reflections

Gefallener Engel

 

 

Zadkiel hat endlich das Gespräch mit seiner Freundin in Angriff genommen und ihr alles über mich erzählt.

Ein Ergebnis wurde dabei nicht erzielt. Nur weiter das verwaschene Angebot mich als Mätresse zu behalten.

 

Das war dann der Punkt wo ich die Segel gestrichen habe.

 

Ich pack das nicht länger.

 

Es endete gestern in einem großen Knall, der darin gipfelte, dass ich ihn anbrüllte, er sei an der ganzen verfickten Scheiße ganz alleine schuld! Man macht keine Frauen in sich verliebt, wenn man ihre Liebe nicht gebrauchen kann. Worauf er mir folgende Dinge unterstellte: Unsicherheit, übersteigertes Selbstmitleid und familiäre Untauglichkeit. Weiterhin behauptete er, ich sei nicht fähig meine Bedürfnisse allein zu befriedigen und hätte mich aufgrund von Ängsten und Antriebslosigkeit irgendwann selbst aufgegeben.

 

Scheint so, als hätte ich Dr. Freud gedatet…

 

Zumindest sind die Fronten nun geklärt.

 

So wie die Dinge stehen, ist weder eine Freundschaft noch eine Fickbeziehung möglich.

 

 

Ich wünsche diesem Knaben, dass er mit seiner verschlafenen, langweiligen, frigiden Fusseltussie viele Jahrzehnte des emotionalen Winters durchlebt, um dann festzustellen, dass man von platonischer Liebe keine Kinder zustande kriegt.

 

 

 

Ich für meinen Teil werde so schnell keinen Typen mehr ernst nehmen, der 10 Jahre jünger ist und nicht mal an einem Spiegel vorbei laufen kann, weil er …tatatadaaa: „Gesichter sieht“.

 

Der hat doch nicht mehr alle anner Waffel!

 

-.-

 


 

 

21.1.21 14:18, kommentieren

Existence is pain

 

Roses are red

birds love to fly

existence is pain

I just want to die

 

 

Es ist mal wieder passiert.

 

 

Ich habe mich geöffnet, mich angreifbar gemacht und meine ganze Liebe und Nestwärme verschenkt und wurde bitter enttäuscht.

 

Zadkiel ist vor meinen Gefühlen zurück geschreckt, als es gefährlich für ihn wurde.

 

In einem langen Gespräch hat er mir gestern klar gemacht, dass er definitiv keine gemeinsame Zukunft mit mir sieht und dass er eigentlich nur den Spaß mit mir will.

Er meinte auch, dass er seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hätte und dass er sich dummerweise in mich verliebt hätte, aber dass er eines Tages von dieser Verbindung wieder Abstand nehmen würde, sobald er die richtige Frau für seine Zukunftspläne gefunden habe. In dieser Hinsicht sei er sehr rational.

Es täte ihm leid, aber ich sei mit meinen bereits vorhandenen Kindern und meiner abgeschlossenen Lebensplanung nicht die Richtige.

 

Und nachdem mich seine freundlichen Worte mit der ernüchternden Wucht eines bleigefüllten Kissens getroffen hatten, musste ich die Wahrheit akzeptieren.

 

Er hat Recht.

 

Seine Zukunft ist nicht meine.

 

 

Da passe ich nicht rein.

 

 

Aber er wünscht mir eine glückliche Zukunft und eine gute Verbindung, die mir Sicherheit und Liebe bietet.

Er bleibt gerne noch eine Zeit lang mein Liebhaber und bezahlt mir alles, was ich mir wünsche.

Und ich bereite ihm im Gegenzug weiterhin einen Hort der Behaglichkeit mit allen erdenklichen Vorzügen.

Aber ich darf nichts mehr von „uns“ in Facebook stellen oder seinen Freunden gegenüber erwähnen.

 

Und er will auch nicht, dass ich mir weiterhin falsche Hoffnungen mache.

 

 

 

Und damit ist der Drops gelutscht.

 

 

 

1 Kommentar 18.1.21 09:49, kommentieren

Ich liebe dich

 

Brander loszulassen ist das härteste Opfer, dass ich jemals bringen musste.

 

Es klingt so banal, weil ich eigentlich nie wirklich eine Chance bei ihm hatte und gleichzeitig hat es mich an manchen Tagen regelrecht in Stücke gerissen.

 

Aktuell geht es.

 

Zadkiel ist mir dabei eine große Hilfe.

Er pustet die Dämonen von meiner Stirn, küsst meine Wehwehchen und streichelt meine Seele.

 

Gestern hat er sogar meine Playstation wieder zum Laufen gebracht und wir haben Colin McRae Rallye und Medal of Honor gezockt.

 

Er besucht mich mehrmals in der Woche und verbringt viel Zeit mit mir. Meistens reden wir nur.

Aber wir haben auch sehr viel Sex und andere Zärtlichkeiten.

 

Ich gebe mir große Mühe und koche extra für seinen Diät-Sport-Plan eiweißreiche Mahlzeiten und darüber freut er sich total.

 

Den größten Spaß hab ich, wenn ich ihn mit meinen doofen Sprüchen und kleinen Gemeinheiten ein bisschen ärgern kann. Er macht dann immer diesen angepissten Blick. Das ist so niedlich. hihihi

 

 

Ich habe mich ganz bewusst dazu entschlossen mich ihm zu öffnen und ihm zu vertrauen.

Wir sagen schon seit einiger Zeit „ich liebe dich“ zu einander.

 

 

Es ist sicher dumm von mir, weil auch diese Liaison zweifelsohne an vielen Dingen scheitern wird, aber ich genieße die schöne Zeit trotzdem.

 

 

 

 

Meine Kinder Sternchen und Honigdachs  sind momentan bei meiner Mutter Poor-Angel untergebracht.

Es geht nicht anders.

Ich muss jeden Tag arbeiten und kann die Kinder während des Lockdowns nicht betreuen.

Sie fehlen mir.

 

Darüber hinaus bin ich schwer besorgt über das Nervenkostüm meiner Mutter.

Sie ist mächtig überfordert und schafft es nicht mal annähernd Sternchen zur Erledigung der Schularbeiten anzutreiben.

 

Am Freitag soll ich die fertigen Aufgaben der Lehrerin überbringen.

D. h. ich fahre morgen nach der Arbeit nach Erlensee, um das Zeug abzuholen.

Und es ist bislang nichts fertig.

Da sind teilweise noch offene Aufgaben von Dezember…

Wir kriegen das alles einfach nicht auf die Kette und das belastet mich sehr.

 

Wenn alle Stricke reißen, werde ich darum bitten, Sternchen wieder in der Schule betreuen zu lassen.

Dort ist sie weniger abgelenkt und hat Ruhe vor ihrer kleinen Schwester.

 

Zu Hause funktioniert es einfach nicht! Nur Heulerei und sture Arbeitsverweigerung.

 

Es ist zum kotzen.

 

13.1.21 09:44, kommentieren

Frohes neues Bla


Da bin ich wieder und starte frisch erholt aus meinem Urlaub zurück in die Welt des bla-bla-blas.
Auch heute darf ich wieder mit spannenden Geschichten aus meinem Leben aufwarten.
Naja, also spannend für mich. Für euch eher weniger.

Im Zuge der Jahre habe ich den Dezember hassen gelernt.
Es ist der hektischste Monat des Jahres geworden und ich komme irgendwie gar nicht mehr aus dem Rotieren.
Nikolaus, Sternchens Geburtstag, Weihnachten, Der-Mit-Zwei-Jobs-Tantzt's Geburtstag, Silvester und zwischendurch das übliche Prozedere wie Plätzchen backen, Sterne basteln und gefühlte tausend Geschenke verpacken. (Von der Weihnachtsgans ganz zu schweigen)
Mittendrin ist dann auch noch die Karre von meiner liebreizenden Mutter Poor-Angel kaputt gegangen, so dass es mir auch an dieser Stelle nicht langweilig wurde.
Von den 5 Urlaubstagen, die ich genommen habe, hab ich eigentlich nicht viel gemerkt.
Tatsächlich hab ich mich heute aufrichtig gefreut, wieder ins Büro zu dürfen, um einen friedvollen und entspannten Arbeitstag zu genießen.

Mein Liebesleben hält mich auch gut auf Trab.

Mit Brander ist nicht mehr viel los.
Wir schreiben uns kaum und haben uns auch sonst nicht mehr viel zu sagen. Das Problem ist schlicht sein fehlendes Interesse.
Er meldet sich kaum, guckt sich weder meine Whatsapp-Storys noch mein Facebook-Profil an und bietet mir kein einziges interessantes Gesprächsthema. Auch erzählt er nichts aus seinem Alltag oder von seinen Gedanken.
Er hält sich weiterhin zurück gezogen und reagiert eigentlich nur, wenn ich erotisches Material schicke.
Das sind keine schönen Aussichten und ich fühle mich ausgenutzt.
Darum habe ich mich in letzter Zeit emotional von ihm sehr distanziert und schicke auch keine Bilder mehr von mir.
Ob er das bemerkt hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist es ihm egal.

Gleichzeitig blühe ich in Zadkiels Gesellschaft mehr und mehr auf.
Mein Schutzengel umschwebt mich mit einer Hingabe, wie man sie sich nur wünschen kann.
Er ist so unglaublich gefühlvoll und fürsorglich und humorvoll, dass ich immernoch auf das Zuschnappen der Falle warte. (ganz ehrlich: da muss was dahinter stecken! Warum sollte ausgerechnet ein Mann nett zu mir sein????)
Auch beginne ich, ihn attraktiv zu finden, obwohl ich anfangs noch meinte, dass er überhaupt nicht mein Typ ist. Ich sehe jetzt ganz viele Dinge, die total niedlich an ihm aussehen. Zum Beispiel sein warmer Blick, seine schelmischen Mundwinkel und seine Puschelhaare (die am Hinterkopf wie Entenarschfedern aufstehen). Ich könnte sterben, so süß ist das!
Außerdem läuft es nun auch im Bett wesentlich besser.
Zum Einen kommt er mir nun in Punkto Intensität und Geschwindigkeit entgegen, zum Anderen lernt er mich gerade in vielen Dingen an, die Männern Freude bereiten.
Auch wird er nun öfter steif und fühlt sexuelles Verlangen, wo vorher keines war.
Nach knapp 5 Jahren Abstinenz ist der junge Phönix  nun endlich wieder aus der Asche auferstanden. Und auch ich habe meinen Spaß.

