reflections

Nix wie Chaos!




Zadkiel hat seine 4jährige Beziehung beendet.

Was all seine Freunde in jahrelangen Gesprächen nicht vollbracht haben, ist mir nun anscheinend im Handstreich gelungen.
Der Albtraum hat ein Ende.
Zumindest für ihn.

Es ist Fakt - er hat mehr in diese Sackgasse investiert als dabei für ihn raussprang. Während er sich stets um sie bemüht und gekümmert hat, sie mit Zuneigung und Aufmerksamkeit überhäuft und gegen alle Vorurteile verteidigt hatte, ist sie ihm niemals auch nur einen Schritt entgegen gekommen.
Jeder Mensch hat die Möglichkeit sich zu entwickeln.
Sie hätte sich wenigstens von ihm berühren lassen können, wenn sie schon keine sexuellen Handlungen erlaubt.

Und da trat ich auf den Plan und erinnerte Zadkiel an all das, was er so schmerzlich in seiner Beziehung entbehrte.
Nun ist er aufgewacht und bereuht die vergebene Liebesmüh.
Ihm tun die verlorenen Jahre leid. Und ich kenne dieses Gefühl noch gut von meiner gescheiterten Ehe.

Allerdings ändert sein Phönix-Jungfernflug nichts an meinen eigenen Gefühlen.

Ich bin nach wie vor nicht imstande ihn zu lieben.

Selbst wenn ich ihn körperlich anziehend fände, wäre da immernoch sein sehr anstrengendes Wesen, welches darin gipfelt, dass er jeden Krümel ausdiskutieren muss.
Er ist ein sehr reflektierter Mensch.  Mehr noch als ich.
Und ihm ist kein Thema zu schade, darüber zu philosophieren.

Das ist manchmal erbaulich.
Oft jedoch einfach nur zermürbend.


So.
Und jetzt kommt noch Baustelle Nummer 2:
Brander.
Aus Gründen, die mir schleierhaft sind, kommt er mir nun beinahe täglich mit besonderer Freundlichkeit entgegen.
Schickt mir sogar auf Wunsch ein Bild von sich.
Ich... ich bin sprachlos. Bzw. ich wünschte ich wäre es. Leider kommt aus meinem Mund nur konzentrierte Biberkacke, wenn ich mit ihm schreibe/rede.
Andererseits habe ich beinahe so etwas wie Narrenfreiheit und kann so ziemlich alles zu ihm sagen, was ich will - immer in der Gewissheit, dass ich sowieso keine echte Chance bei ihm habe.
Trotzdem ärgert mich meine grenzenlose Ungeschicklichkeit in Bezug auf Brander.
Da ist mir doch beim chatten das Handy aus der Hand geglitten und ich konnte es gerade noch im Flug fangen, als versehentlich ein Videoanruf an ihn raus ging.
In meiner grenzenlosen Panik wollte ich das schnell beenden, schaffte es aber nur das Menü zu schließen, während der Anruf immernoch fleißig weiter anklingelte.
Bei meinem zweiten Versuch, minimierte sich das Chatfenster und ES KLINGELTE IMMER NOCH BEI IHM.
Und dann geschah das Unvermeidbare.... er ging dran.
Ich versuchte nicht direkt hinzusehen, weil mir das echt scheiße peinlich war. Ich war weder geschminkt, noch waren meine Haare einigermaßen zurecht gemacht.
Keine Ahnung was ich gestammelt habe. Wahrscheinlich irgendwelche sinnlosen Entschuldigungen.
In meiner Verzweiflung hätte ich fast meine 7 Jahre alte Tochter um Hilfe gebeten, diesen blöden Video-Mist abzubrechen.
Als es mir endlich gelang, war ich eine Weile lang nicht in der Lage Sprachnachrichten zu schicken. Mein Herz spielte völlig verrückt.
Sein Beschwichtigungsversuch machte es auch nicht besser. Und ja, ich weiß, dass wir seinerzeit sogar Sex über Videochatt gehabt hatten.....ahhh

Wie kann es nur sein, dass auf dieser großen verfickten Welt ausgerechnet ER der einzige ist, bei dem ich so tollpatschig und unfähig bin??!?

Jetzt denkt er wahrscheinlich, ich hab ein Rad ab.

Mäh...



25.11.20 20:09, kommentieren

Was zum Schmunzeln


Ich dachte, ich schreibe heute mal was lustiges.
Mein Chef und ich haben ein echt besonderes Verhältnis zueinander.
Dies kennzeichnet sich vorallem in unseren einzigartigen und unvergesslichen Gesprächen, die es unbedingt festzuhalten gilt:


Ich: "Die Frau X hat wieder angerufen wegen der Sache mit der enteigneten Katze."
Chef: "Boah, ich will mit der nicht reden!"
Ich: "Warum so gereizt?"
Chef: "Ach, ich hasse Katzen!"
Ich: "Echt? Wieso?"
Chef: "Diese elenden Mistviehcher! Weißt du eigentlich wie viele Vögelchen denen jedes Jahr zum Opfer fallen?!"
Ich: "Na und? Ihre italienischen Freunde fressen auch kleine Vögelchen und trotzdem fahren Sie jedes Jahr wieder dort hin in Urlaub!"

*Diskussion*


...


Chef: "Hey, meine Frau hat doch diese Fortbildung im Online-Seminar gemacht!"
Ich: "Ja und?"
Chef: "Da hat doch der Kursleiter in der Pause vergessen seine Kamera auszuschalten. Und als er aufstand hatte er zu seinem Hemd und dem Sacko gar keine Hose an! Bloß alte schlabberige Boxershorts!"
Ich: "Uuuhhh, pfui. Das is echt übel. Ihre arme Frau!"
Chef: "Ach was! Die is Kummer gewöhnt. Da gibt es doch viel geschmacklosere Unterwäsche!"
Ich: "..."
Chef: "Ich zum Beispiel habe eine Unterhose mit einem Nikolaus vorne. Das sieht dann aus wie ein Weihnachtsgeschenk!"
Ich: "Okay, bäh, aber keine Sorge, Sie besitzen sicherlich innere Werte...."

...


Oh Mann, ich schwörs, irgendwann fliegen die Akten tief.

Mein fester Vorsatz fürs neue Jahr:
Job behalten




1 Kommentar 23.11.20 23:02, kommentieren

Gefallener Engel


Am Donnerstag war Fightpractice.
Statt Prügelei stand diesmal allerdings Technik und Theorie auf dem Lehrplan.
Muss auch mal sein.

Am Freitag war in der Kanzlei die Hölle los.
Die Mutter meiner Chefin war positiv auf Corona getestet worden, woraufhin ich umgehend nach Hause geschickt wurde.
Morgen darf ich allerdings wieder zur Arbeit kommen. Meine Chefin wurde ins Homeoffice verbannt.^^
Sie hatte letzten Mittwoch Kontakt zu ihrer Mutter und muss daher in Quarantäne.
Lustigerweise teile ich mir morgen das Büro mit ihrem Mann, was die ganze Aktion ehrlich gesagt ad absurdum führt.


Am Wochenende hätte mein Exmann eigentlich Umgang mit den Kids gehabt. Aber nachdem er die Story gehört hat, wollte er nicht meine Wohnung betreten, geschweige denn, die Kinder nehmen.
Er ist schon immer ein Feigling gewesen.


Statt dessen kam am Samstag Zadkiel zu mir.
Nach dem Frühstück führte ich ihn und meine Töchter zu den heiligen Steinbrüchen.
Ich war überzeugt, dass ein hellsehendes Medium wie er den magischen Ort zu schätzen wissen würde.
Und natürlich hoffte ich, dass wir den Ort gemeinsam reinigen könnten.
Ich hatte extra weißen Salbei zum räuchern dabei.

Als wir am Ufer ankamen, warf ich zuallererst Gepäck und Kleidung ab und ging schnurstraks ins Wasser.
6 Grad. Vielelicht 7.
Ich tauchte bis zum Kinn hinein und tat ein paar Schwimmzüge.
Auf einmal merkte ich eine seltsame Lähmung in all meinen Muskeln und ich beeilte mich schnell zurück ins flache Wasser.
Als ich raus kam fühlte ich mich wie neugeboren.
Es ist unglaublich.
Ich konnte völlig schmerzfrei über Steine laufen und spürte nicht mal den kalten Wind auf meiner Haut.
Die Reibung des Handtuchs war dumpf durch einen Vorhang absoluter Taubheit zu spüren und erinnerte an Schmirgelpapier auf eingeschlafenen Gliedmaßen. Pieksend. Aber gleichzeitig betäubt.
Ich hatte es nicht eilig mich anzuziehen. Ich war immun gegen jede Art von Schmerz und Kälte. Ein grandioses Gefühl!

Aber ich bin intelligent genug zu wissen, dass ich eine Unterkühlung riskierte. Und so packte ich mich wieder warm ein.
Was blieb war Euphorie.

Ich verbrannte das Räucherwerk und genoss die Athmosphäre.
Die Kinder spielten schön und zankten sich um ein paar mitgebrachte Spielsachen.
Ich gab Sternchen ihr Schnitzmesser und ließ sie einen Ast anspitzen.

Später umrundeten wir den See und stiegen an anderer Stelle wieder hinauf, um den Wald wieder zu verlassen.

Zadkiel blieb übernacht.
Ich war wieder bemüht seine Leiden zu kurieren, aber ich schaffte es auch diesmal nicht, ihm einen Orgasmus zu schenken.
Doch zumindest wurde er diesmal über mehrere Minuten hinweg steif.
Das ist schon mal ein Teilerfolg.

Und ich dachte immer, Sexualmagie sei meine Stärke....
Hm.

Es muss ein starker Fluch auf ihm liegen.


Heute dann das nächste Drama: Sternchens Messer ist weg! Verschwunden! Spurlos!
Überall gesucht... Nichts!
Sie hat es im Steinbruch verloren.
* augenroll *

Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt wird mich umbringen.
Es ist schon das zweite Messer, das er ihr besorgen musste. Außerdem hatte er es graviert.
Mich hat das ganze ziemlich bedrückt. Auch weil ich weiß, wie Sternchen sich fühlen musste. Ich habe letztes Jahr auch ein Messer verloren. Es war ein ganz besonderes. Brander hatte es selbst gefertigt.
Ich habe bis heute keine Ahnung, wie es abhanden gekommen sein könnte.
Zadkiel hatte es heute bereits am frühen Nachmittag eilig mich zu verlassen.
Das machte mich stutzig und ich wollte ihm das Versprechen abnehmen, dass er nicht zu den Steinbrüchen führe, um das Messer dort zu suchen.
Er weigerte sich, dieses Versprechen zu geben und ich wurde sauer.
Erstens war es ein weiter Weg. Zweitens ist der Weg nach dort nahezu unkenntlich und nichts besseres als ein laubbedeckter Wildwechsel.
Drittens war der Abstieg an einigen Stellen äußerst steil und rutschig. Der Handyempfang gleich null. Und es war Wildschweingebiet.
Ich konnte ihn nicht überzeugen.
Er wollte unbedingt.
Um 15:20 fuhr er los.

Um 16:30 begann ich ihn anzurufen.
Funkloch. Mailbox.
Um 17 Uhr bat ich meine Mutter die Kinder zu hüten, weil ich seine Leiche suchen gehen wollte.
Um kurz vor sechs kam dann ein Lebenszeichen von ihm.
Die Verbindung war schlecht und ich konnte ihn kaum verstehen, aber er sagte: "Wir sind noch an den Steinbrüchen. Aber ich habe das Ziel noch nicht erreicht."
Ich war ganz erstarrt: "Wer wir???"
Dann kurze Pause.
Er: "Ich meinte nur mich. Ich führe Selbstgespräche. Ich melde mich, wenn wir am Auto sind."
Und legte auf.


Und jetzt gibt es etwas, das ich vielleicht erwähnen sollte:
In der gesamten Zeit, die Zadkiel im dunklen Wald verbrachte, hatte ich unverhofften Whatsapp-Kontakt mit Brander.
Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, er hat Ärger im Paradies.
Er spielt mit dem Gedanken ans Nordkap zu reisen.
Allein.
Und während wir einander schrieben spürte ich, dass meine ganzen Gefühle für ihn immernoch da waren.
Sie hatten nur geschlummert.
Und ich musste an Zadkiel denken.
Zadkiel, der wahnsinnig in mich verknallt war, mir Blumen und Geschenke brachte und in die finstersten Wälder pilgerte, um gefällig zu sein.
Und dennoch.
Es ist nicht zu vergleichen.
Ich könnte Zadkiel niemals lieben.
Ich empfinde nichts für ihn.
Genauso aber könnte ich Brander niemals aufhören zu lieben.
Es ist unmöglich.

Ich kann nur mit gebührendem Abstand allen Dingen ihren Lauf lassen. Ich lasse Brander sein Leben in aller Ruhe und Frieden führen.
Ich lasse Zadkiel von seinen Plänen mit mir als seiner Zweitfrau träumen.
Am Ende sind wir alle nur Spielball der Götter.
Das Schicksal mischt die Karten.
Ich glaube, ich hab da keinen Einfluss auf das Spiel.

Ich geh einfach nur mit.

