinen allerheiligsten Dunstkreis involvieren.
Und die Gelegenheit war günstig, denn er war das Wochenende über bei mir.

So führte ich ihn also Freitag nach der Arbeit erst mal ein bisschen durch die Gelnhäuser Altstadt.
Es war beinahe der gleiche Weg, den ich einst mit Brander gegangen war.
Durch eine verbotene Unterführung rüber am Gewächshaus der Gedanken vorbei zum Wasserfall. Von dort durch die Gasse mit den Fachwerkhäusern und über eine kleine überdachte Brücke hin zu einem Rosengarten.
Da er dort keine Zeit verbringen wollte, ging ich mit ihm weiter und führte ihn Richtung Kinzigbrücke und den Berg hinauf zum Untermarkt und zum Obermarkt. Dann durch das innere Holztor hinauf in den Stadtgarten und von dort die alte Stadtmauer entlang bis zum Halbmond-Turm.
Der war jedoch leider gesperrt und man konnte nicht hinauf.
Also gingen wir weiter und wanderten durch kleine verwinkelte Hintergassen aus groben Pflastersteinen.
Schließlich brachte ich uns auch wieder zurück nach Hause.
Ihm hat die kleine Tour sehr gut gefallen.

Nachdem er mich nachmittags auf der Arbeit bereits zwei mal beglückt hatte (meine Chefs sind verreist) hatten wir abends noch einmal Sex und ich war sehr glücklich.
Vor allem hat er auf meine dringende Bitte Rücksicht genommen und nicht mehr ganz so tief gestoßen. So war es endlich nicht mehr ganz so schmerzhaft.

Eigentlich möchte man doch meinen, dass eine zweifache Mutter nie wieder Schmerzen beim Sex haben dürfte, nicht wahr? Aber irgendwie bin ich wohl kaputt da unten. Ich weiß auch nicht. Oder zu empfindlich. Oder mit fehlt es einfach an regelmäßiger Übung.
Keine Ahnung.
Es ist einfach so.

Und trotzdem: Es ist für mich ein Gefühl des absoluten Glücks, wenn mir ein Mann die Ehre erweist und sich auf diese heilige Weise mit mir vereint.
Ich kann es gar nicht anders beschreiben.
Nie fühle ich mich mehr als Frau wie in jenen besonderen Momenten.
Wenn ich das Begehren eines Mannes wecke und er mir etwas gibt, das bei mir zurück bleibt - das ist, als hätte ich einen Teil seiner Kraft, seiner Seele empfangen. Es bringt mein Inneres zum leuchten. Es wärmt mich. Es füllt mich aus.
Es ist Bestätigung. Glück. Schönheit.
Es ist wie Musik.
Wie Poesie.
Und es trübt den Blick für die Realität. Es ist wie eine Droge. Es reduziert mich auf den Augenblick und lässt mich alles andere vergessen.
Selbst die Zeit.

Halfdan hat mittlerweile auch verstanden, warum mir der körperliche Kontakt so wichtig ist.
Trotzdem ist er der Auffassung, dass er mich von diesem Verlangen gerne abbringen möchte, weil es nicht das Wichtigste für mich sein sollte.
Er fühlt sich zwar nicht ausgenutzt, aber er weiß durch meine Vorgeschichte, dass meine arme Psyche vor dem Abgrund steht.
Er weiß, dass mein Vater Colonel-Zaster keine Kinder gewollt hatte und die einzige Zuneigung von ihm rein sexueller Natur gewesen war.
Halfdan weiß auch, dass ich in der Schule gehasst und gemobbt wurde und dass ich mir die einzige Lebensfreude mit Onenightstands verdingt habe.
Und obwohl ihn das alles sehr nachdenklich gemacht haben dürfte, fühlt er sich trotzdem zu mir hingezogen.
Meine Macken, meine Vorbelastungen und mein Schatten haben ihn nicht schrecken können.
Er will mich retten.
Und ich bin gerührt von seinem Bestreben...
...aber gleichzeitig auch bekümmert.

Die Hälfte meines Herzens wird kaum ausreichen seiner ausgestreckten Hand langfristig zu folgen.

Ich habe hier mein Leben.
Meine hart umkämpfte Freiheit.
Meine bunte Wohnung.
Meinen Job und meine Familie.

Weder werde ich das alles hinter mir lassen, noch will ich ihn um selbiges bitten.

Zumal es genug Dinge gibt, die mich an ihm nerven.
Zum Beispiel seine ständige Erreichbarkeit für ich weiß nicht wie viel Freunde...
Ständig ist er mit seinem Handy beschäftigt und hört fast ununterbrochen Sprachnachrichten ab oder quatscht selber welche.
Das nervt.
Und mich nervt auch, dass er meine Sprachnachrichten im Beisein seiner Kumpels abspielt oder mich am Telefon ungefragt auf Lautsprecher stellt.
Das ist so scheiße von ihm, dass ich schreien möchte!

Und dann ist da noch etwas, was mir derbe zu denken gegeben hat und das erzähle ich nun:

Am Samstag nach dem Frühstück haben wir Schwimmsachen und Proviant gepackt und sind zu zu meinem allerheiligsten Ort gereist.
Die gefluteten Steinbrüche wo ich gelegentlich meine Götteropfer darbringe.
An diesen Ort habe ich noch nicht viele Menschen geführt, weil er mir irgendwie allein gehört.
Meinen Ex-Mann habe ich hingebracht und auch Brander und meine Kinder.
Sonst keinen.
Jetzt wanderte ich also mit Halfdan die steilen Bergwiesen hinauf und durch den Wald bis zu dem ausgetretenen Pfad, der die Hänge hinunter führt.
Um das Stadtkind zu schonen, habe ich das Gepäck getragen...
Halfdan war schnell außer Puste. An der alten Eiche oben am Waldrand machten wir Raucherpause und ich zeigte ihm die entfernte Skyline von Frankfurt, die sich blassblau am Horizont abzeichnete.
Sogar die Türme des staudinger Kraftwerks konnten wir dank guter Fernsicht erkennen.

Als wir den Wald dann betraten versuchte ich ihm verständlich zu machen, wie grausenhaft die Athmosphäre hier in der mondlosen Julnacht und auch am nebligen Ostara gewesen war.
Er konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Zu friedlich lag das von Sonnenlicht gesprenkelte Idyll in der malerischen Kulisse. Zu lieblich sangen die Vögel.
So ließ ich von weiteren Erklärungen ab.
Es wird mein eigenes Päckchen bleiben.

Als wir endlich am See waren, zeigte ich ihm die besten Plätze und wir entschieden uns für das helle grasbewachsene Fleckchen wo ich bereits mit meinen Kindern gewesen war. Von dort hat man gute Sicht auf eine kleine Insel im Wasser.
Da er nicht nackt hinein wollte, zogen wir uns Badesachen an.
Und dann passierte etwas, womit ich NIEMALS gerechnet hätte.
Während ich schon die ersten Schwimmzüge tat, stand der Herr Graf gerade mal bis zu den Knien im Wasser und verkündete, dass es ihm zu kalt sei und er deshalb wieder raus wollte.
Ich dachte, er machte Witze! Aber dann ging er wirklich und ließ mich allein im Wasser zurück.
Es war nicht kalt.
Es hatte bestimmt 17 Grad.
An Ostara war es viel kälter gewesen!
Unglücklich schwamm ich eine kleine Runde und ging dann auch hinaus.
Wir saßen beisammen. Kuschelten. Redeten. Rauchten.
Und es dauerte nicht lange, da wurde es in der Sonne richtig warm. Schließlich meinte Halfdan, dass er nun doch noch einen Versuch wagen wollte.
Freudig begleitete ich ihn in den See.
Er ging wieder bis zu den Knien hinein und wusch sich die Arme.
Ich ließ mich ins kühle Nass gleiten und legte mich spaßeshalber auf den Rücken, um dahin zu treiben.
Halfdan jammerte, dass die kleinen Fische ihn zwickten und wollte wieder raus.
Ich beteuerte, dass die kleinen Fische nur am Ufer wären und bat ihn flehentlich sich ein Herz zu fassen und zu mir zu kommen.
Doch er kehrte mir wiederum den Rücken.
Und da war ich endgültig am Boden zerstört und enttäuscht.

Da ließ ich diesem Mann eine schier ungeheure Ehre zu Teil werden und führte ihn an meinen allerheiligsten Ort und er entweihte ihn mit seinem mimosenhaften Gejammer!

Ich rief noch ein paar mal nach ihm, aber er schüttelte den Kopf.

Ich kam raus, zog mich an und unterließ es ihn meine Enttäuschung spüren zu lassen. Ich verlor kein einziges Wort über die ganze Angelegenheit.
Es hätte ohnehin nichts geändert.