Obwohl ich das alles mega toll finde, ist das bei weitem nicht das schönste an unserer Beziehung.
Am schönsten sind nämlich die endlosen Gespräche und das viele viele Lachen.
Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es Männer gibt, die richtig intelligent und philosophisch reden können und dabei trotzdem unterhaltsam sind. Zumal Zadkiel noch so unfassbar jung ist.
Es muss daran liegen, dass er aus bitteren Verhältnissen stammt und sich von kleinauf oft und viel Gedanken machen musste.
Er ist Philippine und kam im Alter von 5 nach Deutschland. Seine Familie war nicht sehr wohlhabend. Seine Mitschüler grausam. Die Lehrer genauso.
Da er von frühster Jugend an darauf geprägt wurde, Mädchen gut zu behandeln, war er zu seinen Freundinnen stets zuvorkommend, nett und großzügig. Leider wurde ihm hier oft genug sehr weh getan. Er wurde ausgenutzt und teilweise sogar misshandelt - das ging bis zu Körperverletzung und Vergewaltigungsversuchen. (ich habe gar nicht gewusst, dass Frauen auch Männer vergewaltigen können)
Das alles muss dazu geführt haben, dass er eine gigantische Gedankenwelt ausgebaut hat und ein unheimliches Einfühlungsvermögen.
Nur wer Gefühle kennt, weiß was Menschen fühlen.
Und wer, wenn nicht er, weiß Elend zu deuten? Und sei es verborgen unter Hüllen aus Haut.
Ich habe ihn weinen sehen, weil ihm mein einsames Schicksal das Herz rührte.
Er hat es sich sodann auf die Fahne geschrieben, meinen Kummer zu lindern und tut wirklich alles menschenmögliche, um mir zu helfen.

Und dennoch....

Er gehört seiner Freundin.

Und seine Vorstellung von einer poligamen Ehegemeinschaft, in der ich eine Kammer im zukünftigen Haus seiner Freundin und ihm haben darf, ist auch trotz aller frommen Wünsche beschämend genug, um mich von solchen Fantastereien zu distanzieren.
Ich weiß, er will nicht, dass ich einsam bleibe.
Aber ich will einfach nicht auf Dauer eine untergeordnete Rolle als Nebenfrau spielen.

Von mir aus darf er bei seiner Freundin bleiben.
Auch wenn sie eine frigide selbstsüchtige Kuh ist, die ihn permanent überall versetzt und warten lässt.
Aber dann bin ich irgendwann raus aus der Nummer.

Wenn er sie eines Tages wirklich für mich verlässt, wäre es eine andere Sache.
Aber das wird er nicht tun, weil er noch eigene Kinder haben will.
Sorry Baby, aber dieses Kapitel hab ich schon hinter mir.
Tja, und außerdem habe ich mir meine Freiheit und meine eigenen vier bunten Wände zu einem hohen Preis erkauft.
Bin ich wirklich bereit mein neues Leben gutgläubig für eine neuerliche zweifelhafte Verbindung zu opfern???
Kaum.

Ich habe in der Silvesternacht wie jedes Jahr die Tarot-Karten befragt.
Um sicher zu gehen habe ich sogar drei Runen für das kommende Jahr gezogen.
Die Karten sprachen von Entscheidungen, die unausweichlich sind und die mein ganzes weiteres Leben beeinflussen würden.
Die Runen zeigten mir, dass ich mich falsch entscheiden werde.

Zuerst kommt Wunjo: das Wunder, das Glück und die Ekstase
Dann Thurisaz: Die Dornenhecke, die mich schützt und gleichzeitig isoliert.
Zuletzt Isa: Das Eis. Die Erstarrung. Die Unfähigkeit noch irgendetwas zu ändern.

Mir gibt die Liebe stets nur einen Frühlingsschimmer.
Ich weiß.
Dannach wirds schlimm.
Richtig schlimm.

Das war bei allen meinen Beziehungen so.

...

Zuletzt gibt es noch eine wahnsinns Neuigkeit, die ich hier allerdings nicht posten werde.
Es betrifft meinen Vater Colonel Zaster.

Mit etwas Glück werde ich vielleicht doch eines Tages meine Rache bekommen.

Bleibt abzuwarten, wie die Dinge sich entwickeln werden.

Ich weiß nur eines: ich bin bereit und entschlossen



4.1.21 18:27, kommentieren

Gotta find my way



I want it, I want it real
run away with me now.
Somedays I'm built of metal, I can't be broken
But not when I'm with you.....

 

...

Zwar hatte Brander das Missverständnis ausgeräumt und sich wieder gut mit mir gestellt, jedoch bade ich immernoch in altbekannter Hoffnungslosigkeit.
Ich weiß, dass keine meiner Bemühungen mich jemals auch nur einen Zoll weiter an mein Ziel bringen wird. Nicht zuletzt deshalb, weil ich mich in meiner Entwicklung zu weit von meinem Ausgangspunkt entfernt habe und Brander schlichtweg einfach nicht mehr mit mir Schritt halten könnte, selbst wenn er es wollte.
Aber auch deshalb, weil sein halbherziges Interesse mir heute noch genauso weh tut, wie damals.
Weihnachten ist vergangen. Das Jahr neigt sich dem Ende.
Nichts.
Nicht mal eine Freundschaftsanfrage auf Facebook.

Are you afraid of me now?

...

Wenn Zadkiel am Montag zu mir kommt, werde ich unsere Beziehung auf die nächste Stufe heben.
Zwar ist er bereits in einer Beziehung und hat auch andere Zukunftspläne als ich, aber er ist aus meinem Leben nicht mehr weg zu denken, seit er mir meinen Lebenshunger zurück gebracht hat.
Er ist mein Schutzengel.
Und das ist über alle anderen Handycaps erhaben.

Er löst meine Verspannungen, er schenkt mir Aufmerksamkeit, er respektiert mich und er vermittelt mir das Gefühl, einen Teil der viel zu schweren Verantwortung zu übernehmen, die mein Leben beherrscht.

Es tut so gut, wenn ein Mann sich für einen stark macht.

Und dennoch....
Mich ihm zu öffnen, bedeutet, ihm einen Dolch für mein Herz zu übereignen.
Das Ende ist vorhersehbar.
Er ist jung und hat sein ganzes Leben noch vor sich.

Ich dagegen hatte meins schon.

War Kacke.


Run away with me now....



26.12.20 21:30, kommentieren

Reingefallen

 


In den letzten Tagen und Wochen hatte ich doch tatsächlich wieder so etwas wie Hoffnung geschöpft.

Brander und ich haben Kontakt gehalten und es wurde sogar richtig heiß. Ich war so glücklich.
Ich habe wirklich geglaubt, das Universum gibt mir eine wohlverdiente Chance.
Bis heute abend sehr plötzlich und unvermittelt von ihm der Rückzieher kam.
Sehr wahrscheinlich hat er mittlerweile was besseres am Start und braucht die Kurzweil mit mir nicht mehr.
Er hat sich täglich von mir Nacktaufnahmen schicken lassen und ich bin so derbe auf die Verarsche reingefallen, dass mir der Verstand still steht.
Da hat er doch eine Tussi, mit der er binnen 16 Jahren ein halbes Dutzend mal zusammen war und mir gegenüber verkündet er: "Dich hatte ich schon. Das brauch ich nicht wieder. Du tangierst mich nur peripher."

Er ist einfach nur ein mieses Schwein.
Und er war NIE mein Freund gewesen.

...

Aber es gibt noch mehr Trouble in little China:
Mein Ex-Mann Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt hat sich vorgestern an Sternchens Geburtstag böse verplappert. Anscheinend ist er seit März diesen Jahres von der Arbeit freigestellt und nur noch auf Abruf und dann auch nur max. zwei bis drei Stunden tätig.
Ich hätte heulen können.
Während der ganzen Krise betreffend Corona und Homeschooling hätte er mir mit Leichtigkeit helfen und mir zumindest zeitweise die Kinder abgenehmen können.
Hat er aber nicht.
Statt dessen hatte er Anspruch auf die staatliche Zulage erhoben und mir ganz schön die Hölle heiß gemacht.

Ich verstehe das einfach nicht.

Der Mann kriegt doch eigentlich alles, was ich nur bieten kann!!! Er darf die Kinder jederzeit haben, er kann sich bei mir ausheulen und meine Tür steht ihm immer offen. Er trinkt hier bei mir seinen Kaffee, kriegt immer frische  Stückchen vom Bäcker dazu und wird von mir jeden Mittwoch abend großzügig bekocht, weil ich weiß, dass er nicht kochen kann.
Ich habe auf meinen Unterhalt verzichtet und quäle mich mit einer 30Stunden-Woche, damit er entlastet ist.
Ich opfere meinen Urlaub immer für die Ferien der Kinder und habe mich nie beklagt, dass er keinen einzigen Tag in den Ferien zu meiner Entlastung Urlaub nimmt.
Er kriegt keine Vorwürfe, kein Drama und kein Rosenkrieg.
Ich habe die Scheidung höflich und freundlich und ohne böse Worte über mich ergehen lassen.
Ich habe sogar seine Übergriffe und sexuellen Belästigungen mit Verständnis und Geduld behandelt.

Was, bei allen Göttern, soll ich denn noch tun, damit er endlich zufrieden ist????

Heute hatte ich einen Zahnarzttermin und bin nach der Arbeit mit den Kindern nach Rodgau zu meinem Exmann gefahren.
Bei mir musste eine kaputte Füllung ausgebohrt und erneuert werden und ich wollte die Kinder nicht mit sowas erschrecken.
Nach dem Prozedere wollten wir zusammen als Familie den Weihnachtsbaum aussuchen gehen.
Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt war keine große Hilfe.
Weder hat er seine Meinung mit einbringen wollen, noch half er mir das Ding zum Auto zu bringen.
Tatsächlich hat er mir nicht mal den Verkäufer geschickt, sondern hat sich nur einen Glühwein geben lassen, während ich mit den Kids im Regen stand und den eroberten Baum bewachte.
Ich musste den Verkäufer selber herbei winken und ich musste natürlich auch selber bezahlen.

Wenn es nach mir ginge, hätte ich gerne darauf verzichtet.
Aber die Kinder....
...die brauchen ihren Baum.

Ich hab das Ding jetzt heim gekarrt und mit der Axt bearbeitet, damit es in den Ständer passt.

Die Betäubung hat auch mittlerweile nachgelassen und ich hab ein bisschen Schmerzen von der Behandlung.
Mir geht es also ziemlich dreckig. Emotional sowie körperlich.
Und dann kam auch noch das böse Erwachen von Branders Seite.

Ich bin froh, wenn ich nachher unter die heiße Dusche komme und den Tag abwaschen kann.

...

Aber nicht alle Männer in meinem Leben sind schlecht.

Zadkiel ist so nett zu mir. Ein richtiger Kavalier.
Obwohl er mich in sexueller Hinsicht nicht erfüllen kann, so ist er doch irgendwie für mich da und kümmert sich um mein Seelenheil.
Wir spielen täglich Quiz-Planet und Word-Quiz auf Facebook, obwohl er solche Spiele überhaupt nicht mag. Er tut es nur mirzuliebe.
Manchmal besucht er mich und wir reden und knuddeln ganz viel.
Neulich hat er mir Plätzchen gebacken. Und gestern hat er mir eine Schüssel mit selbstgemachtes Tiramisu gebracht.

Unter Aufwartung all meiner Künste ist es mir sogar gelungen, ein Wunder für ihn zu vollbringen.
Er hatte Dank meiner Sexualmagie zum ersten mal seit 4 Jahren wieder einen echten Orgasmus.
Außerdem wird er jetzt auch wieder steif. Man muss nur sehr vorsichtig sein, darf keine lauten Geräusche und nur langsame Bewegungen machen.