Und während ich da saß und über alles nachdachte, klingelte es an der Tür.
Ich schnappte mein Nudelholz, riss die Tür auf und zog Zadkiel am Schlafittchen in meine Wohnung.
"Was zum Kuckuck hast du so lange in den Wäldern getrieben?"
Er hob die Hände und grinste dämlich.
Das Messer hatte er zwar nicht gefunden, dafür aber eine ganze Reihe ruheloser Seelen von Menschen, die dort ihr Leben gelassen hatten.
Ich ließ das Nudelholz sinken. "Hast du ein junges Mädchen gesehen?"
Er nickte.
Ich schluckte.
"Wenn ich gewusste hätte, was du dort wirklich vor hast, hätte ich es dir erzählt."
Er wollte wissen, wie sie ums Leben gekommen war und ich zog ihn in die Küche, um ihm eine Schüssel heißer Kartoffelsuppe mit Rindfleisch in die Hand zu drücken. Währen er aß, erzählte ich ihm alles was ich wusste.
Anschließend wollte er zärtlich werden, aber ich wollte nicht.
Er fragte was los sei und ich sagte ihm, dass ein Exfreund sich gemeldet hat und meine Gefühle ein wenig durcheinander geraten waren
Ich sagte ihm auch, dass ich diesen Mann noch immer sehr verzweifelt liebte und dass meine Depression darin gründete.
Zadkiel wollte wissen, ob Brander mittlerweile neu liiert sei.
Und ich nickte. "Er hat eine Frau gefunden, die er von Herzen liebt und er will mit ihr zusammen ziehen."
Zadkiel streichelte zärtlich meine Schultern und sah mir fest in die Augen. "Ich kenne das. Ich weiß, wie du dich fühlst. Ich hab genau das gleiche hinter mir. Es wird dich vielleicht niemals gänzlich loslassen, aber du musst trotzdem deinen Weg weiter gehen."
Ich drückte ihn von mich.
Auf einmal war er mir unerträglich.
Ich deutete auf die Tür. "Es tut mir leid, aber ich möchte jetzt gern allein sein. Bitte geh."


Er sah mich einen Augenblick seltsam an.
Dann drehte er sich abrupt um und ging mit schnellen Schritten hinaus.

Ich drückte meine Stirn gegen den Küchenschrank und verfluchte alle Götter.




22.11.20 20:57, kommentieren

Winterschlaf

 

 

Die letzte Fightpractise mit Aelric lief gut soweit.

Leider macht mein Körper nicht mehr richtig mit.

Seit jüngster Zeit kämpfe ich bereits bei kleinsten Anstrengungen mit leichter Übelkeit.

Außerdem bin ich ständig müde und schlafe täglich mehrmals überall ein. Morgens komme ich gar nicht mehr aus dem Bett.

Ist das auch eine Form von Stress?

Habe jetzt eine Vitamin-D-Kur angefangen und meine Antidepressiva abgesetzt.

Es ist sowieso nicht gut, Johanniskraut zu nehmen, während ich mich auf den Schutz der Pille verlassen muss.

Das letzte was mir jetzt noch fehlte, wäre eine ungewollte Schwangerschaft!

 

 

Letzten Sonntag war ich bei einer ehemaligen Klassenkameradin.

Sie hat sich ihren Traum von einem zurückgezogenen naturverbundenen Leben jenseits der Zivilisation erfüllt.

Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen am Rande eines Fahrradweges nahe der Kinzig und bewirtschaftet dort ein großes Grundstück. Sie hält eine Schar Gänse und einen großen rumänischen Straßenhund, vor dem meine Töchter sich sehr fürchten. Aber er ist sehr lieb und ließ sich von mir streicheln.

An das Haus grenzt eine selbstgebaute Hütte. Die Treibholz-Taverne.

Sie hat vor, sich damit nach Corona zu verselbständigen.

Außerdem haben sie eine Wiese, die als Zeltplatz für mittelalterliche Lagergäste herhalten könnte.

Ihr Mann interessiert sich sehr für das Mittelalter und auch für den Schwertkampf. Er möchte, dass ich ihn mal mit zur SCA nehme.

(Aelric freut sich ob dieser Nachricht bereits ein zweites Loch in den Po….)

Jetzt wollten wir nur hoffen, dass das Interesse nicht nachlässt.

Sein eigentliches Interesse gilt aber der Heilkräuterkunde, weshalb er mich kommende Saison unbedingt als Führerin buchen will.

Ich glaube, das habe ich bereits in einem anderen Eintrag erwähnt.

Hoffentlich bin ich für den Job gut genug.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17.11.20 11:16, kommentieren

Alles ist zu viel

 

Ich komme gar nicht mehr zu mir.

Jeden Tag das gleiche Wettrennen gegen die Zeit…

Manchmal gewinne ich, manchmal gewinnt die Zeit.

 

In den vergangenen Tagen kam ich leider immer wieder zu spät zur Arbeit. Sowohl morgens, als auch nach der Pause.

Ich schaff es einfach nicht. Bin nur noch gestresst und gehetzt.

 

Jeden Tag ist was anderes: am Dienstag war Zadkiel da, gestern Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt und heute Poor-Angel. Ich bin nur noch am rotieren!

Macht mir doch meine Mutter glatteweg Vorwürfe, ich würde sie aus meinem Leben ausschließen, weil ich mich so wenig melde.

Aber dass ich vor Stress und Hektik seit drei Tagen nicht mal mehr kacken konnte, sieht keiner!

Von meiner Periode ganz zu schweigen…

Die hab ich diesmal nicht richtig gekriegt. Nur so ein halbherziges kurzwährendes Geschmier.

Sehr sehr untypisch für mich.

 

Leute, mir geht’s einfach nur noch schlecht.

 

Ich muss mich heute regelrecht zwingen, zum Training zu gehen. Außerdem weiß ich nicht, wie Aelric mich heute empfängt, nachdem ich beim letzten mal davon gelaufen war. Momentan dürfen wir uns nur zu zweit treffen. Deswegen bin ich auch nicht Dienstag sondern heute mit Schwertkampf dran.

Leider hatte ich noch keine Gelegenheit mich um die Vervollständigung meiner Rüstung zu kümmern.

Aber mein Ehrgeiz gebietet es mir trotzdem weiter zu machen.

 

Zeit mit den Kindern werde ich dann am Wochenende nachholen.

Da sind wir nämlich zum Spielenachmittag bei einer alten Bekannten von mir eingeladen. Sie hat gerade ihr zweites Kind bekommen und ihr fällt die Decke auf den Kopf.

Ich kenne sie eigentlich kaum, weil wir auf dem Gymnasium nie viel mit einander zu tun hatten. Aber sie hat mich jüngst auf Facebook angeschrieben und interessiert sich auch für Heilkräuter. Sie und ihr Mann wollen mich für eine Führung nächstes Frühjahr buchen.

Das kann ja heiter werden.

Wer weiß, ob ich für sowas gut genug bin.

 

 

Zadkiel ist nicht besonders glücklich darüber, dass ich jetzt erst mal keine Zeit für ihn habe.

Er hat mir gestanden, dass er sich in mich verliebt hat und ist nun sehr anhänglich geworden und will am liebsten jeden Tag bei mir sein.

Außerdem hat er mir beim letzten Besuch Geschenke mit gebracht. Einen bunten Wollmantel von Desigual und ein großes Halstuch mit einem Van Gogh-Sonnenblumen-Print.

 

 

 

Ich fühle mich irgendwie bezahlt.

 

 

 

 

 

 

12.11.20 14:56, kommentieren

Zwischen guten und schändlichen Taten

Zadkiel war am Samstag bei mir.

Die Kinder waren nicht da und wir konnten in Ruhe einen Filmeabend genießen.

Ich holte mein Mohnblüten-Öl und er hat meine Verspannungen damit ein bisschen gelockert.

Auch hat er wieder einen Versuch unternommen mich zu beglücken.

Leider kommen seine Bemühungen nach wie vor aktiver Sterbehilfe gleich, so dass wir auch diesmal irgendwann abbrechen mussten.

Ich weiß gar nicht, warum ich das alles mitmache. Weder finde ich ihn sonderlich attraktiv, noch hege ich irgendwelche Gefühle für ihn.

Aber irgendwie kann ich ihn verstehen. Er will unbedingt wieder potent werden und es darum immer wieder versuchen. Ich lasse ihn gewähren. Auch heute will er nach seinem Training bei mir vorbei schauen.

Vielleicht wird ein wenig Magie helfen?

 

Wir haben uns vorgenommen ein Starterkit mit psychoaktiven Pilzen anzubauen und damit eine bewusstseinserweiternde Reise zu unternehmen.

Das könnte uns beiden viele Fragen beantworten.

 

Ich bin bereit jeden Schritt zu unternehmen, der mich von meinem alten Leben weg bringt.

Und vielleicht haben die Götter mir diesen Verrückten geschickt, um mir dabei zu helfen.

 

 

 

 

Auf Facebook hab ich wieder eine Reihe lustiger Experimente gestartet.

Es kommt vor, dass befreundete Freunde, die ich nicht direkt kenne, Anfragen schicken.

Normalerweise ignoriere ich sowas.

Jetzt hab ich sie alle angenommen und sofort ein politisches Statement nach dem anderen rausgehauen.

Ich bin gespannt, wie süß und toll mich die Welt findet, wenn ich ihr einen Blick hinter die Fassade gönne!

 

Meine Freunde stehen nicht wirklich hinter mir.

Auf jedem Schlachtfeld steh ich stets allein.

 

Aber zumindest ist der Gegenwind bisher halbwegs erträglich.

 

Und dennoch…

 

Ich bin allein.

 

 

 

 

Ich hatte Branders Nummer beim letzten Gespräch wieder auf meinem Handy gespeichert.

Diesmal aber unter einem Pseudonym. Das macht die Sache unpersönlicher.

Leider sehe ich jetzt wieder seine ganzen Statusmeldungen und ich bin am überlegen, ob ich ihn wieder löschen soll.

Ich schaff es einfach nicht mein Herz vor ihm zu verschließen.

Wenn mein Weg mich nicht bald aus der Misere führt, weiß ich mir keinen Rat mehr.

 

 

 

 

Gestern habe ich eine Betreute von meinem Chef nach Hanau zu einem MPU-Termin gefahren.

Ich blieb die ganze Zeit an ihrer Seite und hab sie angefeuert und moralisch unterstützt.

Sie ist eine alte Witwe mit beginnender Senilität, aber dringend auf ihr Auto angewiesen.

Was am traurigsten ist: weder ihre Tochter noch ihre erwachsenen Enkelsöhne haben sie zu dem Termin fahren wollen.

 

Ich ganz allein hab es getan und meinen freien Nachmittag dafür geopfert.

 

Zum Dank hat sie mir abends spät noch 50,- € zugesteckt.

(Das klingt viel. Allerdings hab ich allein fürs Parkticket bereits 12,00 € gezahlt… )

 

 

Tja, das war meine gute Tat für diesen Monat.

 

 

<3

 

 

 

 

 

10.11.20 09:58, kommentieren

Gespräch mit einem Engel

 

 

Zadkiel war gestern bei mir.

 

Der Mann ist ein Medium.

 

Auf mir unerklärliche Weise hat er mich in eine Gesprächsebene geführt, die mich in meiner Heilung weit voran gebracht hat. Wir haben bis weit nach Mitternacht geredet.

Mir war nichts zu peinlich. Ich konnte sogar ungeniert vor ihm weinen und ihm von all meinen Gefühlen und meinem Unfrieden beichten.

Obwohl er rund 10 Jahre jünger ist, hat er besondere Gaben, die ihm ermöglichen mir wirklich zu helfen.

Ich weiß von ihm, dass er gelegentlich Gesichter hat und oft genug die Zukunft voraussehen kann.

Er hat schon vor zwei Tagen unser Treffen gesehen und wusste daher ganz genau, was seine Aufgabe war.

Nichts hat ihn darum überrascht.

 

Er hat mir gesagt, dass Brander mich nicht hasst, weil er mich mag und dass ich durch mein permanentes Leiden und die Selbstkasteiung ihm gleichermaßen schade wie mir selbst und dass ich darum damit aufhören muss und zwar sofort.

Weiter zu büßen für eine Tat, die für den weiteren Verlauf des Schicksals nicht einmal so falsch wie nötig gewesen war, wäre sinnlos und nicht den Göttern gefällig.

Auch soll ich meine Suizidgedanken beiseite schieben, weil die Vernichtung meines Lebens umso härter bestraft wird, als dass ich meine Aufgaben noch nicht vollumfänglich erfüllt habe, sowie mein Dasein als ein Geschenk zu verstehen ist und entsprechend ehrfürchtig behandelt werden sollte.

 

Obwohl er in einer festen Beziehung mit er 22jährigen a-sexuellen Frau ist, hat er einen sogenannten Freifahrtsschein zu tun, was immer ihm gefällt, so lange sie es nicht hören muss.

Doch bei dem Versuch mit mir zu schlafen, hat er mit so schweren Erektionsproblemen zu kämpfen gehabt, dass wir es schließlich aufgeben mussten.

Aber das war nicht schlimm.

Er hat meine Haut gestreichelt und mich warm gehalten, so dass ich mich wohl genug gefühlt habe.

Leider mag er keine Brüste und will sie auch nicht anfassen.

Er steht auch überhaupt nicht darauf, wenn ich mich selbst berühre oder befriedige.

Und auch als ich ihm einen Handjob geben wollte, mochte er es nicht. Er mag nur sehr langsame Bewegungen und das kann ich nicht.

 

Ich glaube nicht, dass das Freundschaft-Plus-Modell mit ihm funktionieren wird.

Er ist als Liebhaber untauglich.

 

Aber er besitzt eine unglaubliche Seele und sehr tiefschürfende Gedanken.

Und seine Art in meine überstrapazierte Psyche einzudringen und dort aufzuräumen hat etwas an sich, dass mich mehr befriedigt, als ich es beschreiben könnte.

 

Er verströmt eine Ruhe und einen Frieden und so berieselnde Empfindungen, wenn er spricht, dass ich um die Vermutung nicht herum komme, dass er mir von höherer Ebene geschickt, bzw. als Medium vom magischen Fluss erwählt wurde.

 

Er hat insbesondere eine hoch interessante und sehr schlüssige Auffassung vom Thema Gerechtigkeit, dass ich ihn Zadkiel nennen muss.

 

Er will mich ein Stück begleiten.

 

Er hat das verirrte Kind in mir gesehen und an die Hand genommen.

 Es geht vorwärts.