Anstatt wenigstens die Energien und den Frieden der Umgebung auf uns wirken zu lassen, wurde Halfdann bald ungeduldig. Er langweilte sich.
Er bat mich, ihn herum zu führen. Er wollte den See umrunden und die Westbrüche erkunden.
Ich hatte ihm dummerweise von den Westbrüchen erzählt, hätte allerdings nie damit gerechnet, dass er von mir dort hin geführt werden wolle.
Es ist kein guter Ort. Es ist Wildschweingebiet und sehr gefährlich.
Außerdem haben Menschen dort nichts verloren. Das Wasser dort ist stehend und der Boden rundherum teilweise sumpfig. Außerdem ist der Abstieg dort sehr viel riskanter, weil die Hänge dort steil und bröselig sind.
Wenn man es dann hinunter geschafft hat, sitzt man erst mal in der Falle und kann nicht so schnell wieder heraus.
Trotzdem wollte er dort hin.
Die zahlreichen Knochen die wir dort und auch auf dem Weg dort hin fanden, kümmerten ihn nicht.
Ich war sehr in Sorge, dass er die Gefahr unterschätzt. Ein Mann aus Braunschweig hat doch überhaupt keine Ahnung vom Klettern an Felshängen oder vom Verhalten wilder Tiere in unberührten Waldgebieten.
Vorsichtig führte ich ihn durch das hüfthohe Ginster-Dickicht und zeigte ihm die Fährten und die Wildscheinexkremente, die ich fand.
Wir hatten Glück, dass es heißer Mittag war.
Die Luft war rein.
Im wahrsten Sinne.

Trotzdem war ich heilfroh, als wir diesen Teil unserer Route endlich hinter uns gelassen hatten.

Dieser unmögliche Mann!
Wir hätten nie dort hin gehen dürfen...
Auf einem versteckten Plateau haben wir das verwaiste Lager eines Aussteigers gefunden.
Wer auch immer dort draußen gehaust hatte, er hatte eine Menge Müll hinterlassen und zahlreiche Bäume mit der Axt massakriert.

Abends habe ich ihm Schweinemedaillons gebraten und Kartoffelsalat gemacht.
Er hat kaum etwas davon angerührt, obwohl es sehr lecker war. Er mag Schweinefleisch nicht so sehr und isst wohl generell nicht viel. Er bevorzugt türkische und russische Küche.
brrrrr...

Nach dem Essen haben wir die Kinder abgeholt.
Meine Mutter wollte ihn nicht sehen. Er musste draußen warten und er war ziemlich angepisst geswegen.
Poor Angel war das egal. Sie will von meinen Männergeschichten nichts mehr wissen.
Sie findet es auch nicht in Ordnung, dass ich die Kinder da mit einbeziehe.

Sie sagt, ich soll ficken wen ich will, aber sie damit in Ruhe lassen.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie sich das für mich anfühlt.
Seit ich Brander betrogen habe, sieht sie in mir nur eine Hure.

...

Die Kinder haben schnell Gefallen an Halfdan gefunden.
Sie plapperten unermüdlich auf ihn ein und erzählten ohne Luftzuholen alles was ihnen einfiel. Sie zeigten sämtliche ihre Kunststücke und waren alles in allem sehr aufgeschlossen.

Nach einem gemeinsamen Filmeabend gingen sie auch sehr anständig ins Bettchen.
Wir dagegen schlossen uns im Wohnzimmer ein und ich probierte für ihn meine neuen Dessous an.
Er war begeistert und machte lauter Fotos von mir.
Dann hatten wir nochmal Sex, obwohl er eigentlich schon empfindlich geworden war und eine Pause gebraucht hätte.
Dennoch schwor er, dass seine Orgasmen von mal zu mal intensiver zu werden schienen.
Ich fasste das als Kompliment.

...

Am Sonntag machte ich Pfannkuchen für alle.

Anschließend zog ich mir und den Mädchen die Mittelalterkleider an, machte allen hübsche Frisuren und packte ein bisschen Zeug ein für einen kleinen Ausflug.
Ziel war die Kaiserpfalz.

Der Ort ist friedlich und ruhig und nicht allzu weitläufig.
Ideal um Halfdan mal ein bisschen zu entschleunigen.
In der Tat war er mit so viel Ruhe überfordert.
Er wusste nichts mit sich anzufangen und konnte nur schwerlich seinen Bewegungsdrang zurück schrauben, um einfach nur neben mir im Gras zu sitzen.
Wir schauten den Mädchen beim kämpfen zu.
Honigdachs hatte ein Holzschwert und Sternchen eine Schaumstoff-Axt und einen Schild.
Nachdem den Kindern klar wurde, wie lustig das "Sterben" war, wollte auch keiner mehr gewinnen.
Am Ende purzelten die Kinder wie kleine Schwalben im Gras umher, kaum dass auch nur ein einziger Treffer gelandet hätte.
Ich habe so gelacht!

Auf dem Heimweg durfte Halfdan dann erleben, was es heißt kleine Kinder zu haben.
"Ich hab müde Beinchen!"
"Ich will in den Schatten!"
"Ich hab Durst!"
"Sind wir bald da?"
"Ich will getragen werden!"
[...]
Irgendwann hat Halfdan Honigdachs auf seine Schultern gesetzt, was die kleine Maus sehr entzückt hat. Fröhlich hat sie seine ganze Frisur durcheinander gebracht.^^

Als wir zu Hause waren machte ich Mittagessen und packte die Reisetasche der Kinder.
Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hatte Urlaub genommen und wollte nachmittags gegen 16 Uhr die Kinder für eine Woche mitnehmen.
Da Halfdan keine Lust auf Konfrontationen hatte, hat er sich sehr schnell und lange vor der Zeit aus dem Staub gemacht.
Ich trags mit Fassung.
Der Mann ist ein Feigling.

Die Mädchen dagegen rannten die Treppe hinunter, kaum dass mein Ex-Mann klingelte und riefen noch vor der Begrüßung, dass "Mamas neuer Freund" bei uns übernachtet hatte.
Ich stand oben im Flur und schlug leise die Hände überm Kopf zusammen.
Aber es gab keine Szene und kein Geschrei.
Und selbst wenn, dann hätte ich das auch mit Fassung getragen...

Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt ist nicht lange geblieben.
Er hat gierig den restlichen Kartoffelsalat gegessen und mir noch eine Zigarette gedreht. Er war sehr freundlich.

Jetzt sind alle weg und ich bin allein in der Wohnung.

Es ist ziemlich still hier.
Beinahe unheimlich.

Habe spaßeshalber eine alte Schulfreundin angeschrieben, die mit mir in der Oberstufe gewesen war. Sie heißt Fellmaus. (So hab ich sie früher immer genannt.)
Sie hat mittlerweile auch zwei Kinder und eine zerrüttete Ehe und freut sich herzlich über meine Kontaktaufnahme.

So wie es aussieht ist sie immernoch ein bisschen in mich verliebt.
Sie erzählt, dass sie noch alte Aufnahmen von uns hat, wo wir damals Bodypainting und so gemacht hatten.
Hey, ich war 18 und experimentierfreudig!

Jetzt möchte sie mich gerne treffen und ich weiß gar nicht so genau was ich sagen soll.
Eigentlich möchte ich sie auch gerne treffen.
Sie ist immernoch bildschön und hat lange engelsblonde Locken.
Andererseits weiß ich ganz genau was passieren wird, wenn ich Fellmaus wieder sehe....
Ich werd meine Finger kaum bei mir behalten können.
Sie ist so puppenhaft süß und hat ein bisschen Liebe verdient.
Fellmaus ist einer jener seltenen Menschen, die dieses gewisse unschuldige innere Leuchten in sich tragen. Wenn sie lächelt ist das wie Geigenspiel und Weichzeichner in einem kitschig-romantischen Schwarzweiß-Film.
Und ihre saphierblauen Augen funkeln wie das Glitzern von Wellen auf denen Sonnenstrahlen tanzen.
Ihre samtigen Lippen fühlen sich an wie reife Himbeeren über die man drüber streicheln möchte. Dann kommt ein kleines spitzes Kinn, gefolgt von einem schlanken Hals mit einer kleinen süßen Kerbe darunter und dann diese traumhaft milchweiße Haut ihrer schmalen feingemeißelten Schultern bis hin zum Ansatz ihrer wohlgeformen üppigen.... AAHHH was mach ich hier eigentlich??!?!?!!

Alter Schwede...

Es ist spät.
Ich gehöre dringend ins Bett!

*Kopf mehrfach auf Tischplatte knall*








20.7.20 00:39, kommentieren

Honigdachs feiert Geburtstag

 

Am Samstag wurde mein kleiner Honigdachs 4 Jahre alt.

Einerseits ist es schön, dass sie im Sommer Geburtstag hat, andererseits macht es die ganze Planung unnötig kompliziert.

Corona wäre jetzt nicht so sehr das Problem gewesen…. es ist die Urlaubszeit und die einhergehende Reiselust anderer Eltern, die mir jährlich einen Strich durch die Rechnung macht.

Das ist auch der Grund, warum Honigdachs noch nie einen Kindergeburtstag feiern konnte.

 

Nichtdestotrotz haben wir uns über die Jahre eine kleine Tradition erschlichen: der Freizeitpark in Steinau.