Ich habe kein übersteigertes Interesse an Zadkiel.
Ich wollte ihm nur helfen.

Tatsächlich ist er wieder mit seiner asexuellen Freundin zusammen gekommen und sie hat versprochen, an ihrer Libido zu arbeiten. Mit etwas Glück kann er bald seine alte Liebe in neuer Form genießen.
Ich freue mich für ihn.

Und irgendwie bin ich auch ein bisschen stolz auf meinen gewissen Mitverdienst an der Sache.
Womöglich wäre ohne mein Einmischen sein gesamtes sexuelles Vermögen verloren gegangen.
Und seine Freundin hätte nie versucht ihre eigenen Triebe zu entdecken.

...

So ist das nun mal mit mir.

Ich bin bloß immer dort, wo ich gebraucht werde - das hab ich begriffen.

Für die meisten Arschlöcher bin ich hinterher nur wertloser Abfall! Ok.

Aber bei Zadkiel werde ich (auch über meine bescheidene Rolle in seinem Leben hinaus) immer einen besonderen Platz in seinem Herzen haben.
Ich weiß das, weil er mir gesagt hat, dass er sich für mich und mein Wohlergehen verantwortlich fühlt.
Und er hat geschworen, allen Arschlöchern, die mit meinen Gefühlen spielen, große Schmerzen zuzufügen.
(Auch ein Grund, warum ich ihm besser nichts von meinen Arschlöchern erzählen sollte...)




15.12.20 20:40, kommentieren

Die lieben Kinderchen

 

Gestern war viel los.

Meine Mutter Poor-Angel war als Babysitter und mein Exmann Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt zum Umgang nachmittags da, weil ich aus diversen Gründen meine Schicht tauschen musste.

Das hatte zur Folge dass Sternchen am Ende so hibbelig und aufgekratzt war, dass ich abends noch einen Spaziergang mit ihr unternehmen musste, damit sie sich wieder beruhigte.

Ich lenkte unsere Schritte Richtung Aldi, weil ich nochmal diesen Weihnachtstee mit Kirsche-Marzipan haben wollte.

Als wir kurz vor dem Geschäft die Straße überquerten war da ein Gulli über einem offenen Kanal aus dem ein schrecklicher Geruch empor stieg.

Sternchen, dieses überdrehte Karnickel, schlug theatralisch die Ellbeuge vor ihre Nase und gab ein prinzesshaftes Gekreisch von sich: „Iiieeehhh! Was stinkt denn hier so?!?“ und begann in überspitzter Affektiertheit in meine Richtung zu wedeln. „Was für ein widerlicher Gestank!!!“, schrillte ihre hoffärtige Stimme quer über den Aldi-Parkplatz. Mehrere Männer drehten ihre Köpfe in meine Richtung.

Ich versuchte Sternchens Gehabe zu beenden, aber sie war nicht zu bremsen.

Ich beschloss die Flucht nach vorn. Im Laden nahm ich sie dann beiseite und zischte ihr zu, wie dumm sie sich gerade benommen hatte. Im Alter von fast 8 Jahren könne man doch etwas mehr Anstand erwarten.

 

Aber es ging ja noch weiter.

 

 

Auf dem Rückweg kamen wir an der Unterführung des Grauens vorbei.

So nenne ich jenen unseligen Ort, an welchem ich seinerzeit mein erstes Auto verloren habe.

(Ich war damals mit Vollgas in die Überflutung gefahren, was mir einen Wasserschlag im Motor sowie einen lustigen Feuerwehreinsatz beschert hatte….)

Jedenfalls umarmte ich Sternchen, weil sie gerade etwas nettes zu mir gesagt hatte, als ein Sportwagen mit getönten Scheiben direkt neben uns am Eingang der Unterführung eine Vollbremsung machte.

Neugierig hob ich den Kopf und guckte mir das an.

Der Fahrer spielte ein bisschen mit dem Gas, lies dann die Kupplung kommen und fuhr mit einem lauten „Rööööhr“ und allerlei lustigen Fehlzündungs-Puff-Geräuschen mit Vollgas durch die schallernde Unterführung davon.

Welch ein Gehabe!

Ich stupste Sternchen mit dem Ellbogen und fragte nach ihrer Meinung, was das wohl zu bedeuten hatte.

Sie zog die Nase kraus und musste nicht lange überlegen: „Bestimmt wollte er gucken, ob da Wasser in der Unterführung steht.“

Ich ging nach Luft schnappend lautlos in die Knie und konnte gerade noch rechtzeitig meine Blase kontrollieren.

Lachend kam ich wieder auf die Beine. „Oh, Sternchen! Glaubst du wirklich der hat aus diesem Grund da so lange gestanden?“

Sie zuckte die Schultern. „Der wollte halt ganz sicher gehen!“

Hysterisch lachend klammerte ich mich an die Betonmauer. Mir liefen schon die Tränen über die Wangen. Es war so schrecklich.

„Au weia, Sternchen, jetzt hab ich mir fast in die Hose gemacht!“

Wir liefen weiter. Mein Gesicht glühte hochrot von meinem Lachanfall.

Da kam gerade ein Mann um die Ecke und nickte mir freundlich zu.

Da schnappte Sternchen begeistert meine Hand und rief: „Mama, hast du dir wirklich in die Hose gepinkelt???“

Der Blick des Mannes war unbezahlbar.

Meiner wohl auch.

 

 

Ich geh mit dem Kind nie wieder vor die Tür.

 

 

 

 

3.12.20 14:42, kommentieren

Solang du mich brauchst

 



-Und das Wunder es trat wahrhaftig ein-



Ich habe einige Tage nicht mehr geschrieben, weil sich die Ereignisse überstürzten und ich nicht wusste, wo ich beginnen sollte.

Brander hat sich von seiner Flamme getrennt.

Aber halt halt ...der Reihe nach:

Letztes Wochenende war wieder Umgang beim Kindesvater und ich habe Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt die Kinder zum Frühstück gebracht.
Ich blieb nicht allzu lange, weil ich noch ein Date hatte.
Zwar war ich ziemlich erkältet, aber Zadkiel bestand darauf, dass ich unbedingt nach Miltenberg kommen solle.
Ich konnte noch nie einer rufenden Seele widerstehen.
Und es lag auf der Hand, dass er mich nun dringend brauchte.
So fuhr ich also zu ihm und wir unternahmen eine Wanderung durch die angrenztenden Wälder bis hin zur Miltenburg. Von da machten wir einen Bummel durch die weihnachtlich geschmückte Altstadt.
Zwar fror ich gotterbärmlich und mir ging es ganz entsetzlich, aber dennoch war es eigentlich ein schöner Ausflug gewesen.
Rückzus flanierten wir am Mainufer entlang und uns gingen die Themen nie aus. Seine Gesellschaft war überaus angenehm. Keine Spur von Trauer um die Beziehung, die er hatte aufgeben müssen.
Er war fröhlich und voller Energie.
Und selbstverständlich war er fürsorglich und aufmerksam und sehr sehr anständig zu mir.
Er war so bemüht, wie alle Männer es sind, wenn sie sich noch auf der Jagd befinden.
Frei nach dem Motto: Wenn ein Mann einer Frau die Wagentür aufhält, ist entweder die Frau neu oder das Auto.
Darum nehme ich diese Freundlichkeiten nicht sehr ernst.
Da ich nicht in ihn verliebt bin habe ich eigentlich in Bezug auf Zadkiel nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich schieße ihn in den Wind, ooooder ich gehe den Weg, den ich bei Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt damals auch gegangen bin - Liebe durch Gewöhnung.
Es ist wahr. Man kann sich mit Gewalt in einen Mann verlieben, wenn man genug Zeit und guten Willen investiert, bis sich die Liebe irgendwann einstellt.
Das ist allerdings genau das wovor ich mich am meisten fürchte.
Denn sobald ich einen Menschen liebe, werde ich emotional abhängig. Und mein Geliebter zieht sich dann automatisch zurück.
Männer mögen nur unabhängige Frauen.
Starke Frauen.
Frauen, die nichts und niemand brauchen.
Ich weiß nicht, warum das so ist. Es widerspricht allen Gesetzen der Natur und vor allem meinen eigenen Gesetzen!
Ich könnte heulen vor Frustration.
Aber da die Dinge nunmal so sind wie sie sind und die Menschen mich einfach nicht akzeptieren wollen, wie ich bin, kann und darf ich nur spielen.
Für ernstgemeinte Authentizität ist in dieser künstlichen Welt beileibe kein Platz.


Und nun tritt Brander auf den Plan:
Brander ist stark, unabhängig und braucht nichts und niemanden.
Das ist seine Authentizität.
Doch seine größte Stärke ist auch sein größtes Verhängnis - welche Frau könnte es langfristig ertragen, nicht gebraucht zu werden???

Jetzt hatten wir doch tatsächlich mehrere Tage infolge positiven Kontakt und schon ist es wieder passiert: ohne eine Erklärung ist er aus der Unterhaltung wieder ausgestiegen und lässt mich hängen.
So war er schon immer.
Ich vermisse das Gefühl der Sicherheit.
Gleichzeitig klammere ich mich wie wild an meine Mission. Habe ich nicht so langen gelitten, gehofft und gekämpft, um wieder in sein Leben treten zu dürfen?
Und jetzt so knapp vor dem Ziel beschleichen mich leise Zweifel.
Was ist, wenn all die Frauen - inkl. mir - im Recht waren, als sie Brander das Herz brachen???
Unvorstellbar, ja. Aber rein hypothetisch gesehen: Welches Recht hat Brander, seine Gefährtinnen wie Puppen zu behandeln? Will sagen, er setzt sie in die Ecke, bis er sich dazu herablässt mit ihnen zu spielen.
Das ist unfair!
Auch jetzt sollte ich eigentlich wütend sein, dass er sich plötzlich an mich erinnert, wo er mich braucht.
Aber wo war er, als ich ihn gebraucht hätte????
...hm...
Das sollte ich wohl.
Doch leider bin ich ...wie immer... zu sehr ich.
Ich höre ihn rufen. Und ich folge.
Und auch wenn er oft nicht antwortet, dann weiß ich doch trotzdem, dass er meine freundlichen Gesten und meine Aufmerksamkeit genießt. Es ist ein schöner Gedanke für mich, jemandem Trost und Energie spenden zu dürfen, auch wenn derjenige zu männlich ist, zuzugeben, dass er genau das braucht.
Und diese meine Emotionen stehen über jeden Zweifel und jeden Stolz. Sie erwarten nicht mal Dankbarkeit.
Und darum überwiegt mein Verlangen Teil seines Lebens zu sein. Darum halte ich auch an meinen Gefühlen fest, statt sie als Illusion zu verwerfen.

Aber was wird aus Zadkiel?

Ich kann nicht leugnen, dass ich etwas für ihn empfinde. Ich weiß nur nicht was.
Ich fühle mich durch ihn wichtig. Gebraucht. Verantwortlich.
Es tut so gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die mein Wohlwollen im Fokus haben ohne zu große Ansprüche an mich zu stellen.