 

Nächste Saison will er mich für eine Lagergruppe als Kräuterhexe haben. Ich wäre eine gute Ergänzung für sein schulmedizinisches Wissen.

Und er will mir Huscarl beibringen.

 

Ich hab sein Angebot angenommen.

 

Er muss das aber noch mit dem Rest der Sippe klären.

 

 

Es bleibt spannend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.11.20 11:33, kommentieren

Depressionen

 

 

Ich arbeite als Rechtsanwaltsfachangestellte in einer kleinen Kanzlei auf dem Land, wo ich sozusagen das Mädchen für alles bin.

Meine Chefs sind ein Ehepärchen und decken gemeinsam ziemlich viele Rechtsgebiete ab.

Betreuungssachen und Zivilrecht machen allerdings beide gleichermaßen.

Betreute sind Leute, die entweder aufgrund geistiger Behinderungen oder altersbedingt ihr Leben nicht mehr allein geregelt kriegen. Allen voran finanzielle Angelegenheiten, aber auch in der Pflege.

Und da kommen wir ins Spiel und managen alles, damit die Betreuten sich um nichts mehr kümmern müssen.

Unsere Aufwände bekommen wir entweder von der Staatskasse oder (falls vermögend) vom Betreuten direkt quartalsweise vergütet.

Eigentlich eine nette Sache und ein gutes Werk.

Allerdings sind einige unserer Betreuten schwer geistig erkrankt und rufen an und brüllen den größten Quark in den Hörer.

Andere dagegen produzieren einen Berg Arbeit und Chaos. Ja, und dann gibt’s da noch unsere Sorgenkinder, denen es wirklich schlecht geht und mit denen man quasi mitleidet.

Da sind Alkoholiker, Schmerzpatienten, schwerst manisch Depressive und lauter andere Menschen ohne Lebensmut.

Tja, und da passiert es gelegentlich, dass sich der eine oder andere in den Suizid flüchtet.

 

Letzte Woche hat einer unserer Betreuten einen Selbstmordversuch begangen und kam darauf in die Intensivstation. Er litt unter einer Schilddrüsenunterfunktion und hat seine Tabletten nicht genommen. Das hat unweigerlich zu heftigsten Depressionen und dem Verlust des Lebenswillen geführt. Nach einem Gespräch mit der Psychologin wurde er jedoch nicht in die geschlossene Abteilung sondern in ein normales Krankenzimmer im ersten Stock verlegt. Dort hat er sich dann vor vielen Zeugen aus dem Fenster gestürzt. Mit der Schädeldecke voran ist er dann auf dem Beton aufgeschlagen und war sofort tot.

Ich hab seinen Sohn und seine Tochter angerufen.

 

Heute ist wieder ein Betreuter gestorben.

Nachdem ich wochenlang darum gekämpft habe, dass der Typ endlich einen Bauchkatheder kriegt, weil ihm buchstäblich der Schwanz verfault und die halbe Pisse vorbei suppt, ist er letzte Nacht an Erbrochenem erstickt.

 

Es ist der Horror.

 

Wenn man sich im Bereich der Altenpflege so umschaut, vergeht einem die Lust auf ein langes Leben…

 

 

Ich weiß ja, dass ich seit einem Jahr in der Depression festhänge, aber ich hab den Kampf noch nicht aufgegeben.

Mittlerweile nehme ich täglich Antidepressiva, um von den Stimmungstiefs weg zu kommen.

Auch ansonsten tue ich sehr viel: ich höre Musik, kleide mich farbenfroh, schminke mich, hol mir massenhaft Bestätigung, gehe viel nach draußen, treffe mich mit Leuten, ernähre mich gesund und halte die Hände nonstop in Bewegung mit meinen Hobbys.

Leider macht dieses Programm einen auf Dauer ziemlich müde, so dass ich ständig überall einschlafe.

Das hat zugegebenermaßen meinen Kaffee-Konsum ein wenig in die Höhe getrieben.^^

 

Apropos Kaffee: ich bekomme heute ja Besuch von dem jungen Huscarl-Kämpfer.

Ich freue mich schon sehr darauf.

Auch wenn er mich ein bisschen beleidigt hat. Als ich ihm erzählte, dass ich einen Kuchen für ihn backen will, hat er ziemlich doof reagiert.

Er sagte, er würde keinen Müll essen.

Im weiteren Gespräch erfuhr ich dann, dass er damit Weizenprodukte allgemein meint.

Trotzdem fand ich das gar nicht nett!

 

Hab auch die letzten Tage nur damit verbracht meine Wohnung etwas aufzuräumen.

Er ist Soldat und höchstwahrscheinlich perfekt gereinigte Reviere gewöhnt.

Yo, und ich bin berufstätige zweifache Mutter und lebe im Zustand der Überforderung im Stadio Ultimo, gekrönt von einer depressiven Antriebslosigkeit, die mir täglich ein Maximum an Überwindung und Willensstärke abverlangt, um wenigstens die überlebensnotwendigsten Tätigkeiten zu verrichten.

Selbst die Hausaufgaben meiner Tochter und der Kampf mit ihren begriffsstutzigen Lehrkräften ist mir schon zuviel!

 

 

Ich glaube, ich brauche einen Betreuer…

 

*Kopf mehrfach auf Tischplatte knall*

 

 

 

3.11.20 11:16, kommentieren

Eisenherz? Pfff...Hauptsache Stahl!

 

Ich wurde ziemlich unvermittelt von einem Vertreter der Eisenliga angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte, sein Team zu verstärken.

Die Überraschung war groß. Ich hatte mich vor einigen Monaten um eine Stelle als Supporter beim Berlepsch-Cup 2020 beworben und war untröstlich, als der Buhurt wegen Corona ausgefallen war.

Jetzt bietet sich mir die Möglichkeit nächstes Jahr selber als Kämpferin dort teil zu nehmen.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll!

Was für eine unglaubliche Ehre.

 

 

Ich hab übrigens mit einem der Huscarl-Typen aus Langenselbold neuerdings Whatsapp-Kontakt. Es ist der Herr mit der Khatanga. Ihm habe ich mich anvertraut und ihm gesteckt, dass ich mich jetzt auch für Buhurt interessiere.

Er war zunächst etwas irritiert, will aber nächsten Dienstag auf einen Kaffee zu mir kommen und mit mir darüber sprechen. Er selbst kämpft bereits Buhurt (Vollkontakt 10 gegen 10) und will es mir höchstwahrscheinlich ausreden. (Er ist 10 Jahre jünger als ich, es ist also ganz sicher kein Date)

 

 

Meine letzte Fight-Practise lief etwas anders als geplant.

Wolf ist krankheitsbedingt nicht erschienen.

Die Huscarl-Mannschaft durfte wegen verschärfter Corona-Regeln nicht erscheinen und so fand die Stunde auch nicht in der Halle sondern im Freien statt.

Aelric und ich brauchten weder Rüstung, noch sonst irgendwas. Wir haben nur harmlose Trockenübungen und Theorie abgearbeitet.

Hinterher saß ich noch bei ihm im Auto, wo es wärmer war, als unter der Eisenbahnbrücke, und wir ungestört reden konnten.

Leider driften unsere Gespräche nur immer wieder allzuschnell in die sexuelle Ebene ab und bleiben dort irgendwie hängen.

Manchmal stört mich das nicht. Aber diesmal war mir nicht danach und ich bin mit Blick auf die späte Uhrzeit ausgestiegen und ohne weitere Förmlichkeiten abgehauen.

Aelric ist ein erwachsener Mann. Er wird das verkraften.

Er wird sich das gleiche denken, was alle Männer in solchen Situationen denken: „Weiber!“ und nach einem müden Schulterzucken einfach weiterleben.

Ich dagegen muss damit leben, ihm weh getan zu haben, damit ich ihm nicht weh tun musste.

Klingt komisch, ist aber so.

Wäre ich geblieben, hätte er zweifelsohne irgendwann irgendwelche Annäherungsversuche gestartet.

Und ich bin nicht interessiert.

 

Außerdem habe ich die Vermutung, dass er vielleicht meinen Blog gefunden haben könnte.

Wäre ja nicht weiter verwunderlich, schließlich habe ich oft genug sein Alterego genannt.

Allerdings könnte und wollte ich einem Menschen, der meine ganze Geschichte kennt, nie wieder unter die Augen treten. Darum will ich erst mal daran festhalten, dass ich mich irre.

 

 

29.10.20 15:14, kommentieren

Wasser kann alles sein

 

 

Wasser ist die Urkraft und fließt wohin es will.

 

Es kann jede Gestalt annehmen: Füllt man es in einen Krug, wird es zum Krug.

 

Wasser kann sehr hart sein, Wasser kann kalt sein.

 

Es ist unverwundbar und wird von allen gebraucht.

 

 

 

Wie schön ist es doch, dass wir Menschen zu 70 Prozent aus Wasser bestehen.

 

 

Das gibt uns doch eigentlich genug Potential mit auf den Weg, um in der rauhen feindlichen Welt zu bestehen.

 

 

 

 

Brander hat vergangene Woche Kontakt zu mir gesucht.

 

Ich hab versucht eisern zu bleiben. ->Hart.

Ich hab versucht reserviert zu sein. ->Kalt.

 

Aber dieser verdammte Kerl ist einfach zu liebenswert mit seiner freundlichen und gefälligen Art. Und so hat mich nach kurzem Wortwechsel sein verfluchtes Charisma schon wieder in seinen Bann gezogen.

Als ich es merkte, war es schon zu spät.

Mir blieb nur noch die Notbremse: ich stieg ohne weiteres Wort aus der Unterhaltung aus.

 

Aber es hat schon gereicht…

Er hat meine vergrabenen Gefühle und Gedanken wieder zu Tage gefördert, wie wann ein Rindvieh das Gras wegfuttert, welches über eine Sache wachsen soll!

 

Und da waren sie wieder: Depression, Tränen und Unglück

 

 

In meiner Not hab ich Lucky angeschrieben. Ich wollte nur ein paar nette Worte von ihm. Ablenkung. Irgendwas.

Allerdings hat sich unser Kontakt auf „Guten Morgen“ und „gute Nacht“ reduziert und er schaut ansonsten meine Nachrichten entweder gar nicht oder erst viel später an.

So hat er auch in diesem Fall erst am Folgetag und sehr wenig hilfreich zurück geschrieben.

 

 

Worüber haben Brander und ich gesprochen?

Es ging hauptsächlich um meine mangelhafte Rüstung und die Verletzungen, die ich riskiere.

Er hat mir Vorschläge gemacht, wie ich mich besser schützen kann.

Es war auch ziemlich niedlich, wie er die anderen betitelt hat, die mir den Schaden zugefügt haben.

Ich mag Männer mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt.

 

Tja, heute abend ist die nächste Stunde in Vollkontakt und meine bestellten Protektoren sind noch nicht angekommen. Auch ist mein Schild bei Aelric zur Reparatur und der kommt heute – wenn überhaupt – erst ein paar Stunden später. Und jetzt kommts: Mein Helm musste wegen einer drückenden Schweißnaht ebenfalls in Nachbearbeitung und so ziehe ich heute nur mit einer Fechtmaske in den Kampf.

Ich hab ein ziemlich mieses Gefühl.

 

Ich hab Angst.

 

Aber ich bestehe glücklicherweise zu 70 Prozent aus Wasser.

Und Wasser kann alles sein.

 

Vielleicht sogar mutig.

 

 

 

Um mich im Zuge meiner Selbstheilung (mental wie körperlich, denn meine Wunden sehen immernoch schrecklich aus) habe ich den Portaltag am Sonntag vollumfänglich ausgeschöpft, um mich zu energetisieren.

Nicht nur, dass ich bereits vor dem Aufstehen den Tag mit heftigster Sexualmagie begonnen und den längsten Orgasmus meines Lebens genossen habe, ich hatte außerdem mit meiner neuen Hexenanwärterin Ginger eine kleine Exkursion auf dem Programm.

Ich holte sie um elf Uhr vormittags ab und wir fuhren zu meinen heiligen Steinbrüchen.

Es war eine sehr lustige Fahrt! Ich saß fröhlich am Steuer und plauderte vor mich hin und gelegentlich war ein leises „ach du Scheiße“ von der Beifahrerseite zu hören, wenn die Reifen in den Kurven quietschten. Hinterher hat sie den Sitz nach verlorenen Flüssigkeiten abgetastet….

LOL

 

Ginger ist was ich einst war.

Sie hat Angst vor dem Leben und genauso Angst, es zu verpassen.

Hinter ihren Augen arbeitet es nonstop

Sie ist ein sehr tiefes Wasser.

Darum sollte Wasser auch unser Thema am Sonntag sein.

 

Als wir den See im Wald erreichten, konnte ich endlich den tiefen harmonischen Frieden der Atmosphäre mit einem würdigen Menschen teilen.

Ginger saß eine ganze Weile schweigend und staunend am Ufer und war sofort ganz im Bann der heiligen Aura.

Auch für mich ist es immer wieder ein Wunder. Und ich staunte mit ihr gemeinsam.

 

Nach einer Weile zog ich mich aus und legte ein kleines Tuch (eine alte Spuckwindel) ans Ufer.

Dann ging ich hinein.

 

Ginger kam bis zu den Knien und machte einen Kneipp-Gang.

 

Ich tauchte so schnell wie möglich unter und schwamm eine kleine Runde.

Die Kälte war schneidend. Im Bereich der Schlüsselbeine bekam ich richtiggehend Schmerzen.

Schnell verließ ich das Wasser wieder und stellte mich in die Sonne.

Und dann fühlte ich was merkwürdiges: Meine Haut war rundherum gefühllos. Ich spürte nicht einmal mehr die Kälte.

Ich rieb mich mit dem Tuch trocken. Auch das spürte ich nicht.