Der Park liegt eine gute halbe Stunde entfernt und bietet allen voran den jüngsten Besuchern eine ganze Menge Spaß und Action.

 

Bisweilen haben Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt und ich eine vernünftige Regelung gefunden: Ich zahle alle Geschenke und er zahlt den Eintritt in den Park. Damit hält sich die Sache immer die Waage.

 

Diesmal sind wir anschließend sogar in einer nahegelegenen Hähnchenfarm essen gegangen, weil Honigdachs Hähnchen so sehr liebt (vor allem die Knusper-Haut).

Weil das Essen sehr teuer war, habe ich 20 Euro dazu gegeben.

 

Zu Hause durften alle noch die Eiskönigin 2 gucken und Süßigkeiten futtern und dann ging es fröhlich ins Bettchen.

 

 

Am nächsten Morgen schlicht Honigdachs zu mir ins Zimmer und weckte mich.

Als ich fragte, ob das nicht ein toller Geburtstag war, hat sie etwas seltsames gesagt.

Zuerst war sie natürlich begeistert und hat mir erzählt, was ihr alles am besten gefallen hat. Aber dann wurde sie nachdenklich und meinte: „Eine Sache ist komisch gewesen.“

„Was denn?“, wollte ich wissen.

„Na, dass der Papa mir gar kein Geschenk gegeben hat!“

Da nahm ich sie ganz fest in den Arm und beteuerte, dass der Papa sogar das teuerste und beste Geschenk gemacht hatte.

Ich erklärte ihr, dass wir ohne Papa niemals in den Park gekonnt hätten. Und dass der Papa uns auch das leckere Essen vergönnt hatte.

Ich gab mir größte Mühe ihr das zu erklären und unterließ es tunlichst darauf herum zu reiten, wie wenig Lust Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt daran empfindet, Geschenke auszusuchen oder sich generell Gedanken zu machen, worüber andere sich freuen würden.

Das ist etwas was er ihr gerne selber erklären kann …….in vielen  vielen Jahren.

 

 

Halfdan hat sich den ganzen Tag nicht ein einziges Mal gemeldet.

Ich weiß, dass er mit seinem Sohn in Celle bei Freunden zum lagern war und weder Empfang, noch Strom oder gar fließend Wasser hatte.

Da konnte ich ihm schlecht einen Vorwurf machen.

Weit tragischer finde ich, dass er komplett vergessen hatte, dass Honigdachs Geburtstag hatte.

An solchen Dingen messe ich das Interesse eines Mannes.

Wenn ihm Termine und Ereignisse betreffend meine Wenigkeit weniger wichtig sind, als sein privates Vergnügen, dann ist er ein Egoist.

Aber ich finds klasse, dass er mir haufenweise Fotos geschickt hat, wie er und seine Kumpels sich vollaufen ließen… Ich verleihe ihm hiermit offiziell einen Stern für den Partner des Monats….

 

 

Nächstes Wochenende wollte er eigentlich mit seinem Sohn zu uns kommen.

Seine Ex hat jetzt allerdings kurzfristig beschlossen mit dem Kind 3 Wochen zu verreisen, so dass Halfdan mir allein die Ehre gibt.

Als ich fragte, ob ich die Mädchen woanders unterbringen sollte, meinte er allerdings, dass er sie unbedingt kennen lernen wolle.

Seltsamer Typ.

 

Ich würd ja lieber f#cken…

 

 

 

 

 

13.7.20 10:16, kommentieren

Beschissenes Liebesleben

 

Gestern saß ich da und habe mir ernsthaft Gedanken gemacht, woran es liegt, dass Halfdan so wenig Begeisterung für Sex mit mir hegt.

Eigentlich zieht sich das wie ein roter Faden durch mein Leben.

Keiner meiner Beziehungspartner wollte mit mir schlafen.

Die einzige Ausnahme ist vielleicht Brander. Er war der einzige, der es mochte. Auch hat er mit mir oft anzügliche Nachrichten getauscht.

Das war so der Lichtstrahl in meinem Leben, der mich hoffen ließ, dass es vielleicht doch nicht an mir liegt.

Jetzt bin ich wieder in Zweifel geraten und könnte mir die Augen auskratzen vor Unglück.

 

Was habe ich gemacht?

Ich habe die Orion-Homepage durchstöbert und diverse Reizwäsche gekauft.

Vielleicht kann ich damit die Gedanken des Mannes auf die richtige Spur bringen?

Ich weiß es nicht.

 

 

Leute, ich will kein falsches Bild von mir abgeben. Ich bin eine ganz normale Frau.

Ich sehe nicht schlecht aus, bin 33 Jahre alt, 1,72 m groß und wiege 61,5 kg (Stand heute morgen). Meine Augen sind groß und blau-grün und meine langen Haare sind rotbraun gefärbt.

An mir ist überhaupt nichts abstoßendes!

Ich wasche/dusche mich täglich, kreme mich von Kopf bis Fuß ein und rieche meistens nach Maiglöckchen- oder Erdbeerparfum. Meine Haut ist hell und weich und hat vielleicht ein paar Sommersprossen.

 

Ich tendiere nur leider zu einem nymphomanischen Hunger, den keiner so recht verstehen will.

 

Aber nachdem ich meine besten Jahre an Männer verschwendet habe, die mich nicht anfassen wollten, bin ich langsam echt verzweifelt.

 

Was mache ich falsch?

Suche ich mir die falschen Typen aus?

 

Ich bin bei meiner Wahl nicht oberflächlich. Mein Exmann war z. B. 20 Jahre älter als ich und hatte Falten.

Aber sein Motto war immer: Porsche fährt man nicht, man besitzt ihn nur zum vorzeigen.

 

Es ist zum heulen.

 

 

 

 

Als ich Halfdan die Bilder von den Dessous zeigte, fand er das sogar ganz nett.

Er erklärte, er sei gern dominant im Bett.

Daraufhin habe ich versucht ihn auf devote Weise in Stimmung zu bringen. Hab ihm beschrieben, was er alles mit mir machen dürfe. Dass er mich schlagen dürfe und gewaltsam nehmen… Von Weinen bis Flehen war alles dabei.

Und das fand er dann geil.

 

Mich macht das ganze sehr sehr nachdenklich.

 

 

Die Grenze zwischen Dominanz und Sadismus ist manchmal nur ein schmaler Grat.

Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vor sich geht.

 

Aber dass er auf solche Phantasien abfährt ist eigentlich kein so gutes Zeichen.

 

 

Ich wünsche mir Brander so sehr zurück.

 

Gleichzeitig hab ich aber auch Angst davor.

Brander war einfach zu stark für mich.

Ich wäre an seiner Seite irgendwann verkümmert.

 

 

Das was ich bräuchte, wären ein paar Liebhaber, die mich gelegentlich glücklich machen und die mich zu meinen mittelalterlichen Abenteuern begleiten.

 

 

Ich hab so sehr die Schnauze voll von Männern, die immer gleich an heiraten und Kinderwunsch denken, aber ansonsten unbefriedigende oder gar keine Liebesdienste vollbringen.

 

 

Es ist zum KOTZEN!!!

10.7.20 10:59, kommentieren

500 Euro für die Götter



An dem Tag vor meiner Abreise habe ich nochmal großzügig eingkauft und meine Wohnung aufgeräumt, in der Hoffnung, dass Halfdan mich vielleicht hier her begleiten würde.
Er hatte es nicht direkt versprochen, aber die Idee war seine gewesen.

Nach rund zweieinhalb Stunden war ich in Erfurt und fand auch ziemlich schnell den vereinbarten Treffpunkt.
Ich war überglücklich ihn wiederzusehen.
Ehrlich gesagt war ich nicht ganz sicher, ob mich nicht etwa ein Hexenprozess erwarten würde. Wir hatten uns nämlich zuletzt über whatsapp gestritten. Irgendwie habe ich ihn wohl irgendwann mal aus Versehen blockiert, so dass seine Anrufe automatisch abgelehnt wurden. Naja, aus Versehen nicht ganz. Aber aus Versehen vergessen wieder frei zu geben. Oder so...
Mir war das auch ein bisschen peinlich.
Ich konnte ihm nicht einmal mehr genau sagen, warum ich das mal tun musste. Ich glaube, das war schon ein paar Wochen her. Da war mein Exmann zu Besuch und ich hatte Angst, dass Halfdan anruft und mich in Erklärungsnot bringt.

Na jedenfalls schien er mich noch lieb zu haben.

Dann kam sein Kumpel und dessen Gefährtin zu uns auf den Parkplatz und wir begrüßten einander.
Ich war ein wenig wütend auf Halfdan, dass er mich bis zuletzt nicht aufgeklärt hat, wie der ganze Ablauf aussehen würde.
Alle sind einfach so wie selbstverständlich samt massenhaft Gepäck in meinen Wagen gestiegen und wollten von mir mitgenommen werden.
Die junge Frau lotste mich kreuz und quer durch die Innenstadt - hatte dabei allerdings eine solche Rechts-/Linksschwäche, dass ich sie am liebsten aus dem fahrenden Auto geworfen hätte.
Dann kamen von hinten die typisch männlichen klugen Bemerkungen betreffend meines Fahrstils....