Aber Empfindungen sind keine Emotionen.

Und ich kann nicht zwei Wegen folgen.

Will ich nun mit einem Mann gehen, den ich überhaupt nicht liebe, nur weil er mich braucht? Ein Mann der als Berufssoldat jederzeit sein verfrühtes Ende finden kann. Ein Mann dessen Mutter mich nicht leiden kann, weil ich 10 Jahre älter bin und bereits Kinder habe. Ein Mann, der selbst von sich behauptet, dass er sich nicht vorstellen kann, an meiner Seite alt zu werden und der mir ganz ehrlich ins Gesicht sagt, dass er nur die schöne Zeit mit mir mitnehmen will?
Oder folge ich einem ungewissen Pfad Richtung Berlin und laufe einer verflossenen Liebe hinterher - immer in dem treuen Glauben, dass WIR BEIDE uns in all der Zeit entwickelt haben könnten und er nun die Frauen anständiger behandelt???

Tja, bisher ist davon nicht viel zu spüren.
Aber noch sind wir auch bloß am schnuppern und alles ist so ungewiss!

Mein Gefühl sagt mir, ich müsste Brander einfach nur gegenüberstehen und auf mein Herz hören, um ganz sicher zu sein.

Und gleichzeitig wünschte ich mir, es wäre nicht ganz so einfach... Irgendwie hat sich Brander die Liebe nie verdient gemacht. Er hat sie immer geschenkt bekommen.
Und wenn ich eins über Leute gelernt habe, die im Leben immer alles geschenkt bekamen, dann dass sie ihr Glück überhaupt nicht wertschätzen können!!

Ihr seht also, ich schwanke zwischen einem Haufen Gedanken und Gefühlen.

Was ist richtig und was ist falsch?


Und wäre das Dilemma Kopf/Herz nicht schon genug, habe ich noch einen Haufen anderer Sorgen und Probleme.
Meine Winterreifen sind im Arsch. Sie rutschen bereits auf trockener Fahrbahn und rechts hinten verliert pro Woche 0,6 bar.
Dann sind da diese vielen Termine, die mich durch den Tag hetzen lassen: Gestern war ich erst beim Hausarzt, dann wegen Honigdachs noch beim HNO und morgen ist Augenarzt angesagt.
Straßendienst hab ich dieses WE auch nicht geschafft und jetzt liegt überall Schnee.
Meine Projekte liegen alle brach. Arbeit, Kinder und Haushalt zerren an all meinen Rockzipfeln. Von vorweihnachtlicher Stimmung keine Spur.
Sternchens Geburtstag rückt auch immer näher.

Ich pack das alles nich.

Bin nur noch müde.

Wie will ich da anderen Menschen helfen? Energie und Freude spenden?

Ich will niemandem weh tun.

Ich will aber auch nicht lügen müssen.

Was soll ich nur machen?


Fakt ist, dass ich nur einmal im Leben wirklich glücklich war.

Und ich möchte Gewissheit haben, ob dieses Glück mir wieder gehören soll.
Ob ich es mir nun ausreichend verdient habe.

Oder soll ich wirklich nur dazu bestimmt sein, andere glücklich zu machen und zu bedienen?


Wer bin ich?


1.12.20 21:43, kommentieren

Nix wie Chaos!




Zadkiel hat seine 4jährige Beziehung beendet.

Was all seine Freunde in jahrelangen Gesprächen nicht vollbracht haben, ist mir nun anscheinend im Handstreich gelungen.
Der Albtraum hat ein Ende.
Zumindest für ihn.

Es ist Fakt - er hat mehr in diese Sackgasse investiert als dabei für ihn raussprang. Während er sich stets um sie bemüht und gekümmert hat, sie mit Zuneigung und Aufmerksamkeit überhäuft und gegen alle Vorurteile verteidigt hatte, ist sie ihm niemals auch nur einen Schritt entgegen gekommen.
Jeder Mensch hat die Möglichkeit sich zu entwickeln.
Sie hätte sich wenigstens von ihm berühren lassen können, wenn sie schon keine sexuellen Handlungen erlaubt.

Und da trat ich auf den Plan und erinnerte Zadkiel an all das, was er so schmerzlich in seiner Beziehung entbehrte.
Nun ist er aufgewacht und bereuht die vergebene Liebesmüh.
Ihm tun die verlorenen Jahre leid. Und ich kenne dieses Gefühl noch gut von meiner gescheiterten Ehe.

Allerdings ändert sein Phönix-Jungfernflug nichts an meinen eigenen Gefühlen.

Ich bin nach wie vor nicht imstande ihn zu lieben.

Selbst wenn ich ihn körperlich anziehend fände, wäre da immernoch sein sehr anstrengendes Wesen, welches darin gipfelt, dass er jeden Krümel ausdiskutieren muss.
Er ist ein sehr reflektierter Mensch.  Mehr noch als ich.
Und ihm ist kein Thema zu schade, darüber zu philosophieren.

Das ist manchmal erbaulich.
Oft jedoch einfach nur zermürbend.


So.
Und jetzt kommt noch Baustelle Nummer 2:
Brander.
Aus Gründen, die mir schleierhaft sind, kommt er mir nun beinahe täglich mit besonderer Freundlichkeit entgegen.
Schickt mir sogar auf Wunsch ein Bild von sich.
Ich... ich bin sprachlos. Bzw. ich wünschte ich wäre es. Leider kommt aus meinem Mund nur konzentrierte Biberkacke, wenn ich mit ihm schreibe/rede.
Andererseits habe ich beinahe so etwas wie Narrenfreiheit und kann so ziemlich alles zu ihm sagen, was ich will - immer in der Gewissheit, dass ich sowieso keine echte Chance bei ihm habe.
Trotzdem ärgert mich meine grenzenlose Ungeschicklichkeit in Bezug auf Brander.
Da ist mir doch beim chatten das Handy aus der Hand geglitten und ich konnte es gerade noch im Flug fangen, als versehentlich ein Videoanruf an ihn raus ging.
In meiner grenzenlosen Panik wollte ich das schnell beenden, schaffte es aber nur das Menü zu schließen, während der Anruf immernoch fleißig weiter anklingelte.
Bei meinem zweiten Versuch, minimierte sich das Chatfenster und ES KLINGELTE IMMER NOCH BEI IHM.
Und dann geschah das Unvermeidbare.... er ging dran.
Ich versuchte nicht direkt hinzusehen, weil mir das echt scheiße peinlich war. Ich war weder geschminkt, noch waren meine Haare einigermaßen zurecht gemacht.
Keine Ahnung was ich gestammelt habe. Wahrscheinlich irgendwelche sinnlosen Entschuldigungen.
In meiner Verzweiflung hätte ich fast meine 7 Jahre alte Tochter um Hilfe gebeten, diesen blöden Video-Mist abzubrechen.
Als es mir endlich gelang, war ich eine Weile lang nicht in der Lage Sprachnachrichten zu schicken. Mein Herz spielte völlig verrückt.
Sein Beschwichtigungsversuch machte es auch nicht besser. Und ja, ich weiß, dass wir seinerzeit sogar Sex über Videochatt gehabt hatten.....ahhh

Wie kann es nur sein, dass auf dieser großen verfickten Welt ausgerechnet ER der einzige ist, bei dem ich so tollpatschig und unfähig bin??!?

Jetzt denkt er wahrscheinlich, ich hab ein Rad ab.

Mäh...



25.11.20 20:09, kommentieren

Was zum Schmunzeln


Ich dachte, ich schreibe heute mal was lustiges.
Mein Chef und ich haben ein echt besonderes Verhältnis zueinander.
Dies kennzeichnet sich vorallem in unseren einzigartigen und unvergesslichen Gesprächen, die es unbedingt festzuhalten gilt:


Ich: "Die Frau X hat wieder angerufen wegen der Sache mit der enteigneten Katze."
Chef: "Boah, ich will mit der nicht reden!"
Ich: "Warum so gereizt?"
Chef: "Ach, ich hasse Katzen!"
Ich: "Echt? Wieso?"
Chef: "Diese elenden Mistviehcher! Weißt du eigentlich wie viele Vögelchen denen jedes Jahr zum Opfer fallen?!"
Ich: "Na und? Ihre italienischen Freunde fressen auch kleine Vögelchen und trotzdem fahren Sie jedes Jahr wieder dort hin in Urlaub!"

*Diskussion*


...


Chef: "Hey, meine Frau hat doch diese Fortbildung im Online-Seminar gemacht!"
Ich: "Ja und?"
Chef: "Da hat doch der Kursleiter in der Pause vergessen seine Kamera auszuschalten. Und als er aufstand hatte er zu seinem Hemd und dem Sacko gar keine Hose an! Bloß alte schlabberige Boxershorts!"
Ich: "Uuuhhh, pfui. Das is echt übel. Ihre arme Frau!"
Chef: "Ach was! Die is Kummer gewöhnt. Da gibt es doch viel geschmacklosere Unterwäsche!"
Ich: "..."
Chef: "Ich zum Beispiel habe eine Unterhose mit einem Nikolaus vorne. Das sieht dann aus wie ein Weihnachtsgeschenk!"
Ich: "Okay, bäh, aber keine Sorge, Sie besitzen sicherlich innere Werte...."

...


Oh Mann, ich schwörs, irgendwann fliegen die Akten tief.

Mein fester Vorsatz fürs neue Jahr:
Job behalten




1 Kommentar 23.11.20 23:02, kommentieren

Gefallener Engel


Am Donnerstag war Fightpractice.
Statt Prügelei stand diesmal allerdings Technik und Theorie auf dem Lehrplan.
Muss auch mal sein.

Am Freitag war in der Kanzlei die Hölle los.
Die Mutter meiner Chefin war positiv auf Corona getestet worden, woraufhin ich umgehend nach Hause geschickt wurde.
Morgen darf ich allerdings wieder zur Arbeit kommen. Meine Chefin wurde ins Homeoffice verbannt.^^
Sie hatte letzten Mittwoch Kontakt zu ihrer Mutter und muss daher in Quarantäne.
Lustigerweise teile ich mir morgen das Büro mit ihrem Mann, was die ganze Aktion ehrlich gesagt ad absurdum führt.


Am Wochenende hätte mein Exmann eigentlich Umgang mit den Kids gehabt. Aber nachdem er die Story gehört hat, wollte er nicht meine Wohnung betreten, geschweige denn, die Kinder nehmen.
Er ist schon immer ein Feigling gewesen.


Statt dessen kam am Samstag Zadkiel zu mir.
Nach dem Frühstück führte ich ihn und meine Töchter zu den heiligen Steinbrüchen.
Ich war überzeugt, dass ein hellsehendes Medium wie er den magischen Ort zu schätzen wissen würde.
Und natürlich hoffte ich, dass wir den Ort gemeinsam reinigen könnten.
Ich hatte extra weißen Salbei zum räuchern dabei.