Und später, als ich mich angezogen hatte, spürte ich noch lange Zeit ein Kribbeln an den Fußsohlen.

 

Ich glaube, das Wasser hat mir eine Art Geschenk gemacht.

Es wollte meine Gefühle betäuben. Mir ein dickeres Fell verleihen. Mich kalt genug machen.

 

 

Den Rest des Tages hatte ich mit Ginger Früchte und Wurzeln für diverse Pülverchen und Salben gesammelt.

Die Verarbeitung wird mich noch eine ganze Weile in Anspruch nehmen…

 

 

 

Ich lass von mir hören. *zwinker*

1 Kommentar 27.10.20 11:05, kommentieren

Die Leiden des jungen Anwärter

 

 

Letzten Sonntag war ich mit meiner Freundin Ginger in Münzenberg und hab mir die Burgruinen angeguckt.

Das war sehr schön und wir hatten viel Spaß. Hinterher sind wir noch durch die Altstadt gelaufen und haben uns alte Fachwerkhäuser angesehen.

Weil wir noch Zeit hatten haben wir auf dem Rückweg einen Abstecher zum Keltengrab von Glauberg gemacht.

Dort haben wir Kaffee getrunken und uns die Ausgrabungen angesehen.

 

Ich genieße die Zeit sehr, die ich mit Ginger verbringe.

Sie ist immer so tief beeindruckt von allem was ich zu erzählen habe und lässt mich glauben, ein interessantes Leben zu führen.

Sie selbst ist ein sehr vorsichtiger und zurückhaltender Mensch. Das macht sich vor allem durch ihren Fahrstil bemerkbar. LOL

Ich glaube, das nächste mal fahre ich und lasse sie – großzügig wie ich bin – eine Extraportion Nervenkitzel spüren, um ihrem Puls zu einer vertretbaren Frequenz zu verhelfen…

 

 

Abends habe ich die Kinderchen abgeholt und war noch eine Runde mit ihnen Inliner fahren.

Auch Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt war anwesend und hat es auch nicht versäumt nach mir zu grapschen, als sich die Gelegenheit bot.

Aber ich quittierte sein Verhalten durch einen recht abrupten Abgang.

 

 

Gestern war ich wieder bei der Gruppe, die Huscarl trainiert.

Allerdings waren zwei SCA-Leute dabei, so dass ich hauptsächlich Heavy-Fight gekämpft habe.

Mein Gegner war Wolf, der ehemalige Baron des Shires, und er hat mir ein paar ziemlich üble Treffer verpasst.

Mir geht es darum erst mal nicht so gut.

Ich dachte, mein rechter Oberarm wäre gebrochen.

Als ich mit einem Schrei in die Knie ging, hat Wolf doch tatsächlich besorgt seinen Helm ausgezogen. Ich musste ihn schnell beschwichtigen, sonst hätte er mich nicht weiter kämpfen lassen. Ihm ist ausreichender Schutz wichtiger als alles andere.

Ich dagegen lege Wert auf Beweglichkeit. Ich habe einfach kein Bock auch noch gegen meine eigene Rüstung zu kämpfen. Ich finde, ich schlepp schon genug Ballast mit mir rum. Außerdem dauert mir das Anrödeln der zahlreichen Teile viel zu lange!

Auch mein linker Oberschenkel hat seitlich neben der Lederplatte zwei harte Treffer auf die selbe Stelle kassiert.

Wolfs Talent liegt offenbar darin, ungeschützte Stellen zielsicher zu attackieren. Gewiss ist das eine erzieherische Methode, um mir seine Prinzipien in Punkto Schutz klar zu machen.

 

Ich bin deswegen nicht böse.

 

Die Götter wollten ganz offensichtlich, dass ich auch mal kräftig einstecken soll.

Zumindest weiß ich nun, wo ich meine Rüstung nachbessern muss.^^

 

Dummerweise hat auch mein Schild nun das Zeitliche gesegnet, bzw. sich brockenweise in Wohlgefallen aufgelöst. Lord Aelric hat ihn deshalb mitgenommen und schaut, ob er ihn retten kann.

 

 

Einer der Huscarlkämpfer ließ mich nach dem Training mal seine 15 KG-Samurai-Plattenrüstung anprobieren. (ich sag Samurai und meine eigentlich Khatanga-Rüstung, aber das jetzt zu erklären sprengt den Rahmen.)

Im Nachhinein betrachtet hätte ich vielleicht meinen Gambeson drunter lassen sollen….

Die ersten drei Probeschläge in den Rücken konnte ich noch lächelnd verbeißen.

Der letzte Hieb traf mich jedoch mit der Wucht eines Rammbocks und presste mir schlagartig alle Luft aus der Lunge, so dass ich prompt in den Vierfüßlerstand fiel und eine ganze Weile kein Wort mehr hervor brachte.

 

Seltsamerweise hatte ich vor meinem geistigen Auge den Schwertstreich kurz vor Treffer tödlich in meinem Hinterkopf einschlagen sehen. Und ich war verblüfft, dass ich eine falsche Vision gehabt hatte.

 

Die Männer erklärten einstimmig, dass ich für eine Frau wahnsinns „Eier“ besäße und ich zeigte mich dankbar für dieses …äh… Kompliment.

 

 

Trotzdem:

Mich hat die Sache hinterher nervlich ziemlich ins Flattern gebracht.

Ich war schon lange zu Hause und hatte mich mit Traumeel behandelt, als ich am Tisch saß und wie verrückt zu zittern anfing.

 

 

Auch die Nacht war schlimm.

 

Ich konnte weder auf meinem rechten Arm noch auf meinem linken Bein schlafen.

 

 

Heute morgen sahen die Blutergüsse noch viel schlimmer aus.

 

 

Ich werde nachher Retterspitz und Arnica D12 kaufen gehen.

 

 

 

Es tut so scheußlich weh.

21.10.20 10:49, kommentieren

Masochist müsste man sein...



Balder war der reinste, der unschuldigste und friedliebenste aller Götter. Sein Vater Odin war darum nicht immer stolz auf ihn, weil er Balder für zu zart besaitet erachtete. Doch Frigg, seine Mutter, liebte ihn so sehr, dass sie von allen Geschöpfen dieser Welt einen heiligen Eid abnahm, dass sie Balder nichts zu Leide tun wollen.
Nur eine kleine junge Mistel sah so arglos aus, dass Frigg auf deren Schwur verzichtete.
Ein Mistelzweig sollte es aber letztendlich sein, der von der Sehne Hödur's Bogen geschossen den armen Balder tödlich verwundete, so dass er zu Hel ins Totenreich fahren musste.
Hermodr versuchte seinen Bruder zurück zu holen, doch die Herrin der Toten forderte einen Preis dafür. Sie verlangte, dass erst alle Lebewesen eine Träne um Balder vergießen mögen.
Und so geschah es auch. Einzig Loki in Gestalt einer Trollfrau verweigerte den Gefallen.
Obwohl die ganze Welt um Balder trauerte, hat eine einzige unvergossene Träne sein Schicksal besiegelt....

Warum erzähle ich euch das?

Es gibt eine besondere Waffe, die sich Sax nennt.
Schon letztes Jahr war ich Feuer und Flamme eines Tages eine solche Klinge zu besitzen.
Es war auch Gegenstand einer der ersten Unterhaltungen zwischen mir und Brander gewesen und je mehr ich über das Sax erfuhr, desto größer wurde mein Verlangen danach.
Wie ihr wisst, bin ich bereits seit meiner Jugend ganz hingerissen von Waffen aller Art.
Wenn es dann vorkommt, dass ich mich in eine spezielle Waffe verliebe, dann ist das etwas ganz besonderes und lässt mir auch keine Ruhe, bis ich sie endlich mein Eigen nennen darf.
Im August diesen Jahres hab ich dann endlich das perfekte Sax gefunden und bei Kovex Ars in Auftrag gegeben.
Vor einigen Tagen hielt ich es endlich in meiner Hand und wäre vor Glück fast zersprungen.
Es kam genau rechtzeitig, um es selbigen abends in meiner ersten Trainingsstunde in Huscarl zu testen.
Da ich ein recht einsames Leben führe, habe ich kurzerhand ein Video von meinem euphorischen Ausbruch gedreht und in einer Facebookgruppe veröffentlicht.
Ich war sehr gespannt, wie die Leute mit so viel unverhohlener Freude umgehen würden.

250 Reaktionen habe ich bisher erhalten.
185 Menschen fanden es toll.
27 konnte ich zum Lachen bringen.
22 Herzen flogen mir zu.
10 Umarmungen habe ich kassiert.
Und 6 haben sogar gestaunt.
Ich weiß, dass das bloß mehr Schein als Sein ist.
Das sind schließlich alles Fremde, deren Meinungen im Grunde ohne jede Bedeutung sind.
Aber es fühlte sich so schön an - als ob die ganze Welt mit mir jubelt und das hat mir das Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt.

Wenn man jedoch seine Gefühle so offen legt, wie ich das getan habe, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn eine handvoll Arschlöcher mit voller Wucht hineintreten.... ...weil sie es können.

Ich hab das ganz wissentlich in Kauf genommen.

Ich war überzeugt, dass die Freundlichkeit überwiegen würde und dass mir genug Fans zur Seite springen würden, sobald die ersten Angreifer kommen.

Erwartung Nummer 1 erfüllte sich: Die Angreifer kamen.

Es konnte sich einfach nicht JEDER für mich freuen.

So, wie auch nicht jeder um Balder weinen wollte.

Erwartung Nummer 2 war ernüchternder.... Nur ein einziger älterer Herr hat mich in Schutz genommen.

Das Video wurde 4.325 mal aufgerufen.

264 mal wurde es kommentiert.

Und nahezu alle haben Beifall geklatscht.


Aber nur ein einziger Mensch besaß genug ehrliche Freundlichkeit, um mit mir gegen die Loki-Zungen zu kämpfen.


Das ganze Thema, welches ich hier anspreche versinnbildlicht den Geist unserer Zeit.

Die Menschen besitzen gerade mal genug Courage, um dem Herdentrieb zu folgen.
Mehr darf man einfach nicht mehr erwarten.

Ich habe die Situation ganz bewusst provoziert.
Es war ein Experiment.

Ich war einfach zu sehr davon überzeugt, dass kein Mensch auf der Welt so schlecht sein kann, in ein lächelndes Gesicht zu rotzen.

Ich habe mich leider geirrt.




17.10.20 16:30, kommentieren

Es blühen Herbstzeitlosen…


 

…sagen tröstend zu mir: was macht das schon, wenn ich einmal verlier‘?

 

 

Ich habe Halfdan angeschrieben.

 

 Aus Neugier habe ich mal nachgeschaut, was aus ihm geworden ist und was er in der Zeit seit unserer Trennung so getrieben hat. Und ich war überrascht.

Der Mann hat sich gemacht.

Nicht nur dass er in einer äußerst starken Sippe aufgenommen worden ist und seinen Armreif verliehen bekommen hat, er war auch fleißig und hat tatkräftig beim Bau des weltweit einzigen (nicht-museums-) Wikingerdorfes mitgeholfen.

Auch sein Kleidungsstil ist dem Frühmittelalter nun deutlich besser angepasst.

Es hat mir gefallen zu sehen, dass er die Sache ernst nimmt und sich weiterentwickelt.

Ich finde, dass ein solcher Werdegang auch eine angemessene Würdigung verdient und habe ihm meine Hochachtung dafür ausgesprochen.

Ich weiß nicht, ob ihm das großartig was bedeutet, aber ich wäre nicht ich, wenn ich mich dazu ausgeschwiegen hätte.

Nach ein paar Tagen hat er gestern tatsächlich geantwortet.

Er war freundlich und erzählte bereitwillig alles was ich hören wollte. Er wird von den Jomsburg Eaststorm Kriegern trainiert. Das machte mich hellhörig. Ich erwähnte einen gewissen spanischen Schmied und erfuhr von Halfdan, dass dieser zu Ulflagg Eaststorm gehöre und damit auch Teil der Jomsburg sei.

Die beiden hatten sich im Wikingerdorf kennen gelernt.

Die Welt ist klein.

Halfdan erzählte mir, was ich bereits geahnt hatte: Der Spanier ist aufgrund seines Neidingswerks im Holmgang für ein halbes Jahr gesperrt worden und darf nicht mal mehr den Ulflagg-Schild heben, geschweige denn zu irgendwelchen Treffen gehen.

Das ist hart für einen der begabtesten Schwertkämpfer der Jomsburg.

Andererseits hat er auf diese Weise genügend Zeit und Muße meinen Auftrag zu erledigen.

 

Ich habe Halfdan gesagt, dass ich sein Dorf gern eines Tages mal besichtigen würde, wenn es möglich ist.

Und er teilte mir mit, dass er die Erlaubnis erhalten hat, seine eigene Hütte dort zu bauen, damit er dort eines Tages fest leben kann.

(ohne Kühlschrank, elektrisches Licht, Heizung, etc&hellip oO

 

Es hat mich überrascht, dass Halfdan in so kurzer Zeit einen so weiten Weg zurück gelegt hat, so dass er mich mit großem Vorsprung überholen konnte. Aber ich gönne ihm diesen wahnsinns Erfolg von ganzem Herzen und finde, dass er zurecht stolz auf sich sein kann.

 

Meine Anstrengungen haben mich zwar noch nicht ganz so weit gebracht, aber ich gebe mir trotzdem Mühe.

 

Es ist halt etwas anderes, wenn man ziemlich allein auf weiter Flur und von allen Göttern verlassen ist.

 

 

Meine Schutzrunen sind alle gebrochen.

 

Algiz von Branders Halskette ist mit der Zeit spröde geworden, so dass das Eibenholz zersprungen ist.

Und auch das Algiz von meinem Lederarmband, welches ich Tag und Nacht trage, ist mitten durch die Rune durchgespalten.

 

Die Götter entziehen mir ihren Schutz und ihren Beistand.