Es war SO schön! -.-

Ich parkte in einer Tiefgarage beim Bahnhof und wir liefen zu Fuß weiter.
Da ich immernoch nicht wusste, was mich erwartete und welchem Event wir entgegen gingen, ließ ich einen Großteil meiner Ausrüstung im Kofferraum zurück.
Später habe ich das ein wenig bereuht. Ich hätte gerne mein Handarbeitszeug dabei gehabt.

Aber zuerst kamen wir am Hotel vorbei und checkten ein, damit wir schon mal eine Schlüsselkarte hatten. Es würde spät werden, bis wir zurück kämen.

Und dann ging es los.
Auf einem großen Platz trafen wir weitere Bandmitglieder.
Alle hatten mittelalterliche Instrumente bei sich und eine große Truhe voll CD's, die sie verkaufen wollten.

Im 20-Minuten-Takt hielten sie ihre Auftritte an mehreren verschiedenen Orten.
Die Leute waren begeistert.
Halfdan und ich machten Werbung für das Mittelalter. Wir machten Fotos, Videos und stellten uns in mittelalterlicher Gewandung zur Schau. Ich habe auch ein bisschen getanzt.
Halfdan allerdings hat Angst vorm tanzen und hat sich stoisch davor gedrückt.
Ansonsten habe ich nicht viel getan.
Ich habe der Musik gelauscht, Halfdans Haare geflochten, mit ihm geknuddelt und Händchen gehalten.
Zwischendurch haben wir auch mal Pausen gemacht und was gegessen und getrunken.
Mich hat es sehr gestört, dass alle - Halfdan nicht ausgeschlossen - permanent Bier saufen mussten! Das ging schon morgens um halb elf los.
Und ständig diese verständnislosen Mienen, wenn ich dankend abgelehnt habe.

Halfdan kam immer wieder zu mir und wollte vorsichtig gekrault werden. Sein Rücken ist frisch tätowiert und die Haut löst sich in Fetzen. Das juckt ihn.
Ich finde, das geschieht ihm Recht.
Menschen, die mehrere tausend Euro für schlecht gestochene Tattoos ausgeben, haben es nicht besser verdient.

Dann hat er mich allein gelassen und ist mit ein paar seiner Kumpels los gezogen, um Bier und Grillzeug zu organisieren.
Ich blieb mit einigen anderen Spielleuten zurück. Nach einer Weile nahmen sie mich mit zu einer Zitadelle, wo sich später alle wieder treffen wollten.
Es war bereits später Nachmittag und ich war komplett von der Sonne verbrannt. Meine Arme taten schrecklich weh.
Endlich konnte ich in den Schatten.

Ich war so müde, dass ich auf der Wiese schnell eingeschlafen bin.

Das Geräusch von raschelnden Chipstüten weckte mich schließlich.
Ich war hungrig und bediente mich. Die Spielleute unterhielten sich und ich hörte zu.

Ich war bereits sehr ungeduldig geworden, als Halfdan endlich mit dem Auto seines Kumpels ankam.
Gemeinsam bauten wir den Grill auf und er machte dann Feuer.
In dem Park bei der Zitadelle schien das wohl nicht verboten zu sein.

Nach dem Essen gingen Halfdan und ich ein Stück spazieren und sahen uns alles an. Besonders interessant fand er die alten verfallenen Gemäuer aus der Stasi-Zeit.

Ich dagegen fand ein paar Heilkräuter und einen Hasen, der sich wohl verirrt haben musste. Für mich in der Anblick eines Kaninchens in der Stadt nichts besonderes. Aber einen richtigen Hasen sieht man nicht alle Tage.
Halfdan war sehr nett zu mir. Er suchte immer wieder meine Nähe und genoss jeden zärtlichen Kontakt.
Und ich fühlte mich gut bei ihm aufgehoben.

Und dann ging mein Handy-Alarm los...
21 Uhr. Zeit für die Pille.
Voller Panik merkte ich, dass die Packung im Rucksack in meinem Kofferraum war. Jetzt hatte ich es sehr eilig.

Bis wir uns dann aber endlich von den anderen verabschiedeten war es aber schon 22 Uhr.

Zu Fuß führte ich uns das Stück des Weges zurück, welches ich mir noch hatte merken können. Den Rest fanden wir über sein Handy.

Am Auto holten wir erstmal unser Zeug und ich nahm die Pille.
Dann half er mir die Sachen zu tragen, bis wir am Hotel waren.

Im Zimmer angekommen überreichte ich Halfdan ein Geschenk: Eine grüne Mittelalter-Tasche und eine selbstgenadelte Mütze.
Er hat sich sehr darüber gefreut.

Halfdan baute einen Joint und wir gingen nach draußen, um in der Dunkelheit einen geeigneten Ort zu finden.
Leider war es rund um das Hotel wenig anheimelnd, so dass wir im Lichtkegel des Eingangsbereichts blieben um dort zu kiffen.
Auf einmal kam ein Typ in unsere Richtung.
Ich hab ihn mir nicht genau angesehn und kann ihn daher nicht mehr beschreiben. Ich glaube es war irgendwas Südländisches.
Halfdan schob mich schnell beiseite, als der Fremde schimpfend an uns vorbei stürmte und durch die Schiebetür in den Eingang des Hotels trat. Dort hatte er offensichtlich keine Chipkarte und konnte nicht weiter.
Da zückte er ein dickes Bündel Geldscheine und warf es gegen die Wand, dass die Scheine im ganzen Eingang verstreut lagen.
Es waren 50er, 20er, 10er und 5er. Insgesamt vielleicht 500 € oder mehr.

Halfdan und ich waren sehr erschrocken. Ich bekam sogar richtig Angst.
Zuerst glaubte ich an einen Versteckte-Kamera-Scherz. Dann kam uns der Gedanke, dass das Geld vielleicht gefälscht oder gar verflucht sein könnte.
Wir sahen uns an und waren uns einig, dass wir es nicht anrühren würden.
Ich sagte zu Halfdan, dass ich mir von den Göttern lieber eine glückliche Verbindung mit ihm wünsche.
Und auch er war der Ansicht, dass wir dieses Geld überhaupt nicht brauchten.
Er kehrte es beim eintreten mit dem Fuß zur Seite und wir ließen es leichten Herzens hinter uns.

Oben angekommen kam uns die Dusche wieder in den Sinn.
Als ich mich aber im Bad ausgezogen hatte, drückte er mich unvermittelt nach vorn über den Waschtisch und nahm mich von hinten.
Das kam ein wenig überraschend.
Und es tat ob seiner Länge auch wieder ein bisschen weh.
Irgendwann versagten meine Beine. Ich fühlte mich schwach und kaputt. Mein Kreislauf ließ mich im Stich.
Halfdan hob mich auf seine Arme und trug mich zum Bett.
Dort nahm er eine neue Stellung ein, die ich noch gar nicht kannte und die ich auch nicht so recht beschreiben kann, und machte weiter.
Es tat zwar immernoch weh, aber ich fühlte mich deutlich besser im Bett.
Es dauerte auch wirklich nicht lange, da war er fertig.
Ich fragte, ob es sich ohne Gummi jetzt anders anfühlt und er nickte ohne zu zögern und meinte dass es einen großen Unterschied mache. Er könne jetzt sehr viel mehr spüren: wenn ich enger werde, wenn ich feucht werde, etc.

Endlich endlich folgte das langersehnte gemeinsame Duschen, worauf er ganz besonders viel Wert legt.
Ich weiß nicht. Bin ich jetzt doof, wenn ich sage, dass ich lieber alleine dusche?
Naja, es macht mir nichts aus, das Wasser mit ihm zu teilen, aber es bringt meine ganze heilige Reihenfolge durcheinander...

Nach dem Abtrocknen streifte ich nur ein leichtes Nachthemd über und ging noch einmal mit ihm nach unten, um im Hinterhof diesmal mit ihm zu rauchen.

Dann gingen wir ins Bett und machten den Fernseher kurz an.
Ich aß ein paar Kekse, krümelte alles voll, wurde dann müde und ging Zähne putzen.
Als ich zurück ins Bett stieg, schlief Halfdan schon.

...

Am nächsten morgen hatten wir Ärger mit dem Frühstück.
Halfdan hatte vergessen das bei seiner Reservierung mit zu buchen und ich war ein bisschen verstimmt deswegen.
Es bedeutete nämlich, dass wir etwas früher als gedacht auschecken mussten.
Nix mit ausschlafen oder nochmal kuscheln oder Sex....
Der Herr brauchte nämlich seinen Kaffee!

Ich beeilte mich. Packte mein Zeug, zog mir zivile Sachen an und machte mich im Bad ein wenig zurecht.
Ich hätte mir gern eine schönere Frisur gemacht, aber ich konnte nicht, weil ich ja gehetzt wurde.
Dieser Mann ist UNMÖGLICH!
Ständig sind wir auf der Flucht! Der kann aber keine ruhige Minute genießen...
Vielleicht sollte er mal weniger Drogen nehmen?