Als wir am Ufer ankamen, warf ich zuallererst Gepäck und Kleidung ab und ging schnurstraks ins Wasser.
6 Grad. Vielelicht 7.
Ich tauchte bis zum Kinn hinein und tat ein paar Schwimmzüge.
Auf einmal merkte ich eine seltsame Lähmung in all meinen Muskeln und ich beeilte mich schnell zurück ins flache Wasser.
Als ich raus kam fühlte ich mich wie neugeboren.
Es ist unglaublich.
Ich konnte völlig schmerzfrei über Steine laufen und spürte nicht mal den kalten Wind auf meiner Haut.
Die Reibung des Handtuchs war dumpf durch einen Vorhang absoluter Taubheit zu spüren und erinnerte an Schmirgelpapier auf eingeschlafenen Gliedmaßen. Pieksend. Aber gleichzeitig betäubt.
Ich hatte es nicht eilig mich anzuziehen. Ich war immun gegen jede Art von Schmerz und Kälte. Ein grandioses Gefühl!

Aber ich bin intelligent genug zu wissen, dass ich eine Unterkühlung riskierte. Und so packte ich mich wieder warm ein.
Was blieb war Euphorie.

Ich verbrannte das Räucherwerk und genoss die Athmosphäre.
Die Kinder spielten schön und zankten sich um ein paar mitgebrachte Spielsachen.
Ich gab Sternchen ihr Schnitzmesser und ließ sie einen Ast anspitzen.

Später umrundeten wir den See und stiegen an anderer Stelle wieder hinauf, um den Wald wieder zu verlassen.

Zadkiel blieb übernacht.
Ich war wieder bemüht seine Leiden zu kurieren, aber ich schaffte es auch diesmal nicht, ihm einen Orgasmus zu schenken.
Doch zumindest wurde er diesmal über mehrere Minuten hinweg steif.
Das ist schon mal ein Teilerfolg.

Und ich dachte immer, Sexualmagie sei meine Stärke....
Hm.

Es muss ein starker Fluch auf ihm liegen.


Heute dann das nächste Drama: Sternchens Messer ist weg! Verschwunden! Spurlos!
Überall gesucht... Nichts!
Sie hat es im Steinbruch verloren.
* augenroll *

Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt wird mich umbringen.
Es ist schon das zweite Messer, das er ihr besorgen musste. Außerdem hatte er es graviert.
Mich hat das ganze ziemlich bedrückt. Auch weil ich weiß, wie Sternchen sich fühlen musste. Ich habe letztes Jahr auch ein Messer verloren. Es war ein ganz besonderes. Brander hatte es selbst gefertigt.
Ich habe bis heute keine Ahnung, wie es abhanden gekommen sein könnte.
Zadkiel hatte es heute bereits am frühen Nachmittag eilig mich zu verlassen.
Das machte mich stutzig und ich wollte ihm das Versprechen abnehmen, dass er nicht zu den Steinbrüchen führe, um das Messer dort zu suchen.
Er weigerte sich, dieses Versprechen zu geben und ich wurde sauer.
Erstens war es ein weiter Weg. Zweitens ist der Weg nach dort nahezu unkenntlich und nichts besseres als ein laubbedeckter Wildwechsel.
Drittens war der Abstieg an einigen Stellen äußerst steil und rutschig. Der Handyempfang gleich null. Und es war Wildschweingebiet.
Ich konnte ihn nicht überzeugen.
Er wollte unbedingt.
Um 15:20 fuhr er los.

Um 16:30 begann ich ihn anzurufen.
Funkloch. Mailbox.
Um 17 Uhr bat ich meine Mutter die Kinder zu hüten, weil ich seine Leiche suchen gehen wollte.
Um kurz vor sechs kam dann ein Lebenszeichen von ihm.
Die Verbindung war schlecht und ich konnte ihn kaum verstehen, aber er sagte: "Wir sind noch an den Steinbrüchen. Aber ich habe das Ziel noch nicht erreicht."
Ich war ganz erstarrt: "Wer wir???"
Dann kurze Pause.
Er: "Ich meinte nur mich. Ich führe Selbstgespräche. Ich melde mich, wenn wir am Auto sind."
Und legte auf.


Und jetzt gibt es etwas, das ich vielleicht erwähnen sollte:
In der gesamten Zeit, die Zadkiel im dunklen Wald verbrachte, hatte ich unverhofften Whatsapp-Kontakt mit Brander.
Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, er hat Ärger im Paradies.
Er spielt mit dem Gedanken ans Nordkap zu reisen.
Allein.
Und während wir einander schrieben spürte ich, dass meine ganzen Gefühle für ihn immernoch da waren.
Sie hatten nur geschlummert.
Und ich musste an Zadkiel denken.
Zadkiel, der wahnsinnig in mich verknallt war, mir Blumen und Geschenke brachte und in die finstersten Wälder pilgerte, um gefällig zu sein.
Und dennoch.
Es ist nicht zu vergleichen.
Ich könnte Zadkiel niemals lieben.
Ich empfinde nichts für ihn.
Genauso aber könnte ich Brander niemals aufhören zu lieben.
Es ist unmöglich.

Ich kann nur mit gebührendem Abstand allen Dingen ihren Lauf lassen. Ich lasse Brander sein Leben in aller Ruhe und Frieden führen.
Ich lasse Zadkiel von seinen Plänen mit mir als seiner Zweitfrau träumen.
Am Ende sind wir alle nur Spielball der Götter.
Das Schicksal mischt die Karten.
Ich glaube, ich hab da keinen Einfluss auf das Spiel.

Ich geh einfach nur mit.

Und während ich da saß und über alles nachdachte, klingelte es an der Tür.
Ich schnappte mein Nudelholz, riss die Tür auf und zog Zadkiel am Schlafittchen in meine Wohnung.
"Was zum Kuckuck hast du so lange in den Wäldern getrieben?"
Er hob die Hände und grinste dämlich.
Das Messer hatte er zwar nicht gefunden, dafür aber eine ganze Reihe ruheloser Seelen von Menschen, die dort ihr Leben gelassen hatten.
Ich ließ das Nudelholz sinken. "Hast du ein junges Mädchen gesehen?"
Er nickte.
Ich schluckte.
"Wenn ich gewusste hätte, was du dort wirklich vor hast, hätte ich es dir erzählt."
Er wollte wissen, wie sie ums Leben gekommen war und ich zog ihn in die Küche, um ihm eine Schüssel heißer Kartoffelsuppe mit Rindfleisch in die Hand zu drücken. Währen er aß, erzählte ich ihm alles was ich wusste.
Anschließend wollte er zärtlich werden, aber ich wollte nicht.
Er fragte was los sei und ich sagte ihm, dass ein Exfreund sich gemeldet hat und meine Gefühle ein wenig durcheinander geraten waren
Ich sagte ihm auch, dass ich diesen Mann noch immer sehr verzweifelt liebte und dass meine Depression darin gründete.
Zadkiel wollte wissen, ob Brander mittlerweile neu liiert sei.
Und ich nickte. "Er hat eine Frau gefunden, die er von Herzen liebt und er will mit ihr zusammen ziehen."
Zadkiel streichelte zärtlich meine Schultern und sah mir fest in die Augen. "Ich kenne das. Ich weiß, wie du dich fühlst. Ich hab genau das gleiche hinter mir. Es wird dich vielleicht niemals gänzlich loslassen, aber du musst trotzdem deinen Weg weiter gehen."
Ich drückte ihn von mich.
Auf einmal war er mir unerträglich.
Ich deutete auf die Tür. "Es tut mir leid, aber ich möchte jetzt gern allein sein. Bitte geh."


Er sah mich einen Augenblick seltsam an.
Dann drehte er sich abrupt um und ging mit schnellen Schritten hinaus.

Ich drückte meine Stirn gegen den Küchenschrank und verfluchte alle Götter.




22.11.20 20:57, kommentieren

Winterschlaf

 

 

Die letzte Fightpractise mit Aelric lief gut soweit.

Leider macht mein Körper nicht mehr richtig mit.

Seit jüngster Zeit kämpfe ich bereits bei kleinsten Anstrengungen mit leichter Übelkeit.

Außerdem bin ich ständig müde und schlafe täglich mehrmals überall ein. Morgens komme ich gar nicht mehr aus dem Bett.

Ist das auch eine Form von Stress?

Habe jetzt eine Vitamin-D-Kur angefangen und meine Antidepressiva abgesetzt.

Es ist sowieso nicht gut, Johanniskraut zu nehmen, während ich mich auf den Schutz der Pille verlassen muss.

Das letzte was mir jetzt noch fehlte, wäre eine ungewollte Schwangerschaft!

 

 

Letzten Sonntag war ich bei einer ehemaligen Klassenkameradin.

Sie hat sich ihren Traum von einem zurückgezogenen naturverbundenen Leben jenseits der Zivilisation erfüllt.

Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen am Rande eines Fahrradweges nahe der Kinzig und bewirtschaftet dort ein großes Grundstück. Sie hält eine Schar Gänse und einen großen rumänischen Straßenhund, vor dem meine Töchter sich sehr fürchten. Aber er ist sehr lieb und ließ sich von mir streicheln.

An das Haus grenzt eine selbstgebaute Hütte. Die Treibholz-Taverne.

Sie hat vor, sich damit nach Corona zu verselbständigen.

Außerdem haben sie eine Wiese, die als Zeltplatz für mittelalterliche Lagergäste herhalten könnte.

Ihr Mann interessiert sich sehr für das Mittelalter und auch für den Schwertkampf. Er möchte, dass ich ihn mal mit zur SCA nehme.

(Aelric freut sich ob dieser Nachricht bereits ein zweites Loch in den Po….)

Jetzt wollten wir nur hoffen, dass das Interesse nicht nachlässt.

Sein eigentliches Interesse gilt aber der Heilkräuterkunde, weshalb er mich kommende Saison unbedingt als Führerin buchen will.

Ich glaube, das habe ich bereits in einem anderen Eintrag erwähnt.

Hoffentlich bin ich für den Job gut genug.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17.11.20 11:16, kommentieren

Alles ist zu viel

 

Ich komme gar nicht mehr zu mir.

Jeden Tag das gleiche Wettrennen gegen die Zeit…

Manchmal gewinne ich, manchmal gewinnt die Zeit.

 

In den vergangenen Tagen kam ich leider immer wieder zu spät zur Arbeit. Sowohl morgens, als auch nach der Pause.

Ich schaff es einfach nicht. Bin nur noch gestresst und gehetzt.

 

Jeden Tag ist was anderes: am Dienstag war Zadkiel da, gestern Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt und heute Poor-Angel. Ich bin nur noch am rotieren!

Macht mir doch meine Mutter glatteweg Vorwürfe, ich würde sie aus meinem Leben ausschließen, weil ich mich so wenig melde.

Aber dass ich vor Stress und Hektik seit drei Tagen nicht mal mehr kacken konnte, sieht keiner!

Von meiner Periode ganz zu schweigen…

Die hab ich diesmal nicht richtig gekriegt. Nur so ein halbherziges kurzwährendes Geschmier.

Sehr sehr untypisch für mich.

 

Leute, mir geht’s einfach nur noch schlecht.