 

Vielleicht, weil es vergebene Liebesmüh‘ ist?

Vielleicht aber auch, weil es Teil der Prüfungen ist, dass ich einen Teil meines Wegs alleine gehen soll?

 

Ich weiß es nicht.

 

 

 

Heute Abend habe ich meine erste Trainingsstunde bei einem Verein, der Huscarl kämpft.

 

Vielleicht hab ich ja Glück und jemand bricht mir endlich das Genick….

 

 

-.-

 

 

Ach, ich mal wieder…

Mein Problem ist, dass ich einen Großteil meines Lebens im stetigen Wettbewerb verbracht habe und dass mein Denken immernoch davon geprägt ist.

Ich muss lernen, dass es keine Schande ist, zu verlieren.

Nicht solange man dabei Spaß hat.

 

Ich bin kein schlechterer Mensch, nur weil ich weniger erfolgreich bin, als alle anderen.

 

 

Auch ich darf stolz auf mich sein.

 

 

Ich kann zwar nichts besonders gut, aber ich kann von allem ein bisschen. Und das ist viel, wenn man es zusammenfasst.

 

 

Eines Tages werde ich bestimmt eine Sippe kennenlernen, die mich nimmt, genau so wie ich bin.

Und wir werden lachen und Spaß zusammen haben und singen und Rituale abhalten und Unsinn treiben und uns lieb haben, wie eine Familie. Dort würde ich dann endlich alles lernen, was mir noch fehlt. Und ich würde sehr glücklich sein.

 

 

Vielleicht

 

 

 

13.10.20 10:08, kommentieren

Alles hat seinen Preis



Lucky hat sich gemeldet.

Ich hätte gar nicht mehr damit gerechnet, da kam eines Abends plötzlich ein Lebenszeichen von Lucky, dem sächsischen Ritter.

Er wollte Kontakt und meine Freundschaft auf Facebook.
Ich schrieb ein bisschen mit ihm und er beteuerte immer wieder, dass es ihm nur um eine platonische Freundschaft ginge, weil ich so einen interessanten Charakter hätte.

Ernsthaft jetzt?

Alter Schwede, ich kenne meinen Charakter und der ist alles andere als interessant.

Aber ok, ich hab ihm eine Kostprobe meiner platonischsten Ergüsse geliefert und ihm davon berichtet, wie ich den Schimmel aus der Dusche entfernt habe und wie mir beim Runtertragen des Biomülls scheffelweise Maden über die Hände gequollen kamen.
Seine Reaktion war wenig überraschend: ganz so platonisch musste es dann doch nicht sein.

Nach laaaangem Hin und Her hab ich ihm schließlich geholfen und ihm Angeboten seine heimliche Geliebte zu sein und bei Facebook die platonische Freundin zu mimen.

Er hat wahnsinnig Schiss vor seiner Frau.

Ich hab sie mir angeguckt. Und ihren Zweitaccount hab ich auch schnell ausfindig gemacht.
Anschließend hab ich ihre beiden Accounts blockiert.
Ich hab einfach kein Bock auf Ärger. Ich will nur den Spaß. Sonst nichts.

Und so fing ich also an ihm die tägliche Dosis Instant-Liebe zu verpassen.
Ich weckte ihn mit zärtlichen Morgengrüßen, verwöhnte ihn tagsüber mit honigsüßem Flirt und küsste ihn auch zur Gute-Nacht.
Er fährt total darauf ab. Seine Frau hat ihn noch nie so verwöhnt oder behuddelt.
Auch liebt er die Illusionen, die ich in ihm wecke. Wenn ich beispielsweise beschreibe, wie gern ich jetzt mit einer Tasse Kakao und einer Pralinenschachtel auf seinen Schoss gekuschelt mit ihm fernsehen würde, während er mich im Arm hält. (ganz einfache Dinge also) Das ist für einen Mann, der sich verzweifelt nach Nähe sehnt tausend mal mehr wert, als schnödes Dirty-Talk.

Er hatte die Tage Geburtstag und wollte sich morgens im Bett an seine Frau kuscheln. Da hat sie ihm ihren Ellbogen in die Rippen gerammt.

Das ist seine Realität.

Es war auch mal meine Realität.

Nun wollte ich ihm aber auch das volle Verwöhnprogramm einer waschechten Comare nicht vorenthalten. Nur leider ist das über mehrere Bundesländer hinweg schwer möglich. Also habe ich ihm erotische Fotos und Videos per Whatsapp geschickt, ohne zu ahnen, dass er eine Umleitung direkt an die Cloud eingestellt hat, welche seiner Ehefrau ebenfalls einsehen kann....

Wir sind nun alle beide ziemlich verunsichert.
Seine Frau jedoch tut zumindest so, als sei sie ahnungslos und dabei wollen wir es erstmal belassen.

Ich schickte jetzt erstmal keine allzu heftigen Dateien mehr und beschränkte mich lieber auf mein Liebesgeflüster.
Das kann ich sowieso am besten.

Was ich davon habe?

Nicht viel, um ehrlich zu sein.

Ich tue jemandem gut, der es bitter nötig hat.
Und ich bilde mir ein, irgendwo einen Geliebten zu haben, der Tag und Nacht nur noch an mich denkt. Das ist irgendwie süß.

Rein vom Äußerlichen ist er überhaupt nicht mein Typ.
Er ist von zarter Statur und sein Gesicht wirkt um einiges älter als er eigentlich ist.  Es spiegelt zu viele unglückliche Jahre. Und sehr wahrscheinlich auch eine Menge Drogen.
Was ich an ihm mag, ist seine Begeisterung für viel Sex immer und überall. Ansonsten weiß ich noch nicht viel über ihn.
Muss ich auch nicht. Wayne interessiert's...

...

Heute war ich bei Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt zu Besuch.
Ich habe ihm die Kinder übers Wochenende bringen und außerdem meine unfertigen Rüstungsteile mitbringen sollen.
In seiner Garage hat er mir dann endlich die Kupfernieten eingeschlagen.
Ich hatte durchaus auch Angebote von anderen Männern, mir bei dieser Arbeit zu helfen, aber denen war kein Stück zu trauen.
Und sorry, wenn ich das jetzt sage, aber ich such mir die Männer schon selber aus, mit denen ich intim werden möchte.
Ich hab einfach kein Bock mehr auf schmierige Typen Ü50 und Ü60, die im Rahmen ihrer genzenlosen Selbstüberschätzung und Midlifecrises an mir kleben und mich betatschen und sich auch noch einbilden, es habe mir zur Ehre zu gereichen!
*schüttel*

Nein, nein... Meinem Exmann kann ich blind vertrauen.
Er weiß was er tut, ist handwerklich begabt und hat noch nie freiwillig Sex mit mir gewollt.

So dachte ich zumindest....

Ich stand also mit ihm in der Garage.
Die Kinder saßen im Haus und guckten einen Film.
Er nahm die Materialien, um die Diechlinge zu basteln und setzte Markierungen und stanzte Löcher und vernietete das Leder mit den Kniekacheln.
Ich hab dabei assistiert und geholfen so gut ich konnte.
Dann passte er mir die Rüstung an. Dabei kniete er nieder und befingerte mich gezwungenermaßen am Oberschenkel. Da hab ich mir auch nichts weiter bei gedacht. Er zurrte die Riemen fest und drückte und rüttelte, ob alles gut saß.
Mit seinem Gesicht rückte er immer näher an meine Weiblichkeit.
Und dann ging es los.
Er schwafelte los, wie triebig er aktuell sei und dass er nicht mehr wisse, wohin mit seiner ständigen Lust. Er fuhr mit seinen Fingern den obersten Rand der Diechlinge entlang und streifte meine Schamgegend.
Dann umklammerte er jäh meinen Schenkel und biss mir seitlich weiter hinten in eine Stelle zwischen Oberschenkel und Po.

Ich versuchte sein Gehabe mit Humor zu nehmen und brachte ein kurzen Lachen hervor und bemühte mich Abstand zu gewinnen.

Er aber spürte die Ablehnung und begann mir Vorwürfe zu machen, warum ich in der Ehe nicht so schlank gewesen wäre wie jetzt.

Das traf mich tief.

Als wir uns kennenlernten war ich noch in der Berufsschule und mindestens genauso schlank wie heute.
Das hat er wohl vergessen.
Ich hab erst viel später mit der ersten Schwangerschaft zugenommen.
Und dann nochmal bei der zweiten.
Außerdem hat er nie viel mit mir unternommen, so dass ich immer nur mit den Kindern eingesperrt gewesen war.
Und ins Fitnesscenter hat er mich auch nie gelassen, weil er nie auf die Kinder aufpassen wollte und sich bis zuletzt geweigert hatte, Windeln zu wechseln.
Ich habe drei Jahre eine Mitgliedschaft bezahlt, die ich nie nutzen konnte.
Mit meiner Freundin war ich vielleicht ein halbes Dutzend male in dem Laden gewesen, und auch nur dann, wenn meine Mutter angereist kam, um die Kinder zu hüten.

Und so stand ich also da und hörte mir seine Vorwürfe an und merkte, dass er sich eine ganz andere Welt in seinem Kopf zusammengebastelt hatte.

Armer Kerl.

Wer es nötig hat eine Welt zu erfinden, muss furchtbar viel Angst vor der Wirklichkeit besitzen.

Ich zwang mich zu einem freundlichen Gesicht und bedankte mich für seine großartige Arbeit. Dann zog ich die Diechlinge aus und holte meine Handtasche. Ich sagte ihm, er solle schon mal Kaffee kochen und dass ich einen kurzen Spaziergang zum Bäcker mache um Kaffeestückchen zu holen, damit wir seine besondere Leistung feiern konnten.

Ich musste da raus.

Ich hätte sonst geweint.

...

Als ich wieder kam, tranken wir Kaffee und gingen anschließend auf den Balkon um eine zu rauchen.

Dort sprach er nochmal Tacheless mit mir.

Er war sehr ernst und betonte, dass er bisher sehr großzügig mit mir gewesen sei. Er hätte beispielsweise keinen Anspruch erhoben, als mir die Corona-Zulage in Höhe von € 500,00 von der Familienkasse überwiesen worden war.
(keine Ahnung woher er das weiß )
Ich fragte, warum er Anspruch darauf haben sollte. Schließlich musste ich ganz allein die Betreuungs-Umstände mit beiden Kindern managen und gleichzeitig arbeiten gehen.
Er hob den Zeigefinger. "Ich hätte dir das unterhaltsrechtlich als Einkommen berechnen und dir hälftig vom Unterhalt abziehen können!"
Ich schluckte. Ich wollte ihm nicht beichten, was ich mit dem Geld getan hatte.
Doch er zuckte gönnerhaft die Schultern und meinte, dass er auf seinen Anspruch verzichten wolle, wenn ich die volle Summe auf die Konten der Kinder aufteilen würde.
Jetzt war ich in der Verlegenheit es doch zu beichten.
"Das würde ich ja gerne tun.... ", rückte ich heraus, "...aaaaber.... ich hab das Geld nicht mehr."
Einen Moment herrschte Schweigen zwischen uns.
Dann beichtete ich die Kurzfassung: "Ich habe einen Schmied beauftragt mir einen ordentlichen Wikinger-Helm und ein gutes Schwert zu machen."

Die Langfassung ist etwas komplizierter...

Vor ziemlich genau einem Jahr um die Zeit habe ich meinen damaligen Gefährten Brander mit einem gewissen Spanier betrogen.
Dieser Spanier hat einen besten Freund, der ebenfalls Spanier ist und mich auf Facebook angeschrieben hat, als ich in einer Mittelaltergruppe von meinem viel zu schweren Schwert geschrieben hatte.
Die beiden Spanier gehören einer Sippe an, die sich neulich im Holmgang ganz fürchterlich mit einer anderen Sippe bekämft hat. Der Kampf war via Live-Übertragung in einer Mittelalter-Facebook-Gruppe zu sehen gewesen und ich habe auch live gesehen, wie die Sache ausgegangen war.... Aus einem Holmgang wurde ein sogenanntes Neidingswerk, als die Spanier mit Fäusten einen Typen ohne Rüstung zusammengeschlagen haben.
Dann wurde das Video abgebrochen.
Aber ich habe es gesehen.
Und ich habe auch gesehen, wie viele Sippen in ganz Europa von diesem Verhalten öffentlich Abstand genommen haben. Und ich kann mir auch denken, dass besagte Spanier und deren Sippe nun bei vielen Marktbetreibern keine Teilnahmeerlaubnis mehr kriegen.
Und ich bin auch ziemlich sicher, dass dies kräftige Einbußen weit über Corona hinaus in das mittlalerlich betriebene Geschäft des spanischen Schmiedes gerissen haben dürfte.