Wir checkten also aus, brachten das Gepäck in mein Auto und suchten uns ein Straßencafé wo wir frühstücken konnten.
Ja, das wieder schön!
Das Frühstück war sehr aufwändig und liebevoll zubereitet.
Mit Rührei, Brötchen, Marmeladen, Wurst, Käse, Obst und Rohkost.
Ich war sehr sehr seeeeehhhhhhr glücklich!!! Auch der Kaffee und der frische Orangensaft waren toll.
Ich glaube dieses Frühstück war das beste an meinem ganzen Trip in den komischen Osten. Es war sogar besser als der Sex gewesen.

Dannach brachte ich ihn zu seinem Auto und wir fuhren Konvoi nach Eisenach.
Ziel war die Wartburg.

Auf dem Parkgelände haben wir uns rasch wieder die Kostüme angelegt und haben der Burg die Show gestohlen.
Alle waren begeistert von uns.

Den Eintrit in die Burg habe ich bezahlt. Es war mir ein Bedürfnis ihn auch mal einzuladen.
In der Burg gab es einen Saal wo alles golden geglitzter hat! Das fand ich sehr eindrucksvoll!
Auch der Rest war zum Staunen.
Ich habe viele Fotos gemacht.

Nach dem Rundgang wollte ich sehr gerne mit ihm zur Sängerwiese pilgern, um mit ihm noch ein paar letzte Stunden zu chillen. Auch hatte ich diesmal Wolle dabei und wollte unbedingt Maß nehmen, um ihm anständige Socken zu binden.
Allerdings ist dieser unmögliche Mann EINFACH NICHT IN DER LAGE zu chillen!
Ich weiß nicht warum, aber er fand es vergnüglicher mich KILOMETERWEIT durch den ganzen VERDAMMTEN WALD die BESCHISSENEN BERGE RAUF UND RUNTER zu jagen!
Meine Oberschenkel waren unter dem Kleid am Ende so wund, dass ich sie mit meinen Armwickeln bandagieren musste.
Vielleicht hatte der arme Mann ja Angst, ich könnte ihn noch einmal Verführen????
Ich weiß ja auch nicht....
Schließlich hat ER doch darauf bestanden, dass ich ohne Unterwäsche rum renne, dass mir die Feuchtigkeit die Schenkel runter läuft!
Und ich blöde Kuh, nehme auch noch ihm zuliebe die beschissene Pille!
Ich frage mich nur langsam, wofür überhaupt???
Tja, konnte ja keiner Ahnen, dass manche Männer ihre Muskete erst mal wieder wochenlang nachladen müssen.... Oh Mann, Fuck!
Zumindest hatte ich Schmerzen beim laufen. Und er war Schuld daran.
Es war NIE  geplant gewesen, eine solche Gewalttour von 6 VERFLUCHTEN STUNDEN in mittlalterlicher Gewandung zu machen!
Auch das war seine Schuld!
Außerdem hätten wir uns bestimmt nicht verlaufen, wenn er vorher mal eine Karte besorgt oder wenigstens gespeichert hätte.
Im Wald hatten wir jedoch keinen Empfang mehr.
Meine armen Schuhe! Die sind vom Schotter jetzt ziemlich in Mitleidenschaft gezogen...
VIELEN DANK!!! VIELEN SCHMERZLICHEN DANK!!!!!!

Wen wundert es da, wenn ich vielleicht irgendwann auch mal etwas zickig wurde?
Aber das hat ihm dann gar nicht gefallen und er wurde sehr ernst und wies mich mit aller Strenge zurecht.
Daraufhin sagte ich eine Weile gar nichts mehr. Ich schmollte und beschäftigte mich mit meinen eigenen Gedanken.
Außerdem war ich voll wütend.

Als er merkte, dass ich ihm nicht mehr antwortete, schnappte er mich am Gürtel, drehte mich zu sich um und zwang mich ihn anzusehen. Er wollte, dass ich mich erwachsen benehme. Er fragte auch, ob wir umkehren sollten.
Das war nicht fair.
So kurz vor dem Ziel war ich zu neugierig um umzukehren!

Nur wenige Minuten später fanden wir den Eingang in die Drachenschlucht.
Es war wunderschön!
Steil aufragende und mit dickem Moos gepolsterte Felshänge an denen unablässig Wassertropfen herunter rannen. Da und dort ein paar kleinere Wasserfälle und interessante Felsformationen.
Und überall in der Schlucht ein feuchtkühles herrliches Klima.
Sogar eine fluoreszierende Algenart habe ich entdeckt!
Auch hier konnten wir wieder viele tolle Fotos machen.

...

Als wir zu unseren Autos an der Wartburg zurück fanden, war es bereits Abend und wir mussten uns rasch verabschieden, weil er es eilig hatte.

Ich stand da mit sehr gemischten Gefühlen.
Sicher, es war nicht alles so gelaufen, wie ich es mir erträumt hatte.
Aber er hatte die ganze Zeit gut auf mich aufgepasst und mich mehrfach festgehalten, wenn es unterwegs steil und rutschig geworden war.
Ohne Wanderschuhe und auf flachen Mittelaltersohlen bin ich einfach nicht so trittsicher unterwegs wie bei meinen sonstigen Wanderungen.
Ich war traurig, dass wir uns wieder für zwei Wochen trennen mussten.

Er gab mir zum Trost ein T-Shirt von sich mit.
Damit konnte ich knuddeln wenn ich einsam war, denn es roch noch ein bisschen nach ihm und das war gut.

Eine Zeitlang fuhr ich hinter ihm her, bis unsere Navis uns in verschiedene Richtungen lotsten.
Am Ortsende sah ich plötzlich seine Lichthupe im Rückspiegel und er war hinter mir.
Ich schöpfte Hoffnung.
Vielleicht hatte er es sich überlegt und würde mir folgen?

Doch als ich auf die Autobahn Richtung Frankfurt abbog, trennten sich unsere Wege wieder und ich musste damit leben.

Später hat er mich noch angerufen und mir gesagt, dass er einen Augenblick lang mit dem Gedanken gespielt hatte, mir zu folgen. Und er schalt sich einen Esel, dass er es nicht getan hatte, denn er vermisste mich.
Das fand ich voll süß.

Daraufhin habe ich meinen Facebookstatus auf Beziehung umgestellt.


Meine Götter, wo soll das alles nur hinführen?


6.7.20 21:38, kommentieren

Nur ganz kurz



Es ist schon spät und ich muss morgen wieder früh raus.
Darum nur ein paar kurze Worte zum Stand der Dinge...


Also erstens: Ich weiß nicht was Brander mit Jarl Sowieso hat. Zwar hat er mich vor dieser Person auf Facebook gewarnt, aber ich kann seine Aussage nicht bestätigen.
Ihr wisst, ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht eine eigene Meinung bilden würde.

Im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Kontakt zu Jarl Sowieso aufzunehmen - schon gar nicht jetzt, wo ich Halfdan habe. Aber Branders Gerücht hat mich neugierig gemacht.
Tatsächlich ist aber nichts weiter dran an der Sache.
Dieser Jarl Sowieso ist ein Typ wie jeder andere. Es hat keine zwei Stunden gedauert, da hat er mir seine Nummer aufgedrängt und ich hab den Kontakt wieder eingestellt.
Ansonsten gibt es nicht viel über ihn zu sagen. Jarl Sowieso ist ein mittelschlechter Künstler mit fragwürdigem Geschmack. Das einzig interessante an ihm sind seine Kenntnisse in Sachen Botanik und Heilkunde. Ansonsten ist er ein harmloser Schürzenjäger mit dem ich spielend fertig werde.
Um Brander zu ärgern habe ich ihn auf meine Freundesliste geholt.
Jarl Sowieso ist nett und freundlich und ehrlich und ...naja...ziemlich langweilig.

Allein die Tatsache, dass er mir nicht sagen wollte, warum er aus allen Mittelalter-Facebook-Gruppen ausgetreten ist, hat mich stutzig gemacht.
Trotzdem erkläre ich das Kapitel des "bösen" "schlechten" "gefährlichen" Jarl Sowieso für abgeschlossen. *Augenroll*


Zweitens:
Ich nähe mir aktuell die Finger wund für ein neues Kleid, welches bis kommenden Freitag fertig werden muss.
Halfdan und ich wollen uns wieder treffen.
Nächsten Samstag sind wir zu einer kleinen mittelalterlichen Veranstaltung in Erfurt eingeladen. Seine Band macht dort Musik und irgendjemand feiert auch Geburtstag. Es wird also feuchtfröhlich.
Abends gehen wir noch in eine Mittelalterkneipe, die er mir unbedingt zeigen will. Bin ja mal gespannt.
Den Sonntag wollen wir zu zweit auf der Wartburg verbringen.

Da Halfdan sich irgendwie unwillig zeigte, mit mir die Wonnen zu teilen, habe ich eine Kleinigkeit vorbereitet.
Ich nehme wieder die Pille. Das heißt, er kann mich ohne Gummi und jederzeit überall besteigen wann immer er Lust hat.
Vielleicht macht ihn das ja etwas ... kontaktfreudiger...