 

Ich muss mich heute regelrecht zwingen, zum Training zu gehen. Außerdem weiß ich nicht, wie Aelric mich heute empfängt, nachdem ich beim letzten mal davon gelaufen war. Momentan dürfen wir uns nur zu zweit treffen. Deswegen bin ich auch nicht Dienstag sondern heute mit Schwertkampf dran.

Leider hatte ich noch keine Gelegenheit mich um die Vervollständigung meiner Rüstung zu kümmern.

Aber mein Ehrgeiz gebietet es mir trotzdem weiter zu machen.

 

Zeit mit den Kindern werde ich dann am Wochenende nachholen.

Da sind wir nämlich zum Spielenachmittag bei einer alten Bekannten von mir eingeladen. Sie hat gerade ihr zweites Kind bekommen und ihr fällt die Decke auf den Kopf.

Ich kenne sie eigentlich kaum, weil wir auf dem Gymnasium nie viel mit einander zu tun hatten. Aber sie hat mich jüngst auf Facebook angeschrieben und interessiert sich auch für Heilkräuter. Sie und ihr Mann wollen mich für eine Führung nächstes Frühjahr buchen.

Das kann ja heiter werden.

Wer weiß, ob ich für sowas gut genug bin.

 

 

Zadkiel ist nicht besonders glücklich darüber, dass ich jetzt erst mal keine Zeit für ihn habe.

Er hat mir gestanden, dass er sich in mich verliebt hat und ist nun sehr anhänglich geworden und will am liebsten jeden Tag bei mir sein.

Außerdem hat er mir beim letzten Besuch Geschenke mit gebracht. Einen bunten Wollmantel von Desigual und ein großes Halstuch mit einem Van Gogh-Sonnenblumen-Print.

 

 

 

Ich fühle mich irgendwie bezahlt.

 

 

 

 

 

 

12.11.20 14:56, kommentieren

Zwischen guten und schändlichen Taten

Zadkiel war am Samstag bei mir.

Die Kinder waren nicht da und wir konnten in Ruhe einen Filmeabend genießen.

Ich holte mein Mohnblüten-Öl und er hat meine Verspannungen damit ein bisschen gelockert.

Auch hat er wieder einen Versuch unternommen mich zu beglücken.

Leider kommen seine Bemühungen nach wie vor aktiver Sterbehilfe gleich, so dass wir auch diesmal irgendwann abbrechen mussten.

Ich weiß gar nicht, warum ich das alles mitmache. Weder finde ich ihn sonderlich attraktiv, noch hege ich irgendwelche Gefühle für ihn.

Aber irgendwie kann ich ihn verstehen. Er will unbedingt wieder potent werden und es darum immer wieder versuchen. Ich lasse ihn gewähren. Auch heute will er nach seinem Training bei mir vorbei schauen.

Vielleicht wird ein wenig Magie helfen?

 

Wir haben uns vorgenommen ein Starterkit mit psychoaktiven Pilzen anzubauen und damit eine bewusstseinserweiternde Reise zu unternehmen.

Das könnte uns beiden viele Fragen beantworten.

 

Ich bin bereit jeden Schritt zu unternehmen, der mich von meinem alten Leben weg bringt.

Und vielleicht haben die Götter mir diesen Verrückten geschickt, um mir dabei zu helfen.

 

 

 

 

Auf Facebook hab ich wieder eine Reihe lustiger Experimente gestartet.

Es kommt vor, dass befreundete Freunde, die ich nicht direkt kenne, Anfragen schicken.

Normalerweise ignoriere ich sowas.

Jetzt hab ich sie alle angenommen und sofort ein politisches Statement nach dem anderen rausgehauen.

Ich bin gespannt, wie süß und toll mich die Welt findet, wenn ich ihr einen Blick hinter die Fassade gönne!

 

Meine Freunde stehen nicht wirklich hinter mir.

Auf jedem Schlachtfeld steh ich stets allein.

 

Aber zumindest ist der Gegenwind bisher halbwegs erträglich.

 

Und dennoch…

 

Ich bin allein.

 

 

 

 

Ich hatte Branders Nummer beim letzten Gespräch wieder auf meinem Handy gespeichert.

Diesmal aber unter einem Pseudonym. Das macht die Sache unpersönlicher.

Leider sehe ich jetzt wieder seine ganzen Statusmeldungen und ich bin am überlegen, ob ich ihn wieder löschen soll.

Ich schaff es einfach nicht mein Herz vor ihm zu verschließen.

Wenn mein Weg mich nicht bald aus der Misere führt, weiß ich mir keinen Rat mehr.

 

 

 

 

Gestern habe ich eine Betreute von meinem Chef nach Hanau zu einem MPU-Termin gefahren.

Ich blieb die ganze Zeit an ihrer Seite und hab sie angefeuert und moralisch unterstützt.

Sie ist eine alte Witwe mit beginnender Senilität, aber dringend auf ihr Auto angewiesen.

Was am traurigsten ist: weder ihre Tochter noch ihre erwachsenen Enkelsöhne haben sie zu dem Termin fahren wollen.

 

Ich ganz allein hab es getan und meinen freien Nachmittag dafür geopfert.

 

Zum Dank hat sie mir abends spät noch 50,- € zugesteckt.

(Das klingt viel. Allerdings hab ich allein fürs Parkticket bereits 12,00 € gezahlt… )

 

 

Tja, das war meine gute Tat für diesen Monat.

 

 

<3

 

 

 

 

 

10.11.20 09:58, kommentieren

Gespräch mit einem Engel

 

 

Zadkiel war gestern bei mir.

 

Der Mann ist ein Medium.

 

Auf mir unerklärliche Weise hat er mich in eine Gesprächsebene geführt, die mich in meiner Heilung weit voran gebracht hat. Wir haben bis weit nach Mitternacht geredet.

Mir war nichts zu peinlich. Ich konnte sogar ungeniert vor ihm weinen und ihm von all meinen Gefühlen und meinem Unfrieden beichten.

Obwohl er rund 10 Jahre jünger ist, hat er besondere Gaben, die ihm ermöglichen mir wirklich zu helfen.

Ich weiß von ihm, dass er gelegentlich Gesichter hat und oft genug die Zukunft voraussehen kann.

Er hat schon vor zwei Tagen unser Treffen gesehen und wusste daher ganz genau, was seine Aufgabe war.

Nichts hat ihn darum überrascht.

 

Er hat mir gesagt, dass Brander mich nicht hasst, weil er mich mag und dass ich durch mein permanentes Leiden und die Selbstkasteiung ihm gleichermaßen schade wie mir selbst und dass ich darum damit aufhören muss und zwar sofort.

Weiter zu büßen für eine Tat, die für den weiteren Verlauf des Schicksals nicht einmal so falsch wie nötig gewesen war, wäre sinnlos und nicht den Göttern gefällig.

Auch soll ich meine Suizidgedanken beiseite schieben, weil die Vernichtung meines Lebens umso härter bestraft wird, als dass ich meine Aufgaben noch nicht vollumfänglich erfüllt habe, sowie mein Dasein als ein Geschenk zu verstehen ist und entsprechend ehrfürchtig behandelt werden sollte.

 

Obwohl er in einer festen Beziehung mit er 22jährigen a-sexuellen Frau ist, hat er einen sogenannten Freifahrtsschein zu tun, was immer ihm gefällt, so lange sie es nicht hören muss.

Doch bei dem Versuch mit mir zu schlafen, hat er mit so schweren Erektionsproblemen zu kämpfen gehabt, dass wir es schließlich aufgeben mussten.

Aber das war nicht schlimm.

Er hat meine Haut gestreichelt und mich warm gehalten, so dass ich mich wohl genug gefühlt habe.

Leider mag er keine Brüste und will sie auch nicht anfassen.

Er steht auch überhaupt nicht darauf, wenn ich mich selbst berühre oder befriedige.

Und auch als ich ihm einen Handjob geben wollte, mochte er es nicht. Er mag nur sehr langsame Bewegungen und das kann ich nicht.

 

Ich glaube nicht, dass das Freundschaft-Plus-Modell mit ihm funktionieren wird.

Er ist als Liebhaber untauglich.

 

Aber er besitzt eine unglaubliche Seele und sehr tiefschürfende Gedanken.

Und seine Art in meine überstrapazierte Psyche einzudringen und dort aufzuräumen hat etwas an sich, dass mich mehr befriedigt, als ich es beschreiben könnte.

 

Er verströmt eine Ruhe und einen Frieden und so berieselnde Empfindungen, wenn er spricht, dass ich um die Vermutung nicht herum komme, dass er mir von höherer Ebene geschickt, bzw. als Medium vom magischen Fluss erwählt wurde.

 

Er hat insbesondere eine hoch interessante und sehr schlüssige Auffassung vom Thema Gerechtigkeit, dass ich ihn Zadkiel nennen muss.

 

Er will mich ein Stück begleiten.

 

Er hat das verirrte Kind in mir gesehen und an die Hand genommen.

 Es geht vorwärts.

 

Nächste Saison will er mich für eine Lagergruppe als Kräuterhexe haben. Ich wäre eine gute Ergänzung für sein schulmedizinisches Wissen.

Und er will mir Huscarl beibringen.

 

Ich hab sein Angebot angenommen.

 

Er muss das aber noch mit dem Rest der Sippe klären.

 

 

Es bleibt spannend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.11.20 11:33, kommentieren

Depressionen

 

 

Ich arbeite als Rechtsanwaltsfachangestellte in einer kleinen Kanzlei auf dem Land, wo ich sozusagen das Mädchen für alles bin.

Meine Chefs sind ein Ehepärchen und decken gemeinsam ziemlich viele Rechtsgebiete ab.

Betreuungssachen und Zivilrecht machen allerdings beide gleichermaßen.

Betreute sind Leute, die entweder aufgrund geistiger Behinderungen oder altersbedingt ihr Leben nicht mehr allein geregelt kriegen. Allen voran finanzielle Angelegenheiten, aber auch in der Pflege.

Und da kommen wir ins Spiel und managen alles, damit die Betreuten sich um nichts mehr kümmern müssen.

Unsere Aufwände bekommen wir entweder von der Staatskasse oder (falls vermögend) vom Betreuten direkt quartalsweise vergütet.

Eigentlich eine nette Sache und ein gutes Werk.

Allerdings sind einige unserer Betreuten schwer geistig erkrankt und rufen an und brüllen den größten Quark in den Hörer.

Andere dagegen produzieren einen Berg Arbeit und Chaos. Ja, und dann gibt’s da noch unsere Sorgenkinder, denen es wirklich schlecht geht und mit denen man quasi mitleidet.

Da sind Alkoholiker, Schmerzpatienten, schwerst manisch Depressive und lauter andere Menschen ohne Lebensmut.

Tja, und da passiert es gelegentlich, dass sich der eine oder andere in den Suizid flüchtet.