Zu dem Zeitpunkt als mich der Schmied vor einigen Wochen angeschrieben hatte, war ich noch Feuer und Flamme kämpfen zu lernen, um Brander damit zu beeindrucken.
Aber ich hatte kein Geld, um ihn zu bezahlen.
So vertröstete ich ihn und versprach ihm bis zum Ende des Monats September das Geld aufzutreiben.
Er wollte 510,00 Euro von mir.
Dafür würde alles für mich maßgeschneidert werden und er versprach mir gute Arbeit. Er sei schließlich Künstler und alle seine Werke würden mit Herzblut gemacht.
Mir war das Geld völlig egal. Ich wollte nur noch schnell meine alte Haut hinter mir lassen und in eine neue schlüpfen, damit ich wie ein schöner bunter Schmetterling....wie ein Phönix aus der Asche auferstehen konnte!
Als die Corona-Zulage kam, hab ich ihn sofort angeschrieben und nach seiner PayPal-Adresse gefragt.
Und dann ist was komischen geschehen.
Ich sendete ihm wie vereinbart 510,00 € und sie wurden auch von meinem Konto abgebucht.
Er aber sagte, ich müsse den Betrag nocheinmal senden, weil sein PayPal-Konto schon voll sei. Und er gab mir eine zweite Adresse und versprach mir die umgehende Rückerstattung, des bereits gezahlten Betrages.
Ich sendete also noch einmal 510,00 € auf sein zweites PayPal-Konto.
Das war zwei Tage bevor die Miete normalerweise von meinem Konto abgeht.
Mein Konto war aber nun nicht mehr ausreichend gedeckt und ich bat ihn inständig sich mit der Rückerstattung zu beeilen.
Zuerst hörte ich erst mal nichts mehr.
Am nächsten Tag fragte er nach meiner Handynummer.
Ich gab sie ihm.
Ich war verzweifelt.
Dann sendete ich ihm eine sehr lange Sprachnachricht, in der ich betonte, wie ehrenvoll es für mich sei, einen Künstler in Notzeiten zu unterstützen und dass ich am liebsten noch viel mehr zahlen würde, wenn ich nicht eine alleinerziehende Mutter mit nur sehr geringem Einkommen sei. Und ich bat sehr flehentlich um die Rückerstattung der Überzahlung. Und ich schmierte ihm noch allerlei anderen Honig um den Bart.
Schließlich erhielt ich pünktlich zum Stichtag der Mietfälligkeit die Rückerstattung von dem Schmied.
Ich hätte vor Erleichterung fast Pipi in die Hose gemacht.
Ich hatte so Angst, dass sein Kumpel ihm davon erzählt haben könnte, wie ich ihn einst in die Scheiße geritten hatte, als ich Brander was von "Vergewaltigung" erzählt hatte....

Meine Mutter Poor-Angel ist übrigens immernoch der Auffassung, dass es tatsächlich eine Vergewaltigung gewesen war. Schließlich sei der Spanier damals gegen meinen Willen ohne Verhütung mehrmals in der Nacht in mich eingedrungen und hatte mir allerhand Schmerzen beigebracht, obwohl ich ihm sagte, dass ich das nicht wollte.
Meine Gegenagumente lauten jedoch beharrlich darauf, dass ich mich 1. freiwillig in sein Zelt gelegt und mich 2. auch nicht gewehrt hatte und 3. bin ich auch nicht weg gelaufen oder habe geschrien.
Was ist das bitte für eine Vergewaltigung???
Ende des Themas!

....


Das alles konnte ich Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt natürlich nicht erzählen.

Aber Tatsache bleibt: die Welt ist klein.


Und so begegnet man sich immer zweimal im Leben....






4 Kommentare 10.10.20 20:09, kommentieren

Feel like Buddy Holly



Nachdem ich Pepé Le Pew, wie ich meinen ehemaligen Schwertbruder zärtlich nenne, sowohl im Messenger als auch auf Whatsapp blockiert habe, hab ich auch Abstand zu den Sippen eingenommen, in denen er verkehrt. Ich will ihm einfach erst mal ne Weile aus dem Weg gehen.
Ich hab einfach zu sehr das Gefühl, dass er mich um jeden Preis versucht hat zu kaufen. Und um weiteren solcher Bemühungen zu entgehen, habe ich mich feige zurück gezogen.
Ich weiß, dass das unehrenhaft von mir war, aber was soll's!? So ist das Leben nunmal. Als ob irgendjemand jemals Rücksicht auf meine Gefühle genommen hätte???

Also bin ich nicht mit Alvin und seinen Chatten nach Reichelsheim gefahren.

Ich bin dem Wink eines Barden gefolgt und habe ein Ticket für das Fantasy-Mittelalter-Spektakel an der Loreley gebucht, in der Hoffnung, ihn dort wieder zu sehen.
Leider hat er mich bloß verarscht und ich war erst mal sehr gefrustet darüber.

Trotzdem fand ich den Markt sehr schön.
Ich hab mir alles in Ruhe angesehen und auch nach Leuten von Facebook Ausschau gehalten. Dann hab ich mich in die Sonne gesetzt und ein bisschen meine Handarbeit weiter gemacht, während nebenan eine Mittelalterband spielte.
Plötzlich unterbrach eine Ausrufung das Treiben und ich raffte mich auf, um nachzusehen, was dort vor sich ginge.
Drei sächsische Ritter aus dem 12. Jahrhundert hatten sich für einen Schaukampf eingefunden. Sie spielten eine Geschichte und es ging letztlich darum, wer von ihnen aus dem heiligen Gral trinken und ewig leben dürfe.
Nach langwierigen Duellen warf der letzte Überlebende versehentlich im Schwächeanfall den Gral um und verschüttete das Wasser. Damit war die Geschichte aus und die Zuschauer verließen nach geschuldetem Beifall den Kampfplatz.
Ich dagegen fasste mir ein Herz und ging auf die Männer zu.
Ich fragte, ob sie nicht lieber einen Schluck aus meiner Flasche haben wollten.
Zwei von ihnen nahmen mein Angebot glücklich an.
Einer kniete sogar vor mir nieder und ich durfte es ihm in den Mund gießen.
Dann unterhielten wir uns über die verschiedenen Waffen, die sie im Kampf verwendet hatten und ich durfte alles anfassen was ich wollte.
Zum Dank bot ich an, beim Tragen zu helfen und folgte den Männern in ihr Lager.
Ich erzählte, dass ich selbst kein eigenes Zelt besäße und deshalb im Auto schlafen würde. Darauf bekam ich die Einladung bei ihnen zu übernachten.

Nach sehr sehr langer Zeit ohne Beischlaf und ohne Zärtlichkeit war ich nur allzu bereit alles zu wagen.
Dazu muss ich sagen, dass ich trotz Einnahme der Pille unter starkem bis nymphonanischen Sexualtrieb leide und dass es wahre Folter für mich bedeutet Monate oder manchmal auch Jahre auf Geschlechtsverkehr warten zu müssen.
Schuld bin nicht ich! Ich bin ziemlich toll.
Schuld sind gesellschaftliche Konventionen gepaart mit einem deutlichen Mangel williger und tauglicher Männer...

Der Rest des Tages war wunderschön. Einer der Ritter hat später noch in anderem Kostüm eine Feuerschow aufgeführt.
Mein eigentliches Interesse galt jedoch seinem schwarzhaarigen Kollegen. Er zählte 31 Jahre und machte einen interssierten Eindruck.
Ich will ihn Lucky Praecox nennen. Der Mann der schneller schießt als sein.... ach, vergesst es einfach. Dazu kommen wir später...
Wir kauften uns eine Flasche Beerenwein und kletterten ein Stück die Weinberge runter, um ein bisschen allein zu sein.
Es war wirklich angenehm mit ihm.
Wir haben uns viel zu sagen gehabt und dabei eine tolle Aussicht auf den Rhein und die Berge genossen. Und auch der Wein war süffig genug, dass ich bald die enthemmende Wirkung spürte.
Obwohl - oder gerade weil - er mir gestand, dass er unglücklich verheiratet und sogar Vater von zwei Töchtern sei, habe ich mich an ihn gekuschelt und ihn geküsst.
Es hat mir das Herz gebrochen, zu hören, dass seine kaltherzige frigide Frau ihn seit anderthalb Jahren nicht mehr in ihre Nähe ließ und dass er nur noch wegen der Kinder bei ihr blieb.
Auch war er ihr in all der Zeit immer treu geblieben und hatte die Abstinenz tapfer ertragen.
Ich war wie von Sinnen als ich das hörte.
Nie hätte ich gedacht, dass es Frauen gibt, die zu solchen Greueltaten imstande sind! Ich dachte immer, es seien ausschließlich die Männer, die immer "zu müde" seien.
Ich ließ mich von ihm rücklings ins Gras drücken und gestatte ihm bereitwillig mit der Hand meine Intimzone zu erkunden.
Ich küsste und streichelte ihn und bog mich ihm entgegen.
Als ich flüsterte, dass ich für ihn bereit bin, machte er sich frei und drang in mich ein.
Im ersten Moment war ich ein wenig irritiert. Er ist .... nein, also er ist nicht klein, aber... tja, wie sag ich das am besten.... schmal?
Aber bevor ich Zeit hatte mich zu fragen, ob es vielleicht eher an mir und meinem Reifegrad liegt, war er sowieso schon fertig.
Er entschuldigte sich.
Ich tröstete ihn, dass das ein großes Kompliment für jede Frau sei, wenn ein Mann vor lauter Lust nicht an sich halten könne.
(falls Frauen das hier lesen: bitte vergebt mir)
Er wollte, dass wir rasch wieder zurück gehen. Ihm war, als ob wir beobachtet worden wären.
Mittlerweile war es stockfinster und ich ziemlich angenüchtert...
Aber ich bin sicher, ich schwebte elegant wie eine Elfe die Hänge hinauf.... eine rotzbesoffene durchgebumste Elfe...
Auf dem Marktplatz waren alle Lichter bereits aus und alle Stände geschlossen.
Nur seine beiden Kumpels saßen noch auf einer Bierzeltgarnitur und soffen querbeet lauter lustiges Zeug.
Sie luden mich ein, alles mal zu probieren.
Dazu muss ich sagen, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr zu mir genommen hatte und sowie nicht viel vertrage.
Ich trinke zu Hause kein Alkohol und ich gehe auch nicht in irgendwelche Kneipen.
Ich trinke an Silvester mein Glas Sekt und opfere gelegentlich ein bisschen angekosteten Met an die Götter.
Mehr is nüsch!
Und als ich also tapfer alles in mich hineinlaufen hatte lassen, befand Lucky, dass ich reif für einen kleinen Spaziergang sei.
Und wir gingen ein kleines Stück und kamen an einen Baum, an den er mich dann drückte und erneut beglücken wollte.
Ich freute mich, dass ihm sein kleines Kunststück ein zweites mal an einem Abend gelingen sollte und bot ihm meine Kehrseite an.
Diesmal brachte er es locker auf mindestens 30 Sekunden!
Und jetzt muss man mir mal lobend die Schulter tätscheln, dass ich in meinem heiteren Zustand nicht brüllend vor lachen in die Brombeeren gefallen bin.

Nein, Spaß beiseite, ich war in diesem Moment einfach nur unendlich dankbar, dass mir ein Mann die heilige Ehre erweist, mir sein besonderes Geschenk in den Schoß zu spritzen.

Selbstbefriedigung schön und gut... Aber es bleibt ansich nur eins: ein Teller Soße ohne Fleisch. Schmeckt vielleicht gut, aber satt wird man nicht davon.
Und was nützen mir meine multiplen Orgasmen, wenn ich mich dabei nicht ausgefüllt sondern leer fühle?

Ich würde all meine Höhepunkte dafür geben, wenn ich nur einmal die Woche Sex haben dürfte.

Aber die Götter haben anders über mich entschieden.

Ich darf immer nur dort willkommen sein, wo ich gebraucht werde.

Mittlerweile hab ich ein ganz gutes Gespür dafür, wann ich nicht mehr erwünscht bin.
Dazu komme ich auch gleich.

Vorab will ich nur erwähnen, dass die Nacht mit drei Männern im Zelt wirklich einmalig war.
Seine Freunde haben ihm streng verboten mit mir im Zelt Sex zu haben. Aber sie haben mir nicht verboten nur in Unterwäsche bei ihm zu liegen.
Ich weiß nicht, ob ich meinen leichtfertigen Entschluss im Nachhinein bedauern soll.
Tja, auf der einen Seite hab ich viele zärtliche Berührungen und Aufmerksamkeit genossen. Andererseits hab ich mich halbtot gefroren unter seiner dünnen Decke.
Aber er hat sich Mühe gegeben, mich warm zu halten und das war sehr angenehm.
Natürlich hatten wir trotzdem heimlich Sex.
Und weil er ja meines Wissens nach weitgehendst dem Zölibat unterworfen ist, brauchte ich mir auch keine großen Gedanken wegen Aids oder sonstigem machen.

Anderntags war die Stimmung gekippt, aber mir war nicht ganz klar wieso.

Als ich von der Morgentoilette wiederkam, bauten die Männer bereits ihr Zelt ab und packten ihr Zeug zusammen.
Ich war bemüht ein bisschen zu helfen, aber das lehnten sie ab, weil sie ein eigenes System verfolgten und ich davon keine Ahnung hätte.
Also setzte ich mich abseits, rauchte eine Zigarette und nahm meine Handarbeit wieder auf.

Schließlich wollte Lucky einen Kaffee trinken gehen und ich lief ihm schnell nach, weil ich dringend frühstücken wollte.
Er bezahlte mir den Kaffee und setzte sich mit mir an einen Tisch.
Einer seiner Kumpel kam auch dazu und die beiden unterhielten sich fröhlich, wie Männer das so tun, wenn sie sich eigentlich mögen aber schreckliche Dinge zu einander sagen und dabei lachen. Ich kann das nicht gut beschreiben.... Gibt es dafür einen Fachausdruck?
Egal, ich teilte mein Essen mit den anderen und versuchte angesichts der verbalen Entgleisungen kein allzu verstörtes Gesicht zu machen.
Schließlich stand Lucky auf und ging einfach weg. Er hatte noch viel zu tun.
Sein Kumpel blieb bei mir und sollte das Becherpfand wieder auslösen, wenn ich fertig war.
Ich versuchte mich mit ihm zu unterhalten, aber mir fehlten ein bisschen die Worte. Auch weil Lucky sich mir gegenüber so distanziert benahm.
Eigentlich hätte ich zu diesem Zeitpunkt verschwinden sollen, aber ich war doof und bin Lucky weiter nachgelaufen.
Er wollte sich einen Waffenstand anschauen gehen und ich ging mit ihm. Doch nach einer Weile an besagtem Stand drehte ich mich um und er war einfach verschwunden.
Ich trat aus dem Stand und blickte mich um und sah, wo er hinging.
Da war ich aber bereits endlich schlau genug, ihn in Ruhe zu lassen und bin woanders hingegangen, um meinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

So fühlt sich das an, meine Damen und Herren.