Das war auch ein hartes Stück Arbeit, denn wegen des anhaltenden Ärztestreiks konnte ich seit zwei Jahren - also seit meinem Umzug - bei keinem Frauenarzt unterkommen.
Ohne Rezept kriegt man die Pille jedoch nicht.
Also rief ich zwei Tage lang wieder alle Ärzte im Umkreis an. Jedoch ohne Erfolg.
Zuletzt sogar im Krankenhaus auf der gynokologischen Station.Die gaben mir die Nummer vom ärztlichen Bereitschaftsdienst der Stadt.
Der wiederum gab mir die Nummer von der Terminservicestelle des kassenärztlichen Notdienstes.
Und dort bekam ich einen Vermittlungscode für einen Termin bei einem Frauenarzt im zuständigen Kreisgebiet.
Ich musste den Termin zuerst bestätigen ehe mir die Praxis bekannt gegeben wurde.
Mit diesem 12stelligen Code musste ich die Praxis anrufen und bekam eine Bestätigung für den Termin.
Ich werde den Termin zwar wahrnehmen, weil eine Untersuchung sowieso mal wieder fällig wäre, allerdings wollte ich den angefangenen Zyklus nicht verschwenden.
Also wandte ich mich an eine Art "Vermittler", der mir die Pille für knapp dreißig Euro innerhalb von 24 Stunden beschaffen konnte.
Keine Sorge, die Packung sieht ok aus.
Hab auch schon die typischen Nebenwirkungen.
Es ist definitiv die Pille.

Am ersten Tag nach der Einnahme gingen die Kopfschmerzen los.
Am zweiten Tag hatte ich auch schon ein verschlechtertes Hautbild.
Bald kommt noch Schlaflosigkeit, leichte Übelkeit und sexuelle Unlust hinzu.
Letzteres kann ich verschmerzen. Ich bin sowieso immer zu ...äh... kontaktfreudig.
Ich will ja nicht, dass Halfdan an abgenutzten Beckenknochen stirbt....

Im August habe ich zwei Wochen Urlaub.
Da wollen wir mit allen Kindern zusammen mittelalterlich lagern.

Ich freue mich.

 

 

P.s. So wie es aussieht bin ich von "Hexe" zur "guten Fee" aufgestiegen, was? Ich weiß schon, was ich sagen wollt. Lasst es einfach...

Ich bin eben zu sehr ich!


28.6.20 23:51, kommentieren

Nachricht vom Ex

 

 

Haltet euch fest: Brander hat sich gemeldet!



Dinge mit denen eher zu rechnen war: Sonnenaufgang im Westen, zugefrorene Hölle, eine Woche mit zwei Montagen, Flüsse die bergauf fließen, Geld in meinem Portemonnaie...

 

Ich kann es immernoch nicht glauben.

 

 

Heute während der Mittagspause erhielt ich also zwei Sprachnachrichten von meinem Exfreund Brander.
Ich weiß nicht, warum er sich gemeldet hat. Angeblich nur, um mich vor einer gewissen Person auf Facebook zu warnen, mit der ich mal irgendwann Kontakt hatte.
Ein vorgeschobener Grund wie mir scheint.
Ich glaube, dass er mich auf irgendeine mir nicht einleuchtende Weise testen wollte.

Seltsam auch, dass er sich meldete, nachdem ich wenige Tage zuvor Bilder von mir und meiner neuen Bekanntschaft veröffentlicht habe.

Vielleicht ein Lokistreich?



Ich bin seither in mich gegangen.

Fest steht für mich: ich bin auf Brander geprägt und kann das nie gänzlich überwinden.
Aber was heißt das?

Es heißt etwas schlimmes.

Nichts auf der Welt kann mich jemals wieder glücklich machen.

Nicht Halfdan. Nicht die Kinder. Nicht einmal ich selbst.

Das einzige worauf ich hoffen darf, ist weniger unglücklich zu sein.

Und diese Chance werde ich nutzen.
Mit Halfdan.


Er ist der einzige der alles weiß. Die ganze Geschichte. Und mich trotzdem liebt. Er weiß auch, dass ich noch immer um Brander trauere und will mir helfen - und das obwohl er Untreue scharf verurteilt.

Halfdan braucht mich. Er braucht mich, um sich sicher zu fühlen und geliebt. Kommt mir bekannt vor... Wir sind wie zwei Kinder, die sich hilflos aneinander klammern, aus Angst in der Dunkelheit allein gelassen zu werden.

Ich kann mich zwar nicht öffnen, aber ich kann für ihn da sein und ihm alles geben, wozu ich fähig bin.

Im Gegenzug gibt er mir Sicherheit und lässt nichts unversucht, um mich zu erobern und mich zu beschützen und für immer gut zu mir zu sein.
Und das nicht nur wenn wir allein sind.

Das hat er mir versprochen.

 

Es ist mehr als ich hoffen durfte.

 

 

 

19.6.20 21:16, kommentieren

Halfdan in RL



Selten hat der erste Eindruck mehr getäuscht.

Nachdem ich Halfdan persönlich kennen lernen durfte, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es vielleicht doch Männer gibt, die anders sind als alle anderen.
Aber ich will nicht vorgreifen. Ich erzähle mal der Reihe nach, was passiert ist:

Ich kam also Freitagabend nach dreieinhalb Stunden nervenzerfetzender Autofahrt in Braunschweig an und war von den vielen Autobahn-Baustellen und Staus schon ziemlich fertig mit der Welt.
Es war schwülheiß und ich wollte eigentlich nur noch so schnell wie möglich unter die nächstbeste Dusche.
Halfdan kam zu mir ans Auto und half mir die Sachen hochtragen.
Oben angekommen erwartete mich der erste Schock. Sein 9jähriger Sohn war übers Wochenende da.
Ich begrüßte den Jungen freundlich und nahm dann Halfdan beiseite, um so leise wie möglich zu explodieren.
Im Flüsterton fragte ich, ob er noch alle am Sträußchen hätte und was er sich dabei gedacht habe.
Er dagegen beteuerte, dass er mir irgendwann mal erzählt habe, dass er jedes Wochenende Umgang hätte.
Ich war so wütend. Ich holte mit der Faust aus und alles in mir verlangte dannach, ihm die verlogene Fresse zu pollieren.
Giftig zischte ich ihn an, dass er mit keiner Silbe erwähnt hatte, dass wir ausgerechnet an diesem Wochenende zu dritt sein würden. Ich sagte auch, dass es für mich auch nicht immer leicht ist, die Kinder irgendwo unterzubringen, es aber trotzdem gemanaged kriege. Ich fragte ihn, ob er mich verarschen wolle und nannte ihn ein Arschloch.
Er war total geknickt und irgendwie verständnislos und stand bloß traurig vor mir. Er meinte, es sei doch kein Problem. Schließlich wäre das ja nur ein erstes einfaches Kennenlernen.
Das machte mich noch wütender.
"Warum nimmst du eigentlich keine Rücksicht auf das was ICH will?!", fragte ich ihn vorwurfsvoll, "Von einem Liebhaber erwarte ich etwas anderes! Ich habe mich so sehr auf eine kinderfreie Auszeit gefreut." Ich wollte ihn hart treffen. Ich wollte dass er genauso enttäuscht war wie ich und fuhr fort: "Ich komme her, um mir die Seele aus dem Leib zu schreien, während du mir das Hirn rausvögelst! Aber mit DER Aktion hast du alles versaut!"
Er war geschockt. Und ich muss gestehen, dass ich diesen Moment ein bisschen genossen habe, ihn fertig zu machen.
"Was soll diese Scheiße?! Und selbst bei einem ersten Kennenlernen muss man ja nicht gleich die halbe Verwandschaft involvieren! Hast du noch mehr so Überraschungen geplant? Muss ich vielleicht damit rechnen, dass du mir gleich noch meinen künftigen Schwiegervater vorstellst, oder so?"
Ich hatte mich in Rage geredet und es tat so gut, Dampf abzulassen.
Er versuchte mich zu beruhigen und bot mir an, erst mal eine Zigarette zu rauchen und in Ruhe mit ihm zu reden. Er beteuerte, dass sein Sohn wahrscheinlich die meiste Zeit in seinem Zimmer an der Playstation2 hängen würde und wir genügend Zeit zum Reden fänden.
Ich war so entmutigt und begann meinen Übereifer aus vollstem Herzen zu bereuhen. Einen Moment dachte ich daran, meine Sachen zu schnappen und aus dieser fragtwürdigen Nummer wieder auszusteigen.
Es ist überhaupt nicht mein Stil einem erwachsenen Mann die Spielregeln zu erklären, oder gar seine Hausaufgaben zu machen.
Und ich bebte immernoch vor Zorn.