 

Letzte Woche hat einer unserer Betreuten einen Selbstmordversuch begangen und kam darauf in die Intensivstation. Er litt unter einer Schilddrüsenunterfunktion und hat seine Tabletten nicht genommen. Das hat unweigerlich zu heftigsten Depressionen und dem Verlust des Lebenswillen geführt. Nach einem Gespräch mit der Psychologin wurde er jedoch nicht in die geschlossene Abteilung sondern in ein normales Krankenzimmer im ersten Stock verlegt. Dort hat er sich dann vor vielen Zeugen aus dem Fenster gestürzt. Mit der Schädeldecke voran ist er dann auf dem Beton aufgeschlagen und war sofort tot.

Ich hab seinen Sohn und seine Tochter angerufen.

 

Heute ist wieder ein Betreuter gestorben.

Nachdem ich wochenlang darum gekämpft habe, dass der Typ endlich einen Bauchkatheder kriegt, weil ihm buchstäblich der Schwanz verfault und die halbe Pisse vorbei suppt, ist er letzte Nacht an Erbrochenem erstickt.

 

Es ist der Horror.

 

Wenn man sich im Bereich der Altenpflege so umschaut, vergeht einem die Lust auf ein langes Leben…

 

 

Ich weiß ja, dass ich seit einem Jahr in der Depression festhänge, aber ich hab den Kampf noch nicht aufgegeben.

Mittlerweile nehme ich täglich Antidepressiva, um von den Stimmungstiefs weg zu kommen.

Auch ansonsten tue ich sehr viel: ich höre Musik, kleide mich farbenfroh, schminke mich, hol mir massenhaft Bestätigung, gehe viel nach draußen, treffe mich mit Leuten, ernähre mich gesund und halte die Hände nonstop in Bewegung mit meinen Hobbys.

Leider macht dieses Programm einen auf Dauer ziemlich müde, so dass ich ständig überall einschlafe.

Das hat zugegebenermaßen meinen Kaffee-Konsum ein wenig in die Höhe getrieben.^^

 

Apropos Kaffee: ich bekomme heute ja Besuch von dem jungen Huscarl-Kämpfer.

Ich freue mich schon sehr darauf.

Auch wenn er mich ein bisschen beleidigt hat. Als ich ihm erzählte, dass ich einen Kuchen für ihn backen will, hat er ziemlich doof reagiert.

Er sagte, er würde keinen Müll essen.

Im weiteren Gespräch erfuhr ich dann, dass er damit Weizenprodukte allgemein meint.

Trotzdem fand ich das gar nicht nett!

 

Hab auch die letzten Tage nur damit verbracht meine Wohnung etwas aufzuräumen.

Er ist Soldat und höchstwahrscheinlich perfekt gereinigte Reviere gewöhnt.

Yo, und ich bin berufstätige zweifache Mutter und lebe im Zustand der Überforderung im Stadio Ultimo, gekrönt von einer depressiven Antriebslosigkeit, die mir täglich ein Maximum an Überwindung und Willensstärke abverlangt, um wenigstens die überlebensnotwendigsten Tätigkeiten zu verrichten.

Selbst die Hausaufgaben meiner Tochter und der Kampf mit ihren begriffsstutzigen Lehrkräften ist mir schon zuviel!

 

 

Ich glaube, ich brauche einen Betreuer…

 

*Kopf mehrfach auf Tischplatte knall*

 

 

 

3.11.20 11:16, kommentieren

Eisenherz? Pfff...Hauptsache Stahl!

 

Ich wurde ziemlich unvermittelt von einem Vertreter der Eisenliga angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte, sein Team zu verstärken.

Die Überraschung war groß. Ich hatte mich vor einigen Monaten um eine Stelle als Supporter beim Berlepsch-Cup 2020 beworben und war untröstlich, als der Buhurt wegen Corona ausgefallen war.

Jetzt bietet sich mir die Möglichkeit nächstes Jahr selber als Kämpferin dort teil zu nehmen.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll!

Was für eine unglaubliche Ehre.

 

 

Ich hab übrigens mit einem der Huscarl-Typen aus Langenselbold neuerdings Whatsapp-Kontakt. Es ist der Herr mit der Khatanga. Ihm habe ich mich anvertraut und ihm gesteckt, dass ich mich jetzt auch für Buhurt interessiere.

Er war zunächst etwas irritiert, will aber nächsten Dienstag auf einen Kaffee zu mir kommen und mit mir darüber sprechen. Er selbst kämpft bereits Buhurt (Vollkontakt 10 gegen 10) und will es mir höchstwahrscheinlich ausreden. (Er ist 10 Jahre jünger als ich, es ist also ganz sicher kein Date)

 

 

Meine letzte Fight-Practise lief etwas anders als geplant.

Wolf ist krankheitsbedingt nicht erschienen.

Die Huscarl-Mannschaft durfte wegen verschärfter Corona-Regeln nicht erscheinen und so fand die Stunde auch nicht in der Halle sondern im Freien statt.

Aelric und ich brauchten weder Rüstung, noch sonst irgendwas. Wir haben nur harmlose Trockenübungen und Theorie abgearbeitet.

Hinterher saß ich noch bei ihm im Auto, wo es wärmer war, als unter der Eisenbahnbrücke, und wir ungestört reden konnten.

Leider driften unsere Gespräche nur immer wieder allzuschnell in die sexuelle Ebene ab und bleiben dort irgendwie hängen.

Manchmal stört mich das nicht. Aber diesmal war mir nicht danach und ich bin mit Blick auf die späte Uhrzeit ausgestiegen und ohne weitere Förmlichkeiten abgehauen.

Aelric ist ein erwachsener Mann. Er wird das verkraften.

Er wird sich das gleiche denken, was alle Männer in solchen Situationen denken: „Weiber!“ und nach einem müden Schulterzucken einfach weiterleben.

Ich dagegen muss damit leben, ihm weh getan zu haben, damit ich ihm nicht weh tun musste.

Klingt komisch, ist aber so.

Wäre ich geblieben, hätte er zweifelsohne irgendwann irgendwelche Annäherungsversuche gestartet.

Und ich bin nicht interessiert.

 

Außerdem habe ich die Vermutung, dass er vielleicht meinen Blog gefunden haben könnte.

Wäre ja nicht weiter verwunderlich, schließlich habe ich oft genug sein Alterego genannt.

Allerdings könnte und wollte ich einem Menschen, der meine ganze Geschichte kennt, nie wieder unter die Augen treten. Darum will ich erst mal daran festhalten, dass ich mich irre.

 

 

29.10.20 15:14, kommentieren

Wasser kann alles sein

 

 

Wasser ist die Urkraft und fließt wohin es will.

 

Es kann jede Gestalt annehmen: Füllt man es in einen Krug, wird es zum Krug.

 

Wasser kann sehr hart sein, Wasser kann kalt sein.

 

Es ist unverwundbar und wird von allen gebraucht.

 

 

 

Wie schön ist es doch, dass wir Menschen zu 70 Prozent aus Wasser bestehen.

 

 

Das gibt uns doch eigentlich genug Potential mit auf den Weg, um in der rauhen feindlichen Welt zu bestehen.

 

 

 

 

Brander hat vergangene Woche Kontakt zu mir gesucht.

 

Ich hab versucht eisern zu bleiben. ->Hart.

Ich hab versucht reserviert zu sein. ->Kalt.

 

Aber dieser verdammte Kerl ist einfach zu liebenswert mit seiner freundlichen und gefälligen Art. Und so hat mich nach kurzem Wortwechsel sein verfluchtes Charisma schon wieder in seinen Bann gezogen.

Als ich es merkte, war es schon zu spät.

Mir blieb nur noch die Notbremse: ich stieg ohne weiteres Wort aus der Unterhaltung aus.

 

Aber es hat schon gereicht…

Er hat meine vergrabenen Gefühle und Gedanken wieder zu Tage gefördert, wie wann ein Rindvieh das Gras wegfuttert, welches über eine Sache wachsen soll!

 

Und da waren sie wieder: Depression, Tränen und Unglück

 

 

In meiner Not hab ich Lucky angeschrieben. Ich wollte nur ein paar nette Worte von ihm. Ablenkung. Irgendwas.

Allerdings hat sich unser Kontakt auf „Guten Morgen“ und „gute Nacht“ reduziert und er schaut ansonsten meine Nachrichten entweder gar nicht oder erst viel später an.

So hat er auch in diesem Fall erst am Folgetag und sehr wenig hilfreich zurück geschrieben.

 

 

Worüber haben Brander und ich gesprochen?

Es ging hauptsächlich um meine mangelhafte Rüstung und die Verletzungen, die ich riskiere.

Er hat mir Vorschläge gemacht, wie ich mich besser schützen kann.

Es war auch ziemlich niedlich, wie er die anderen betitelt hat, die mir den Schaden zugefügt haben.

Ich mag Männer mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt.

 

Tja, heute abend ist die nächste Stunde in Vollkontakt und meine bestellten Protektoren sind noch nicht angekommen. Auch ist mein Schild bei Aelric zur Reparatur und der kommt heute – wenn überhaupt – erst ein paar Stunden später. Und jetzt kommts: Mein Helm musste wegen einer drückenden Schweißnaht ebenfalls in Nachbearbeitung und so ziehe ich heute nur mit einer Fechtmaske in den Kampf.

Ich hab ein ziemlich mieses Gefühl.

 

Ich hab Angst.

 

Aber ich bestehe glücklicherweise zu 70 Prozent aus Wasser.

Und Wasser kann alles sein.

 

Vielleicht sogar mutig.

 

 

 

Um mich im Zuge meiner Selbstheilung (mental wie körperlich, denn meine Wunden sehen immernoch schrecklich aus) habe ich den Portaltag am Sonntag vollumfänglich ausgeschöpft, um mich zu energetisieren.

Nicht nur, dass ich bereits vor dem Aufstehen den Tag mit heftigster Sexualmagie begonnen und den längsten Orgasmus meines Lebens genossen habe, ich hatte außerdem mit meiner neuen Hexenanwärterin Ginger eine kleine Exkursion auf dem Programm.

Ich holte sie um elf Uhr vormittags ab und wir fuhren zu meinen heiligen Steinbrüchen.

Es war eine sehr lustige Fahrt! Ich saß fröhlich am Steuer und plauderte vor mich hin und gelegentlich war ein leises „ach du Scheiße“ von der Beifahrerseite zu hören, wenn die Reifen in den Kurven quietschten. Hinterher hat sie den Sitz nach verlorenen Flüssigkeiten abgetastet….

LOL

 

Ginger ist was ich einst war.

Sie hat Angst vor dem Leben und genauso Angst, es zu verpassen.

Hinter ihren Augen arbeitet es nonstop

Sie ist ein sehr tiefes Wasser.

Darum sollte Wasser auch unser Thema am Sonntag sein.

 

Als wir den See im Wald erreichten, konnte ich endlich den tiefen harmonischen Frieden der Atmosphäre mit einem würdigen Menschen teilen.

Ginger saß eine ganze Weile schweigend und staunend am Ufer und war sofort ganz im Bann der heiligen Aura.

Auch für mich ist es immer wieder ein Wunder. Und ich staunte mit ihr gemeinsam.

 

Nach einer Weile zog ich mich aus und legte ein kleines Tuch (eine alte Spuckwindel) ans Ufer.

Dann ging ich hinein.