Wenn man jemanden blockiert und derjenige gar nicht weiß, was er falsch gemacht hat.
Bzw. wenn man jemanden eiskalt stehen lässt und sich einfach aus dem Staub macht.

So sind wir Menschen nunmal.
Und darum war ich auch nicht gekränkt.

Ich nahm meine Wolle und setzte mich an die schöne Aussicht, um ein bisschen weiter zu arbeiten.
Es ist gut, die Hände beschäftigt zu halten, während die Gedanken flattern.
Es beruhigt und entspannt und schafft Ausgleich.

Als ich lange genug dort gesessen und die Landschaft verschönert hatte, erhob ich mich und ging ohne mich auf dem Markt noch einmal umzusehen zum Lagerplatz, um meine restlichen Sachen zu holen und abzuhauen.

Dort saß Lucky. Verzweifelt das Gesicht in den Händen vergraben und machte einen jämmerlichen Eindruck.
Da wusste ich endlich was los war.
Er bereuhte nicht die Schäferstündchen mit mir.
Ganz im Gegenteil!
Ihm war klar geworden, was ihm im Leben fehlte und das muss wohl ein Schock für ihn gewesen sein.
Mit der Distanz hatte er lediglich beabsichtigt, die aufgepeitschten Empfindungen wieder abkühlen.
Das brauchte er nicht mal aussprechen. Seine ganze Aura verkündete es mir.
Als er hörte, wie ich meine Sachen aufhob, blickte er auf und kam zu mir.
Er nahm mich in den Arm und flüsterte, dass es ihm Leid täte und dass er irgendwas falsches gegessen hätte.
Ich seufzte und riet ihm, seiner Frau nichts von alledem zu erzählen. Es würde nur Ärger geben und überall gegen ihn verwendet werden. Und nicht zuletzt auch wegen der Kinder.
Lucky knuddelte ich und küsste meine Wange. Dann sagte er "ich hab dich lieb. Pass auf dich auf."
Und damit war ich entlassen.
Meine Aufgabe war erfüllt.

Den Rest erledigen die Götter.


Ich für meinen Teil, weiß nicht so recht wie ich mich fühlen soll.
Einerseits war es schön, mal wieder so zu tun, als ob man geliebt wird (und das ganz ohne alle Nachteile).
Andererseits wurde auch ich daran erinnert, was mir nun wieder für lange Zeit fehlen wird...

So I sit here playing Solitaire
it's a game I know so well....


Wie ist das überhaupt nmit den gebrochenen Herzen?
Sind sie denn noch zur Liebe fähig?

Hm.

Kann man aus zerbrochenen Gläsern trinken?

Nein.

Aber hört man deswegen gleich auf zu trinken, nur weil ein Glas zerbrochen ist?


Ihr Götter, was soll ich nur tun?





4.10.20 23:25, kommentieren

I get knocked down…

 

…but I get up again. You're never gonna keep me down!

 

 

Ja, es gibt mich noch.

 

 

Mein Geburtstag am Mittwoch lief ruhig und beschaulich ab.

Mein Exmann kam zum begleiteten Umgang und trank mit mir Kaffee.

Zu meiner großen Überraschung hat er mir ein Geschenk überreicht.

Nicht mal als wir noch verheiratet waren, habe ich Geschenke von ihm bekommen. Ich glaube, er hat mir damals zu meinem 30. die Windschutzscheibe wegen Steinschlag austauschen lassen.

An meinem 29. hatten wir sogar Sex.

Mehr weiß ich nicht mehr.

 

Als ich den Karton öffnete waren da hellrosa Rollschuhe mit weißen Schnürsenkeln drin.

Die Rollen waren aus weichem Gummi. Auch die Platte sah gut aus.

Ich hab mich bedankt.

 

Den späten Nachmittag verbrachten wir mit den Kindern im Wildgehege von Geislitz.

Ich hatte meine Nadelbinde-Arbeit dabei und genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen, während die Mädels Hirsche streichelten und Eicheln sammelten.

 

Abends holte ich halbe Hähnchen für alle.

 

Zum Abschied hat Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt mich sehr lange und fest umarmt.

Auch das hat mich gewundert.

 

 

-Das war mein 34. Geburtstag-

 

 

 

Beruflich läuft momentan einiges ziemlich schräg.

Es liegt nicht an meinen Vorgesetzten oder Kollegen, sondern an den Mandanten.

Es gibt leider immer wieder Fälle, die einen ziemlich aufwühlen können.

Da hatte ich doch einen Telefontermin mit einer Zigeunerin. Ich sollte mit ihr Punkt für Punkt ein Formular durchgehen, damit sie Verfahrenskostenhilfe bewilligt kriegt.

Irgendwann kamen wir zu dem Abschnitt eigenes Kraftfahrzeug und da wurde sie stutzig.

Sie fragte, ob sie das wirklich angeben muss.

Ich lachte und meinte, das dürfte sicher kein Problem sein. Einfach den Restwert übers Internet grob ermitteln und samt der Bezeichnung des Fahrzeug-Typs in die vorgesehene Spalte eintragen.

Sie weigerte sich immernoch.

Ich versuchte sie zu beruhigen und meinte, solange sie keinen Wagen im Wert von zwanzigtausend besäße, wäre das ganz sicher kein Problem.

Bei ihren wirtschaftlichen Verhältnissen (kein Job, kein Arbeitslosengeld, keinerlei Einkünfte, kein Unterhalt und nur naturale Verköstigung durch ihren komischen Stecher) würde sie vielleicht einen alten Fussel-Golf oder Polo fahren.

Tatsächlich aber räumte sie ein, dass sie einen Mercedes im Wert von € 70.000,00 fahre. Sie sei Halterin und Versicherungsnehmerin und alles laufe auf sie, weil ihr Freund sonst kein HARTZ IV bekäme.

 

… Mit all der Selbstbeherrschung die mir Mutter Natur in die Wiege gelegt hatte, fragte ich, ob das ein Scherz sei…? Ich warf ihr vor, dass sie im Begriff war deutsche Steuerzahler für ihre Prozesskosten zu betrügen und weigerte mich, die Scheiße weiter mit ihr auszufüllen.

 

Mein Chef fand das gar nicht komisch. Er meinte, es stünde uns nicht an, uns bezüglich der Sitten und Mentalitäten anderer Volksstämme ein Urteil zu erlauben. Das Auto sei bei Zigeunern Statussymbol und wichtiger als alles andere.

 

In diesem Moment wäre ich am liebsten mit erhobenem Mittelfinger zur Tür hinaus spaziert.

 

Was ist das nur für eine Welt…

 

 

 

Ein anderer Fall ist noch bizarrer:

Wir vertreten die Tochter eines ermordeten Kolumbianers, der mit einem Küchenmesser in der Brust tot (und nackt) im Badezimmer aufgefunden worden war.

Seine Ehefrau war zu der Zeit alleine mit ihm zu Hause und habe ihn angeblich nicht schreien gehört.

Weil sie alleinige Tatverdächtige ist, wurde sie über mehrere Monate von der Polizei und der deutschen Telekom überwacht. Ich habe einen ganzen Leitz-Ordner mit Gesprächsprotokollen der Telekom hier stehen (der Telekom-Mitarbeiter hat echt alles was gesprochen wurde notiert! Auch das spanische und italienische Zeug).

Dazu drei Polizei-Akten inkl. Farbfotos von der Leiche und der Tatwaffe. Außerdem die Bildreihe der Obduktion. Da sieht man alles! Wie der Skalp runter geschnitten und auf links übers Gesicht gelegt wurde, um die Schädeldecke zu untersuchen.

Man sieht die geöffnete Brust und alle Organe, die heraus genommen wurden.

(Der Typ war übrigens ziemlich durchwachsen, was den Fettanteil angeht.)

Heute kommt seine Tochter und will die Akten einsehen.

Ich hab alle Fotos raus genommen und im Nebenzimmer versteckt.

 

Interessant ist auch das Zeugenprotokoll. Anscheinend hatte die Ehefrau eine Affäre mit einem italienischen Eisverkäufer. Der wiederum wollte nicht zugeben, dass die Frau nebenbei heimlich eine Prostituierte war. Ach, und Schafe waren in den Fall auch irgendwie involviert!

Besser als jeder Krimi, sag ich euch.

Würde mich nicht wundern, wenn der Italiener zur Mafia gehört und den Typen selber kalt gemacht hat.

Es bleibt spannend.

 

 

 

 

 

Was gibt es sonst zu erzählen?

 

Ach ja, ich war bei einem Elternabend von Honigdachs‘ Kindergarten.

Wegen Corona durften wir die Besprechung nicht in der Kita abhalten (geschlossene Räume und so). Darum wurde extra ein Konferenzraum in Gelnhausen für den Abend gemietet (welcher übrigens auch ein geschlossener Raum war, aber wen interessiert schon, was ich darüber denke... ) .

 Wie alle anderen Elternabende auch, war dieser ebenso überflüssig und gehaltlos und langweilig.

Wie immer will niemand Elternbeirat sein. Wie immer wurde streng dazu ermahnt auf Süßigkeiten in der Brotdose zu verzichten. Etc.

 

 

 

 

Zu guter Letzt: Brander

 

 

Ich habe allen Widerständen zum Trotz meinen Entschluss durchgezogen und seine Nummer von meinem Handy gelöscht.

Es bleibt auch dabei! Egal wie viele Zeichen mir die Götter auch schicken wollen. Egal wie viele Berliner Nummernschilder mir auch plötzlich begegnen. Nichts wird mich jemals wieder umstimmen können!

 

 

Was man wirklich liebt, kann man nicht ersetzen.

Denn was man ersetzt, hat man nie geliebt.

 

 

Und ich wurde ersetzt.

Das sagt eigentlich alles.

1 Kommentar 2.10.20 09:50, kommentieren

Chancenlos in die Niederlage

 

 

Welche Chance hätte ich auch haben sollen?

 

Mir standen die Fehler meiner Vergangenheit, eine überlegene Konkurrentin und 500 Kilometer entgegen.

 

Nein, es ist mir natürlich nicht gelungen Brander zurück zu erobern. Nicht mit schönen Worten noch mit Taten.

 

Ich kann es ihm nicht verübeln.

Wenn ich die Wahl zwischen einer liebevollen treusorgenden Frau und einer abtrünnigen Hexe gehabt hätte, wäre ich auch meinem Herzen gefolgt.

 

 

Wir hatten gestern ein Gespräch. Darin hat er mir gesagt, dass er sie liebt und dass er bald mit ihr zusammenziehen wird.

Er sagte auch, dass er melancholisch wird, wenn er an mich denkt. Aber manchmal denkt er auch mit einem Lächeln an mich.

 

Naja, ich bin sicher, er hätte sich ein schöneres Leben für mich gewünscht.

Aber allein, dass er noch manchmal an mich denkt ist nett.

 

Ich glaube nicht einmal, dass er mir meine Fehler noch nachträgt.

 

Wie auch immer – es steht mir nicht länger zu, meinen Feldzug fortzusetzen.

Seine Freundin hat zwei kleine Kinder. Eins ist noch ein Baby.

Es steht außer Frage, dass sie ihn dringender braucht.

Und er hat es verdient seinen Weg ungehindert fortzusetzen.

 

Mein Plan, ihm nächsten Mittwoch an meinem Geburtstag eine Freundschaftsanfrage zu schicken werd ich besser unterlassen.

 

Was wird nun aus mir, so ganz ohne Ziel?

 

Naja, fürs erste hab ich das kommende Schwert-Training am Samstag abgesagt.

Auch das Lager mit dem Chattenland vom 03. bis 04.10. hab ich gecancelt.

Ich bau jetzt nach und nach alles wieder ab und ziehe mich zurück.

 

Vielleicht werde ich meine Schreibereien wieder aufnehmen.

 

Alles andere war wohl schlicht zuviel verlangt. Ich war einfach nie gut genug.

 

 

And'ren ist in ihrem Dienste

so viel mehr gelungen,

Die um ihre Anerkennung

voller Fleiß gerungen,

Ich nur habe ihr umsonst

gedienet und gesungen

 

 ---

Fühl dich geliebt, Baby. Ich küsse dich zärtlich in Gedanken. Wir werden uns nie wieder sehen. Ich verlasse deine Welt.

---

1 Kommentar 24.9.20 09:36, kommentieren

Kurz vorm aufgeben

 

 

 

Ich bin mal wieder an einem dieser berühmten Punkte im Leben angelangt, wo ich alles in Frage stelle.

 

Von Brander kommt kein Zeichen. Kein Interesse. Nichts.

 

Was mache ich mir eigentlich vor?

 

Am liebsten würde ich alles hinschmeißen und das Mittelalter gleich mit!

 

Ich hab einfach das Gefühl, ich komme nicht richtig vorwärts. Außerdem verstricke ich mich mehr und mehr in lauter kleine Schwierigkeiten, die schnell ausarten können.

Zum Beispiel habe ich Kontakt zu diversen Mittelaltergruppen, die sich untereinander nicht leiden können. Außerdem fühle ich mich in keiner Gruppe richtig geliebt oder wertgeschätzt.

Immer bin ich Außenseiter und keiner nimmt Notiz von mir.

Außer natürlich die Leute, die ich absolut abstoßend finde. Die kleben an mir, wie Fliegen an der Scheiße!

 

Wenn ich nicht bald in irgendeiner Weise ein Erfolgserlebnis kriege, werde ich mich aus der ganzen Geschichte wieder zurück ziehen.

 

Kann sein, dass das heute nur wieder so eine Stimmung von mir ist.

Aber wer will mir das übel nehmen?

 

Am Montag war meine Scheidung.

 

Keine Sau hat es interessiert.

 

Das ganze Procedere hat keine 7 Minuten gedauert.

Und das obwohl mittendrin das Diktiergerät der Richterin kaputt gegangen ist.

Es war eine hübsche junge blonde Frau mit künstlichen Fingernägeln und mein Exmann hat es sichtlich bedauert ausnahmsweise keinen Blaumann samt Schraubenzieher angehabt zu haben.

 

Hinterher war er noch bei mir und ich hab den restlichen Tag tapfer und mit vorbildlicher Mine hinter mich gebracht.

 

Erst abends als die Kinder im Bettchen waren, konnte ich meinem Unglück freien Lauf lassen und ein allerletztes mal um einen gescheiterten Traum weinen.

Ich habe Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt lange Jahre sehr geliebt und alles dafür getan, dass er immer glücklich und zufrieden war.

Ich habe 10 Jahre meines Lebens an ihn geopfert und rein überhaupt nichts dafür bekommen.

 

Und das gleiche würde mir mit Brander auch passieren.

 

Wie mit jedem anderen Mann.

 

Ich scheine nicht für die Liebe geschaffen zu sein.

 

 

Immer wenn ich für die Liebe kämpfe, reißen meine Bemühungen nur noch tiefere Klüfte zwischen mich und meinen Partner.

 

 

Darum ist alles so sinnlos.

 

23.9.20 10:20, kommentieren

Love is a shield to hide behind

…love is a field to grow inside

 

 

Am Samstag hab ich die Kids in aller Früh zum Kindesvater gekarrt und bin von dort gleich weiter gezischt zur Burg Lißberg, wo der diesjährige Court – der Gerichtstag – der SCA statt fand.

Es war sehr feierlich.

Der Court dauerte knapp drei Stunden und wurde sowohl auf deutsch als auch auf englisch abgehalten.

Es waren in der Tat sehr viele Amerikaner anwesend.

Die ganze Noble-Society hatte sich mit Prunk und Putz eingefunden, um unter anderem der Krönung der neuen Baronie zu KnightsCrossing beizuwohnen.

In Vertretung des Königspaares von Drachenwald war ein Herold geschickt worden, die Zeremonie durchzuführen.

Außerdem wurden einige SCA-Mitglieder für ihr Engagement und ihre treuen Dienste belobigt und erhielten Auszeichnungen.

 

Im Anschluss fanden zu Ehren der neuen Baronie die Wettkämpfe statt.

Auch ich durfte drei mal antreten und mein bestes zeigen.

Natürlich bin ich lange nicht so gut wie die anderen, aber ich konnte dennoch ein paar saubere und gut ausgeführte Treffer landen.

Nur einmal ist mir was peinliches passiert… Ich hab nicht gut gezielt und meinen Gegner zwischen den Beinen getroffen. Eigentlich kein Problem, weil alle Tiefschutz tragen. Aber mein erster Reflex war deutliche Betroffenheit und ich hab mich sofort entschuldigt.

Alle mussten schrecklich darüber lachen.

 

Alles in allem bin ich aber stolz auf meine Fortschritte.

Langsam begreife ich auch, dass die Power mehr aus der Hüfte kommen muss. Wie bei einem Peitschenschlag.

Ich bin sicher, die Freude und der Spaß werden noch umso größer, wenn ich erst mal die nötige Technik besser beherrsche.

Bis dahin tue ich es der Liebe wegen. Der Liebe für mich selbst, für  mein innerliches sowie mittelalterliches Wachstum, für die Götter und natürlich auch in Eingedenk für Brander, dem der Kampf stets mehr bedeutet hat, als ich es bislang begreifen konnte.

 

 

Einen Wermutstropfen hatte der ganze Spaß:

Ich hatte bereits lange im Vorfeld meinen Schwertbruder eingeladen, sich das alles mal anzusehen und er war auch erschienen. Das habe ich aus vollstem Herzen bereut. Der Typ klebte nonstop wie eine Klette an mir und ich musste mehr als einmal die Luft anhalten ob seines Odeurs.

Das schlimmste war allerdings sein ewiges Schweigen. Dieser Mensch ist zu keinerlei Unterhaltung fähig. Mit einem Wort: langweilig.

 Wann immer ich konnte, habe ich mich verdrückt.

Das ist gemein von mir, aber was soll ich denn machen?

 

 

Am späten Nachmittag tauchten zwei Barden auf. Man findet sie bei Facebook unter dem Stichwort PapperlaBarden. Sie haben für uns bis in die Nacht hinein am Lagerfeuer Musik gemacht und waren echt super talentiert. Die Stimmung war bombig!

Hinterher wollten einige Leute ihre Karten, um sie für Hochzeiten und ähnliches zu buchen.

Ich hab über die Texte so viel und so herzlich gelacht, dass ich Muskelkater in den Wangen bekam.

Es war wirklich köstlich!

 

 

Ich bin nicht übernacht geblieben.

Ich hatte Hunger und wollte nach Hause. Eine von Lord Aelrics Liebchen hat mir zwar eine Scheibe Brot aus seinem Vorrat gegeben, aber ich fühlte mich körperlich dennoch in schlechter Verfassung.

Seit der Trennung von Brander habe ich 7 Kilo verloren und bin jetzt bei 60,2 kg.

Ich will auf keinen Fall unter die 60 kg-Grenze rutschen und geb mir Mühe von Zeit zu Zeit genügend zu essen. Leider verwertet mein Körper nichts mehr so richtig und ich krieg auch nicht sehr viel runter.

Wenn ich mich zwinge mehr zu essen, bekomme ich sofort Krämpfe und scheide alles wieder aus.

Ich weiß, dass es Stress ist.

Aber ich hab es eilig meine Sterne neu zu ordnen, mein Leben zu ändern und mein Ziel zu erreichen.

Und diese Unruhe will mir keine Pause gönnen.

 

Immerhin ein kleines Erfolgserlebnis hatten meine Bemühungen schon: Brander hat zugegeben, dass es nicht wenig Beeindruckendes an mir gäbe.

 

Allerdings reicht das noch nicht aus.

Ich muss auch sein Herz zurück erobern können und dazu muss ich irgendwie mehr leisten, als meine Konkurrentin.

 

 

Um die Beweglichkeit meines Beckens zu trainieren, gehe ich sonntags wieder inlineskaten.

Eigentlich sollte ich auch Boxkampf machen, damit meine Schläge härter werden. Das werde ich allerdings dann erst im Winter in Angriff nehmen, wenn das Wetter zum Skaten zu schlecht wird.

 

Bis dahin heißt es erst mal für mich:

 

Freestyle's here in the house tonight
Move your body from left to right
To all you freaks, don't stop the rock
'cause Freestyle's here & you know we're hot!

 

21.9.20 10:47, kommentieren

Frau Gräfin


Meine Götter, hab ich Kopfschmerzen.
Das geht schon seit Tagen.
Das ist oft so, wenn das Wetter umschwingt und neue Hitze mit sich bringt.

Dennoch hab ich mir keine Pause gegönnt und war sehr ehrgeizig.
Am Samstag habe ich Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt die Kinder zum Umgang überantwortet und bin nach Lischeid zum Schwertkampftraining gefahren. Das liegt so zwischen Marburg und Kassel.
Ich war bereits im August dort gewesen. Jarl Kanaille hatte mir Stunden in Codex Belli versprochen.
Das Training lief eigentlich ganz gut.
Ich weiß nur nicht, ob er absichtlich seine Lenden gegen meinen Hintern gedrückt hat, als er einmal hinter mich trat, um meine Schwerthand zu führen.
Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet.

Mein Schwertbruder war übrigens auch mit dabei.
Ich habe abwechselt mal mit ihm und mal mit Jarl Kanaille geübt.

Hinterher gingen wir rüber zu Guismo und seiner Frau.
Ich hatte Handarbeitszeug dabei und saß bis abends mit ihnen draußen und habe die Borte an mein Kleid genäht.
Es war sehr lustig und wir haben viel gescherzt und gelacht und dummes Zeug gelabert.
Guismo wollte mein Schwert mal inspizieren und nahm es probehalber in die Hand.
Dann schüttelte er den Kopf. Sagte nichts. Ging aber in seine Scheune und holte seine diversen Schwerter heraus.
Ich durfte eines nach dem anderen in der Hand wiegen.
Keines war so schwer wie meines. Sogar der Anderthalbhänder und das schottische Breitschwert fühlten sich leichter an.
Es lachte und meinte, die wären kaum leichter. Das Gewicht wäre nur besser verteilt.
Der Schwerpunkt darf nicht so weit vom Parier entfernt sein.
Ich habe ausgemessen. Der Schwerpunkt bei meinem Schwert liegt 17 cm hinter dem Parier. Damit ist meine Waffe zu kopflastig und für den Kampf ungeeignet.
Es wunderte ihn kein Stück, dass mir nach jeder Übung der Nacken und die Schulter weh taten.

Ich war deprimiert.

Den Rest des Abends verbrachten wir mit ein paar sehr lustigen Filmen.
Guismo war so nett, mir ein Gästebett zu stellen. Mein Schwertbruder und ich sollten uns ein Zimmer teilen.
Ich hatte Sorge, ob das gut geht. Aber da jeder sein eigenes Bettchen hatte und der Hausherr nicht weit war, hatte ich nichts zu befürchten.

Ich fand es ein bisschen schade, dass wir nicht zusammen gegessen haben.
Ich hatte nur ein halbes Brötchen zum Frühstück und war seitdem nur noch unterwegs gewesen.
Aber auch Sonntag früh gab es nichts. Nur eine Tasse Kaffee.
Ich bin dann nicht mehr allzulange geblieben.
Doch bevor ich ging gab mir mein Schwertbruder einen Karton und sagte, dass es ein Geschenk für mich sei.
In dem Karton waren Adelsbriefe für mich und meine Töchter.
Ich darf mich ab sofort Gräfin von Falkenstein nennen. Sternchen und Honigdachs sind Prinzessinnen.
Ich dachte, es sei ein Fake.
Aber da war auch ein Echtheitszertifikat und die Unterschriften des Markgrafen auf den Urkunden waren Originale nebst Siegelprägung.
Darüber hinaus fand sich eine umfassende Broschüre und meine höchsteigene Noble Society-Card aus Metall.

Ich war fassungslos.
Ich fragte ihn, womit ich das verdient hätte und ob das nicht voll teuer gewesen war.
Aber er wollte mir darüber keine Auskunt geben. Er sagte nur, dass es ihn kein Geld gekostet und dass ich mir den Titel ehrlich verdient hätte.
Egal wie sehr ich auch drängte, er wollte mir nichts weiter dazu sagen.
Im Gegenteilt. Er bat mich, niemandem zu erzählen, dass er mir die Adelsbriefe vom Markgrafen beschafft hatte.

Jetzt im Nachhinein machen ein paar andere Dinge auch Sinn.
Vor einiger Zeit hatte er mich nämlich auf ein paar Burgen angesprochen und ich hatte ihm erklärt, dass ich keine von ihnen je gesehen, aber von Burg Falkenstein wenigstens schon gehört hatte. Außerdem gibt es ein paar nette Lieder in Bezug auf Falkenstein und auch eine Band die so heißt.
Dass Brander mir von Falkenstein erzählt hatte, hab ich verschwiegen.

So, jetzt muss ich mir die Burg wirklich irgendwann mal angucken.^^

...

Den Sonntag Nachmittag habe ich dann am Rondo von Hanau-Steinheim verbracht.
Dort habe ich Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt und unsere Kinder wieder getroffen. Ich habe diesmal extra meine Skates mit gebracht, damit ich mich der Szene anschließen konnte.
Beim Speed-Skating ist natürlich keiner besser als mein Exmann.
Aber immerhin konnte auch ich an meiner Technik feilen und ein bisschen punkten. Ich bin sehr schnell und wendig.
Die übrigen Teilnehmer kenne ich alle aus der Rollschuhdisco.
Es sind ausnahmslos Freunde von Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt.
Aber ich komm ganz gut mit ihnen klar, auch wenn sie mich dafür verhöhnen, dass ich Inliner bevorzuge.
Jedem Narr gefällt sei Kapp!
Und was dem einen sei Uhl is dem annern sei Nachtigall....

Auch mein Ex hat ein bisschen gefeixt, aber das darf er.
Ich bin froh, dass unser Verhältnis soweit in Ordnung ist.
Nächste Woche am 21.09. haben wir unsere Scheidung vor Gericht.
Bin gespannt, ob der Termin auch so relaxed abläuft.

...

Brander muss mitbekommen haben, dass meine Scheidung kurz bevor steht.
Er hat mir ein Jobangebot beim hiesigen Ritterladen geschickt.
Süß.
Wenn er wüsste, dass ich bereits seit einem halben Jahr doppelt so viel arbeite, wie bisher und damit freiwillig auf Trennungsunterhalt verzichte... Für mich macht es keinen Unterschied mehr, ob ich verheiratet bin oder nicht.

Außerdem liebe ich meine Arbeit und will dort nicht weg.

Auch wenn ich manchmal für sehr befremdliche Zwecke ausgenutzt werde...
So wie heute:
Da hat irgend so ein Arsch letzte Nacht ein Ei an die Hauswand geworfen und ich musste es heute morgen weg scheuern.

Das muss ja vielleicht ein dämlicher Anblick gewesen sein.
Top gestylte Frau in kurzem rosa Wickelkleid auf 12 cm-Pumps schrubbt mit einer Bürste den Dotter-Glodder von der Fassade....
*Augenroll*

Dabei lief mir das scheiß Putzwasser die Arme runter und ich sah aus wie eine Sau!

Mein Chef guckte einmal kurz mitleidig zur Tür heraus und meinte nur, ich solle aufpassen, ich würde ganz schmutzig.
Ich sprach kein Wort - warf ihm nur einen bösen Blick zu und zack war er wieder weg.


Ja, Frau Gräfin putzt Eier-Pampe immer in Highheels von de Wand!

Grrrrrr...

15.9.20 16:48, kommentieren



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