Das Kind konnte am allerwenigsten etwas dafür und es tat mir leid, falls der Junge von meiner Aufgebrachtheit Notiz genommen hatte.
Nach der Zigarette war ich tatsächlich etwas ruhiger und ich versuchte klar zu denken.
Ganz gleich, was ich geplant hatte, die Götter hatten anders entschieden.
Ich nickte schließlich und meinte, dass ich der Sache eine Chance geben wolle.
Halfdan war sehr erleichtert das zu hören. Für sein seeliges Lächeln hätte ich ihm jedoch am liebsten das Gesicht zerkratzt.

Ich ging ins Bad und wusch mir Gesicht und Hände.
Als ich raus kam, machte Halfdan für seinen Sohn Abendbrot und lud mich ein, mich dazu zu setzen und mich zu bedienen.
Ich hatte keinen Hunger, aß aber trotzdem eine Kleinigkeit und trank zwei Gläser Leitungswasser. Ich war total dehydriert.
Obwohl ich kaum zwei Worte mehr rausbrachte, zwitscherte der Junge fröhlich vor sich hin und erzählte mir alles mögliche.

Auf einmal stand Halfdans Sohn auf, reichte mir die Hand und wünschte mir eine gute Nacht.
Ich war wie vom Donner gerührt.
Das Kind besaß Anstand.
Es war 21 Uhr, als der Junge fröhlich und freiwillig in sein Bett marschierte.
Ich ging zu ihm und entschuldigte mich bei dem Jungen, falls ich irgendwie unhöflich gewesen sein sollte und erklärte, dass ich von der langen Fahrt und meinem Arbeitstag einfach nur sehr müde sei.
Aber der Junge war ein wahrer Sonnenschein und schüttelte nur sein blondes Wuschelköpfchen. Für ihn war alles okay.

Ich ging zurück ins Wohnzimmer und setzte mich äußerst betreten auf die Couch.
Bald kam Halfdan auch dazu und setzte sich neben mich.
Ich war immernoch wortkarg und konnte ihn nicht ansehen. Aber diesmal nicht aus Wut, sondern weil meine Wut verraucht war und ich nicht wusste, was ich sagen sollte.
Halfdan seufzte und fragte, ob ich einen Becher Met probieren wolle.
Ich seufzte genauso und stellte die Gegenfrage, ob er nicht kuscheln möchte.
Da wurde er hellhörig und wollte wissen, ob ich nicht mehr böse sei.
"Nein", meinte ich, "Ich gebe zu, ich rege mich schnell auf, aber ich krieg mich auch schnell wieder ein."
Und ich drückte ihn auf das Sofa und legte mich an seine Seite.
Wir hielten Händchen. Wir streichelten einander. Wir redeten.
Alle seine Träume gingen in Erfüllung und er war glücklich.
Und ich begann mich zu entspannen und den Druck von meiner armen Seele zu schieben.
Vielleicht sollte es einfach so sein, dachte ich.
Vielleicht ist es wirklich mein Verhängnis, immer gleich alles überstürzen zu wollen.
Aber Geduld war nie meine Stärke gewesen.
So nahm ich also, was er mir gab und musste fürs erste damit zufrieden sein.
Innerlich schwor ich mir ihn nach diesem Wochenende nie nie nie wieder sehen zu wollen und  ihn überall zu blockieren.

Im Rahmen unserer Gespräche stellte sich heraus, dass er nicht einmal Kondome im Haus hatte.
Zwar hatte ich welche eingepackt, wollte ihm das jedoch nicht verraten.
Mir war vielmehr daran gelegen, ihn bereuhen zu lassen, keine Vorsorge getroffen zu haben.
Ich weiß nicht, was meine Verbitterung verraten hat, zumindest brachte er mir schnell Schokolade und machte auch eine Flasche Wikinger Met auf.
Verdammt, wie ich das hasse, wenn solche dämlichen Tricks funktionieren....
Nach dem Zuckerrausch und dem Alkohol hat er mir auch noch einen Joint gebaut, was meine Laune deutlich hob.
Dannach war die Stimmung sehr ausgelassen und wir machten Quatsch und redeten Mist und schütteten uns aus vor Lachen.
Und ich war ganz hingerissen von seinen Erzählungen darüber, wie viele Arschlöcher er schon zusammen geschlagen hatte. An seiner rechten Faust ist an einem der Knöchel der Gelenkknorpel geplatzt - so heftig hat er mal zugeschlagen. Echt beeindruckend.
Ich mag Männer, die sich behaupten können.
Das hat irgendwas mit meiner rückständigen Biologie zu tun, schätze ich. Ihr wisst schon. Höhlenmenschen und so. Was weiß ich...

Auch gingen wir ein bisschen auf Tuchfühlung und knutschten rum und hatten schließlich Petting.
Während ich ihm einen runter holte, hat er mich zum Höhepunkt gefingert. (ich hatte extra ein paar Tage keine Hand angelegt, damit er leichtes Spiel hat) Der Orgasmus war wirklich der Hammer. Es war einer von diesen seltenen Höhepunkten, die den ganzen Körper irgendwie mitnehmen. Ich kann es gar nicht beschreiben.
Solche intensiven Momente hat man normalerweise nicht bei einem Fremden. Für sowas braucht es in der Regel viel Vertrauen.
Deshalb hat es mich aufrichtig überrascht.

Später hab ich mich noch flüchtig abgeduscht und bin dann mit nichts weiter am Leib als einem weißen Unterhemd zu ihm ins Bett gestiegen.
Sein Bett ist ziemlich groß und ziemlich hässlich.
Aber es liegt ein riesenhaftes Schafffell darauf, welches aus 6 großen Fellen zusammen genäht worden war, und das hat sich gut auf der Haut angefühlt.

Ich schlief an seiner Seite überraschend gut und wachte morgens auch sehr erholt wieder auf.

Der Samstag verlief deutlich besser.
Das Eis war gebrochen und er gab sich erdenklichste Mühe, den ersten Eindruck wieder wett zu machen.
Er packte alle Frühstückssachen ein, um gemeinsam auf Burg Regenstein zu frühstücken.
Wir tranken nur kurz Kaffee und zogen uns unsere Gewandungen an.
Sein Sohn hatte auch entsprechendes Equipment und nahm sogar einen Kinderschild und einen Speer und ein Holzschwert mit.
Und das war gut, denn ich habe mich später ganz wundervoll mit Halfdan gekloppt. Aber dazu später mehr.

Wir fuhren also zu Regenstein und durften ohne Eintritt zu zahlen hinein, weil unsere Outfits den Leuten so gut gefielen.
Einige Touristen wollten unbedingt Fotos mit uns machen.
Das einzige was mich geärgert hat war, dass wir als "Ritter" bezeichnet wurden. Mehrfach!
Halloooooooo????? Ritter????? Eurer Ernst?!?!?!!!11
Wir sind best renommierte Wikinger! Ich muss doch sehr bitten!

So besichtigten wir also die Burg, respektive das was von ihr übrig war.^^
Unterwegs ließen wir immer ein paar Sprüche fallen, um die Leute zu unterhalten. Wir besprachen unsere Pläne nach erfolgreicher Eroberung und was wir mit den ganzen Christen anfangen würden, etc.
Es war sehr lustig.

Später legten wir uns noch auf eine Wiese in den Schatten und knuddelten aneinander rum.

An anderer Stelle fanden wir einen Ort etwas abseits vom Geschehen und machten dort auch noch mal tolle Fotos.
Dann fing Halfdans Sohn an sich zu brüsten und anzugeben und zu provozieren, bis Halfdan sich zu einem kleinen Duell genötigt sah.
Mir wurde es heiß und kalt, als der Mann mit der Axt auf den Schild seines Sohnes schlug. Ich war nicht ganz sicher, wie viel das kleine Ding aushalten würde.

Schnell sprang ich dazu und spielte die Ablöse. Ich ließ mir das Holzschwert und den Kinderschild geben und nahm Aufstellung, wie Brander es mir einst gezeigt hatte.
Mein einziger Vorteil war, dass Halfdan kein echter Schwertkämpfer ist. Er ist in dieser Hinsicht nur ein Poser.
So konnte ich zuerst ein paar kleinere Treffer landen - natürlich ohne ihm weh zu tun.
Er jedoch machte nicht langes Federlesen mit mir. Nachdem ich ihn mit meinem "Können" überrascht hatte, holte er mit der Axt aus und hätte mir wohl den Schädel gespalten, weil ich für den korrekten Umgang mit dem Schild noch null Erfahrung habe. Aber da hat er nur angedeutet.
Bei der nächsten Attacke hat er mich jedoch am rechten Handgelenk verletzt und es ist immernoch blau und tut weh.
Schönen Dank auch, du Held.  -.-
Danach beendete ich den Kampf und erklärte mich zum Sieger, was ihn sehr erheiterte.

Auf dem Heimweg begann das angekündigte Hitzegewitter.
Wir holten uns an einem Fastfood-Stand türkisches Essen und gingen damit in seine Wohnung.
Dort hörten wir ein bisschen Musik und aßen gemütlich.
Eigentlich haben wir bis zum Abend nichts anderes getan, als zu kuscheln und aneinander zu kleben.
Wir beide brauchten das ganz dringend.
Dann holte ich das Mohnöl aus der Tasche und habe ihm Rücken und Schultern ausgibig massiert.
Auf diese Weise konnte er lernen, was sich gut anfühlt und wie man es anstellen muss.
Später in der Nacht hat er es dann für mich getan, nachdem wir gemeinsam geduscht hatten.
Nach dieser Sonderbehandlung rückte ich dann endlich mit den Gummis raus und wir hatten Sex.
Obwohl ich Sex sehr mag, war es diesmal ein kleines bisschen schmerzhaft.
Man möchte es ihm auf den ersten Blick nicht zutrauen, aber er erreicht eine stattliche Größe, die ich einfach nicht gewöhnt bin.
Glücklichweise verlief unsere erste gemeinsame Übung jedoch recht schnell.
Ich brauche einfach Zeit, um mich wieder daran zu gewöhnen.

Für die zweite Nacht entschied ich mich für ein schwarzes halb durchsichtiges Negligée. Hat ihm gefallen.

Der Sonntag verlief ziemlich ruhig.
Während Halfdan Frühstück machte, hab ich mit seinem Sohn ein Autorennspiel auf der PS2 gezockt. Und ich war sogar nichtig gut.

Ansonsten ist nicht mehr viel passiert.
Wir haben geredet, geknutscht und uns befummelt und geknuddelt.
Es fühlte sich einen Augenblick so an, wie die Beziehung die ich immer mit einem Mann haben wollte. Viel Aufmerksamkeit und sehr viel liebevolle Zuwendung.
Ich spürte regelrecht, wie meine Seele mit glühendem Gold betankt wurde.
Und so lag ich schmusend an seiner Brust und flüsterte ein leises "ich liebe dich", ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben. Ich sagte es, aus einer Laune heraus. Weil mir in dem Moment dannach war.
Das muss nicht unbedingt etwas bedeutet haben. Hey, ich liebe auch den Strand und Nutella-Crossains und unzählige weitere Dinge.
Und dieser Mann - Halfdan - hat ja nun wirklich alles dafür getan, um liebenswert zu sein.
Ich merkte aber, dass es ein Fehler gewesen war, als er stocksteif wurde und die Augen aufriss. "Was hast du gesagt!", waren seine einzigen Worte. Es war keine Frage. Er hätte ebensogut sagen können "Was hast du getan!"
Es klang vorwurfsvoll.
Ich antwortete: "Nichts"





16.6.20 02:55, kommentieren

Die Flucht nach vorn

 

Tja, in ein paar Stunden ist es dann wohl soweit.

Heute fahre ich nach Dienstschluss nach Braunschweig, um Halfdan kennen zu lernen.

Ich weiß noch nicht genau, wie ich mich fühlen soll.

Vor meinem ersten Treffen mit Brander war ich damals sehr aufgeregt und voll freudiger Erwartung gewesen. Ich hab mich glücklich und federleicht ums Herz gefühlt. Ich habe ihn geliebt.

Diesmal ist es anders.

Ich bin nicht die Bohne nervös. Nur ein wenig nachdenklich.

Egal wie die Sache ausgehen wird – ob er sich als Liebhaber tauglich erweist oder nicht – ich nehme mir fest vor, den Trip so gut es geht zu genießen. Auch falls die Chemie nicht stimmen sollte.

Ich meine, der Mann sieht jetzt nicht schlecht aus und er ist unternehmungsfreudig. Okay. Er schreibt auch immer wieder so nette Koseworte wie „Schatz“ oder „Honey“ und das fühlt sich schön an.

Allerdings sind wir irgendwie so gar nicht auf einer Wellenlänge.

Mich reizt der Wahnsinn. Das Verrückte. Das Abenteuer.

Und er springt auf meine Avancen so überhaupt nicht an.

Er ist ein Langweiler. Ein Spießer.

 

Da hab ich ihm doch gestern abend ein Bild von mir im halb offenen Bademantel geschickt und er fing an von seiner Arbeit zu erzählen, dass er einen neuen Kollegen einarbeitet usw.

Boah ist das öde.

Und die Lawine an Smileys und Emojis und Herzchen und Küsschen reißen es auch nicht wirklich wieder raus.

 

Hinzu kommt seine ungeheure Unsicherheit, die er hinter permanentem Gekicher versteckt. Ehrlich – das nervt.

 

Unsere Gespräche sind eintönig. Er immer so: „Boah, ich find dich so toll. Du bist ja so süß. Ich will mit dir kuscheln!“

Und ich so: „Danke. Wie nett von dir. Ja.“

Hm.

 

Vielleicht irre ich mich ja und wir werden eine total tolle Zeit zusammen haben und viel lachen und interessante Gespräche führen und wilden Sex haben.

 

Aber mein Gefühl sagt mir, dass es ein Reinfall wird und ich stell mich schon mal seelisch moralisch auf eine deprimierende Katastrophe ein.

Trotzdem: Eine Chance soll er haben.

 

 

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten.

Ein bekannter Ritter aus Facebook hat mich angeschrieben und gefragt, ob ich nicht bei der nächsten Buhurt-Meisterschaft in Belepsch als Supporter helfen möchte und ich habe sofort ja gesagt.

Da darf ich Männer an- und ausziehen, ihnen zu trinken geben und in vorderster Reihe den Kämpfern zusehen. Einen gratis Schlafplatz und Verpflegung bekomme ich auch.

Die Sache findet irgendwann im Oktober statt.

Ich bin schon so sehr gespannt.

 

 

 

5 Kommentare 12.6.20 10:38, kommentieren

Good Vibrations…

 

Seitdem die Mieterin über unserer Kanzlei arbeitslos ist, hört man beinahe täglich von oben summende Geräusche, die längere Zeit anhalten.

 

Meine Chefin – glücklich verheiratet und blond – fragt sich seitdem, warum die Frau immer so viel staubsaugen muss.

 

 

Ich weiß nicht, ob ich es ihr sagen soll. XD

 

*kicher

10.6.20 10:04, kommentieren

Halfdan

 

 

Seit jüngster Zeit chatte ich mit einem gutaussehenden Verehrer, den ich Halfdan nennen möchte.

Er gehört - genau wie ich - zum Frühmittelalter und sieht aus wie Halfdan aus Vikings.

 

Anfangs hat er mich mit seinen Vorstellungen ein bisschen erschreckt. Er ist seit zwei Jahren Single und hat beschlossen das zu ändern und zu diesem Zweck hat er mich ausgesucht (als wäre ich ein Gebrauchtwagen ...) .

Er würde gerne mit mir ein Langhaus bauen und hat mich gefragt, ob ich nicht zu ihm nach Braunschweig ziehen möchte.

 

Alter Schwede, da kannten wir uns gerade mal 2 Tage!

 

Mittlerweile hat er sich aber zu einem angenehmen Kontakt entwickelt und wir schreiben mehrmals täglich miteinander.

 

Zwar hab ich ihm erklärt, dass Beziehungen für mich nicht mehr in Frage kommen und dass es mir nur um ein bisschen Spaß geht, aber er ist verdammt hartnäckig.

 

Jetzt am Freitag will ich nach der Arbeit zu ihm fahren und das Wochenende mit ihm verbringen. Meine Ambitionen sind absolut klar und unmissverständlich.

 

Da fragt mich dieses Schäfchen doch allen Ernstes, ob es ok wäre, wenn er mich küssen möchte.

 

 

Meine Götter…. Das kann ja heiter werden.

8.6.20 10:59, kommentieren

Gewalt gegen Frauen ist scheiße

 

 

Ich muss es los werden.

 

 

Heute saß ich im Büro an einer Akte, die ich abrechnen sollte.

Beim Durchblättern wurde es mir heiß und kalt.

 

Die Frau lebt in einer sehr gewaltbetonten Ehe und hat auch noch zwei Kinder mit dem Mistkerl.

Ihr Mann behandelt sie durchweg ziemlich übel – sowohl in körperlicher Hinsicht, wie auch verbal.

 

Zuletzt hat er sie aus niederen Beweggründen so oft in den Bauch geboxt, bis ihm der Arm müde wurde.

 

Sie hatte starke Schmerzen, wollte aber nicht zum Arzt gehen und hat sich auf die Arbeit geschleppt.

Dort ist sie dann zusammen gebrochen und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Die Diagnose lautete u. a. auf doppelten Milzriss.

 

Der Arztbrief liegt in unserer Akte… Sie hat dem Arzt berichtet, sie sei beim Schneiden eines Astes vom Baum gestürzt.

 

Ihre Adresse steht auch drauf. Sie wohnt bei mir im Ort.

 

Ich bin so wütend auf dieses Arschloch! Am liebsten würde ich….oh, ihr Götter, ich würde so gerne….

 

Aber alles was ich darf, ist die Sache mittels Erstberatung abrechnen, nachdem die Geschädigte das Mandat vorzeitig nieder gelegt hat. Aus Angst und wohl auch aus Liebe.

Sie kam nur zum Reden zu uns.

 

 

Was ist das nur für eine beschissene Welt?

 

 

:‘-(

28.5.20 09:56, kommentieren



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