 

Ginger kam bis zu den Knien und machte einen Kneipp-Gang.

 

Ich tauchte so schnell wie möglich unter und schwamm eine kleine Runde.

Die Kälte war schneidend. Im Bereich der Schlüsselbeine bekam ich richtiggehend Schmerzen.

Schnell verließ ich das Wasser wieder und stellte mich in die Sonne.

Und dann fühlte ich was merkwürdiges: Meine Haut war rundherum gefühllos. Ich spürte nicht einmal mehr die Kälte.

Ich rieb mich mit dem Tuch trocken. Auch das spürte ich nicht.

Und später, als ich mich angezogen hatte, spürte ich noch lange Zeit ein Kribbeln an den Fußsohlen.

 

Ich glaube, das Wasser hat mir eine Art Geschenk gemacht.

Es wollte meine Gefühle betäuben. Mir ein dickeres Fell verleihen. Mich kalt genug machen.

 

 

Den Rest des Tages hatte ich mit Ginger Früchte und Wurzeln für diverse Pülverchen und Salben gesammelt.

Die Verarbeitung wird mich noch eine ganze Weile in Anspruch nehmen…

 

 

 

Ich lass von mir hören. *zwinker*

1 Kommentar 27.10.20 11:05, kommentieren

Die Leiden des jungen Anwärter

 

 

Letzten Sonntag war ich mit meiner Freundin Ginger in Münzenberg und hab mir die Burgruinen angeguckt.

Das war sehr schön und wir hatten viel Spaß. Hinterher sind wir noch durch die Altstadt gelaufen und haben uns alte Fachwerkhäuser angesehen.

Weil wir noch Zeit hatten haben wir auf dem Rückweg einen Abstecher zum Keltengrab von Glauberg gemacht.

Dort haben wir Kaffee getrunken und uns die Ausgrabungen angesehen.

 

Ich genieße die Zeit sehr, die ich mit Ginger verbringe.

Sie ist immer so tief beeindruckt von allem was ich zu erzählen habe und lässt mich glauben, ein interessantes Leben zu führen.

Sie selbst ist ein sehr vorsichtiger und zurückhaltender Mensch. Das macht sich vor allem durch ihren Fahrstil bemerkbar. LOL

Ich glaube, das nächste mal fahre ich und lasse sie – großzügig wie ich bin – eine Extraportion Nervenkitzel spüren, um ihrem Puls zu einer vertretbaren Frequenz zu verhelfen…

 

 

Abends habe ich die Kinderchen abgeholt und war noch eine Runde mit ihnen Inliner fahren.

Auch Der-Mit-Zwei-Jobs-Tanzt war anwesend und hat es auch nicht versäumt nach mir zu grapschen, als sich die Gelegenheit bot.

Aber ich quittierte sein Verhalten durch einen recht abrupten Abgang.

 

 

Gestern war ich wieder bei der Gruppe, die Huscarl trainiert.

Allerdings waren zwei SCA-Leute dabei, so dass ich hauptsächlich Heavy-Fight gekämpft habe.

Mein Gegner war Wolf, der ehemalige Baron des Shires, und er hat mir ein paar ziemlich üble Treffer verpasst.

Mir geht es darum erst mal nicht so gut.

Ich dachte, mein rechter Oberarm wäre gebrochen.

Als ich mit einem Schrei in die Knie ging, hat Wolf doch tatsächlich besorgt seinen Helm ausgezogen. Ich musste ihn schnell beschwichtigen, sonst hätte er mich nicht weiter kämpfen lassen. Ihm ist ausreichender Schutz wichtiger als alles andere.

Ich dagegen lege Wert auf Beweglichkeit. Ich habe einfach kein Bock auch noch gegen meine eigene Rüstung zu kämpfen. Ich finde, ich schlepp schon genug Ballast mit mir rum. Außerdem dauert mir das Anrödeln der zahlreichen Teile viel zu lange!

Auch mein linker Oberschenkel hat seitlich neben der Lederplatte zwei harte Treffer auf die selbe Stelle kassiert.

Wolfs Talent liegt offenbar darin, ungeschützte Stellen zielsicher zu attackieren. Gewiss ist das eine erzieherische Methode, um mir seine Prinzipien in Punkto Schutz klar zu machen.

 

Ich bin deswegen nicht böse.

 

Die Götter wollten ganz offensichtlich, dass ich auch mal kräftig einstecken soll.

Zumindest weiß ich nun, wo ich meine Rüstung nachbessern muss.^^

 

Dummerweise hat auch mein Schild nun das Zeitliche gesegnet, bzw. sich brockenweise in Wohlgefallen aufgelöst. Lord Aelric hat ihn deshalb mitgenommen und schaut, ob er ihn retten kann.

 

 

Einer der Huscarlkämpfer ließ mich nach dem Training mal seine 15 KG-Samurai-Plattenrüstung anprobieren. (ich sag Samurai und meine eigentlich Khatanga-Rüstung, aber das jetzt zu erklären sprengt den Rahmen.)

Im Nachhinein betrachtet hätte ich vielleicht meinen Gambeson drunter lassen sollen….

Die ersten drei Probeschläge in den Rücken konnte ich noch lächelnd verbeißen.

Der letzte Hieb traf mich jedoch mit der Wucht eines Rammbocks und presste mir schlagartig alle Luft aus der Lunge, so dass ich prompt in den Vierfüßlerstand fiel und eine ganze Weile kein Wort mehr hervor brachte.

 

Seltsamerweise hatte ich vor meinem geistigen Auge den Schwertstreich kurz vor Treffer tödlich in meinem Hinterkopf einschlagen sehen. Und ich war verblüfft, dass ich eine falsche Vision gehabt hatte.

 

Die Männer erklärten einstimmig, dass ich für eine Frau wahnsinns „Eier“ besäße und ich zeigte mich dankbar für dieses …äh… Kompliment.

 

 

Trotzdem:

Mich hat die Sache hinterher nervlich ziemlich ins Flattern gebracht.

Ich war schon lange zu Hause und hatte mich mit Traumeel behandelt, als ich am Tisch saß und wie verrückt zu zittern anfing.

 

 

Auch die Nacht war schlimm.

 

Ich konnte weder auf meinem rechten Arm noch auf meinem linken Bein schlafen.

 

 

Heute morgen sahen die Blutergüsse noch viel schlimmer aus.

 

 

Ich werde nachher Retterspitz und Arnica D12 kaufen gehen.

 

 

 

Es tut so scheußlich weh.

21.10.20 10:49, kommentieren

Masochist müsste man sein...



Balder war der reinste, der unschuldigste und friedliebenste aller Götter. Sein Vater Odin war darum nicht immer stolz auf ihn, weil er Balder für zu zart besaitet erachtete. Doch Frigg, seine Mutter, liebte ihn so sehr, dass sie von allen Geschöpfen dieser Welt einen heiligen Eid abnahm, dass sie Balder nichts zu Leide tun wollen.
Nur eine kleine junge Mistel sah so arglos aus, dass Frigg auf deren Schwur verzichtete.
Ein Mistelzweig sollte es aber letztendlich sein, der von der Sehne Hödur's Bogen geschossen den armen Balder tödlich verwundete, so dass er zu Hel ins Totenreich fahren musste.
Hermodr versuchte seinen Bruder zurück zu holen, doch die Herrin der Toten forderte einen Preis dafür. Sie verlangte, dass erst alle Lebewesen eine Träne um Balder vergießen mögen.
Und so geschah es auch. Einzig Loki in Gestalt einer Trollfrau verweigerte den Gefallen.
Obwohl die ganze Welt um Balder trauerte, hat eine einzige unvergossene Träne sein Schicksal besiegelt....

Warum erzähle ich euch das?

Es gibt eine besondere Waffe, die sich Sax nennt.
Schon letztes Jahr war ich Feuer und Flamme eines Tages eine solche Klinge zu besitzen.
Es war auch Gegenstand einer der ersten Unterhaltungen zwischen mir und Brander gewesen und je mehr ich über das Sax erfuhr, desto größer wurde mein Verlangen danach.
Wie ihr wisst, bin ich bereits seit meiner Jugend ganz hingerissen von Waffen aller Art.
Wenn es dann vorkommt, dass ich mich in eine spezielle Waffe verliebe, dann ist das etwas ganz besonderes und lässt mir auch keine Ruhe, bis ich sie endlich mein Eigen nennen darf.
Im August diesen Jahres hab ich dann endlich das perfekte Sax gefunden und bei Kovex Ars in Auftrag gegeben.
Vor einigen Tagen hielt ich es endlich in meiner Hand und wäre vor Glück fast zersprungen.
Es kam genau rechtzeitig, um es selbigen abends in meiner ersten Trainingsstunde in Huscarl zu testen.
Da ich ein recht einsames Leben führe, habe ich kurzerhand ein Video von meinem euphorischen Ausbruch gedreht und in einer Facebookgruppe veröffentlicht.
Ich war sehr gespannt, wie die Leute mit so viel unverhohlener Freude umgehen würden.

250 Reaktionen habe ich bisher erhalten.
185 Menschen fanden es toll.
27 konnte ich zum Lachen bringen.
22 Herzen flogen mir zu.
10 Umarmungen habe ich kassiert.
Und 6 haben sogar gestaunt.
Ich weiß, dass das bloß mehr Schein als Sein ist.
Das sind schließlich alles Fremde, deren Meinungen im Grunde ohne jede Bedeutung sind.
Aber es fühlte sich so schön an - als ob die ganze Welt mit mir jubelt und das hat mir das Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt.

Wenn man jedoch seine Gefühle so offen legt, wie ich das getan habe, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn eine handvoll Arschlöcher mit voller Wucht hineintreten.... ...weil sie es können.

Ich hab das ganz wissentlich in Kauf genommen.

Ich war überzeugt, dass die Freundlichkeit überwiegen würde und dass mir genug Fans zur Seite springen würden, sobald die ersten Angreifer kommen.

Erwartung Nummer 1 erfüllte sich: Die Angreifer kamen.

Es konnte sich einfach nicht JEDER für mich freuen.

So, wie auch nicht jeder um Balder weinen wollte.

Erwartung Nummer 2 war ernüchternder.... Nur ein einziger älterer Herr hat mich in Schutz genommen.

Das Video wurde 4.325 mal aufgerufen.

264 mal wurde es kommentiert.

Und nahezu alle haben Beifall geklatscht.


Aber nur ein einziger Mensch besaß genug ehrliche Freundlichkeit, um mit mir gegen die Loki-Zungen zu kämpfen.


Das ganze Thema, welches ich hier anspreche versinnbildlicht den Geist unserer Zeit.

Die Menschen besitzen gerade mal genug Courage, um dem Herdentrieb zu folgen.
Mehr darf man einfach nicht mehr erwarten.

Ich habe die Situation ganz bewusst provoziert.
Es war ein Experiment.

Ich war einfach zu sehr davon überzeugt, dass kein Mensch auf der Welt so schlecht sein kann, in ein lächelndes Gesicht zu rotzen.

Ich habe mich leider geirrt.




17.10.20 16:30, kommentieren



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung